Synergie zwischen den Sektoren: Förderung der Gesundheit von Migranten durch ressortübergreifende Maßnahmen Migration gilt als eine der größten Her- ausforderungen für die Gesellschaft in der Gegenwart und auch in den kommenden Jahrzehnten. Weltweit gibt es heute etwa 215 Millionen internationale Migranten und 740 Million Binnenmigranten. Infolge der Mobilität des Menschen nimmt die Vielfalt in der gesamten Gesellschaft zu, was mit mehreren Integrationsproblemen und demografisch- en Herausforderungen verbunden ist. Die Gesundheitssysteme müssen flexibel sein und sich an den unterschiedlichen gesundheitlichen Profilen und Bedürfnissen der Menschen aus- richten. Zudem ist das Recht auf Gesundheit ein universeller, im Verfassungsrecht zahlreich- er Länder verankerter Wert. Die Gesundheit der Migranten muss daher im Einklang mit den Menschenrechtsprinzipien geschützt werden, damit die Migrantenbevölkerung sozial, wirtschaftlich und politisch zur Gesellschaft beitragen kann. Dieser Gedanke liegt der Res- olution WHA61.17 über die Gesundheit von Migranten zugrunde, die von der Weltgesund- heitsversammlung 2008 gebilligt wurde. Migranten sind eine heterogene Bevölkerungs- gruppe, die diverse und einander überschnei- dende Kategorien umfasst, darunter Wander- arbeitnehmer und ihre Familien, internationale Studierende, nicht registrierte Migranten, Binnenvertriebene, Asylsuchende, Flüchtlinge, unbegleitete Minderjährige und Opfer von Menschenhandel. Das Fehlen einheitlicher Definitionen veranschaulicht, wie komplex dieser Bereich ist. Zudem sind an der Auseinandersetzung mit dem Thema Migration und Gesundheit verschiedenste nichtstaatliche Akteure und Regierungsressorts wie Inneres und Auswär- tige Angelegenheiten, Justiz, Arbeit, Soziales, Bildung und Gesundheit beteiligt, deren Konzepte und Maßnahmen bereichsüber- greifende Auswirkungen haben. Der Weg zu einem koordinierten, strukturellen und nachhaltigen Wandel auf diesem Gebiet führt über ressortübergreifende, vielschichtige und grenzüberschreitende Ansätze. Mit dieser Gr- undsatzdarstellung sollen politische Entschei- dungsträger und leitende Regierungsbeamte einen Überblick über die wichtigsten in diesen Prozess eingebundenen Akteure des Staates und über wesentliche sektorübergreifende Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit von Migranten und ihrer Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit erhalten. September 2016 Gesundheit 2020: Bereichsübergreifendes Handeln zugunsten der Gesundheit von Migranten 5 Sozialer Fortschritt wird am besten mit Hilfe von objektiven Indikatoren für Gesundheit, gesundheitliche Chancengleichheit und Wohlbefinden gemessen, und dies schließt die Bedingungen ein, unter denen Menschen geboren werden, leben und arbeiten. 1 Gesundheit und Wohlbefinden sind öffentliche Güter und Aktivposten für die menschliche Entwicklung, die zu starken, dynamischen und kreativen Gesellschaften beitragen. 2 Gesundheit und Wohlbefinden werden am ehesten erreicht, wenn alle Bereiche staatlichen Handelns zusammenarbeiten, „Gesundheit 2020“ wirbt für gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Ansätze. 3 Gesundheit und Wohlbefinden können verbessert und gesundheitliche Ungleichheiten können verringert werden, wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden und mit anderen Politikbereichen kooperiert wird. 4 Unterschiedliche Länder, Städte und Gemeinschaften befinden sich in unterschiedlichen Ausgangslagen; jeder Akteur ist einzigartig und kann gemeinsame Ziele auf unterschiedlichen Wegen verfolgen. Zentrale Aussagen Die Zielsetzung von „Gesundheit 2020“ ist eine „erhebliche Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, Stärkung der öffentlichen Gesundheit und Gewährleistung nachhaltiger bürgernaher Gesundheitssysteme, die flächendeckend sind und Chancengleichheit sowie qualitativ hochwertige Leistungen bieten“. 2 Gesundheit 2020: Bereichsübergreifendes Handeln zugunsten der Gesundheit von Migranten In der Europäischen Region der WHO sind etwa 8% der Bevölkerung, d. h. 77 Millionen Menschen, Migranten (Vereinte Nationen, Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten, 2013). Die Migration hat kurz-, mittel- und langfristige Auswirkungen auf die öffentliche Gesund- heit, die sich je nach Land unterscheiden, jedoch alle 53 Länder der Europäischen Region betreffen. Die Länder des südlichen Mittelmeerraums bewältigen vor allem plötzlich anschwellende gemischte Migra- tionsströme aus Nordafrika und dem Nahen Osten, während die nordeuropäischen Länder sich der Herausforderung stellen, aufgrund ihrer förderlichen Sozialschutzsys- teme hauptsächlich Flüchtlinge und Asylsuchende zu integrieren. Die Länder im östlichen Teil der Region nehmen eine wachsende Zahl von Wirtschaftsmigranten auf. Trotz der unterschiedlichen subregio- nalen Migrationsmuster gilt es, im Rahmen eines überregionalen Dialogs gemeinsame gesundheitspolitische Frage- und Prob- lemstellungen anzugehen, um für koor- dinierte und nachhaltige Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und der Gesundheitssysteme zu sorgen und die Gesundheit der Migranten und der Bev- ölkerung insgesamt zu verbessern. Einführung in die Thematik: Migration und Gesundheit in der Europäischen Region der WHO Geschätzter Bevölkerungsanteil der Migranten in der Europäischen Region der WHO Menschen (2013) 8% 77 mio 3Weltgesundheitsorganisation Alle Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO haben die Überwachung von Fortschritten bei der Ver- wirklichung von sechs gemeinsamen Dachzielen vereinbart: 1. Senkung der vorzeitigen Mortalität in der Europäischen Region bis 2020 2. Erhöhung der Lebenserwartung in der Europäischen Region 3. Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich in der Europäischen Region 4. Förderung des Wohlergehens der Bevölkerung in der Europäischen Region 5. Sicherung einer universellen Gesundheitsversorgung und des Rechts auf ein Höchstmaß an Gesundheit 6. Aufstellung nationaler Ziele und Vorgaben für die Gesundheit in den Mitgliedstaaten. Gesundheit 2020: ein Handlungsrahmen Was Gesellschaften ermöglicht, sich zu entfalten und zu gedeihen, ist auch der Gesundheit von Menschen förderlich, und politische Handlungskonzepte, die dies berücksichtigen, sind wirkungsvoller. Es ist wesentlich, das Bewusstsein für die Notwen- digkeit zu schärfen, gesundheitliche Ziele zum festen Bestandteil der sozioökonomischen und menschlichen Entwicklung der Gesellschaft zu machen, und die dafür erforderlichen Kapazitäten zu schaffen. Alle Politikbereiche einschließlich des Gesundheitsbereichs müssen ihre Arbeitsweise reformieren und auf der globalen, regionalen und lokalen Ebene neue Politikformen und-ansätze nutzen. Die Zielsetzung von „Gesundheit 2020“ ist eine „erhebliche Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, Stärkung der öffentlichen Gesundheit und Gewährleistung nachhaltiger bürgernaher Gesundheitssysteme, die flächendeckend sind und Chancengleichheit sowie qualitativ hochwertige Leistungen bieten“. 4 Gesundheit 2020: Bereichsübergreifendes Handeln zugunsten der Gesundheit von Migranten Im Migrationsprozess – Verfahren, die Migranten in den Herkunfts- und Transitlän- dern, während der Reise, in den Ziellän- dern und während des Rückkehrprozesses durchlaufen müssen – sind Migranten potenziell Gesundheitsrisiken ausgesetzt, die ihr körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden beeinträchtigen können. Zwar liegen die meisten dieser Risikofak- toren außerhalb des Gesundheitswesens, Der Migrationsprozess als Determinante der Gesundheit von Migranten haben sie doch starken Einfluss auf die Gesundheitsergebnisse dieser Bevölk- erungsgruppe und der Gastgemeinschaft. So haben Migranten in den Transit- und Zielländern möglicherweise nur begren- zten Zugang zu Präventionsangeboten und zur Gesundheitsversorgung, was sie anfälliger für Infektions- und nichtüber- tragbare Krankheiten macht. Aufgrund der Vielzahl der Profile von Migranten kann der mehrstufige Migrationsprozess je nach Einzelfall sehr unterschiedlich verlaufen. Das Verständnis der mit diesem Prozess verbundenen potenziellen Gesundheits- gefahren und der in jeder Phase beteiligten Akteure ist entscheidende Voraussetzung für sektorübergreifende gemeinsame Maßnahmen, die an diesen Determinanten ansetzen und den gesundheitspolitischen Aspekten der Migration Rechnung tragen. Reise und Transit - Reisedauer und bedingungen - Bedingungen für Bergungseinsätze - Dauer und Bedingungen der Transit- phase - Sprachliche und kulturelle Barrieren - Rechtsstellung Gastgemeinschaft - Sektorübergreifende migrationsspezi- fische Konzepte - Sprachliche und kulturelle Barrieren - Rechtsstellung - Arbeits- und Lebensbedingungen - Umweltgefahren - Vorhandensein eines sozialen Netzes - Vorliegen von Diskriminierung Vor der Ausreise - Psychische Verfassung - Verschiedene epidemiologische Profile - Effizienz des Gesundheitssystems im Herkunftsland Rückkehr - Niveau der Versorgung in den Herkunftsgemeinschaften - Dauer der Abwesenheit - In den Gastgemeinschaften erworbenes Verhaltens- und Gesundheitsprofil Ressorts Inneres und Auswärtige Angelegenheiten Ressorts Inneres, Soziales, Justiz, Bildung und öffentliche Ordnung Ressorts Bildung, Arbeit und SozialesRessorts Auswärtige Angelegenheiten, Inneres und Finanzen A bb . 1 . D et er m in an te n de r G es un dh ei t vo n M ig ra nt en w äh re nd d es M ig ra tio ns pr oz es se s un d w ic ht ig st e be te ili gt e A kt eu re d es S ta at es In A nl eh nu ng a n: In te rn at io na l m ig ra tio n, h ea lth a nd h um an r ig ht s. G en f: In te rn at io na le O rg an is at io n fü r M ig ra tio n, 2 01 3. Gesundheits- wesen Querschnitts- aspekte - Alter und Geschlecht - Sozioökonomischer Status - Genetische Faktoren 5Weltgesundheitsorganisation Wie aus Abb. 1 hervorgeht, sind in Anbetracht der Vielfalt der in den Migrationsprozess eingebundenen staatlichen Akteure Maßnahmen innerhalb und außerhalb des Gesundheitswe- sens vonnöten, die an den maßgeblichen Gesundheitsdeterminanten ansetzen. Die folgenden Tabellen enthalten Beispiele für angemessene gemeinsame Maßnahmen, die in den einzelnen Phasen zur Verbesserung der Gesundheit von Migranten getroffen werden können. Vor der Ausreise Reise und Transit … WiChTiGSTe BeTeiLiGTe ReSSoRTS Auswärtige Angelegenheit- en, Inneres und Gesundheit heRAUSfoRDeRUnGen Vorausschauende Planung für große internationale Migrantenströme mit unterschiedlichen epidemiologischen Profilen, psychischen Gesundheitsproblemen und sprachlichen und kulturellen Barrieren Bereichsübergreifende Konzepte und Maßnahmen zur Auseinandersetzung mit den Determinanten der Gesundheit von Migranten GemeinSAme mASSnAhmen ZUR VeRBeSSeRUnG DeR Ge- SUnDheiT Von miGRAnTen Neben der internationalen grenzüberschreitenden Zusamme- narbeit ist es auch erforderlich, dass Regierungen und inter- nationale Organisationen ressortübergreifend zusammenar- beiten, um einen potenziell großen Zustrom von Migranten vorherzusehen und Planungen entsprechend ihren gesund- heitlichen Bedürfnissen zu treffen; Notfallpläne sind ein wichtiges Instrument zur Koordinierung dieser Situationen. WiChTiGSTe BeTeiLiGTe ReSSoRTS Inneres und Gesundheit Gesundheit, Inneres und Arbeit Inneres, Justiz, Gesund- heit, Bildung, öffentliche Ordnung heRAUSfoRDeRUnGen Senkung der Mortalität und Morbidität von Migranten bei Bergungseinsätzen Ermittlung der gesundheitlichen Bedürfnisse von Migranten und ihrer Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, Schutz der Migrantengemeinschaften ebenso wie der ortsansässigen Bevölkerung Minderung der negativen Folgen der im Strafvollzug oder in Verwaltungshaft ver- brachten Zeit für das körperlichen, seelische und soziale Wohlbefinden von Migranten GemeinSAme mASSnAhmen ZUR VeRBeSSeRUnG DeR GeSUnDheiT Von miGRAnTen Untersuchung der Auswirkungen von Bergungseinsätzen auf die öffentliche Gesundheit, nach Möglichkeit und bei Bedarf Erste-Hilfe-Leistung Durchführung von Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesund- heit zur Verhütung und Eindämmung der Ausbreitung von Krankheit- en in Verbindung mit geeigneten Diagnose- und Therapieangeboten zur Gewährleistung des Rechts der Migranten auf Gesundheit. Aus dem Blickwinkel der öffentlichen Gesundheit stellen die nach Europa kommenden gemischten Migrationsströme keine Bedrohung für die Gesundheit der ortsansässigen Bevölkerung dar, jedoch müssen als gefährdete Bevölkerungsgruppe vor übertragbaren Krankheiten geschützt werden. Vermeidung von Freiheitsentzug als migrationspolitischer Option, Anwendung dieser Option nur als letztes Mittel, Prü- fung der Anwendung nicht freiheitsentziehender Maßnah- men und Austausch bewährter Verfahren unter den Ländern 6 Gesundheit 2020: Bereichsübergreifendes Handeln zugunsten der Gesundheit von Migranten Gastgemeinschaft … Rückkehr Bildung, Justiz, Soziales und Gesundheit Soziales, Gesundheit und Justiz WiChTiGSTe BeTeiLiGTe ReSSoRTS Arbeit, Soziales und Gesund- heit Bildung und Gesundheit Arbeit, Soziales und Gesund- heit WiChTiGSTe BeTeiLiGTe ReSSoRTS Auswärtige Angelegenheit- en, Finanzen, Inneres und Gesundheit Abbau systemischer Barrieren für den Zugang zum Gesundheits- und Sozialwesen, einschließlich sprachlicher und kultureller Hindernisse in Migrationszentren, bei der Gesundheitsversorgung und darüber hinaus Abbau schädlicher Ängste und Handlungen im Zusammenhang mit der ungewissen Rechtsstellung von Migranten heRAUSfoRDeRUnGen Minderung der negativen Folgen mangel- hafter Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Gesundheit von Migranten Abbau von Ungleichgewichten in der Belas- tung durch adipositas-, tabak- oder alko- holbedingte Schäden bei Migrantengruppen mit niedrigem sozioökonomischem Status Verbesserung der sozialen Eingliederung der Migrantenbevölkerung, Abbau von Diskrimini- erung und Stigmatisierung heRAUSfoRDeRUnGen Verhütung von ungesunden Verhaltensweis- en und Gesundheitsrisiken und Unterstützu- ng für die Fortsetzung der Behandlung und Nachbetreuung von Krankheiten bei Migranten, die in ihr Herkunftsland zurück- kehren Anerkennung des Berufsbilds „Kulturmittler“; Bereitstel- lung von migrantenspezifischen Ausbildungsangeboten für medizinisches und sonstiges Personal sowie für Fachkräfte mit einem ersten Berufsabschluss; Bereitstellung standardisi- erter, interkulturell offener und sensibler Gesundheitsleistun- gen, Gesundheitsinformationen und Programme für öffentli- che Gesundheit in der primären Gesundheitsversorgung und auf Krankenhausebene Bereitstellung rechtlicher Informationen und Beratung- sangebote für Migranten, unter anderem zum Anspruch auf Gesundheitsversorgung und andere benötigte öffentliche Dienstleistungen; Durchführung von Informationskam- pagnen gezielt für die ortsansässige Bevölkerung GemeinSAme mASSnAhmen ZUR VeRBeSSeRUnG DeR Ge- SUnDheiT Von miGRAnTen Bereitstellung von Programmen zum Schutz der Gesundheit am Arbeitsplatz für Migranten Stärkung der wirtschaftlichen Selbstbestimmung und Bereitstellung von Angeboten zur Qual- ifizierung und persönlichen Entwicklung für Migrantengruppen mit niedrigem sozioökonomischem Status Berücksichtigung der ethnischen und sozialen Vielfalt bei Ge- sundheitserziehungs-und -förderungskampagnen zu gesunder Ernährung und Bewegung, Tabak und Alkohol Screening-Maßnahmen zur Vermeidung einer verschärften Stig- matisierung und Ausgrenzung von Migranten; Gewährleistung geschlechtssensibler Antidiskrimierungsmaßnahmen und einer auf Chancengleichheit beruhenden Arbeitsgesetzgebung; Durch- führung umfassender Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Eingliederung ausgegrenzter ethnischer Gruppen; Aufklärung über die positiven Folgen der Migration für die Gastgemeinschaf- ten, unter anderem die Abschwächung des Alterungsprozesses in der Bevölkerung und den Beitrag zur Volkswirtschaft durch Beteili- gung am Erwerbsleben und Steigerung des Steueraufkommens GemeinSAme mASSnAhmen ZUR VeRBeSSeRUnG DeR GeSUnDheiT Von miGRAnTen Einsetzung zwischenstaatlicher außenpolitischer Koordini- erungsmechanismen zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Ressorts Gesundheit, Auswärtige Angel- egenheiten und Finanzen, Minimierung wirtschaftlicher Besorgnisse und Zwänge hinsichtlich der Bereitstellung von Gesundheitsleistungen zwischen Herkunfts- und Zielland 7Weltgesundheitsorganisation heitsversorgung betrifft, dient häufig als Politikoption. Eine umfassend informierte Regierung und Bevölkerung ist ein zentraler Aspekt bei der Verbesserung der Einglie- derung von Migranten und dem Abbau migrantenfeindlicher Einstellungen in der ortsansässigen Bevölkerung. Aufgrund ihrer räumlichen Nähe können regionale und lokale Behörden eine grundlegende Rolle bei der Integration von Migrantengemein- schaften spielen. Zudem ist in Anbetracht der Zersplitterung der institutionellen Kom- petenzen in diesem speziellen Bereich ein kohärentes Vorgehen der nationalen und subnationalen Einrichtungen erforderlich. Angesichts der politischen Brisanz des Themas ist es für einen angemessenen Umgang mit Gesundheit und Migration entscheidend, anderen Herausforderungen zu begegnen, die außerhalb des Migra- tionsprozesses angesiedelt sind. Die Bedeu- tung der Migration für eine nachhaltige und ausgewogene Entwicklung wird weithin anerkannt. Migranten tragen als gesunde und aktive Arbeitskräfte im Gastland und durch Geldüberweisungen ins Herkunfts- land erheblich zur Wirtschaft beider Länder bei. Die irrige Annahme, dass Migranten eine schwere finanzielle Belastung für das Gastland und die begrenzten finanziellen Ressourcen des Gesundheitssystems darstel- len, hat jedoch den Schutz ihrer Gesundheit nicht begünstigt. Die Vernachlässung von Migranten, was ihren Zugang zur Gesund- Um gesundheitliche Ungleichheiten abzu- bauen und Gesundheit für alle zu erreichen, müssen die genannten gemeinsamen Maßnahmen und Interventionen unter vol- ler Achtung des Grundsatzes der Nichtdiskri- minierung und insgesamt auf der Grundlage eines Menschenrechtsansatzes durchgeführt werden. Besonderes Augenmerk ist den Frauen und Kindern unter den Migranten zu schenken, die aus verschiedenen Gründen besonders anfällig sein können. Unter dem Gesichtspunkt der Ausgewogenheit in Be- zug auf gesundheits- und nicht gesundheits- relevante Maßnahmen können durch eine bessere Verständigung und Ausweitung des Dialogs zwischen dem Gesundheitswesen und den anderen Ressorts die Gesund- heitssysteme der Länder inklusiver gestaltet und die makroökonomischen Indikatoren eines Landes positiv beeinflusst werden, was sowohl der Migrantenbevölkerung als auch der Gesellschaft insgesamt zugutekommen wird. Bereichsübergreifende Maßnahmen im Hinblick auf weitere wesentliche Herausforderungen über den Migrationsprozess hinaus Querschnittsaspekte WeLTGeSUnDheiTSoRGAniSATion | ReGionALBÜRo fÜR eURoPA UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Tel.: +45 45 33 70 00 Fax: +45 45 33 70 01 E-mail: contact@euro.who.int Website: www.euro.who.int PhASen im LeBenSVeRLAUf • Angemessener Sozialschutz für Frauen, Schwangere und junge Familien • Ein hochwertiges und erschwingliches universelles Bildungs- und Betreuungs- system für die ersten Lebensjahre • Die Ausmerzung unsicherer Arbeit und die Gewährleistung des Zugangs zu Beschäftigung und qualitativ hochwertiger Arbeit • Kohärente und wirksame sektorübergreif- ende Maßnahmen zur Bekämpfung von Ungleichheiten in späteren Lebensphasen Die GeSeLLSChAfT ALLGemein • Verbesserter sozialer Schutz entsprechend dem Bedarf • Schöpferische und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Zielgruppen, der Zivilgesellschaft und Partnern aus deren Reihen • Maßnahmen zur Verringerung von Ausgrenzung • Ansatz auf der Grundlage von Chanceng- leichheit zwischen den Geschlechtern DeR ALLGemeineRe KonTexT • Steuervergünstigungen und Transfer- zahlungen zur Förderung der Chancengleichheit • Langfristige Planung durch Verknüp- fungen mit anderen Maßnahmen SySTeme • Mehr sektorübergreifende Kohärenz • Umfassende Reaktionen • Regelmäßige Berichterstattung und öffentliche Kontrolle Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten Die nachstehenden Bereiche sind gute Ausgangspunkte für den Abbau gesund- heitlicher Ungleichheiten: Dokumentnummer: WHO/EURO:2016-6164-45929-66204 © Weltgesundheitsorganisation 2016. Alle Rechte vorbehalten.
Всемирная организация здравоохранения (ВОЗ / WHO) · Technical Documents
Gesundheit 2020: bereichsübergreifendes Handeln zugunsten der Gesundheit von Migranten
Открыть оригинал документа
Полный текст размещён на сайте публикующей организации. lawenc.com индексирует метаданные и ведёт на официальный источник.
Полный текст