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Einunddreissigste Tagung des Regionalkomitees für Europa: Berlin, 15.–19. September 1981: Niederschrift über die Fünfte Sitzung

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REGIONALKOM ITEE: E IN U N D D R E IS SIG ST E TAGUNG 8 1 NIEDERSCHRIFT ÜBER DIE FÜNFTE SITZUNG KongressгепСгит des Palasthotels, Berlin Mittwoch, 16. September 1981, 14.00 Uhr VORSITZENDER: Dr. A. GRECH (Malta) Später Professor L. MECKLINGER (Deutsche Demokratische Republik) INHALT 1. Regionalstrategie zum Erreichen des Ziels "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000": Zwischenbericht (Schluss) und Regionaler Beitrag zum Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramm (1984-1989) (Fortsetzung) ...................................... Seite 8 2 82 N IE D E R SC H R IF T 'ÜBER D IE FÜNFTE SITZ U N G I. REGIONALSTRATEGIE ZUM ERREICHEN DES ZIELS "GESUNDHEIT FÜR ALLE BIS ZUM JAHR 2000": ZWISCHEN­ BERICHT: Punkt 10 der Tagesordnung (EUR/RC31/6) (Schluss) und REGIONALER BEITRAG ZUM SIEBENTEN ALLGEMEINEN ARBEITSPROGRAMM (1984-1989): Punkt 11 der Tages­ ordnung (EUR/RC31/7) (Fortsetzung) Dr. ASVALL (Direktor für Programm-Management) gab eine Einführung zum Dokument EUR/RC31/7, das er mit Schaubildern veranschaulichte, und erinnerte daran, dass das Regionalkomitee im Jahr 1980 eine Regionalstrategie zum Erreichen des Ziels "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" erörtert und angenommen habe, in der drei Schwerpunktbereiche für Massnahmen auf dem Gebiet der Gesundheit umrissen sind, nämlich die Förderung gesundheitsdienlicher Lebensweisen, die Eindämmung verhütbarer Verhältnisse und die Bereitstellung einer angemessenen, für alle zugänglichen und akzeptablen Gesundheitsversorgung. Diese drei Elemente müssten durch Anstrengungen im politischen und füh- rungsmässigen Bereich, durch die Förderung der Forschung, der Arbeitskräfteentwicklung und andere Arten der Unterstützung gefördert werden. Der Redner verglich die Regionalstrategie mit der globalen Strategie für "Gesundheit 2000", die aus den folgenden sechs Hauptelementen bestehe: Entwicklung von Infrastrukturen des Gesund­ heitssystems, Abwicklung von Gesundheitsprogrammen, Beschreibung der erforderlichen wirksamen Mass­ nahmen, Wahl von Gesundheitstechnologien, Sicherstellung einer wirksamen gesellschaftlichen Kon­ trolle über die Gesundheitsinfrastruktur und die Technologieentwicklung und schliesslich Unter­ stützung der genannten fünf Elemente durch den Informationsaustausch. Ein eingehender Vergleich beider Strategien zeige, dass kein Konflikt oder keine bedeutende Differenz zwischen ihnen bestehe; es sei nur natürlich, dass sich die Regionalstrategie in erster Linie auf die drei für die Europäische Region besonders wichtigen Hauptproblembereiche konzen­ triere, während die globale Strategie eher neutraler Natur und auf aktuelle Planungskomponenten abgestimmt sei. Mit der Ausarbeitung der Strategien für das Ziel "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" sei der erste Versuch unternommen worden, eine generelle, langfristige Planung und Leithilfe für die Gesundheitspolitik zu formulieren, die sowohl für die Länder als auch für die internationalen Orga­ nisationen von Bedeutung seien. Die gegenwärtige Fassung der Regionalstrategie, wie sie vom Regio­ nalkomitee auf seiner Tagung in Fes im Jahre 1980 verabschiedet worden sei, werde in einer zweiten, erweiterten Fassung auch Einzelziele enthalten und werde dem Regionalkomitee auf einer späteren Tagung zur Erörterung vorgelegt werden; die Entscheidung darüber, ob noch weitere Fassungen erfor­ derlich seien, werde später getroffen werden. Gestützt auf den vom Regionalkomitee in Fes gegebenen Hinweis, dass das Siebente Allgemeine Arbeitsprogramm den gleichen Aufbau wie das Dokument über die Regionalstrategie aufweisen sollte, seien in der neuen globalen Programmklassifikation gewisse Veränderungen vorgenommen worden, in denen die Prioritäten der Regionalstrategie zum Ausdruck kommen. Für jeden Programmbereich in dieser modifizierten Klassifikation seien detaillierte mittelfristige Programme ausgearbeitet worden; eine synoptische Darstellung dieser Programme sei in dem jetzt zur Beratung stehenden Dokument enthalten, das zugleich die Ansichten des RHDAC zum Ausdruck bringe. Die beiden wichtigsten Punkte bei der Ausarbeitung des Dokuments seien die folgenden gewesen: (i) die wichtigsten gesundheitsbezogenen Probleme zu definieren, die vom Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramm erfasst werden sollten, und (ii) die Rolle des Regionalbüros in den gesamteuropäi­ schen Bemühungen zur Lösung dieser Probleme zu bestimmen. Was den ersten Punkt betrifft, enthalte schon das Dokument über die Regionalstrategie selbst eine Analyse der wichtigsten gesundheitsbezo­ genen Probleme in der Europäischen Region im Zeitraum von 1980 bis zum Jahr 2000. Die wichtige Rolle des Regionalbüros könne wie folgt zusammengefasst werden: das vorhandene Wissen besser bekanntzumachen, die Gesundheitsforschung auf vorrangigen Gebieten zu fördern, die nationale Politik- und Programmentwicklung in bezug auf "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" in den ein­ zelnen Mitgliedsstaaten zu stimulieren und die Koordinierung der internationalen Unterstützung für die Entwicklung der Strategie "Gesundheit 2000" zu verbessern. Für konkrete Vorschläge im Rahmen des Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramms müssten Prioritä­ ten gesetzt werden, und die von der Arbeitsgruppe des Regionalkomitees in Fes vorgeschlagenen Kriterien müssten vom RHDAC weiter ausgearbeitet und erörtert werden. In der Praxis habe es sich jedoch als unmöglich erwiesen, eine quantifizierbare Prioritätsordnung festzusetzen, die sich auf die früher vorgebrachten Ansichten der Beratungsgruppe für Programmentwicklung wie auch des Regio­ nalkomitees stützt, wonach die meisten Komponenten des Sechsten Allgemeinen Arbeitsprogramms in gleicher Weise auf das Siebente Allgemeine Arbeitsprogramm anwendbar seien. Dessenungeachtet seien sämtliche Programme noch einmal analysiert und modifiziert worden, um den Orientierungen der REGIONALKOM ITEE: E IN U N D D R E IS SIG ST E TAGUNG 8 3 Regional- und der Globalstrategie nachzukommen, und es seien verschiedene neue Programme aufgenom­ men worden, so etwa die Programme über Armut und Gesundheit, über die Laien- bzw. gemeindenahe Gesundheitsversorgung sowie über die Verhütung und Rehabilitation von Behinderungen. Nicht nur die Wahl einzelner Programme, sondern auch der Stellenwert, der jedem dieser Programme gegeben werde, spielten eine wichtige Rolle in den Prioritätserwägungen. Anhand eines Schaubildes, das die Struktur der primären Gesundheitsversorgung vor und nach der Konferenz von Alma-Ata zeigte, wies der Redner darauf hin, dass das Schwergewicht vor der Konferenz einseitig auf den Diensten der primären Gesundheitsversorgung gelegen habe, wogegen diese in der Zeit nach der Konferenz auch die Laienbetreuung und andere Sektoren wie die Gesundheitserziehung, sanitäre Erfordernisse usw. einschliessen müsse. Überdies sei in Anbetracht der schwierigen Probleme im Krankenhaussektor ein neues Programm über Krankenhäuser und andere Institutionen ausge­ arbeitet worden. Im Bestreben, diejenigen grundlegenden Probleme zu lösen, die langfristige Anstrengungen erforderten, seien in enger Zusammenarbeit mit interessierten Mitgliedsstaaten grund­ legende Studien durchgeführt worden, wodurch die nationalen Aktivitäten aufs engste mit den von der WGO koordinierten Aktivitäten verknüpft worden seien. Betreffend die zur Durchführung des Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramms erforderlichen Ressourcen seien drei Hauptgrundsätze festzuhalten: Erstens sei kein Zuwachs des Regionalbudgets zu erwarten, ebensowenig eine Zunahme der freiwilligen Beiträge seitens der Mitgliedsstaaten, doch hoffe man, dass Naturalleistungen erbracht werden könnten, z.B. indem Regierungen von Mitglieds­ staaten bestimmte Aktivitäten der WGO übernähmen; zweitens bestehe die Möglichkeit, bestimmte bestehende Programme gemäss den Weisungen des Regionalkomitees zu reduzieren, und schliesslich könnten bestimmte Programmelemente entsprechend den Antworten der Mitgliedsstaaten auf das Konsul­ tationsrundschreiben für 1984/85 an den verfügbaren Haushalt neu angepasst werden. In diesem Zusammenhang betonte der Redner, dass das vorliegende Dokument eine Stimulierung der Diskussion bezwecke und sich mehr mit der allgemeinen Ausrichtung des Siebenten Allgemeinen Ar­ beitsprogramms als mit den erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen befasse. Eine endgültige Beschlussfassung sei nicht erforderlich, bevor der detaillierte Programmhaushalt für den Zeitraum 1984/85 ausgearbeitet worden sei, doch wäre man für einige Hinweise des Regionalkomitees betreffend die Prioritäten schon jetzt dankbar. Der BERICHTERSTATTER machte das Regionalkomitee auf den folgenden Entschliessungsentwurf über das Siebente Allgemeine Arbeitsprogramm (1984-1989) aufmerksam: Das Regionalkomitee - nach Behandlung der Dokumente DGO/81.2 Rev.l, Material for the preparation of the Seventh General Programme of Work (1984-1989 inclusive) , und EUR/RC31/7 über den regionalen Beitrag zum Programm; in Kenntnis der Hauptschwerpunkte der Regionalstrategie zum Erreichen von "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000"; unter Hinweis auf die Erörterungen und Empfehlungen der dreissigsten Tagung des Regional­ komitees bezüglich des Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramms - 1. BEFÜRWORTET die Vorschläge als allgemeinen Abriss des Programms für die Europäische Region; 2. UNTERSTÜTZT die vorgeschlagene Einführung eines flexibleren, "gleitenden" Planungssystems einschliesslich der Zweijahres-Programmhaushaltsplanung, unter der Bedingung, dass je nach den Erfordernissen der künftigen Entwicklungen entsprechende Modifikationen vorgenommen werden; 3. ERSUCHT den Regionaldirektor, dem Generaldirektor die Stellungnahmen des Regionalkomitees zu den Vorschlägen im Lichte der Bedürfnisse der Europäischen Region zu übermitteln. Dr. REID (Vereinigtes Königreich) führte aus, das Regionalkomitee habe auf seiner Tagung in Fes im Jahr 1980 eine Regionalstrategie zum Erreichen des Ziels "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" angenommen; es sei daher nicht nötig, die zugrundeliegenden Prinzipien von neuem zu erörtern. Er freue sich zwar, über die Arbeit des Regionalen 3eirats für Gesundheitsförderung informiert zu werden, frage sich aber, ob dieser dem Konzept der primordialen Verhütung vermehrte Aufmerksamkeit schenken werde. Er begrüsste auch den Beschluss, eine allgemeinverständliche 84 N IE D E R SC H R IF T ÜBER D IE FÜNFTE SITZ U N G Version des Dokuments über die Strategie zum Erreichen des Ziels "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" auszuarbeiten, da dies für das Thema "Gesundheit für und durch die Bevölkerung" von zentraler Bedeutung sei. "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" sei eine Neudefinition der historischen Rolle der WGO, und es werde immer deutlicher, dass die Gesundheitsberufe akzeptieren sollten, dass es eine ihrer wichtigsten Aufgaben sei, als Katalysatoren zu wirken, da die Erhaltung der Gesundheit immer mehr zu einer Aufgabe der Bevölkerung selbst werde. Das sei keine Selbstverunglimpfung; Katalysatoren seien äusserst wichtig, doch das eigentliche Ziel seien die dadurch bewirkten Massenreaktionen. Doch sei es wohl besser, diese Metapher nicht zu weit zu treiben, da Katalysatoren definitions- gemäss durch die von ihnen bewirkten Reaktionen keine Veränderung erführen. Der Redner erwähnte auch verschiedene damit zusammenhängende Angelegenheiten, die im Dokument behandelt würden, in erster Linie den von der Regionalstrategie betonten wechselseitigen Zusammen­ hang zwischen Gesundheit und Lebensweisen sowie die Notwendigkeit, die diesen zugrundeliegenden gesellschaftlichen Faktoren zu untersuchen. In diesem Zusammenhang hätte er gerne eine Bezugnahme auf eine Beratungstagung über den möglichen Beitrag der Soziologie zu den Programmen in der Euro­ päischen Region gesehen und wäre daran interessiert, weiteres darüber zu erfahren. Er begrüsste die im Dokument unter den Titeln "Programm für Gesundheitsförderung" und "Gesund­ heitserziehung" enthaltenen Vorschläge. Die Gesundheitserziehung sollte seines Erachtens in der Arbeit des Regionalbüros einen sehr hohen Stellenwert erhalten; natürlich werde diese Frage noch weiter unter Punkt 14 der Tagesordnung zur Sprache kommen. Mit grossem Interesse habe er ferner das neue Progamm über Laienbetreuung sowie gemeindenahe und alternative Betreuung zur Kenntnis genommen. Die Vorschläge im Rahmen dieses Programms seien so einleuchtend, dass sie geradezu revolutionär genannt werden könnten; sie seien eine äusserst wichtige Komponente für "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000". Das Dokument über den regionalen Beitrag zum Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramm sei hervor­ ragend und werde den Mitgliedern des Exekutivrats eine grosse Hilfe sein, wenn sie im Januar 1982 das gesamte Siebente Allgemeine Arbeitsprogramm und seine aus dem Sechsten Allgemeinen Arbeitspro­ gramm abgeleitete Entwicklung erörtern würden, darunter auch Neuerungen, in denen die Europäische Region sicher führend sein werde. Seine Delegation billige daher den Entschliessungsentwurf zu diesem Thema und insbesondere Absatz 2 des Beschlussteils betreffend die Einführung eines flexible­ ren, "gleitenden" Planungssystems. Dies dürfte zu einem hohen Grad von Realismus führen, den ins­ künftig hoffentlich auch andere Regionen anstreben würden. Dr. MEDVE (Ungarn) sagte, es sei erfreulich, festzustellen, dass die WGO auf der Grundlage der von den Mitgliedsstaaten gefassten Beschlüsse ein zunehmend klareres Programm entwickle und spezi­ fische Massnahmen zur Verwirklichung des Ziels "Gesundheit 2000" umreisse. Dies komme sowohl in der Tagesordnung des Regionalkomitees als auch in den vom Generaldirektor, vom Regionaldirektor und von Mitgliedern des Regionalkomitees abgegebenen Erklärungen zum Ausdruck. Seine Delegation habe mit Befriedigung festgestellt, dass das Siebente Allgemeine Arbeitsprogramm die Verwirklichung bestimmter politischer und sozialer Massnahmen empfehle, um deren Durchführung sich sein Land bereits seit geraumer Zeit bemühe. Im grossen und ganzen stimmten die Ziele des Allgemeinen Arbeitsprogramms mit den Zielsetzungen seiner Regierung auf dem Gebiet der Gesundheitspolitik iiber- e in. Bei der Ausarbeitung aufeinander folgender mittelfristiger Pläne stosse man gegenwärtig auf sämtlichen Gebieten auf Schwierigkeiten, so auch im Gesundheitssektor. Dies treffe auch für eine Region wie die Europäische Region zu, wo die Morbiditäts- und Mortalitätstrends einen ähnlichen Verlauf zeigten, da die Gesundheit der Bevölkerung neben der verfügbaren medizinischen Betreuung in beträchtlichem Masse von Faktoren wie den sozialen Verhältnissen beeinflusst werde. Es sei eine traurige Tatsache, dass sich die WGO bei der Durchführung ihres Siebenten Allgemeinen Arbeitspro­ gramms mit den in manchen Ländern immer noch bestehenden Problemen der Arbeitslosigkeit und der Armut konfrontiert sehen werde. Die Tagung des Regionalkomitees finde in einer internationalen Situation statt, die durch eine Unterbrechung des Entspannungsprozesses gekennzeichnet sei. Seine Regierung verurteile alle Bestrebungen, die auf eine Untergrabung der Entspannung abzielten; sie widersetze sich auch dem Wettrüsten und den Versuchen, den kalten Krieg Wiederaufleben zu lassen. Es sei unerlässlich, die in den vergangenen Jahren zwischen den Ländern aufgebauten guten Beziehungen unter dem Motto der friedlichen Koexistenz zu bewahren und zu konsolidieren. Dies sei eine unerlässliche Voraussetzung zur Verwirklichung des bedeutendsten Gesundheitsprogramms der WGO für den Zeitraum der nächsten 20 Jahre. REGIONALKOM ITEE: E IN U N D D R E IS SIG ST E TAGUNG 85 Das dem Regionalkomitee vorliegende Dokument konzentriere sich seiner Meinung nach auf die wichtigsten Aufgaben wie die Prävention, die medizinische Primärversorgung und die Gesundheit der Familie. Die Gesundheitsbehörden seines Landes begrüssten Zusammenarbeitsprogramme wie etwa dieje­ nigen im Bereich der Gesundheitsgesetzgebung, der Überwachung toxischer Chemikalien, der Verbesse­ rung der Trinkwasserversorgung, der Medizintechnologie und der Arzneimittelüberwachung. Der Regio­ naldirektor und seine Mitarbeiter spielten eine hervorragende Rolle bei der Organisation und Verwirklichung dieser Programme. Professor ÖZTÜRK (Türkei) sagte, die Hauptrolle des Regionalbüros bestehe eindeutig darin, das vorhandene Wissen noch weiter zu verbreiten. Ein Problem in diesem Zusammenhang sei das Einweg- Kommunikationssystem der WGO, das nur die Kommunikation durch die Gesundheitsministerien kenne. Wenn man die Bedeutung der Hochschulen und der übrigen Lehranstalten dafür, Veränderungen in der Einstellung des Gesundheitspersonals herbeizuführen und ein politisches Engagement sicherzustellen, verkenne, werde man nur sehr wenig erreichen. Der Vertreter des Vereinigten Königreichs habe von der Rolle des medizinischen Personals als Katalysatoren gesprochen; er frage sich jedoch, wie diese Katalysatoren angesichts der beschränkten Kommunikationssysteme in einer Reihe von Ländern verändert werden könnten. Er kenne Dekane medizinischer Fakultäten, die noch nie von der Deklara­ tion von Alma-Ata gehört hätten, was zeige, dass das Kommunikationssystem Mängel aufweise. Es sei daher Aufgabe der WGO, Anreize für eine bessere Kommunikation auch mit und zwischen anderen Insti­ tutionen als nur den Gesundheitsministerien zu geben. In manchen Ländern sei die Kommunikation zwischen den Hochschulen und den Gesundheitsministerien sehr schlecht; manche Universitäten seiet: vollständig unabhängig, würden nur in medizinischer Spitzentechnologie unterrichten und nähmen das Konzept der primären Gesundheitsversorgung überhaupt nicht zur Kenntnis. Es müsse daher ein Kommu­ nikationssystem mit vielen Facetten geschaffen werden. Dr. LITVINOV (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) erklärte, das Regionalbüro habe seit der Verabschiedung der Regionalstrategie zum Erreichen des Ziels "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" auf der dreissigsten Tagung des Regionalkomitees viel nützliche Arbeit geleistet. Es sei eine Reihe von Tagungen über die weitere Entwicklung der Regionalstrategie durchgeführt wor­ den; ferner seien Arbeiten zur Auswahl von Gesundheitsindikatoren und zur Definition von Einzel­ zielen im Gange, und es würden Methoden zur Überwachung der Aktivitäten im Hinblick auf diese Ziele ausgearbeitet; Probleme der medizinischen Primärversorgung seien jetzt eines der wichtigsten Anliegen in der Tätigkeit des Regionalbüros. Die Billigung des Dokuments über die Regionalstrategie schliesse indessen nicht aus, dass es nötig sei, die Strategie weiter zu verbessern. Insbesondere sei bereits auch in der gegenwärtigen Phase eine weitere Klärung verschiedener Konzepte erforderlich, so etwa der "Lebensweisen", der "Lebensqualität", der "öffentlichen Gesundheit" sowie des Ziels "Gesundheit für alle" selbst, die der Strategie zugrunde liegen. Die Delegation seines Landes habe diese Notwendigkeit bereits auf der letzten Tagung des Regionalkomitees und auf der siebenundsechzigsten Tagung des Exekutivrats unterstrichen. Dennoch halte er es für notwendig, noch einmal zu betonen, dass man bei der Formu­ lierung der Regionalstrategie nicht nur das Ziel einer "akzeptablen" medizinischen Versorgung verfolgen sollte, sondern eine hochspezifische und gestaffelte Gesundheitsversorgung für die gesam­ te Bevölkerung im grösstmöglichen Ausmass bereitstellen sollte, wobei der Entwicklungsstand des Landes zu berücksichtigen sei. Dies sei seiner Meinung nach der wirkliche Sinn des Konzepts "Gesundheit für alle". Im Hinblick auf die "Lebensweisen" und insbesondere die "Lebensqualität" unterstützte der Redner die Ansicht, aie WGO solle auch weiterhin den Aktivitäten auf dem Gebiet der Prävention die grösste Bedeutung beimessen und keine unakzeptablen und unrealistischen Ziele verfolgen. Die WGO sollte in naher Zukunft ihre Anstrengungen in erster Linie darauf richten, so rasch wie möglich einen konkreten Aktionsplan zur Verwirklichung der Regionalstrategie zu entwickeln. 3ei der Ausarbeitung eines solchen Plans sei der Abgrenzung der Verantwortlichkeiten und der frist­ gerechten Durchführung der Aktivitäten Rechnung zu tragen. Er sollte wenn möglich auch eine Auf­ stellung der Gesundheitsindikatoren für die Auswertung enthalten, da die letztere während der Verwirklichung der Strategie eine bedeutende Rolle spielen werde. In dieser Hinsicht sei es von grosser Bedeutung, eine strikte Einhaltung der Bestimmungen von Absatz 33 der globalen Strategie zu gewährleisten, wo festgehalten sei, dass die Auswertung der Verwirklichung der Regionalstrategie alle zwei Jahre vorgenommen werden sollte; die Auswertung der Wirksamkeit der Strategien selbst sollte alle sechs Jahre im Zusammenhang mit der Vorbereitung der jeweiligen Allgemeinen Arbeitspro­ gramme vorgenommen werden. Das Regionalbüro gehe in seiner Arbeitsplanung richtig vor, indem es die Verwirklichung des Ziels "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" mit dem Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramm verknüpfe. Der Redner stellte fest, dass das Dokument über den regionalen Beitrag zugleich auch ein Entwurf für das Regionalprogramm für den Zeitraum 1984-1989 darstelle, und gab der Meinung 8 6 N IE D E R SC H R IFT UBER D IE FÜNFTE SITZ U N G Ausdruck, dass dieses Dokument als erste Variante eines Programms betrachtet werden könne, welches in endgültiger Form erst nach der Billigung des Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramms durch die Weltgesundheitsversammlung formuliert werden könne. Die Struktur des Regionalprogramms, wie sie aus dem vorliegenden Dokument hervorgehe, unter­ scheide sich von der Struktur und der Programmklassifikation des Siebenten Allgemeinen Arbeitspro­ gramms; es sei angezeigt, diese Inkongruenz richtigzustellen, um eine bessere Vergleichbarkeit der beiden Dokumente zu gewährleisten und die Überwachung der Programmdurchführung auf verschiedenen Ebenen zu erleichtern. Als wichtigste Programme sollten die folgenden betrachtet werden: Die Förderung gesundheits­ dienlicher Lebensweisen, die Eindämmung verhütbarer Krankheiten sowie die Neuausrichtung der Gesundheitssysteme in der Weise, dass eine angemessene und allen zugängliche medizinische Versor­ gung sichergestellt werde. Beträchtliche Aufmerksamkeit werde der Klärung neuer Aspekte der Strategie geschenkt, nämlich einer Studie über die Auswirkungen der Armut und der Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit sowie der Organisation der Gesundheitsversorgung auf drei Ebenen, nämlich der Laienbetreuung, der primären Gesundheitsversorgung und der spezialisierten (Krankenhaus-)Versorgung. Hinsichtlich des Einflus­ ses der Armut und Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit sagte der Redner, dass nicht alle Länder der Region von diesen Problemen betroffen seien. Jedenfalls sollten die Auswirkungen der Arbeitslosig­ keit und der Armut auf die Gesundheit nicht untersucht werden, da kein Zweifel daran bestehe, dass derartige Faktoren einen negativen Einfluss hätten; statt dessen sollten vielmehr zweckmässige sozioökonomische Massnahmen getroffen werden, um diese Faktoren zu eliminieren und ihre unheilvol­ len Folgen auszurotten. Es liege daher nicht im Interesse der Sache, Mittel für das Studium des Einflusses dieser Faktoren aufzuwenden. Leider enthalte das Dokument keinen Hinweis auf die entscheidende Bedeutung von Massnahmen zur Sicherung des Friedens und zur Förderung der Entspannung und der Abrüstung für das Leben und die Gesundheit der Bevölkerung der Region. Ebenso fehle eine Erwähnung der Tatsache, dass Schritte im Hinblick auf die Abrüstung zusätzliche Mittel zur Verwirklichung des geplanten Programms auf dem Gebiet der Gesundheit freisetzen würden. Die Regionalstrategie schenke der Prävention zu Recht grosse Aufmerksamkeit, und auch die Betonung der Gesundheitserziehung sei zu begrüssen. Es sei erfreulich, festzustellen, dass die Forschung als ein wesentlicher Bestandteil in die meisten geplanten Programme aufgenommen worden sei und dass sie in der einen oder anderen Form in allen Teilen des dem Regionalkomitee vorliegen­ den Dokuments enthalten sei, wie auch im getrennten Programm für die Forschungsentwicklung, das in Abschnitt 8.4 unter dem Titel "Unterstützende Massnahmen" beschrieben sei. Der Redner billigte insgesamt den regionalen Beitrag zum Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramm und hob dabei die besonders wichtigen Aktivitäten auf Gebieten wie der Prävention und der Bekämpfung bösartiger Neubildungen und von Herz-Kreislauf-Krankheiten, der Verhütung von Strassen- verkehrsunfallen, der Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung sowie der unerwünschten Wirkungen von Umweltfaktoren auf die Gesundheit wie 'auch die Bereitstellung einer angemessenen Gesundheitsversor­ gung, einer Qualitätsverbesserung der Gesundheitsdienste und einer Steigerung ihrer Wirksamkeit hervor. Grösseres Gewicht hätte in dem Regionalkomitee vorliegenden Dokumenten der Angabe quantitati­ ver Ziele und Problemen der Auswertung geschenkt werden sollen. Schliesslich wäre es auch zweck­ mässig, im Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramm sowie im Regionalprogramm alle im Sechsten Allge­ meinen Arbeitsprogramm enthaltenen sehr wertvollen Vorschläge beizubehalten und auch sicherzustel­ len, dass die von der Konferenz von Alma-Ata niedergelegten Grundsätze im Regionalprogramm vermehrt zum Ausdruck kämen. Professor SPIES (Deutsche Demokratische Republik) unterstützte die vom Vorsitzenden des RHDAC abgegebenen Erklärungen sowie die Stellungnahme des Vertreters der UdSSR. Wie bereits in Fes gesagt worden sei, sollten die Dokumente eine weitere Überarbeitung erfahren. Bei aller Anerken­ nung der ausserordentlichen Bedeutung aller drei gesundheitspolitischen Zielsetzungen sollte man doch die richtige Rang- und Reihenfolge der Prioritäten finden, die vollständig mit der Deklaration von Alma-Ata übereinstimmen müsse. Jeder einzelne sollte spüren, dass das Programm "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" zu seinem Nutzen verkündet wurde, und er sollte es möglichst bald spüren. In der Deutschen Demokra­ tischen Republik habe man die Erfahrung gemacht, dass die Menschen um so schneller begreifen, dass sie selbst zur Gesundheit beitragen könnten, je rascher sie spürten, dass der Staat und seine REGIONALKOM ITEE: E IN U N D D R E IS SIG ST E TAGUNG 37 Gesundheitsdienste sich auf die Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen konzentrierten. Man könne nicht an die Menschen appellieren, zur Selbsthilfe zu greifen und ihr Verhalten zu ändern, wenn die Regierung eines Staates sich der Hauptverantwortung für die Gesundheit des Volkes entziehe. Die allererste Aufgabe sei deshalb, eine gesundheitliche Betreuung als Primärversorgung in Einheit mit der Prophylaxe und dem Engagement aller gesellschaftlichen und staatlichen Sektoren auf allen Ebenen zu entwickeln und das gesamte Konzept der primären Gesundheitsversorgung auf der Grundlage einer umfassenden Information der Bevölkerung zu verwirklichen. Im EACMR habe bereits ein Erfahrungsaustausch über die Gesundheitspropaganda stattgefunden. Eines der damit verbundenen Probleme sei das Gebiet der Verhaltensänderung; diese Arbeit müssten einschlägige Forscher und Forschungsinstitute leisten. Die im Dokument enthaltene Aufgabenstellung sei ausserordentlich realistisch; das wichtigste sei dabei jedoch eine klar definierte Zielsetzung, die nicht allzu global sei. Das Leitprinzip sollte eine mittelfristige Planung sein, innerhalb deren mit Elastizität und etappenweiser Abrech­ nung gearbeitet wird. Zum Resolutionsentwurf schlage seine Delegation vor, die Abschnitte 1 und 2 des Beschlussteils wie folgt zu verändern: "1. BEFÜRWORTET die auf der dreissigsten und einunddreissigsten Tagung des Regionalkomitees erörterten Vorschläge als allgemeinen Abriss des Programms für die Europäische Region unter Berücksichtigung der Hinweise und Empfehlungen, die auf der dreissigsten und einunddreissig­ sten Tagung des Regionalkomitees hierzu abgegeben wurden; 2. UNTERSTÜTZT das bereits eingeführte System der Ausarbeitung und Annahme von allgemeinen Arbeitsprogrammen, davon abgeleiteten mittelfristigen Programmen und wiederum davon abgeleite­ ten Zweijahresprogrammhaushalten." Darüber hinaus sollte das Regionalbüro den verschiedenen Beratungsgremien Aufgaben stellen, die eine Zielparallelität ausschliessen. Professor Mecklinger übernimmt den Vorsitz. Frau Dr. ORADEAN (Rumänien) sagte, das Siebente Allgemeine Arbeitsprogramm stelle eindeutig einen grossen Schritt nach vorn dar. Es sei schon jetzt, drei Jahre im voraus, möglich, die allge­ meine Struktur des künftigen Programms bis zu einem gewissen Mass zu beurteilen und die gegenüber dem Sechsten Allgemeinen Arbeitgsprogramm vorgenommenen Veränderungen zu analysieren. Wie der Direktor für Programm-Management halte sie es für unerlässlich, das Siebente Allge­ meine Arbeitsprogramm ziemlich flexibel zu formulieren, damit Veränderungen entsprechend den Ent­ wicklungen im Gesundheitszustand in der Region und gemäss den neuen von den Mitgliedsstaaten ge­ setzten Prioritäten vorgenommen werden könnten. Um das Ziel der Förderung gesundheitsdienlicher Lebensweisen zu erreichen, müsse eine sehr objektive Auswertung der Mittel vorgenommen werden, die zur Herbeiführung eines Ausgleichs zwischen dem Menschen und seiner Umwelt zur Verfügung ständen. Es sei zweifellos notwendig, das primäre und ausschliessliche Ziel der Krankheitsbekämpfung durch andere, weiter gefasste Ziele zu ersetzen. Die spezifischen Morbiditätstrends in Europa, wo die chronisch-degenerativen Krankheiten im Anstieg begriffen seien, machten Anstrengungen erforder­ lich, die auf die Prävention, Gesundheitsförderung und die Beteiligung des einzelnen und der Ge­ meinde ausgerichtet seien. Die Rednerin billigte sowohl die allgemeine Ausrichtung als auch die einzelnen Komponenten des Vorschlags für den regionalen Beitrag zum Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramm und dankte dem Regionaldirektor und seinen Mitarbeitern für die Arbeit, die sie bei der Vorbereitung der einschlä­ gigen Dokumentation geleistet hätten. Dr. HELLBERG (Finnland) begrüsste die Tatsache, dass so grosses Gewicht auf die Struktur des Entscheidungsprozesses gelegt worden sei, namentlich auf den Programmhaushalt, die Allgemeinen Arbeitsprograrame und die verschiedenen Strategien. Seine Delegation unterstütze den Vorschlag zur Einführung eines "gleitenden" Planungssystems, das er indessen etwas anders als der Vertreter der Deutschen Demokratischen Republik auffasse. Das vorgeschlagene System werde den Planungsprozess verstärken, weshalb seine Delegation das Dokument unterstütze. 8 8 N IE D E R SC H R IFT ÜBER D IE FÜNFTE SITZ U N G Hinsichtlich der Ressourcen frage er sich, ob diese in genügendem Ausmass zur Verfügung stän­ den. Das gleiche Problem bestehe auf Länderebene. Sowohl die Mitgliedsstaaten als auch das Regio­ nalbüro müssten lernen, dass die Verfügbarkeit von Ressourcen vom Grad ihres Engagements für das Programm und auch davon abhängig sei, wie sehr sie von der Bedeutung des Programms überzeugt seien. Die WGO wie auch die Vertreter der Länder müssten hier auch in Zukunft eine stimulierende Rolle spielen. Was den Inhalt des Dokuments betrifft, sei die Erwähnung der Gesundheitsförderung von Bedeu­ tung, und das Dokument weise einen richtigen Ausgleich zwischen der Gesundheitserziehung und der Gesundheitsgesetzgebung auf. Der Redner betonte die Bedeutung einer starken gesetzgeberischen Komponente sowie die Notwendigkeit einer weitgefassten Definition der Gesundheitsförderung, wie sie in einer neuen Veröffentlichung der Internationalen Union für Gesundheitserziehung angeregt worden sei. Dieser Gedanke hätte noch ausführlicher im Abschnitt über die Gesundheitsförderung zum Aus­ druck kommen sollen. Auch die Ernährung sei im Programm nicht stark genug vertreten; es gäbe zwar gewisse Anzei­ chen einer Verbesserung, doch reichten diese seines Erachtens noch nicht aus. Es sei ein Trug­ schluss zu glauben, man brauche sich nur deshalb nicht um die Ernährung zu kümmern, weil es in den entwickelten Ländern keine Unterernährung gebe. Der Redner äusserte sich zustimmend über die der Laienbetreuung, der gemeindenahen und alter­ nativen Gesundheitsversorgung beigemessenen Bedeutung, war aber der Ansicht, dass die bestehenden Gesundheitsdienste die Grundlage für diese Formen der Betreuung bilden sollten. Diese würden sodann mit dem System der primären Gesundheitsversorgung in Beziehung gesetzt, welches allein in der Lage sei, eine vollständige Erfassung und Kontinuität zu gewährleisten. Nur auf diesem Wege könne eine langfristige Wirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung erzielt werden. Es sei sehr wichtig, an diesem Punkt auch die Krankenhäuser und die Gesundheitsinstitutionen einzubeziehen und sicherzustellen, dass sich das Personal der primären Gesundheitsversorgung an deren Arbeit beteili­ ge, damit ein richtiger Ausgleich und die Integration gewährleistet werde. Der Regionaldirektor habe vom weltweiten Aktionsplan gesprochen, der vom Exekutivrat im Januar 1982 gebilligt werden solle; dieser Aktionsplan werde für die Länder, das Regionalbüro und das Regionalkomitee grosse Verpflichtungen mit sich bringen und sollte daher vor dem Hintergrund der vom Generaldirektor gestellten Frage sorgfältig studiert werden, wieweit die Regierungen wirk­ lich bereit seien, Verpflichtungen für die Strategie "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" zu übernehmen. Frau WINTER (Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger) erklärte sich erfreut darüber, dass der Vorsitzende des RHDAC über die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Krankenschwestern gesprochen habe. Ihre Organisation, die ein Fachverband von 95 nationalen Krankenpflegerorganisa­ tionen - davon 23 in der Europäischen Region - sei, betrachte es als ihre Aufgabe, seine Mitglieder in allen Fragen der Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und den Regierungen zu unterstützen. Die nationalen Organisationen könnten ihrerseits aufgrund ihres reichhaltigen Wissens die Regierun­ gen zum Wohle der Volksgesundheit und der Volkswohlfahrt unterstützen. Das Ziel "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" könne mit der kompetenten Hilfe der Pflegefachkräfte in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Gesundheitsbehörden, den Ärzten und anderen Berufsgruppen erreicht werden. Dr. FREY (Schweiz) antwortete dem Vertreter der Deutschen Demokratischen Republik, der, wie ihm scheine, die Reihenfolge der Prioritäten umgestellt sehen möchte. In den gegenwärtigen Gesund­ heitssystemen, wo immer noch eine sehr starke Überbetonung der kurativen Aspekte vorherrsche, würden grosse Anstrengungen unternommen, um eine Änderung der Lebensweise, die Prävention und den Gesundheitsschutz stärker in den Vordergrund zu rücken. Er würde es deshalb vorziehen, die vom Direktor für Programm-Management vorgeschlagene Reihenfolge beizubehalten. Was die "rollende" bzw. "gleitende" Planung betreffe, sei er persönlich kein Planer und auch nicht extrem planungsgläubig. Dennoch könne er sich der Darlegung des Direktors für Programm- Management ansch1iessen, da er dessen Ausführungen so verstanden habe, dass man sich zwar Ziele setze, aber bei deren Erreichung eine gewisse Flexibilität bewahren sollte. Man könne sodann die erforderlichen Programme fortlaufend überwachen und überprüfen und die Programmziele aufgrund des Feedbacks wenn nötig leicht korrigieren. Der Entschliessungsentwurf über das Siebente Allgemeine Arbeitsprogramm entspreche seinen eigenen Vorstellungen, und er sei dafür, Absatz 2 des Beschlussteils in der vorgeschlagenen Formu­ lierung beizubehalten. REGIONALKOM ITEE: E IN U N D D R E IS SIG ST E TAGUNG 89 Der VORSITZENDE sagte, er halte es an diesem Punkt für gerechtfertigt, ein offenbar aufgetre­ tenes Missverständnis zu beseitigen. Er glaube, es gehe vielleicht nicht so sehr um eine bestimmte Rang- oder Reihenfolge von Prioritäten; vielmehr habe er die Ausführungen des Direktors für Programm-Management eher als Darstellung der drei tragenden Säulen einer Gesamtaktivität verstan­ den, die die Wirksamkeit der medizinischen Grundbetreuung entscheidend bestimmten. Professor ICHEV (Bulgarien) sagte, seine Delegation begrüsse das vorgeschlagene neue Programm über die Förderung und Bewahrung gesunder Lebensweisen. Unter den beteiligten Risikofaktoren spielten mächtige psychosoziale Faktoren wie etwa die Armut und die Arbeitslosigkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle. In seinem Lande gebe es keine soziale Ungleichheit; dementsprechend gäbe es auch keine Probleme der Armut und der Arbeitslosig­ keit. Er frage sich, ob und wie das Ziel der Regionalstrategie für "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" in denjenigen Ländern erreichbar sei, wo soziale Ungleichheit und wachsende Arbeitslo­ sigkeit herrschten. Der Redner wandte sich dann der Selbstbetreuung und der gemeindenahen Betreuung in Bulgarien zu und sagte, dass die Programme des bulgarischen Roten Kreuzes eine wichtige Rolle für die Ent­ wicklung dieser Betreuungsformen spielten. In diesem Zusammenhang werde intensiv von den Massen­ medien Gebrauch gemacht. Das Problem der "Allgemeinpflegefachkraft" sei in seinem Lande in der Weise gelöst worden, dass die Pflegefachkräfte nicht unabhängig, sondern in Verbindung mit den Ärzten arbeiteten. Die Entwicklung der Gesundheitsdienste könne kein "Monopol" der einschlägigen Ministerien sein; nur die vereinten Bemühungen der Regierungen der Mitgliedsstaaten könnten dazu führen, dass das Ziel "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" erreicht wird. Der Vorschlag für den regionalen Beitrag zum Siebenten Allgemeinen Arbeitsprogramm stimme vollständig mit dem Buchstaben und dem Geist der Beschlüsse des Regionalkomitees und der Weltge­ sundheitsversammlung überein. Er gab indessen der Befürchtung Ausdruck, dass eine Überschneidung von Aktivitäten im Zusammenhang mit bestimmten Unterprogrammen unvermeidlich sein werde. Abschliessend unterstützte seine Delegation die Vorschläge des Vertreters der UdSSR hinsicht­ lich der Regionalstrategie. Dr. SKUPNJAK (Jugoslawien) sagte, es wäre unrealistisch, zu glauben, dass die Gesundheits­ systeme allein alle wichtigen und dringenden Probleme in der Region zu lösen vermöchten. Zwar sei es sicher wichtig, die Lebensweisen zu verändern, doch schliesse das auch Veränderungen der sozia­ len, wirtschaftlichen und physischen Verhältnisse ein. Die Selbstbetreuung des einzelnen sollte sich auch auf den Führungsaspekt erstrecken, indem die Nutzniesser der Gesundheitssysteme die Möglichkeit zur Mitwirkung am Entscheidungsprozess erhalten sollten. Der Zwischenbericht zeige, dass der auf regionaler Ebene zu leistende Beitrag im richtigen Rahmen Gestalt annehme, und allen, die an der Ausarbeitung des weiten Programmspektrums beteiligt gewesen seien, sei hohe Anerkennung zu zollen. Dr. CHRISTIANSEN (Norwegen) schloss sich den Vorrednern in ihrer Würdigung der Dokumente und ihrer Darstellungsform an und stimmte vielen der vorgebrachten Punkte zu. Aus Absatz 6 des Beschlussteils der Resolution WHA34.36 gehe klar hervor, dass das Regional­ komitee eine doppelte Aufgabe habe: einerseits die Regionalstrategie zu überprüfen und anderer­ seits auch den Entwurf des Aktionsplans des Exekutivrats für die Durchführung der globalen Strate­ gie zu prüfen. In der Tat werde der Exekutivrat auf seiner bevorstehenden Tagung im Januar den Entwurf des Aktionsplans im Lichte der von den Regionalkomitees in diesem Jahr abgegebenen Stellungnahmen behandeln. Bezüglich des Entwurfs für den Aktionsplan hielt der Redner dafür, dass in Anbetracht der weit fortgeschrittenen konzeptionellen Arbeit im Zusammenhang mit der primären Gesundheitsversorgung und dem Ziel "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" ("Gesundheit 2000") nunmehr die Durchführung der Strategie Vorrang haben sollte, weshalb koordinierte, wirksame und finanziell tragbare Massnahmen erforderlich seien, die zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt würden. Diesem Zweck könnte der Ak­ tionsplan besser dienen, wenn seine Einzelziele noch spezifischer ausgearbeitet und die erforder­ lichen Mittel und Ressourcen ausführlicher beschrieben würden. Entscheidende Elemente, auf die grösseres Gewicht gelegt werden sollte, seien die von der WGO zu leistende Unterstützung der Mitgliedsstaaten bei der Entwicklung, Verwirklichung und Überwachung der nationalen Strategien für 9 0 N IE D E R SC H R IF T UBER D IE FÜNFTE SITZ U N G "Gesundheit 2000", die Aufbietung der menschlichen und übrigen Ressourcen und der internationale Transfer von finanziellen Mitteln zur Unterstützung von "Gesundheit 2000", wie auch die Einbezie­ hung des gesamten Systems der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen im Hinblick auf die Förderung des Ziels "Gesundheit 2000" als eine Hauptaufgabe der internationalen Entwicklung. Der Redner räumte ein, dass der Aktionsplan nicht unbedingt den gesamten Zeitraum der nächsten beiden Jahrzehnte umfassen müsse. In der Anfangsphase komme es entscheidend darauf an, die Strate­ gien auf nationaler, regionaler und globaler Ebene entschlossen in Angriff zu nehmen und das stolze soziale Ziel "Gesundheit 2000" in einen irreversiblen Aktionsprozess umzusetzen. Die Europäische Region könne mit ihren grossen humanitären und wissenschaftlichen Traditionen anderen Regionen der Welt in dieser Hinsicht ein Beispiel geben. Dr. JOYCE (Irland) stimmte mit dem Vertreter der Schweiz darin überein, dass Flexibilität das Leitmotiv bei der Durchführung des Programms sein sollte. Er könne im vorliegenden Dokument keinen Hinweis auf die Gentechnologie finden, die indessen gewaltige Auswirkungen haben könne. Er betonte die Notwendigkeit einer sehr sorgfältigen, periodischen Überprüfung des Aktionsplans. Dr. ASVALL (Direktor für Programm-Management) führte in seiner Antwort auf die in der Diskus­ sion vorgebrachten Punkte aus, dass die abgegebenen Stellungnahmen für die Ausarbeitung des Programmhaushalts im kommenden Jahr und für das Studium konkreter Vorschläge eine grosse Hilfe sein würden. Der Vertreter des Vereinigten Königreichs habe auf die im November 1980 durchgeführten Bera­ tungen mit anderen Berufsgruppen Bezug genommen. Die Erfahrungen von Soziologen seien im Zusammen­ hang mit der primären Gesundheitsversorgung, der Gesundheitserziehung und der Betreuung der älteren Menschen besonders wertvoll gewesen, und es könnten in Zukunft weitere Tagungen von Soziologen als einer spezifischen Gruppe abgehalten werden. Der Bericht über die Beratungstagung über den mögli­ chen Beitrag der Soziologie zur Programmentwicklung des Regionalbüros stehe den Delegationen im Abdruck zur Verfügung. Dem Vertreter der Türkei versicherte der Redner, dass das Regionalbüro bestrebt sei, Wege zu finden, um die Lehrer und Forscher an den Hochschulen zu erreichen; ohne Zweifel bleibe auf diesem Gebiet in Zusammenarbeit mit den einzelnen Ländern noch viel zu tun, da die Einbeziehung der medi­ zinischen Lehranstalten offensichtlich von überragender Bedeutung für die Durchführung der Strate­ gie sei. Die Vertreter der UdSSR wie auch der Deutschen Demokratischen Republik hätten die Notwendig­ keit unterstrichen, klare Ziele zu setzen, die auch nach Auffassung des Redners in die Planung eingegliedert werden müssten. In der Tat habe das Regionalbüro interne Dokumente für die mittel­ fristige Planung ausgearbeitet, in der Einzelziele enthalten seien und die als Grundlage für die Planung verwendet wurden, und es sei beabsichtigt, diese Aufstellung der Einzelziele in das Programmhaushaltsdokument aufzunehmen. Mit dem "gleitenden" Planungssystem sei nicht so sehr eine Veränderung der Einzelziele beabsichtigt als vielmehr eine Anpassung der Aktivitäten und Ressourcen im Lichte der Umstände und der erzielten Fortschritte. Er habe den Eindruck, dass in diesem Punkt keine echten Meinungsverschiedenheiten beständen und dass allfällige Schwierigkeiten rein semanti­ scher Natur seien. Mit Bezug auf die von den Vertretern Finnlands und Norwegens abgegebenen Stellungnahmen erklärte der Redner, dass das Regionalbüro auf regionaler Ebene Massnahmen treffe, um seine Ver­ pflichtungen im Sinne der Resolution WHA34.36 zu erfüllen. Er erinnerte das Regionalkomitee daran, dass es ersucht werde, jede mögliche Anpassung und Aktualisierung der Regionalstrategie im Lichte der weltweiten Strategie in Erwägung zu ziehen. Im weiteren sollte es die Länder in der Überwa­ chung und Auswertung der Strategie und bei der Berücksichtigung einzelner nationaler Ziele nach Möglichkeit unterstützen. Auf seiner nächsten Tagung sollte das Regionalkomitee sicherstellen, dass der Programmhaushalt der Region mit dem Gesamthaushalt der WGO in Einklang stehe. Es werde jede mögliche Anstrengung unternommen werden, um sicherzustellen, dass sich die Aktivitäten nicht überschneiden, wie dies der Vertreter Bulgariens gefordert habe. Als Antwort an den Vertreter Irlands führte der Redner aus, dass im Dokument tatsächlich kein Hinweis auf die Gentechnologie enthalten sei. REGIONALKOM ITEE: E IN U N D D R E IS SIG ST E TAGUNG 91 Der VORSITZENDE schlug vor, in das Tagungsprotokoll die Feststellung aufzunehmen, dass das Regionalkomitee mit Befriedigung vom Zwischenbericht des Regionaldirektors über die Regionalstra­ tegie zum Erreichen des Ziels "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" Kenntnis genommen habe, in der Gewissheit, dass die im Laufe der Diskussion vorgebrachten konstruktiven Hinweise in der weiteren Arbeit des Regionalbüros berücksichtigt würden. Es wurde in diesem Sinne Beschluss gefasst. Schluss der Sitzung: 17.00 Uhr.

Основные сведения
Тип документа Publications
Дата принятия
Источник Всемирная организация здравоохранения