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Bericht des Regionaldirektors. Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022

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Bericht des Regionaldirektors DIE ARBEIT DES WHO-REGIONALBÜROS FÜR EUROPA IM ZEITRAUM 2021–2022 Zusammenfassung Dieser Bericht gibt einen kurzen Überblick über wesentliche Tätigkeiten des WHO-Regionalbüros für Europa (WHO/Europa) seit September 2021. Die Arbeit von WHO/Europa im vergangenen Jahr war ausgerichtet am Europäischen Arbeitsprogramm 2020–2025 – „Gemeinsam für mehr Gesundheit in Europa“ und seinen beiden Hauptzielen – der Entschlossenheit, niemanden zurückzulassen und die Führungskompetenz der Gesundheitsbehörden in der Europäischen Region der WHO zu stärken –, drei zentralen Prioritäten und vier Flaggschiff-Initiativen, an den Zielvorgaben des Dreizehnten Allgemeinen Arbeitsprogramms 2019–2025 und an den Zielen für nachhaltige Entwicklung. Dokumentennummer: WHO/EURO:2022-6012-45777-66642 © Weltgesundheitsorganisation 2022  Gewisse Rechte vorbehalten. Diese Arbeit ist unter der Lizenz von Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 IGO (CC BY-NC-SA 3.0 IGO; https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/igo) erhältlich. Gemäß den Bestimmungen dieser Lizenz können Sie die Arbeit für nicht gewerbliche Zwecke kopieren, weiterverteilen und anpassen, sofern die Arbeit korrekt zitiert wird (siehe nachstehende Erläuterung). Bei jeglicher Nutzung dieser Arbeit ist jede Andeutung zu vermeiden, dass die WHO bestimmte Organisationen, Produkte oder Leistungen unterstützt. Die Verwendung des WHO-Logos ist nicht gestattet. Wenn Sie die Arbeit anpassen, müssen Sie Ihre Arbeit unter derselben oder einer gleichwertigen Lizenz von Creative Commons lizenzieren. Wenn Sie eine Übersetzung dieser Arbeit erstellen, sollten Sie der beabsichtigten Zitierung folgende Haftungsausschlusserklärung hinzufügen: „Diese Übersetzung wurde nicht von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt. 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BERICHT DES REGIONALDIREKTORS Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 2Inhalt Vorwort des Regionaldirektors .................................................................................................... 5 Einführung ................................................................................................................................... 9 Die Arbeit von WHO/Europa ....................................................................................................... 11 Zentrale Priorität 1: Allmähliche Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung ..................... 13 Zentrale Priorität 2: Schutz vor gesundheitlichen Notlagen .......................................................................... 31 Zentrale Priorität 3: Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden .............................................................. 43 Aufrechterhaltung eines zwecktauglichen WHO/Europa in einem sich rapide verändernden Umfeld ...................................................................................................... 59 Unterstützung der Führungskompetenz der Gesundheitspolitik auf der Länderebene ............................... 61 Stärkung internationaler und subregionaler Partnerschaften ....................................................................... 64 Umgestaltung für eine erhöhte Durchschlagskraft in den Ländern .............................................................. 71 Rechenschaftslegung gegenüber den Mitgliedstaaten und Beteiligung externer Akteure.......................... 75 Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 3 Abkürzungen EPW Europäisches Arbeitsprogramm 2020–2025 – „Gemeinsam für mehr Gesundheit“ COVID-19 Coronavirus-Krankheit 2019 OMI Oslo-Initiative für Arzneimittel WHO/Europa WHO-Regionalbüro für Europa RC72 72. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa GPW 13 Dreizehntes Allgemeines Arbeitsprogramm 2019–2025 RC71 71. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung EU Europäische Union SDG Ziele für nachhaltige Entwicklung AMR antimikrobielle Resistenz DG NEAR Generaldirektion Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen DG SANTE Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit WHE Programm der WHO für gesundheitliche Notlagen ECDC Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten IGV (2005) Internationale Gesundheitsvorschriften (2005) EMT Medizinische Notfallteams cVDPV2 zirkulierendes vakzine-abgeleitetes Poliovirus Typ 2 TB-REP Tuberkuloseprojekt der Europäischen Region für Osteuropa und Zentralasien ECEH Europäisches Zentrum für Umwelt und Gesundheit COP26 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen WASH Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene ELA Europäische Akademie für Führungskompetenz Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–20224 HSiA Erkenntnisse aus der Praxis der Gesundheitssysteme SEEHN Südosteuropäisches Gesundheitsnetzwerk MEI Mitteleuropäische Initiative IPA Interparlamentarische Versammlung SCI Die Initiative kleiner Länder RHN Das Netzwerk Regionen für Gesundheit IBC Themenbezogene Koalitionen IFRC Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften HR personelle Ressourcen WHA75 75. Weltgesundheitsversammlung SCRC Ständiger Ausschuss des Regionalkomitees © W H O /U ka B or re ga ar d Vorwort des Regionaldirektors Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–20226 Zwei Jahre sind vergangen, seit wir das Europäische Arbeitsprogramm 2020–2025 – „Gemeinsam für mehr Gesundheit in Europa“ (EPW) angenommen haben. Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen und sich neu auszurichten. Der rasche Wandel im Gesundheitswesen erfordert heute mehr denn je Solidarität, Ausdauer, Flexibilität und Einfallsreichtum. Derzeit sehen wir uns nicht weniger als drei verschiedenen gesundheitlichen Notlagen von internationaler Tragweite gegenüber. Im Juli 2022 wurde ein Ausbruch der Affenpocken, dessen Epizentrum in Europa liegt, zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärt. Im Januar 2020 war es das Coronavirus 2019 (COVID-19), das eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auslöste. Die Pandemie fordert noch immer Menschenleben, ganz zu schweigen von den zahllosen zusätzlichen Todesfällen, die weit über die Zahl der direkt durch das Virus des schweren akuten respiratorischen Syndroms Coronavirus 2 verursachten Todesfälle hinausgeht. Inzwischen besteht kein Zweifel mehr, dass das Virus nicht verschwinden wird, und wir müssen einen Weg finden, damit zu leben. Ein Anstieg der Fälle von Polio-Wildviren und zirkulierenden vakzine-abgeleiteten Polioviren stellt die dritte gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite dar. Polio bleibt auch acht Jahre, nachdem die 1 Das WHO-Regionalbüro für Europa (WHO/Europa) besteht aus der Zentrale in Kopenhagen, 30 Länderbüros, Außenstellen, Verbindungs- und Vertretungsbüros sowie sonstigen Unterbüros, einschließlich subregionaler Schaltzentralen des Programms der WHO für gesundheitliche Notlagen (WHE), fünf ausgelagerten Fachzentren, einer von der WHO betreuten Partnerschaft sowie einem Büro zur Finanzierung der Gesundheitssysteme. Durch diese Stellen wird der Programmhaushalt 2022–2023 umgesetzt, und zwar mit Unterstützung durch ein breites Spektrum von Partnerschaften, darunter über 270 Kooperationszentren der WHO. WHO 2014 die Ausbreitung des Poliovirus zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite gemäß den Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005) erklärt hat, eine Gefahr. Hinzu kommt, dass in unserer Region eine ernste humanitäre Krise ihren Lauf nimmt: der Krieg in der Ukraine, von dem wirtschaftliche und geopolitische Welleneffekte rund um den Globus ausgehen, der die Gesundheitssysteme der Nachbarländer belastet und Leben und Existenzgrundlagen zerstört. In all diesen Fragen kommen WHO/Europa1 und den Gesundheitsbehörden der gesamten Region entscheidende Aufgaben zu. Die globale Gesundheit profitiert von der europäischen Erfahrung – Gesundheit als Träger der Entwicklung –, und sie erfordert und stützt sich auf europäische Führung auf der internationalen Bühne. Bestimmte Themen, die insbesondere infolge der COVID-19-Pandemie in den Hintergrund gerückt sind, müssen dringend angegangen werden: die Bindung von Arbeitskräften im Gesundheitswesen, die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten, die reproduktive Gesundheit, die psychische Gesundheit und die Adipositas-Epidemie sowie das größte Problem unserer Zeit, dessen Auswirkungen wir tagtäglich sehen und erleben: der Klimawandel. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 7 Es hat auch zahlreiche positive Entwicklungen gegeben. Das Jahrzehnte währende Problem einer flexiblen und nachhaltigen Mittelausstattung der WHO wurde von der 75. Weltgesundheitsversammlung angegangen, die übereinkam, dass die Beiträge der Mitgliedstaaten bis spätestens 2030 50% des WHO-Haushalts für die Kernprogramme ausmachen sollen, gegenüber 16% im Haushaltszeitraum 2020−2021. Die Zusammenarbeit auf subregionaler Ebene wird immer stärker, mit zwei 2 Die Länder des Westbalkans: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und das Kosovo. [Alle in diesem Dokument enthaltenen Verweise auf das Kosovo sind im Zusammenhang mit der Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu verstehen.] Fahrplänen im Rahmen des EPW – in Zentralasien und in den Ländern des Westbalkans.2 Die Oslo-Initiative für Arzneimittel (OMI) hat langsam Vertrauen zwischen Mitgliedstaaten und Pharmaunter- nehmen aufgebaut, und zwar mit Hilfe von WHO/Europa in der Rolle des neutralen Vermittlers: Ziel der Initiative ist es, den nachhaltigen Zugang zu wirksamen neuartigen hochpreisigen Arzneimitteln zu verbessern. Die digitale Gesundheit schreitet mit großen Schritten © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–20228 voran, und eine Reihe von Mitgliedstaaten ist dabei, die primäre Gesundheitsversorgung neu aufzustellen. Auch in diesem Jahr hat uns unsere Schirmherrin, Ihre Königliche Hoheit die Kronprinzessin von Dänemark, zur Seite gestanden, und wir danken ihr für ihre entschlossene Unterstützung. Eines der Hauptthemen, für das sie ihren Einfluss geltend machte, war das Impfen. Wir wissen heute, dass die COVID-19-Pandemie den größten anhaltenden globalen Rückgang bei Routineimpfungen seit Jahrzehnten − 5% weltweit zwischen 2019 und 2021 − befeuert hat. Als Region ist es uns gelungen, den Rückgang auf 1% zu begrenzen, was aber immer noch bedeutet, dass Menschen an impfpräventablen Krankheiten sterben. Wie wichtig es ist, diesen verlorenen Boden wieder gutzumachen, sollte nicht unterschätzt werden. Bei der Veröffentlichung des Europäischen Gesundheitsberichts 2021 im März dieses Jahres stellten wir fest, dass die Mitgliedstaaten aufgrund von COVID-19 vor schwierigen Entscheidungen stehen, die ihre Zukunft maßgeblich prägen würden. Das trifft weiter zu. Wir stehen bei der Bekämpfung von Ungleichheit und der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung vor gewaltigen Herausforderungen  – und das wird auf Monate und Jahre hinaus so bleiben. Wir leben in turbulenten Zeiten. Für Regierungen, die auf COVID-19 mit erhöhten Gesundheits- und Sozialausgaben reagierten, um die Auswirkungen auf die Allgemeinheit zu minimieren, wird es zunehmend schwierig, dieses Niveau öffentlicher Ausgaben aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig ist dies so wichtig wie nie zuvor, wie aus dem Abschlussbericht der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung unter der Leitung von Prof.  Monti hervorgeht. Dass die Gesundheit im Mittelpunkt einer wirtschaftlichen Erholung stehen muss, ist nicht mehr zu widerlegen. Vergessen wir nicht, dass Handeln und Nichthandeln gleichermaßen in unserer individuellen Gesundheit, der Gesundheit der alternden Bevölkerung in der Region und der Gesundheit künftiger Generationen nachklingen und sich direkt auf diese auswirken. Diese Verantwortung liegt auf den Schultern derer, die mit der Gestaltung und Umsetzung von Gesundheitspolitik betraut sind. Es ist eine Ehre, diesen Überblick über unsere gemeinsame Arbeit in den vergangenen zwölf Monaten zu geben. Und zum Auftakt eines weiteren Jahres bin ich überzeugt, dass unsere Lösungen in einer engagierten primären Gesundheitsversorgung, gestärktem Gesundheitspersonal, Entscheidungen, die in einer immer solideren Wissenschafts- und Evidenzgrundlage wurzeln, und einem wachsenden und besser geschützten finanziellen Spielraum für die Gesundheit liegen. Unsere Lösungen umfassen einen messerscharfen Fokus auf den Klimawandel bei allem, was wir tun, die Sorge für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit des Personals und schließlich ein unerschütterliches Festhalten an der Verantwortung für mehr Chancengleichheit. © W H O Einführung Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202210 Dieser Bericht gibt einen Überblick über die Haupttätigkeiten des Regionalbüros für Europa (WHO/Europa3) seit September 2021. Er positioniert WHO/Europa im Kontext der globalen Familie der Vereinten Nationen und vermittelt einen Eindruck, wie WHO/Europa arbeitet  – auf globaler Ebene, in der Region, sowie auf subregionaler, nationaler und subnationaler Ebene. In diesem Bericht soll keine umfassende Darstellung der Tätigkeit von WHO/Europa vorgenommen werden. Vielmehr sollte er in Verbindung mit der mündlichen Präsentation des Regionaldirektors auf der 72. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa (RC72) sowie mit den begleitenden Dokumenten für das RC72 gelesen werden, etwa den Fortschrittsberichten, in denen sich detaillierte Informationen zu den programmbezogenen Aktivitäten der letzten zwölf Monate finden. Die hier angeführten Beispiele für die Arbeit auf der Länderebene bieten nur punktuelle Einblicke in die unendliche Vielzahl an Maßnahmen von WHO/Europa zur Unterstützung der Mitgliedstaaten. Eines der zentralen Dokumente, an denen sich die Arbeit von WHO/Europa im vergangenen Jahr orientiert hat, ist der Abschlussbericht der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung mit dem Titel „Aus der Pandemie Hoffnung schöpfen“. Seit seiner Veröffentlichung im September 2021 sind die 25  umsetzbaren Empfehlungen zur Verbesserung der 3 Das WHO-Regionalbüro für Europa (WHO/Europa) besteht aus der Zentrale in Kopenhagen, 30 Länderbüros, Außenstellen, Verbindungs- und Vertretungsbüros sowie sonstigen Unterbüros, einschließlich subregionaler Schaltzentralen des Programms der WHO für gesundheitliche Notlagen (WHE), fünf ausgelagerten Fachzentren, einer von der WHO betreuten Partnerschaft sowie einem Büro zur Finanzierung der Gesundheitssysteme. Durch diese Stellen wird der Programmhaushalt 2022–2023 umgesetzt, und zwar mit Unterstützung durch ein breites Spektrum von Partnerschaften, darunter über 270 Kooperationszentren der WHO. gesundheitlichen Resilienz bei verschiedenen hochrangigen Foren, etwa der Tagung der Gesundheitsminister der G20, vorgestellt worden und haben so in der gesamten Europäischen Region der WHO und darüber hinaus Politik geprägt und Entscheidungen beeinflusst. Die vergangenen zwölf Monate sind durch zahlreiche, gleichzeitig stattfindende und komplexe Notlagen – und die darauf erfolgenden Reaktionen – gekennzeichnet. In diesem Bericht wird beschrieben, wie die aus dem Coronavirus 2019 (COVID-19) gezogenen Lehren im vergangenen Jahr in die Maßnahmen in der Europäischen Region eingeflossen sind. Beschrieben wird auch eine starke Reaktion in den Ländern, der Organisation und den Subregionen auf die Invasion der Russischen Föderation in die Ukraine sowie auf die darauffolgende Flüchtlings- und Binnenvertriebenenkrise. Ferner werden in dem Bericht neue Bedrohungen durch bekannte Krankheiten wie Polio sowie die Bedrohung durch in der Region neu auftretende Krankheiten wie die Affenpocken behandelt. Der Bericht enthält zudem aktuelle Informationen über die langfristigen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen langwieriger Konflikte wie des Konflikts in Syrien samt seinen Auswirkungen auf die Türkei. WHO/Europa mobilisierte Kräfte und versuchte, auf jede Notlage zu reagieren und gleichzeitig die Flaggschiff-Initiativen und sonstigen Prioritäten aus dem Europäischen Arbeitsprogramm 2020–2025  – „Gemeinsam für mehr Gesundheit in Europa“ (EPW) im Fokus zu behalten. © W H O Die Arbeit von WHO/Europa Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202212 Die Arbeit von WHO/Europa wird von drei zentralen Prioritäten bestimmt, die an der im Dreizehnten Allgemeinen Arbeitsprogramm 2019–2025 (GPW 13) festgelegten und im EPW aufgegriffenen globalen dreifachen Milliarden-Zielmarke ausgerichtet sind. Diese sind namentlich: 1) die allmähliche Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, 2) der Schutz vor gesundheitlichen Notlagen und 3) die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. Dieser grundlegende Rahmen weist den Weg für die Prioritätensetzung in der Arbeit von WHO/Europa und gewährleistet, dass alle Aktivitäten die Organisation auf ihre übergeordneten globalen und regionsweiten Ziele hinführen. Bei jeder zentralen Priorität hat WHO/Europa im vergangenen Jahr wichtige Fortschritte erzielt und den Mitgliedstaaten in einer Reihe von Gesundheitsbereichen konkrete und bedarfsgerechte fachliche Unterstützung geleistet. Dies umfasste die Durchführung von Workshops und Schulungen auf Länderebene, die Einleitung wichtiger neuer Initiativen, die Bereitstellung wertvoller Daten und Erkenntnisse als Grundlage für Politik und Entscheidungsfindung, die Übernahme von Führungsverantwortung für Gesundheitsmaßnahmen bei großen, sich überschneidenden Notlagen und vieles mehr. Während WHO/Europa zusammen mit den Mitgliedstaaten daran arbeitete, mehr Gesundheit mit mehr Chancengleichheit zu erreichen, bemühte sich das engagierte Mitarbeiterteam in der gesamten Region auch um wichtige interne Verbesserungen, um sicherzustellen, dass WHO/Europa möglichst effektiv arbeiten kann. Mit der Kombination aus einer konsequenten Ausrichtung auf Unterstützung in den Ländern und der Bereitschaft, notwendige Veränderungen vorzunehmen, um „zwecktauglicher“ zu werden, konnte im vergangenen Jahr wirkungsvolle Arbeit geleistet und eine solide Grundlage für weitere Maßnahmen und Erfolge im kommenden Jahr geschaffen werden. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 13 Zentrale Priorität 1: Allmähliche Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung Eine allgemeine Gesundheitsversorgung ist die entscheidende Grundlage dafür, mehr Gesundheit für alle zu erzielen. Für dieses hochgesteckte Ziel müssen die Bausteine jedes Gesundheitssystems methodisch verbessert werden, und es hat sich gezeigt, dass dafür eine starke Koordinierung und Zusammenarbeit und ein intensiver Austausch vorbildlicher Praktiken erforderlich sind. Im vergangenen Jahr hat WHO/Europa weiter eng mit den Mitgliedstaaten zusammengearbeitet, um in zahlreichen Bereichen, vor allem bei der primären Gesundheitsversorgung und der finanziellen Absicherung, Kapazitäten aufzubauen. Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung Stärkung der primären Gesundheitsversorgung Die aufschlussreichen Erkenntnisse aus der Pandemie und ihren Folgen veranlassten die Mitgliedstaaten, auf der  71. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa (RC71) mit der Annahme der Resolution EUR/RC71/R3 über das Potenzial der primären Gesundheitsversorgung ihr Bekenntnis zur Stärkung der primären Gesundheitsversorgung zu bekräftigen. Aus der Resolution ergab sich ein inspirierendes Mandat, und WHO/Europa begann umgehend mit der Umsetzung seiner Verpflichtungen in die Tat, zum großen Teil unter der Federführung des Europäischen Zentrums der WHO für primäre Gesundheitsversorgung in Almaty (Kasachstan). Das bedarfsgerechte Engagement mit den Ländern stand im vergangenen Jahr im Mittelpunkt der Arbeit des Zentrums, das mit etwa der Hälfte der Mitgliedstaaten in unterschiedlicher Intensität im persönlichen Direkt- wie auch im Fernkontakt zusammengearbeitet hat, um das Fachwissen der Organisation und länderübergreifende Erfahrungen bestmöglich zu nutzen. Es wurden mehrere groß angelegte multidisziplinäre Ländermissionen © W H O /A re te /M ax im e Fo ss at Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202214 durchgeführt, darunter in Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Litauen, der Republik Moldau, Schweden, Slowenien, Tadschikistan und Usbekistan. Das Zentrum organisierte 14 Online-Workshops und eine Konsultationsreihe, bei denen internationales Fachwissen auf geeignete Weise für die Behandlung zentraler Grundsatzfragen aufbereitet wurde. Die Themen für die länderspezifische Unterstützung reichten von der Bildung multidisziplinärer Teams, der Stärkung der familienmedizinischen Praxis und der Pflege in der primären Gesundheitsversorgung, Mechanismen für den Umgang mit den Bedürfnissen im Zusammenhang mit Krieg und Flucht, der Entwicklung digitaler Lösungen, der Stärkung von Führungsstrukturen und der Bildung von Netzwerken der primären Gesundheitsversorgung bis hin zu Themen der Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsbereichen wie Gesundheitsfinanzierung und Personal für die primäre Gesundheitsversorgung.  Zur Veranschaulichung: auf die multidisziplinäre Mission in Slowenien zum Austausch mit dem Gesundheitsministerium und maßgeblichen Akteuren über ihre neue Strategie für die primäre Gesundheitsversorgung folgten eine Studienreise der slowenischen Delegation nach Spanien, um eine gut funktionierende primäre Gesundheits- versorgung in der Praxis zu sehen, und danach drei Online- Workshops zur Vertiefung in ausgewählten Bereichen von besonderem Interesse. © W H O /A re te /M ax im e Fo ss at Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 15 WHO/Europa hat begonnen, in den Ländern des Westbalkans4 und in Zentralasien subregionale Ansätze zu verfolgen, um zeitnah, effizient und flexibel fachliche Unterstützung für die Politik der primären Gesundheitsversorgung zu leisten. Dabei werden länder- bzw. gebietsübergreifende5 Veranstaltungen und maßgeschneiderte Unterstützung für die betreffenden Länder bzw. Gebiete kombiniert. Der erste länder- bzw. gebietsübergreifende Workshop zur primären Gesundheitsversorgung für die Länder des Westbalkans wurde in Partnerschaft mit der Mitteleuropäischen Initiative in Triest (Italien) organisiert, mit dem Ziel, Themen für die fachliche Unterstützung zu ermitteln, die auf länder- bzw. gebietsübergreifender Basis in der Subregion geleistet werden kann. Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und das Kosovo6 beteiligten sich alle aktiv mit Teams aus der primären Gesundheitsversorgung. Zentrale Bereiche waren etwa die Ausweitung der primären Gesundheitsversorgung auf nichtübertragbare Krankheiten, die psychische Gesundheit und den Einsatz digitaler Lösungen, um Entwicklungsschritte zu überspringen. Der Workshop beinhaltete zudem einen Austausch praktischer Erfahrungen mit Italien, umfasste eine effektive Kombination länder- bzw. gebietsübergreifender Aktivitäten, jeweils zugeschnitten auf das betreffende Land bzw. Gebiet, und stellte die 4 Die Länder des Westbalkans: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und das Kosovo. [Alle in diesem Dokument enthaltenen Verweise auf das Kosovo sind im Zusammenhang mit der Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu verstehen.] 5 Alle Verweise auf „Gebiet“ in Zusammenhang mit den Ländern des Westbalkans sind als Verweis auf das Kosovo zu verstehen. [Alle in diesem Dokument enthaltenen Verweise auf das Kosovo sind im Zusammenhang mit der Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu verstehen.] 6 Alle in diesem Dokument enthaltenen Verweise auf das Kosovo sind im Zusammenhang mit der Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu verstehen. Weichen für die künftige Zusammenarbeit. Auf den Workshop folgte im Sommer 2022 ein Angebot an länder- bzw. gebietsspezifischem Engagement und fachlicher Hilfe in Form von gemeinsam mit der Mitteleuropäischen Initiative organisierten online abrufbaren Workshops, u. a. mit den Themenschwerpunkten: • soziale Determinanten von Gesundheit, Auswirkungen auf Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung in der primären Gesundheitsversorgung in Nordmazedonien; • Entwicklung von Netzwerken der primären Gesundheitsversorgung in ländlichen und abgelegenen Gebieten in Albanien; • Kriterien und Koordinierung für die Erbringung von Leistungen der Palliativversorgung in der primären Gesundheitsversorgung in Serbien. WHO/Europa hat zudem eine erste Demonstrations- plattform für die primäre Gesundheitsversorgung geschaffen, um eine gut funktionierende primäre Gesundheitsversorgung in der Praxis zu präsentieren. Motivation für die Plattform war die Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Schließung der Umsetzungslücke in der primären Gesundheitsversorgung in der Region und die Demonstration nicht nur des Inhalts erfolgreicher Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202216 Politik, sondern auch des Prozesses, wie diese umgesetzt wurde und wie von zentralen Akteuren des Wandels Umsetzungshindernisse angegangen wurden. Diese erste Plattform wurde vom Regionaldirektor in Jessik (Kasachstan)  – dem Betreiberland  – im Rahmen einer hochrangigen Veranstaltung des Gesundheitsministers von Kasachstan eingeweiht. Usbekistan, ein Land mit hohem politischem Engagement, das derzeit eine Reform der primären Gesundheitsversorgung durchführt, war das erste Besucherland. Die Plattform in Kasachstan legt besonderes Gewicht auf die multidisziplinäre primäre Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum und unterstreicht die Bedeutung von Bevölkerungsorientierung, einer erweiterten Rolle von Pflegekräften und Familienärzten, der Aufnahme von Psychologen und Sozialarbeitern in Teams der primären Gesundheitsversorgung, der Systematisierung multidisziplinärer Teamarbeit, der Nutzung digitaler Lösungen, des Gesundheitsmanagements und der entscheidenden Rolle von Akteuren des Wandels. Studienbesuche zur Demonstrationsplattform bestehen aus vier- bis fünftägigen maßgeschneiderten Programmen mit Einrichtungsbesuchen, Workshops, Runden Tischen und Politikdialogen, bei denen politische Entscheidungsträger und Praktiker aus Besucher- und Betreiberländern zusammenkommen. Weitere Demonstrationsplattformen für die primäre Gesundheitsversorgung sind für das kommende Jahr geplant und werden ein wichtiges Element der fachlichen Hilfe von WHO/Europa für eine erfolgreiche Umgestaltung, Veränderungsverwaltung und Umsetzung sein. WHO/Europa moderierte die zweite Staffel der Talkshow „Let‘s Talk Primary Health Care“, einer paneuropäischen Dialogplattform, mit vier neuen Folgen im Jahr 2022. Damit gibt es insgesamt zehn Folgen zu zentralen Grundsatzfragen der primären Gesundheitsversorgung. Jede Talkshow-Folge sahen im Durchschnitt etwa 200 Menschen in Echtzeit. Alle Folgen der Reihe sind auf dem YouTube-Kanal von WHO/Europa zu finden, wo sie insgesamt 2344-mal (1521-mal auf Englisch und 823- mal auf Russisch) von Zuschauern aus 42 Ländern aufgerufen wurden. Zu den Themen der zweiten Staffel zählten Leistungen der psychischen Gesundheit im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung, Führungsverantwortung bei der Umgestaltung der primären Gesundheitsversorgung (bei dieser Folge beantwortete der WHO-Regionaldirektor für Europa Fragen junger Fachkräfte aus der primären Gesundheitsversorgung) und Netzwerke der primären Gesundheitsversorgung. Abschließende Umfragen zu den Folgen ergaben durchweg hohe Zufriedenheitswerte: über 90% der Befragten bewerteten die Qualität der Webinare mit 4 oder 5 auf einer Fünf-Punkte-Skala. In den Kapazitätsaufbau in der primären Gesundheitsversorgung ist weiter investiert worden und © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 17 © W H O für die zweite Kohorte von Ländern wurde das jährliche Schulungsprogramm zu Leistungsüberwachung und Leistungsmanagement in der primären Gesundheits- versorgung angeboten. In diesem Jahr waren Teilnehmer aus den Ländern bzw. Gebieten des Westbalkans dabei. Der Kurs bestand aus zwei Workshops und maßgeschneiderten Coaching-Sitzungen und sollte die Teilnehmer bei der Durchführung umsetzbarer Projekte der Leistungsüberwachung unterstützen. Das Programm wird als gemeinsame Initiative mit dem Kooperationszentrum an der Medizinischen Universität Amsterdam angeboten. WHO/Europa hat zudem weiter in politische Überzeugungsarbeit für die Entwicklung der primären Gesundheitsversorgung investiert. Dazu gehörten beispielsweise Gespräche mit dem Gesundheits- ausschuss auf parlamentarischer Ebene in Slowenien, die Entwicklung von Strategien, Konzepten und Gesetzesrahmen für eine umfassende Politik der primären Gesundheitsversorgung in Georgien, Tadschikistan und Usbekistan sowie Kontakte mit Parlamentariern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und das Eintreten für die Förderung und Stärkung der primären Gesundheitsversorgung auf der Interparlamentarischen Versammlung der Mitglieder der GUS im November 2021. Personal und Leistungserbringung im Gesundheitswesen Erstmals hat WHO/Europa einen Bericht für die Europäische Region erstellt, in dem die Situation des Gesundheits- und Pflegepersonals in der Europäischen Region der WHO beschrieben wird. Der Bericht mit dem Titel „Gesundheits- und Pflegepersonal in Europa – Zeit zu handeln“ enthält entsprechende Länderprofile und legt besonderes Gewicht darauf, wirksame politische und planerische Antworten auf die diesbezüglichen Herausforderungen in der Region zu finden. Im vergangenen Jahr hat WHO/Europa in 23 Ländern, darunter in allen Ländern Zentralasiens und des Kaukasus, Unterstützung auf dem Gebiet des Personals und der Leistungserbringung im Gesundheitswesen bereitgestellt. Das Referat Personal und Leistungs- erbringung im Gesundheitswesen bei der Zentrale in Kopenhagen und das Europäische Zentrum der WHO für primäre Gesundheitsversorgung in Almaty (Kasachstan) haben gemeinsam mehrere Ländermissionen durchgeführt und damit ein Beispiel für koordiniertes Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202218 Vorgehen auf den drei Ebenen der Organisation gegeben. So ergab sich aus der gemeinsamen Mission in Tadschikistan die Vereinbarung, eine Bewertung des Arbeitsmarkts für Gesundheitsfachkräfte durchzuführen, um Angebot und Nachfrage in diesem Bereich besser zu verstehen und dieses Wissen als Grundlage für Handlungsempfehlungen zu nutzen. Maßgeschneiderte Unterstützung für andere Länder in der Region im Bereich Personal und Leistungserbringung im Gesundheitswesen umfasste etwa: die Durchführung einer nationalen Bewertung des Gesundheits- und Pflegepersonals in Georgien und die Ermittlung von Möglichkeiten zur Stärkung des Referats Gesundheitspersonal des Landes, Unterstützung bei der Entwicklung des Nationalen Strategieplans für Gesundheitspersonal in Malta, die Stärkung der Personalplanung im Gesundheitswesen und des Referats für Gesundheitspersonal in Kirgisistan, Unterstützung bei der Reformierung des Personal- und Leistungsmanagements im Gesundheitswesen in Rumänien, Unterstützung bei Bewertungen von Rehabilitationsleistungen in Aserbaidschan und der Ukraine und Unterstützung bei der Ausarbeitung des Nationalen Aktionsplans für Rehabilitation sowie bei der Bewertung von Informationssystemen für Gesundheitspersonal in der Ukraine, Hilfe für Nordmazedonien bei der Stärkung des Ausbildungs- systems für Pflegekräfte, der Geriatrieausbildung und bei Leistungen der Langzeitpflege, Hilfe bei der Festlegung von Stellenbeschreibungen für neu ausgebildete Pflegekräfte in der Republik Moldau und die Bewertung von Leistungen der Langzeitpflege sowie die Unterstützung der kleinen Länder im Bereich Gesundheitspersonal durch die Organisation einer Präsenztagung vom 28. bis 29. April 2022 in Venedig zur Verbesserung der Daten, der Planung und der Steuerung im Bereich Gesundheitspersonal. Darüber hinaus hat WHO/Europa den Handlungsrahmen der WHO zur Verwirklichung eines Höchstmaßes an Gesundheit für Menschen mit Behinderungen in der Europäischen Region (2022–2030) entwickelt, der im Rahmen des RC72 erörtert werden soll. Der Handlungsrahmen wurde beim G7-Treffen zum Thema Behinderung als Rahmen für die Umsetzung in den Ländern vorausgewählt. Im April 2022 organisierte WHO/Europa in Brüssel eine Fachtagung über die Neugestaltung der Zukunft von Krankenhäusern. Die Expertengruppe reflektierte über die während der COVID-19-Pandemie gewonnenen Erkenntnisse und diskutierte Bereiche mit Verbesserungspotenzial, darunter die Rolle von Krankenhäusern im umfassenderen Gesundheitssystem, ihre Verbindung zur primären Gesundheitsversorgung, die Einführung digitaler Gesundheitslösungen, die Finanzierung und die Gestaltung von Krankenhäusern. Die Gruppe entwarf eine neue Vision für Krankenhäuser und gab wichtige Empfehlungen zur Rolle der WHO in drei großen Bereichen: 1) Entwicklung von Handlungskonzepten, 2)  Entwicklung und Verbreitung bewährter Praktiken und 3) länderspezifische Unterstützung. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 19 KASTEN 1: © W H O -R eg io na lb ür o fü r E ur op a/ Ru m än ie n MOBILISIERUNG VON NETZWERKEN FÜR PFLEGEKRÄFTE, HEBAMMEN UND BETREUER Im September 2021 richtete WHO/ Europa eine Drehscheibe für die obersten staatlichen Beauftragten für das Pflege- und Hebammenwesen ein, die als Plattform für den Wissensaustausch dienen soll, um möglichst viel aus der COVID-19- Pandemie zu lernen und Bereiche der WHO-Länderunterstützung im Pflege- und Hebammenwesen zu beobachten und zu ermitteln. In einer Zeit, in der augenscheinlich mehr Pflegekräfte aus dem Beruf ausscheiden als neu hinzukommen, sind die Investitionen Kasachstans in die Pflege ein wichtiges Vorbild für andere Mitgliedstaaten. Kasachstan hat sich vorrangig um die Stärkung der Pflege- und Hebammenberufe bemüht und dafür in Ausbildung, Arbeitsplätze, Führungskompetenz und Leistungserbringung investiert. Dazu gehörte die Entwicklung und Erweiterung von Lehrplänen, um neue Abschlüsse und Ausbildungsmöglichkeiten für Pflegekräfte zu schaffen. Solche Möglichkeiten fördern wiederum künftige Führungskompetenz im Gesundheitswesen, führen zu mehr Qualität in der Pflege und Leistungserbringung und machen den Beruf attraktiver. Im Laufe des vergangenen Jahres kam das im Mai 2021 in Kooperation mit Experten aus einer Vielzahl von Organisationen und wissenschaftlichen Einrichtungen geschaffene Forum zum Thema Langzeitpflege regelmäßig einmal im Monat unter Beteiligung von Vertretern aus der gesamten Europäischen Region der WHO zusammen, um eine Vielzahl an individuellen, sozialen und medizinischen Leistungen und entsprechende Unterstützung zu erörtern, anhand derer gewährleistet werden soll, dass Menschen, die (infolge einer psychischen oder körperlichen Erkrankung oder Behinderung) ihre intrinsische Kapazität verloren haben oder denen ein solcher Verlust droht, in Einklang mit ihren Grundrechten und der Menschenwürde ein gewisses Maß an funktioneller Fähigkeit erhalten bleibt. Dies umfasst ein Spektrum an Leistungen, die sie zu Hause und wohnortnah in Anspruch nehmen können, bis hin zur Versorgung in Gesundheitseinrichtungen, die für Menschen aller Altersgruppen zur Verfügung stehen. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202220 Eröffnung des Kompetenzzentrums der Europäischen Region der WHO für Versorgungsqualität und Patientensicherheit in Athen7 Das neue Kompetenzzentrum der Europäischen Region der WHO für Versorgungsqualität und Patientensicherheit in Athen wurde im März 2022 eröffnet und der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt seitdem auf der Unterstützung der Länder und Innovationen bei der Versorgungsqualität. Bisher hat das Zentrum Albanien, Armenien, Griechenland, Kirgisistan, Malta, der Republik Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Portugal und Tadschikistan Unterstützung gewährt, und die Zusammenarbeit mit mehreren zusätzlichen Mitgliedstaaten ist im Aufbau. In Kooperation mit maßgeblichen Partnern, insbesondere der Harvard University, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und dem Europäischen Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik, werden innovative Instrumente zur Unterstützung der Qualitätsverbesserung in den Bereichen Patientenerfahrung, digitale Technologie und werteorientierte bzw. auf Rechte gestützte Versorgung entwickelt. Ein innovativer Ansatz kam auch bei der ersten hochrangigen Konsenstagung zum Thema Versorgungs- qualität in Athen zum Einsatz, die gemeinsam vom Kompetenzzentrum und der Regierung Griechenlands ausgerichtet wurde. Erstmals kamen im Rahmen der Tagung eine Reihe wichtiger Experten, Wissenschaftler, Politiker, Gesundheitsfachkräfte und Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, die jeweils Gelegenheit erhielten, ihr Fachwissen einzubringen und gemeinsam die Richtung für die Zukunft der 7 Dieses Büro wurde rechtlich gesehen als Unterbüro des WHO-Länderbüros in Griechenland eingerichtet. Versorgungsqualität vorzugeben. Auf der Tagung wurde die Entwicklung einer Reihe neuer innovativer Tools eingeleitet, die die Länder in der Region beim Aufbau hochwertiger Gesundheitsangebote nutzen können. Zudem wurde hervorgehoben, dass Versorgungsqualität und Patientensicherheit im Mittelpunkt der allgemeinen Gesundheitsversorgung stehen müssen. Leitfaden der WHO für die primäre Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in der Europäischen Region der WHO Im März 2022 veröffentlichte WHO/Europa den ersten „Leitfaden für die primäre Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen“, ein umfassendes Handbuch für Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsfachkräfte, die für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in der primären Gesundheitsversorgung zuständig sind, auf der Grundlage evidenzbasierter Leitlinien für Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und Krankheitsmanagement. Schwerpunkte des Leitfadens sind evidenzbasierte Praktiken und die Prävention. So © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 21 soll gewährleistet werden, dass diese Gruppe die Versorgung erhält, die sie benötigt, und gleichzeitig unnötige Behandlungen und Krankenhauseinweisungen verhindert werden. Seit der Veröffentlichung arbeitet WHO/Europa mit Gesundheitsministerien und Partnern in der gesamten Region an der Anpassung und Übersetzung des Leitfadens in mehrere Sprachen, darunter u.  a. Armenisch, Rumänisch, Russisch, Tadschikisch, Ukrainisch, Italienisch und Portugiesisch. WHO/Europa arbeitet darauf hin, dass die im Leitfaden vorgeschlagenen Standards in der gesamten Region umgesetzt werden, und zwar mit Hilfe ausreichender Finanzmittel, die für die erforderlichen Veränderungen im Gesundheitssystem aufgebracht werden, um allen Kindern und Jugendlichen eine hochwertige Gesundheitsversorgung zu bieten und niemanden zurückzulassen. Hochrangige Tagung über Migration und Gesundheit in Istanbul Flüchtlinge und Migranten sind in Krisen und Notlagen besonders gefährdet, und WHO/Europa hat die Mitgliedstaaten aktiv dabei unterstützt, den gesund- heitlichen Bedürfnissen in Zusammenhang mit den Bevölkerungsbewegungen während der belarussischen Migrationskrise Ende 2021 und mit dem Krieg in der Ukraine gerecht zu werden. Es wächst jedoch die Erkenntnis, dass Migration ein über Krisensituationen hinausgehendes, dauerhaftes Phänomen und fester Bestandteil unserer Gesellschaften ist. Zudem wird anerkannt, dass eine allgemeine Gesundheitsversorgung nicht erreicht werden kann, ohne sich umfassend mit der Gesundheit von Migranten zu befassen, die in der Europäischen Region der WHO mehr als 13% der Bevölkerung ausmachen. © W H O © W H O /U ka B or re ga ar d Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202222 Im März 2022 berief WHO/Europa in Anerkennung der regionsübergreifenden Dimensionen von Migration und Vertreibung gemeinsam mit dem Regionalbüro für Afrika und dem Regionalbüro für den östlichen Mittelmeerraum eine Hochrangige Tagung über Migration und Gesundheit in Istanbul ein, um auf aktuelle Gegebenheiten einzugehen und eine neue Vision für die künftige Arbeit sowie ein aktuelles Narrativ zu entwickeln, das Gesundheit und Migration von der Last zur Chance umdeutet. Flüchtlinge und Migranten haben diese neue Vision Seite an Seite mit über 50 Ministern, Vertretern anderer Organisationen der Vereinten Nationen, der Europäischen Union (EU), der Afrikanischen Union und nichtstaatlichen Organisationen entscheidend mitgestaltet. Die Tagung führte zur Unterzeichnung einer Abschlusserklärung und ebnete den Weg für einen neuen Aktionsplan über Migration und Gesundheit für die kommenden Jahre. Zum selben Arbeitsbereich hat WHO/Europa im Mai 2022 das erste Instrumentarium zu den schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen der Internierung von Migranten herausgegeben und gemeinsam mit dem Kooperationszentrum für Daten und Evidenz zum Themenbereich Migration und Gesundheit an der Universität Uppsala eine Schulung für Mitgliedstaaten und Partner zur Bewältigung gesundheitlicher Herausforderungen bei der Internierung von Migranten und zu Alternativen zur Internierung durchgeführt. Europäischer Gesundheitsbericht 2021 Der Europäische Gesundheitsbericht 2021 ist eine Flaggschiff-Publikation von WHO/Europa, die Einblick in die Fortschritte der Region bei der Verwirklichung der gesundheitsbezogenen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) und die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Gesundheit der Bevölkerung gewährt. In dem Bericht wird hervorgehoben, wie die Gesundheitssysteme inmitten einer Wirtschaftskrise mit steigenden Anforderungen zu kämpfen hatten, was sich auf alle drei Säulen der allgemeinen Gesundheitsversorgung ausgewirkt hat: den Zugang zu Gesundheitsleistungen, die Versorgungsqualität und die finanzielle Absicherung. Auf dem Weg zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung wurden nur geringe Fortschritte erzielt: Der Erfassungsindex für den Versorgungsgrad im Rahmen einer allgemeinen Gesundheitsversorgung stieg zwischen 2015 und 2017 von 75 auf nur 77. Der Anteil der Bevölkerung mit hohen Haushaltsausgaben für Gesundheit variiert in der Region stark, und der regionsweite Durchschnitt ist im Laufe der Zeit weiter gestiegen. Während die Dichte des Gesundheitspersonals in der Region (mit 130 Ärzten, Pflegekräften, Hebammen, Zahnärzten und Apothekern pro 10 000 Einwohnern) recht hoch ist, gibt es Lücken in stärker spezialisierten Versorgungsbereichen und ein Ungleichgewicht zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Weitere Anstrengungen sind auch im Bereich der finanziellen Absicherung erforderlich: Die Inzidenz ruinöser Gesundheitsausgaben liegt in den einzelnen Mitgliedstaaten zwischen 1% und 19%. Diese betreffen am ehesten das ärmste Quintil der Bevölkerung und sind hauptsächlich durch Zahlungen aus eigener Tasche für ambulant verschriebene Medikamente bedingt. Der Bericht enthält eine weitere detaillierte Analyse dieser Auswirkungen, die beträchtlich sind und zusätzliche Anstrengungen erfordern, insbesondere bei der Beseitigung der Hindernisse für die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 23 Neben der allgemeinen Gesundheitsversorgung werden auch andere Determinanten von Gesundheit thematisiert. Die Durchimpfungsrate für den kombinierten Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten und den Masernimpfstoff ist in der Region generell hoch, liegt aber immer noch unter dem für die Region festgelegten Zielwert der WHO von 95%. Die Impfung gegen humane Papillomviren wird in den Ländern sehr unterschiedlich in Anspruch genommen. 2019 lag die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen vorzeitig (im Alter zwischen 30 und 70 Jahren) an einer der vier häufigsten nichtübertragbaren Krankheiten  – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes  – sterben, in der Europäischen Region bei 16,4%. Die durch nichtübertragbare Krankheiten bedingte Krankheitslast wird zum größten Teil durch vermeidbare und beeinflussbare Risikofaktoren verursacht. Ferner schneidet die Europäische Region bei zwei Risikofaktoren, bei Alkohol- und Tabakkonsum, unter den sechs Regionen am schlechtesten ab. 2019 tranken Erwachsene durchschnittlich 7,8 Liter Alkohol, und 26,8% der Erwachsenen waren Raucher. Die Tatsache, dass fast jedes dritte Kind im Schulalter und fast 6 von 10 Erwachsenen an Übergewicht oder Adipositas leiden, gibt zusätzlichen Anlass zur Sorge. Eine weitere wichtige Ursache für vorzeitige Sterblichkeit ist Suizid, und die Europäische Region der WHO verzeichnet eine der höchsten standardisierten Sterblichkeitsraten aufgrund von Suizid. Evidence-Informed Policy Network (EVIPNet) Das Team für Politikgestaltung und  -steuerung für Gesundheit (PGH) bei WHO/Europa setzte seine Maßnahmen zum Aufbau von Kapazitäten in den Mitgliedstaaten fort, um die Nutzung von Evidenz in Politik und Praxis zu verbessern. Gestützt auf das EVIPNet wurden für die Länderteams in Albanien, Bulgarien, Estland, Griechenland, der Republik Moldau, Serbien und der Türkei virtuelle Schulungs-, Coaching- und Unterstützungsangebote bereitgestellt, um die Umsetzung der besten verfügbaren globalen und lokalen Evidenz im jeweiligen Landeskontext zu fördern. Infolge dieser Unterstützung legten Länderteams aus Estland und Griechenland in Zusammenarbeit mit dem für antimikrobielle Resistenz (AMR) zuständigen Team kontextspezifische, evidenzgeleitete Handlungsoptionen zu vorrangigen Themen rund um antimikrobielle Resistenzen vor. In Estland lag der Schwerpunkt auf der Verschreibung von Antibiotika in der primären Gesundheitsversorgung, in Griechenland auf dem Einsatz von Antibiotika in Krankenhäusern. In beiden Fällen wurde die Evidenz in Form eines Hintergrundpapiers für die Politik aufbereitet und in einem Dialog mit einer Vielzahl von Akteuren erörtert. Ferner organisierte das Team für Politikgestaltung und  -steuerung für Gesundheit im November 2021 gemeinsam mit dem WHO-Hauptbüro, anderen © W H O /M ar cu s G ar ci a Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202224 FLAGGSCHIFF-INITIATIVE: DIE BEFÄHIGUNG ZU SELBSTBESTIMMTEM HANDELN MIT HILFE DIGITALER GESUNDHEITSANGEBOTE Die Initiative wurde mit einer Vision und strategischen Zielen in vollem Einklang mit dem EPW und einer klaren Darstellung der wichtigsten zu liefernden Produkte auf den Weg gebracht. Seit ihrem Start hat die Initiative erfolgreich zur Entwicklung regionsweiter und globaler Leitlinien für die digitale Kontaktverfolgung, zu einem Grundsatzpapier über eine zweigleisige Reaktion der Gesundheitssysteme auf COVID-19, zur Erarbeitung einer Vereinbarung mit Estland und zu einer regionsweiten Konsultation über smarte Impfnachweise beigetragen. Im Oktober 2021 wurde ein neues subregionales Netzwerk für digitale Gesundheit im Westbalkan ins Leben gerufen, das seine Arbeit an dem Fahrplan für Gesundheit in den Ländern des Westbalkans (2021–2025) ausrichten wird. WHO/Europa hat ein Kurzdossier über digitale Lösungen zur Verringerung von Gesundheitsrisiken infolge der COVID-19- Infodemie veröffentlicht, während Kurzdossiers über digitale Kompetenzen des Gesundheitspersonals und die potenzielle Rolle künstlicher Intelligenz bei der Behebung von Engpässen beim Gesundheitspersonal in Arbeit sind. Im Dezember 2021 berief WHO/Europa die Konferenz der Europäischen Region der WHO zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten durch digitale Lösungen ein, die vom Gesundheitsministerium der Russischen Föderation in Moskau ausgerichtet wurde. Die Konferenz bot Gelegenheit, innovative digitale Gesundheitslösungen für die Surveillance, Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten vorzustellen, und endete mit einer Konferenzerklärung. Ein Umsetzungsleitfaden, der praktische Schritte zur Steigerung der Akzeptanz digitaler Lösungen für die Surveillance, Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten aufzeigt, wird derzeit entwickelt und soll die auf der Konferenz eingegangenen Verpflichtungen ergänzen. © W H O KASTEN 2: Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 25 Regionen und Partnern einen virtuellen Weltgipfel der WHO zur Umsetzung von Evidenz in Politik mit dem Titel „Evidenz als Katalysator für politischen und gesellschaftlichen Wandel hin zu gerechterer, widerstandsfähigerer und nachhaltigerer globaler Gesundheit“. Ziel war es, die Bedeutung evidenzgeleiteten Handelns, vor allem im Zusammenhang mit einer globalen gesundheitlichen Notlage, zu bekräftigen und eine Bilanz der gewonnenen Erkenntnisse zu ziehen. Das Team für Politikgestaltung und  -steuerung für Gesundheit hat auch die Chancen und Herausforderungen untersucht, die mit der Stärkung einer evidenzgeleiteten Politikgestaltung und der Einrichtung eines Forums für Wissensumsetzung in Kasachstan verbunden sind, und Ungarn bei seinen Bemühungen um die Einrichtung eines Schnelleinsatzdienstes unterstützt. Finanzielle Härten aufgrund von Zahlungen aus eigener Tasche Das WHO-Büro Barcelona zur Finanzierung der Gesundheitssysteme überwacht die finanzielle Absicherung – eine zentrale Dimension der allgemeinen Gesundheitsversorgung und ein SDG-Indikator – in allen Ländern der Europäischen Region der WHO. Im östlichen Teil der Region kommt es häufiger vor, dass für die Gesundheit hohe Zahlungen aus eigener Tasche geleistet werden müssen, und vielen Mitgliedstaaten fehlt es an institutionellen und personellen Kapazitäten, um Indikatoren zu erstellen und Fortschritte auf dem Weg zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung zu überwachen. Angesichts dieser Kapazitätslücke in Osteuropa und Zentralasien hat WHO/Europa die Zusammenarbeit mit Ländern in diesen Subregionen intensiviert und nationalen Statistikämtern und zuständigen Abteilungen von Gesundheitsministerien direkte, praktische Fachunter- stützung für die Erstellung von Indikatoren und die Nutzung der von WHO/Europa entwickelten relevanten Analyseinstrumente gewährt. Das Büro reagiert auf Anfragen nationaler Statistikämter zur Übermittlung von Know-how für die Überwachung der finanziellen Absicherung. Eine erste Tagung wurde im Februar 2022 abgehalten unter Beteiligung von Statistikämtern, Gesundheitsministerien, unabhängigen nationalen Experten und Teilnehmern aus den WHO-Länderbüros der zwölf Zielländer: Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, der Republik Moldau, der Russischen Föderation, Tadschikistan, Turkmenistan, der Ukraine und Usbekistan. Die einzelnen Länder- konsultationen fanden online statt, und im November 2022 wird in Georgien eine Präsenzveranstaltung zum Kapazitätsaufbau folgen. Ohne diese intensive Unterstützung beim Kapazitätsaufbau in diesen Ländern wäre WHO/Europa nicht in der Lage, die Fortschritte auf dem Weg zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung in der gesamten europäischen Region zu überwachen, und die doppelte Lücke bei den Erkenntnissen über finanzielle Absicherung und bei den Kapazitäten zur Indikatorerstellung bestände weiter. Ferner wurde die Arbeit an einem auf drei Jahre angelegten, von der EU geförderten Projekt zur Stärkung der Gesundheitsfinanzierung für die allgemeine Gesundheitsversorgung in den Ländern des Westbalkans fortgesetzt (Generaldirektion Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen (GD  NEAR), 2021–2023). WHO/Europa kooperiert mit Experten in Albanien, Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202226 Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und dem Kosovo8, um neue oder aktualisierte Analysen zur finanziellen Absicherung zu erstellen, die genutzt werden sollen, um die Fortschritte auf dem Weg zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung im Rahmen des Fahrplans für Gesundheit in den Ländern des Westbalkans (2021–2025) zu überwachen und Politikdialoge in der Region zu fördern. WHO/Europa hat außerdem mit der Arbeit an einem neuen, von der EU geförderten Projekt (Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (GD SANTE), 2022–2024) begonnen, das die EU-Mitgliedstaaten dabei unterstützen soll, den bezahlbaren Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern, mit Schwerpunkt auf der Stärkung der Arzneimittelpolitik und einem verbessertem Zugang zur psychischen Gesund- heitsversorgung.  WHO/Europa hat weiterhin Analysen über den bezahlbaren Zugang zur Gesundheitsversorgung durchgeführt, und dies bleibt eine wichtige Quelle für führende gesundheitspolitische Veröffentlichungen auf regionsweiter und globaler Ebene, darunter der Bericht „Gesundheit auf einen Blick 2021“ der OECD, die Länderprofile „Gesundheitszustand in der EU“, zwei von der WHO und der Weltbank verfasste globale Sachstandsberichte über allgemeine Gesundheits- versorgung, der Europäische Gesundheitsbericht 2021 von WHO/Europa und die vom Europäischen Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik veröffentlichten Beiträge über Gesundheitssysteme im Wandel.  8 Alle in diesem Dokument enthaltenen Verweise auf das Kosovo sind im Zusammenhang mit der Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu verstehen. Ferner hat das WHO-Büro Barcelona zur Finanzierung der Gesundheitssysteme seine Reihe von Länderanalysen zur finanziellen Absicherung fortgesetzt und um Berichte zu Bulgarien, Nordmazedonien, Rumänien und Spanien ergänzt. Zugang zu Arzneimitteln, Impfstoffen und Diagnostika Die auf zwei Jahre angelegte Oslo-Initiative für Arzneimittel (OMI) bietet dem öffentlichen und dem privaten Sektor eine neutrale Plattform, um den politischen Diskurs neu zu gestalten, Partnerschaften zu bilden, Dynamik für Veränderungen zu schaffen und potenzielle, pragmatische Lösungen für einen verbesserten Zugang zu wirksamen neuartigen hochpreisigen Arzneimitteln in der Region zu finden. Im Rahmen der OMI wurde versucht, über die Themen Solidarität, Nachhaltigkeit und Transparenz Handlungsvorschläge zu erarbeiten, die die Ziele der pharmazeutischen Industrie, die Bedürfnisse und Erwartungen der Öffentlichkeit und die Fähigkeit der Regierungen, Gesundheitssysteme aufrechtzuerhalten, in Einklang bringen und gleichzeitig pharmazeutische Innovationen fördern und belohnen. Die Einbindung dieser Akteure erfolgte in formellen Konsultationen, die durch Befragungen ergänzt wurden, und in moderierten Diskussionen über die Ergebnisse einer Reihe von Papieren, die in Auftrag gegeben wurden, um in dieser Hinsicht gewonnene Erkenntnisse zu prüfen und politische Lösungen aufzuzeigen. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 27 © W H O /M ih ai l G rig or ev Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202228 FLAGGSCHIFF-INITIATIVE: PSYCHISCHE GESUNDHEIT UND DAS EUROPÄISCHE BÜNDNIS FÜR PSYCHISCHE GESUNDHEIT Psychische Gesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil des individuellen und kollektiven Wohlbefindens, jedoch seit langem unterbewertet und unterfinanziert. Motiviert durch die Flaggschiff-Initiative von WHO/Europa zur psychischen Gesundheit sind nach der Annahme des Europäischen Handlungsrahmens zur Förderung der psychischen Gesundheit (2021–2025) durch das RC71 engagierte Schritte zugunsten der psychischen Gesundheit unternommen worden:  • So wurde das Europäische Bündnis für psychische Gesundheit ins Leben gerufen, ein Netz von Institutionen und Einzelpersonen mit dem Schwerpunkt, Maßnahmen zur Umsetzung des Handlungsrahmens zu koordinieren. Der Startschuss fiel am 30. September 2021 in Brüssel in Anwesenheit Ihrer Majestät Königin Mathilde von Belgien und der EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Stella Kyriakides. Darauf folgte ein Prozess der Mandatserarbeitung im Einklang mit den Anforderungen des Rahmens der WHO für die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren und eine Aufforderung zur Einreichung von Bewerbungen. • Im Februar 2022 wurde eine regionsweite Fachkonsultation zur Umsetzung des Handlungsrahmens durchgeführt, um die Prioritäten und Erwartungen der Region auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit zu erfassen, abzustimmen und mit den verfügbaren Instrumenten und Beispielen guter Praxis abzugleichen. • Bei der ersten Tagung des Bündnisses im Mai 2022 waren fünf parallele Arbeitsgruppen mit der Entwicklung konkreter Arbeitspakete beauftragt: Führungskompetenz, psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen, psychische Gesundheit älterer Erwachsener, psychische Gesundheit am Arbeitsplatz und Umgestaltung von Leistungen. • Anlässlich der Eröffnung des Kompetenzzentrums der Europäischen Region der WHO für Versorgungsqualität und Patientensicherheit in Athen wurde am 21. März 2022 ein von der Regierung Griechenlands unterstütztes Programm für die Qualität der psychischen Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen auf den Weg gebracht. Das Programm ist ein wichtiger Bestandteil des Arbeitspakets des Bündnisses zur psychischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen. Eine kleine Arbeitsgruppe für Sachverständige wurde gebildet, die in den nächsten zwölf Monaten im Rahmen von Präsenz- und Hybridsitzungen im März und April sowie einer weiteren für September 2022 geplanten Sitzung konkrete Ergebnisse hervorbringen soll. • WHO/Europa hat in den ersten Wochen des Krieges in der Ukraine rasche, entschlossene und gut mit Ressourcen ausgestattete Maßnahmen auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung eingeleitet und Sachverständige in die Nachbarländer entsandt, fachliche Arbeitsgruppen eingerichtet und den zunehmenden Bedürfnissen Rechnung getragen. WHO/Europa unterstützt die wachsende KASTEN 3: Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 29 Gruppe für psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung in der Ukraine bei allen wichtigen Maßnahmen, einschließlich fachlicher Unterstützung, Aufbau von Kapazitäten, Förderung vorbildlicher Praxis und Bedarfsanalysen. • Im Rahmen der Flaggschiff-Initiative unterstützt WHO/Europa weiterhin Länder, die sich an Dialogen über Rahmen für die psychische Gesundheit beteiligen und in großem Maßstab Aktivitäten wie WHO QualityRights in Armenien, Bosnien und Herzegowina, Estland, Kroatien, Polen, Tschechien und der Türkei, dem Aktionsprogramm zur Schließung von Lücken in der psychischen Gesundheitsversorgung (mhGAP) in Armenien, der Türkei und der Ukraine sowie die Suizidprävention in Kasachstan und der Russischen Föderation durchführen. Auf subregionaler Ebene wurden Gespräche geführt, um die Arbeit zur Umgestaltung der Systeme für psychische Gesundheit festzulegen, einschließlich einer besseren Einbindung in die primäre Gesundheitsversorgung, der Bekämpfung der Stigmatisierung, der Stärkung der Suizidprävention und der Einführung digitaler Instrumente. • In Lettland führte WHO/Europa in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und führenden Fachleuten die Investitionsrechnung für die Prävention und Bewältigung von Problemen der psychischen Gesundheit und Verhaltensstörungen durch und leistete damit einen Beitrag zur Erstellung des lettischen Plans zur Verbesserung der Organisation der psychischen Gesundheitsversorgung 2023–2025. • Mit der Verdopplung ihrer Personalstärke auf fünf Fachkräfte, zwei Verwaltungskräfte und eine Vollzeit- Kommunikationsberatungskraft ist WHO/Europa mittlerweile auch besser in der Lage, dem riesigen Bedarf für die Arbeit der Flaggschiff-Initiative gerecht zu werden. © E rik L un ta ng KASTEN 3 Forts. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202230 Die OECD und die Europäische Kommission fungieren gemeinsam mit der französischen EU-Präsidentschaft als Partner der OMI. Mit dem RC72 endet die Initiative und bietet sich die Möglichkeit, die künftige Ausrichtung in diesem Bereich zu erörtern. Europäisches Büro der WHO für Investitionen in Gesundheit und Entwicklung (Büro Venedig) In den vergangenen zwei Jahren haben sich die bestehenden gesundheitlichen Ungleichgewichte weiter verschärft und es sind neue gesundheitliche wie auch sozioökonomische Anfälligkeiten hinzugekommen. WHO/Europa bezieht durch die Arbeit des Europäischen Büros der WHO für Investitionen in Gesundheit und Entwicklung in Venedig klar Stellung für gesundheitliche Chancengleichheit. Das Büro unterstützte Italien, Nordmazedonien, Slowenien und das Vereinigte Königreich bei der Entwicklung von Plänen für den Wiederaufbau und die Förderung der Widerstands- fähigkeit unter Gewährleistung von Chancengleichheit, schuf neue Bündnisse und veröffentlichte neue Instrumente, um Gesundheitsbehörden dabei behilflich zu sein, ihren Einflussbereich zu erweitern und ihr Leistungsangebot für besonders gefährdete Gruppen in der Gesellschaft zu verbessern. Darüber hinaus rief das Büro im November 2021 die Neue Expertengruppe Wirtschaft ins Leben, die sich aus Wissenschaftlern und anderen Vertretern von 14  Forschungseinrichtungen zusammensetzt. Die Arbeitsgruppe soll die Umsetzung der Resolution der WHO mit dem Titel „Beschleunigung der Fortschritte hin zu einem Leben in Gesundheit und Wohlstand für alle in der Europäischen Region der WHO“ durch die Initiative Ökonomie des Wohlergehens erleichtern. Die Initiative unterstützt Gesundheitsbehörden dabei, öffentliche Investitionen, Ausgaben und Ressourcen zugunsten von Gesundheit und Wohlbefinden für alle zu nutzen. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 31 Zentrale Priorität 2: Schutz vor gesundheitlichen Notlagen Über die anhaltende COVID-19-Pandemie hinaus war die Europäische Region der WHO im vergangenen Jahr von zahlreichen neuen Notlagen mit gesundheitlichen Folgen betroffen. Dazu gehören hinlänglich bekannte Krankheiten wie Polio, neue Krankheitsgefahren wie schwere akute Hepatitis bei Kindern und die Affenpocken, vom Menschen verursachte Krisen wie der Krieg in der Ukraine und natürliche Gefahren wie sommerliche Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen, die durch den Klimawandel noch verschärft werden. Zugleich haben sich die COVID-19-Fallzahlen insgesamt seit September 2021 mehr als verdreifacht, was mit fortgesetzten Auswirkungen auf die Gesundheit und wellenartigen Beeinträchtigungen einhergeht. Eine wichtige, durch mühsame Erfahrung gewonnene Erkenntnis lautet, dass alle Länder ungeachtet ihrer Größe, ihres Einkommensniveaus oder ihrer geografischen Lage anfällig für gesundheitliche Notlagen sind und sich allesamt für die nächste gesundheitliche Notlage rüsten müssen. WHO/Europa spielt über das Programm der WHO für gesundheitliche Notlagen (WHE) eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Länder in der Europäischen Region in den vier Phasen des Notfallzyklus: Prävention, Vorsorge, Reaktion und Wiederaufbau. Notfallprävention In Zusammenarbeit mit seinen Partnern bemüht sich WHO/Europa um die Prävention von Ereignissen wie Krankheitsausbrüchen, indem darauf hingearbeitet wird, Programme zur Infektionsprävention und -bekämpfung einzurichten oder zu verbessern. © W H O /N O O R/ Sa nn e De W ild e Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202232 © W H O /U ka B or re ga ar d Angesichts des plötzlichen Wiederanstiegs der COVID- 19-Fälle über den Sommer, der hohen Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen sprunghaften Zunahme der COVID-19- Fälle im Herbst und Winter und einer erhöhten Gefahr des Auftretens von Infektionen mit anderen respiratorischen Viren in den Herbstmonaten und deren parallelen Zirkulation mit COVID-19 besteht die dringende Notwendigkeit für Interventionen und Initiativen, um die Auswirkungen auf die Bevölkerung zu begrenzen. In Reaktion auf die COVID-19-Pandemie setzt WHO/ Europa die federführende Umsetzung der Strategie für die COVID-19-Surveillance durch Aktivitäten auf Länderebene und mit dem Netzwerk für die COVID-19- Surveillance und für entsprechende Laborunter- suchungen fort – über deren Ergebnisse wird jeweils in dem wöchentlich veröffentlichten, alle Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO abdeckenden Nachrichtenbrief zu COVID-19 berichtet. Ferner setzt WHO/Europa seine Unterstützung der Länder bei der Durchführung von Modellierungen fort, die für optimale nationale COVID-19-Impfstrategien herangezogen werden können, sowie die Nutzung zweier Protokolle zur Wirksamkeit von COVID-19-Impfstoffen, mit denen der Erfolg von COVID-19-Impfprogrammen evaluiert wird und die als Grundlage für politische Entscheidungen dienen. Inmitten der COVID-19-Pandemie hat WHO/Europa die regionsweite Surveillance der saisonalen Grippe fortgeführt und dabei unter anderem wöchentlich und zum Ende der Saison Berichte und Aktualisierungen für den Fachlichen Beirat der WHO zum Thema Zusammensetzung des COVID-19-Impfstoffs erstellt. Gemeinsam mit den Ländern wurden umfassende Bemühungen unternommen, die nationalen integrierten Aktivitäten zur Surveillance von Atemwegserkrankungen, insbesondere die Sentinel-Überwachung in der primären und sekundären Gesundheitsversorgung, zu stärken. Mit der Überwachung der überhöhten Sterblichkeit wurde nun auch in Deutschland, Israel und der Ukraine begonnen. Im Oktober 2021 wurde unter Beteiligung von 50 Ländern aus der Region die Siebte gemeinsame Tagung von WHO/Europa und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zum Thema Influenza- und COVID-19-Surveillance in virtueller Form abgehalten. Zudem leistete WHO/Europa über die von der WHO anerkannten Nationalen Grippezentren (NIC) laufende Unterstützung in diesem Bereich, wodurch sich die Zahl der Mitgliedstaaten mit einem NIC auf 47 von insgesamt 53 erhöhte. In Nordmazedonien und der Ukraine wurden Modellierungen und ökonomische Evaluationen zur Grippeimpfung vorgenommen, um Informationen für die Stärkung von Impfprogrammen zu gewinnen. Zudem wurden Daten zur Inanspruchnahme von Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 33 Grippeimpfungen für die wichtigsten Risikogruppen erhoben und veröffentlicht. In einer Reihe von Ländern ist die Inanspruchnahme von Impfungen konstant rückläufig, und in vielen einkommensschwächeren Ländern sind Grippeimpfstoffe nach wie vor nur schwer zugänglich. Dies ist besonders besorgniserregend mit Blick auf den bevorstehenden Herbst, da die Risiken der saisonalen Grippe für diese gefährdeten Gruppen ähnlich hoch sind wie die einer COVID-19-Infektion. Notfallvorsorge Die Notfallvorsorge beginnt mit der Erhebung evidenzbasierter Daten unter Verwendung des Überwachungs- und Evaluationsinstrumentariums für die Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) (2005) und anderer Bewertungsinstrumente zur Ermittlung der Stärken und Schwächen der Mitgliedstaaten. 2021 legten 51  Vertragsstaaten ihren jährlichen Bericht zur Selbstbewertung nach den IGV (2005) vor. Im Durchschnitt der Europäischen Region betrug das Ergebnis der Bewertungen für alle fachlichen Bereiche und Vertragsstaaten 74%, womit das Ziel des EPW von 85% um 11% verfehlt wurde. Zwei von weltweit drei Gemeinsamen Externen Evaluationen9 wurden im vergangenen Jahr durchgeführt, und zwar in der Ukraine (2021) und in Usbekistan (2022). Das WHE hat in den Mitgliedstaaten eine Reihe strategischer Risikobewertungen mit dem Ziel vorgenommen, vorrangige Risiken und Anfälligkeiten zu ermitteln. Es wurden Aktivitäten zur Stärkung der 9 Siehe https://www.who.int/emergencies/operations/international-health-regulations-monitoring-evaluation-framework/joint-external- evaluations. Kapazitäten der nationalen Anlaufstellen für die IGV (2005) durchgeführt, was für die Rolle der WHO als Sekretariat der IGV (2005) entscheidend wichtig ist, und über die neu eingerichtete Drehscheibe in Berlin wird innovative Datenwissenschaft für die Surveillance und Gegenmaßnahmen herangezogen. Das WHE hat Maßnahmen zum Aufbau von Kapazitäten für die Notfallvorsorge u.  a. in folgenden Bereichen durchgeführt: Risikokommunikation, Bürgerbeteiligung und Bewältigung der Infodemie, Infektionsprävention und  -bekämpfung, Notfallvorsorge und  -planung, Stärkung des Laborwesens („Bessere Labore für mehr Gesundheit“), epidemiologische Überwachung, klinisches Management und medizinische Gegenmaßnahmen, Überwachung gesundheitlicher und sozialer Maßnahmen bei Epidemien und Pandemien sowie Grenzübergangsstellen. Darüber hinaus hat das Europäische Zentrum der WHO zur Bereitschaftsplanung für humanitäre und gesundheitliche Notlagen in Istanbul 18 Schulungen/ Veranstaltungen zur Kompetenzentwicklung für die © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202234 Notfallvorsorge geleitet oder daran mitgearbeitet, die mehr als 500 Gesundheits- und Notfallfachkräften aus über 20 Ländern zugutekamen. Diese Aktivitäten betrafen Bereiche der Entwicklung von Führungskompetenz, Simulationsübungen, radiologisch-nukleare Bedro- hungen, die Traumaversorgung, die Bewältigung von Ereignissen mit hohen Opferzahlen, die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten sowie angewandte Forschung und Umsetzungsforschung. Reaktion auf Notlagen Im Einklang mit dem Rahmen für die Reaktion im Krisenfall wurde die operative Reaktion der WHO auf Notlagen im Zeitraum 2021–2022 unter Anwendung des Ereignis-Management-Systems (IMS) koordiniert, das auf anerkannten vorbildlichen Praktiken im Bereich des Notfallmanagements beruht. Das IMS wird in aller Welt zunehmend von Systemen für das Notfallmanagement genutzt, auch innerhalb des Gesundheitswesens sowie darüber hinaus durch den globalen Cluster-Ansatz in der humanitären Hilfe. Im Zeitraum 2021–2022 waren die Aktivitäten und Ressourcen weiterhin hauptsächlich auf die Bekämpfung von COVID-19 gerichtet, und im WHO-Hauptbüro sowie in allen Regionalbüros und Länderbüros wurden interoperable Ereignismanagement-Unterstützungs- teams eingerichtet. © W H O /N O O R/ Se ba st ia n Li st e Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 35 Bekämpfung von COVID-19 Durch die flächendeckende Einführung hochwirksamer COVID-19-Impfstoffe konnten in der Europäischen Region gefährdete Bevölkerungsgruppen vor den schwerwiegenden Folgen einer Infektion mit dem schweren akuten respiratorischen Syndrom Corona- virus 2 (SARS-CoV-2) bewahrt werden. So ergaben erste Analysen von WHO/Europa, dass durch den raschen Beginn der Impfung älterer Menschen gegen COVID-19 bis November 2021 469 186 Todesfälle in 33 Ländern (51% der 911  302 erwarteten Todesfälle) verhindert wurden. Die Wirkung10 fiel je nach Land mit Werten von 6 bis 93% jedoch sehr unterschiedlich aus und richtete sich danach, wie frühzeitig die Impfungen eingeleitet und wie stark sie in Anspruch genommen wurden. In den vergangenen 12 Monaten hat sich das Vorgehen gegen COVID-19 gewandelt, da die erhöhte Immunität der Bevölkerung durch das Auftreten besorgniserregender Varianten, die die Immunität effektiver umgehen können, kompensiert wird. Mit zunehmender Überlastung der 10 Siehe doi:10.2807/1560-7917.ES.2021.26.47.2101021. Gesundheitssysteme und Einschränkungen der Gesundheitsleistungen aufgrund der großen Zahl von COVID-19-bedingten Erkrankungen und Krankenhause- inweisungen verschob sich der Schwerpunkt bei der Leistungserbringung, was eine rasche Umstellung der Prioritäten und Umschichtung der Ressourcen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung grundlegender Funktionen erforderte. WHO/Europa ist bemüht, die Länder in allen vier Phasen gesundheitlicher Notlagen zu unterstützen. Im vergangenen Jahr lag der Fokus vor allem auf der Reaktions- und Wiederaufbauphase der COVID-19- Pandemie, doch fanden auch Arbeiten zur Prävention von und zur Vorsorge für künftige Pandemien statt. Um der anhaltenden gesundheitlichen Notlage im Zusammenhang mit COVID-19 zu begegnen, führte WHO/Europa 419 Unterstützungsmissionen und -einsätze in 27 Ländern und Gebieten durch, darunter in der EU, den Ländern des Westbalkans, der südlichen Kaukasusregion und Zentralasien. WHO/Europa mobilisierte 40 Partner im Rahmen des Globalen Netzwerks zur Warnung und Reaktion bei Krankheitsausbrüchen und ermöglichte die Entsendung von acht medizinischen Notfallteams (EMT). Hilfsgüter im Wert von 96 Mio. US$, darunter Impfstoffe, wurden für 31 Länder und Gebiete in der Europäischen Region beschafft. Im Rahmen der Bemühungen von WHO/Europa um Kapazitätsaufbau in den Ländern wurden Hunderte Webinare, Schulungen und Workshops zum Thema Bekämpfung von COVID-19 mit mehr als 55 500  Teilnehmern abgehalten. Besonders hervorzuheben ist, dass in Aserbaidschan die Zahl der © W H O F ra nc es co B el lin a/ Ce su ra Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202236 Anmeldungen auf der Schulungsplattform OpenWHO um das Zehnfache auf 18  000 anstieg, woraufhin die WHO und die EU auf der Plattform eine eigene Seite für Aserbaidschan einrichteten. Über diese Plattform werden Lehrgänge, auch speziell zum Thema COVID-19, in aserbaidschanischer, türkischer und russischer Sprache angeboten. Die Arbeiten in den Bereichen Wiederaufbau sowie Prävention/Vorsorge in Bezug auf künftige Pandemien umfassten u. a. Überprüfungen und Datenanalysen, die der Ermittlung von Stärken, Schwächen und Maßnahmen zur Verbesserung der Impfungen gegen COVID-19 in 11  Ländern dienten, sowie die Unterstützung von 16  Mitgliedstaaten und Gebieten bei der Durchführung von UNITY-Studien. Zudem unterstützte WHO/Europa die Länder bei 45 Übungen zur Kalibrierung gesundheitlicher und sozialer Maßnahmen, 14 begleitenden Maßnahmenüberprüfungen und sieben nachträglichen Maßnahmenüberprüfungen. Gesamtoperation der WHO für Syrien und Operation für Flüchtlinge in der Türkei Das WHE leistet in großem Umfang Hilfe, um den außerordentlichen Gesundheitsbedarf in der Türkei zu decken, wo nach wie vor mehr als 3,6 Mio. Flüchtlinge leben. Im Rahmen des gesamtsyrischen Ansatzes erbringen die WHO und ihre Gesundheitspartner entsprechend der Resolution 2393 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen von Gaziantep (Türkei) aus grenzübergreifende Gesundheitsleistungen für die Bevölkerung im Norden Syriens. Zudem arbeitet WHO/Europa eng mit dem Gesundheitsministerium der Republik Türkei bei der Bereitstellung sprachlich und kulturell sensibler Gesundheitsleistungen für syrische Flüchtlinge zusammen. Unterstützend dazu werden Dolmetscher für Arabisch/Türkisch als Patientenbetreuer auf verschiedenen Versorgungsebenen ausgebildet. Zusammen mit dem WHO-Länderbüro in der Türkei unterstützte WHO/Europa weiterhin sieben Ausbildungszentren für die Gesundheit von Flüchtlingen, in denen syrische Ärzte und Pflegekräfte direkt am Arbeitsplatz, auch zu psychischen Gesundheitsproblemen, geschult werden, während sie Gesundheitsleistungen für syrische Patienten erbringen. Zudem hat WHO/Europa die Schulung und Einstellung syrischer kommunaler Gesundheitshilfskräfte zum Zweck der häuslichen Pflege älterer und behinderter syrischer Menschen fortgesetzt. Kurz vor Ablauf des dritten Jahres des Programms für die Gesundheit von Flüchtlingen in der Türkei sind das zusammengetragene Wissen und die gewonnenen Erkenntnisse beachtlich: 2705 syrische Gesundheits- fachkräfte nahmen an dem Fortbildungsprogramm teil – 703 Ärzte, 1142 paramedizinische Fachkräfte und 860 Hilfskräfte; 76 nicht-syrische Gesundheits- © W H O /U ka B or re ga ar d Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 37 fachkräfte – 61 Ärzte, 1 paramedizinische Fachkraft und 14 Hilfskräfte; und 918 türkische Gesundheitsfachkräfte – 188 Ärzte, 381 paramedizinische Fachkräfte und 349 Hilfskräfte. Migrationskrise in Belarus Nach der Ankunft Tausender irregulärer Migranten aus dem Nahen Osten und Afrika, die über Belarus nach Lettland, Litauen und Polen gelangt waren, bestand dringender Versorgungsbedarf. In Anbetracht immer schwierigerer winterlicher Bedingungen und eines drastischen Anstiegs der während des gesamten Oktobers 2021 gemeldeten COVID-19-Fallzahlen in ganz Belarus sorgte die katastrophale Lage international für Besorgnis. Nach Gesprächen zwischen dem Regionaldirektor und den Führungsspitzen des Landes nahm WHO/Europa eine dringliche Bewertung der Gesundheitssituation vor, um Bereiche mit kritischem Bedarf zu ermitteln, und arbeitete gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium daran, die Gesundheits- und Sanitärversorgung für Migranten in Notunterkünften über die akute Notfallversorgung hinaus wie folgt auszuweiten: durch die Bereitstellung von Leistungen der primären Gesundheitsversorgung, die Sicherung der Kontinuität der Versorgung für Vorerkrankungen und die Deckung des wachsenden Bedarfs an psychischer Gesundheitsversorgung und psychosozialer Unterstützung. Darüber hinaus hat WHO/Europa die Nachbarländer unterstützt, u. a. Litauen, um Migranten den Zugang zur Gesundheitsversorgung, insbesondere im psychischen Bereich, zu ermöglichen. Ausbruch des Poliovirus in Tadschikistan und der Ukraine Im Januar 2021 kam es in Tadschikistan zu einem Ausbruch des zirkulierenden vakzine-abgeleiteten Poliovirus Typ 2 (cVDPV2). Nach drei Runden zusätzlicher Impfkampagnen unter Verwendung des neuartigen oralen Polioimpfstoffs Typ 2, bei denen jeweils eine Durchimpfung von >97% gemeldet wurde, erklärten unabhängige Experten der Weltweiten Initiative zur Ausrottung der Kinderlähmung den Ausbruch in Tadschikistan nach einer entsprechenden Bewertung im April 2022 für beendet. Dies war der erste cVDPV2- Ausbruch weltweit, der offiziell für beendet erklärt wurde. Allerdings wurde am 6. Oktober 2021 ein weiterer cVDPV2-Ausbruch in der Ukraine bestätigt, nachdem das Virus bei zwei Kleinkindern entdeckt worden war. Der bei diesen beiden Fällen von Paralyse und ihren Kontaktpersonen gefundene isolierte Virusstamm wurde mit einem Poliovirus in Pakistan in Verbindung gebracht, das auch mehrere der Fälle in Tadschikistan verursacht hatte. WHO/Europa leistete fachliche und operative Unterstützung für das Gesundheitsministerium © W H O /U ka B or re ga ar d Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202238 und das Zentrum für öffentliche Gesundheit in der Ukraine bei der Eindämmung des Ausbruchs, und am 1.  Februar 2022 wurde eine landesweite Polio- Impfkampagne für Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren, die ihre Routine-Impfung gegen Polio in der Vergangenheit versäumt hatten, in die Wege geleitet. Diese Nachimpfungskampagne ist Bestandteil eines umfassenden Vorgehens zur Beendigung des Ausbruchs. Aufgrund erheblicher kriegsbedingter Unterbrechungen wird die Kampagne weiterhin fortgeführt. Der Krieg in der Ukraine Als federführende Organisation innerhalb der Schwerpunktgruppe Gesundheit spielt WHO/Europa eine wesentliche koordinierende Rolle bei der Reaktion auf den Krieg. Die Schwerpunktgruppe Gesundheit verfügt über 144 internationale und lokale Partner mit geplanten, laufenden oder abgeschlossenen gesundheitsbezogenen Maßnahmen in 24 Bezirken. Diese Partner haben medizinische Hilfsgüter und Gesundheitsleistungen für über 2,9 Mio. Menschen bereitgestellt. Durch die Zusammenarbeit mit dem Gesundheits- ministerium der Ukraine, den nationalen Gesundheitsbehörden, Partnern und Gebern konnte WHO/ Europa die Menschen in der Ukraine mit lebensrettenden Hilfsgütern, Geräten und Arzneimitteln versorgen. Mit Stand vom 18. Juli 2022 hat die WHO 861  Tonnen medizinische Hilfsgüter geliefert, darunter traumatologische und notfallmedizinische Chirurgie-Kits, interinstitutionelle medizinische Hilfsgüter für Notfälle, unentbehrliche Arzneimittel und andere kritische Hilfsgüter. Mit den interinstitutionellen medizinischen Notfall-Kits bzw. mit Kits für nichtübertragbare Krankheiten können innerhalb von drei Monaten schätzungsweise 3,3 bzw. 4,5 Mio. Patienten behandelt werden. Im Westen der Ukraine hat WHO/Europa drei Schaltzentralen für Gesundheit eingerichtet, um die sichere medizinische Evakuierung von Patienten zur Behandlung im Ausland zu unterstützen und zu gewährleisten. Mit Stand vom 18. Juli 2022 wurden über das Katastrophenschutzverfahren der EU mindestens © W H O /A nn e Pe lli ch er o Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 39 849 Einsätze zur medizinischen Evakuierung aus Polen, der Republik Moldau, der Slowakei und der Ukraine in 17 Länder der Europäischen Region (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Rumänien, Schweden, Spanien und Tschechien) abgeschlossen. Zudem hat WHO/Europa mehr als 80 EMT in der Ukraine und ihren Nachbarländern unterstützt oder koordiniert. Darüber hinaus hat WHO/Europa der Ukraine Anleitung in Bezug auf Cholera gegeben, die nach wie vor eine Gefahr in dem Land darstellt. Dies umfasst u.  a. die Bereithaltung von medizinischen Hilfsgütern, etwa Cholera-Kits mit Schnelltests, die Unterstützung der Gesundheitsbehörden bei der Vorbereitung auf den Einsatz von Cholera-Impfstoffen und die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium der Ukraine bei der Bereitstellung von Materialien zur Risikokommunikation. WHO/Europa machte wiederholt auf die Notwendigkeit des Zugangs zur Bevölkerung und zu Patienten in Mariupol und den von der Regierung nicht kontrollierten Gebieten aufmerksam, dem im Sinne von Gesundheit für alle höchste Priorität zukommt. Bei seinen Impfmaßnahmen und der diesbezüglichen Unterstützung verfolgte WHO/Europa einen mehrgleisigen Ansatz in Form der Bereitstellung von Impfstoffen sowohl in der Ukraine als auch in den Nachbarländern, die Flüchtlinge aufnehmen. Zudem erhielten die Aufnahmeländer spezifische programmatische Orientierungshilfe mit dem Ziel, die Surveillance impfpräventabler Krankheiten zu stärken und die Impfung © W H O /U ka B or re ga ar d Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202240 ihrer eigenen Bevölkerung ebenso wie der Flüchtlinge zu intensivieren und so etwaige Impflücken zu schließen. Darüber hinaus haben das ukrainische Gesundheits- ministerium, Organisationen der Vereinten Nationen und Partner gemeinsam mit WHO/Europa dafür gesorgt, dass innerhalb des Landes weiterhin Notvorräte antiretroviraler Medikamente verfügbar sind. Außerhalb der Ukraine unterstützte WHO/Europa die Flüchtlinge aufnehmenden Nachbarländer dabei, den Zugang zu einer hochwertigen Versorgung sowohl für HIV- als auch für Tuberkulosepatienten – einschließlich Patienten mit medikamentenresistenten Formen der Tuberkulose (DR-Tb)  – und zu denselben Behandlungsregimen wie zuvor in der Ukraine zu gewährleisten. Die strategische Unterstützung umfasste Instrumente zur Schätzung der Zahl der Flüchtlinge mit HIV bzw. Tuberkulose im Hinblick auf die Bedarfsplanung für antiretrovirale Therapie und Tuberkulose- und DR-Tb-Behandlung sowie den Ausbau eines Informationsarchivs in Zusammenarbeit mit dem WHOKooperationszentrum für HIV und Virushepatitis. Die Krise in der Ukraine hat bestehende Ungleichgewichte bei der vorzeitigen Sterblichkeit aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten in der Europäischen Region der WHO weiter verschärft. In Anbetracht dessen richtete WHO/Europa einen dreistufigen Koordinierungs- mechanismus ein, der vor allem Erkenntnisse und Daten zur Unterstützung der Aufnahme kritischer und lebensrettender Arzneimittel in die Prioritätenliste für nichtübertragbare Krankheiten in Notlagen zusammentragen soll. WHO/Europa koordinierte eine Bedarfserhebung zu Krebs, die über die Ukraine hinaus auch die Nachbarländer erfasste und die Ermittlung von Defiziten hinsichtlich Fehlbeständen bei Arzneimitteln und der Wartung von Geräten ermöglichte. Die Ergebnisse der Erhebung wurden anschließend bei der Erstellung der Liste der prioritären Voraussetzungen für eine Evakuierung berücksichtigt. Das WHO-Länderbüro in Polen hat eine wichtige Rolle bei der Reaktion auf den Krieg in der Ukraine gespielt, da nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen von den 10,6 Mio. Menschen, die zwischen dem 24. Februar und dem 10. August 2022 aus der Ukraine geflüchtet sind, knapp die Hälfte (49%) die Grenze nach Polen überquert haben. Seit den ersten Kriegswochen hat das Länderbüro die Nothilfe für ukrainische Flüchtlinge aktiviert, um eine rasche Ausweitung der Maßnahmen zur Deckung der unmittelbaren gesundheitlichen Bedürfnisse dieser Menschen zu gewährleisten. Mit Unterstützung von Partnern hat die WHO 18 zusätzliche Notfallfachkräfte nach Polen entsandt, darunter einschlägige © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 41 Sachverständige für Koordinierung, Gesundheits- maßnahmen, HIV/Tuberkulose, psychiatrische und psychologische Unterstützung, EMT, Risiko kommu- nikation, Bürgerbeteiligung, Prävention sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs und andere Bereiche. Darüber hinaus beteiligte sich das WHOLänderbüro in Polen an der Gestaltung des Modells der fachlichen Zusammenarbeit für die regionale Nebenstelle der WHO in Krakau, die alle Flüchtlinge aufnehmenden Länder unterstützen soll. Angesichts des erhöhten Risikos sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs infolge des Konflikts in der Ukraine hat WHO/Europa konkrete Schritte zur Stärkung der Prävention und Bekämpfung von sexueller Ausbeutung, sexuellem Missbrauch und sexueller Belästigung unternommen. WHO/Europa verbesserte seine Überprüfungsmaßnahmen bei Neueinstellungen und entsandte mehrere Fachkräfte für die Prävention und Bekämpfung sexueller Ausbeutung, sexuellen Missbrauchs und sexueller Belästigung, um die humanitäre Hilfe für die Ukraine sowohl in den Aufnahmeländern als auch in der Ukraine selbst zu unterstützen. Affenpocken Der globale Ausbruch der Affenpocken in nicht- endemischen Ländern hat zu mehr als 18  081 Fällen weltweit (Stand: 26. Juli 2022) geführt, von denen 10 604 Fälle (Stand: 19. Juli 2022) durch Mechanismen im Rahmen der IGV (2005) und anhand amtlicher öffentlicher Quellen aus 36 Ländern und Gebieten der Europäischen Region der WHO ermittelt wurden. Die Fälle traten überwiegend, jedoch nicht ausschließlich, bei Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten auf. WHO/Europa hat Sofortmaßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen eingeleitet, und in Anerkennung der Ernsthaftigkeit der Situation veröffentlichte der Regionaldirektor am 15. Juni eine Erklärung, in der er alle 53 Mitgliedstaaten dazu aufforderte, dringend Maßnahmen zu ergreifen, unter Schwerpunktlegung auf besonders stark gefährdete Bevölkerungsgruppen, wobei Stigmatisierung und Diskriminierung vermieden werden sollten. Am 23. Juli 2022 erklärte der WHO- Generaldirektor diesen länderübergreifenden Ausbruch zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite. Unmittelbar danach schickte der Regionaldirektor ein Rundschreiben mit konkreten Empfehlungen an alle 53 Gesundheitsministerien. WHO/Europa hat die von den Affenpocken betroffenen Mitgliedstaaten dabei unterstützt, im Interesse der öffentlichen Gesundheit Untersuchungen einzuleiten, darunter auch Studien zur Krankheitsepidemiologie und © W H O / M ar ta S os zy ns ka Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202242 zu den Eigenschaften des Virus. Zudem führen die Länder derzeit Eindämmungsmaßnahmen wie Fallermittlung und Kontaktverfolgung durch und stellen unterstützende Behandlung für Patienten bereit. Vor allem aber betreiben sie Risikokommunikation über die Affenpocken und beraten zu Möglichkeiten der Vermeidung von Infektionen, wobei sie mit kommunalen Akteuren zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, dass die am ehesten Betroffenen fundierte Entscheidungen zum Schutz ihrer Gesundheit treffen können. WHO/Europa hat Informations- und Aufklärungskampagnen zum Thema Affenpocken unterstützt, etwa in der Tschechischen Republik, wo im Juni 2022 eine entsprechende Kampagne anlief. Sie umfasste Plakate, Informationsbroschüren und Inhalte für die sozialen Medien, die in Zusammenarbeit zwischen dem WHO-Länderbüro in Tschechien und seinen wichtigsten Partnern  – dem Gesundheitsministerium, dem Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit sowie den nichtstaatlichen Organisationen Amiga und Czech AIDS Help Society  – gestaltet wurden. Sämtliches Kampagnenmaterial wurde in vier Sprachen – Englisch, Russisch, Tschechisch und Ukrainisch – zur Verfügung gestellt. Bislang wurden Tausende Broschüren und Plakate gedruckt, die derzeit verteilt werden, um die am stärksten gefährdeten Gruppen zu erreichen. Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoffs gegen Affenpocken und im Hinblick darauf, eine nachweisbare Wirkung von Impfungen als Interventionsinstrument zu gewährleisten, unterstützt WHO/Europa die Gesundheitsministerien und die nationalen Beiräte für Immunisierungsfragen bei ihrer Entscheidungsfindung zur bevorzugten Behandlung bestimmter Bevölkerungsgruppen bei der Impfung auf der Grundlage der lokalen Krankheitsepidemiologie. Ausgehend von den Erkenntnissen zur Krankheitsepidemiologie und zu den Eigenschaften des Impfstoffs arbeitet WHO/Europa derzeit an einem Bericht über die operativen Überlegungen für den Einsatz der Affenpocken-Impfstoffe, der auch Modalitäten für die Bereitstellung von Impfangeboten enthalten soll, wofür die Erfahrungen der Länder in der Europäischen Region, die frühzeitig Impfungen durchgeführt haben, herangezogen werden. Die Gewährleistung eines chancengleichen Zugangs zum Affenpocken-Impfstoff als öffentliches Gut hat für WHO/Europa höchste Priorität. Im Einklang mit den globalen Anstrengungen bemüht sich WHO/Europa gemeinsam mit den interessierten Mitgliedstaaten und der Europäischen Behörde für die Krisenvorsorge und  -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen aktiv darum, eine chancengleiche Bereitstellung von Impfstoffen in der Europäischen Region zu ermöglichen. © W H O /K ha le d M os ta fa Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 43 Zentrale Priorität 3: Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden Der Kern der Arbeit der WHO wird durch das SDG 3 verkörpert: ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern. Diese einfache Formulierung steht für eine enorme Vielfalt von Krankheiten ebenso wie Determinanten, die die Gesundheit der Gesellschaft und des Einzelnen beeinflussen. Über seine zahlreichen Programme und Initiativen speziell zu diesem vorrangigen Handlungsfeld will WHO/Europa jeden dieser Faktoren einzeln, aber auch als Bestandteil kollektiver und weitreichender Bemühungen um die Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden in der Europäischen Region angehen. Von der Reaktion auf Krankheitsausbrüche über die Bereitstellung von Evidenz und politischen Leitlinien zu den sozialen Determinanten von Gesundheit bis hin zur Förderung von Verhaltensänderungen für eine bessere Gesundheit: WHO/Europa ist bestrebt, durch das EPW eine gesündere und nachhaltigere Zukunft für die Region herbeizuführen. Übertragbare Krankheiten Hepatitis C, Tuberkulose und Koinfektionen Es gibt zunehmend Hinweise auf eine hohe Prävalenz von Hepatitis-C-Infektionen bei Patienten mit DR-Tb, die sich ohne eine entsprechende Behandlung negativ auf die Behandlungsergebnisse auswirken. WHO/Europa begründete daher eine neue regionsweite Initiative zur gleichzeitigen Behandlung von Hepatitis C und DR-Tb für 18 Hochprävalenzländer in Osteuropa und Zentralasien. Ziel der Initiative ist es, die Zusammenarbeit zwischen den an der Bekämpfung von Tuberkulose und Hepatitis C auf nationaler Ebene beteiligten Gesundheitsdiensten zu verbessern, die gute klinische Versorgungspraxis bei Tuberkulosepatienten zu stärken und einen Beitrag zum globalen Wissen rund um die Handhabung von Hepatitis-C- und DR-Tb-Koinfektionen zu leisten. Zudem entwickelte WHO/Europa ein Standardpaket von © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202244 Materialien und Instrumenten für die operative Forschung, das sich an die nationalen Gegebenheiten in den Hochprävalenzländern der Tuberkulose anpassen lässt. In Partnerschaft mit nichtstaatlichen Akteuren (insbesondere dem Zentrum für Gesundheitspolitik und studien, der TB Europe Coalition, TB People und dem Global TB Caucus) sowie mit finanzieller Unterstützung vonseiten des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria hat WHO/Europa das Tuberkuloseprojekt der Europäischen Region für Osteuropa und Zentralasien (TB-REP) 2.0 zur Verbesserung der Prävention von Tuberkulose und DR-Tb sowie der entsprechenden Versorgungsqualität in elf Hochprävalenzländern in der Region abgeschlossen. Alle 11 an TB-REP 2.0 beteiligten Länder erzielten eine verbesserte Leistungserbringung und Einbeziehung von Gemeinschaften und Zivilgesellschaft mit Hilfe neuartiger technologischer Lösungen, u. a. in Form von videounterstützter Behandlung, Überwachung unter Federführung von Gemeinschaften und standardisierten Paketen gemeindenaher Unterstützungsleistungen, und waren in der Lage, den Anteil der Patienten in der ambulanten Versorgung zu erhöhen. Die im Rahmen dieses Projekts entwickelten Instrumente werden auch anderen Ländern in der Region und darüber hinaus zugutekommen, und die gestärkte Beziehung zwischen WHO/Europa und den beteiligten zivilgesellschaftlichen Partnern ist ein zusätzlicher nachhaltiger Nutzen dieser regionsweiten Investition. HIV/Aids Im Dezember 2021 gaben WHO/Europa und das ECDC den Bericht zur Surveillance von HIV/Aids in Europa 2021 heraus, demzufolge die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in der Europäischen Region der WHO zwischen 2011 und 2019 um 5% gestiegen war, was in erster Linie durch einen Aufwärtstrend in vielen Ländern im Osten der Region bedingt war. Im Jahr 2020 war die große Mehrheit der neu diagnostizierten HIV-Fälle (81%) im östlichen Teil der Region zu verzeichnen, während 15% auf den westlichen und 4% auf den mittleren Teil entfielen. Eine verspätete HIV-Diagnose ist nach wie vor in den meisten Ländern der Europäischen Region problematisch, was hervorhebt, wie dringend notwendig es ist, durch die Ausweitung vielfältiger, nutzerfreundlicher Ansätze für einen leichten Zugang zu HIV-Tests die frühzeitige Diagnose zu verbessern und das diesbezügliche Bewusstsein zu schärfen. COVID-19-Impfungen In der Europäischen Region der WHO wurden bislang mehr als 1,6 Mrd. Dosen COVID-19-Impfstoff verabreicht. Damit sind 64% der Bevölkerung in der Region vollständig gegen COVID-19 geimpft, während 29% eine zusätzliche Dosis erhalten haben. Die Ungleichheit bei der Inanspruchnahme von COVID-19-Impfungen in der Region ist jedoch eklatant: Während in Ländern mit hohem Volkseinkommen 73% der Bevölkerung die vollständige Impfung erhalten haben, sind es in den Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen nur 39% und in den Ländern mit höherem mittlerem Einkommen 54%. Mit Stand vom 26. Juli 2022 haben 20 Mitgliedstaaten eine Durchimpfung von mehr als 70% erreicht. In 26  Mitgliedstaaten beträgt sie über 40% (was der Zielvorgabe der WHO entspricht), während sie in sieben Mitgliedstaaten noch immer darunter liegt. Auf der Grundlage solider Modellrechnungen zur Wirksamkeit der verfügbaren COVID-19-Impfstoffe und sich abzeichnender Erkenntnisse zu neuen besorgniserregenden Varianten im Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 45 Hinblick auf den Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen, insbeson dere älterer und immungeschwächter Personen, legte WHO/Europa in Vorbereitung auf die bevorstehende Herbst- und Wintersaison spezifische Leitlinien zum Einsatz einer zweiten Auffrischungsdosis und zu operativen Wegen für die vorrangige Behandlung bestimmter Bevölkerungsgruppen vor. Dadurch konnten die Länder ihre Pläne für die Bereitstellung von Impfstoffen entsprechend anpassen und können so den Nutzen der verfügbaren Impfstoffe maximal ausschöpfen, was zur Eindämmung der Pandemie und zur Verhinderung einer weiteren Überlastung des Gesundheitssystems beiträgt. Die Gewährleistung des Zugangs zu COVID-19- Impfstoffen, einem globalen öffentlichen Gut, für alle Länder in der Europäischen Region, unabhängig von ihrem Einkommensniveau und ihren Beschaffungskapazitäten, hat für WHO/Europa Priorität. Aus der COVAX-Fazilität (der Impfstoff-Säule der Initiative für einen raschen Zugang zu Instrumenten zur Bekämpfung von COVID-19) wurden seit März 2021 mehr als 42 Mio. Dosen COVID-19-Impfstoff für sechs 11 Alle in diesem Dokument enthaltenen Verweise auf das Kosovo sind im Zusammenhang mit der Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu verstehen. im Rahmen der Vorabnahmeverpflich tung anspruchsberechtigte Länder in der Region (Kirgisistan, Republik Moldau, Tadschikistan, Usbekistan, Ukraine und das Kosovo11) sowie in den letzten 16  Monaten mehr als 6 Mio. Dosen für 10 selbstfinanzierende Länder mit mittlerem Volkseinkommen in der Region zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gaben die Länder mit hohem Volkseinkommen in der Europäischen Region der WHO mehr als 335 Mio. Dosen COVID-19-Impfstoff an Länder in der Europäischen Region und darüber hinaus weiter und stellten damit ihre Solidarität sowohl in der Region als auch global unter Beweis. Nichtübertragbare Krankheiten und Determinanten von Gesundheit im gesamten Lebensverlauf Umwelt und Gesundheit Über sein Europäisches Zentrum für Umwelt und Gesundheit (ECEH) in Bonn förderte WHO/Europa auf der 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP26) das politische Bekenntnis der Vertreter des Gesundheitsbereichs zur Klima- und Gesundheitsagenda und ihr entsprechendes Engagement und legte ein Strategiepapier mit dem Titel „Keine Reue: Ausweitung der Klimaschutzmaßnahmen und deren Anpassung zugunsten der Gesundheit in der Europäischen Region der WHO“ vor. Im Mai 2022 hielt das ECEH eine strategische Konsultation ab, die zur Unterstützung der Einrichtung einer Praktikergemeinschaft unter den Unterzeichnerstaaten, zur Erleichterung von Vernetzung, Erfahrungsaustausch und Kooperation und zur Bestimmung von Chancen für eine weitere Forcierung © W H O /P et ru C oj oc ar u Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202246 von Politikgestaltung und Handeln im Rahmen des Gesundheitsprogramms der COP26 beitragen soll. Im November 2021 fand die zweite Online-Ausgabe des Bonner Seminars zum Thema Umwelt und Gesundheit statt, bei der 100 Teilnehmer aus 40 Ländern Gelegenheit hatten, mit Hilfe eines problemorientierten Lernprozesses Fach- und Personalführungskompetenz in Bereichen wie Luftqualität, Klimawandel, umweltverträglicher Wiederaufbau und Festlegung von Forschungszielen im Bereich Umwelt und Gesundheit aufzubauen. Mit den „Bonner Dialogen zum Thema Umwelt und Gesundheit“, die im Oktober 2021 erstmals stattfanden und dazu gedacht sind, gemeinsam mit Wissenschaftlern und Politikgestaltern den Stand des Wissens und der politischen Praxis in Bezug auf fortbestehende und neue Umwelt- und Gesundheitsthemen zu erkunden, wird die Bestimmung grundsätzlicher Prioritäten auf der europäischen umwelt- und gesundheitspolitischen Tagesordnung vorangebracht. Zudem leitete das ECEH Aktivitäten zugunsten des Kapazitätsaufbaus für die Risikobewertung im Bereich Chemikalien und die Entwicklung von Instrumenten und Schulungsmaterialien, u. a. zum Thema Quecksilber und Gesundheit, und trug zur Umsetzung des Fahrplans der WHO für das Chemikalienmanagement sowie von internationalen Umweltübereinkommen wie dem Übereinkommen von Minamata zu Quecksilber bei. Darüber hinaus legte das ECEH im vergangenen Jahr eine Reihe von Veröffentlichungen vor, die einen Überblick über die Erfahrungen in der Europäischen Region hinsichtlich der Unterstützung der Städte beim Aufbau von Resilienz gegenüber Katastrophen, der „Weiterentwicklung zum Besseren“ und der Förderung eines gesünderen städtischen Lebens für alle bieten. Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass die Europäische Kommission, nachdem die WHO im September 2021 ihre Globalen Luftgüteleitlinien herausgab, auf diese Leitlinien für die Überarbeitung der EU-Gesetzgebung zurückgegriffen hat. Das ECEH stellte die Leitlinien in den parlamentarischen Ausschüssen und anderen Foren der Kommission vor und organisierte in Bulgarien und Polen gemeinsam mit den WHO- Länderbüros Dialoge zwischen Wissenschaft und Politik. Bislang wurden die Leitlinien mehr als 100 000 Mal von der Website der WHO heruntergeladen. Darüber hinaus unterstützte das ECEH Georgien, Montenegro, Tadschikistan und Ungarn bei der Durchführung systematischer, landesweiter Lagebewertungen zur Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) in Gesundheitseinrichtungen  – allesamt elementare Grundlagen für die Gewährleistung der Versorgungsqualität und der Patientensicherheit. Die Ergebnisse der Bewertungen werden vom Gesundheitswesen als Grundlage für die Ermittlung evidenzgeleiteter vorrangiger Interventionen zur Schließung von Lücken bei der Infrastruktur im Bereich WASH und zur Verbesserung der Hygienepraxis in Krankenhäusern herangezogen. Erklärung von Wien Als Folgemaßnahme zur Verabschiedung der Erklärung von Wien zum Thema „Weiterentwicklung zum Besseren durch die Umgestaltung hin zu neuen, sauberen, sicheren, gesunden und inklusiven Mobilitäts- und Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 47 Verkehrssystemen“ durch die Mitgliedstaaten richtete die französische Regierung im Rahmen der französischen EU-Ratspräsidentschaft eine Veranstaltung zur Würdigung des 20-jährigen Bestehens des Paneuropäischen Programms Verkehr, Gesundheit und Umwelt aus. Zudem nahmen die Mitgliedstaaten die Arbeit an einem neuen Gesamtplan Gehen auf. Zur Unterstützung von Entscheidungsträgern bei der Umstellung auf eine aktivere Mobilität gab das ECEH eine Publikation mit dem Titel „Zufußgehen und Radfahren: neueste Erkenntnisse zur Unterstützung von Politikgestaltung und Praxis“ heraus, in der umfassend dargelegt wird, warum und wie das Zufußgehen und das Radfahren gefördert werden sollten und welche gesellschaftlichen Vorteile eine aktive Mobilität in Bezug auf Verkehr, Gesundheit und Umwelt bietet. Darüber hinaus unterstützte das ECEH die Länder bei der Anwendung des gesundheitsökonomischen Bewertungsinstruments für Radfahren und Gehen, das dazu dient, den ökonomischen Nutzen der reduzierten Mortalität abzuschätzen, die sich aus einem bestimmten Umfang von Zufußgehen oder Radfahren ergibt. Fachlicher Beirat für Innovationen im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten Zur drastischen Beschleunigung der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten und ihrer Risikofaktoren in der gesamten Europäischen Region der WHO rief der Regionaldirektor 2020 den Fachlichen Beirat für Innovationen im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten ins Leben. Der Beirat hat sechs Arbeitsgruppen gebildet, eine für jede der sechs Schlüssel- Initiativen  – Alkohol, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas im Kindesalter, Daten und digitale Gesundheit, digitale Vermarktung und grünere Städte  –, die zum jeweiligen Thema innovative Ansätze entwickeln sollen. Ausgewählte Beispiele für diese Schlüssel-Initiativen und ihre Ziele sind etwa die Initiative zur Bekämpfung von Adipositas im Kindesalter, deren Ziel es ist, über ein Netzwerk von Ehepartnern von Staatsoberhäuptern in der Europäischen Region für politische Führung auf höchster Ebene zu werben, die Initiative zu Gesundheitssteuern, die verschiedene Interessenträger in dem Bestreben vereint, durch den Aufbau von Kapazitäten und die Stärkung des Vertrauens wirksame Besteuerungskonzepte für zuckerhaltige Getränke, Alkohol und Tabakerzeugnisse zu entwickeln und umzusetzen, sowie die Initiative zur Verringerung von Ungleichheiten bei der Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Prävalenz von Bluthochdruck durch eine bessere Bekämpfung von Bluthochdruck in der primären Gesundheitsversorgung und die Umsetzung von Strategien zur Verringerung der Salzaufnahme, die Ende September 2022 mit dem Ziel anlaufen soll, integrierte Strategien in 10 Ländern zu demonstrieren. Diabetesversorgung Die Verbesserung des Lebens von Menschen mit Diabetes durch einen besseren Zugang zu einer patientenorientierten Versorgung, die die Lebensqualität steigern kann und Komplikationen vermeiden hilft, hat für WHO/Europa Priorität. In Kirgisistan und Usbekistan wurde eine neue, von der World Diabetes Foundation mitfinanzierte Initiative zur Kontrolle und Prävention von Komplikationen bei nichtübertragbaren Krankheiten in Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202248 der primären Gesundheitsversorgung und zur Steigerung der Qualität der integrierten Versorgung auf den Weg gebracht. Zu den bereits laufenden Aktivitäten gehören der Kapazitätsaufbau bei Gesundheitsfachkräften zur Verbesserung der Versorgungsqualität, die Erschließung individueller integrierter Versorgungspfade sowie die Einrichtung von Vorsorgeprogrammen für diabetische Retinopathie und von Diabetesregistern. Je mehr die bei diesen Maßnahmen erzielten Fortschritte erfasst, verbreitet und hoffentlich andernorts wiederholt werden, desto stärker wird ihre Wirkung in allen Teilen der Europäischen Region zu spüren sein. Krebs Im Bereich Krebs wurden neue Arbeiten eingeleitet, u. a. die Erhebung von Daten und Sensibilisierungs- maßnahmen zu Ungleichheiten innerhalb von und zwischen den Ländern der Europäischen Region sowie zum Einfluss kommerzieller Faktoren auf die Gestaltung der Krebsbekämpfungspolitik; an diesen sind zahlreiche nichtstaatliche Akteure beteiligt, darunter Childhood Cancer International, die European Society for Paediatric Oncology, die European Cancer Organisation und die European Cancer Leagues sowie das in der Kinderkrebshilfe tätige St. Jude Children’s Research © W D F/ Je sp er W es tle y Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 49 Hospital. Im Februar 2022 veröffentlichte WHO/Europa einen Bericht über Ungleichheiten in Bezug auf Krebs im Kindesalter, den ersten seiner Art weltweit, in dem anhand von Daten Ungleichheiten in und zwischen den Ländern dokumentiert werden. Dem Bericht zufolge liegt die Sterblichkeit aufgrund von Krebs im Kindesalter in der Europäischen Region je nach Land zwischen 9% und 57%. Eine seiner zentralen Botschaften ist die Bedeutung hochwertiger Daten: Dass in einigen Ländern keine Kinderkrebsregister vorhanden sind, trägt zu unklaren und ungenauen Überlebensdaten bei und legt eine Unterschätzung der Krankheitslast durch Kinderkrebs nahe. WHO/Europa und das Internationale Krebsforschungs- zentrum unterstützen die Mitgliedstaaten bei datengesteuerten und intelligenten Entscheidungen zur Krebsbekämpfung, wobei sie sich ihre jeweiligen Stärken zunutzemachen. Ein laufendes Beispiel ist das gemeinsame Projekt zu den Determinanten einer verzögerten Krebsdiagnose, in dessen Rahmen die in mehreren Ländern bestehenden Hindernisse für eine frühzeitige Diagnose von Gebärmutterhalskrebs, Brustkrebs und Krebserkrankungen im Kindesalter untersucht werden und das Informationen für Konzepte zur Verbesserung der Versorgungspfade im Bereich Krebs liefern soll. © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202250 Um Anstöße für Maßnahmen zu geben, Verhaltensänderungen im Zusammenhang mit Risikofaktoren für Krebs zu bewirken und die wichtige Rolle von Prävention und frühzeitigen Diagnosen ins Bewusstsein zu rücken, initiierte WHO/Europa zudem eine Reihe offener Diskussionsrunden unter der Moderation des Botschafters von WHO/Europa für die Krebsbekämpfung, Aron Anderson, die umfassend in den sozialen Medien beworben wurden. Der einheitliche Gesundheitsansatz (One Health) WHO/Europa hat bei seinen Maßnahmen zur Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes weiterhin mit wichtigen Partnern innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens zusammengearbeitet und hat Schritte zur Umsetzung der Empfehlungen der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung unternommen. Insbesondere führte WHO/Europa umfangreiche Konsultationen mit wichtigen Akteuren innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens durch, um einen Fahrplan für die Europäische Region zur Umsetzung des einheitlichen Gesundheitsansatzes zu erarbeiten, der dem Regionalkomitee auf seiner Tagung im Jahr 2024 zur Prüfung vorgelegt werden soll. Ein integraler Bestandteil des Fahrplans für die Europäische Region wird es sein, „Vorreiterländer“ zu ermitteln und einzubinden sowie eine Wissens- und Wissenschaftsbasis für den einheitlichen Gesundheitsansatz zu schaffen, wozu auch gehört, das Verständnis der Gesundheitsperspektive und der Rolle der Umwelt bei diesem Ansatz zu vertiefen. Im April 2021 wurde für die Europäische Region der WHO ein Koordinationsmechanismus für den einheitlichen Gesundheitsansatz eingerichtet, der den Rahmen für die Koordination und Zusammenarbeit zwischen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, der Weltorganisation für Tiergesundheit und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen bilden soll. Der Mechanismus, dessen rotierendes Sekretariat derzeit bei WHO/Europa angesiedelt ist, dient dazu, gemeinsame Prioritäten zu ermitteln, die Bemühungen zu koordinieren, gemeinsame Aktivitäten zu planen und die Fortschritte bei der Bekämpfung gesundheitlicher Gefahren zu überwachen. Im November 2021 wurde der erste Dialog der Partner-Plattform mit dem Zweck ausgerichtet, Partner zusammenzubringen, gemeinsame Prioritäten herauszuarbeiten und gemeinsame Verpflichtungen zur koordinierten Unterstützung und Wirkung auf Länderebene zu fördern. Während dieses ersten Dialogs wurde eine Gemeinsame Absichtserklärung zur Koordination der Prioritäten im Rahmen des einheitlichen Gesundheitseinsatzes in Europa und Zentralasien unterzeichnet, mit der das gemeinsame Bekenntnis zur Bekämpfung von Bedrohungen für Gesundheit und Ökosysteme durch Maßnahmen und Konzepte an der Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt weiter gestärkt wurde. Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen WHO/Europa und der Weltbank zum Thema Gesundheit und Umwelt im Rahmen des einheitlichen Gesundheitsansatzes organisierte die Weltbank im Juli 2022 eine subregionale Konsultation in Taschkent (Usbekistan), bei der der Regionaldirektor mit ranghohen Bediensteten der Weltbank zusammenkam, um die künftige Zusammenarbeit bei der Pandemieprävention zu erkunden und ein gemeinsames Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 51 regionsübergreifendes Konzept zu vereinbaren, das verschiedene Ressorts bei der Umsetzung des einheitlichen Gesundheitsansatzes zusammenbringt. Im Juli 2022 richtete Turkmenistan eine subregionale Konferenz der zentralasiatischen Mitgliedstaaten und ihrer Partner aus, bei der es darum ging, das Engagement für die Umsetzung des einheitlichen Gesundheitsansatzes zu bekräftigen und gemeinsame Prioritäten für eine innovative Operationalisierung des Ansatzes aufzustellen. Die Konferenz mündete in der Verpflichtung auf höchster Regierungsebene, Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit durch die weitere Stärkung eines umfassenden einheitlichen Gesundheitsansatzes im Wege einer ressortübergreifenden Abstimmung anzugehen. AMR 2022 beging das Surveillance-Netzwerk für antimikrobielle Resistenzen (AMR) in Zentralasien und Europa sein zehnjähriges Bestehen. Dank der Kapazitätsaufbaumaßnahmen des Netzwerks in diesem Zeitraum gewinnen und teilen nun 13 weitere Länder Daten aus der AMR-Surveillance, die in die Politikgestaltung einfließen und zum Überblick über AMR in der Europäischen Region und entsprechenden Gegenmaßnahmen beitragen. Dies wurde im ersten gemeinsamen Bericht von WHO/Europa und dem ECDC über die Surveillance von antimikrobiellen Resistenzen in Europa 2022 veranschaulicht, der im Februar 2022 erschien und Daten aus 43 der 53 Mitgliedstaaten enthält. In den verbleibenden zehn Ländern wurden zudem Aktivitäten zum Aufbau von AMR-Surveillancesystemen vorangetrieben, um die fachliche Lücke zu schließen und das Bild für die Region zu vervollständigen. WHO/Europa und seine Partner haben ihre Bemühungen um die Stärkung der Programme für einen verantwortungsbewussten Umgang mit antimikrobiellen Mitteln intensiviert, indem sie Instrumente und Schulungsmaterialien für Fachkräfte und Manager im Gesundheitsbereich weiterentwickelten. Zu diesen zählt u.  a. der stark genutzte über OpenWHO.org allgemein zugängliche Online-Kurs „Verantwortungsbewusster Umgang mit antimikrobiellen Mitteln: ein kompetenzorientierter Ansatz“, für den sich mehr als 12  000  Gesundheitsfachkräfte aus 51 der 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO (von insgesamt 70 000 Teilnehmern) anmeldeten. Diese hohe Zahl an Anmeldungen veranschaulicht die weltweite Attraktivität des Kurses. Funktionale Programme für einen verantwortungsbewussten Umgang mit antimikrobiellen Mitteln wurden im Rahmen der © W H O /N az ik A rm en ak ya n Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202252 © W H O Bewältigung der COVID-19-Pandemie auf neue Weise eingesetzt, um eine angemessene Behandlung sicherzustellen, Engpässe zu vermeiden und AMR zu bekämpfen. Derzeit wird ein Kurs für Führungskompetenz im verantwortungsbewussten Umgang mit antimikrobiellen Mitteln entwickelt, der Managern und Entscheidungsträgern die Fähigkeiten und Einblicke vermitteln soll, die sie zur Förderung entsprechender Programme in ihren Einrichtungen benötigen. Zudem wird gegenwärtig eine neue Vision für AMR mit dem Ziel erarbeitet, Führungskompetenz und Engagement auf höchster Ebene zu gewährleisten, einen am Menschen orientierten Ansatz zu verfolgen, bessere Daten und Evidenz hervorzubringen und hochwirksame Maßnahmen und Konzepte umzusetzen und auf diese Weise die Umsetzung des neuen Fahrplans zur Bekämpfung von AMR in der Europäischen Region der WHO zu unterstützen, der dem Regionalkomitee im Jahr 2023 vorgestellt werden soll. Gesunde Städte Die erste Tagung des Politikausschusses des Gesunde- Städte-Netzwerks wurde im Dezember 2021 zur Beratung bei neu aufkommenden, politisch relevanten Themen im Zusammenhang mit der Stärkung des politischen Engagements, der Kapazitäten und des Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 53 Wissens des Netzwerks auf allen Ebenen abgehalten. Der Ausschuss fördert die systematische politische Einflussnahme und ergreift Maßnahmen zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten durch gesamtstaatliche Ansätze und den Aufbau von Kapazitäten für den Wandel. 2022 unternahm WHO/Europa darüber hinaus konkrete Schritte zur Förderung des Wohlbefindens im Rahmen verschiedener Initiativen, darunter Gesunde Städte. In enger Zusammenarbeit mit dem Beratungsausschuss der Gesunde-Städte-Bewegung wirkten Sachverständige, Vertreter der Städte und andere Interessenträger gemeinsam auf die praktische Umsetzung der Genfer Charta für Wohlbefinden auf der kommunalen Ebene hin. Zur Förderung der Kommunikation und der Zusammenarbeit in Echtzeit wurde eine Cloud-basierte Plattform eingerichtet, die den fachkollegialen Austausch zwischen den Mitgliedstädten und dem gesamten Gesunde-Städte-Netzwerk erleichtern und verstärken soll. Im Februar 2022 startete WHO/Europa das Pilotprojekt mit fünf designierten Städten: Geroskipou (Griechenland), Jurmala (Lettland), Nilüfer (Türkei), Reykjavik (Island) und Udine (Italien). Körperliche Betätigung WHO/Europa erstellte länderspezifische Faktenblätter zum Bewegungsverhalten, die einen umfassenden Überblick über die politischen Rahmenbedingungen und die epidemiologische Situation in jedem der Länder der Europäischen Region bieten und darauf abzielen, die Überwachung des Bewegungsverhaltens zu stärken und die Umsetzung von Konzepten zur Bewegungsförderung zu unterstützen. Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus der Umsetzung von diesbezüglichen Konzepten arbeitet WHO/Europa gemeinsam mit den Mitgliedstaaten darauf hin, Defizite und Hindernisse bei der Umsetzung der Konzepte abzubauen, und in Zusammenarbeit mit Bulgarien, Estland, den Niederlanden und Schweden wurde eine innovative Methode zur Planung und Erleichterung nationaler Politikdialoge entwickelt. Dieser Prozess der Planung, Erleichterung und Nachbereitung von Politikdialogen zur Stärkung der Umsetzung wird derzeit erprobt und evaluiert, bevor die Unterstützung auf andere Mitgliedstaaten ausgeweitet wird. Zusätzlich wurde im Mai 2022 der Sachstandsbericht Adipositas der Europäischen Region der WHO veröffentlicht. Gesundheit im Strafvollzug Das WHO-Programm Gesundheit im Strafvollzug – der Knotenpunkt der Vereinten Nationen für Informationen über Gesundheit im Strafvollzug – arbeitet derzeit daran, die Erhebung für die Europäische Datenbank für Gesundheit im Strafvollzug auf die globale Ebene auszuweiten. Zudem wurde im Mai 2022 ein Bericht mit dem Titel „Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten in Haftanstalten in der Europäischen Region der WHO: Interventionen und Handlungsoptionen“ veröffentlicht, der Einblicke in das Ausmaß nichtübertragbarer Krankheiten im Strafvollzug und die damit verbundenen Herausforderungen vermitteln soll. Darüber hinaus wurde im Mai 2022 die Schulung von WHO/Europa für Gesundheitspersonal im Strafvollzug „Neuerungen in Handlungskonzepten und Maßnahmen zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten“ mit dem Ziel abgehalten, in Haftanstalten und anderen Einrichtungen des Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202254 Strafvollzugs tätige Personen zu befähigen und in ihrer beruflichen Weiterentwicklung zu fördern. In Anbetracht der spärlichen Finanzierung des Programms Gesundheit im Strafvollzug in der Europäischen Region äußerten die in der Steuerungsgruppe für Gesundheit im Strafvollzug vertretenen Mitgliedstaaten (die Niederlande, die Schweiz und das Vereinigte Königreich) auf ihrer Tagung im Mai 2022 ihre Besorgnis über den Fortbestand der laufenden Arbeit des Programms und ihres weltweit bedeutsamen Beitrags. Aufgrund der Bedeutung und Einzigartigkeit des Programms Gesundheit im Strafvollzug forderte die Steuerungsgruppe dazu auf, sowohl auf Ebene der Region als auch weltweit Anstrengungen zu unternehmen, um die Finanzierung des Programms zu sichern und so die Gesundheit und das Wohlbefinden dieser gefährdeten Bevölkerungsgruppe zu gewährleisten. Gesundheit und Wohlbefinden Bekämpfung des Tabakkonsums WHO/Europa arbeitet darauf hin, bei der Bekämpfung des Tabakkonsums die Zusammenarbeit mit überstaatlichen Organisationen wie der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion auszuweiten. Im Juni 2022 wurde ein gemeinsamer Workshop über neuartige und neu aufkommende Nikotin- und Tabakprodukte mit dem Ziel veranstaltet, in den EU-Ländern Kapazitäten für die wirksame Regulierung dieser Produkte aufzubauen. Ferner wurden eine Publikation über Frauen und Tabakkonsum und eine Infografik über Tabak und Umwelt erstellt, und das Thema Rauchen in Haftanstalten war Gegenstand des 2022 veröffentlichten Berichts mit dem Titel Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten in Haftanstalten in der Europäischen Region der WHO: Interventionen und Handlungsoptionen – die allesamt zur Sensibilisierung für übergreifende und oft vernachlässigte Themen beitrugen. Darüber hinaus wurden russischsprachige Podcasts und Videobeiträge zu verschiedenen Aspekten der Bekämpfung des Tabakkonsums ausgearbeitet. WHO/Europa arbeitet gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und Sachverständigen in der Teilregion Westbalkan an der Entwicklung einer Initiative zur Eindämmung des Tabakkonsums mit Schwerpunkten auf der Bekämpfung der Einflussnahme der Industrie und auf neuartigen Tabakprodukten. Bekämpfung des Alkoholkonsums Im Februar 2022 begründete der Fachliche Beirat für nichtübertragbare Krankheiten auf einer Tagung auf hoher Ebene in Litauen, an der die Gesundheitsminister der drei baltischen Staaten teilnahmen, eine Schlüssel- Initiative zur Steigerung des unausgeschöpften Potenzials von Gesundheitssteuern auf Alkohol in der Europäischen Region. Durch die Einführung einer Mindeststeuer von 15% auf den Einzelhandelspreis pro Einheit Alkohol unabhängig von der Art des Getränks in der Europäischen Region der WHO könnten jährlich geschätzt 133  000 Menschenleben gerettet werden, was konkret zu einer besseren Gesundheit der Bevölkerung und zur Senkung der Mortalität beitragen würde. Eine Studie über die Überprüfung von Konzepten zur Einführung von Mindestpreisen für Alkohol, in der die Festlegung von Mindestpreisen pro Einheit erstmals untersucht wurde, lieferte den Mitgliedstaaten die aktuellste Evidenz zu deren Wirkung. Die Arbeit von WHO/Europa trug maßgeblich zur Annahme einer Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 55 innovativen Alkoholpolitik in Irland sowie zur Einholung von Erkenntnissen über Steuersätze und -strukturen bei der Generaldirektion Steuern und Zollunion bei. Diese Bemühungen bauen auf der erfolgreichen Woche zur Sensibilisierung für schädlichen Alkoholkonsum auf, die im November 2021 stattfand und einer SICHEREREN [SAFER] Europäischen Region gewidmet war. Darüber hinaus veröffentlichte WHO/Europa in Anbetracht dessen, dass Smartphones und Tablets mittlerweile allgegenwärtig sind und junge Menschen in allen sozialen Räumen zunehmend der Alkoholwerbung ausgesetzt sind, einen Bericht über digitale Alkoholwerbung mit dem Titel Digitale Vermarktung von Alkohol: Herausforderungen und Handlungsoptionen für mehr Gesundheit in der Europäischen Region der WHO, in dem das sich rasch wandelnde digitale Ökosystem, die Methoden für das Eindringen von Alkoholwerbung in die persönlichen Online-Räume sowie Fallbeispiele für Regulierungskontexte beschrieben werden. Ernährung WHO/Europa gab ein Kurzdossier zur Verhinderung der unangemessenen Vermarktung von Muttermilchersatz- produkten und Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder heraus, das den Mitgliedstaaten als Anleitung beim Schutz von Eltern und Betreuungspersonen vor allen Formen derartiger Werbung dienen soll. Es enthält eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zu der Frage, wie sich der aktuelle Stand der Umsetzung verschiedener diesbezüglicher Instrumente auf nationaler Ebene überprüfen lässt und wie Maßnahmen zur Förderung des Stillens gestärkt bzw. um- und durchgesetzt werden können. Dazu gehört auch die Verwendung eines speziell für die Europäische Region entwickelten „Modellgesetzes“, das demonstrieren soll, wie eine wirksame Regulierung aussehen muss. Zur weiteren Förderung gesunder Ernährungs- gewohnheiten hat WHO/Europa im Rahmen grundlegender Forschungsarbeiten die Erfolgsfaktoren der 12 Mitgliedstaaten untersucht, die bisher Steuern auf zuckergesüßte Getränke eingeführt haben, um Kapazitäten in den Ländern aufzubauen, die dies ebenfalls beabsichtigen. Ferner hat sich WHO/Europa mit der Einflussnahme der Industrie auf die Besteuerung zuckergesüßter Getränke befasst und ein Kurzdossier erstellt, das die Länder zum Umgang mit dieser Frage in ihrem nationalen Kontext befähigen soll. Diese beiden Maßnahmen trugen zur Formulierung von Zielen und zur inhaltlichen Ausgestaltung von © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202256 © W H O /S ze rz oi jo gg al v ed et t Politikdialogen in den Teilregionen Westbalkan und Zentralasien bei, die zur Folge hatten, dass sich die Politik in mehreren Mitgliedstaaten inzwischen mit der Verbesserung gesundheitspolitischer Konzepte auf diesem Gebiet beschäftigt. Darüber hinaus fand im November 2021 in Kroatien ein Workshop zur Reformulierung von Lebensmitteln und zur Salzreduktion statt, der vom Kroatischen Institut für öffentliche Gesundheit mit Unterstützung des WHO- Länderbüros Kroatien sowie des Europäischen Büros der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten in Moskau ausgerichtet wurde. Ziel des Workshops war es, die Strategie und den Aktionsplan zur Reduzierung der Salzzufuhr im Land voranzubringen. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 57 EUROPÄISCHE IMPFAGENDA 2030 (EIA 2030) Die EIA 2030 ist ein von den Ländern gesteuerter Handlungsrahmen, der die Vision, Ziele und strategischen Prioritäten für das Impfwesen in der Europäischen Region der WHO vorgibt. Innerhalb dieses Rahmens wirkt WHO/Europa gemeinsam mit den Mitgliedstaaten darauf hin, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle infolge von COVID-19 zu verhindern, die Belastung durch impfpräventable Krankheiten zu reduzieren und die primäre Gesundheitsversorgung durch integrierte Impfangebote und widerstandsfähige nationale Impfprogramme zu stärken. WHO/Europa arbeitet in mehreren Ländern in Partnerschaft mit der EU daran, die Bereitstellung von Impfungen gegen COVID-19 zu unterstützen und so einen chancengleichen Zugang zu COVID-19-Impfstoffen zu gewährleisten. In Anbetracht dessen, dass Impflücken einen Pfad für die Ausbreitung von leicht zu verhütenden Krankheiten bieten können, haben alle Mitgliedstaaten in der Europäischen Region neben ihren Impfkampagnen gegen COVID-19 auch erhebliche Anstrengungen zur Aufrechterhaltung ihrer Bilanz bei Routineimpfungen unternommen. Um in jeder Gemeinschaft vor allem für Chancengleichheit bei Impfmaßnahmen zu sorgen, hat WHO/Europa in Abstimmung mit dem Europäischen Beirat für Immunisierungsfragen operative Leitlinien für die Planung und Durchführung von Nachimpfungen veröffentlicht und die vorrangigen Mitgliedstaaten bei der Entwicklung und Umsetzung entsprechender Strategien und Pläne unterstützt. Zudem hat WHO/Europa im vergangenen Jahr mit von Polio betroffenen Ländern wie Israel, Tadschikistan und der Ukraine bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Bewältigung ihres Ausbruchs zusammengearbeitet. Dazu gehören die Kontaktverfolgung, die Stärkung der Umweltüberwachung und klinischen Surveillance sowie die Planung und Durchführung von Kampagnen für Nachimpfungen. Damit Krankheitsausbrüche nicht zu einer weiteren tragischen Folge des Krieges in der Ukraine werden, hat WHO/Europa Anleitung und fachliche Unterstützung für Gesundheitsbehörden in der Ukraine und den Nachbarländern bereitgestellt. Derzeit arbeitet WHO/Europa an einem Rahmen für die Umsetzung der EIA 2030, der die Strategie in pragmatische Maßnahmen überführen soll, etwa ein Kompendium für die Überwachung und Evaluation als Bestandteil des Rechenschaftsrahmens der EIA 2030. Ferner wurde ein Konsultationsprozess zur Bestimmung und Gestaltung akteursübergreifender Denkfabriken eingeleitet, die die Umsetzung spezifischer Strategiebereiche der EIA 2030 unterstützen werden. © W H O /P et ru C oj oc ar u KASTEN 4: Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202258 FÖRDERUNG VON GESUNDHEIT DURCH BERÜCKSICHTIGUNG VERHALTENSBEZOGENER UND KULTURELLER ERKENNTNISSE Verhaltensbezogene und kulturelle Erkenntnisse können von den Mitgliedstaaten auf strategische Weise genutzt werden, um gesundheitspolitische Prioritäten anzugehen. Zu der Arbeit in diesem Bereich gehört es, Faktoren, die das Verhalten beeinflussen, systematisch zu erforschen und diese Erkenntnisse bei der Gestaltung, Evaluation und Verbesserung der Ergebnisse gesundheitsbezogener Handlungskonzepte, Angebote und der entsprechenden Kommunikation zu berücksichtigen und somit letztlich für mehr Gesundheit und Chancengleichheit zu sorgen.   Das Potenzial dieses Arbeitsbereichs ist bislang wenig erforscht, und begrenzte Kapazitäten sowie Unterschiede in Bezug auf Traditionen und Prioritätensetzung hindern die Länder daran, seinen Wert voll auszuschöpfen. Doch die Mitgliedstaaten weiten die Anwendung verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse zunehmend aus – nicht zuletzt infolge der COVID-19-Pandemie, die die Notwendigkeit verdeutlicht hat, öffentliche Verhaltensweisen sowie kulturelle Rahmenbedingungen und Wahrnehmungen zu erkunden, um epidemiologische Ziele zu erreichen. Die Mitgliedstaaten wurden darin unterstützt, bei ihrer Reaktion auf die Pandemie auch verhaltensbezogene Erkenntnisse zu berücksichtigen, u.  a. durch das von WHO/Europa eigens für Erhebungen in diesem Bereich entwickelte Instrument, das in 30 Ländern zur Gestaltung von Maßnahmen gegen die Pandemie eingesetzt wurde. Auch jenseits der Pandemie werden derzeit eine Vielzahl verschiedener länderinterner Projekte eingeleitet und unterstützt, die Methoden zur Gewinnung verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse einbeziehen und u. a. folgende Themen betreffen: postnatale Depressionen (Dänemark und Rumänien); Bekämpfung von Bluthochdruck (Türkei); HIV-Präexpositionsprophylaxe (Nordmazedonien); Alkoholkonsum (Tschechien und Republik Moldau); Stillen (Kirgisistan); Qualität der Krankenhausversorgung für Mutter und Kind (Tadschikistan); umsichtige Verschreibung von Antibiotika (Malta); und AMR-Interventionen in der primären Gesundheitsversorgung (Griechenland). In jüngster Zeit wurden Länder, die ukrainische Flüchtlinge aufnehmen, dabei unterstützt, Erkenntnisse über den Bedarf von Flüchtlingen an Gesundheitsleistungen und deren Zugänglichkeit zu gewinnen und auf dieser Grundlage Strategien für die Bereitstellung unentbehrlicher Leistungen für Kriegsflüchtlinge zu erarbeiten.   Darüber hinaus wurde auf Ebene der Europäischen Region ein Fachlicher Beirat für verhaltensbezogene und kulturelle Erkenntnisse eingesetzt, und 49 offiziell benannte nationale Ansprechpersonen arbeiteten gemeinsam mit Partnern in der Europäischen Region an einem Handlungsrahmen für den Zeitraum 2022–2027. Diese und andere Plattformen ermöglichen den kollegialen Austausch zwischen den Ländern, u.  a. im Rahmen eines Netzwerks zur Förderung von Gesundheitskompetenz. Neben einer Online-Datenbank wurde ein Evaluationsrahmen für verhaltensbezogene und kulturelle Erkenntnisse eingerichtet, und es wurden grundsätzliche Überlegungen zur Einrichtung nationaler Dienststellen für diesen Arbeitsbereich angestellt. Schließlich wurde ein Programm für Online- und Präsenzschulungen zu verhaltensbezogenen und kulturellen Erkenntnissen für den Einsatz auf subregionaler Ebene und in den Ländern konzipiert, erprobt und angewandt. KASTEN 5: © W H O Aufrechterhaltung eines zwecktauglichen WHO/Europa in einem sich rapide verändernden Umfeld Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202260 Vor dem Hintergrund des Bekenntnisses der Mitgliedstaaten zum EPW, zu seiner Vision und zu seinen Zielen haben sich der Regionaldirektor und WHO/Europa verpflichtet, die für die Umsetzung des EPW auf Länderebene und in der Europäischen Region erforderlichen organisatorischen und operativen Veränderungen zu institutionalisieren. In diesem Abschnitt des Berichts werden wichtige Entwicklungen hinsichtlich der Frage erläutert, wie WHO/Europa gemeinsam mit anderen Akteuren Maßnahmen für mehr Gesundheit durchführt, wie die Organisation in Zusammenarbeit mit nationalen und subnationalen Gesundheitsbehörden die Führungsebene der Gesundheitspolitik stärkt und Vertrauen aufbaut und wie sie ihre eigenen Strukturen im Sinne einer zwecktauglichen Organisation durch integres und verantwortliches Handeln und im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten anpasst. Die Gewährleistung eines gesunden, respektvollen und motivierenden Arbeitsumfelds für alle Mitarbeiter, in dem es keine Toleranz gegenüber Belästigung gibt, ist eine vorrangige Aufgabe. Auch in Bezug auf die Organisationsführung wurden in diesem Jahr ehrgeizige Ziele aufgestellt, die sich auf Rechenschaftslegung als Eckpfeiler stützen. © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 61 Unterstützung der Führungskompetenz der Gesundheitspolitik auf der Länderebene © W H O Europäische Akademie für Führungskompetenz (ELA) Wie COVID-19 gezeigt hat, muss WHO/Europa die derzeitigen Führungsverantwortlichen im Gesundheits- bereich unterstützen und zugleich entsprechende Führungskompetenz für die Zukunft aufbauen. Die ELA, bei der transformative Führungskompetenz im Mittelpunkt steht, ist eine zentrale Initiative zur Unterstützung von WHO/Europa bei seinen Bemühungen um größtmögliche Wirkung in den Ländern. Die ELA wurde im Juni 2021 mit einem ersten Demonstrationsprojekt der Kategorie 1 eingeweiht, das jungen Fachkräften aus den Gesundheitsberufen und verwandten Bereichen während eines bis zu 11-monatigen Aufenthalts bei WHO/Europa Gelegenheit bietet, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in Bezug auf transformative Führungskompetenz zu erweitern, und das in dieser Zeit ihr Interesse am öffentlichen Gesundheitswesen fördern soll. Nach einem verlässlichen Auswahlverfahren in mehreren Phasen wurde Ende 2021 trotz der pandemiebedingten Herausforderungen ein Jahrgang mit insgesamt acht Teilnehmern aus Bosnien und Herzegowina, Kasachstan, Kirgisistan, der Russischen Föderation und Turkmenistan auf den Weg gebracht. Die ELA ist eine das gesamte WHO/Europa erfassende Initiative, und die Teilnehmer wurden u. a. in Fachreferaten der Abteilung Gesundheitsprogramme der Länder und der Abteilung Gesundheitspolitik und Gesundheits- systeme der Länder, im Programm der WHO für gesundheitliche Notlagen sowie in den WHO-Länder- büros in Kirgisistan und Georgien, im Büro für Versorgungsqualität in Athen, im Europäischen Zentrum der WHO für primäre Gesundheitsversorgung in Almaty und in der Schaltzentrale des Programms der WHO für Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202262 gesundheitliche Notlagen in Serbien eingesetzt. Das Demonstrationsprojekt endet im Oktober 2022 und wird dann umfassend evaluiert. Im Juli 2022 lief ein weiteres Demonstrationsprojekt der Kategorie 2 an, das sich an Fachkräfte der mittleren Ebene aus Gesundheitsministerien und Instituten für öffentliche Gesundheit in den infrage kommenden Ländern richtet; die Teilnehmer werden voraussichtlich im Oktober eintreffen. Dieses sechsmonatige Programm dient dazu, ein Forum für den Austausch von Ideen und Wissen zu bieten und nachhaltige Netzwerke mit WHO/Europa aufzubauen. Das Programm soll vor allem transformative Führungskompetenz fördern und beinhaltet einen dreimonatigen Aufenthalt bei der Zentrale in Kopenhagen. EUROPÄISCHES OBSERVATORIUM FÜR GESUNDHEITSSYSTEME UND GESUNDHEITSPOLITIK In den vergangenen zwölf Monaten war WHO/Europa ein aktives Mitglied des bei ihm angesiedelten Europäischen Observatoriums für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik. In enger Zusammenarbeit mit seinen Partnern wirkt es so auf die Prioritäten des Observatoriums ein, sodass die dort gewonnene Evidenz bei politischen Entscheidungsträgern Gehör findet. Durch die Arbeit des Europäischen Observatoriums für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik hat WHO/Europa dafür gesorgt, dass: a) die Überwachung auf nationaler Ebene den Ländern bedarfsgerechte Analysen ihrer Gesundheitssysteme liefert: Ì Im Rahmen der Reihe „Gesundheitssysteme im Wandel“ wurden eingehende Untersuchungen für Slowenien, Kroatien und das Vereinigte Königreich sowie eine innovative Querschnittsstudie zur Versorgung im Bereich der Mundgesundheit in der Europäischen Region durchgeführt. Ì Die Länderprofile der Reihe „Gesundheitszustand in der EU“ beinhalteten eine gemeinsame Bewertung der Herausforderungen in den EU-Ländern und Argumente für Gesundheit in allen Zuständigkeitsbereichen der Kommission. Ì Die neue Reihe „Erkenntnisse aus der Praxis der Gesundheitssysteme“ (HSiA) vermittelt den Mitgliedstaaten ein präzises Bild ihrer Gesundheitssysteme und setzt die Fortschritte im Rahmen des EPW in einen Kontext. KASTEN 6: Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 63 b) Analysen und Leistungs- bewertungen in den Gesundheitssystemen die Arbeit von WHO/Europa um praxisbezogene Evidenz ergänzen: Ì Das Kurzdossier zur Preistransparenz bei Arzneimitteln wurde als Antwort auf eine Frage Maltas erstellt, fließt jedoch auch in die OMI insgesamt ein. Ì Die Ausgabe von Eurohealth zur Wider- standsfähigkeit der Gesundheitssysteme nach COVID wurde für die französische EU-Ratspräsidentschaft erstellt und enthält Erkenntnisse über Politiksteuerung, Arbeitskräfte und digitale Gesundheit, die dazu beitragen, Rückstände in der Versorgung aufzuholen. Ì Der Rahmen zur Leistungsbewertung in den Gesundheitssystemen war bahnbrechend, auch weit über die Europäische Region hinaus. c) durch Wissensvermittlung Evidenz so erläutert wird, dass sie für Entscheidungsträger leicht verständlich wird: Ì Die Webinar-Reihe bot zahlreichen Praktikern und Sachverständigen von WHO/Europa Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Ì An dem Sommerseminar zur Umsetzung von Innovationen nahmen Akteure aus der gesamten Europäischen Region der WHO – von Belgien über Österreich bis hin zur Ukraine und Usbekistan – teil. Das Observatorium ist ein integraler Bestandteil der Abteilung Gesundheitspolitik und Gesundheitssysteme und arbeitet darüber hinaus mit der Abteilung Länderunterstützung und Notlagen, der Abteilung Gesundheitsprogramme der Länder, dem Büro Barcelona zur Finanzierung der Gesundheitssysteme und dem Europäischen Zentrum der WHO für primäre Gesundheitsversorgung (Almaty, Kasachstan) zusammen und unterstützt auch die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region. © W H O KASTEN 6: Forts. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202264 Verstärkte Zusammenarbeit für Gesundheit in den Ländern des Westbalkans Die Zusammenarbeit für Gesundheit in den Ländern des Westbalkans erfuhr 2021 mit der Entwicklung des Fahrplans für Gesundheit und Wohlbefinden in den Ländern des Westbalkans (2021–2025) eine neue Wendung. Der Fahrplan ist ein politischer und fachlicher Katalysator und ein von den Ländern bzw. Gebieten selbst gesteuerter Weg, der klare Prioritäten für die subregionale Zusammenarbeit auf höchster Ebene vorgibt. Er wurde von den Ministerpräsidenten Albaniens, Bosnien und Herzegowinas, Montenegros, Nordmazedoniens und Serbiens im Dezember 2021 in Budva (Montenegro) im Rahmen des Gipfels der Regierungschefs der Mitteleuropäischen Initiative (MEI) auf den Weg gebracht. Die Zusammenarbeit von WHO/Europa mit den Ländern des Westbalkans erfolgte in enger Abstimmung sowohl mit der MEI, die sich erneut verpflichtete, die WHO auf ihrem nächsten, während des bulgarischen Vorsitzes abzuhaltenden Gipfel einzubeziehen, als auch mit dem Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerk (SEEHN), das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Weiterhin wurde im Mai 2022 in Skopje (Nordmazedonien) der Politikdialog zum Thema Adipositas im Westbalkan im Rahmen einer hochrangigen Veranstaltung angestoßen, an der auch Elizabeta Gjorgievska, Gattin des Präsidenten Nordmazedoniens, und Bekim Sali, der Gesundheits- minister des Landes, teilnahmen. Der Fahrplan zielt darauf ab, sowohl die synergetische Zusammenarbeit der Länder bzw. Gebiete des Westbalkans als auch die Unterstützung durch Partner zu fördern und auf diese Weise die Gesundheitsreformen voranzutreiben und die regionsweiten und globalen Verpflichtungen zu erfüllen. Im April 2022 erstatteten Sachverständige der Länder des Westbalkans auf einer Stärkung internationaler und subregionaler Partnerschaften © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 65 Tagung Bericht über die Fortschritte in den Bereichen primäre Gesundheitsversorgung, Notlagen, psychische und digitale Gesundheit sowie nichtübertragbare Krankheiten, insbesondere Adipositas, und einigten sich darauf, weiter regelmäßig subregionale themenbezogene Tagungen abzuhalten, um gemeinsames Handeln zu fördern. Laufende Zusammenarbeit mit dem SEEHN Die Gesundheitsminister der neun Mitgliedstaaten des SEEHN stellten gefährdete Bevölkerungsgruppen und die Schließung der gesundheitlichen Kluft zwischen den Ländern in den Mittelpunkt ihres im Juni 2022 abgehaltenen fünften Ministerforums, dessen Verpflichtungserklärung von Belgrad (2022–2026) die Minister auf dem RC72 unterzeichnen werden. In ihrem Bemühen, die Umsetzung des EPW zu beschleunigen und einen transformativen Wandel für mehr Gesundheit und Wohlbefinden sowie Frieden und Wohlstand herbeizuführen, kamen die Minister überein, gezielt in die im Fahrplan für Gesundheit und Wohlbefinden in den Ländern des Westbalkans aufgeführten Bereiche und Reforminitiativen zu investieren. Stärkung der Zusammenarbeit mit der MEI Die MEI und WHO/Europa erzielen weiterhin erhebliche Fortschritte bei der Verwirklichung der politischen, fachlichen und investitionsbezogenen Ziele ihrer Zusammenarbeit zugunsten von Gesundheit und Wohlbefinden in den 17 mittel- und osteuropäischen Mitgliedstaaten. Die Verortung von Gesundheit im Zentrum der Bemühungen um die Ankurbelung der sozioökonomischen Entwicklung in der Teilregion, gemeinsame Beratungen und Erklärungen zu COVID-19 sowie die Unterstützung für den Fahrplan für Gesundheit und Wohlbefinden in den Ländern des Westbalkans (2021–2025) haben bereits zu höheren Investitionen in die primäre Gesundheitsversorgung geführt. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stand 2022 die Verstärkung der Bemühungen um die Umsetzung des Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakgebrauchs in den Bereichen Tabakbesteuerung und grenzüberschreitende Maßnahmen in den Ländern des Westbalkans. Im Mai 2022 traf WHO/Europa mit dem bulgarischen Vorsitz der MEI und dem MEISekretariat zusammen, um die Ziele der Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich zu erörtern. Eine enge und stabile Zusammenarbeit mit der MEI beinhaltet regelmäßige Dialoge zwischen Sachverständigen sowie gemeinsame Projekte und Veranstaltungen. Zusammenarbeit von WHO/Europa mit den Ländern Zentralasiens Im April 2022 vereinbarten die Gesundheitsminister Kasachstans, Kirgisistans, Tadschikistans, © W H O /A re te /M ax im e Fo ss at Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202266 Turkmenistans und Usbekistans, gemeinsam den Fahrplan für Gesundheit und Wohlbefinden in Zentralasien (2022–2025) als strategischen Rahmen für die Förderung der Gesundheit im Wege der subregionalen Zusammenarbeit zu entwickeln. Zu den Reforminitiativen des Fahrplans gehört auch die Stärkung des einheitlichen Gesundheitsansatzes. Konsultationen mit zentral- asiatischen Sachverständigen im Juni trugen dazu bei, Handlungsfelder und Reforminitiativen speziell für Zentralasien herauszuarbeiten, wo gemeinsame Maßnahmen der Länder und Unterstützung durch Partner einen transformativen Wandel fördern und dazu beitragen werden, die Kluft zwischen Zentralasien und der übrigen Europäischen Region der WHO in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden zu schließen. Im Juni 2022 moderierte die WHO den ersten Zentralasiatischen Gesundheitstriathlon, bei dem der Dialog zwischen Sachverständigen der Länder und Partnern über die Prioritäten für die subregionale Zusammenarbeit im Rahmen des Fahrplans vertieft wurde, der dem RC72 zur Zustimmung vorgelegt wird. Zusammenarbeit mit der GUS und der Eurasischen Wirtschaftskommission WHO/Europa arbeitet weiterhin mit den satzungsmäßigen Gremien der GUS und den Organisationen der regionalen Wirtschaftsintegration zusammen, indem es gemeinsame strategische Ansätze prüft und Erkenntnisse und bewährte Verfahren austauscht. Die Vereinbarung mit dem Rat für gesundheitspolitische Zusammenarbeit der GUS wurde verlängert, und mit der Eurasischen Wirtschaftskommission wurde eine neue Vereinbarung unterzeichnet. Auf der internationalen Konferenz zum Thema „Allgemeine Gesundheitsversorgung und die Ziele für nachhaltige Entwicklung“, die im November 2021 gemeinsam mit der Interparlamentarischen Versammlung (IPA) der GUS veranstaltet wurde, kamen Parlamentarier und Experten für öffentliche Gesundheit aus der GUS zusammen, um gemeinsame Maßnahmen zur Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung und Investitionen in Gesundheit und Humankapital zu erörtern und zu beschließen. Im März 2022 nahm WHO/Europa an der Tagung des Rates der IPA der GUS, des obersten Leitungsgremiums der IPA, teil, die anlässlich des 30.  Jahrestags ihres Bestehens abgehalten wurde, und forderte diese interparlamentarische Plattform auf, zur Ausarbeitung des Rahmens für einen Pandemievertrag beizutragen, damit er Wirkung entfaltet, etwa durch einen Ausgleich zwischen nationaler Souveränität und interregionaler und globaler Solidarität, die Gewährleistung seiner Einhaltung durch einen rechtsverbindlichen Mechanismus und die Ausstattung der WHO mit nachhaltigen Ressourcen für seine Umsetzung. Die Initiative kleiner Länder (SCI) und das Netzwerk Regionen für Gesundheit (RHN) Erstmals seit 2019 kamen Vertreter der der Initiative kleiner Länder, einer politischen Partnerschaft von 11  Mitgliedstaaten mit einer Bevölkerungszahl von höchstens 2 Millionen, auf ihrer achten hochrangigen Tagung persönlich in Bečići (Montenegro) zusammen, um zu erörtern, wie die Vorsorge der Gesundheitssysteme und ihre Reaktion auf Notlagen langfristig am besten gestärkt werden können. Auf der Tagung nahmen alle anwesenden Mitgliedstaaten und WHO/Europa die Erklärung von Montenegro an. Jedes einzelne der Länder erklärte sich bereit, bei der Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 67 © W H O Umsetzung des Fahrplans für mehr Gesundheit in den kleinen Ländern der Europäischen Region der WHO (2022–2025) mitzuwirken, der die Grundlage für die Zusammenarbeit bildet. Zudem vereinbarten die Länder, die institutionelle Führungskompetenz zu stärken, die Entwicklung angemessener Kostenerstattungskonzepte zu unterstützen, um die Menschen vor unerfüllten Bedürfnissen bei der Gesundheitsversorgung zu schützen, nationale Strategien für das Gesundheitspersonal bis 2025 umzusetzen und in der von WHO/Europa gemeinsam mit der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen koordinierten Koalition für Gesundheit und Tourismus zusammenzuarbeiten, um Gesundheit im nachhaltigen Tourismus zu fördern. Die neunte hochrangige Tagung der SCI findet im Mai 2023 in Luxemburg statt. Das RHN, dem 38 subnationale Regionen und assoziierte Mitglieder sowie 12 assoziierte Partner aus 25  Ländern angehören, wirkt weiterhin auf die Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden auf subnationaler Ebene hin. Auf der 26. Jahrestagung im Oktober 2021 in Moskau wurden sechs konkrete Handlungsschwerpunkte zur Bewältigung von COVID-19 ausgearbeitet und weiterverfolgt: Medienkommunikation, Politiksteuerung, Frühwarnung, Informationssysteme, primäre Gesundheits- versorgung und digitale Gesundheit. Ferner wurden neun gemeinsame Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels bzw. Anpassung daran und zur Stärkung der Resilienz vereinbart. Im vergangenen Jahr erhielt das Netzwerk auch Beiträge von hochrangigen Experten; außerdem fanden fachliche Webinare und Kampagnen in den sozialen Medien statt, und ein wöchentlicher Nachrichtenbrief wurde veröffentlicht; gesteuert wurde die Arbeit von einem Lenkungsausschuss im Zusammenwirken mit dem Sekretariat, das beim Fachzentrum der WHO für Investitionen in Gesundheit und Entwicklung (Büro Venedig) angesiedelt ist. EU-Partnerschaften und Durchführung von EU-Projekten Die Zusammenarbeit von WHO/Europa mit der EU hat in den vergangenen 12 Monaten eine neue und größere Bedeutung erlangt, sowohl im Kontext der fortgesetzten Bekämpfung der Pandemie als auch im Rahmen gemeinsamer Projekte mit der GD NEAR in den Ländern bzw. Gebieten der Östlichen Partnerschaft, Zentralasiens und des Westbalkans. Auch bei der Bekämpfung der Affenpocken hat sich WHO/Europa eng mit der EU abgestimmt. Darüber hinaus erstarkte die Partnerschaft zwischen WHO/Europa und der EU auch vor dem Hintergrund gemeinsamer Aktionen zur Förderung einer Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202268 langfristigen Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Das bestimmende Thema des vergangenen Jahres war allerdings der Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Flüchtlingskrise. Über das spezielle EU-Projektverwaltungsbüro bei der Zentrale in Kopenhagen und die WHO-Länderbüros wurde im vergangenen Jahr die zügige Bereitstellung von Finanzmitteln der EU an 16 Länder der Europäischen Region in Höhe von insgesamt über 32,5 Mio. US-$ sichergestellt. Davon entfielen 25 Mio. US-$ auf die Länder der Östlichen Partnerschaft, 4 Mio. US-$ auf die zentralasiatischen Länder, 1,6 Mio. US-$ auf die Länder des Westbalkans und 1,8 Mio. US-$ auf die Türkei. Mit diesen Investitionen konnten die Gesundheit und der Schutz von über 250 Millionen Menschen verbessert werden. WHO/Europa ist nach wie vor fest entschlossen, in enger Zusammenarbeit mit der EU sowie mit internationalen Partnern den Wiederaufbau und die Umgestaltung des Gesundheitswesens in der Ukraine voranzutreiben und sich dabei auf die eigens für den ukrainischen Kontext entwickelten Leitgrundsätze für den Wiederaufbau zu stützen. Ebenso hat WHO/Europa bei der Beschaffung der notwendigen medizinischen Hilfsgüter und entsprechender Ausrüstung Hand in Hand mit der Europäischen Kommission – u. a. mit der Generaldirektion NEAR, der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, der Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe und der Europäischen Behörde für die Krisenvorsorge und  -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen  – zusammengearbeitet, um den Zugang der ukrainischen Bevölkerung zur medizinischen Versorgung inner- wie außerhalb des Landes zu gewährleisten. Die Zusammenarbeit von WHO/Europa mit der EU erstreckt sich auf das gesamte Spektrum globaler und regionsweit relevanter Gesundheitsthemen und genießt in der Europäischen Kommission Unterstützung auf höchster Führungsebene, etwa bei der EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, dem EUVizepräsidenten für die Förderung unserer europäischen Lebensweise und dem Hohen Vertreter der EU. Die Zusammenarbeit von WHO/Europa mit den EU- Ratspräsidentschaften (Slowenien, Frankreich und derzeit Tschechien) hat zu einem stärker sichtbaren und stabileren gesamteuropäischen Ansatz für Gesundheit und Gesundheitssicherheit in der Europäischen Region der WHO geführt und die Rolle von WHO/Europa als koordinierendes Gremium innerhalb dieses Rahmens gestärkt. Die Synergieeffekte zwischen dem Programm EU4Health und dem EPW haben u.  a. in folgenden Bereichen zur Vertiefung der Zusammenarbeit beigetragen: Stärkung der Gesundheitssysteme; Zugang zu Arzneimitteln; Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten mit Schwerpunkt auf Krebs und seinen Gesundheitsdeterminanten (z.  B. Bekämpfung des Alkoholkonsums, Adipositas und Klima); einheitlicher Gesundheitsansatz; gesundheitliche Ungleichgewichte; und Gesundheit von Migranten. Konferenz der WHO-Kooperationszentren Im November 2021 hielt WHO/Europa eine Konferenz mit allen 277 Kooperationszentren in der Europäischen Region der WHO ab, um deren wichtige Arbeit zu würdigen und ihren Sachverstand besser für die Umsetzung des EPW zu nutzen. Im Anschluss daran Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 69 arbeitete WHO/Europa einen Aktionsplan zur Umsetzung der Empfehlungen der Regionalkonferenz der WHO- Kooperationszentren sowie weitere Strategiedokumente aus. Derzeit prüft WHO/Europa Möglichkeiten für eine stärkere Vernetzung und Kompetenzbildung der Kooperationszentren in Bezug auf vorrangige Themen, ermittelt potenzielle neue Zentren, unternimmt Schritte zur Verbesserung der Kommunikation mit den Kooperationszentren und zur Steigerung ihrer Sichtbarkeit und sorgt für eine stärkere Einbindung der Kooperationszentren in die Arbeit von WHO/Europa. Beratung mit nichtstaatlichen Akteuren Nichtstaatliche Akteure sind aktive Partner bei sämtlichen mit den zentralen Prioritäten und Flaggschiff-Initiativen des EPW verbundenen Partnerschaftsinstrumenten und -plattformen. Im Einklang mit dem Rahmen der WHO für die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren hat WHO/Europa diese Zusammenarbeit ausgeweitet und regelmäßige Kontaktsitzungen mit nichtstaatlichen Akteuren institutionalisiert, um weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erkunden und eine aktivere Gemein- schaft zu schaffen. Im vergangenen Jahr veranstaltete WHO/Europa mit den nichtstaatlichen Akteuren Tagungen zum Bündnis für psychische Gesundheit, zur Bekämpfung von Omikron als jüngster COVID-19- Variante, zur Initiative der WHO für zivilgesellschaftliche Organisationen und zur Notlage in der Ukraine. Letztere bot die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur Festlegung von Ansatzpunkten für ein gemeinsames Vorgehen und Engagement, etwa in Form von medizinischen Sachspenden und der Koordinierung der gemeinsamen Öffentlichkeits- und Überzeugungsarbeit. Schließlich setzte sich WHO/Europa mit nichtstaatlichen Akteuren in Bezug auf ihre Teilnahme am Regionalkomitee sowie erweiterte Möglichkeiten für eigene Beiträge zum Ausstellungsraum des RC72 in Verbindung. Die Themenbezogenen Koalitionen (IBC) der Vereinten Nationen für Gesundheit und Wohlbefinden und für Gleichstellung der Geschlechter WHO/Europa bekennt sich zur Reform des Entwicklungssystems der Vereinten Nationen und beteiligt sich an einschlägigen Mechanismen auf Ebene der Region und der Länder, etwa den Themenbezogenen Koalitionen und den Landesteams der Vereinten Nationen. Die WHO leitet die Themenbezogene Koalition für Gesundheit und Wohlbefinden, die eine Reihe von Organisationen der Vereinten Nationen in dem Bestreben vereint, die Länder bei der Verwirklichung der gesundheitsbezogenen SDG im Rahmen von Arbeitsfeldern bei den Themen Immunisierung, Notlagen, Schaffung einer grüneren Welt und gesundes Altern zu unterstützen. Die IBC hat im vergangenen Jahr Leitlinien zur Erhöhung des Stellenwerts der Gesundheit im Kooperationsrahmen der Vereinten Nationen für die nachhaltige Entwicklung erstellt. In der vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und UN-Women geleiteten Themenbezogenen Koalition für die Gleichstellung der Geschlechter beteiligt sich WHO/ Europa aktiv an der Umsetzung der Verpflichtungen des Forums für die Gleichstellung der Geschlechter, indem es an den verbleibenden Gleichstellungslücken in Europa und Zentralasien ansetzt. Die Zusammenarbeit im Rahmen dieser Themenbezogenen Koalition war entscheidend wichtig für die rasche Unterstützung der Ukraine und ihrer Nachbarländer bei der Bewertung des Bedarfs in Bezug auf Gleichstellung der Geschlechter allgemein und speziell Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202270 geschlechtsspezifische Gewalt und sexuellen Missbrauch, eine Aufgabe, die von der von Organisationen der Vereinten Nationen und der Zivilgesellschaft eingerichteten und von UN-Women und Care International gemeinsam geleiteten regionsweiten Sonderarbeitsgruppe Gleichstellung übernommen wurde. Eine erste regionsweite gleichstellungsorientierte Analyse mit dem Titel „Gleichstellung bei den Hilfsmaßnahmen in der Ukraine: Was uns die Analyse verrät“ wurde veröffentlicht, und es wurden gemeinsame Schulungen zu Gleichstellungsfragen und speziell zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt in der Ukraine abgehalten: Geschlechterbezogene Analyse und Bedarfsbewertung; Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau bei Fachkräften in der primären Gesundheitsversorgung für das klinische Management von Vergewaltigung und Gewalt durch Intimpartner; Erste Hilfe für Überlebende von geschlechtsspezifischer Gewalt im Kontext der Flüchtlingskrise; und in der Republik Moldau Gleichstellungsfragen in der Ausbildung im Bereich der humanitären Hilfe. Darüber hinaus beteiligt sich WHO/Europa an Themenbezogenen Koalitionen und anderen Arbeitsgruppen der Vereinten Nationen zu den Themen Sozialschutz, Ernährungssysteme, Umwelt und Klimawandel, umfassende Bevölkerungsbewegungen, Vertreibung, Widerstandsfähigkeit, Jugend und Heranwachsende, Daten und Statistiken sowie Digitalisierung. Globaler Aktionsplan für ein gesundes Leben und Wohlergehen aller Menschen WHO/Europa unterstützt in Zusammenarbeit mit 12 multilateralen Organisationen den Globalen Aktionsplan für ein gesundes Leben und Wohlergehen aller Menschen. Im diesjährigen Fortschrittsbericht zu diesem Aktionsplan wurde insbesondere auf das Projekt „PROACT-Care“ (Integrated Technology Systems for ProACTive Patient Centred Care) und das Stipendienprogramm für die Stadt Shamakhi zur Förderung der Widerstandsfähigkeit der primären Gesundheitsversorgung und der Ausbildung von Gesundheitspersonal in Aserbaidschan eingegangen. Darüber hinaus übernahm WHO/Europa in Tadschikistan eine Führungsrolle im Gesundheitswesen, um das Land im Hinblick auf raschere Fortschritte bei der Verwirklichung der gesundheitsbezogenen SDG durch verstärkte partnerschaftliche Koordination und Kommunikation im Zusammenhang mit der nationalen Gesundheitsstrategie zu unterstützen. In der Republik Moldau arbeitete WHO/Europa zusammen mit seinen Partnern an der Stärkung der Systeme zur Unterstützung einer nachhaltigen Gesundheitsfinanzierung. Vereinbarung mit der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) WHO/Europa und die IFRC unterzeichneten im September 2021 eine erneuerte Vereinbarung, stellten einen Aktionsplan fertig und organisierten eine gemeinsame Informationsveranstaltung für Bedienstete beider Organisationen. Dies mündete in einen weiteren Austausch von Fallstudien zum Engagement auf Länderebene und ein verstärktes Bekenntnis zur Zusammenarbeit vor dem Hintergrund von COVID-19 und dem Krieg in der Ukraine. Diese enge Partnerschaft wurde durch die aktive Teilnahme der IFRC an der hochrangigen Tagung über Gesundheit und Migration in Istanbul weiter gestärkt. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 71 Einrichtung der Zentralstelle Befähigende Funktionen von WHO/Europa Um optimale Kapazitäten für die Bereitstellung unterstützender Funktionen für die Fachprogramme zu gewährleisten, ist der Regionaldirektor im Begriff, eine Zentralstelle Befähigende Funktionen von WHO/Europa einzurichten. Nach einer Konsultation und der Analyse möglicher Standorte für diese Zentralstelle durch interne Bedienstete, beriet sich der Regionaldirektor mit in Frage kommenden Mitgliedstaaten, um die Durchführbarkeit und finanzielle Tragfähigkeit mehrerer vorgeschlagener Standorte zu ermitteln. Ab dem letzten Quartal des Jahres 2022 soll diese Zentralstelle Geschäftsabläufe wie Mittelbeschaffung, Informationstechnologie, Haushaltsplanung, Finanzen, Beschaffungswesen, personelle Ressourcen (HR) und administrative Verwaltung übernehmen. Zusätzliche befähigende Funktionen zur unmittelbaren Unterstützung der Länderprogramme werden im Laufe des nächsten Haushaltszeitraums ebenfalls in diese Zentralstelle verlagert. Die Zentralstelle soll erhöhte Kapazitäten bei den befähigenden Funktionen ermöglichen und gleichzeitig Ressourcen für Aktivitäten in den Kernprogrammen auf Länderebene sichern.  Erhöhung der Durchschlagskraft in den Ländern durch Straffung der Prozesse und digitale Umgestaltung Unter Nutzung des „Kaizen“-Ansatzes zur Maximierung des effizienten Ablaufs von Prozessen, zur Erhöhung der Transparenz und zur Befähigung der Mitarbeiter zu eigenverantwortlichem Handeln wird das System von WHO/Europa zur Automatisierung von Betriebsabläufen nun ausgeweitet, um speziell auf vielfältige spezifische Arten von Anfragen zugeschnittene Arbeitsabläufe zu erfassen, darunter die Genehmigung von Finanzen und Verträgen, die Ausarbeitung und Verwaltung von Arbeitsplänen sowie verschiedene personalbezogene Maßnahmen. Die Ausweitung des Systems auf diese konkreten Prozesse hat zur Straffung der administrativen Arbeit beigetragen und zur Verkürzung der Bearbeitungszeiten sowie zur Gewährleistung eindeutiger und transparenter Prüfpfade geführt. Darüber hinaus hat Umgestaltung für eine erhöhte Durchschlagskraft in den Ländern © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202272 das System das reibungslose und stabile Funktionieren der administrativen Prozesse während Lockdownphasen erheblich erleichtert, als die Mitarbeiter nicht in der Lage waren, direkt vor Ort an den Standorten der WHO zu arbeiten und stattdessen von zu Hause aus gearbeitet haben. Das System bringt die ausgelagerten Fachzentren in der Region „enger“ zusammen, sowohl im Hinblick auf Koordination und die Ermöglichung reibungsloser Arbeitsabläufe als auch interne Kommunikation. Ferner haben mehrere Länderbüros dieses Workflow-System dazu genutzt, ihre eigenen internen Prozesse zu automatisieren, insbesondere in großen Büros wie dem WHO-Länderbüro in der Ukraine. Im Jahr 2021 wurde das Führungspersonal des Regionalbüros und der Länderbüros in den Grundsätzen des „Kaizen“ geschult, und es werden weiterhin Fragen wie Geschäftsabläufe, Standorte programmbezogener und unterstützender Leistungen, Übertragung von Befugnissen sowie Leistungsindikatoren unter Anwendung der fünf Grundsätze des „Kaizen“ evaluiert: zu diesen Grundsätzen zählen die Ausrichtung auf den Kunden, die Verfolgung des Ziels weder Zeit noch Ressourcen zu verschwenden, die Befähigung der Mitarbeiter zu eigenverantwortlichem Handeln, Transparenz und die Verlagerung von Ressourcen dorthin, „wo Maßnahmen ergriffen werden müssen“. Gewährleistung eines gesunden, respektvollen und motivierenden Arbeitsumfeldes, in dem es keine Toleranz gegenüber Belästigung gibt Jegliche Form der sexuellen Ausbeutung und des sexuellen Missbrauchs stellt eine unentschuldbare Verletzung der Verpflichtung der WHO dar, der Bevölkerung in aller Welt zu dienen und sie zu schützen. Sowohl während der Tagung des Exekutivrates im Januar 2022 als auch während der 75. Weltgesundheitsversammlung (WHA75) wurde die Entschlossenheit der WHO unterstrichen, sämtliche erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Belästigung, sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch aufzudecken und zu verhindern, und das Problem direkt anzugehen, wenn es auftreten sollte, sei es in den Gemeinschaften, denen die WHO dient, oder am Arbeitsplatz innerhalb der WHO.  2021 wurden konkrete Finanzmittel aus dem Entwicklungsfonds des Regionaldirektors bereitgestellt, um in dieser Hinsicht rasch kurzfristige Initiativen einzurichten, und zwar um:  • beim gesamten Personal von WHO/Europa Kapazitäten aufzubauen und Verständnis zu schaffen;  • Risiken abzubauen; und  • zu gewährleisten, dass die Meldung von Fällen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs ermöglicht wird und leicht zugänglich ist. Dies umfasste auch die Nominierung einer Ansprechperson bei WHO/Europa für die Meldung von Fällen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs, um zu gewährleisten, dass Verfahren für die Meldung derartiger Fälle eindeutig und simpel sind, Prozesse für den Umgang mit gemeldeten Fällen vorhanden sind und die Kommunikationskanäle offen bleiben.  Im November 2021 schrieb der Regionaldirektor sämtliche Mitgliedstaaten an und erläuterte die diesbezüglich ergriffenen Schritte. Auch der Ständige Ausschuss des Regionalkomitees (SCRC) wurde regelmäßig auf dem Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 73 Laufenden gehalten. Im Dezember 2021 veröffentlichte der SCRC eine Gemeinsame Erklärung, in der er WHO/Europa für die Ergreifung von Maßnahmen zur Aufdeckung und Verhinderung von sexueller Ausbeutung, sexuellem Missbrauch und sexueller Belästigung sowie für deren zügige Ahndung lobte. Während WHO/Europa auf aktuelle Vorfälle reagiert, ist es wichtig, eine kollektive organisationsweite Verpflichtung zu null Toleranz gegenüber sexueller Belästigung und sexuellem Missbrauch zu gewährleisten und diese Verpflichtung zu operationalisieren, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Organisation. In dieser Hinsicht arbeitet WHO/Europa eng mit dem WHO-Hauptbüro zusammen, um mittel- und langfristige Anstrengungen durch die Umsetzung des organisationsweiten Management-Reaktionsplans für die Prävention und Bekämpfung sexueller Ausbeutung, sexuellen Missbrauchs und sexueller Belästigung (PRSEAH) zu intensivieren, und hat sich zu PRSEAH-Maßnahmen in sämtlichen Programmen und Büros verpflichtet. Neben der Entsendung von für PRSEAH zuständigen Mitarbeitern im Rahmen der Reaktion auf den Krieg in der Ukraine unterstützt WHO/Europa zudem aktiv die organisationsübergreifenden PRSEAH-Netzwerke in Ländern wie Polen, Rumänien, der Ukraine und Ungarn sowie grenzüberschreitende humanitäre unterstützende Maßnahmen im Nordwesten Syriens über die Außenstelle in Gaziantep (Türkei). Zusätzlich führte das für PRSEAH zuständige Team Risikobewertungen in ausgewählten Ländern durch, leistete fachliche Unterstützung und erhöhte die Kapazitäten im Bereich PRSEAH in den betreffenden Länderbüros sowie bei der organisationsübergreifenden Kooperation. Ein psychologisch sicheres Arbeitsumfeld Die psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz wird vom Regionaldirektor umfassend gefördert. Rund 650 Mitarbeiter und Berater aus über 50 Teams und Büros nahmen im Rahmen einer Schulung an einer Umfrage teil, bei der 70% angaben, sich in ihren Teams psychologisch sicher zu fühlen, während 17% angaben, sich nicht sicher zu fühlen. Zudem erhielten über 60 Vorgesetzte Schulungen zur Förderung eines respektvolleren und sicheren Arbeitsplatzes. Darüber hinaus gingen aus der „Initiative Intrapreneurship“ für einen respektvolleren Arbeitsplatz 12 erste Ansatzvorschläge (sogenannte „seed proposals“) hervor, die ausgefeilt und erprobt werden müssen. Die Initiative „Auf dem Weg zu einem gesunden und respektvollen Arbeitsumfeld“ Im Juni 2021 wurde die Umfrage „Auf dem Weg zu einem gesunden und respektvollen Arbeitsumfeld“ gestartet. Ihr Zweck bestand darin, Aspekte des Arbeitsumfeldes und der Arbeitskultur bei WHO/Europa zu identifizieren, die ein Risiko für die psychische und physische Gesundheit und das entsprechende Wohlbefinden darstellen, und entsprechende Resilienzfaktoren zu ermitteln. 39% der Bediensteten von WHO/Europa nahmen an dieser Umfrage teil. Die Umfrage von 2021 zeigte, dass über ein Drittel der Umfrageteilnehmer (39%) Symptome eines Burnouts unterschiedlichen Grades in Zusammenhang mit einem hohen Arbeitstempo, den quantitativen Anforderungen und damit verbundenen Problemen im Hinblick auf ihre Work-Life-Balance erleben. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse erstellte der Ausschuss für Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden Empfehlungen für den Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202274 Regionaldirektor im Hinblick auf organisatorische Maßnahmen zu einem Ansetzen an diesen Risikofaktoren. Zu diesen zählten die Durchführung einer umfassenden Evaluation sämtlicher Triebkräfte von hoher Arbeitsbelastung, die aktive Arbeit auf Ebene der Referate an primären und sekundären Interventionen zur Förderung der psychischen Gesundheit und die Einstellung einer Betriebspsychologin, um auf langfristige Sicht Unterstützung bei sekundären und tertiären Interventionen zur Förderung der psychischen Gesundheit zu erhalten. Darüber hinaus hat sich das Team der obersten Leitungsebene um die Beantwortung der Frage bemüht, wie sich diese Ergebnisse innerhalb ihrer Referate als Richtlinie für primäre und sekundäre Interventionen zur Förderung der psychischen Gesundheit auf Ebene der Teams wie auch der Organisation nutzen lassen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 meldeten sich 270 Mitarbeiter zu psychoerzieherischen Workshops an, die das Bewusstsein für psychische Gesundheit, Selbstfürsorge, psychologische erste Hilfe und erste Anzeichen von Burnout bei sich selbst wie auch bei Kollegen schärfen sollten. Nach Durchführung dieser Umfrage und auf Grundlage der dadurch gewonnenen wertvollen Erkenntnisse wird WHO/Europa die Erhebung von Daten alljährlich auf Ebene der Referate fortsetzen, um die psychosozialen Risiken, die organisationsweite Kultur und die psychologische Sicherheit zu verfolgen. Die Institutionalisierung dieser Umfrage stellt einen wichtigen Kulturwandel im Umgang mit der psychischen Gesundheit innerhalb von WHO/Europa dar: weg von einem vorwiegend individuellen Ansatz hin zu einer Kombination aus individuellen und organisationsweiten Ansätzen, mit der eindeutigen Absicht einer Erhöhung der Durchschlagskraft unserer Interventionen zur Bekämpfung von Burnout.  Strukturierte, ergebnisorientierte Personalentwicklung und -fortbildung COVID-19 hat für WHO/Europa die Bedeutung flexibler und anpassungsfähiger Mitarbeiter verdeutlicht, die in der Lage sind, zügig und effektiv in einem sich schnell verändernden Umfeld zu reagieren. In diesem Sinne – und vor dem Hintergrund der Umsetzung des EPW  – hat WHO/Europa seine Lern- und Entwicklungskultur neu definiert, das Engagement der obersten Leitungsebene sichergestellt und die Bereitstellung entsprechender Angebote ausgeweitet, einschließlich des ersten integrierten Fortbildungsplans für den Zeitraum 2022–2023, der im Rahmen eines büroweiten Verfahrens in mehreren Phasen entwickelt wurde. Unter Bereitstellung von Angeboten zielgerichteten Lernens für verschiedene Mitarbeitergruppen und in Abstimmung mit dem Plan für die Umsetzung des Programmhaushalts 2022–2023 in der Europäischen Region wurden Fortbildungsprogramme in zentralen vorrangigen Bereichen eingeführt. Diese umfassen Kommunikationsprogramme zu kontroversen Themen für WHO-Repräsentanten, Angebote zur Förderung von Führungskompetenz und Managementfähigkeiten für leitende Führungskräfte (in Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro für Afrika), Angebote zur Förderung von Projektmanagementfähigkeiten, ein Kurs für mentale Agilität durch Achtsamkeit und ein Programm zu den Grundlagen emotionaler Kompetenzen. Ferner wurde das regionsweite Einführungsprogramm umgestaltet und ausgeweitet und seine Häufigkeit erhöht. Pläne für den kommenden Haushaltszeitraum umfassen die Schwerpunktlegung auf strategische Entwicklungsaufträge und eine Datenbank für Fähigkeiten, um die Einführung der Strategie für die Präsenz in den Ländern zu unterstützen. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 75 Während sich die Verantwortlichkeiten und Erwartungen von Regionaldirektor und WHO/Europa vervielfältigt haben, haben auch die Forderungen nach größerer Bedarfsgerechtigkeit und Rechenschaftslegung zuge no- mmen. In einem Wahlversprechen an die Mitgliedstaaten im Jahr 2020 versprach der Regionaldirektor vollständige Rechenschaftslegung, einschließlich einer erheblichen Aufwertung der Art und Weise, wie Transparenz, Teilhabe, Selbstkritik, Wohlergehen der Bediensteten und finanzielle Nachhaltigkeit in der Organisation sichergestellt werden, begleitet von einer soliden, zugänglichen, akkuraten und vertrauenswürdigen Funktion für die externe Kommunikation. Stärkung der Organisationsführung Durch die enge Zusammenarbeit mit nationalen Vertretern in den unterschiedlichen leitenden Organen der WHO bemüht sich WHO/Europa nicht nur um die Gewährleistung von Transparenz und Rechenschaftslegung, sondern auch um die Garantie, dass seine Konzepte und die geleistete Unterstützung zwecktauglich sind und die unterschiedlichen Gegebenheiten in den Ländern widerspiegeln. In diesem Sinne trat WHO/Europa in einen offenen Dialog mit dem 29. SCRC über die zahlreichen gesundheitlichen Herausforderungen sowohl auf Ebene der Region als auch weltweit und die diesbezügliche Reaktion der WHO. Im März 2022, als die Mitglieder des SCRC sich erstmals wieder persönlich treffen konnten, wurde eine Klausurtagung in Bern organisiert, um auf informeller Ebene Ansichten und Ideen darüber auszutauschen, wie sich die Organisationsführung in der WHO im Allgemeinen stärken lässt, aber auch um die Operationalisierung konkreter Empfehlungen der Paneuropäischen Rechenschaftslegung gegenüber den Mitgliedstaaten und Beteiligung externer Akteure © W H O Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202276 © W H O Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung zu erörtern. Neben regelmäßigen Updates zum aktuellen Stand der COVID-19-Pandemie wurde der SCRC auch systematisch über die anhaltenden sowie neu hinzukommende Notlagen informiert, etwa über die Flüchtlingskrise in Belarus, den Krieg in der Ukraine, örtliche Ausbrüche von cVDPV2 und den Ausbruch der Affenpocken sowie die Länder- und humanitären Missionen des Regionaldirektors. Der SCRC wurde auch zu internen Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten, wie etwa den Plänen für die Auslagerung der befähigenden Funktionen. In einer Gemeinsamen Erklärung, die im Dezember 2021 herausgegeben wurde, forderten die Mitglieder des SCRC eine umfassende Reaktion auf allen Ebenen der WHO auf sexuelle Ausbeutung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Belästigung und unterstützten die vom Regionaldirektor ergriffenen Maßnahmen zur Sicherstellung einer Null- Toleranz-Kultur. Im Mai 2022 wurde auf Wunsch der Mehrzahl der Mitgliedstaaten in der Region innerhalb von zwei Wochen eine außerordentliche Tagung des Regionalkomitees einberufen, um die gesundheitliche Situation in der Ukraine und die weiterreichenden Folgen des anhaltenden Krieges für die Gesundheit in der Europäischen Region und darüber hinaus zu erörtern. In Weiterverfolgung der bei dieser Gelegenheit angenommenen Resolution EUR/RCSS/R1 und einer früheren diesbezüglichen Anfrage vonseiten des SCRC wurde bei der WHA75 ein Bericht über die gesundheitlichen Folgen der humanitären Krise und die Reaktion der WHO vorgestellt. Zusätzlich zu seinen ordentlichen Tagungen weitete der SCRC zudem seine Arbeit durch die Einrichtung dreier Arbeitsgruppen aus. Die Arbeitsgruppe Führungsfragen untersuchte weitere mögliche Verbesserungen bei Tagungen der leitenden Organe und beim Verfahren für Nominierungen und Wahlen. Die Arbeitsgruppe zur Arbeit von WHO/Europa auf der Länderebene vollendete die Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 77 neue Strategie für die Kooperation mit den Mitgliedstaaten. Nach der Veröffentlichung des Abschlussberichts der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung wurde die dritte Arbeitsgruppe des SCRC eingerichtet, um die Operationalisierung der in dem Bericht enthaltenen Empfehlungen zu untersuchen.  Die Arbeitsgruppe beschloss, für die Europäische Region vier Bereichen Vorrang einzuräumen: dem einheitlichen Gesundheitsansatz, der Einrichtung eines Paneuropäischen Netzwerks für Krankheits- bekämpfung, Investitionen in die Gesundheit und dem chancengleichen Zugang zu Impfstoffen und medizinischen Gegenmaßnahmen in allen Teilen der Europäischen Region in Zeiten von Notlagen. Darüber hinaus half das Sekretariat den Mitgliedern des Exekutivrates aus der Europäischen Region und den Delegationen der Mitgliedstaaten bei der Vorbereitung auf Diskussionen auf der globalen Ebene. Im November 2021 wurde eine außerordentliche offene Tagung des SCRC einberufen, um den Ablauf der außerordentlichen Tagung der WHA vorzubereiten und aus der Perspektive der Europäischen Region zu erörtern. Diese außerordentliche WHA sollte dem Zweck dienen, ein Zwischenstaatliches Verhandlungsgremium zu schaffen, um ein neues internationales Rechtsinstrument über Pandemie- prävention, -vorsorge und -bewältigung zu entwickeln. Kommunikation Die Öffentlichkeitsarbeit von WHO/Europa bleibt eine wichtige Säule der Unterstützung für Länderbüros und Gesundheitspartner (u.  a. für Gesundheitsministerien, zivilgesellschaftliche Einrichtungen, die Medien und andere maßgebliche Akteure). Angespornt durch die Dringlichkeit der Pandemie investierte die Zentrale in Kopenhagen im Zeitraum 2021–2022 weiter erheblich in die Öffentlichkeitsarbeit, wodurch die Kapazität von WHO/Europa zur Reaktion auf Krisen erheblich gestärkt wurde. Ferner unterstützte sie die Umsetzung des EPW durch präzise, zeitnahe, leicht zugängliche und vertrauenswürdige Informationen zur öffentlichen Gesundheit über das gesamte Spektrum der im EPW angesprochenen vorrangigen Themen. Die produzierten und verteilten Inhalte umfassen auch die Wirkung der von WHO/Europa, Mitgliedstaaten und Partnern geleisteten Arbeit. Die Öffentlichkeitsarbeit hilft zudem, Lücken und Herausforderungen zu identifizieren und die von den Ländern und der Region bei deren Bewältigung erzielten Fortschritte zu dokumentieren  – durch entsprechende Geschichten mit einer menschlichen Komponente  –, um so zu demonstrieren, inwiefern Investitionen in die Gesundheit echten Menschen zugutekommen und sich auf das echte Leben auswirken. Das für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Team hat proaktiv mit globalen Medienakteuren und nationalen Nachrichtenagenturen zusammengearbeitet, um Informationen zu einer Vielzahl an Themen zu verbreiten – sowohl auf Ebene der Region als auch auf Ebene der Länder –, u. a. zu Luftqualität, verhaltensbezogenen und kulturellen Erkenntnissen, Klimawandel, COVID-19, digitaler Gesundheit, gesundheitlicher Chancengleichheit, Gesundheitssystemen, Hepatitis, psychischer Gesundheit, Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten, Affenpocken, nichtübertragbaren Krankheiten, Adipositas, Gesundheit am Arbeitsplatz, dem einheitlichen Gesundheitsansatz, dem Krieg in der Ukraine, allgemeiner Gesundheits- versorgung und Impfmaßnahmen. Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202278 Als oberster Sprecher von WHO/Europa nutzt der Regionaldirektor jede Gelegenheit, um die auf Ebene der Länder und der Region geleistete Arbeit zur Unterstützung der Mitgliedstaaten und regionsweiter Bündnisse für Gesundheit vorzustellen, sowohl um Fortschritte bei der Gesundheit zu würdigen als auch die Aufmerksamkeit auf jene Bereiche zu lenken, in denen mehr Investitionen und mehr Zusammenarbeit gefordert sind. Dabei nutzt er die Öffentlichkeitsarbeit als Instrument der Überzeugungs- arbeit für die Mobilisierung von Finanzmitteln und die Förderung von Partnerschaften. Die Medienpräsenz von WHO/Europa zeigt sich auch in der Tatsache, dass in den zehn Monaten zwischen September 2021 und Juli 2022 in den Medien über 82 000- mal Bezug auf den Regionaldirektor und über 35 000-mal Bezug auf das Regionalbüro genommen wurde, wobei der Höhepunkt der Berichterstattung zwischen November 2021 und Januar 2022 erreicht wurde, als die Omikron- Variante von SARS-CoV-2 sich in der gesamten Region ausbreitete. Im gleichen Zeitraum verbreitete das für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Team 25 Erklärungen des Regionaldirektors zu zeitgemäßen Gesundheitsthemen und wurden sieben Pressekonferenzen abgehalten  – darunter zwei, die aus der Ukraine ausgestrahlt wurden. Ferner produzierte das Team mindestens ein Interview im Fokus der Öffentlichkeit pro Monat, u. a. für Medienkanäle wie CNN, BBC, AFP, Al Jazeera, die Deutsche Welle, Politico, NBC und die Financial Times. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben sich die Verweise der Medien auf das WHO-Regionalbüro für Europa und seine Arbeit in den fünf Monaten seit dem 24. Februar im Vergleich zu den vorangegangenen fünf Monaten verdreifacht. Der verstärkte Fokus von WHO/ Europa auf die Berichterstattung über die gesundheitliche Situation in der Ukraine und den Flüchtlinge aufnehmenden Ländern hat dazu beigetragen, dem gesundheitsbezogenen Wiederaufbau und der erforderlichen Finanzierung einen festen Platz auf der politischen Tagesordnung in Europa und darüber hinaus zu sichern. Die Mehrheit der Länderbüros in der gesamten Europäischen Region verfügen mittlerweile über konkrete Kapazitäten für die Öffentlichkeitsarbeit und entwickeln und verbreiten relevante Informationen zu Gesundheits- themen in der jeweiligen Landessprache. Zwei Drittel von ihnen verfügen über aktive Social-Media-Accounts, darunter 22 Facebook-Seiten, acht Instagram-Profile und 12 Twitter-Accounts. Neben der Publikmachung von Kampagnen, Publikationen und Veranstaltungen arbeiten die Kommunikationsbeauftragten in den Länderbüros eng mit den nationalen Regierungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen und pflegen die Beziehung zu den Medien. Die Besuche des Regionaldirektors in den Ländern – allein seit September 2021 wurden mehr als 30  Missionen in über 25 Mitgliedstaaten durchgeführt – bieten zudem eine wertvolle Chance, um mit den nationalen Medien zu wichtigen Gesundheitsthemen ins Gespräch zu kommen und die Mitgliedstaaten zu unterstützen. Gleichzeitig eröffnen sie die Möglichkeit, direkt von an vorderster Front tätigen Gesundheitsfachkräften zu hören, Initiativen vorzustellen und Gesundheitseinrichtungen zu besuchen. Auch die eigenen digitalen Kommunikationskanäle von WHO/Europa haben im Berichtszeitraum ihre Reichweite auf bestimmte Zielgruppen ausgeweitet. Die Website verzeichnete seit September 2021 durchschnittlich 1,2  Mio. Besucher pro Monat, der Twitter-Account @WHO_Europe ist im gleichen Zeitraum um 13% auf Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 79 190  000 Follower gewachsen, Likes auf Facebook sind um 10% auf 282 000 gestiegen und der Instagram-Seite von WHO/Europa folgen mittlerweile 250 000 Menschen (ein Anstieg um 21%). Allein in diesem Jahr wuchs die Zahl der Follower des Twitter-Accounts des Regionaldirektors um 21% auf mittlerweile fast 30 000. Darüber hinaus hat WHO/Europa in den letzten zehn Monaten 14 Folgen des Podcasts „Gesundheit in Europa“ produziert, bei dem Experten der WHO eingehend zu komplexen Gesundheitsthemen befragt und diese dadurch entmystifiziert werden. Die dabei abgedeckten Themen reichten von der Ökonomie des Alterns bis hin zur Versorgung von krebskranken Kindern. Im Januar 2022 weihte WHO/Europa ein neues Studio ein, das dank einer Zuwendung aus Deutschland mit professionellen audio-visuellen Funktionalitäten in Sendequalität ausgestattet ist. Dadurch wurde die Multimedia-Produktion von Podcasts, Video-Erklärungen, Pressekonferenzen und Live-Schaltungen zu neuen Medien und Konferenzen signifikant aufgewertet. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war der Start der neuen Website von WHO/Europa (www.who.int/europe) im Juni dieses Jahres. Die neue Website, die die alte im Jahr 2010 eingerichtete Website ersetzt, umfasst mehr visuell ansprechende, besser zugeschnittene und flexiblere Inhalte und schafft Konsistenz zu anderen Regionen der WHO und zur globalen Website der Organisation. Die groß angelegte Aktion erforderte die Inventarisierung und Migration von 5000 individuellen Seiten, 8400 einzelnen Inhalten und über 6000 Nachrichtenbeiträgen. Zu den weiteren Entwicklungen, die für die nahe Zukunft geplant sind, zählen die weitere Verbesserung in Bezug auf die Zugänglichkeit für Nutzer und die Bereitstellung von Informationen in allen vier Amtssprachen der Europäischen Region. Mobilisierung von Finanzmitteln Die Europäische Region der WHO hat erfolgreich den genehmigten Programmhaushalt für die Basisprogramme 2020–2021 finanziert. Erreicht wurde dies in erster Linie mit Hilfe von freiwilligen Beiträgen der Mitgliedstaaten und der EU. Die Finanzierung des Programmhaushalts auf hoher Ebene (94%) verschleiert jedoch eine unausgewogene Verteilung zwischen den eingegangenen freiwilligen Beiträgen und den Prioritäten des EPW, was nach wie vor eine Herausforderung für die Sicherstellung einer ausgewogenen Finanzierung über alle Resultate und Outputs des Programmhaushalts hinaus darstellt. Das Ausmaß dieser Herausforderung verringerte sich im Haushaltszeitraum 2020–2021 infolge des Anstiegs der eingegangenen themenbezogenen freiwilligen Beiträge (21% des genehmigten Programmhaushalts 2020–2021 gegenüber nur 5% im Zeitraum 2018–2019). Die Umsetzung des EPW hängt jedoch nach wie vor von der ungewissen Fortsetzung des Anstiegs der themen- bezogenen und anderer flexibler Finanzmittel ab. Es bedarf der anhaltenden Unterstützung durch die Mitgliedstaaten, um die Flexibilität und Vorhersehbarkeit der freiwilligen Beiträge für den Programmhaushalt 2022–2023 entsprechend den Empfehlungen der Arbeitsgruppe für nachhaltige Finanzierung weiter zu verbessern. Zum Ende des zweiten Quartals des Jahres 2022 stehen die verfügbaren und die prognostizierten Finanzmittel zusammen bei 78% (280,1 Mio. US-$) des genehmigten Programmhaushalts 2022–2023 für die Sektion Basisprogramme (360,7 Mio. US-$). Angesichts der energischen Bemühungen im Bereich der Mittelbeschaffung herrscht Zuversicht, dass WHO/Europa eine angemessene Mittelausstattung für die kürzlich erhöhte Haushaltskapazität erreichen wird. In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt auf der Diversifizierung der Geberbasis von WHO/Europa (und das wird auch erst einmal so bleiben), während gleichzeitig die Kapazitäten der Länderbüros zur Mobilisierung von Ressourcen auf Ebene der Länder verstärkt und Armutsinseln © W H O /P ie rr e A lb ou y Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–2022 81 (d.  h.  unterfinanzierte Arbeitsbereiche) in Angriff genommen wurden. In dieser Hinsicht lag und liegt die Priorität des Regionaldirektors auf der Einbeziehung vorhandener und neuer Ressourcenpartner. Es wurden signifikante Anstrengungen zur Mittelbeschaffung unternommen, um Finanzmittel zur Unterstützung der Maßnahmen der WHO in der Ukraine sowie in Zufluchts- und Aufnahmeländern von Flüchtlingen zu sichern. Bislang wurden zwei Nothilfeappelle der WHO im Rahmen des Hilfsappells des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten sowie des Regionalen Reaktionsplans zur Bewältigung der Flüchtlingssituation ausgegeben. Der Aufruf der WHO zur Bereitstellung von Finanzmitteln beläuft sich auf insgesamt 147,5 Mio. US-$, darunter 80 Mio. US-$ allein für die Ukraine für den Zeitraum März bis August 2022 und 67,5 Mio. US-$ für Zufluchts- und Aufnahmeländer von Flüchtlingen für den Zeitraum März bis Ende 2022. Ende Juni 2022 hatte die WHO 83,3 Mio. US-$ (56%) an Finanzmitteln von einer Reihe von Beitragszahlern erhalten. WHO/Europa hat seine Arbeit im Bereich nachhaltige Finanzierung seit dem RC71 fortgesetzt und eine Resolution (EUR/RC71/R6) über nachhaltige Finanzierung in der Europäischen Region der WHO angenommen. Sowohl die Zentrale in Kopenhagen als auch der Regionaldirektor setzen sich nach wie vor auf verschiedenen Ebenen für das Thema ein, insbesondere im Vorfeld der WHA75 und der Annahme des Beschlusses WHA75(8) zur Billigung der Empfehlungen der Arbeitsgruppe für nachhaltige Finanzierung. EPW-Messrahmen  Der während des RC71 angenommene EPW-Messrahmen zielt darauf ab, die Fähigkeit der Länder zur Überwachung von Fortschritten auf dem Weg zur Verwirklichung des übergeordneten Ziels, niemanden zurückzulassen, zu stärken. Der Rahmen beinhaltet 26 Indikatorbereiche von hoher Relevanz und umfasst eine Teilmenge an SDG- Zielvorgaben und  -Resultatindikatoren aus dem Wirkungsrahmen des GPW 13 der WHO. Diese Indikatoren wurden anhand vorher festgelegter Kriterien ausgewählt, um zu gewährleisten, dass sie angemessen und realistisch sind und an vorhandenen bzw. neu entstehenden Strategien auf der globalen Ebene oder der Ebene der Europäischen Region ausgerichtet werden.  Seit der Annahme des Rahmens wurden Daten zu allen Indikatorbereichen gesammelt, von denen sechs nach Geschlecht aufgeschlüsselt sind. Die gesammelten Indikatoren des EPW-Messrahmens wurden genutzt, um die zentralen Gesundheitsindikatoren in der Europäischen Region der WHO für das Jahr 2022 zu entwickeln. Über das Europäische Gesundheits- informations-Portal der WHO sind Visualisierungen für jeden einzelnen Indikator einsehbar. Die Daten in diesem Portal sind nach zentraler Priorität gruppiert und werden jedes Mal, wenn neue Daten verfügbar sind, entsprechend aktualisiert. Für die Weiterentwicklung der Indikatorbereiche psychische Gesundheit und digitale Gesundheit wurden Arbeitsgruppen eingerichtet. Die Entwicklung weiterer Indikatorbereiche (u.  a.  gesundheitliche Ungleichheiten, unerfüllte Bedürfnisse in der Gesundheitsversorgung und die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels) ist für die Zukunft geplant. Ferner wurden zusammen mit Bericht des Regionaldirektors  Die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Zeitraum 2021–202282 dem Europäischen Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik für die Länder Georgien, Kirgisistan, Nordmazedonien, Ukraine und Usbekistan Erkenntnisse aus der Praxis der Gesundheitssysteme zusammengetragen. Diese Erkenntnisse bieten kurz gefasste und leicht zugängliche Kerninformationen und  -daten zu den Gesundheits- systemen und erläutern die Rahmenbedingungen im jeweiligen Gesundheits system für das EPW. Darüber hinaus markieren die Erkenntnisse zentrale Anliegen, Fortschritte und Herausforderungen des jeweiligen Gesundheitssystems und ermöglichen so den Mitgliedstaaten die Überwachung der allmählichen Entwicklung ihres Gesundheitssystems und den Vergleich mit anderen Ländern. 6 WHO/EURO: 2022-6012-45777-66642 Mitgliedstaaten Albanien Andorra Armenien Aserbaidschan Belarus Belgien Bosnien und Herzegowina Bulgarien Dänemark Deutschland Estland Finnland Frankreich Georgien Griechenland Irland Island Israel Italien Kasachstan Kirgisistan Kroatien Lettland Litauen Luxemburg Malta Monaco Montenegro Niederlande Nordmazedonien Norwegen Österreich Polen Portugal Republik Moldau Rumänien Russische Föderation San Marino Schweden Schweiz Serbien Slowakei Slowenien Spanien Tadschikistan Tschechien Türkei Turkmenistan Ukraine Ungarn Usbekistan Vereinigtes Königreich Zypern Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro für Europa UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Tel.: +45 45 33 70 00; Fax: +45 45 33 70 01 E-Mail: eurocontact@who.int Website: www.who.int/europe Das WHO-Regionalbüro für Europa Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine 1948 gegründete Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die sich in erster Linie mit internationalen Gesundheitsfragen und der öffentlichen Gesundheit befasst. Das WHO-Regionalbüro für Europa ist eines von sechs Regionalbüros, die überall in der Welt eigene, auf die Gesundheitsbedürfnisse ihrer Mitgliedsländer abgestimmte Programme durchführen.

Основные сведения
Тип документа Technical Documents
Дата принятия
Источник Всемирная организация здравоохранения