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Sechzigste Tagung des Regionalkomitees für Europa: Moskau, 13.–16. September 2010: Bericht des Regionaldirektors über die Arbeit der WHO in der Europäischen Region im Zeitraum 2008–2009

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Bericht des Regionaldirektors über die Arbeit der WHO in der Europäischen Region im Zeitraum 2008–2009 Punkt 3 der vorläufigen Tagesordnung Regionalkomitee für Europa Sechzigste Tagung Moskau, 13.–16. September 2010 EUR/RC60/4 (+EUR/RC60/Conf.Doc./1) 10. Mai 2010 101182 ORIGINAL: ENGLISCH © WHO Covers 1 GER.indd 1 23/08/10 8.59

W ELTGESUNDHEITSORGANISATION • REGIONALBÜRO FÜR EURO PA Scherfigsvej 8, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Telefon: +45 39 17 17 17 Fax: +45 39 17 18 18 E-Mail: postmaster@euro.who.int Webadresse: http://www.euro.who.int Regionalkomitee für Europa Sechzigste Tagung Moskau, 13.–16. September 2010 Punkt 3 der vorläufigen Tagesordnung EUR/RC60/4 (+EUR/RC60/Conf.Doc./1) 10. Mai 2010 101182 ORIGINAL: ENGLISCH Bericht des Regionaldirektors über die Arbeit der WHO in der Europäischen Region im Zeitraum 2008–2009 EUR/RC60/4 Seite 1 Inhalt Seite Vorwort ......................................................................................................................................... 1 Einführung..................................................................................................................................... 2 Herausragende Ereignisse 2008–2009 .......................................................................................... 2 Einsatz für bessere Gesundheit durch Stärkung der Gesundheitssysteme............................. 3 Konferenz und Charta.................................................................................................... 3 Weltgesundheitstag 2009............................................................................................... 4 Migration von Gesundheitspersonal .............................................................................. 4 30. Jahrestag der Erklärung von Alma-Ata.................................................................... 5 Wissen zur Stärkung der Gesundheitssysteme .............................................................. 5 Gesundheit von Familie und Gemeinschaft................................................................... 6 Die Finanz- und Wirtschaftskrise .......................................................................................... 6 Influenza-Pandemie H1N1/2009 ........................................................................................... 7 Aktivitäten in anderen Bereichen der öffentlichen Gesundheit .................................................... 8 Übertragbare Krankheiten ..................................................................................................... 8 Europäische Impfwoche ................................................................................................ 8 Masern und Röteln......................................................................................................... 9 HIV/Aids........................................................................................................................ 9 Tuberkulose ................................................................................................................. 10 Malaria......................................................................................................................... 11 Nichtübertragbare Krankheiten ........................................................................................... 11 Neues Büro für nichtübertragbare Krankheiten........................................................... 11 Psychische Gesundheit ................................................................................................ 12 Alkohol ........................................................................................................................ 12 Fünfte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit .................................................... 12 Klimawandel................................................................................................................ 13 Verletzungsprävention und Sicherheit......................................................................... 13 Ernährung .................................................................................................................... 13 Soziale Determinanten von Gesundheit .............................................................................. 14 Bericht der WHO-Kommission für soziale Determinanten von Gesundheit............... 14 Gesundheit im Strafvollzug ......................................................................................... 14 Arbeit mit den Ländern ............................................................................................................... 15 Aserbaidschan...................................................................................................................... 15 Spanien ................................................................................................................................ 15 Tadschikistan....................................................................................................................... 16 Türkei .................................................................................................................................. 16 Turkmenistan....................................................................................................................... 16 Ukraine ................................................................................................................................ 17 Partnerschaften............................................................................................................................ 17 Reform der Vereinten Nationen .......................................................................................... 18 Interna des Regionalbüros........................................................................................................... 19 Regelmäßige Treffen mit der Generaldirektorin und den Regionaldirektoren.................... 19 Organisationsentwicklung ................................................................................................... 19 Globales Management-System............................................................................................ 20 Personalpolitik..................................................................................................................... 20 Übertragung von Zuständigkeiten ....................................................................................... 21 Öffentlichkeitsarbeit und Wissensverbreitung .................................................................... 21 Leitende Organe .................................................................................................................. 22 Literatur....................................................................................................................................... 22 Anhang: Umsetzung des Programmhaushalts 2008–2009.......................................................... 27 EUR/RC60/4 Seite 1 Vorwort Der Zweijahreszeitraum 2008–2009 war repräsentativ für die Maßnahmen und die Herausforde- rungen in der Europäischen Region, seit ich zur Jahrtausendwende mein Mandat erhielt. In die- ser Zeit traten aber nicht nur Gefahren für die öffentliche Gesundheit auf, es gab auch entschei- dende Wendepunkte für eine Entwicklung zum Besseren. Dieser Bericht soll nicht detailliert Rechenschaft über die Umsetzung der fachlichen Arbeit in der Region geben. Er konzentriert sich stattdessen auf wichtige Maßnahmen des Regionalbüros und bedeutsame Ereignisse in der Region. Die pandemische Influenza H1N1/2009 war für die gesamte Organisation eine große Heraus- forderung und die erste echte Bewährungsprobe für die Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005), die Mitte 2007 in Kraft getreten waren. Die Finanzkrise stellte eine ernsthafte Bedro- hung für die Gesundheitssysteme dar, doch das WHO-Regionalbüro für Europa unterstützte die Mitgliedstaaten der Region und prüfte und verbreitete Vorschläge, wie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gemeistert und Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit gemildert wer- den könnten. Die Europäische Ministerkonferenz der WHO für Gesundheitssysteme: „Gesundheitssysteme, Gesundheit und Wohlstand“ in Tallinn (Estland) setzte im Juni 2008 mit der Annahme der Charta von Tallinn einen neuen Meilenstein für die öffentliche Gesundheit. Die primäre Ge- sundheitsversorgung im Kontext gestärkter Gesundheitssysteme war für die Europäische Region der WHO weiter ein zentrales Anliegen und zum dreißigsten Jahrestag der Erklärung von Alma- Ata wurde diese im Oktober 2008 auf einer globalen Konferenz in Almaty (Kasachstan) gewür- digt. Die Vorbereitungen für die Fünfte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit im März 2010 in Parma (Italien) begannen Anfang 2008 und nachdem im Dezember 2009 die Verhand- lungen der globalen Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen (Dänemark) nicht abgeschlossen wurden, gewann Parma noch zusätzlich an Bedeutung. Schon nach den ersten Erschütterungen durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise veranstaltete das Regionalbüro im April 2009 in Oslo (Norwegen) eine Tagung, die Strategien und Empfehlungen zur Über- windung der gesundheitlichen Konsequenzen der Krise aufzeigte. Das Regionalbüro setzte weiterhin vor allem auf die Arbeit in den Ländern und betonte zugleich den Nutzen und die Notwendigkeit von Partnerschaft und Zusammenarbeit in einer zusehends komplexeren Welt. So koordinierte das Regionalbüro im Jahr 2008 auch Maßnahmen zur ge- sundheitlichen Versorgung der über 100 000 Binnenvertriebenen (meist Frauen und Kinder), die aus der unsicheren Lage in Südossetien geflohen waren. Am 31. Januar 2010 gab ich die mir 10 Jahre zuvor übertragene Verantwortung an Zsuzsanna Jakab weiter. Ich danke den Mitgliedstaaten für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung sowie da- für, dass sie mir die Möglichkeit gaben, die Arbeit des Regionalbüros in der Region zu leiten und zu unterstützen. Die konkrete Arbeit führten natürlich die engagierten Bediensteten überall in der Region mit ihrer unermüdlichen Entschlossenheit durch, die Gesundheit aller stetig zu verbessern. Marc Danzon Regionaldirektor i. R. EUR/RC60/4 Seite 2 Einführung Im Zweijahreszeitraum 2008–2009 richtete das Regionalbüro seine Arbeit auf die Umsetzung der Länderstrategie, die das Regionalkomitee 2000 in der ursprünglichen und 2005 erneut in einer überarbeiteten Fassung annahm, und orientierte sich dabei auch an der Stärkung der Ge- sundheitssysteme, wie dies in der Charta von Tallinn vorgesehen ist, hinter die sich das Regio- nalkomitee im Jahr 2008 stellte. Das Regionalbüro hat sich besonders bemüht, seine Zusammenarbeit mit den Ländern weiter zu verbessern. Die Umsetzung geplanter Aktivitäten in Ländern mit zweijährigen Kooperations- vereinbarungen und WHO-Länderbüros verbesserte sich im Vergleich zum vorangegangenen Zweijahreszeitraum und für den folgenden wurden nach gründlichen Verhandlungen sehr kon- krete Prioritäten aufgestellt. Dies war möglich, weil die Länderbüros sowohl in Bezug auf ihre Kapazitäten als auch ihre Entscheidungskompetenzen gestärkt wurden. Das Regionalbüro arbei- tete auch mit den Staaten ohne Länderbüro zusammen und ermöglichte ihnen den Zugang zu Erkenntnissen und Informationen sowie auf Anfrage den Austausch von Fachwissen und maß- geschneiderte Unterstützung. Während des Zweijahreszeitraums fuhr das Regionalbüro fort, Partnerschaften mit ausgewähl- ten Organisationen auszubauen oder aufzubauen, konkrete gemeinsame Aktivitäten zu entwi- ckeln und durch Synergieeffekte ein Höchstmaß an Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit anzu- streben. Das Regionalbüro vertiefte seine guten Beziehungen mit der Europäischen Kommissi- on, arbeitete eng mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zusammen und unterstützte die Länder, welche die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union (EU) innehielten. Die Zusammenarbeit mit dem Hauptbüro und den anderen Regionalbüros wurde im Geiste von Transparenz und Vertrauen für den Aufbau einer Organisation gestärkt, die der Vielfalt ihrer Mitgliedstaaten gemäße, konkrete Dienste anbieten kann. Das Regionalbüro war mit der gleichen Haltung auch am Prozess der Reform der Verein- ten Nationen beteiligt. Darüber hinaus setzte es seine Bemühungen um verbesserte Arbeitsweisen fort. Dazu gehörten Maßnahmen zur Stärkung der Länderbüros und der Personalpolitik der WHO sowie umfassende Beratungen mit dem Hauptbüro und die Arbeit im Regionalbüro zur Vorbereitung auf den Bei- tritt zum Globalen Management-System (GSM) der WHO im Januar 2010. Die Verfahren in der Verwaltung wurden gestrafft, damit Länderaktivitäten leichter unterstützt werden konnten, und das Personal im Regionalbüro und vor Ort in den Ländern wurde durch Schulungen auf die Um- stellung vorbereitet. Dieser Bericht gibt nicht detailliert Rechenschaft über die Umsetzung der Fachprogramme in der Region. Auf Wunsch sind Informationen hierzu beim Sekretariat erhältlich. Hier konzentrie- ren wir uns auf die wichtigsten Maßnahmen und Veränderungen im Regionalbüro im Zweijah- reszeitraum und beleuchten beispielhaft die Arbeit in fünf Bereichen: Stärkung der Gesund- heitssysteme, öffentliche Gesundheit, Arbeit mit den Ländern, Partnerschaften und interne An- gelegenheiten des Regionalbüros. Anhand von ausgewählten Themen werden die wichtigsten Aktivitäten illustriert, die als Reaktion auf globale Prioritäten und/oder Resolutionen leitender Organe oder im Zusammenhang mit Aktionsplänen oder großen Konferenzen der Region unter- nommen wurden. Herausragende Ereignisse 2008–2009 Vorrangige Initiativen des Regionalbüros im Zweijahreszeitraum betrafen seine Arbeit für mehr Gesundheit durch eine Stärkung der Gesundheitssysteme und die Reaktion auf zwei bedrohliche EUR/RC60/4 Seite 3 Entwicklungen im Jahr 2009: die globale Finanzkrise und die pandemische Influenza H1N1/2009. Einsatz für bessere Gesundheit durch Stärkung der Gesundheitssysteme Konferenz und Charta Nach einem Vorbereitungsprozess unter Beteiligung von Experten aus 26 Mitgliedstaaten sowie einem Beratungsgremium mit Vertretern aus Gesundheitsministerien, Universitäten und Part- nerorganisationen veranstaltete das WHO-Regionalbüro für Europa in Tallinn (Estland) vom 25. bis 27. Juni 2008 auf Einladung der estnischen Regierung die Europäische Ministerkonferenz der WHO zum Thema Gesundheitssysteme: „Gesundheitssysteme, Gesundheit und Wohlstand“. Diese Konferenz beschäftigte sich mit dem dynamischen Beziehungsgeflecht zwischen Ge- sundheitssystemen, Gesundheit und Wohlstand und den Fragen: • Wie gut können funktionierende Gesundheitssysteme nicht nur zu Gesundheit, sondern auch zu Wohlstand und wirtschaftlicher Entwicklung beitragen (etwa durch Personalent- wicklung, höhere Produktivität, niedrigere Krankheitskosten und weniger Frühverren- tung)? • Unter welchen Bedingungen kann eine gute Führung Wohlstand (wirtschaftliche Ent- wicklung) für bessere Gesundheit nutzen und umgekehrt? • Wie können produktive Investitionen in die Gesundheitssysteme sowohl der wirtschaftli- chen Entwicklung als auch dem gesellschaftlichen Wohl dienen. Konkret sollte die Konferenz zu einem besseren Verständnis des Einflusses der Gesundheitssys- teme auf die öffentliche Gesundheit und damit das Wirtschaftswachstum in der Region beitra- gen und angesichts wachsenden Drucks auf die Gesundheitssysteme in Bezug auf Nachhaltig- keit und Solidarität die neuesten Erkenntnisse über wirksame Strategien zur Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit zusammentragen sowie als abschließenden Höhepunkt eine Charta hervor- bringen, die ein strategischer Handlungsrahmen für die Stärkung der Gesundheitssysteme in der gesamten Region ist und politisches Engagement und Handeln fördert und zugleich die Vielfalt der Länder der Region in Bezug auf Gesundheitssysteme und politische Rahmenbedingungen gebührend berücksichtigt (1). Zu den über 500 teilnehmenden Personen zählten: Gesundheits-, Innen-, Finanz- und Wirt- schaftsminister aus 52 der 53 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO, international anerkannte Experten für Gesundheitssysteme, Beobachter und Vertreter von internationalen Or- ganisationen und Organisationen der Zivilgesellschaft sowie Vertreter der Massenmedien. Die Teilnehmer befassten sich mit den theoretischen Überlegungen hinter dem Begriff Gesundheits- system und seiner dynamischen Verflechtung mit Gesundheit und Wohlstand, erörterten Sach- fragen in Bezug auf seine vier grundlegenden Funktionen (Leistungserbringung, Finanzierung, Erschließung personeller und anderer Ressourcen, Steuerung/Führung), erörterten die politi- schen Aspekte und bekundeten ihr Engagement durch die Annahme der Charta von Tallinn: Ge- sundheitssysteme für Gesundheit und Wohlstand (2). Die 2008 vom WHO-Regionalkomitee für Europa (durch Resolution EUR/RC58/R4) (3) sowie einem breiten Spektrum von WHO- Partnern unterstützte Charta von Tallinn dient als Orientierungshilfe und strategischer Hand- lungsrahmen zur Stärkung der Gesundheitssysteme in der gesamten Europäischen Region der WHO. Sie bietet ein Forum für den Grundsatzdialog sowie für politisches Engagement und Handeln in einer sehr vielfältigen Region. Sie wirft auch ein Schlaglicht darauf, wie wichtig Gesundheitssysteme für die Schaffung von Gesundheit und Wohlstand sind, und nennt beson- ders Leistungsmessung als Mittel zur Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit und länderspe- zifische Erkenntnisse als Grundlage zur Anpassung der Konzepte. Die hierfür erforderlichen Instrumente werden jetzt entwickelt. Ihre Fertigstellung und allgemeine Anwendung sind die EUR/RC60/4 Seite 4 aktuellen bzw. künftigen Schritte in diesem langfristigen Prozess. Die Konferenz war ein wich- tiger Wendepunkt für die weitere Entwicklung der öffentlichen Gesundheit. Die Konferenz in Tallinn erzielte eine bis dahin ungesehene Aufmerksamkeit in den Medien, führende Fachzeitschriften (BMJ und The Lancet) waren vertreten und Hunderte von Artikeln erschienen in estnischen wie internationalen Medien. Erstmalig stellte das Regionalbüro Mit- schnitte einer Ministerkonferenz ins Internet und erreichte damit im Sommer 2008 mindestens 18 035 Besucher aus 65 Ländern. Im Februar 2009 veranstaltete das Regionalbüro das erste offizielle Folgetreffen zur Umsetzung der Charta von Tallinn (4). Die Vertreter der Mitgliedstaaten konstatierten, dass die meisten Staaten der Region mit der Umsetzung der Charta begonnen hätten, und erörterten ihre wirksa- me Umsetzung unter den geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wobei sie den Wert ordentlich finanzierter, funktionierender Gesundheitssysteme für den Schutz der Gesundheit und die Wahrung sozialer Gerechtigkeit und damit auch für die Erholung der Wirtschaft betonten. Sie forderten vom Regionalbüro fachliche Unterstützung, hierunter die Entwicklung eines Bün- dels von Indikatoren, eines Rahmens zur Leistungsbewertung und eines Forums für Erfahrungs- austausch und gegenseitiges Lernen in Bezug auf die Umsetzung der Charta und die Verbesse- rung der Gesundheitssystemleistung. Umgekehrt zeigte sich das Regionalbüro entschlossen, die Mitgliedstaaten weiter in der Umset- zung der Charta zu unterstützen. Die Länder führten diesen Prozess zwar an, das Regionalbüro werde aber eine Reihe von Instrumenten für den Fortschritt auf nationaler und internationaler Ebene einsetzen. Bei den auf nationaler und regionaler Ebene ergriffenen Maßnahmen legte das Regionalbüro besonderes Augenmerk auf die Leistungsbewertung und die Stärkung der Steue- rungsfunktion und initiierte hier mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums des Vereinig- ten Königreichs einige Maßnahmen. Gleichzeitig stand es mehreren Mitgliedstaaten (u. a. Est- land, Georgien, Kirgisistan, Lettland, Portugal und Tadschikistan) bei der Bewertung der Leis- tungsfähigkeit ihrer Gesundheitssysteme und der Analyse der Wirkungen bestimmter Reformen zur Seite. Mit ähnlicher Zielsetzung förderte das Regionalbüro den Wissenstransfer und organi- sierte Tagungen, die Länder aus dem Baltikum sowie Polen an einen Tisch brachte. Weltgesundheitstag 2009 Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April unterstrich die WHO die Bedeutung einer bes- seren Planung und baulichen Ausführung von Krankenhäusern und der Vorbereitung des Ge- sundheitspersonals auf Krisensituationen wie Erdbeben, Überschwemmungen und bewaffnete Konflikte (5). Der Weltgesundheitstag löste in vielen Ländern der Region Aktivitäten aus, u. a. eine Notfallübung in der Republik Moldau, an der sich viele Sektoren beteiligten. Migration von Gesundheitspersonal Aufgrund der Initiative von Mitgliedstaaten und insbesondere Norwegens sowie einer Resoluti- on des Regionalkomitees (EUR/RC57/R1), die das Regionalbüro zu einem Beitrag für die Ent- wicklung eines ethischen Leitfadens bzw. Rahmenkonzepts zur Anwerbung von ausländischen Gesundheitsfachkräften innerhalb wie außerhalb der Europäischen Region aufforderte, weitete das Regionalbüro seine diesbezüglichen Aktivitäten auf regionaler und globaler Ebene aus. Während des Ersten Globalen Forums zum Thema Gesundheitspersonal, das im März 2008 in Kampala (Uganda) stattfand, hielt der Regionaldirektor eine Ansprache über die Perspektive der Europäischen Region zur Politik angesichts der Herausforderungen durch die Migration von Gesundheitsfachkräften und das Regionalbüro veranstaltete einen runden Tisch, bei der Her- kunfts- und Zielländer wirksame Konzepte für ein im Sinne der internationalen Solidarität ethisch vertretbares Anwerben von und Festhalten an Gesundheitspersonal erörterten (6). EUR/RC60/4 Seite 5 Außer durch die Beobachtung der Migration, die Beratung der Länder zu konkreten Maßnah- men und die Einsetzung einer regionalen Sachverständigengruppe wurde das Regionalbüro durch drei Hintergrundpapiere für die Europäische zur Ministerkonferenz zum Thema Gesund- heitssysteme (gemeinsam mit dem Europäischen Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik) (7–9) und eine Nebenveranstaltung über ethische Erwägungen in diesem Bereich aktiv (1). Die Charta von Tallinn forderte für die grenzüberschreitende Anwerbung von Fachkräften im Gesundheitswesen eine ethische Grundlage und länderübergreifende Solidarität, die ein Verhaltenskodex sicherstellen sollte. Die Diskussion wurde auf der Folgeveranstaltung des Regionalbüros zur Charta von Tallinn fortgesetzt (4). 2009 konzentrierte sich die Arbeit auf Beiträge der Europäischen Region zum Entwurf eines globalen Verhaltenskodexes für die internationale Anwerbung von Gesundheitspersonal (10). Als Mitglied im globalen Ausschuss zu diesem Thema hat die Region zur Beteiligung aller Re- gionen in einem harmonischen Prozess beigetragen. Das Sekretariat hatte auf Wunsch der Welt- gesundheitsversammlung im Jahr 2008 einen Entwurf als Diskussionsgrundlage vorgelegt. Im Januar 2009 regte der Exekutivrat an, die Regionalkomitees zur breiten Konsultation mit den Mitgliedstaaten mit anschließender Rückmeldung an den Exekutivrat zu nutzen. Die Erörterung des Themas auf der 59. Tagung des Regionalkomitees für Europa im September 2009 betonte Konsequenzen der globalen Finanzkrise für die Arbeitsmärkte und die Notwendigkeit, negative Folgen der Migration für die Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern abzumildern, Chan- cengleichheit hinsichtlich des Zugangs zu den Gesundheitsleistungen sicherzustellen und gleichzeitig die Abhängigkeit von der Einwanderung von Gesundheitspersonal aus Drittländern möglichst gering zu halten (11). Das Regionalkomitee verabschiedete Resolution EUR/RC59/R4, in der die Mitgliedstaaten eindringlich gebeten wurden, sich verstärkt für die Entwicklung und Durchführung nachhaltiger personalpolitischer Konzepte, Strategien und Plä- ne im Gesundheitswesen als einer entscheidenden Komponente zur Stärkung der Gesundheits- systeme und für die Annahme eines globalen Verhaltenskodex für die grenzüberschreitende Anwerbung von Gesundheitsfachkräften einzusetzen (11). Im Dezember 2009 veranstaltete das Regionalbüro eine offene Konsultation unter Beteiligung von Mitgliedstaaten aus der Europäi- schen Region mit Sitz im Exekutivrat, Ständigen Vertretungen bei den Vereinten Nationen in Genf sowie weiteren Partnern und erkundigte sich nach deren Ansichten zum überarbeiteten Entwurf. Unter dem Eindruck aller Reden und Beiträge sowie der Resolutionen aus sechs Regi- onen überarbeitete das Sekretariat zunächst den Entwurf des Verhaltenskodex für den Exekutiv- rat im Januar 2010 in der Absicht, der 63. Weltgesundheitsversammlung im Mai den endgülti- gen Entwurf vorzulegen. 30. Jahrestag der Erklärung von Alma-Ata Die primäre Gesundheitsversorgung im Kontext gestärkter Gesundheitssysteme (Resolution EB124.R8) war für die Europäische Region der WHO weiter ein zentrales Anliegen und Be- dienstete des Regionalbüros wirkten auch bei der Vorbereitung einer Konferenz anlässlich des 30. Jahrestages der Erklärung von Alma-Ata mit, die im Oktober 2008 in Almaty stattfand und auf der die WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan den Weltgesundheitsbericht 2008 vor- stellte (12). Aus diesem Anlass bekräftigte die WHO erneut die entscheidende Bedeutung der primären Gesundheitsversorgung für die Gesundheitssysteme. Wissen zur Stärkung der Gesundheitssysteme Die fundierte Arbeit des Europäischen Observatoriums für Gesundheitssysteme und Gesund- heitspolitik war für die Bemühungen des Regionalbüros um eine Stärkung der Gesundheitssys- teme von großer Bedeutung. Das Observatorium ist ein Vorzeigemodell für eine formalisierte Zusammenarbeit (unter Beteiligung des Regionalbüros) und leistete für die Konferenz in Tallinn maßgebliche Unterstützung. Durch Veröffentlichungen, Sommerseminare und Unterstützung für die Reformen vieler Länder (z. B. Belgien, Lettland, Polen, Republik Moldau und Vereinigtes EUR/RC60/4 Seite 6 Königreich) wurde es zu einem entscheidenden Faktor für Kontinuität und nachhaltigen Fort- schritt über die Konferenz hinaus (13). Eine seiner Veröffentlichungen (14) erhielt bei der Me- dical Book Competition 2009 der British Medical Association das Prädikat sehr empfehlens- wert. Im Zweijahreszeitraum setzte das Regionalbüro seine Unterstützung der Gesundheitsministerien und Regierungen in der Region im Sinne einer verbesserten Erhebung, Untersuchung und Mel- dung von Gesundheitsindikatoren fort, damit Reformen trotz komplexer Zusammenhänge auf- grund genauerer Informationen über öffentliche Gesundheit und Gesundheitssystemleistung präziser gesteuert werden können. Zum Beispiel wurden im Europäischen Gesundheitsbericht 2009 Indikatoren und Trends im Bereich der öffentlichen Gesundheit in den vorangegangenen vier Jahren erläutert und beurteilt. Danach bezogen Regierungen aus der Region seit 2005 das gesamte Gesundheitssystem ein, um schlechten Gesundheitsbedingungen entgegenzuwirken, gesunde Lebensgewohnheiten zu fördern und Ungleichheiten im Gesundheitsbereich abzubau- en. Der Bericht zeigte die Entwicklungen in der Region auf, die sowohl durch interne Prozesse (z. B. Gesundheitsreformen), als auch externe Einflüsse (globale Krisen) angestoßen wurden und die Unwägbarkeiten für Gesundheitssysteme und gesundheitliche Resultate mit sich brachten. Er fasste Fakten und Trends im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Region zusammen und erörterte die Stärkung der Gesundheitssysteme im Hinblick auf die Funktionen Leistungs- erbringung, Finanzierung, Ressourcenerzeugung und Steuerung. In seinem Anhang enthielt er Daten zur Analyse aktueller und künftiger Herausforderungen für die Gesundheitspolitik in der Region und zur Untermauerung der entsprechenden Schlussfolgerungen. Der Bericht präsentier- te außerdem Erkenntnisse über die Krankheitslast, die Wirkung konkreter Risikofaktoren für bestimmte Krankheiten und Erkrankungen, ausgewählte gesundheitspolitische Maßnahmen (die zu besserer Gesundheit führen könnten, wenn die Umstände für eine erfolgreiche Umsetzung berücksichtigt würden) und die Rolle der Gesundheitssysteme für die Bewältigung der zahlrei- chen Gesundheitsprobleme in der Region. Hauptansinnen des Regionalbüros war weiterhin die Unterstützung der Länder darin, auf Grund- lage des Kenntnisstands optimale Investitionen in die Gesundheit zu tätigen. Der Bericht ent- hielt die besten verfügbaren Erkenntnisse zur Entwicklung von Strategien, die einen allgemei- nen Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung sichern. Der Bericht war nicht nur für die Gesundheitsministerien, sondern auch für alle übrigen Partner, die sich inner- halb und außerhalb der Regierungen aktiv für Gesundheit einsetzen, eine wichtige Informati- onsgrundlage. Gesundheit von Familie und Gemeinschaft Im Bereich Gesundheit von Familie und Gemeinschaft führte das Regionalbüro 2008 in Malta speziell für alle Ansprechpersonen und 2009 im Vereinigten Königreich zum Thema jugendge- rechte Gesundheitskonzepte und -dienste jeweils eine wichtige Tagung durch. In Malta empfah- len die Teilnehmer zur Verbesserung der Gesundheit von Familie und Gemeinschaft die Grund- funktionen des Gesundheitssystems zu stärken und Fortschritte hierbei durch eine enge Verzah- nung mit der primären Gesundheitsversorgung überall in der Region zu fördern. Bei der Tagung im Vereinigten Königreich teilten mehr als 130 Teilnehmer aus 35 Mitgliedstaaten und Partner- organisationen ihr Erfahrungswissen miteinander und unterstützten die Regierungen darin, allen jungen Menschen die Wahrnehmung des Rechts auf Gesundheit und gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise Als im Zweijahreszeitraum die globale Finanz- und Wirtschaftskrise spürbar wurde, richtete die WHO eine Arbeitsgruppe ein, welche die Mitgliedstaaten regelmäßig auf Folgerisiken für die EUR/RC60/4 Seite 7 Gesundheitssysteme hinwies sowie mögliche Gegenmaßnahmen nannte, die insbesondere für Länder in wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit den bekannten Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit relevant waren. Die WHO erstellte ein Papier für die hochrangige Konsultation zu Finanz- und Wirtschaftskrise und globaler Gesundheit im Vorfeld der Exekutivratstagung im Januar 2009 und sorgte im Anschluss für eine weite Verbreitung des Berichts über die Konsulta- tion (16). In der Europäischen Region veranstaltete das Regionalbüro mit Unterstützung der norwegischen Regierung im April 2009 in Oslo eine Tagung über den Schutz der Gesundheit zu Zeiten einer globalen Wirtschaftskrise und mögliche Folgen für die Europäische Region der WHO (17). 168 Teilnehmer, darunter Minister, stellvertretende Minister und leitende Medizinalbeamte, vertra- ten 39 der 53 Mitgliedstaaten der Region. Die Teilnehmer erörterten die Auswirkungen des wirtschaftlichen Abschwungs auf Gesundheitssysteme, Gesundheitsergebnisse und die sozialen Determinanten der Gesundheit in ihren Ländern. Sie sprachen auch über mögliche Konsequen- zen in Bezug auf die Millenniums-Entwicklungsziele, finanzielle und personelle Ressourcen sowie die Migration von Gesundheitspersonal. Die Teilnehmer skizzierten außerdem Strategien zur Überwindung der Krisenfolgen für die Gesundheit und gaben Empfehlungen ab, in denen sie für Investitionen der Länder zur Verbesserung der Gesundheit und die Aufnahme des The- mas Gesundheit in alle Politikbereiche warben. Influenza-Pandemie H1N1/2009 H1N1/2009 wurde zwar erst Ende April 2009 entdeckt, doch schon im Juni hatte sich das Virus so weit ausgebreitet, dass die WHO die Pandemie feststellte, ohne sich dabei auf die Gefähr- lichkeit des Virus zu beziehen. Das neuartige A/H1N1-Virus ähnelte nicht früher oder zeitgleich zirkulierenden saisonalen Grippeviren, sodass die Bevölkerung nicht durch natürliche Immunität vor Infektion geschützt war. Auch wenn die meisten Fälle milde verliefen und ohne Krankenhausaufenthalt endeten, so erkrankten doch mehr Angehörige jüngerer Altersgruppen (25 bis 45 Jahre bzw. unter 15 Jahre) schwer und tödlich als in der üblichen saisonalen Grippe, die eher Todesfälle unter älteren Men- schen (über 65 Jahre) und Kleinkindern auslöst. Trotz des allgemein milden Verlaufs der Er- krankung verzeichneten viele Mitgliedstaaten eine erhebliche Mehrbelastung ihrer Gesundheits- systeme durch die sprunghafte Zunahme der Leistungsnachfrage. Im Verlauf der Pandemie gab es international vor allem auf der Südhalbkugel negative klinische Ergebnisse nach verspäteter Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bzw. wegen begrenzten Zugangs zu Gesundheits- versorgung. Zudem löste das Virus in manchen Fällen eine schnell fortschreitende, schwer zu behandelnde und daher sehr gefährliche Lungenentzündung aus. Die WHO empfahl einen Vor- rang für den schnellen Einsatz antiviraler Medikamente gegen schwere bzw. lebensbedrohliche Erkrankungen nach einer Infektion mit dem Pandemievirus H1N1/2009. Ende Dezember 2009 hatte fast jedes Land in der Region eine hohe bis sehr hohe Influenzakti- vität im Herbst/Winter gemeldet (insbesondere in der Altersgruppe unter 15 Jahren) und seit April 2009 waren 2789 Todesfälle unter den laborbestätigten Fällen verzeichnet worden (18). Allerdings kulminierte die Grippeaktivität bereits vor Jahresende. In 31 Ländern wurden Impf- kampagnen durchgeführt. Von acht Ländern, die gespendete Impfstoffe über die WHO beziehen konnten, bereiteten sich sechs auf deren Empfang vor. Die Pandemie war der erste praktische Test für die Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) aus dem Jahr 2005 (19) in einer gesundheitlichen Notlage für mehrere Länder und er machte deutlich, wie wichtig die Vorbereitung der Menschen und der zuständigen Institutionen auf derartige Notlagen ist. Zentral für die Pandemiebekämpfung waren der unmittelbare Infor- mationsaustausch und die Einbindung einer Vielzahl von Akteuren. Viele der betroffenen Länder EUR/RC60/4 Seite 8 betonten, wie wichtig ein allgemeiner Zugang zur Gesundheitsversorgung und eine starke pri- märe Gesundheitsversorgung seien. Der WHO oblag es, die Überwachung der Pandemie zu verstärken und aufrecht zu erhalten, gegebenenfalls Labormaterialien, Ausrüstung und antivirale Arzneimittel zu liefern, korrekte Auskünfte zu geben und die Bevölkerung zu beruhigen und zugleich zur Befolgung der gesund- heitlichen Hinweise sowie zur Vorbereitung auf die erste Impfphase aufzufordern. Dazu gehörte die Bestimmung der vorrangig zu impfenden Personenkreise: Gesundheitspersonal, Schwangere und Menschen mit chronischen Erkrankungen, insbesondere der Atemwege. Das Regionalbüro veranstaltete im August und im Oktober 2009 Workshops über den Einsatz von Impfstoffen ge- gen H1N1/2009, die sich an die Leiter der nationalen Impfprogramme, Cheflogistiker und ein- schlägigen Ansprechpersonen aus allen 53 Mitgliedstaaten richtete (18). Das Regionalbüro arbeitete über die nationalen IGV-Anlaufstellen und das Überwachungsnetz hinter der Influenza-Website eng mit den Mitgliedstaaten zusammen und sorgte für Materialien, Schulungen, Instrumente sowie fachliche Unterstützung für die Bereitschaftspläne. Es koope- rierte auch nahtlos mit der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher der Europäischen Kommission und dem ECDC. Die WHO stand ebenso in engem Kontakt mit anderen Organisa- tionen der Vereinten Nationen sowie mit anderen internationalen Organisationen (einschließlich für Handel und Verkehr) sowie mit Herstellern von Impfstoffen, Arzneimitteln, Diagnostika und persönlicher Schutzausrüstung. Die Website des Regionalbüros bot aktuelle Nachrichten und weitere Informationen zum Thema an (18). Aktivitäten in anderen Bereichen der öffentlichen Gesundheit Als Beispiele für die Aktivitäten des Regionalbüros im Bereich der öffentlichen Gesundheit sind übertragbare und nichtübertragbare Krankheiten sowie die sozialen Determinanten von Gesund- heit zu nennen. Übertragbare Krankheiten Europäische Impfwoche Die Europäische Impfwoche (20) ist eine vom Regionalbüro angeleitete und koordinierte Initia- tive der Region, mit deren Umsetzung die Mitgliedstaaten konkrete Probleme angehen. Partner- organisationen wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), die Maserninitiative und das ECDC leisten auf regionaler und nationaler Ebene Beiträge. Die Impfwoche soll die Mitgliedstaaten darin unterstützen, Pläne für einen flächendeckenden Impfschutz voranzutrei- ben. Als das Regionalbüro diese Initiative im Jahr 2005 startete, beteiligten sich sechs Länder daran. An der dritten Europäischen Impfwoche, die vom 21. bis 27. April 2008 stattfand, beteiligten sich mit 32 schon mehr als die Hälfte der Mitgliedstaaten (20). Das Spektrum der Aktivitäten reichte von Informations- und Aufklärungskampagnen in Form von Ausstellungen, Konzerten und andere Musikveranstaltungen bis zur Vorstellung neuer Impfleitlinien, der Einführung neu- er Impfstoffe und/oder Impfpläne sowie der Vorbereitung und Durchführung zusätzlicher Impf- kampagnen. Die Länder nahmen unterschiedliche Krankheiten (etwa Masern, Diphtherie, Rö- teln und Poliomyelitis) und Zielgruppen (Gesundheitspersonal, Politiker und andere führende Entscheidungsträger, Eltern, Lehrer und Schüler, militärische und religiöse Führer sowie schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen wie Migranten und andere Minderheiten) ins Visier. Aufsu- chende Aktivitäten (u. a. Hausbesuche zur Überprüfung des Impfstatus, zur Werbung für die Impfung und zu deren Durchführung) wurden ebenfalls organisiert. Durch Pressekonferenzen, EUR/RC60/4 Seite 9 Interviews und Sendungen in Funk und Fernsehen erhielt die Initiative viel Aufmerksamkeit. Ein Beispiel für regionsüberschreitende Zusammenarbeit war die Europäische Impfwoche 2008, die parallel zur Impfwoche für Gesamtamerika der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) stattfand. Für die vierte Europäische Impfwoche (20.–26. April 2009) nutzte das Regionalbüro innovative Internetmethoden und soziale Medien als Werbeinstrumente, verbreitete seine Botschaft durch ein animiertes Video über YouTube und gewann so auch Leser für eine informative Website (20). Über soziale Netzwerke wie Facebook, VKontakte und StudiVZ wurde die gleiche Bot- schaft verbreitet. Das Video wurde von Tausenden betrachtet und war auf 16 Video-Webseiten sowie über 120 soziale Netze, Weblogs und Diskussionsforen abrufbar. Es ergänzte ein breites Spektrum aus Aktivitäten, die jedes teilnehmende Land eigenständig durchführte. Masern und Röteln Die Absenkung der Masern-Inzidenz in der gesamten Region und das Erreichen der angestreb- ten Impfrate von 95% für die erste Dosis des den Erreger enthaltenden Impfstoffs waren bahn- brechende Erfolge. Seit das Regionalkomitee das Ziel einer Eliminierung der Masern aus der Region bis 2010 in einer Resolution (EUR/RC55/R7) aufstellte, haben die meisten Mitgliedstaa- ten erfolgreiche Strategien umgesetzt. Ihre Anstrengungen führten im Zeitraum 2007–2009 in der Region zu einer historisch niedrigen Inzidenz von unter 10 Fällen pro einer Million Ein- wohner und praktisch zur Eliminierung der Masern in einer Reihe von Ländern. Das Regionalbüro hat im Zweijahreszeitraum die Indikatoren aus der Masern- und Rötelnüber- wachung aufmerksam verfolgt, Leitlinien für die Überwachung herausgegeben und den Ländern ein Instrument zur Eigenbewertung in Bezug auf die Eliminierung zur Verfügung gestellt. Es hat die Planung, Umsetzung und Auswertung zusätzlicher Impfkampagnen in Georgien, Ta- dschikistan und der Ukraine unterstützt. Nachdem Verdacht eines Zusammenhangs zwischen Impfung und unerwünschten Folgeereignissen wurden die Kampagnen in Georgien und der Uk- raine jedoch eingestellt. Selbst auf Drängen von Regionalbüro und UNICEF wurden sie nicht wieder aufgenommen. Trotz der insgesamt hohen Durchimpfungsrate in der Region häuften sich die Anzeichen dafür, dass der Glaube der Entscheidungsträger und Eltern an die Wichtigkeit des Impfschutzes zu bröckeln beginnt (19). Nach Ausbrüchen im Westen der Region – einhergehend mit örtlich niedrigen Impfraten und Impfverweigerung durch manche Eltern – ist das Ziel der Eliminierung von Masern und Röteln aus der Region bis 2010 nicht mehr erreichbar. Diese Situation erwuchs wesentlich aus dem Ausbleiben von Erkrankungen, was wiederum erst durch das Erreichen und Verteidigen hoher Impfraten gegen durch Impfung vermeidbare Krankheiten möglich wurde. Die Abwesenheit von Erkrankungen hat auch die Auffassung ge- fördert, dass selten auftretende schwerwiegende unerwünschte Ereignisse in Verbindung mit Impfungen ein größeres Risiko bedeuteten als die Krankheiten selbst. Das Regionalbüro hat die Impfung gegen Masern und Röteln im Rahmen von Initiativen wie der Europäischen Impfwo- che gefördert (20). Es hat die Länder über die erzielten Fortschritte in einem Nachrichtenbrief unterrichtet (21). HIV/Aids Das WHO-Regionalbüro für Europa unterstützte weiter die Bewältigung der HIV/Aids- Epidemie im Rahmen des Gesundheitssystems in Einklang mit der Forderung nach allgemei- nem Zugang zu wirksamer, bezahlbarer und chancengleicher HIV-Vorsorge, -Behandlung und -Pflege, wie sie in der Erklärung von Dublin über Partnerschaft zur Bekämpfung von HIV/Aids in Europa und Zentralasien formuliert wurde. 2007 und 2008 führte das WHO-Regionalbüro für EUR/RC60/4 Seite 10 Europa unter Federführung des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) eine Bestandsaufnahme der Umsetzung der Erklärung in den Ländern durch, an der mehr als 100 Experten aus der gesamten Region beteiligt waren (22). 2008 begannen das Regionalbüro und das ECDC in der Überwachung von HIV in der Europäi- schen Region zusammenzuarbeiten und so für Qualität und Aktualität der Datenerhebung aus den 53 Mitgliedstaaten zu sorgen. Sie veröffentlichten diese Daten (23) zur Orientierung und Informierung der Länder bei ihrem Bestreben, die HIV-Vorsorge, -Behandlung und -Pflege in der gesamten Region zu stärken. Daneben hat das Regionalbüro in Zusammenarbeit mit UNAIDS und UNICEF die Fortschritte in der Ausweitung von HIV-Vorsorge, -Behandlung und -Pflege im Gesundheitssektor beobachtet und rückgemeldet (24). Im Osten der Region ist die HIV-Epidemie weiter in erster Linie auf Konsumenten von Injekti- onsdrogen konzentriert. Unter fachlicher Anleitung des Regionalbüros wurde 2008 durch WHO, UNODC (Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung) und UNAIDS ein Leitfaden für Länder zur Aufstellung von Zielen für einen allgemeinen Zugang der Konsumenten von Injektionsdrogen zu HIV-Vorsorge, -Behandlung und -Pflege erstellt (25). Er sollte die Schaffung nationaler Rahmen, Indikatoren und Zielvorgaben für die Beobach- tung der Fortschritte in Bezug auf die HIV-Maßnahmen in dieser Gruppe erleichtern. 2008–2009 beriet das Regionalbüro Länder, die Mittel aus dem Globalen Fonds zur Bekämp- fung von Aids, Tuberkulose und Malaria beantragen wollten, und prüfte und lieferte dafür in erster Linie Empfehlungen, die Komponenten der HIV/Aids-Behandlung und -Pflege und die Stärkung des Gesundheitssystems betrafen. Es hat die Länder auch kontinuierlich in fachlicher Hinsicht durch Evaluierungen unterstützt. Die meisten osteuropäischen Länder entwickelten ihre nationalen klinischen Protokolle nach dem Vorbild der WHO-Protokolle für die Europäi- schen Region (26). Das Regionalbüro hat zu diesem Prozess beigetragen, indem es die Stim- migkeit zwischen den nationalen und regionalen Empfehlungen unterstützt hat. Tuberkulose Das klare Bekenntnis zum Kampf gegen die Tuberkulose, das Mitgliedstaaten und Regionalbüro auf dem Europäischen Ministerforum der WHO 2007 in Berlin machten, wurde befolgt und be- stärkt (27). Das Regionalbüro und Vertreter des ECDC, der Europäischen Kommission, der United States Agency for International Development (USAID), der KNCV-Tuberkulose- Stiftung der Niederlande und ausgewählter Mitgliedstaaten erstellten im Dezember 2008 einen Aktionsplan, der geeignete Schritte zur Weiterverfolgung und Begleitung der Erklärung zur Tu- berkulose sichern soll (27). Das Regionalbüro leistete den Mitgliedstaaten fachliche Unterstüt- zung, indem es Konzepte und Strategien entwarf, Pläne überprüfte und aktualisierte, Materialien für Labore und Infektionsbekämpfung lieferte, Leitlinien erstellte, die Behandlung und Versor- gung der Tuberkulose (auch zusammen mit HIV) ausweitete und ihre Kapazitäten zur Umset- zung der Strategie „Stopp der Tuberkulose“ stärkte (28). Besondere Aufmerksamkeit galt der multiresistenten Tuberkulose in den stark betroffenen Län- dern der Region, von denen immerhin 18 auf hoher Prioritätsstufe stehen. Das Regionalbüro half auch den in Frage kommenden Mitgliedstaaten bei Anträgen auf Mittel von dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria und der globalen Arzneimittelhilfe, dem Green Light Committee, der Globalen Arzneimittelfazilität und UNITAID. Ein weiteres Beispiel für Maßnahmen des Regionalbüros war ein Projekt, das sich für eine aus- geweitete Behandlung und Versorgung der HIV/Aids- und Tuberkulosepatienten sowie ver- stärkte Prävention innerhalb der Gesundheitssysteme Estlands, Lettlands und Litauens einsetzte (15). Damit sollten die Übertragungsrate von und die Anfälligkeit gegenüber HIV und Tuberku- lose gesenkt sowie die Auswirkungen begrenzt werden, indem nationale Maßnahmen verstärkt, EUR/RC60/4 Seite 11 die Zusammenarbeit zwischen nationalen Programmen entwickelt und die Gesundheitssysteme dazu befähigt wurden, sich nachhaltig an die Bedingungen einer erfolgreichen HIV- Bekämpfung anzupassen. Nationale Arbeitsgruppen für Tuberkulose, HIV und die Stärkung des Gesundheitssystems wurden eingerichtet und die nationalen Konzepte zur HIV- und Tuberkulo- sebekämpfung überprüft. Im Zweijahreszeitraum 2008–2009 begann das Regionalbüro gemeinsam mit dem ECDC, Daten über Tuberkulose in der Region zu erheben und zu veröffentlichen (29). Diese Zusammenarbeit umfasste auch Daten über HIV/Aids und Grippe. Malaria Die Länder haben auf dem Weg zur Eliminierung der Malaria aus der Region reale Fortschritte erzielt: Die Zahl der gemeldeten Malariafälle ging zwischen 1995 und 2008 als Folge der inten- siven Malariabekämpfung von 90 712 auf 593 zurück (15,30). Malariafälle aufgrund lokaler Übertragung werden noch aus sieben Mitgliedstaaten der Region gemeldet: Aserbaidschan, Ge- orgien, Kirgisistan, Russische Föderation, Tadschikistan, Türkei und Usbekistan. Seit 2008 ha- ben sich alle von Malaria betroffenen Länder auf die Phase der Eliminierung zubewegt und ihre nationalen Strategien dieser veränderten Wirklichkeit angepasst. Ein Land, in dem Malaria in drei aufeinander folgenden Jahren nicht übertragen wird, kann die WHO um seine Zertifizie- rung als malariafrei bitten. Turkmenistan und Armenien, wo die Übertragung der Malaria be- reits 2006 unterbrochen wurde, haben die Zertifizierung der Eliminierung von Malaria eingelei- tet. Das Regionalbüro setzte sich in enger Zusammenarbeit mit diesen Ländern dafür ein, auch sie als malariafrei zertifizieren zu können. 2008 erstellte das Regionalbüro gemeinsam mit dem turkmenischen Ministerium für Gesundheit und Medizinalindustrie einen Plan für den Zeitraum 2008–2010 zur Eliminierung der Malaria aus Turkmenistan. Später bewarb sich das Land um die Zertifizierung als maliafrei und von Armenien war ein ähnlicher Schritt kurz darauf zu erwarten. Außerdem erhöhten externe Part- ner, allen voran der Globale Fonds, ihre finanzielle Unterstützung für Eliminierungsaktivitäten in Aserbaidschan, Georgien, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan. Die Regierungen Ar- meniens, der Türkei und Turkmenistans waren in Kooperation mit dem Regionalbüro für die Bereitstellung umfassender fachlicher und finanzieller Unterstützung ihrer Eliminierungspro- gramme verantwortlich. Alle Länder waren zuversichtlich, dass diese Programme nach Plan verlaufen und die Malariaübertragung bis 2015 stoppen und dann die Krankheit aus der Region eliminieren könnten. Nach einer erfolgreichen Eliminierung könnten die nationalen Gesundheitssysteme andere krankheitsspezifische Programme in die vorhandenen Strukturen und Angebote integrieren und dadurch stärker werden. Einige Länder in der Europäischen Region und in der Region Östlicher Mittelmeerraum standen vor vergleichbaren epidemiologischen Herausforderungen, so dass die WHO durch gemeinsame Tagungen, bessere Notifizierung über Malaria in diesen Gebieten, Aufbau gemeinsamer Projekte und internationaler Fortbildungskurse sowie Besuche der natio- nalen Ansprechpartner für die Malariaprogramme und der WHO-Bediensteten eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit förderte. Nichtübertragbare Krankheiten Neues Büro für nichtübertragbare Krankheiten Im Zweijahreszeitraum trieb das Regionalbüro die Pläne zur Eröffnung einer Außenstelle in Athen weiter voran und unterzeichnete eine entsprechende Vereinbarung mit der griechischen Regierung, wonach das Athener Büro sich auf nichtübertragbare Krankheiten und damit den EUR/RC60/4 Seite 12 Hauptanteil der Krankheitslast in der Europäischen Region konzentrieren wird. Die Außenstelle soll danach ein integraler Bestandteil der Abteilung Gesundheitsprogramme sein, die Kompe- tenz des Regionalbüros auf diesem Gebiet stärken und bei der Umsetzung der Europäischen Strategie zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten wichtige Impulse setzen (31). Nach Plan sollte das Büro Ende 2009 betriebsbereit sein. Psychische Gesundheit Das Regionalbüro stellte im Oktober 2008 in London (Vereinigtes Königreich) einen Bericht zur psychischen Gesundheit in der Region vor (32). Der Bericht war mit der Europäischen Kommission zusammen angefertigt und vom Gesundheitsministerium des Vereinigten König- reichs unterstützt worden. Er enthielt neue Daten zur Psychiatriepolitik und -praxis in 42 der 53 Mitgliedstaaten der Region. Er erlaubte Ländervergleiche anhand von Indikatoren wie Anzahl der Psychiater, Finanzierung, Zahl der gemeindenahen Einrichtungen, Ausbildungsstand des Personals, Menge der verschriebenen Antidepressiva und Vertretungsmöglichkeiten für Nutzer und Betreuende. Daneben unterstützte das Regionalbüro die Ausbildung von Ärzten in der pri- mären Gesundheitsversorgung und die Entwicklung gemeindenaher Versorgungseinrichtungen in vielen Ländern der Region. Alkohol Im Januar 2008 begann das Regionalbüro für Europa eine Zusammenarbeit mit der Europäi- schen Kommission an einem Projekt mit fünf Hauptzielen: • Aktualisierung des Europäischen Alkoholinformationssystem und Sicherung seiner Kom- patibilität mit der Datenbank der Kommission zum Thema Alkohol, • Bestimmung der sozialen und ökonomischen Aspekte der Alkohol-Problematik, • Bestandsaufnahme und Weitergabe neuer Erkenntnisse für den Grundsatzdiskurs, • Entwicklung von Leitlinien für nationale Aktionspläne gegen Alkoholmissbrauch und deren Umsetzung, • Bereitstellung fachlicher Beiträge zur Entwicklung sektorübergreifender Initiativen. Aus dem Projekt entstanden 2009 zwei Publikationen (33,34). Im April 2009 veranstaltete das Regionalbüro als Antwort auf die Bitte der 61. Weltgesund- heitsversammlung um Ausarbeitung einer globalen Strategie zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums eine regionale Konsultationstagung, auf der 45 Mitgliedstaaten der Region vertreten waren. Fünfte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit Die Vorbereitung der Konferenz, die im März 2010 in Parma (Italien) stattfand (35), wurde im gesamten Zweijahreszeitraum 2008–2009 fortgesetzt. Das Regionalbüro veranstaltete mit Un- terstützung durch Andorra, Deutschland, Kirgisistan, Luxemburg, Montenegro, Serbien, Spa- nien, Österreich und Tadschikistan eine Reihe vorbereitender Veranstaltungen zur Ausgestal- tung der Agenda der Tagung. Dazu zählten drei hochrangige Vorbereitungstreffen, eine thema- tische Fachtagung über gesunde Umweltbedingungen (36), Tagungen zu den Erfordernissen der östlichen und südöstlichen Mitgliedstaaten der Region, ein Symposium über Umwelt- und Ge- sundheitsforschung (37), Tagungen zur Erörterung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über Einfluss und Auswirkungen sozialer Ungleichheiten auf umweltbedingte Gesundheitsrisiken (38,39) und eine Fachsitzung zu den Konferenzvorbereitungen während des WHO- Regionalkomitees für Europa im Jahr 2009. Zur Unterstützung erstellte das Regionalbüro zahlreiche EUR/RC60/4 Seite 13 Dokumente, Berichte, Fach-, Grundsatz- und Hintergrundpapiere sowie kollegial begutachtete Artikel für internationale Fachzeitschriften. Das Regionalbüro hat den Prozess angeleitet, der zu dem endgültigen Entwurf der Konferenzer- klärung (40) führte und der allen Ländern und Partnerorganisationen die vollkommene Urheber- schaft an ihrer Verpflichtung zu einer gesunden Umwelt für die Kinder erhalten sollte. Der Eu- ropäische Ausschuss für Umwelt und Gesundheit (EEHC) leitete den Vorbereitungsprozess für die Konferenz. Klimawandel Im gesamten Zweijahreszeitraum hat das Regionalbüro daran gearbeitet, evidenzbasierte Infor- mationen über Klimawandel und Gesundheit sowie über grundsätzliche Optionen zum Schutz der Gesundheit vor möglichen negativen Folgen zu beschaffen. Dafür wurden Forschungspro- jekte genutzt, Verfahren und Werkzeuge zur Durchführung nationaler Bewertungen geschaffen, Aktionspläne für Gesundheit und Hitzewellen aufgestellt (41), andere Organisationen einbezo- gen und integrierte Systeme zur Beobachtung und Bewertung der Veränderungen in Umwelt und Bevölkerungsgesundheit in der gesamten Region entwickelt. Das Regionalbüro stellte am Weltgesundheitstag 2008 eine Publikation zum Thema Schutz der Gesundheit vor den Folgen des Klimawandels (42) vor. Über 20 Länder führten Veranstaltungen hierzu durch. Die Publika- tion erhielt im Rahmen der Medical Book Competition 2009 der British Medical Association das Prädikat sehr empfehlenswert. Anfang 2009 startete das Regionalbüro in Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesregierung eine Sieben-Länder-Initiative für den Schutz der Gesundheit vor den Folgen des Klimawandels, um Maßnahmen der Gesundheitssysteme in sieben Ländern im Osten der Region zu unterstüt- zen. In Modellversuchen wurden neue Maßnahmen von der verstärkten Überwachung von In- fektionskrankheiten bis zur Aufstellung von Plänen für eine sichere Wasserversorgung erprobt. Alle Länder schätzten Gesundheitsfolgen ab und entwickelten nationale Anpassungsstrategien. In Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission schätzte das Regionalbüro Folgen ver- schiedener Politikoptionen für den Schutz der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Union ab (43). Verletzungsprävention und Sicherheit In seiner Arbeit zur Verringerung von Gewalt- und Unfallverletzungen stellte das Regionalbüro den Mitgliedstaaten Daten zum Umfang der Verletzungen sowie über wirksame Maßnahmen zu ihrer Prävention zur Verfügung und half, die Präventionskapazitäten zu verbessern sowie den Austausch über bewährte Präventionsstrategien auszuweiten. Im Zeitraum 2008–2009 umfasste die Arbeit auch die Veröffentlichung regionaler Berichte zur Prävention von Kinderverletzun- gen und Straßensicherheit, welche die Berichte der WHO auf globaler Ebene ergänzten (44,45). Daneben hat das Regionalbüro zusammen mit der European Association for Injury Prevention and Safety Promotion (EuroSafe) und der französischen Kommission für Verbraucherschutz unter der Schirmherrschaft der französischen EU-Ratspräsidentschaft im Oktober 2008 in Paris die Zweite Europäische Konferenz zu Unfallverhütung und Sicherheit veranstaltet. Ernährung Im Zweijahreszeitraum hat das Regionalbüro für Europa die internationalen Bemühungen zur Umsetzung der Maßnahmen koordiniert, die in der Europäischen Charta zur Bekämpfung der Adipositas (46) und im Europäischen Aktionsplan Nahrung und Ernährung 2007–2012 (47) ge- fordert wurden. Gleichzeitig hat es einzelne Mitgliedstaaten darin unterstützt, nationale Akti- onspläne für Bewegung und Ernährung zu erstellen, umzusetzen und auszuwerten. In diesem Zusammenhang hat sich das Regionalbüro mit Mitgliedstaaten und weiteren Akteuren für eine geringere Natriumaufnahme und eine bessere Verbraucheraufklärung eingesetzt und es hat drei EUR/RC60/4 Seite 14 Aktionsnetzwerke moderiert, in denen Ländergruppen sich zum Ergreifen einer Reihe von Maßnahmen verpflichteten. So wollten sie den Salzkonsum der Bevölkerung verringern, den Ernährungszustand in den Ländern bewerten (und besonders Adipositas im Kindesalter überwachen) sowie den Marktdruck auf Kinder reduzieren, energiereiche, nährstoffarme Lebensmittel mit hohem Gehalt an Fett, Zucker und Salz zu konsumieren. Soziale Determinanten von Gesundheit Bericht der WHO-Kommission für soziale Determinanten von Gesundheit Die Europäische Region und das Regionalbüro haben einen wichtigen Beitrag zum Bericht der WHO-Kommission für soziale Determinanten (48) geleistet, der während der 58. Tagung des Regionalkomitees 2008 erörtert wurde. Das Regionalbüro unterstützte die Entwicklung einer globalen Strategie für die Länderarbeit durch die Kommission, diente als Ansprechpartner der Kommission für die Länder- und Überzeugungsarbeit in der Region und arbeitete eng mit Län- dern zusammen, die sich an einer Ausweitung der Maßnahmen gegen die sozialen Ursachen schlechter Gesundheit und die Beseitigung gesundheitlicher Benachteiligung interessiert zeig- ten. Das Regionalbüro stellte den Bericht der Kommission bei vielen Anlässen im Jahr 2009 vor und erörterte ihn mit Akademikern, Politikern und Vertretern internationaler Organisationen. Es hat auch Mitgliedstaaten geholfen, den Bericht in ihre Landessprachen übersetzen zu lassen. Bericht und Empfehlungen der Kommission haben ihrerseits die Forderung nach einer Beseiti- gung sozial bedingter gesundheitlicher Benachteiligungen in der Europäischen Region verstärkt. 2009 gab die Weltgesundheitsversammlung durch Resolution WHA62.14 die Richtung für Maßnahmen zur Verringerung der gesundheitlichen Benachteiligungen aufgrund sozialer De- terminanten vor (49). Die Art der von den Ländern erbetenen Unterstützung bewegte sich in- haltlich weiter vom Aufstellen der angestrebten Ziele für gesundheitliche Chancengleichheit zur Leistungssteuerung für das Erreichen dieser Ziele. Die Beseitigung sozial bedingter gesundheit- licher Benachteiligungen ist zum integralen Bestandteil eines effektiven Gesundheitssystems und einer guten Organisationsführung über alle Sektoren hinweg geworden. Im Zeitraum 2008– 2009 unterstützte das Regionalbüro 15 Mitgliedstaaten im Kampf gegen gesundheitliche Be- nachteiligung u. a. durch: den Ausbau von Kapazitäten zur Beobachtung gesundheitlicher Be- nachteiligungen, Interventionen für bestimmte Zielgruppen, Analysen mit dem Ziel der Stär- kung institutioneller Kapazitäten in den Ländern und die Abstimmung der Maßnahmen zur Be- wältigung der sozialen Determinanten von Gesundheit. Das Regionalbüro hat auch Länder dabei unterstützt, geschlechtsbezogene Benachteiligung als Determinante für Gesundheit in ihre Konzepte und Programme einzubeziehen (50). Es hat die Aufschlüsselung und Analyse von Daten nach Geschlecht durch Kapazitätsaufbau auf der Grundlage der vorhandenen Erkenntnisse gefördert. Die Nachfrage nach Unterstützung in diesem Bereich stieg im Zweijahreszeitraum 2010–2011 an und kam aus insgesamt 23 Ländern. Wie auch 2009 bei der Tagung zum Thema Gesundheit und Finanzkrise betont wurde, ist die Bewältigung der sozialen Determinanten von Gesundheit eine Voraussetzung dafür, die aktuellen Herausforderungen im Bereich Gesundheit in den Griff zu bekommen (17). Gesundheit im Strafvollzug Das WHO-Projekt Gesundheit im Strafvollzug (HIPP) befasste sich 2008 auf seiner Tagung in Kiew (Ukraine) mit dem Thema Gesundheit und Gesundheitsversorgung von Frauen in Gefäng- nissen. Die Teilnehmer nahmen die Erklärung von Kiew zur Gesundheit von Frauen in Gefäng- nissen an (51), hinter die sich auch die achtzehnte Tagung der UNODC stellte. Im Oktober 2009 war das Regionalbüro der erste von zwölf Organisatoren der Internationalen Konferenz für Ge- sundheitsschutz im Gefängnis in Madrid (52), die sich mit der Prävention und Bekämpfung von ansteckenden Krankheiten wie HIV, Hepatitis C, Tuberkulose und sexuell übertragen Infektio- nen befasste. Im November 2009 wurde ein Bediensteter des Regionalbüros mit der Presidential EUR/RC60/4 Seite 15 Citation der American Public Health Association (APHA) für sein Engagement in der Arbeit des HIPP ausgezeichnet. Arbeit mit den Ländern Ihren höchsten Ausdruck fand die Arbeit des Regionalbüros in konstruktiven praktischen Be- mühungen auf Länderebene im Rahmen der Strategie zur Anpassung der Dienste der WHO an die Bedürfnisse der Länder (53). Das Regionalbüro baute seine Arbeit mit den Mitgliedstaaten auf Analysen der strategischen Bedürfnisse des einzelnen Landes im Gesundheitsbereich auf. Diese Bestandsaufnahmen waren für die Anpassung der WHO-Zusammenarbeit an die nationa- len Strategien und Pläne und ihre Abstimmung mit anderen Organisationen der Vereinten Nati- onen und Entwicklungshilfeorganisationen von zentraler Bedeutung. Die Berichte dienten auch als Grundlage für die Entwicklung der zweijährigen Kooperationsvereinbarungen (BCA), die das Regionalbüro mit den Mitgliedstaaten abschloss. Die BCA setzen alle Maßnahmen im Rahmen der zentralen Aufgaben der Gesundheitssysteme (Steuerung, Erzeugung von Ressour- cen, Erbringung von Gesundheitsleistungen und Finanzierung) an. Da die Gesundheitssysteme in der Europäischen Region jedoch unterschiedlich strukturiert waren, wurden die Interventio- nen für jedes Land individuell festgelegt. 2009 wurden die Bestandsaufnahmen aktualisiert und für den Zeitraum 2010–2011 konnte das Regionalbüro mit 33 Mitgliedstaaten neue BCA ab- schließen. Der überwiegende Teil der Arbeit wurde, besonders auch im Rahmen der BCA, langfristig ge- plant, doch hat das Regionalbüro auf Anfrage der Länder auch akute Hilfe im Krisenfall geleis- tet. Die hier genannten Beispiele repräsentieren beide Aspekte. Aserbaidschan Auf Grundlage einer Bestandsanalyse des Regionalbüros zur reproduktiven Gesundheit in Aser- baidschan unterstützte die WHO aserbaidschanische Politiker und Experten bei der Entwicklung einer nationalen Strategie für den Zeitraum 2008–2015, die vom Gesundheitsminister am 30. Januar 2008 angenommen wurde. Die Hilfe der WHO erfolgte in enger Partnerschaft insbe- sondere mit dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), UNICEF und USAID. Die Strategie umfasste folgende Bereiche und Themen: Gesundheit von Müttern und Kindern, Entscheidungsfreiheit durch Familienplanung und sichere Abtreibung, sexuell übertragene In- fektionen wie Gebärmutterhalskrebs und HIV/Aids, reproduktive Gesundheit von Teenagern, geschlechtliche Gewalt und sexuelle Ausbeutung. Zur Strategie für Aserbaidschan gehörte ein Aktionsplan mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Auf Ersuchen des Gesundheitsministeriums überwachte das Regionalbüro die Durchführung des Plans und koordinierte die diesbezügliche internationale Unterstützung. Spanien Gemeinsam mit der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission führte das Re- gionalbüro eine Studie über Folgen des Toxischen-Öl-Syndroms (TOS) durch. Die Studie sollte das Thema in einen breiteren Kontext evidenzbasierter Umwelt- und Gesundheitspolitik einord- nen. Das vom Regionalbüro mit Unterstützung der Generaldirektion durchgeführte Internationa- le gesundheitspolitische Symposium über Umwelt- und Gesundheitsforschung hob im Oktober 2008 (37) die Zusammenarbeit zwischen der spanischen Regierung und dem Regionalbüro durch den Wissenschaftlichen TOS-Ausschuss als ein gutes Beispiel dafür hervor, wie in einem multidisziplinären Vorgehen Entscheidungen zugunsten der öffentlichen Gesundheit auf der EUR/RC60/4 Seite 16 Grundlage begrenzter, wenngleich schlüssiger, Erkenntnisse getroffen wurden und wie dies als ein Modell für Lebensmittelsicherheit und die Beherrschung künftiger Umweltkatastrophen so- wie Ausbrüche unbekannter Krankheiten dienen könne. Tadschikistan Im Winter 2007/2008 litt Tadschikistan unter extrem kaltem Wetter. Dadurch wurde das Ge- sundheitssystem zu einem Zeitpunkt bedroht, als es nicht nur wegen der Kältewelle, sondern auch in Folge von Stromausfällen, Engpässen in der Wasserversorgung, Verbrennungen durch Heizgeräte und der Zunahme von Infektionskrankheiten mehr denn je gebraucht wurde. Als Teil des Teams der Vereinten Nationen im Land koordinierte das Regionalbüro in enger Absprache mit den anderen internationalen Organisationen und der Regierung die Maßnahmen gegen diese Krise. Es machte eine medizinische Notversorgung für die am stärksten gefährdeten Menschen zugänglich: ältere Menschen, Kinder und Schwangere. Das Regionalbüro rief nachdrücklich zu großzügiger Hilfe auf, damit die Gesundheitsdienste während des kalten Wetters gesichert, ihre Instandsetzung langfristig fortgeführt und die Wiederkehr einer ähnlichen Situation verhindert werden konnten. Die internationale Gemeinschaft stellte 1,4 Millionen US-$ zur Deckung des dringendsten Gesundheitsbedarfs bereit. 2009 war das Regionalbüro federführend an einer von zwei durch die japanische Regierung geförderten Maßnahmen eines auf ein Jahr angelegten Pro- jekts beteiligt. Es half 16 tadschikischen Krankenhäusern an der 1200 km langen Grenze nach Afghanistan Katastrophen und Notsituationen zu überstehen und weiterhin Gesundheitsfürsorge zu leisten. Türkei Im Zeitraum 2008–2009 unterstützte das Regionalbüro die Bemühungen der Türkei weiter, den Tabakkonsum ihrer Bürger zu verringern. In diesem Kampf hat das Land in großem Umfang Instrumente und Werkzeuge der WHO genutzt. Seit der Ratifizierung des Rahmenübereinkom- mens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC) (54) im Jahr 2004 hat das Land ein Regierungsprogramm zur Eindämmung des Tabakgebrauchs und einen Aktionsplan für den Zeitraum 2008–2012 gemäß FCTC und Konzepten und Interventionen aus MPOWER (55) ent- wickelt, mit denen künftige Aktivitäten geplant, der Tabakkonsum bekämpft und somit die öf- fentliche Gesundheit und insbesondere die Gesundheit der Jugend geschützt werden können. Das Hauptziel war es, den Raucheranteil unter Jugendlichen und Erwachsenen (ab 15 Jahre) auf 20% und unter Kindern (unter 15 Jahre) auf 0% zu senken. Der nächste Schritt erfolgte 2008 durch ein Gesetz, das Rauchen an öffentlichen Orten verbot. Mit fachlicher und finanzieller Un- terstützung des Regionalbüros begann das Gesundheitsministerium eine landesweite Studie über Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen der Erwachsenen in Bezug auf die neue Gesetzge- bung und damit verbundenen Praktiken. Die Untersuchungsergebnisse sollten die Planung wirk- samer Interventionen erleichtern, die auf die Bedürfnisse jeder Provinz und/oder Teilregion zu- geschnitten sein sollten. Ende 2009 veröffentlichte das Regionalbüro einen Bericht über die Ausgangslage in Bezug auf Tabak, Tabakkonsum und damit verbundenen Gegenmaßnahmen in der Türkei (56), der die Beobachtung künftiger Entwicklungen in der Tabakbekämpfung im Lande erleichtern sollte. Turkmenistan Im Rahmen gemeinsamer Präventionsmaßnahmen gegen Infektionskrankheiten unterstützte das Regionalbüro im Jahr 2008 das Gesundheitsministerium dabei, eine neue nationale Strategie und einen Aktionsplan zur Eliminierung der Malaria bis 2013 zu entwickeln. Die turkmenische Regierung und die WHO arbeiteten gegen die Malaria auf nationaler Ebene zusammen; 2009 EUR/RC60/4 Seite 17 waren ihre Schwerpunkte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Turkmenistan und Afghanistan, die weitere Verbesserung der Überwachung sowie die Schaffung von Mecha- nismen zur Vorhersage, Früherkennung, schnellen Reaktion und Vorsorge gegen Ausnahmesi- tuationen in Bezug auf Malaria. Zum Ende des Zweijahreszeitraums hat Turkmenistan die WHO um die Zertifizierung als malariafrei gebeten. Ukraine Da Masern und Röteln in der Ukraine ein besonderes Problem darstellten, unterstützten Regio- nalbüro und UNICEF die ukrainische Regierung darin, im Frühjahr 2008 eine Massenimpfung zu organisieren. Als die Kampagne gerade anlief, starb ein 17-jähriger Junge nur 15 Stunden nach seiner Impfung. Sein Tod wurde sofort mit dem Impfstoff in Verbindung gebracht und das Gesundheitsministerium der Ukraine beschloss die Kampagne auszusetzen. Nach einer Zusammenkunft mit der WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan und dem uk- rainischen Gesundheitsminister, besuchte der Regionaldirektor gemeinsam mit der UNICEF- Regionaldirektorin für Mittel- und Osteuropa Maria Calivis das Land. Nach Prüfung der Fakten gelangten beide zu dem Schluss, dass der Impfstoff nicht für den Tod des Jungen verantwortlich war, und forderten die Fortsetzung der Impfkampagne. Leider wurde die Kampagne jedoch nicht fortgesetzt. Danach arbeitete das Regionalbüro dafür, das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Medien in die Schutzimpfung gegen Masern und Röteln wieder herzustellen. Partnerschaften Im Zeitraum 2008–2009 entwickelte das Regionalbüro seine Partnerschaften mit Akteuren im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Region wie den Vereinten Nationen und zwischenstaatlichen Organisationen, bilateralen Entwicklungsorganisationen und Gruppen der Zivilgesellschaft sowie der Privatwirtschaft fort. Es überarbeitete seine Partnerschaftsstrate- gie im Hinblick auf eine stärker zentralisierte Mobilisierung von Finanzmitteln. Die vorange- gangenen Abschnitte dieses Berichts enthalten viele Beispiele der fruchtbaren Zusammenarbeit mit einem breiten Spektrum von Partnern. Insbesondere die Beziehungen des Regionalbüros zu den Einrichtungen der EU gediehen im Geiste des gegenseitigen Nutzens gut. Die jährliche Überprüfung durch die Zusammenkunft hochrangiger Vertreter von WHO und Europäischer Kommission zeigte, dass die Kooperation sowohl auf strategischer als auch auf fachlicher Ebene verstärkt und vertieft worden war. Außer zu seinem wichtigsten Partner in der Europäischen Kommission, der Generaldirektion Gesund- heit und Verbraucher, hat das das Regionalbüro auch seine Verbindungen zu anderen Generaldi- rektionen ausgebaut, etwa zu denen für Beschäftigung und Soziales, Landwirtschaft, Umwelt und die Regionen und mit sechs Fachagenturen im Bereich Gesundheit zusammengearbeitet, insbesondere mit dem ECDC. Die Hauptbereiche der gemeinsamen Arbeit umfassten Gesund- heitssicherheit, Alkohol- und Tabakbekämpfung, Adipositas, geistiges Eigentum, die Internatio- nalen Gesundheitsvorschriften (19), Gesundheit am Arbeitsplatz und die sozialen Determinan- ten von Gesundheit. Durch die Vorbereitung und Veranstaltung der Konferenz von Tallinn im Jahr 2008 (1) stärkte das Regionalbüro seine Verbindungen und die Zusammenarbeit mit vielen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen. Insbesondere die Generaldirektion für Gesund- heit und Verbraucher trug aktiv zur Vorbereitung und Durchführung der Konferenz bei. Das Regionalbüro unterstützte den Konsultationsprozess, den die Generaldirektion für den Entwurf einer Gesundheitsstrategie der EU initiiert hatte (57). Außerdem erweiterte das Regionalbüro seine Unterstützung für die Mitgliedstaaten in Vorbereitung und während der EU-Ratsvorsitze sowohl in Bezug auf vorgegebene als auch selbst gewählte Prioritäten: Gesundheit in allen Politikbereichen (Finnland), Krebserkrankungen (Slowenien), Gesundheitssicherheit und Alz- EUR/RC60/4 Seite 18 heimer-Krankheit (Frankreich), Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten, Zugang zur und Effizienz der Gesundheitsversorgung (Tschechische Republik) und Klimawandel (Schwe- den). Diese gemeinsame Arbeit wurde in einer Reihen von Bereichen vorangetrieben, insbeson- dere für die Themen Bekämpfung mikrobiologischer Gefahren, Unfall- und Gewaltprävention, Alkohol und Influenzapandemie H1N1/2009. Das Regionalbüro und das ECDC vereinbarten im Februar 2008 einen Arbeitsplan für 2008– 2009 und das ECDC beteiligte sich an der Konferenz von Tallinn im Juni (1). Die Zusammen- arbeit konzentrierte sich auf Themen wie epidemiologische Überwachung, harmonisiertes Mel- desystem und besseres Erkennen neu entstehender Gefahren sowie gemeinsame Antworten auf gesundheitliche Ereignisse von Bedeutung für die Region und die Umsetzung der Internationa- len Gesundheitsvorschriften (19). Die Arbeit im Zweijahreszeitraum bezog sich sowohl auf die Vogelgrippe als auch auf die Influenzapandemie H1N1/2009. Die Partner begannen eine koor- dinierte Überwachung von HIV/Aids und Tuberkulose in der Europäischen Region, um qualita- tiv hochwertige standardisierte Daten zu sichern, die das gesamte Gebiet erfassten (23,29). Das Regionalbüro hat seine Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen fortge- setzt: mit der Weltbank im Bereich Gesundheitssysteme, mit UNICEF bei den Themen Imp- fung, Ernährung, Unfälle und Gewalt und mit UNFPA im Bereich reproduktive Gesundheit. Es hat mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die Harmonisierung und Verbreitung von Gesundheitsdaten und -analysen gearbeitet und Länder unterstützt, Mittel der GAVI-Allianz und des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tu- berkulose und Malaria zu beantragen. Reform der Vereinten Nationen Auf Länderebene beteiligten sich die Leiter der Länderbüros aktiv an Gesundheitsinitiativen der Vereinten Nationen. In Ländern, die in den Entwicklungshilfe-Programmrahmen der Vereinten Nationen (UNDAF) fallen, beteiligten sie sich aktiv an Arbeitsgruppen örtlicher Teams der Vereinten Nationen zu Themen wie Gesundheit, Umwelt und/oder Notlagen. Das Regionalbüro hat Koordinierungsstrukturen geschaffen, die Partnerschaften auf Länderebene unterstützen sollten. Das Regionalbüro hat sich zudem an Gedankenspielen und Versuchen für eine bessere Koordi- nierung der Strategien und Aktionen der Vereinten Nationen insgesamt und vor Ort beteiligt; insbesondere gilt dies für Albanien, das 2008 eines der Pilotländer für das Programm „One Uni- ted Nations“ war. In Anlehnung an die albanische Strategie für Entwicklung und Zusammenhalt 2007–2013 und die Millenniums-Entwicklungsziele griff das Programm in Albanien nationale Prioritäten auf: eine transparentere und verantwortlichere Führung, eine ausgeweitete Teilhabe an Grundsatzerörterungen und -entscheidungen, leichterer Zugang zu hochwertiger Grundver- sorgung und eine umweltverträgliche Entwicklung der Regionen. Die Pilotstudie zeigte sowohl Chancen als auch Risiken für eine Verbesserung der Arbeitsergebnisse der WHO durch bessere Koordinierung im Rahmen der Vereinten Nationen auf. 2009 führten Montenegro und Kirgisistan als ausgewählte Initialzünder das Programm „One United Nations“ ein und alle Organisationen der Vereinten Nationen in beiden Ländern beteilig- ten sich. In Kirgisistan beteiligte sich das WHO-Regionalbüro für Europa an der Entwicklung zweier Projekte im Rahmen des Programms – zu Energiefragen und zu der Gesundheit von Mutter und Kind. EUR/RC60/4 Seite 19 Interna des Regionalbüros Im Zeitraum 2008–2009 setzte das Regionalbüro seine Bemühungen um mehr Effektivität durch verstärkte Kooperation innerhalb der Organisation, effizientere Verfahren und eine bessere Per- sonalpolitik sowie enge Zusammenarbeit mit den leitenden Organen fort. Es verstärkte kontinu- ierlich seine Präsenz in den Ländern in Bezug auf die finanzielle und personelle Ausstattung der Büros und den Aufbau personeller Kapazitäten sowie die Weitergabe von Zuständigkeiten auf die Ebene des Landes. Regelmäßige Treffen mit der Generaldirektorin und den Regionaldirektoren Die regelmäßigen Treffen in offener Atmosphäre zwischen der WHO-Generaldirektorin und den Regionaldirektoren trugen auch in diesem Zweijahreszeitraum zur Bewältigung wichtiger Themen der Politik der Organisation und zu ihrer besseren und wirtschaftlicheren Führung bei. Eine dieser Tagungen fand 2009 in Tirana (Albanien) statt. Hier konnten die Teilnehmer selbst in Augenschein nehmen, welche Erfolge das Regionalbüro auf Ebene des Landes erzielt hat, wie viel Ansehen es genießt und wie glaubwürdig es durch seine Präsenz vor Ort geworden ist. Organisationsentwicklung Das Regionalbüro analysierte die Aufgaben und Ziele sowie personellen und finanziellen Res- sourcen gründlich, die ihm für die Bearbeitung konkreter Themen in Übereinstimmung mit den globalen und regionalen Prioritäten und Mandaten, welche die Leitungsgremien der WHO fest- gelegt hatten, und für die Erfüllung der Anfragen und Bedürfnisse von Mitgliedstaaten vorgege- ben waren. Organisatorische Korrekturen haben eine weiche und flexible Führung ermöglicht, welche die tagtägliche Umsetzung, Abstimmung und Verzahnung von Maßnahmen zwischen Referaten und Abteilungen insgesamt erleichtern sollte. Das Management-Team verfolgte und prüfte die angepassten Verfahren aufmerksam, damit sie deren Wirksamkeit und Durchschlags- kraft angemessen auswerten konnte. In vielerlei Hinsicht wurde das Regionalbüro zu einer Mat- rix-Organisation: Es hat die Mitgliedstaaten in der Entwicklung ihrer Gesundheitssysteme un- terstützt und zugleich fachliche Exzellenz in den vertikalen Gesundheitsprogrammen angestrebt. Das Management-Team beobachtete die Leistungen der Organisation kontinuierlich und griff gegebenenfalls korrigierend ein. Das Team förderte die organisatorische Weiterentwicklung des Regionalbüros im Zeitraum 2008–2009 durch acht offen angelegte Lagebesprechungen, auf de- nen Zuständigkeiten verdeutlicht und Fortschritte in Bezug auf die strategischen Ziele der WHO für die internationale und nationale Arbeit (Anhang 1) und die elf internen Entwicklungsstränge geprüft wurden. Die Bediensteten der Länderbüros wurden regelmäßig und gründlich geschult und durch eine Reihe von Kursen über die Stärkung der Gesundheitssysteme und ihre nachhaltige Finanzie- rung, über soziale Determinanten von Gesundheit und Maßnahmen zum Abbau von gesundheit- lichen Ungleichheiten, über die Ursachen nichtübertragbarer Krankheiten und Gegenmaßnah- men, über Grippeimpfung und die Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (19) in der Europäischen Region u. ä. weiter qualifiziert. Für eine reibungslosere Abwicklung der Länderarbeit wurde das zuständige Helpdesk verstärkt. In einer Bewertung dessen Arbeit kon- kludierten die unabhängigen internen Prüfer der WHO, dass sie sehr erfolgreich durchgeführt worden sei und empfahlen ähnliche Vorkehrungen für die WHO insgesamt. EUR/RC60/4 Seite 20 Globales Management-System Im Laufe des Zweijahreszeitraums bereitete sich das Regionalbüro darauf vor, nach dem Haupt- büro und anderen Regionen dem Globalen Management-System (GSM) beizutreten, das vorher getrennte Arbeitsabläufe, Verfahren und Anwendungen für die ganze Organisation in einem einheitlichen System zusammenführt. Das Ziel lautete mehr Effizienz (vereinfachte Verfahren, verdichtete Verwaltung, papierlose Prozesse), Transparenz und Kooperation in der gesamten WHO und dadurch eine bessere Arbeit der WHO im Sinne der Gesundheit. Ausgehend von den andernorts in der WHO gemachten Erfahrungen mit Einführung und Betrieb des GSM wollte das Regionalbüro seine Bediensteten auf eine wirksame Nutzung des Systems vom Zeitpunkt des Beitritts im Jahr 2010 an vorbereiten. Das Regionalbüro betraute eine Gruppe von Bediensteten in der Abteilung Verwaltung und Fi- nanzen mit der Steuerung dieses Prozesses. 2009 konzentrierte sich diese Gruppe auf zwei Be- reiche: die Konvertierung der Daten und Verfahren und die Schulung von Bediensteten aus al- len Dienststellen des Regionalbüros in der Anwendung von GSM. Die Konvertierung erforderte erst die Bestätigung (oder Abweisung) der zu übertragenden Datensätze und dann die Übertra- gung samt erneuter Überprüfung. Gleichzeitig mussten Aufgaben und Zuständigkeiten aus dem Regionalbüro in die GSM-Struktur eingepasst werden. In der Übergangsphase arbeiteten die Bediensteten sowohl in GSM als auch in den bisherigen Systemen. Zunächst wurden speziali- sierte Bedienstete auf die Erstellung und Finanzierung der Arbeitspläne für 2010–2011 in GSM vorbereitet. Anschließend gaben sie ihr Wissen an nahezu alle Kollegen weiter. Für diese Kol- legen wurden drei unterschiedliche Kurse angeboten, die auf den Grad ihrer Nutzung von GSM zugeschnitten waren. Daneben bereitete die Gruppe auch Schulungen und Unterstützung für die Zeit nach der Einführung des GSM vor und veröffentlichte Werbematerial in Büros und Intranet. Personalpolitik 2008–2009 wurde die Personalplanung durch den ersten strategischen Personalplan des Regio- nalbüros endlich ein integraler Bestandteil der mittelfristigen strategischen Planung. Hierzu musste die Leitung die tatsächlichen Erfordernisse zur Erbringung der regional insgesamt er- warteten Ergebnisse bestimmen. Dabei kristallisierten sich vier übergeordnete Funktionskatego- rien heraus: Richtung und Strategie, Fachunterstützung, Außenbeziehungen und administrative Unterstützung. Zusätzliche Leitungspositionen sollten außerdem die Leistungsfähigkeit des Bü- ros steigern. Dieser strategische Ansatz zur Nutzung der personellen Ressourcen untermauerte die Personal- reform auf globaler Ebene, die in früheren Zweijahreszeiträumen durch drei neuartige Vertrags- formen (kontinuierliche, befristete und vorübergehende Beschäftigung) bessere Arbeitsbedin- gungen schaffen sollte. Seit 2006 wurden freie Stellen in Übereinstimmung mit den strategi- schen Richtungen mit internen Bewerbern besetzt und 174 neue Stellen wurden in zusätzlichen oder überarbeiteten Aufgabenbereichen geschaffen, ohne dass die Zahl der Bediensteten des Büros insgesamt anstieg. Die Zahl der Festanstellungen stieg im Vergleich zu 2005 erheblich. Mitte 2009 betrug der Anteil der Bediensteten mit Planstelle 68% und für Ende 2009 wurde eine Quote von 70% erwartet. Dadurch sollten die Kosten für die Vertragsadministration sinken. Der Plan ging auch gegen die unausgewogene Anwerbung internationaler Bediensteter auf Länder- ebene vor. Ihr Anteil stieg im Zeitraum 2008–2009 in den Länderbüros um 7 Prozentpunkte von 16% auf 23%. Außerdem wurden die Auswahlverfahren effizienter gestaltet, indem Zuständig- keiten in erheblichem Umfang delegiert und die Außenstellen und Länderbüros stärker einbezo- gen wurden. EUR/RC60/4 Seite 21 Übertragung von Zuständigkeiten 2008 übertrug die Generaldirektorin die Zuständigkeit für gewisse Aufgaben an die Regionaldi- rektoren, die früher eine Zustimmung aus dem Hauptbüro erforderten. Dadurch konnten auf re- gionaler Ebene Stellen bis einschließlich der Dienstgrade P.6/D.1 besetzt, geschaffen, klassifi- ziert, reklassifiziert, verlängert oder abgeschafft werden. Im Laufe von 2008 übertrug die Leitung des Regionalbüros Zuständigkeiten an die Länderbü- ros, um die rechtzeitige Umsetzung der Arbeitspläne zu unterstützen und die Büros weiter zu stärken. Damit lag die letzte Verantwortung für die Verwaltung des Länderbudgets bei den Lei- tern der Länderbüros. Außerdem konnten die Leiter der Länderbüros und der Außenstellen den Vorsitz in Auswahlkomitees für Planstellen im gehobenen, mittleren und niederen Dienst über- nehmen und finanzielle Zusagen machen. 2009 fand die Übertragung von Zuständigkeiten für verbindliche Zusagen auf die vierte Ebene ihren Niederschlag im GSM, sodass die Dienstgrade über Ausgaben befinden konnten, wie folgt: • Projektleiter (0–10 000 US-$), • Referatsleiter, Leiter von Länderbüros und Außenstellen (10 001–25 000 US-$), • Direktoren der Abteilungen (25 001–70 000 US-$), • Direktor der Abteilung Verwaltung und Finanzen (>70 000 US-$). Eine interne Buchprüfung beim Länderbüro in der Russischen Föderation wies die erhöhte Effi- zienz und Effektivität durch die Übertragung von Zuständigkeiten nach. Öffentlichkeitsarbeit und Wissensverbreitung Das Regionalbüro hat seine Funktion als Sachwalter von Fachwissen im Zweijahreszeitraum ausgeweitet und vertieft. Es hat zu allen wichtigen WHO-Veranstaltungen Medienstrategien verfolgt und die fachlichen Aktivitäten in der Öffentlichkeit durch eine breite Streuung von Pressemitteilungen in allen Arbeitssprachen, Beantwortung von Medienanfragen und direkte Pressekontakte in den Ländern unterstützt. Insbesondere zu Vogelgrippe und Pandemie H1N1/2009 hat es durch klare Kommuniques eine wachsende Zahl von Journalisten für die Ar- beit des Regionalbüros interessiert. Im Zeitraum 2008–2009 hat die Website des Regionalbüros (58) fast 200 Nachrichten veröffent- licht, über 75 Ereignisse berichtet und 40 neue Publikationen sowie 30 illustrierte Geschichten vorgestellt. Täglich und wöchentlich wurde aktuell über die pandemischen Ausbrüche berichtet (18) und die Zahl der Besucher der Website stieg in April und Mai 2009 auf das Fünffache. Die Website zum Thema Grippe wurde in allen vier Sprachen nach den Bedürfnissen der Akteure umgestaltet. Sonderseiten wurden für zentrale Veranstaltungen der Organisation und die 15 Länderbüros geschaffen. 2009 wurde doppelt so viel Material ins Deutsche und Französische und dreimal so viel ins Russische übersetzt wie 2008. Ein Drittel der offiziellen Veröffentlichungen wurde in zwei der Arbeitssprachen übersetzt. Zweitausend Dokumente wurden über das Internet verbreitet. Im Zeitraum 2008–2009 stieg die Nachfrage nach Veröffentlichungen des Regionalbüros und die Verkaufszahlen, Downloads und Übersetzungsanfragen übertrafen alle gesetzten Zielmarken. Daraus lässt sich das gewachsene Interesse an Wissensprodukten gut ablesen. Zwei Veröffentli- chungen gewannen renommierte Preise der British Medical Association (14,42). EUR/RC60/4 Seite 22 Im gesamten Zweijahreszeitraum war die Datenbank Gesundheit für alle (59) das beliebteste Informationsprodukt. Im Dezember 2009 organisierte das Regionalbüro mit Unterstützung der türkischen Regierung die erste Tagung nationaler und internationaler Ansprechpartner, die ge- meinsam an dieser Datenbank arbeiten, in Antalya. Die Gesundheitsinformationssysteme des Regionalbüros sollten hierdurch einen zusätzlichen Impuls erhalten. Die Diskussionen konzent- rierten sich auf Beispiele vorbildlicher Praktiken aus nationalen Gesundheitsinformationssyste- men, eine gemeinsame Datenerhebung mit EUROSTAT (dem statistischen Amt der EU), integ- rierte WHO-Datenbanken, Datenqualität und Leistungsüberprüfung von Gesundheitssystemen. Über sein Büro in Brüssel verbreitete das Regionalbüro seine Informationsmaterialien an einen breiten Fächer aus EU-Partnern und EU-relatierten Akteuren. Die rapide zunehmende Nachfra- ge nach WHO-Beiträgen und Ansichten war symptomatisch für wachsende Bedeutung des Re- gionalbüros in der Gesundheitsdebatte der EU. Leitende Organe Das WHO-Regionalkomitee für Europa kam 2008 in Tiflis (Georgien) und 2009 in Kopenhagen (Dänemark) zu seiner jährlichen Tagung zusammen (3,11). Führungsfragen im Gesundheitsbe- reich in der Europäischen Region der WHO waren ein zentrales Thema sämtlicher fachlichen und konzeptionellen Diskussionen dieser Regionalkomitees und für den weiteren Verlauf dieses Diskurses wurde eine Agenda festgelegt. 2008 wurde eine Regionale Auswahlkommission für Kandidaten für das Amt des Regionaldirektoren ernannt, die das Ergebnis ihrer Arbeit dem Re- gionalkomitee 2009 vorlegte. Neben der Annahme von Resolutionen zu den Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise auf die Gesundheit in der Region, zu personalpolitischen Konzepten im Gesundheitswesen und zur Durchführung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (19) sind die Nominierung von Frau Zsuzsanna Jakab als Regionaldirektorin und der Dank an Dr. Marc Danzon für seine zehnjährige Amtszeit von der 59. Tagung des Regionalkomitees (11) zu berichten. Der Ständige Ausschuss des Regionalkomitees (SCRC) wählt die vom Regionalkomitee zu be- handelnden Themen aus (60). Der 15. und der 16. SCRC traten mehrmals im Jahr zusammen und arbeiteten noch enger mit dem Sekretariat des Regionalbüros und dem Regionalkomitee zusammen. Dies führte zu zielgerichteten und sachorientierten Tagungen des Regionalkomitees und zu Fortschritten in einer Reihe der behandelten Fragen. Erstmalig wurde im Zweijahreszeitraum eine Befragung zur Zufriedenheit der Mitgliedstaaten mit der Arbeit des Regionalbüros durchgeführt. 91% der Antworten bezeugten Zufriedenheit mit der Arbeit des Regionalbüros insgesamt. Diese Befunde bestärkten das Regionalbüro in sei- ner Entschlossenheit und in seinem Engagement mit den Ländern. Die Ergebnisse dienten auch als Leitfaden für die Weiterentwicklung der Angebote. Literatur 1. 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Europäische Datenbank Gesundheit für alle (GFA) [Website]. Kopenhagen, WHO- Regionalbüro für Europa, 2010 (http://www.euro.who.int/hfadb, eingesehen am 1. Juli 2010). 60. Ständiger Ausschuss des Regionalkomitees [Website].Kopenhagen, WHO-Regionalbüro für Europa, 2010 (http://www.euro.who.int/de/who-we-are/governance/standing- committee, eingesehen am 1. Juli 2010). EUR/RC60/4 Seite 27 Anhang: Umsetzung des Programmhaushalts 2008–2009 Bei der Leistungsbewertung des Programmhaushalts wird evaluiert, inwieweit das Sekretariat die organisationsweit erwarteten Ergebnisse erreicht hat, über die es Rechenschaft ablegen muss. Diese Evaluierung ist ein fester Bestandteil des ergebnisorientierten Managementrahmens der WHO. Zum zweijährlich durchgeführten Prozess gehören eine regelmäßige Überwachung der Arbeitspläne und eine Halbzeitbilanz der Fortschritte in Bezug auf die erwarteten Ergebnis- se. Die Resultate dienen als Grundlage der Entscheidungen über Programmänderungen und den Programmhaushaltsentwurf für die nächste Zweijahresperiode. In der Bewertung werden die wichtigsten Errungenschaften des Sekretariats herausgestellt sowie Erfolgsfaktoren, Einschrän- kungen und gewonnene Erkenntnisse beschrieben. Darüber hinaus werden zur Leistungsverbes- serung erforderliche Maßnahmen genannt. In dem Prozess wird von unten nach oben, also von der nationalen zur regionalen Ebene, überprüft, inwieweit in Arbeitsplänen enthaltene Produkte und Dienstleistungen erbracht sowie Zielvorgaben für erwartete Ergebnisse erreicht wurden und die Realisierung dieser Ergebnisse gemeldet wurde. 2008–2009 begann eine sorgfältige und systematische Überprüfung der Indikatoren für die or- ganisationsweit erwarteten Ergebnisse (OWER) im mittelfristigen strategischen Plan, um die Transparenz zu stärken und die Messung und Rückmeldung zu erleichtern. Die meisten Indika- toren wurden verfeinert, andere wurden ersetzt, wenn sie ungeeignet zur adäquaten Messung der Ergebnisse waren. Es wurde erkannt, dass eine Nachvollziehung der Fortschritte und Bewertung der Erfolge noch größere Anstrengungen für ein schlüssiges Datenmanagement in Bezug auf Indikatoren und Ziele auf allen Organisationsebenen erfordert. Nach Einführung des neuen Glo- balen Management-Systems (GSM) arbeiteten die Bediensteten daran, Ergebnisse und Indikato- ren zwischen Länderebene und Gesamtorganisation zu verknüpfen. Die Validierung und Aggre- gierung der Indikatordaten für Ausgangslage und Ziel dauert an. Tabelle 1 enthält einen Überblick über die finanzielle Umsetzung (Teil A) und das Erreichen der erwarteten Ergebnisse (Teil B) in der Europäischen Region. Zu jedem strategischen Ziel enthält Teil A den Haushaltsposten, die verfügbaren Mittel und die tatsächlichen Ausgaben, den Anteil an den Gesamtausgaben auf nationaler, regiona- ler/internationaler Ebene und die Umsetzungsrate angesichts der verfügbaren Mittel. Die Aus- gaben auf regionaler/internationaler Ebene enthalten auch die Lohnkosten für Bedienstete in Kopenhagen oder in den Außenstellen, die zum Erreichen der erwarteten Ergebnisse auf inter- nationaler wie nationaler Ebene beitragen. Seit der Billigung der Länderstrategie „Die Dienste den neuen Anforderungen anpassen“ durch das Regionalkomitee im September 2000 hat das Regionalbüro in Übereinstimmung mit dieser seine Bemühungen verstärkt, in und mit den Ländern nationale Entwicklungspläne zu entwi- ckeln und Prioritäten der Länder zu unterstützen. Der Erfolg dieser Neuausrichtung spiegelt sich in dem Anteil der Ausgaben auf nationaler Ebe- ne im Vergleich zu denen auf internationaler Ebene 2008–2009 wider (43% zu 57% gegenüber 25% zu 75% im vorangegangenen Zweijahreszeitraum). Dadurch rückt die Umsetzung näher an das im Programmhaushalt angestrebte Verhältnis (54% zu 46%) heran. Außerdem wurden zur Unterstützung und Ermöglichung der Umsetzung auf Länderebene die Investitionen in die stra- tegischen Ziele 12 und 13 erhöht, damit die erforderliche Länderpräsenz gewährleistet ist. Aus Teil B geht hervor, in welchem Ausmaß die erwarteten Ergebnisse auf nationaler, internati- onaler und regionaler Ebene erreicht wurden, wobei die aggregierten Ergebnisse nach strategi- schem Ziel angezeigt werden. Es besteht eine 1:n-Beziehung zwischen einem auf regionaler Ebene erwarteten Ergebnis einerseits und den auf der nationalen sowie internationalen Ebene erwarteten Ergebnissen andererseits. Ein regional erwartetes Ergebnis wird also durch das EUR/RC60/4 Seite 28 Erreichen mehrerer national und international erwarteter Ergebnisse verwirklicht. Die gezeigten Zahlen sind den aggregierten globalen Ergebnissen im Bericht über die Leistungsbewertung des Programmhaushalts für 2008–2009 entnommen. Im Vergleich der Gesamtergebnisse zu 2006– 2007 ging die Zahl der nicht erreichten Ziele signifikant zurück. Beim Vergleich der tatsächlichen Ausgaben mit dem Programmhaushalt müssen eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden: • die Zweckbindung vieler der Organisation überlassener Mittel und die sich daraus erge- bende Unterfinanzierung gewisser strategischer Ziele trotz insgesamt solider Finanzie- rungsgrundlage sowie die Auswirkung der Finanzkrise auf die Mittelbeschaffung (z. B. waren im Haushalt für das strategische Ziel 4 doppelt so viele Mittel veranschlagt, als zur Verfügung gestellt wurden, und lag damit auch um das Zweifache über dem Ausgabenni- veau des Regionalbüros); • die zunehmende Abhängigkeit von freiwilligen Beiträgen, die erhebliche Überträge in den nächsten Zweijahreszeitraum erforderlich macht, damit die Umsetzung nicht unter- brochen werden muss; • spät im Zweijahreszeitraum eintreffende Beiträge. Diese Faktoren wirken sich auch auf die Erbringung der erwarteten Ergebnisse aus, wie am Ni- veau der teilweise erwarteten Ergebnisse in Teil B zu ersehen ist. Trotz dieser Probleme – die auch im globalen Haushalt deutlich zu erkennen sind – hat das Regionalbüro eine hohe Umset- zungsrate im Verhältnis zu den verfügbaren Ressourcen erzielt (86%). E U R /R C 6 0 /4 S e ite 2 9 Tabelle 1: Umsetzung nach Strategischem Ziel 2008–2009 Teil A: Finanzielle Umsetzung Anteil an den Ausgaben (%) Strategische Ziele (SZ) Programm- haushalt (US-$) Insgesamt verfügbare Mittel (US-$) Gesamtaus- gaben (US-$) Ausgaben (%) Für Haushalt verfügbare Mittel (%) Umsetzung aus verfügbaren Mitteln (%) Land regional, international 1 35 152 604 30 172 211 26 095 005 18 86 86 50 50 2 35 659 486 27 138 143 23 057 464 16 76 85 54 46 3 15 603 372 10 535 859 8 053 420 6 68 76 45 55 4 14 500 000 7 682 902 6 973 493 5 53 91 59 41 5 20 874 000 12 299 003 10 608 653 7 59 86 83 17 6 12 489 000 11 207 037 9 559 182 7 90 85 50 50 7 6 515 381 6 739 230 4 164 967 3 103 62 36 64 8 21 858 000 20 831 388 16 987 575 12 95 82 26 74 9 5 902 076 3 873 288 2 839 933 2 66 73 40 60 10 50 552 462 37 925 833 29 533 069 21 75 78 32 68 11 4 474 000 4 312 164 3 635 048 3 96 84 54 46 Zwischensumme (SZ 1–11) 223 580 381 172 717 058 141 507 809 70 77 82 46 54 12 25 300 000 25 139 702 24 902 702 40 99 99 43 57 13 39 054 000 37 618 338 37 065 359 60 96 99 28 72 Zwischensumme (SZ 12–13) 64 354 000 62 758 040 61 968 061 30 98 99 34 66 Insgesamt 287 934 381 235 475 098 203 475 870 100 82 86 43 57 EU R /R C 6 0 /4 S e ite 3 0 Abschnitt B: Erzielen der erwarteten Ergebnisse Erwartete Ergebnisse vollständig innerhalb der Kategorie erreicht (%) Erwartete Ergebnisse teilweise innerhalb der Kategorie erreicht (%) Erwartete Ergebnisse vollständig und teilweise innerhalb der Kategorie erreicht [%] Strategische Ziele (SZ) National International Regional National International Regional National International Regional 1 67 75 78 31 25 11 98 100 89 2 79 60 67 21 40 33 100 100 100 3 96 50 67 4 50 33 100 100 100 4 57 100 71 43 29 100 100 100 5 85 80 67 15 20 33 100 100 100 6 89 86 67 11 14 33 100 100 100 7 90 33 60 10 67 40 100 100 100 8 53 60 80 42 40 20 95 100 100 9 86 100 83 14 17 100 100 100 10 61 55 75 30 41 25 91 96 100 11 85 75 100 15 25 100 100 100 Zwischensumme (SZ 1–11) 72 69 73 25 30 25 97 99 98 12 96 89 100 4 11 100 100 100 13 75 67 25 33 100 100 Zwischensumme (SZ 12–13) 96 85 80 4 15 20 100 100 100 Insgesamt 74 71 74 23 28 25 97 99 99

Основные сведения
Тип документа Governing Bodies documents
Дата принятия
Источник Всемирная организация здравоохранения