Bericht über die 62. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa Malta, 10.–13. September 2012 Schlüsselwörter REGIONAL HEALTH PLANNING HEALTH POLICY HEALTH PRIORITIES RESOLUTIONS AND DECISIONS WORLD HEALTH ORGANIZATION EUROPE EUR/RC62/REP Anfragen zu Veröffentlichungen des WHO-Regionalbüros für Europa richten Sie bitte an: Publications WHO Regional Office for Europe Scherfigsvej 8 DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Oder füllen Sie auf der Website des Regionalbüros für Europa ein Online-Formular für Dokumentation/Information bzw. die Genehmigung zum Zitieren/Übersetzen aus (http://www.euro.who.int/PubRequest?language=German). © Weltgesundheitsorganisation 2012 Alle Rechte vorbehalten. Das Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation begrüßt Anträge auf Genehmigung zur teilweisen oder vollständigen Reproduktion oder Übersetzung seiner Veröffentlichungen. Die in dieser Publikation benutzten Bezeichnungen und die Darstellung des Stoffes beinhalten keine Stellung- nahme seitens der Weltgesundheitsorganisation bezüglich des rechtlichen Status eines Landes, eines Territori- ums, einer Stadt oder eines Gebiets bzw. ihrer Regierungs-/Verwaltungsinstanzen oder bezüglich des Verlaufs ihrer Staats- oder Gebietsgrenzen. Gestrichelte Linien auf Karten bezeichnen einen ungefähren Grenzverlauf, über den möglicherweise noch keine vollständige Einigkeit besteht. Die Erwähnung bestimmter Firmen oder Erzeugnisse bedeutet nicht, dass diese von der Weltgesundheitsorga- nisation unterstützt, empfohlen oder gegenüber ähnlichen, nicht erwähnten bevorzugt werden. Soweit nicht ein Fehler oder Versehen vorliegt, sind die Namen von Markenartikeln als solche kenntlich gemacht. Die Weltgesundheitsorganisation hat alle angemessenen Vorkehrungen getroffen, um die in dieser Publikation enthaltenen Informationen zu überprüfen. Dennoch wird die Veröffentlichung ohne irgendeine explizite oder im- plizite Gewähr herausgegeben. Die Verantwortung für die Deutung und den Gebrauch des Materials liegt bei der Leserschaft. Die Weltgesundheitsorganisation schließt jegliche Haftung für Schäden aus, die sich aus dem Gebrauch des Materials ergeben. Die von den Autoren, Redakteuren oder Expertengruppen geäußerten Ansichten sind nicht unbedingt Ausdruck der Beschlüsse oder der erklärten Politik der Weltgesundheitsorganisation. INHALT Seite Eröffnung der Tagung .......................................................................................................................... 1 Wahl der Tagungsleitung ............................................................................................................... 1 Annahme der Tagesordnung und des Arbeitsprogramms .............................................................. 1 Ansprache Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark ......................................... 2 Ansprache der WHO-Regionaldirektorin für Europa ............................................................................ 3 Ansprachen des Europäischen Kommissars für Gesundheit und Verbraucherpolitik und des Stellvertretenden Generalsekretärs der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ........................................................................................................................................ 8 Angelegenheiten, die sich aus Resolutionen und Beschlüssen der Weltgesundheitsversammlung und des Exekutivrates ergeben .......................................................................................................... 10 Globaler Aktionsplan zur psychischen Gesundheit ..................................................................... 10 Globales Beobachtungssystem für nichtübertragbare Krankheiten ............................................. 10 Beratende Expertengruppe Forschung und Entwicklung ............................................................. 12 Ansprache der Generaldirektorin der WHO ........................................................................................ 14 Bericht des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des WHO-Regionalkomitees für Europa .............. 16 Europäisches Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ für gesamtstaatliches und gesamt- gesellschaftliches Handeln zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden ............................... 18 Die Evidenzgrundlage für „Gesundheit 2020“ ............................................................................. 18 Zusammenfassung des Europäischen Gesundheitsberichts 2012: Mehr Gesundheit und Wohlbefinden für Europa ........................................................................................................... 19 Zentrale Aussagen aus den einschlägigen Studien ....................................................................... 19 Diskussion über „Gesundheit 2020“ ............................................................................................ 22 Reform der WHO ................................................................................................................................ 25 Zwölftes Allgemeines Arbeitsprogramm 2014–2019 .................................................................. 25 Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 – Die Perspektive der Europäischen Region ................ 28 Auswirkungen der WHO-Reform auf die Tätigkeit des Regionalbüros für Europa .................... 31 Rückmeldungen aus den parallelen Arbeitsgruppensitzungen ..................................................... 32 Wahlen und Nominierungen ............................................................................................................... 34 Exekutivrat ................................................................................................................................... 34 Ständiger Ausschuss des Regionalkomitees ................................................................................ 34 Europäischer Ministerausschuss für Umwelt und Gesundheit ..................................................... 34 Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) ............... 34 Europäischer Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit .................................................................................................................... 36 Eine Länderstrategie für das WHO-Regionalbüro für Europa (2012–2014) ....................................... 38 Stärkung der Rolle der Außenstellen des Regionalbüros für Europa: eine erneuerte Strategie für die Europäische Region ............................................................................................................... 40 Evaluation des Europäischen Forums für Gesundheitspolitik auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter ............................................................................................................................. 42 Bestätigung von Ort und Zeitpunkt der ordentlichen Tagungen des Regionalkomitees in den Jahren 2013–2016 ................................................................................................................... 43 Abschluss der Tagung ......................................................................................................................... 44 Resolutionen und Beschlüsse .............................................................................................................. 45 EUR/RC62/R1. Bericht der Regionaldirektorin über die Arbeit der WHO in der Europäischen Region im Zeitraum 2010–2011 .......................................................................... 45 EUR/RC62/R2. Bericht des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees ........ 45 EUR/RC62/R3. Zwölftes Allgemeines Arbeitsprogramm und Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 ..................................................................................... 46 EUR/RC62/R4. „Gesundheit 2020“ – das Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden ................................................................................................... 47 EUR/RC62/R5. Europäischer Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit .......................................................................................... 50 EUR/RC62/R6. Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) ............................................................................................................................... 52 EUR/RC62/R7. Eine Länderstrategie für das WHO-Regionalbüro für Europa (2012–2014) ..... 54 EUR/RC62/R8. Ort und Zeitpunkt der ordentlichen Tagungen des Regionalkomitees in den Jahren 2013 bis 2016 ....................................................................................................... 56 EUR/RC62(1). Globaler Kontrollrahmen für nichtübertragbare Krankheiten ............................. 56 EUR/RC62(2). Stärkung der Rolle der Außenstellen des Regionalbüros für Europa: eine erneuerte Strategie für die Europäische Region ................................................................. 57 Anhang 1: Tagesordnung .................................................................................................................... 58 Anhang 2: Liste der Arbeitspapiere ..................................................................................................... 60 Anhang 3: Liste der Repräsentanten und anderen Teilnehmer ............................................................ 62 Anhang 4: Ansprache der Regionaldirektorin ..................................................................................... 84 Anhang 5: Ansprache der Generaldirektorin ....................................................................................... 97 WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 1 Eröffnung der Tagung Die 62. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa fand vom 10. bis 13. September 2012 im Ho- tel Hilton in San Giljan (Malta) statt. An der Tagung nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus 51 Mit- gliedstaaten der Region teil. Außerdem zugegen waren Beobachter aus einem Mitgliedstaat der Wirt- schaftskommission für Europa sowie Vertreter des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, des Be- völkerungsfonds der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der Organisation für wirtschaftli- che Zusammenarbeit und Entwicklung und von nichtstaatlichen Organisationen. Die erste Arbeitssitzung wurde von Prof. Ogtay Shiraliyev, dem scheidenden Exekutivpräsidenten, eröffnet. Die Teilnehmer wurden vom Premierminister Maltas, Lawrence Gonzi, begrüßt, der an die lange medizinische Tradition seines Landes erinnerte, die auf die Ankunft des Johanniterordens von Jerusalem in Malta sowie die Gründung der Sacra Infermeria im Jahr 1575 zurückgehe. Er fügte hin- zu, zu den Schwerpunkten der Arbeit seiner Regierung zählten nach wie vor Surveillance und Präven- tion, Gesundheitsversorgung, Umweltschutz und die Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal. Die aktuelle Wirtschaftskrise stelle die Regierungen vor Herausforderungen im Hinblick auf die Nachhal- tigkeit der Gesundheitssysteme, doch könne sie auch als eine Chance zum Reflektieren, zur Neuord- nung der Prioritäten und zur Einführung neuer Systeme für Verwaltung und Politikgestaltung begrif- fen werden. Er sei überzeugt, die Tagung des Regionalkomitees werde wichtige Impulse für weitere Verbesserungen in der Gesundheit der Bevölkerung in der Europäischen Region setzen. Wahl der Tagungsleitung In Übereinstimmung mit Regel 10 seiner Geschäftsordnung wählte das Regionalkomitee die folgende Tagungsleitung: Dr. Joseph R. Cassar (Malta) Präsident Dr. Lars-Erik Holm (Schweden) Exekutivpräsident Dessislava Dimitrova (Bulgarien) Stellvertretende Exekutivpräsidentin Dr. Samir Abdullayev (Aserbaidschan) Berichterstatter Annahme der Tagesordnung und des Arbeitsprogramms (EUR/RC62/2 Rev.1 und EUR/RC62/3 Rev.1) Das Regionalkomitee nahm die Tagesordnung (Anhang 1) und das Arbeitsprogramm an. 2 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Ansprache Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark Als Schirmherrin des Regionalbüros erklärte die Kronprinzessin in ihrer Rede, ihre Bemühungen zur Herbeiführung von Veränderungen und zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden seien vor allem auf die Bereiche Impfwesen, antimikrobielle Resistenz (AMR) und Gesundheit von Müttern und Kindern gerichtet. Impfmaßnahmen seien nach sicherem Trinkwasser die sicherste und kosteneffek- tivste Gesundheitsintervention bei der Zurückdrängung von Krankheiten und der Senkung der Mortali- tät; trotzdem erhielten weltweit immer noch fast 650 000 Kinder jährlich nicht die erforderlichen drei Dosen des Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Impfstoffs vor Vollendung ihres ersten Lebensjahrs. Die Ausbrüche impfpräventabler Krankheiten in jüngster Zeit hätten gezeigt, dass die Länder kontinuierli- che Anstrengungen für die Bewusstseinsbildung und die Aufrechterhaltung einer hohen Durchimpfung unternehmen müssten. Der zehnte Jahrestag der Zertifizierung der Europäischen Region der WHO als poliofrei zeuge von der Effektivität von Impfmaßnahmen bei der Krankheitsbekämpfung. Auf einer von Dänemark im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft veranstalteten Konferenz zum Thema antimikrobielle Resistenz hätten sie wie auch andere Redner, darunter auch die Generaldirekto- rin der WHO und der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, einen verantwortungs- bewussten Umgang mit Antibiotika, eine systematische Überwachung von Antibiotikagebrauch und -resistenz sowie die Förderung der Entwicklung neuer Antibiotika gefordert. Wie im Impfwesen so sei auch im Bereich der antimikrobiellen Resistenz ein entschlossenes Handeln aller Mitgliedstaaten in der Region erforderlich, um eine große Errungenschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu schützen. Auch wenn die Europäische Region substanzielle Fortschritte im Kampf gegen die Mütter-, Säuglings- und Kindersterblichkeit erzielt habe, so seien doch die großen Diskrepanzen zwischen wie auch inner- halb von Ländern nicht hinnehmbar. Die Kronprinzessin erklärte, nach ihren Bemühungen, gemeinsam mit der WHO, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), Maternity Worldwide und anderen nichtstaatlichen Organisationen sowie der dänischen Regierung auf eine verstärkte Sensibilisie- rung für diese Problematik hinzuarbeiten, freue sie sich darauf, künftig auch die Länder der Europäi- schen Region darin unterstützen zu können, jeder Frau und jedem Kind Zugang zu einem leistungsfähi- gen Gesundheitssystem mit guten Angeboten im Bereich Reproduktionsgesundheit zu verschaffen. Die anhaltenden Anstrengungen der Mitgliedstaaten hätten positive gesundheitliche Trends innerhalb der Europäischen Region in Gang gesetzt, und deshalb würden die bevorstehenden Beratungen des Regio- nalkomitees über das neue Rahmenkonzept und die Strategie „Gesundheit 2020“ den Beginn eines er- neuerten Engagements zur Verbesserung der Gesundheitssituation einläuten, an dem nicht nur die Ebene der Gesundheitsministerien, sondern auch Staat und Gesellschaft in ihrer Gesamtheit beteiligt seien. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 3 Ansprache der WHO-Regionaldirektorin für Europa (EUR/RC62/5, EUR/RC62/Conf.Doc./1) In ihrer Ansprache (Anhang 4) gab die Regionaldirektorin einen Überblick über die wichtigsten ge- meinsamen Erfolge des Regionalbüros und erläuterte dessen Pläne in sechs Handlungsbereichen: Be- wältigung der Herausforderungen und Prioritäten in der Europäischen Region; Stärkung der Gesund- heitssysteme; Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten und Gesundheitsförderung; Fortsetzung der Arbeit an noch nicht erledigten Aufgaben im Bereich der übertragbaren Krankheiten; Stärkung von Vorsorge-, Surveillance- und Gegenmaßnahmen für Notlagen; und Führungsfragen beim Regio- nalbüro, Partnerschaften und strategische Kommunikation. Sie erklärte, sie habe ihr Amt im Jahr 2010 mit einer auf fünf Jahre angelegten Zukunftsvision für mehr Gesundheit in der Europäischen Region angetreten und sich dazu konkret sieben strategisch vor- rangige Bereiche vorgenommen. Dabei habe sie insbesondere drei Herausforderungen im Auge ge- habt: die zunehmenden Ungleichgewichte in Bezug auf die Gesundheitssituation und die Entwicklung der Gesundheitssysteme innerhalb von wie auch zwischen Ländern, die Bevölkerungsalterung und die Bedeutung der nichtübertragbaren Krankheiten. Dank der Anstrengungen des Regionalbüros, der Mit- gliedstaaten und der Partnerorganisationen sei die Arbeit in allen sieben Bereichen entweder abge- schlossen oder zumindest weit fortgeschritten. Das Regionalbüro habe „Gesundheit 2020“, das neue europäische Rahmenkonzept mit der dazu gehörigen Strategie, in einem Prozess ausgearbeitet, der partizipatorisch und auf Evidenz gestützt gewesen sei und im Einklang mit der im Gange befindlichen Reform der WHO gestanden habe. In „Gesundheit 2020“ würden nachdrücklich Maßnahmen zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten in der Europäischen Region durch konsequentes Ansetzen an deren sozialen Determinanten propagiert. Das Regionalbüro arbeite mit seinem neuen Programm „An- fälligkeit und Gesundheit“, mit einem Projekt über Migration und öffentliche Gesundheit (mit Unter- stützung Belgiens und Italiens) sowie durch Unterstützung der Anstrengungen der Länder zur Umset- zung der Strategien der EU zugunsten der Ethnie der Roma auf eine Verwirklichung des Rechts von Frauen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen auf Gesundheit hin. Es unterstütze außerdem die Anstrengungen der Länder zur Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele (MZ) und arbeite darauf hin, der Gesundheit einen bedeutenden Stellenwert auf der entwicklungspolitischen Agenda nach 2015 zu verschaffen. Das Regionalbüro ermutige die Länder dazu, in ihren Gesundheitssystemen eine allgemeine Versor- gung anzustreben. Es werde dem Regionalkomitee einen Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit vorlegen und habe seine Arbeit im Bereich der integrierten Leistungserbringung im Gesundheitswesen forciert. Darüber hinaus werde es im Jahr 2013 auf einer Tagung mit den Mitgliedstaaten in Estland eine Bilanz der Fortschritte bei der Erfüllung der Verpflichtungen aus der Charta von Tallinn: „Gesundheitssysteme für Gesundheit und Wohlstand“ ziehen. Es sei den Ländern auch bei der Bewältigung der Folgen der Finanzkrise durch eine Verände- rung der konzeptionellen Ausrichtung behilflich, die eine Stärkung der finanziellen Absicherung, Effi- zienzverbesserungen, Investitionen in den Bereich öffentliche Gesundheit und eine Ausweitung der 4 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Versichertenzahlen beinhalte. Es habe auch bereits mit den Vorbereitungen auf eine Tagung in Nor- wegen begonnen, auf der über das weitere Vorgehen auf diesem Gebiet beraten werden solle, und ha- be eine Tagung mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum Thema nachhaltige Finanzierung gehalten. Ferner habe es Schulungen zum Thema Gesundheits- finanzierung durchgeführt und plane eine weitere Veranstaltung speziell für EU-Staaten. Im Einklang mit dem Globalen Verhaltenskodex der WHO für die grenzüberschreitende Anwerbung von Gesund- heitsfachkräften unterstütze das Regionalbüro die Mitgliedstaaten auch beim Aufbau eines nachhalti- gen Fachkräfteangebots im Gesundheitswesen. Um verwertbare Evidenz für politische Entscheidungs- prozesse in den Ländern bereitzustellen, habe es eine Suche in seinen Datenbanken durchgeführt und arbeite gemeinsam mit der EU und der OECD am Aufbau eines integrierten Gesundheitsinformations- systems; außerdem werde es ein Europäisches Netzwerk für evidenzgeleitete Konzepte starten. Das Regionalbüro habe mit der Umsetzung des Aktionsplans der Europäischen Region zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (2012–2016) sowie der Politischen Erklärung der Vereinten Nationen über nichtübertragbare Krankheiten begonnen; dies geschehe vor allem durch Stärkung von Partnerschaften und durch mehr fachliche Unterstützung für Länder, die hier konkrete Erfolge vorweisen könnten, wie etwa die Türkei, die Russische Föderation und die Ukraine. Durch Zusammenarbeit mit Norwegen, Dänemark, der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der OECD seien wichtige Fortschritte in Bereichen wie Beobachtung nichtübertragbarer Krank- heiten, Befähigung von Patienten, Krebsbekämpfung und Diabetes erzielt worden. Gemeinsam mit Partnern wie der EU sei das Regionalbüro den Ländern bei der Umsetzung eines breiten Spektrums von Instrumenten zur Förderung und Verbesserung von Gesundheit behilflich; zu diesen gehörten der Aktionsplan zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums (2012–2020), das Rahmenübereinkom- men der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC) und der Europäische Aktionsplan Nah- rung und Ernährung (2007–2012). Bei der Arbeit zur Verbesserung der Gesundheit von Müttern, Kin- dern und Jugendlichen liege der Schwerpunkt auf dem Abbau von Ungleichheiten sowie auf der Verbes- serung von Qualität und Zugänglichkeit der Angebote im Bereich Reproduktionsgesundheit. Schließlich habe das Regionalbüro im Rahmen des Weltgesundheitstages 2012 auch das Thema gesundes Altern vorangetrieben (u. a. in Zusammenarbeit mit der dänischen Präsidentschaft) und habe eine Strategie und einen Aktionsplan für gesundes Altern zur Vorlage an das Regionalkomitee ausgearbeitet. Bei der Bekämpfung übertragbarer Krankheiten habe das Regionalbüro zusammen mit den Mitglied- staaten und den Partnerorganisationen – darunter der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tu- berkulose und Malaria, die EU, das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die dänische EU-Präsidentschaft – mit der umfassenden Umsetzung der auf dem Regionalkomitee im Jahr 2011 verabschiedeten Aktionspläne gegen medikamentenresistente Tu- berkulose, HIV/Aids und bakterielle Resistenz begonnen. Zusammen mit dem ECDC werde das Regi- onalbüro ab 2012 den Europäischen Antibiotikatag auch auf Mitgliedstaaten außerhalb der EU auswei- ten. Die Regionaldirektorin konnte als Erfolge vermelden, dass die Europäische Region auf dem bes- ten Wege zur Eliminierung der Malaria bis 2015 sei und weiterhin den Status als poliofrei halte. Gleichzeitig versprach sie aber auch, in Bezug auf Polio nicht nachzulassen, die Mitgliedstaaten wei- terhin bei der Eliminierung von Masern und Röteln bis 2015 zu unterstützen (einem Ziel, das durch größere Ausbrüche mittlerweile gefährdet sei) und zusammen mit den Ländern die Ausarbeitung eines Aktionsplans der Region gegen Vektor- und Parasitenkrankheiten voranzutreiben. Das Regionalbüro werbe nach wie vor aktiv für Impfmaßnahmen, namentlich durch die Europäische Impfwoche, an der WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 5 in diesem Jahr sämtliche 53 Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region teilgenommen hätten, aber auch im Rahmen der Weltimpfwoche 2012. In enger Zusammenarbeit mit den Regierungen, dem WHO-Hauptbüro, der EU und ihren Institutio- nen, wie dem ECDC und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), unterstütze das Regionalbüro die Länder bei der Bewältigung von Notlagen und Gesundheitskrisen, beim Ausbau ihrer Kapazitäten für Notfallvorsorge und Gegenmaßnahmen im Rahmen der Internationalen Gesund- heitsvorschriften (IGV) sowie bei der Vorbereitung auf die bzw. Bewältigung der gesundheitlichen Anforderungen im Hinblick auf Massenveranstaltungen. Das Regionalbüro habe auch innerhalb des globalen Rahmens der WHO für die Reaktion im Krisenfall seine Notfallverfahren gestärkt und er- probt und Griechenland, Italien, Malta und die Türkei bei der Bewältigung von Migrations- und Flüchtlingsströmen unterstützt. Im Bereich Umwelt und Gesundheit habe das Regionalbüro seine fach- liche Arbeit intensiviert, mit Unterstützung durch Deutschland seine Programme konsolidiert und den Europäischen Ministerausschuss für Umwelt und Gesundheit dabei unterstützt, den Prozess aktiv voranzutreiben. Partnerschaften, auch innerhalb der WHO, seien für alle Bereiche der Arbeit der WHO von entschei- dender Bedeutung. Deshalb habe die Organisation ihre Kontakte zu Organisationen der Vereinten Na- tionen wie auch zur EU, zu globalen Partnerschaften und zu den jeweiligen Inhabern der EU- Präsidentschaft ausgebaut und werde noch während der Tagung des Regionalkomitees einen gemein- samen Aktionsplan mit der OECD unterzeichnen. Zu einer gestärkten Führung des Regionalbüros im Sinne der WHO-Reform gehörten eine gewichtigere Rolle für das Regionalkomitee, eine verstärkte Beteiligung an der Arbeit des Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees (SCRC) in Verbindung mit mehr Transparenz sowie umfassendere Konsultationen mit den Mitgliedstaaten im Rahmen des Europäischen Forums für Gesundheitspolitik auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter, dessen bisherige Tagungen in Andorra, Belgien und Israel stattgefunden hätten. Die Regionaldirektorin be- grüßte die eingehenden Diskussionen über die Finanzen des Regionalbüros, die das Regionalkomitee auf dieser Tagung führen werde, und zeigte sich erfreut über die Gelegenheit, zusammen mit dem Stellvertretenden Generaldirektor den Vorsitz in einer globalen Sonderarbeitsgruppe für die Beschaf- fung von Finanzmitteln und die Verteilung der Mittel innerhalb der WHO zu führen. Zur Stärkung der Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten habe das Regionalbüro damit begonnen, konkrete Länder- Kooperationsstrategien auszuarbeiten; als erstes Land sei die Schweiz an der Reihe gewesen. Zum Abschluss ihrer Ansprache schilderte die Regionaldirektorin, wie das Regionalbüro traditionelle und neue Kommunikationswege dazu nutze, seine Arbeit zu erleichtern und an die Öffentlichkeit zu tragen. In der anschließenden Aussprache erhielt die Regionaldirektorin viel Lob für ihren Bericht, ihre Zu- kunftsvision von mehr Gesundheit für die Europäische Region und die Fortschritte des Regionalbüros bei ihrer Verwirklichung, für ihr Bekenntnis zur WHO-Reform und zur Führungsrolle bei der konzep- tionellen Entwicklung sowie für ihre Unterstützung an eine Reihe von Ländern bei ihren Anstrengun- gen zur Verbesserung der Gesundheit ihrer Bevölkerung. Die Mitgliedstaaten forderten das Regional- büro auf, hinsichtlich seiner Aktivitäten Prioritäten zu setzen (auch durch Reduzierung des Umfangs der Dokumente für das Regionalkomitee), um die Gefahr einer Überlastung angesichts finanzieller Sachzwänge zu vermeiden, und nahmen zu der Ausrichtung der WHO-Reform wie auch der künftigen Arbeit des Regionalbüros Stellung. Ein Delegierter, der im Namen der EU und ihrer Mitgliedstaaten sprach, erkannte die Bemühungen der Regionaldirektorin und des Regionalbüros an, die Gesundheitssituation zu verbessern und die WHO 6 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG für ihre Aufgaben zu rüsten. „Gesundheit 2020“ sei ein positiver Schritt auf dem Weg zur Entwick- lung einer gemeinsamen Vision, und auch der Entwurf der Strategie und des Aktionsplans für gesun- des Altern mit seiner Schwerpunktlegung auf Gesundheit als Querschnittsaspekt sei zu begrüßen. Die Dokumente für das Regionalkomitee seien in diesem Jahr zeitiger versendet worden, doch solle das Regionalbüro die Zahl der geplanten Resolutionen und Maßnahmen begrenzen, vor der Planung neuer Initiativen erst die vereinbarten umsetzen, bei Möglichkeit andere Wege als Resolutionen wählen und dafür sorgen, dass alle zur Annahme vorgelegten Dokumente klar und prägnant und für die Länder nicht mit zusätzlichen Berichtspflichten verbunden seien. Die überwältigende Mehrzahl der Delegierten begrüßten „Gesundheit 2020“; das Rahmenkonzept die- ne als Grundlage für die Weiterentwicklung der Gesundheitspolitik in den Ländern und als Orientie- rungshilfe für Mitgliedstaaten wie Regionalbüro; es sei aufgrund des Konsultationsprozesses und der zugrunde liegenden Evidenz grundsolide und außerdem eng mit anderen Instrumenten (z. B. FCTC und frühere Rahmenkonzepte „Gesundheit für alle“) verknüpft. Die Delegierten begrüßten auch den Entwurf des Aktionsplans für öffentliche Gesundheit und die Strategien für die Zusammenarbeit des Regionalbüros mit den Ländern und mit den Außenstellen des Regionalbüros. Italien sagte seine wei- tere Unterstützung für das Büro in Venedig zu, und Kasachstan bot für den Fall der Annahme der Stra- tegie des Regionalbüros die Einrichtung einer neuen Außenstelle mit Themenschwerpunkt primäre Gesundheitsversorgung an. Mehrere Delegierte begrüßten auch die Diskussionen über die Untersu- chung der sozialen Determinanten von Gesundheit in der Europäischen Region, und in einer Wortmel- dung wurde danach gefragt, wann die vollständigen Ergebnisse der drei Studien, die „Gesundheit 2020“ zugrunde lägen, zur Diskussion gestellt würden. Die Grundsätze der WHO-Reform wurden befürwortet und die Organisation wurde dazu aufgefordert, ihre Aufgaben auf nationaler, regionaler und globaler Ebene klar zu definieren, einen transparenten und strategischen Dialog mit den Mitgliedstaaten und mit anderen maßgeblichen Akteuren aufrechtzu- erhalten und eine Rechenschaftslegung zu gewährleisten, wie in dem Zwölften Allgemeinen Arbeits- programm 2014–2019 (GPW12) und im Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 vorgesehen. Es wurde der Wunsch nach einer strafferen Organisation ausgesprochen, in der das Hauptbüro der WHO ge- meinsame Konzepte vorgebe, die dann von den Regionalbüros gemäß den Gegebenheiten in ihrer je- weiligen Region umgesetzt würden; die Präsenz der WHO in den Ländern wiederum solle im Hinblick auf eine mögliche Rationalisierung evaluiert werden. Ein Delegierter, der im Namen der am Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerk (SEEHN) beteiligten zehn Mitgliedstaaten sprach, bezeichnete das Netzwerk als ein Instrument zur Förderung von Frieden und Kooperation in Gesundheitspolitik und Gesundheitsdiplomatie, dessen Arbeit auch der ökonomi- schen Entwicklung nicht nur in den beteiligten Ländern, sondern auch anderswo in Europa zugute komme. Die Mitglieder des SEEHN seien entschlossen, „Gesundheit 2020“ und den Aktionsplan für öffentliche Gesundheit umzusetzen, wie sie es 2011 in ihrer Verpflichtung von Banja Luka zum Aus- druck gebracht hätten, und würden im Jahr 2014 über die Ergebnisse berichten. Weitere erfreuliche Resultate der Zusammenarbeit zwischen SEEHN und WHO seien die Einrichtung von Zentren für re- gionale Gesundheitskooperation in den Mitgliedstaaten und die Verbesserung der Leistungsfähigkeit der nationalen Impfprogramme. Die Erfolge der Länder bei der Verbesserung der Gesundheit ihrer Bevölkerung erstreckten sich auf eine Vielzahl von Bereichen – von der Stärkung der Gesundheitssysteme über die Erstellung von Handlungskonzepten für die Bekämpfung übertragbarer wie nichtübertragbarer Krankheiten bis zur WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 7 Förderung von Gesundheit und Thematisierung ihrer sozialen Determinanten. Die Länder seien für die Unterstützung durch die WHO und andere Partner dankbar und böten im Gegenzug gern ihre Erfah- rungen, ihre Instrumente und andere Ressourcen an. Mit Blick auf die Zukunft riefen verschiedene Delegierte die WHO, die Mitgliedstaaten und die Part- nerorganisationen zu weiteren Anstrengungen in Bereichen wie nichtübertragbare Krankheiten, Finan- zierung der Gesundheitssysteme, Innovationen in der gesundheitlichen Entwicklung sowie Koordina- tion von Forschung und Entwicklung auf. Ein Delegierter wies speziell auf die Bedrohung durch neu auftretende Vektorkrankheiten hin und begrüßte den Handlungsappell der Regionaldirektorin an die WHO und die EU, wobei er die Hilfe seines Landes in Aussicht stellte. Die Stellvertretende Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) schilderte kurz die Ergebnisse eines vor kurzem stattgefundenen Besuchs der Regionaldirektorin und ihrer Mit- arbeiter. Dazu gehörten der Erfahrungsaustausch über Fragen der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten, eine Zusammenarbeit im Bereich eGesundheit und Impfwesen, eine mögliche Zusam- menarbeit durch ein regionenübergreifendes Kooperationszentrum und die Verbesserung von Koordi- nation und Informationsaustausch zur Unterstützung der Territorien europäischer Mitgliedstaaten in der WHO-Region Gesamtamerika. In ihrer Antwort erklärte die Regionaldirektorin, der Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 werde zeigen, dass das Regionalbüro sich nachdrücklich um eine Priorisierung seiner Aktivitäten bemüht habe. Das Regionalbüro trage durch die Global Policy Group (GPG) zur WHO-Reform bei und setze die Beschlüsse der leitenden Organe unverzüglich nach deren Annahme um. Sie sei dankbar für die Anerkennung der zeitigen Versendung der Dokumente für das Regionalkomitee und räumte ein, die Hintergrunddokumente seien sperrig geraten; der Grund für ihre Verteilung an die Mitgliedstaaten im Geiste von Transparenz liege darin, dass sie die Ergebnisse der evidenzbasierten Studien enthielten, anhand derer „Gesundheit 2020“ ausgearbeitet worden sei. Sie seien als nützlich für die Mitgliedstaa- ten eingestuft worden und sollten daher nach Möglichkeit im kommenden Jahr weiter diskutiert wer- den. Im Hinblick auf künftige Tagungen des Regionalkomitees werde das Regionalbüro sich bemühen, den Umfang der Dokumente und die Zahl der Resolutionen zu begrenzen. Die Regionaldirektorin dankte allen Ländern für ihre Unterstützung in jedweder Form, gratulierte ih- nen zu ihren Erfolgen (wie etwa der Verpflichtung von Banja Luka und der Schulung des SEEHN zum Thema Gesundheitsdiplomatie) und versprach, sie weiterhin zu unterstützen. Sie sei gern bereit, über Pläne für die Einrichtung neuer Außenstellen im späteren Verlauf der Tagung zu sprechen, wenn das Regionalkomitee über den betreffenden Tagesordnungspunkt berate. Sie sei entschlossen, bei der Be- kämpfung von Vektorkrankheiten aktiv zu werden, und arbeite an einer Initiative, die eine Intensivie- rung der Anstrengungen zur Abwehr dieser Gefahr zum Ziel habe. Die Generaldirektorin erklärte, die WHO sei sich der Notwendigkeit bewusst, innerhalb ihrer Mög- lichkeiten zu bleiben und messbare Ergebnisse zu liefern. Die Länder hätten den Programmhaushalts- entwurf ohne einen Haushaltsrahmen erhalten, damit sie sich auf die Prioritätensetzung konzentrieren könnten und die WHO dann eine Kostenkalkulation vornehmen könne. Die Mitgliedstaaten sollten in sich stimmige Aussagen dazu machen, welche Prioritäten sie sich für die Arbeit der Organisation wünschten. Sobald die Prioritätensetzung abgeschlossen sei, werde ein Haushaltsrahmen vorgeschla- gen. Auch wenn die Ressourcen begrenzt seien, so könnten die WHO-Regionen sie doch konstruktiver 8 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG einsetzen, um einander zu helfen. Abschließend sprach sich die Generaldirektorin mit Nachdruck für eine Begrenzung der Länge der Dokumente der leitenden Organe aus. Das Regionalkomitee verabschiedete Resolution EUR/RC62/R1. Ansprachen des Europäischen Kommissars für Gesundheit und Verbraucherpolitik und des Stellvertretenden Generalsekretärs der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Der Europäische Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik hob hervor, dass die Europäische Union und die WHO im Hinblick auf Maßnahmen zur Gesundheit die gleichen Werte und Grundsätze verfolgen. Sowohl die EU als auch die WHO wurde von ihren Mitgliedstaaten in dem Wissen gegrün- det, dass sie gemeinsam stärker und effektiver sein würden, und beide Organisationen ergänzten sich in ihrer Zusammenarbeit, um ihren Mitgliedstaaten und deren Bürgern bestmöglich zu dienen. Auf der 60. Tagung des Regionalkomitees hätten die Regionaldirektorin und er eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel „Eine gemeinsame Sicht für gemeinsames Handeln“ abgegeben. Kernelemente dieser Zukunftsvision seien die Verschiebung von reaktiven zu proaktiven Gesundheitsversorgungssystemen, eine stärkere Fokussierung auf die Prävention und Behandlung von Krankheiten, die durch den Le- bensstil hervorgerufen würden, sowie von chronischen Erkrankungen und die Entwicklung innovativer Lösungen zur Lieferung qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung bei gleichzeitiger Begrenzung der Kosten und Verbesserung der Effizienz und Nachhaltigkeit von Gesundheitssystemen. Die gemeinsame Erklärung stehe für eine Neuorientierung, bei der statt der bisherigen projektbezoge- nen Arbeit nun ein strategischeres Vorgehen in sechs Kernbereichen im Vordergrund stehe: Gesund- heitssicherheit, Gesundheitsinnovationen, Gesundheitssysteme, gesundheitliche Ungleichheiten, Ge- sundheitsinformationen und Stärkung der Zusammenarbeit in den Ländern. Für jeden dieser sechs Kernbereiche hätten die EU und die WHO gemeinsame Fahrpläne mit spezifischen Zielen und Priori- täten für eine Kooperation innerhalb und außerhalb der Europäischen Region entwickelt. Hochrangige Vertreter der WHO und der Kommission hielten regelmäßige Besprechungen ab, um die Fortschritte zu überprüfen und gegebenenfalls die Prioritäten anzupassen. Während der vergangenen zwei Jahre seien die WHO und die Kommission konkret dazu übergegangen, ihre Zukunftsvision in die Tat um- zusetzen. Ihre Zusammenarbeit zeige Wirkung und verbessere die gesundheitliche Lage von Millionen von Menschen in ganz Europa. Die Regionaldirektorin bestätigte, dass die gemeinsame Erklärung erfolgreich umgesetzt werde: Hochrangige Vertreter beider Institutionen hielten jährliche Tagungen ab, wobei die nächste Tagung 2013 in Genf auf Einladung der WHO-Generaldirektorin stattfinden werde. Darüber hinaus habe die WHO eine neue Vereinbarung mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) geschlossen. Die WHO sei dem Verwaltungsrat der Europäischen Beo- bachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBBD) beigetreten und halte regelmäßige Bespre- chungen mit hochrangigen Vertretern der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ab. Die WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 9 Zusammenarbeit mit den Kollegen in der Europäischen Kommission sei außergewöhnlich gut und fest verankert durch das neue Rahmenwerk und strategische Konzept zur europäischen Gesundheitspolitik „Gesundheit 2020“. Der Stellvertretende Generalsekretär der OECD hob hervor, dass sich Europa fünf Jahre nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise noch immer bedrohlich nah am Abgrund befinde: Die Arbeitslosigkeit liege bei über 10%, wobei die Jugendarbeitslosigkeit bis zu fünfmal so hoch sei und die Langzeitar- beitslosigkeit zugenommen habe. Bei der Überwindung der Banken- und Staatsschuldenkrise sei we- nig Fortschritt zu verzeichnen. Ein Wirtschaftswachstum von über 1% sei 2012 nur schwer zu errei- chen. In den meisten Staaten der Europäischen Region gebe es nur sehr geringe Chancen, dass die Ausgaben für die Gesundheitspolitik in den kommenden fünf Jahren wesentlich angehoben werden könnten, und in einigen Staaten seien weitere Ausgabenkürzungen unvermeidlich. Unter diesen Um- ständen müssten die Staaten bei den Gesundheitsausgaben kosteneffizienter arbeiten. Hier könnten die OECD und die WHO eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Regierungen dabei unterstützen, Schwachstellen in den Gesundheitssystemen zu identifizieren, und indem sie ihnen Beispiele bewähr- ter Praktiken an die Hand geben, um Leistungen zu optimieren und Veränderungen zu bewirken. Der zentrale Grundsatz, welcher dem in Kürze zu unterzeichnenden gemeinsamen Aktionsplan zugrunde liege, stütze sich auf die Erkenntnis, dass die OECD und die WHO mehr Wirkung erzeugen könnten, wenn sie gemeinsam und nicht gesondert tätig würden. Dabei komme den folgenden drei Bereichen besondere Bedeutung zu: Hervorhebung der positiven Funktion der öffentlichen Gesundheit aus wirtschaftspolitischer Perspektive (es sei bemerkenswert, dass die europäischen Staaten weiterhin nur 3% ihrer Gesundheitsbudgets für die Krankheitsprävention verwenden, obgleich nachgewiesen sei, dass derartige Ausgaben höhere Wirkung erzielen als viele Ausgaben im Bereich der Sekundär- und Tertiärversorgung), Gewährleistung der fiskalischen Nachhaltigkeit der Gesundheitsausgaben sowie Verbesserung und Ausbau der nicht-monetären Statistiken und Gesundheitsdaten. Das Verständnis für die Feinheiten der Gesundheitsversorgung, das für die Arbeit der WHO typisch sei, verbunden mit der ökonomischen Strenge, die von der OECD angelegt werde, könne beide Organisationen in die Lage versetzen, sich gemeinsam und überzeugend für die Gesundheit im Allgemeinen und eine angemesse- ne Reform der Gesundheitsversorgung im Besonderen einzusetzen. Die Regionaldirektorin begrüßte es, dass die OECD Ungleichheiten und die gesellschaftlichen Aus- wirkungen der Wirtschaftspolitik hervorhebe. Dies stimme vollkommen mit den Zielen und Werten der WHO und ihrem neuen Rahmenkonzept für die europäische Gesundheitspolitik überein. Die bei- den Organisationen hätten die Zusammenarbeit bereits in Form einer Expertengruppe aufgenommen, welche die Zielvorgaben für das gesundheitliche Wohlbefinden in Europa messe und festsetze. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der OECD zu den ökonomischen Argumenten für gesundheitspolitische Maßnahmen sei ein herausragendes Beispiel für ihre gemeinsamen Aktivitäten. Wie bereits erwähnt, bestehe das Ziel des gemeinsamen Aktionsplans darin, Gesundheitsinformationssysteme in Europa zu verbessern, den Mitgliedstaaten die bestmögliche Unterstützung bei der Entwicklung solider und nachhaltiger Gesundheitssysteme zu bieten und gemeinsam in den Bereichen Gesundheitsförderung, nichtübertragbare Krankheiten und soziale Determinanten von Gesundheit zu arbeiten. Die Generaldirektorin betonte, dass die Gesundheitsministerien mit anderen Bereichen der Regierung zusammenarbeiten müssten, um bei der Bewältigung von Problemen wie Adipositas und schädlichem Alkoholkonsum eine höhere Wirkung zu erzielen. Was die Finanzierung betreffe, sei es angezeigt, zu- nächst ineffiziente Verfahren im Krankenhaussektor zu beheben, bevor Budgetkürzungen vorgenommen 10 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG würden. Antizyklische Investitionen (wie sie in zwei europäischen Staaten vorgenommen würden) seien sinnvoll. Die Erhebung glaubhafter Gesundheitsdaten sei für das jeweils betroffene Land wichtig und versetze Finanzierungspartner in die Lage, Leistungen zu überwachen und das öffentliche Interes- se zu wecken. Die Regionaldirektorin und der Stellvertretende Generalsekretär unterzeichneten einen gemeinsamen Aktionsplan zwischen dem WHO-Regionalbüro für Europa und der OECD. Angelegenheiten, die sich aus Resolutionen und Beschlüssen der Weltgesundheitsversammlung und des Exekutivrates ergeben (EUR/RC62/6, EUR/RC62/Inf.Doc./6 ) Das Deutschland im Exekutivrat vertretende Mitglied aus der Europäischen Region, das auch den Ta- gungen des SCRC beobachtend beiwohnen sollte, berichtete, die 65. Weltgesundheitsversammlung habe 17 Resolutionen und 9 Beschlüsse verabschiedet. Es seien drei Erklärungen im Namen der Euro- päischen Region abgegeben worden. Das beobachtende Mitglied wies das Regionalkomitee insbeson- dere auf die folgenden Resolutionen hin: Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005) (WHA65.23); Stärkung der Konzepte gegen nichtübertragbare Krankheiten zur Förderung ei- nes aktiven Alterns (WHA65.3); Poliomyelitis: Intensivierung der globalen Eradizierungsinitiative (WHA65.5); Ergebnis der Weltkonferenz über soziale Determinanten von Gesundheit (WHA65.8); globaler Aktionsplan für Impfstoffe (WHA65.17) und weltweite Woche der Immunisierung (WHA65.18) und minderwertige/nachgeahmte/falsch etikettierte/gefälschte/kopierte Arzneimittel (WHA65.19). Auf Ersuchen der Weltgesundheitsversammlung werde das Regionalkomitee die fol- genden vier Themen ausführlich diskutieren: globaler Aktionsplan zur psychischen Gesundheit, globa- les Beobachtungssystem für nichtübertragbare Krankheiten, Beratende Expertengruppe für Fragen von Forschung und Entwicklung und Reform der WHO. Globaler Aktionsplan zur psychischen Gesundheit Der Direktor der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung sagte, es werde ein europäischer Aktionsplan zur psychischen Gesundheit ausgearbeitet, der auf dem globalen Akti- onsplan zur psychischen Gesundheit basiere. Da der globale Aktionsplan noch nicht abgeschlossen sei und 2013 von der Weltgesundheitsversammlung und dem Exekutivrat diskutiert werde, könne der eu- ropäische Aktionsplan noch nicht erörtert werden. Ein Vertreter eines Mitgliedstaats wies auf die stei- gende Zahl psychischer Erkrankungen hin und betonte, dass die psychische Gesundheit bei allen Ent- scheidungen zur öffentlichen Gesundheit berücksichtigt werden müsse. Globales Beobachtungssystem für nichtübertragbare Krankheiten Der Beigeordnete Generaldirektor der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Psychische Ge- sundheit erläuterte, dass die WHO auf der Tagung auf hoher Ebene der Vereinten Nationen über die WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 11 Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten damit beauftragt worden sei, das Verfah- ren zur Einführung eines umfassenden globalen Beobachtungssystems für nichtübertragbare Krankhei- ten, einschließlich einer Reihe von Indikatoren und freiwilliger globaler Ziele für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten, federführend zu betreiben. Auf der Grundlage dieses Mandats habe die Weltgesundheitsversammlung beschlossen, das Ziel einer weltweiten Verringerung der Frühsterblichkeit durch nichtübertragbare Krankheiten um 25% bis zum Jahr 2025 festzusetzen. Es sei darum gebeten worden, auf regionaler Ebene Konsultationen durchzuführen, um sich über poten- zielle spezifische Zielvorgaben und Indikatoren zu einigen. Im November 2012 werde eine förmliche globale Tagung stattfinden, auf der das Beobachtungssystem endgültig beschlossen werden solle. Der Direktor für nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung gab eine Zusammenfas- sung über das Online-Konsultationsverfahren zu Zielvorgaben und Indikatoren, das auf europäischer Ebene stattgefunden hatte. Die Mitgliedstaaten seien ersucht worden, ihre Kapazitäten für die Mes- sung der elf vorgeschlagenen Indikatoren zu melden. Aus den Antworten sei ersichtlich geworden, dass einige Indikatoren zwar von der Mehrzahl der Staaten gemessen werden könnten, bei anderen Indikatoren dies jedoch problematisch sei, wie z. B. bei Blutzucker- und Blutfettwerten. Die Befra- gung laufe noch eine weitere Woche, damit sich auch diejenigen Staaten, die noch nicht geantwortet hätten, äußern könnten, und die endgültigen Ergebnisse würden Ende des nächsten Monats zusam- mengefasst. Das Regionalkomitee solle entscheiden, ob es das Verfahren fortsetzen wolle, indem es eine Facharbeitsgruppe zur endgültigen Festsetzung einer Reihe von Indikatoren und Zielvorgaben einrichte und im Namen der Europäischen Region Bericht erstatte, oder ob die Mitgliedstaaten selbst direkt beim WHO-Hauptbüro in Genf Bericht erstatten wollten. In der anschließenden Diskussion kamen die Mitgliedstaaten überein, dass die Einrichtung eines glo- balen Beobachtungssystems für nichtübertragbare Krankheiten von entscheidender Bedeutung sei, und sie hoben hervor, dass die festzusetzenden Zielvorgaben relevant, realistisch und erreichbar sein müss- ten. Die vorhandenen Erkenntnisse müssten bestmöglich genutzt werden und eine Belastung durch zusätzliche Meldepflichten sei weitgehend zu vermeiden. Einige Stimmen warnten davor, Zielvorga- ben zu vereinbaren, die nicht erreicht werden könnten, und Indikatoren zu verwenden, deren Messung zu kostspielig sei, insbesondere angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Ein Delegier- ter wies darauf hin, dass der Termin für die endgültige Festlegung des Beobachtungssystems immer näher rücke und die Beratungen über die Zielvorgaben und Indikatoren daher mit den Mitgliedstaaten im WHO-Hauptbüro durchzuführen seien und keine Facharbeitsgruppe auf regionaler Ebene einge- richtet werden solle. Der Vertreter des Staates, der derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, legte dem Regionalkomitee den Entwurf eines Beschlusses zur Prüfung vor. Die Generaldirektorin ersuchte die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region eindringlich, unver- züglich Zielvorgaben festzulegen und Indikatoren für die Überwachung nichtübertragbarer Krankhei- ten zu definieren. Sie wies darauf hin, dass die Glaubwürdigkeit der WHO erheblich Schaden nehme, wenn die von den Vereinten Nationen auf Ende 2012 festgesetzte Frist für die Einführung des globa- len Beobachtungssystems nicht eingehalten werde. Würden nicht unverzüglich Maßnahmen ergriffen, werde eine „zweite“ Epidemie nichtübertragbarer Krankheiten ausbrechen: In den kommenden 20 Jah- ren würde sich die Zahl der Komplikationen, die auf nichtübertragbaren Krankheiten beruhten (z. B. Erblindung, Nierenversagen und Amputationen aufgrund von Diabetes), deutlich erhöhen. Daher seien dringend Maßnahmen zu ergreifen, die sicherstellten, dass nichtübertragbare Krankheiten frühzeitig diagnostiziert und wirksam überwacht würden. 12 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Die Regionaldirektorin sagte der Generaldirektorin die Unterstützung der Europäischen Region zu und erklärte, dass die Online-Konsultation abgeschlossen und die Ergebnisse dem Beigeordneten General- direktor übermittelt würden. Es werde keine Facharbeitsgruppe eingerichtet, stattdessen werde das Regionalbüro für Europa die bilateralen Konsultationen mit den Mitgliedstaaten fortsetzen und deren individuelle Stellungnahmen in die Diskussionen einbringen, die auf globaler Ebene geführt würden. Im Namen der Framework Convention Alliance, der Union for International Cancer Control und der Allianz gegen nichtübertragbare Krankheiten, der Internationalen Föderation der Medizinstudenten- verbände sowie des Europäischen Herznetzes wurden Erklärungen abgegeben. Das Regionalkomitee billigte den Entwurf eines Entschlusses, der von Zypern im Namen der Mit- gliedstaaten der Europäischen Union vorgelegt worden war (EUR/RC62/(1)). Beratende Expertengruppe Forschung und Entwicklung Der Beigeordnete Generaldirektor für Innovation, Information, Evidenz und Forschung erinnerte dar- an, die Beratende Expertengruppe für Fragen von Forschung und Entwicklung sowie ihrer Finanzie- rung und Koordinierung (CEWG) sei 2010 von der 63. Weltgesundheitsversammlung eingesetzt wor- den als Reaktion auf die Sorge, dass für Krankheiten, welche die Bevölkerung von Entwicklungslän- dern unverhältnismäßig stark betreffen, nur in unzureichendem Maße Forschungsmittel bereit gestellt würden. Die CEWG habe im April 2012 einen Bericht herausgegeben, der während der 65. Weltge- sundheitsversammlung und in nationalen und regionalen Konsultationen erörtert worden sei mit dem Ziel, Beiträge für die vom 26. bis 28. November 2012 stattfindende globale Tagung mit offenem Ende zu erhalten. Auf dieser Tagung sollten Optionen genannt werden, die der 66. Weltgesundheitsver- sammlung vorgelegt würden. Die Expertengruppe habe empfohlen, dass alle Länder sich zur Bereit- stellung von mindestens 0,01% ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) für staatlich finanzierte Forschung und Entwicklung verpflichten und dass die Industrieländer erwägen 0,15–0,2% zuzusagen, ferner dass ein globales Observatorium für Forschung und Entwicklung unter der Obhut der WHO geschaffen und ein globaler Rahmen in Form eines rechtsverbindlichen Instruments entwickelt würden. Die Direktorin der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation präsentierte die Ergeb- nisse der Online-Konsultation, mit deren Hilfe Rückmeldungen zum Bericht der Expertengruppe ge- wonnen worden waren. Fünf Mitgliedstaaten hätten sich beteiligt. Sie hätten empfohlen, die derzeiti- gen Regeln für geistiges Eigentum und die derzeitige Praxis in Forschung und Entwicklung zu über- prüfen, und hätten darüber hinaus konkrete Verfahren und Anreize angeregt. Sie seien der Ansicht, dass vor konkreten Mittelzusagen oder der Vereinbarung bindender Verfahren erst alle Optionen er- kundet werden sollten und dass viele Empfehlungen und Möglichkeiten auch außerhalb eines verbind- lichen Rahmens realisiert werden könnten. In Bezug auf die Finanzierung stimmten eine Reihe von Ländern im Grundsatz der Zusage eines festen Anteils ihres BIP zu, hielten einen solchen Schritt je- doch noch für verfrüht; andere bezweifelten den Sinn einer solchen Zusage, einige Länder bezeichne- ten eine verbindliche Zusage sogar als „inakzeptabel“. Zu einer gemeinschaftlichen Finanzierung habe kein Konsens vorgelegen. Die Länder hätten die federführende Rolle der WHO in der globalen Koor- dinierung und Leitung von Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich verbal unterstützt, al- lerdings eine größere Ausnutzung vorhandener Initiativen und Strukturen empfohlen. Andere hätten festgestellt, dass bessere Koordinierung in einer neuen oder umgestalteten Struktur erforderlich sei. In Bezug auf das geplante Übereinkommen und den rechtsverbindlichen Rahmen hätten einige Län- der angemerkt, dass man sich zunächst auf dessen Reichweite einigen müsse und dass öffentliche WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 13 Gesundheit darin eine wichtige Rolle spielen müsse. Zweifel seien an der Machbarkeit geäußert wor- den. Unmittelbar habe der Vorschlag also keine Unterstützung gefunden. Um den Konsultationspro- zess voranzubringen, könne nun eine Facharbeitsgruppe zur Ausarbeitung konkreter Vorschläge ge- bildet werden, eine Redaktionsgruppe könne einen Aktionsplan erarbeiten oder es könnten andere Verfahren gefunden werden, hierunter die Fortsetzung der Online-Konsultation für weitere Antworten der Länder. Ein Vertreter, der im Namen der EU und ihrer Mitgliedstaaten das Wort ergriff, sagte die derzeitigen Maßnahmen zur Sicherung eines globalen Rahmens für Forschung und Entwicklung, der die prioritä- ren Bedürfnisse der Entwicklungsländer aufgreife, reichten nicht aus. Die EU sei der Ansicht, dass die Lösung in verstärkter Koordinierung liegen müsse. Sie nehme die Überlegung der Expertengruppe zum vernünftigen Einsatz öffentlicher Mittel als Bewertungskriterium für Vorschläge zur Kenntnis. Eine langfristige Koordinierung sei erforderlich, um Rolle und Kapazität der WHO für das Benennen von Prioritäten im Bereich von Forschung und Entwicklung zu stärken. Die Arbeit solle weitestgehend auf vorhandenen Initiativen aufbauen. Das Aktivitätsspektrum solle vereinbart werden, hierunter die Priorisierung von Koordinierungsbemühungen, damit der gesamte Forschungsprozess sowie Innovati- on, Umsetzung, Zugänglichkeit, Begleitung und Auswertung gestärkt und besser ausbalanciert werden könnten. Die EU nehme die Bewertung und Untersuchung von Modellen durch die Expertengruppe zur Kenntnis, welche die Kosten für Forschung und Entwicklung von den Preisen für Arzneimittel gemäß der Globalen Strategie und des globalen Aktionsplans für öffentliche Gesundheit, Innovation und geistige Eigentumsrechte trennen. Abschließend empfahl die EU die Einholung einer ausreichen- den Menge verlässlicher Daten über Forschung und Entwicklung aus den Mitgliedstaaten, freiwillige öffentliche Mittel für Forschung und Entwicklung und Transparenz für den Geldstrom zu prioritären Bereichen. Eine Delegierte bemerkte, dass einige Empfehlungen aus dem Bericht der Expertengruppe vor ihrer Umsetzung noch weiter erörtert werden müssten. Offensichtlich gebe es zu wenig Forschung und Entwicklung gegen Krankheiten, die Entwicklungsländer unverhältnismäßig stark beträfen, und daher fehle es auch an Arzneimitteln für deren Behandlung. Auch wenn die vorhandenen Regeln zum Schutz des geistigen Eigentums Forschung und Entwicklung begünstigten, habe Marktversagen doch einen drosselnden Effekt. Daher sei es unerlässlich, die zu dieser Kategorie zählenden Krankheiten zu be- nennen, die im Fokus der Empfehlungen der Expertengruppe stünden. Ihrer Meinung nach könne ein verbindliches Rahmenübereinkommen die Finanzierung von Forschung und Entwicklung nicht opti- mal sichern, da die Regierungen nur schwer von seiner Ratifizierung zu überzeugen wären und die Verhandlungen sich in die Länge ziehen würden, obwohl doch unmittelbares und kurzfristiges Han- deln erforderlich sei. Andere Mechanismen müssten gefunden werden, um die Koordinierung und Fi- nanzierung von Forschung und Entwicklung sicherzustellen, etwa das Aufbringen und Bündeln frei- williger Mittel und die anschließende Überführung der Mittel an eine besser geeignete Struktur. Ein anderer Delegierter unterstützte die Schaffung eines europäischen Zweigs des globalen Observato- riums der WHO für Forschung und Entwicklung, die angeregten Finanzierungswege für Gesundheit und Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich in den Entwicklungsländern sowie die ange- regten globalen Koordinierungsmechanismen. Er stimme auch dem Vorschlag zur Schaffung eines Netzwerks aus Forschungseinrichtungen zu und rege an, dass regionale Fach- und Beratungsausschüs- se zur besseren Abstimmung der nationalen Forschungsinitiativen gegründet würden. Sein Land werde den Bericht der Expertengruppe in einer nationalen Konsultation vorlegen und an der regionalen Kon- sultation teilnehmen, um darin konkrete Vorschläge zu unterbreiten. 14 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Der Beigeordnete Generaldirektor für Innovation, Information, Evidenz und Forschung gestand ein, dass die Zeit für die unmittelbare Unterstützung eines Rahmenübereinkommens oder eines Vertrags zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung durch die Länder noch nicht reif sei. Die Direktorin der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation sagte, dass die Stimme der gesamten Region zum Bericht der Expertengruppe gehört werden solle. Das Regionalkomitee kam überein, dass die Online-Konsultation verlängert und so den Mitgliedstaaten die Gelegenheit zu weiteren Kommen- taren gegeben werden solle. Die Zusammenfassung der Online-Konsultation solle dann im SCRC er- örtert werden, bevor sie dem WHO-Hauptbüro zugeleitet würde. Es wurden Erklärungen abgegeben im Namen der Ärzte ohne Grenzen und der Stiftung Health Action International. Ansprache der Generaldirektorin der WHO Die Generaldirektorin begann ihre Ansprache, indem sie den Erfolg der Länder der Europäischen Re- gion bei der Realisierung gesundheitlicher Zugewinne sowie ihr anhaltendes Engagement für die Ge- sundheit auf innerstaatlicher, regionaler und internationaler Ebene lobte. Ihr Bemühen werde durch die erforderliche Auseinandersetzung mit starken Kräften erschwert, auf die Gesundheitspolitik und Ge- sundheitswesen keinen Einfluss hätten, wie die Lebensmittel- und Tabakindustrie, aber auch die Fi- nanzkrise. Die Europäische Region habe sich intensiv darum bemüht, den Beweis zu erbringen, dass Gesundheit Wohlstand bedeutet. In dem gegenwärtigen Klima sei es wichtiger denn je, geplante Stra- tegien durch solide Erkenntnisse über ihre Wirksamkeit und Kosteneffektivität zu stützen, wie das Re- gionalbüro dies in drei Studien zur Untermauerung von „Gesundheit 2020“ getan habe (soziale De- terminanten, Politikgestaltung und Steuerung, ökonomische Argumente für Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit). Nun würden praktische, evidenzbasierte Empfehlungen für alle Arten von Maßnahmen zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten benötigt, nicht zuletzt um die vielen anderen Akteure zu überzeugen, ohne deren Unterstützung es keinen Erfolg geben könne. Die Generaldirektorin bat die Mitgliedstaaten um Rat in Bezug auf die beiden großen Aufgaben, vor denen sie und die WHO heute stünden: die Reform der WHO und die Einbeziehung von Gesundheit in die entwicklungspolitische Agenda nach 2015. Die Führungsrolle der Europäischen Region sei für die Reform der WHO ebenso wichtig wie etwa für die geplante Strategie für gesundes Altern mit ihrem Aktionsplan, die aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung notwendig geworden sei. Da die Finan- zierung eine bedeutende Triebkraft für Reformen sei, würden die Mitgliedstaaten sich mit der Reform der WHO im Rahmen ihrer Beratungen über das GPW12 und den Programmhaushaltsentwurf 2014– 2015 befassen, in dem zum ersten Male in der Geschichte der WHO demonstriert werde, wie Prioritä- tensetzung in der Praxis funktioniere. Das Sekretariat werde diese Dokumente unter Berücksichtigung der in den Regionalkomitees erfolgten Stellungnahmen der Mitgliedstaaten und der breit angelegten Konsultationen mit allen Partnerorganisationen überarbeiten und einer Sondertagung des PBAC und WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 15 des Exekutivrates im Januar 2013 vorlegen. So solle erreicht werden, dass die von der WHO erarbeite- ten Vorschläge den Gegebenheiten in den Ländern gerecht würden; dazu müssten sie pragmatisch, realistisch und für die Eigentümer der Organisation annehmbar sein. Die WHO kooperiere mit einer Vielzahl von Partnerorganisationen, darunter anderen Organisationen der Vereinten Nationen, und sei federführend im Einfangen eines breiten Spektrums von Meinungen, damit Gesundheit in die entwicklungspolitische Agenda nach 2015 einbezogen werde. Diese Bemü- hungen sollten sich die zahlreichen Lehren aus der Verfolgung der Millenniums-Entwicklungsziele (MZ) zunutze machen, wie etwa die entscheidende Bedeutung funktionsfähiger Gesundheitssysteme, die eine finanzielle Absicherung bei Inanspruchnahme böten, oder die Wichtigkeit der Beschränkung auf eine begrenzte Anzahl zeitgebundener Ziele. Die Mitgliedstaaten müssten zugleich hart dafür kämpfen, dass wenigstens ein Entwicklungsziel für die Phase nach 2015 einen Gesundheitsbezug ha- be, und doch der Versuchung widerstehen, allzu viele Ziele festzulegen. Ein solches Ziel müsse die Komplexität der gegenwärtigen Rahmenbedingungen und die vielfältigen Probleme der heutigen Le- bensrealität widerspiegeln (Klimawandel, Zunahme von Krisensituationen, rapide steigende Gesund- heitskosten und Lebensmittelpreise, demografische Überalterung, Globalisierung ungesunder Lebens- gewohnheiten), die allesamt die Ausbreitung nichtübertragbarer Krankheiten begünstigten. Diesen Trends könne jedoch ausgleichend entgegengewirkt werden: mit intelligenten Konzepten, die explizit auf Chancengleichheit abzielten, und mit überzeugenden Argumenten, die auf einer Vielfalt an Er- kenntnissen und Beispielen aus der Praxis aufbauten. Auch wenn die im Rahmen der MZ erreichte Dynamik zur Aufrechterhaltung und Ausweitung der Erfolge im Kampf gegen Infektionskrankheiten fortgesetzt werden müsse, so müsse doch das große gesundheitsbezogene Ziel nach 2015 die Verwirk- lichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung sein, die den wichtigsten Einzelfaktor mit sozial stabilisierender und ausgleichender Wirkung darstelle und die als Zielsetzung bereits von zahlreichen Ländern mit Unterstützung der WHO und der Weltbank verfolgt werde. In der anschließenden Aussprache erläuterten die Delegierten vor allem ihre Ziele in Bezug auf die WHO-Reform, für die sie ihre nachdrückliche Unterstützung zusagten. Die Europäische Region müsse dem Exekutivrat konsolidierte Vorschläge vorlegen und sich in Bezug auf das GPW12 und den Pro- grammhaushaltsentwurf 2014–2015 einigen, die beide im Mai 2013 von der Weltgesundheitsver- sammlung angenommen würden. Von dem Reformprozess werde viel erwartet: eine bessere Verstän- digung in Bezug auf Prioritäten, eine Reduzierung von Doppelarbeit innerhalb der WHO, ein solides strategisches Management und eine verbesserte Führungsarbeit, aber auch die Lösung finanzieller Probleme; so müsse die WHO insbesondere in die Lage versetzt werden, mehr vorhersehbare Finanz- mittel einzuwerben und ihre Führungsrolle in einer neuen Gesundheitsarchitektur aufrechtzuerhalten, die eine Vielzahl neuer Partner einschließe und leider zu einer Fragmentierung der Gesundheitspolitik geführt habe. Eine Delegierte erklärte, ihr Land unterstütze nicht nur die Vorschläge in dem Dokument zum GPW12, sondern auch die Idee der Einrichtung einer Kooperationsstruktur für die subregionale Ebene. Ein anderer Delegierter befürwortete den Vorschlag, die allgemeine Gesundheitsversorgung zu einem gesundheitsbezogenen Ziel in der Phase nach 2015 zu machen. Er regte an, ein solches Ziel sol- le auch die finanzielle Absicherung und die Art der Grundversorgung beinhalten, und forderte die an- deren Delegierten nachdrücklich auf, bei ihren Regierungen Überzeugungsarbeit auf diesem Gebiet zu leisten. In mehreren Wortmeldungen wurden Erfolge in verschiedenen vorrangigen Handlungsfeldern der WHO geschildert. So erklärte ein Delegierter die Bereitschaft seines Landes zum Austausch von Erfahrungen und geeigneten Instrumenten, insbesondere im Bereich der Notfallmaßnahmen, und rief 16 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG die Länder der Europäischen Region zu größeren Anstrengungen zugunsten der Flüchtlinge aus der Arabischen Republik Syrien auf. In ihrer Erwiderung äußerte sich die Generaldirektorin anerkennend über die Fortschritte der Mitglied- staaten bei der Verwirklichung einer allgemeinen Versorgung und bei der Bewältigung von Notlagen, da sie damit ein positives Beispiel für den Nutzen von Investitionen in die Gesundheit gäben, das an- dere überzeugen könne. Die Länder bräuchten solche Beispiele, aber auch Kohärenz in der Gesund- heitspolitik. Sie dankte den Mitgliedstaaten für ihre Unterstützung und ihre Stellungnahmen, nament- lich zum Thema WHO-Reform. Das Sekretariat werde sich nach Kräften bemühen, ihren hohen Er- wartungen gerecht zu werden und zügig zu handeln, doch die Reform sei eine gemeinsame Verant- wortung mit den Mitgliedstaaten, die beide Seiten bei der Diskussion über das GPW12 und den Pro- grammhaushaltsentwurf 2014–2015 wahrnehmen könnten. Sie stimmte zu, dass die Probleme in Ver- bindung mit der komplexen globalen Gesundheitsarchitektur nicht ausschließlich finanzieller Natur seien. Die Mitgliedstaaten könnten die Fragmentierung bekämpfen, indem sie dafür Sorge trügen, dass alle Partnerschaften und Organisationen im Gesundheitsbereich sich jeweils auf ihren zentralen Auf- gabenbereich konzentrierten und dass die Länder ihre im Rahmen von Resolutionen übernommenen Aufgaben in Angriff nähmen. Die WHO werde eine gegenseitige Rechenschaftslegung praktizieren, indem sie die Erfüllung von Verpflichtungen der Organisation wie auch der Mitgliedstaaten mitverfol- ge. Die Partnerschaft zwischen der WHO und den Mitgliedstaaten sei wie ein Tango, der nur durch eine äußerst enge Abstimmung zwischen beiden Partnern gelingen könne. Bericht des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des WHO-Regionalkomitees für Europa (EUR/RC62/4, EUR/RC62/4 Add.1, EUR/RC62/Conf.Doc./2) Der Vorsitzende des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des WHO-Regionalkomitees für Europa (SCRC) wies darauf hin, dass der SCRC seit der letzten Tagung des Regionalkomitees fünfmal getagt habe. Aus Gründen der Transparenz hätten Delegierte aus allen Mitgliedstaaten der Region an der drit- ten Tagung im Mai 2012 teilnehmen können. Um die aktuelle Tagung des Regionalkomitees angemes- sen vorzubereiten, habe der SCRC außerdem drei Telefonkonferenzen abgehalten, die im Juni, Juli und Anfang September stattgefunden hätten. Während des gesamten Jahres habe der SCRC die Entwicklung von „Gesundheit 2020“ aufmerksam verfolgt. Um die Zielgruppen zu erreichen und sicherzustellen, dass die Staaten die erforderlichen po- litischen Zusagen abgeben und der Inhalt des Konzeptes die Adressaten erreiche und von diesen ver- standen werde, habe der SCRC empfohlen, dass das Sekretariat zwei gesonderte Dokumente erstelle: ein kurzes strategisches Dokument, das sich an die politischen Entscheidungsträger richte, und ein längeres Dokument für das öffentliche Gesundheitswesen. Der SCRC habe das zweijährige partizipatorische Konsultationsverfahren begrüßt, das vor allem durch das Europäische Forum für Gesundheitspolitik auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter sowie durch schriftliche Konsultation der Mitgliedstaaten und Partner durchgeführt worden sei. Der SCRC habe empfohlen, dass das Regionalkomitee das kurze WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 17 strategische Dokument für Entscheidungsträger verabschiede und die Arbeit, die für das längere Do- kument geleistet worden sei, begrüße und anerkenne, sowie die Mitgliedstaaten dazu auffordere, das Dokument umfassend zu nutzen. Der europäische Aktionsplan für die öffentliche Gesundheit bilde den Kern von „Gesundheit 2020“ und sei ein wichtiges Hilfsmittel für die Durchführung dieses strategischen Rahmens. Maßnahmen zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit in der Eu- ropäischen Region seien in den zehn grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen (EPHO) ent- halten, die das Ergebnis eines aktiven und umfangreichen Konsultationsverfahrens sowohl mit den Mitgliedstaaten als auch mit den Partnern seien. Auf Empfehlung des SCRC und zwecks besserer Ab- stimmung sei die zeitliche Planung des europäischen Aktionsplans für die öffentliche Gesundheit ge- streckt und an die Fristen für „Gesundheit 2020“ angepasst worden. Der SCRC habe dem Regional- komitee empfohlen, den Aktionsplan gemäß dem entsprechenden Resolutionsentwurf anzunehmen. Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region seien dem 19. SCRC auf seiner zweiten Tagung vorgestellt worden. Der SCRC habe die Interaktion zwischen WHO und Euro- päischer Kommission in diesem Bereich geschätzt und die Einbeziehung der Stellungnahmen und Rückmeldungen, die während der Online-Konsultation und auf seinen Tagungen eingegangen seien, begrüßt. Der SCRC habe dem Regionalkomitee empfohlen, Strategie und Aktionsplan durch den ent- sprechenden Resolutionsentwurf anzunehmen. Darüber hinaus habe sich der SCRC für die neu konzipierte Strategie zur Stärkung der Funktion der Außenstellen des Regionalbüros ausgesprochen. Er habe einen Zwischenbericht angefordert, der dem Regionalkomitee im Hinblick auf die Situation der vorhandenen Außenstellen in Barcelona, Bonn und Venedig sowie des Zentrums für nichtübertragbare Krankheiten in Athen vorgelegt werden solle. Der SCRC habe bestätigt, dass Entscheidungen über die Eröffnung oder Schließung einer Außenstelle der Zuständigkeit der regionalen Leitungsgremien der Organisation unterlägen. Darüber hinaus sei sich der Ständige Ausschuss auch über die Notwendigkeit einer neuen Länderstrategie für das Regionalbü- ro einig gewesen und auf der aktuellen Tagung werde dem Regionalkomitee eine entsprechende Über- gangsstrategie präsentiert. Die endgültige Strategie werde in zwei Jahren vorgelegt, wenn im Rahmen des Verfahrens zur Reform der WHO die Arbeiten in diesem Bereich abgeschlossen seien. Der SCRC begrüßte die regelmäßigen Aufsichtsberichte, die das Sekretariat ihm zur Durchführung des Arbeitsplans des Regionalbüros und zu Haushalts- und Finanzangelegenheiten übermittelt habe. Die Aufsichtsberichte seien für die Zwecke der Rechenschaftslegung von Bedeutung, und es werde empfohlen, dass der SCRC diesem wichtigen Bereich künftig noch mehr Zeit widmen solle. Der Ständige Ausschuss habe die Bewerbungen geprüft, die die Mitgliedstaaten für die Besetzung frei werdender Sitze in Exekutivrat und SCRC eingereicht hätten, und er habe sich auf eine engere Aus- wahl der Kandidaten verständigt, die er den Delegationsleitern vorlegen werde. Ferner sei der SCRC der Auffassung, dass das Verfahren zur Auswahl von Mitgliedstaaten der Europäischen Region im Hinblick auf deren Kandidatur für eine Mitgliedschaft im Exekutivrat und im Ständigen Ausschuss evaluiert werden solle, wie dies in Resolution EUR/RC60/R3 vorgesehen sei. Schließlich habe der SCRC auf Ersuchen des Vertreters eines Mitgliedstaats auf der 61. Tagung des Re- gionalkomitees das Sekretariat gebeten, die Kosten (nur bzgl. WHO) zu schätzen, die mit der Durchfüh- rung von Resolutionen fachlicher Natur verbunden seien. Den Rückmeldungen der Mitgliedstaaten im 18 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Hinblick auf Eignung und Nutzen des derzeitigen Formats und Umfangs dieser Kostenschätzungen sehe der Ständige Ausschuss gespannt entgegen. Die Stellvertretende Vorsitzende des Neunzehnten SCRC sagte, dass der Ständige Ausschuss aus Gründen der langfristigen Planung über ein fortlaufendes Programm für die anstehenden Tagungen des Regionalkomitees verfüge. Auf der Agenda für die nächste Tagung des Regionalkomitees befän- den sich u. a. die folgenden Tagesordnungspunkte: psychische Gesundheit (hierzu habe kürzlich eine regionale Konsultation in Oslo stattgefunden), eine Kommunikationsstrategie für das Regionalbüro (deren Ausarbeitung mehrere Jahre in Anspruch nehmen könne) und eine Gesundheitsinformations- strategie (hier habe der SCRC das Mandat einer Arbeitsgruppe definiert und die Vertreter der Mit- gliedstaaten zur Beteiligung an dieser Arbeitsgruppe aufgefordert). Dank der Präsentationen der Ver- treter der Personalvereinigung des Regionalbüros (EURSA) sei der Ständige Ausschuss weiterhin über Personalangelegenheiten informiert. Auf Ersuchen des Vertreters eines Mitgliedstaats schlug die Regionaldirektorin vor, dass der 20. SCRC auch die Durchführung der Resolution EUR/RC60/R3 evaluieren und dem Regionalkomitee auf dessen 63. Tagung Bericht erstatten könne. Das Regionalkomitee verabschiedete die Resolution EUR/RC62/R2. Europäisches Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ für gesamtstaat- liches und gesamtgesellschaftliches Handeln zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden (EUR/RC62/8, EUR/RC62/8 Corr.1, EUR/RC62/9, EUR/RC62/9 Add.1 Rev.1, EUR/RC62/Conf.Doc./8 Rev.1, EUR/RC62/Inf.Doc./1, EUR/RC62/Inf.Doc./2, EUR/RC62/Inf.Doc./3, EUR/RC62/Inf.Doc./4) Die Evidenzgrundlage für „Gesundheit 2020“ Der Präsident verwies auf das Dokument EUR/RC62/Inf.Doc.2, das die Evidenzbasis von „Gesund- heit 2020“ zusammenfasse. Eine Dokumentation der wichtigsten Studien, die „Gesundheit 2020“ zugrunde lägen, sei den Sitzungsunterlagen beigefügt. Ein Mitglied des Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees erläuterte die Position des SCRC zur Evidenzbasis für „Gesundheit 2020“. Demnach sollten mit „Gesundheit 2020“ Strategien und Inter- ventionen gefördert werden, die besonders geeignet seien, die Gesundheit der Bürger spürbar zu verbessern; hierbei sollte die Aufhebung gesundheitlicher Ungleichheiten, die Berücksichtigung der sozialen Gesundheitsdeterminanten und die Förderung der systematischen Prävention im Vordergrund stehen. Darüber hinaus sollten darin die Ökonomie der Prävention untersucht, eindeutige Evidenz über den Nutzen von Investitionen in die Gesundheit präsentiert und grundsätzliche Handlungsrichtungen aufgezeigt werden. „Gesundheit 2020“ beziehe sich nicht nur auf wissenschaftliche Erkenntnisse, son- dern berücksichtige auch die Zusammenhänge zwischen diesen Erkenntnissen und den praktischen Erfahrungen in der Europäischen Region. Das Rahmenkonzept stütze sich auf wichtige Studien zu den WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 19 sozialen Determinanten von Gesundheit, zu Regierungsführung und Wirtschaft. Der SCRC habe die Ausarbeitung des Rahmenkonzepts sorgfältig beobachtet und sei nach Prüfung mehrerer Entwürfe da- von überzeugt, dass sich „Gesundheit 2020“ schwerpunktmäßig mit Lösungen befasse, die für alle Mitgliedstaaten in der Europäischen Region wirksam und relevant sein würden. Zusammenfassung des Europäischen Gesundheitsberichts 2012: Mehr Gesundheit und Wohlbefinden für Europa Die Direktorin der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation legte die Zusammen- fassung des Europäischen Gesundheitsberichts 2012 (EUR/RC62/Inf.Doc./1) vor. Der Bericht werde das Ergebnis der Beiträge zahlreicher Mitarbeiter des Regionalbüros und des WHO-Hauptbüros sowie der Beteiligung der Mitgliedstaaten sein, die die Lieferung von Gesundheitsstatistiken zugesagt hätten. Er stehe in engem Zusammenhang mit „Gesundheit 2020“ und werde sich aus 4 Teilen zusammenset- zen. Der erste Teil enthalte eine Darstellung der epidemiologischen Evidenzbasis, die „Gesundheit 2020“ zugrunde liege. Der zweite Teil betreffe die Erarbeitung der Zielvorgaben und Indikatoren für „Gesundheit 2020“. Im dritten Teil werde die Frage erörtert, wie das gesundheitliche Wohlbefinden als Kennzeichen für sozialen Fortschritt in der Europäischen Region in die Agenda aufgenommen werden könne. Der vierte Teil identifiziere die größten Herausforderungen für die Bemessung der Ge- sundheit und beschreibe eine gemeinsame Lösung für die Erhebung und Analyse von Daten und die Berichterstattung über den Gesundheitszustand in der gesamten Region. Die Zusammenfassung biete einen Überblick über neue gesundheitliche Entwicklungen in Europa, einschließlich Lebenserwartung, Sterblichkeitsraten, Todesursachen, Krankheitsbilder, Krankheitslas- ten und soziale Gesundheitsdeterminanten. Darüber hinaus sei in ihr das Verfahren erläutert, das zur Festlegung der Zielvorgaben für „Gesundheit 2020“ geführt habe. Sobald das Regionalkomitee die Zielvorgaben genehmigt habe, werde das Regionalbüro eine Reihe von Indikatoren entwickeln, die die Staaten für die Bemessung der Fortschritte zugrunde legen könnten. Darüber hinaus sei man dabei, gemeinsam mit einer Gruppe internationaler Experten ein Verfahren zur Messung des gesundheitli- chen Wohlbefindens in Europa festzulegen. Zentrale Aussagen aus den einschlägigen Studien Der Exekutivpräsident erklärte, „Gesundheit 2020“ basiere auf einer äußerst breiten Evidenz- und In- formationsgrundlage. Anschließend stellte er eine Expertenrunde vor. Prof. Sir Michael Marmot, Leiter des Institute of Health Equity am University College London, wies darauf hin, dass sich die Gesundheitssituation in manchen Ländern der Europäischen Region aufgrund wachsenden Wohlstands, leistungsfähiger Gesundheitssysteme und einer Politik des sozialen Zusam- menhalts zwar sehr positiv darstelle, dass aber nicht alle Länder über gleiche Chancen verfügten. Doch gebe es nicht nur eine beträchtliche gesundheitliche Kluft zwischen den Ländern der Region, sondern auch zunehmende Ungleichgewichte innerhalb von Ländern, die nur überwunden werden könnten, wenn Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der Politikgestaltung gestellt werde. Deshalb sollten nun alle Länder zur Überwindung dieser Defizite tätig werden bzw. ihren Einsatz ausweiten und verbessern, denn gesundheitliche Ungleichgewichte seien ein Gradmesser für das Funktionieren der Gesellschaft insgesamt. Bei der Inangriffnahme der sozialen Determinanten von Gesundheit herrsche dringender Handlungsbedarf, insbesondere in dem aktuellen Kontext der Sparmaßnahmen infolge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. 20 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Prof. Ilona Kickbusch, Leiterin des Global Health Programme am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf, sagte in Bezug auf die unter ihrer Leitung erstellte Studie mit dem Titel Politikgestaltung und Steuerung für mehr Gesundheit im 21. Jahrhundert, dass grundlegende Veränderungen in der Gesellschaft, wie die Globalisierung, die europäische Integration, die wachsen- de Macht der Märkte, die Finanzkrise und der Einfluss der Zivilgesellschaft, gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse immer komplexer machten. Von den Gesundheitssystemen würden bei unver- änderter Ressourcenausstattung immer bessere Leistungen verlangt; gleichzeitig müssten die wesentli- chen Verknüpfungen zwischen gesundheitlichen und anderen gesellschaftlichen Zielen verstärkt und müsse den Erwartungen der Öffentlichkeit hinsichtlich mehr Transparenz und Rechenschaftslegung seitens des Staates entsprochen werden. Dabei müsse nicht nur untersucht werden, in welcher Weise sich andere Einflussfaktoren auf die Gesundheit auswirkten, sondern auch die Frage, inwiefern Ge- sundheit die anderen Faktoren beeinflusse. „Gesundheit 2020“ beruhe auf einem gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Ansatz für die Gesundheitspolitik. Neben den sozialen Determinanten von Gesundheit müssten im 21. Jahrhundert unbedingt auch die kommerziellen Determinanten von Gesundheit reguliert werden, und auch die politischen Determinanten müssten gebührend berücksich- tigt werden. Die Parlamentarier sollten eindringlich dazu aufgefordert werden, eine Katalysatorrolle im Übergang von Ideologie zu konkretem Handeln für mehr Gesundheit zu übernehmen. Der Leiter des Europäischen Observatoriums für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik verwies auf eine Studie über sektorübergreifende Politikgestaltung und Steuerung für Gesundheit in allen Poli- tikbereichen. In der Europäischen Region gebe es ein breites Spektrum von Steuerungsmodellen und -strukturen. Die Studie habe sich damit befasst, welche verschiedenen Arten von sektorübergreifenden Steuerungsstrukturen vorhanden seien, welche Maßnahmen zur Ausarbeitung von Strategien durch andere Akteure wie Parlamente und Behörden ergriffen werden könnten und wie Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft konkret eingebunden werden könnten. Bei der Entwicklung von Konzepten für sek- torübergreifende Politikgestaltung und Steuerung solle nicht nur darauf geachtet werden, welche Strukturen vorhanden seien, sondern auch untersucht werden, wie sie genutzt würden und welchen Einfluss sie ausübten. Auch wenn Kabinettsausschüsse und parlamentarische Ausschüsse durchaus eine positive Rolle spielen könnten, so befassten sich doch nur wenige von ihnen primär mit Gesund- heitsfragen. Hier würde sich ein Dialog zwischen den Ländern zwecks Austauschs von Erfahrungen und vorbildlichen Praktiken als äußerst nützlich erweisen. Der Leiter der Abteilung Gesundheit bei der OECD, Mark Pearson, erklärte, die Länder Europas ver- wendeten durchschnittlich nur 3% ihrer Gesundheitsausgaben auf die Krankheitsprävention. Die Poli- tik müsse davon überzeugt werden, dass ein Mangel an Investitionen in die Prävention einer Ver- schwendung öffentlicher Gelder gleichkomme. Es gelte daher zu unterstreichen, dass bestimmte Prä- ventionsmethoden, wie etwa Tabakbesteuerung, die Begünstigung rauchfreier Umfelder und ein Ver- bot von Tabakwerbung, nicht nur kosteneffektiv seien, sondern sogar kostensparend wirkten. Andere Methoden, wie die Durchsetzung von Gesetzen gegen Alkohol am Steuer, die Senkung des Gehalts an Salz und gesättigten Fettsäuren in verarbeiteten Lebensmitteln oder die Regulierung der Lebensmit- telwerbung für Kinder, könnten langfristig erhebliche Kostenersparnisse einbringen, zumal die daraus resultierenden gesundheitlichen Verbesserungen sich unmittelbar positiv auf die Produktivität der be- rufstätigen Bevölkerung auswirkten. Generell müsse eine Verlagerung von der kurativen Versorgung hin zur Prävention angestrebt werden. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 21 Der kommissarische Leiter des Büros in Barcelona mit Zuständigkeit für die Stärkung der Gesund- heitssysteme erklärte, jedes Land in der Europäischen Region sei von der Wirtschafts- und Finanzkrise auf unterschiedliche Weise betroffen, doch seien die Auswirkungen im westlichen Teil der Region am gravierendsten. Die am stärksten betroffenen Länder prüften die Einführung strenger Sparmaßnahmen für eine Dauer von bis zu vier Jahren. Dort, wo es zu echten Einschnitten in Gesundheitsetats komme, seien nicht nur entsprechende Ausgabenkürzungen erforderlich, sondern auch Einsparungen durch Erhöhung der Effizienz; gleichzeitig gelte es jedoch auch die Werte zu bewahren, an denen den Mit- gliedstaaten gelegen sei, ohne Kosten auf die Patienten abzuwälzen. Eine Reihe von Ländern hätten versucht, durch Einführung sog. „Sündensteuern“ Einnahmen für das Gesundheitswesen zu erzielen, andere hätten angesichts der Krise die allgemeine Versorgung mit Gesundheitsleistungen gestärkt. Generell sei es wünschenswert, das Gesamtbild zu betrachten; direkte Ausgaben für Krankenhäuser stellten oftmals eine Fehlinvestition dar. Der Leitende Wissenschaftler und Repräsentant der WHO bei der EU gab einen Überblick über eine von ihm durchgeführte Bewertung sämtlicher Resolutionen, Erklärungen und rechtsverbindlichen Do- kumente zu Sachthemen, die in der Europäischen Region der WHO zwischen 1990 und 2010 ange- nommen worden seien. Während dieses Zeitraums habe das Thema Partnerschaften zu den von den Mitgliedstaaten am meisten genannten gehört und sei in 73% der untersuchten Dokumente thematisiert worden. Die große Zahl der von den Ländern eingegangenen Verpflichtungen auf der regionalen und globalen Ebene habe zu einem beträchtlichen Maß an Doppelarbeit geführt und eine Evaluation ihrer Wirkung deutlich erschwert. „Gesundheit 2020“ stelle einen neuen Rahmen für die Einbeziehung ein- schlägiger Sachfragen in die Politikgestaltung dar. Seine Analyse könne als ein nützliches Instrument für ein Nachdenken über bestimmte Steuerungsmechanismen in den Ländern der Europäischen Region der WHO genutzt werden. Der Leiter der Grundsatz- und Querschnittsprogramme und Sonderprojekte der Regionaldirektorin sagte, „Gesundheit 2020“ sei auf der Grundlage einer Vielzahl von Erkenntnissen ausgearbeitet wor- den, die ihrerseits auch für die Untersuchungen über die Umsetzung von „Gesundheit 2020“ herange- zogen würden. Diese Erkenntnisse würden zusammen mit zweckdienlichen Informationen über Gege- benheiten in den Ländern für die Entwicklung von Schulungspaketen herangezogen und auch in die Diskussionen im Zuge des Umsetzungsprozesses einfließen. Zwei Mitgliedstaaten richteten Fragen an die Expertenrunde. Ein Delegierter fragte, in welchen Berei- chen Kürzungen an den Gesundheitsausgaben vorgenommen werden könnten; der andere wollte wis- sen, wie proaktive Konzepte für die Organisation des Gesundheitswesens gefördert werden könnten, anstatt auf eine rückwirkende Anwendung von Erkenntnissen für die Politikgestaltung zu setzen, wie dies im Gesundheitswesen offenbar meist der Fall sei. Er warnte auch davor, bei einer Verlagerung in Richtung Prävention gesellschaftliche Wertvorstellungen wie die Pflege älterer Menschen aufzugeben. Die Podiumsteilnehmer antworteten, die Bereiche, in denen Einsparungen erzielt werden könnten, sei- en aufgrund der ungleich gelagerten Effizienzdefizite in der Gesundheitsversorgung von Land zu Land sehr unterschiedlich. Gesamtgesellschaftliche Konzepte berücksichtigten gesellschaftliche Werte und sollten daher gefördert werden. Es müsse verstärkt in vorwärtsgewandte Mikrosimulationsmodelle für das Gesundheitswesen investiert werden, um eine proaktive Planung zu fördern, wie sie häufig in an- deren Bereichen erfolge. Auch Wissensvermittlung spiele eine wesentliche Rolle: durch Verbreitung von Evidenz und vorbildlichen Praktiken zum allseitigen Nutzen. 22 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Die Generaldirektorin erklärte, das Gesundheitswesen habe allzu lange abgekapselt von anderen Be- reichen agiert. Die WHO müsse entscheidend dazu beitragen, die Zusammenarbeit mit maßgeblichen Partnern zu fördern und Grundsatzpapiere für die Gesundheitsminister zu erstellen, die diesen als Ar- gumentationshilfe auf der gesamtstaatlichen Ebene dienen könnten. Darüber hinaus müsse auch ange- strebt werden, andere maßgebliche Akteure mit der Frage zu konfrontieren, wie die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit eine Änderung der Einstellungen zu politischen Maßnahmen bewirken könne. Poli- tikgestaltung und Steuerung für mehr Gesundheit sei ein bedeutendes Thema, das im Kontext der WHO-Reform behandelt werden müsse. Diskussion über „Gesundheit 2020“ Die Regionaldirektorin schilderte den Entstehungsprozess von „Gesundheit 2020“, der mit der Samm- lung von Erkenntnissen in Konsultationen mit Hunderten von Experten aus einem breiten fachlichen Spektrum begann, sich mit der Dokumentation von Erfahrungen der Politikgestalter und Fürsprecher der öffentlichen Gesundheit fortsetzte und in eine kollegiale Begutachtung durch Tausende von Akteu- ren zur Sicherung der Relevanz in verschiedenen Kontexten und Systemen mündete. Das Dokument sei bestimmt für Gesundheitsminister, denen es neue Führungsaufgaben und -möglichkeiten aufzeige, für Regierungschefs, denen es wirtschaftliche Argumente für Investitionen in Gesundheit an die Hand gebe, für Gesundheitsfachleute, denen es integrative Strategien und Interventionen zur Bewältigung der großen gesundheitspolitischen Herausforderungen in der Region, zur Verknüpfung klinischer In- terventionen mit Chancengleichheit und den sozialen Determinanten von Gesundheit sowie zur Stär- kung der Gesundheitssysteme vorzeichne, für Partnerorganisationen, die für die gleichen gemeinsa- men Werte einträten und für die Zivilgesellschaft, deren Bürger, Verbraucher und Patienten es zu pati- entenzentrierter Versorgung befähige. Die WHO werde die Annahme und Anpassung von Ansätzen der Länder im Geiste von „Gesundheit 2020“ unterstützen. Sie bitte im Gegenzug um die Unterstüt- zung der Länder für „Gesundheit 2020“ und sehe der Zusammenarbeit mit ihnen für eine gesündere Europäische Region erwartungsvoll entgegen. Der Leiter der Grundsatz- und Querschnittsprogramme und Sonderprojekte der Regionaldirektorin sagte, das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ sei darauf angelegt, eine praktische Basis für die füh- renden Köpfe jedes Landes zu schaffen, Anwälte der Gesundheit ihrer Nationen zu werden und weite- re Sektoren und Partner hierfür einzubinden. Die ausgedehnte Konsultation habe die Grundlage für das Rahmenkonzept geschaffen und die Diskussionen hätten zu einem gemeinsamen Verständnis neuer Konzepte und ihrer Umsetzung in die Praxis geführt. Durch das Dokument werde anerkannt, dass die Länder sich in unterschiedlichen Ausgangslagen befänden; daher betone es die zentralen Prinzipien und Konzepte und zeige, was funktioniere und welche Kapazitäten für die jeweiligen Ansätze erfor- derlich seien. In Rahmenkonzept und Strategie seien hierfür alle verfügbaren Erkenntnisse zusammen- getragen und die Zusammenhänge in ihrer integrierten Gesamtheit gezeigt worden. Ein breites Spekt- rum von Akteuren, das von Regierungschefs bis zu nichtstaatlichen Organisationen, Bürgermeistern und Gouverneuren reiche, solle hieraus Nutzen ziehen können. Veränderungen und Erneuerungen in den Führungskonzepten des Gesundheitsbereichs würden hierdurch legitimiert. Eine der größten Stär- ken von Rahmenkonzept und Strategie sei, dass hier gezeigt würde, wie die neuen Konzepte erfolg- reich umgesetzt werden könnten. Verfahren zur Weiterentwicklung der Kapazitäten und der Anleitun- gen würden in „Kernpaketen“ angeregt, über die eine neue interaktive Website weitere Auskunft gebe. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 23 Ein Vertreter des SCRC sagte, der Ständige Ausschuss habe insbesondere die stark partizipatorische Herangehensweise an den Entwurf von „Gesundheit 2020“ begrüßt, durch die bedarfsgerecht und sen- sibel auf die Rückmeldungen der Mitgliedstaaten und Partner in der gesamten Europäischen Region eingegangen worden sei. Beide Dokumente seien tatsächlich das Ergebnis einer gemeinsamen An- strengung. „Gesundheit 2020“ appelliere wirklich an viele Akteure. Hier würde nichts vorgeschrieben, sondern es würden für alle Mitgliedstaaten in der Region Hilfen und Anregungen angeboten. Der SCRC unterstütze beide Dokumente und den sie begleitenden Resolutionsentwurf von ganzem Herzen. In der sich anschließenden Diskussion ergriffen Vertreter aus 30 Mitgliedstaaten das Wort und drück- ten ihre Unterstützung für „Gesundheit 2020“ und Wertschätzung für die Führungsrolle der WHO in dem Unterfangen aus. Alle begrüßten das Grundsatzdokument, dessen Entstehungsprozess (der auf partizipatorische Weise allen Mitgliedstaaten Beiträge ermöglicht habe), dessen Qualität und dessen Nützlichkeit für die Arbeit im eigenen Land. Viele Mitgliedstaaten berichteten davon, dass sie ihre Gesundheitspläne der kommenden Jahre bereits an früheren Entwürfen des Rahmenkonzepts „Ge- sundheit 2020“ orientiert hätten. Das Rahmenkonzept sei von signifikantem Wert für die Arbeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit, in den Ministerien, Gemeinschaften, akademischen Institutionen, Städten und Gemeinden, zwischenstaatlichen Organisationen und in der Zivilgesellschaft. Eine Dele- gierte sagte, sie freue sich darauf, das Konzept für die Einführung eines neuen Teams im Gesund- heitsministerium ihres Landes in den Stellenwert und Beitrag der öffentlichen Gesundheit für die Re- gierung unter dem Aspekt des Wirtschaftswachstums zu nutzen. Alle Redner begrüßten die Evidenz- grundlage von Rahmenkonzept und Strategie sowie die präsentierten neuen Ansätze (die ein gesamt- staatliches und gesamtgesellschaftliches Vorgehen vorsähen). Eine Reihe von Delegierten wiesen dar- auf hin, es bestehe nicht unbedingt ein linearer Zusammenhang zwischen Gesundheitsausgaben und gesundheitlichen Resultaten; vielmehr könnten manchmal schon relativ geringe Investitionen in Ge- sundheitsförderung und Krankheitsprävention zu erheblichen gesundheitlichen Zugewinnen führen. Im Namen des Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerks wurde die Tatsache begrüßt dass das Do- kument eher einen Schirm über Strategien spanne, statt wie früher konkrete Gesundheitsthemen anzu- gehen, und dass dieses Modell in Zukunft zur Verknüpfung anderer Konzepte und Strategien der Re- gion genutzt werden könnte. Als Beispiel könnten die beiden anderen Strategien dienen, die das Regi- onalkomitee gerade diskutiere, nämlich die zum Thema öffentliche Gesundheit und die zum gesunden Altern. „Gesundheit 2020“ ergänze auch die Verpflichtung von Banja Luka, die in Bosnien und Her- zegowina 2011 eingegangen worden sei. In einer Wortmeldung wurde gesagt, dass „Gesundheit 2020“ dem Thema Chancengleichheit und der Notwendigkeit sektorübergreifenden Handelns weiter einen Platz auf der Tagesordnung sichere und dass dies in Zeiten wirtschaftlicher Rezession und den sie begleitenden Gesundheitsrisiken sehr wich- tig sei. In einem anderen Beitrag wurde der Nachdruck auf die sektorübergreifende Arbeit gelobt, doch zugleich auf die unterschiedlichen Aufgaben von demokratisch gewählten Organen und öffentlicher Verwaltung einerseits und anderen Akteuren andererseits sowie auf die im Vergleich zum Hinter- grundpapier breiter angelegte europäische Praxis und Auffassung in Bezug auf Gesundheit in allen Politikbereichen hingewiesen. Außerdem wurde die WHO dazu aufgefordert, ihre bedeutende Rolle für die normative Arbeit und die Schaffung von Standards sowie das Angebot fachlichen Rats, insbe- sondere in Bezug auf die Finanzierung von Gesundheitssystemen, weiterhin wahrzunehmen. Die WHO solle die Gesundheitsbehörden durch das Aufzeigen von Optionen und durch Orientierungshil- fen für die Führungsarbeit sowie durch die Nennung der bestehenden Beispiele ressortübergreifen- der Ausschüsse unterstützen. Zu diesen Optionen und Orientierungshilfen müssten alle vorhandenen 24 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Bemühungen und Werkzeuge zählen, deren vollständige Umsetzung vorrangig gesichert werden solle, wie etwa das Tabakrahmenübereinkommen und die Erklärung von Parma über Umwelt und Gesundheit. Ein Delegierter, der im Namen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten das Wort ergriff, äußerte Genugtuung über Synergien des Rahmenkonzepts „Gesundheit 2020“ mit dem Europäischen Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit so- wie mit maßgeblichen Konzepten und Strategien der EU. Andere Delegierte wiederholten die Not- wendigkeit, die Umsetzung von „Gesundheit 2020“ mit der Reform der WHO abzustimmen, Über- schneidungen in der Arbeit zu vermeiden und auch die regionalen und globalen Prozesse aneinander anzupassen. Eine Delegierte äußert sich skeptisch in Bezug auf den Begriff des Wohlbefindens. Es sei schwierig, „Wohlbefinden“ und dessen Abhängigkeit von ökonomischen und historischen Faktoren objektiv zu definieren. Seine Bewertung unterliege dem Risiko von Messfehlern und Fehldeutungen und dies er- schwere länderübergreifende Vergleiche. Sie vertrat auch die Ansicht, dass die Indikatoren objektiv und dadurch hinreichend präzise sein sollten. Außerdem solle die Auswertung von „Gesundheit 2020“ auf bestehenden Indikatoren und Beobachtungsverfahren beruhen und im bestehenden finanziellen Rahmen erfolgen. Die Ergebnisse einer solchen Auswertung könnten dann der Aktualisierung der Er- kenntnisse und der Wissensgrundlage zur besseren Umsetzung von „Gesundheit 2020“ dienen. Ein Mitgliedstaat schlug eine Änderung am Resolutionsentwurf im Absatz 2 des Beschlussteils vor. Im Namen des Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerks wurde die Hinzufügung eines neuen Unter- absatzes zwischen den Absätzen 6 b) und 6 c) angeregt. Ein weiterer Vertreter kündigte im Namen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten an, dem Sekretariat eine Reihe von Änderungsvor- schlägen am Resolutionsentwurf schriftlich zu übermitteln. Matthias Groote, der Vorsitzende des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebens- mittelsicherheit (ENVI) des Europäischen Parlaments richtete per Video eine Grußbotschaft an die Tagungsteilnehmer. Er begrüßte „Gesundheit 2020“ und verglich das Rahmenkonzept mit dem EU- Programm: „Gesundheit für Wachstum“ (2014–2020). Das Programm bezwecke nachhaltige Gesund- heit durch gesunde Ernährung sowie das Vorgehen gegen eine sitzende Lebensweise, die Maximie- rung des gesellschaftlichen Mitwirkens älterer Menschen, den Abbau grenzüberschreitender Gesund- heitsgefahren und den Ausbau der Pharmakovigilanz. Dieses Programm passe synergetisch zu „Ge- sundheit 2020“ und er sehe der Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro erwartungsvoll entgegen. Die Regionaldirektorin begrüßte, dass sich „Gesundheit 2020“ schon in der Entstehungsphase auf die gesundheitspolitische Entwicklung auf nationaler Ebene auszuwirken begonnen habe. Sie sicherte al- len Mitgliedstaaten zu, dass das Regionalbüro sie bei ihren Bemühungen zur Umsetzung des Rahmen- konzepts mit voller Kraft unterstützen werde. Die Definitionshoheit der Länder über „Gesundheit 2020“ sei entscheidend, sie sei schon im partizipatorischen Entwurfsverfahren gefördert worden und müsse durch politische Entschlossenheit und Führungsstärke auch in der Umsetzung erhalten bleiben. Sie erkannte die Notwendigkeit an, „Gesundheit 2020“ nicht nur mit anderen regionalen Initiativen, sondern auch mit den globalen Prozessen im Allgemeinen und mit der Reform der WHO im Besonde- ren abzustimmen. Die im Rahmen des SEEHN abgegebene Stellungnahme zur notwendigen Abstimmung von WHO- Strategien und Aktionsplänen mit „Gesundheit 2020“ sei besonders relevant und ließ sie daran denken, WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 25 dass das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ ein lebendiges Dokument sein solle. In Beantwortung der gegen den Begriff des Wohlbefindens geäußerten Bedenken erinnerte sie daran, dass Wohlbefin- den in der Definition von Gesundheit der Satzung der WHO enthalten sei. Eine weitere Verfeinerung der Definition von Wohlbefinden sei erforderlich, könne aber nur auf Anweisung der Mitgliedstaaten und in einem partizipatorischen Konsultationsprozess erfolgen. Auch wenn die WHO die Gesund- heitsbehörden bereits zur Zusammenarbeit mit anderen Sektoren ermutige, so seien größere Anstren- gungen zur Förderung der Zusammenarbeit mit dem Bildungssektor erforderlich, da sich gerade Inves- titionen in die frühkindliche Entwicklung wirklich lohnten. Die Gesundheitsminister sollten in dieser Hinsicht eine führende Rolle einnehmen. Zum Abschluss eröffnete die Regionaldirektorin die neue Website für „Gesundheit 2020“. Im Namen des Europäisches Herznetzes, der Europäischen Allianz für öffentliche Gesundheit, des Europäischen Verbands für öffentliche Gesundheit, der European Respiratory Society, der Internatio- nalen Allianz der Patientenorganisationen, des Internationalen Epilepsiebüros, dem Ständigen Aus- schuss der europäischen Ärzte, der Thalassaemia International Federation, der Weltvereinigung für physikalische Therapeutik, dem Weltverband für medizinische Ausbildung und dem Weltverband der ErgotherapeutInnen wurden Erklärungen abgegeben. Das Regionalkomitee behandelte den Resolutionsentwurf aus Dokument EUR/RC62/Conf.Doc./8 Rev.1. Im Namen der Europäischen Union und deren Mitgliedstaaten wurden zwei weitere Änderun- gen vorgeschlagen. Das Regionalkomitee verabschiedete Resolution EUR/RC62/R4. Reform der WHO (EUR/RC62/14, EUR/RC62/16, EUR/RC62/16 Add.1, EUR/RC62/17, EUR/RC62/18, EUR/RC62/Conf.Doc./10) Zwölftes Allgemeines Arbeitsprogramm 2014–2019 Der Beigeordnete Generaldirektor für Allgemeines Management stellte den jüngsten Entwurf des Zwölften Allgemeinen Arbeitsprogramms (GPW12) vor. Da die Mitgliedstaaten mehr Konsultation und Partizipation in der Erarbeitung des GPW12 und des Programmhaushalts der Organisation gefor- dert hätten, habe im Februar 2012 im WHO-Hauptbüro in Genf eine Konsultationstagung stattgefun- den, auf der Einigkeit über fünf (plus eine) Kategorien und fünf Kriterien für die Festlegung der Prio- ritäten und Programme der WHO erzielt worden sei. Eine erste Skizze des GPW12 sei auf der 65. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2012 erörtert worden. Ein zweiter Entwurf des GPW12 und ein erster Entwurf des Programmhaushaltsentwurfs für 2014–2015 würden derzeit auf den Tagungen der Regionalkomitees erörtert und beide Dokumente würden danach für die Vorlage vor PBAC und Exe- kutivrat im Januar 2013 und der 66. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2013 überarbeitet. Anders als im aktuellen GPW11 für den Zeitraum 2006–2015, in dem den Prioritäten der WHO nur relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden sei, stelle das GPW12 einen strategischen Rahmen 26 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG auf, der sich auf die direkte Verknüpfung zwischen der Arbeit der WHO und die sich daraus ergeben- den Folgen für die öffentliche Gesundheit konzentriere und dadurch deutlicher den Ertrag der Investi- tionen in die Organisation zeige. Das erste Kapitel im GPW12 diene der Beschreibung des Umfeldes in Form der politischen, ökonomischen, sozialen und ökologischen Realitäten und der sich wandeln- den Agenda und Situation für die globale Gesundheit. Im zweiten Kapitel werde die Rolle der WHO durch eine Kombination beständiger Grundsätze, Werte und Ansätze und der strategischen Antwort auf das sich wandelnde Umfeld dargestellt. Im dritten Kapitel würden 26 Prioritäten für den Zeitraum 2014–2019 bestimmt, indem die Kriterien für die Prioritätensetzung innerhalb der jeweiligen Fachka- tegorie angewandt würden, und es werde kurz auf die Rolle der WHO in jedem Prioritätenbereich ein- gegangen. Das vierte Kapitel sei eine Beschreibung der Aktivitäten in den Programmkategorien, die zum Erreichen der Ergebnisse der Reform von Führungs- und Leitungsstruktur der WHO beitrügen. Im fünften Kapitel werde durch eine klare Kausalkette für die Ergebnisse gezeigt, wie Investitionen in die WHO die Gesundheit der Menschen verbesserten, indem Beiträge und Aktivitäten mit Leistungen, Ergebnissen und Auswirkungen verknüpft würden. Das Sekretariat trage alleine die Verantwortung für die drei ersten Aspekte, während es sie für die beiden letztgenannten Aspekte mit den Mitgliedstaaten und Partnern teile. GPW12 umfasse Ergebnisse und Auswirkungen, während der Programmhaushalts- entwurf auf Leistungen konzentriert sei. Beiträge und Aktivitäten würden im Rahmen der operativen Planung der Organisation definiert. Ein sechstes und abschließendes Kapitel zu den Ressourcen werde an den nächsten Entwurf des GPW12 angehängt. In der sich anschließenden Aussprache dankten die Mitgliedstaaten dem Sekretariat und allen an der Erstellung der Dokumente zur Reform der WHO beteiligten Parteien. Alle Mitgliedstaaten seien an der Gegenleistung für ihr Geld interessiert, sodass diese Perspektive nicht nur „Gesundheit 2020“, sondern auch das GPW12 und den Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 prägen solle. Die Aktivitä- ten der WHO sollten letztlich dem Aufbau der Gesundheitssysteme und -kapazitäten der Mitgliedstaa- ten dienen, insbesondere in Bezug auf Katastrophenschutz, epidemiologische Überwachung und Ge- genmaßnahmen. Weitere Prioritäten seien Querschnittsthemen wie die sozialen Determinanten von Gesundheit und gesundheitliche Benachteiligungen. In beiden Dokumenten müsse eine klare Rollen- und Aufgabenverteilung zwischen den drei Ebenen der Organisation (Hauptbüro, Regionalbüro und Länderbetrieb) noch deutlicher herausgearbeitet werden. Mehrere Delegierte waren der Überzeugung, dass die fünf Kategorien für die Fachprogramme einen geeigneten Rahmen für das GPW12 böten und begrüßten den ergebnisorientierten Ansatz. Allerdings waren sie der Ansicht, dass die 26 vorgeschlagenen Prioritäten den langjährigen bzw. jetzigen Ar- beitsweisen entsprächen und daher keine strategische Neuausrichtung für die Organisation mit sich brächten. Weitere Informationen zur Begründung der Auswahl dieser Prioritäten seien erforderlich. Ja, man solle sich bemühen, ihre Zahl zu verringern, indem man untersuche, warum die früher gesteckten Ziele nicht erreicht wurden, ob die Aktivitäten noch relevant seien bzw. von anderen Akteuren besser durchgeführt werden könnten und welche Aktivitäten strategisch so wichtig seien, dass sie unter allen Umständen von der WHO ausgeführt werden müssten. Das Fehlen von Budgetzahlen erschwere es den Ländern, der Bitte der Weltgesundheitsversammlung in Bezug auf die Setzung von Prioritäten nachzukommen. Einer Wortmeldung zufolge könne die Ab- grenzung des Arbeitsbereichs der WHO nicht auf der Ebene von Kategorien und Prioritäten im GPW12, sondern nur auf der Ebene konkreter Aktivitäten erfolgen. Es wurden auch Zweifel geäußert, ob sich die 194 Mitgliedstaaten der WHO auf Prioritäten in einer Präzision einigen könnten, wie sie WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 27 für das GPW12 und den Programmhaushaltsentwurf erforderlich seien. Der Impuls für diese schwieri- gen Entscheidungen müsse von der Generaldirektorin und einem reformwilligen Sekretariat kommen. Nach ihrer Wiederwahl sei der Generaldirektorin der klare Auftrag erteilt worden festzustellen, welche Prioritäten aus welchen Gründen gesetzt würden, welche Organisationsebene am besten eine bestimm- te Aufgabe erfüllen könne und welches Budget zur Durchführung derselben erforderlich sei. Dagegen wurde eingewandt, dass die wichtigste Herausforderung immer noch darin liege zu sichern, dass die Prioritäten demokratisch durch die leitenden Organe festgelegt würden und dass nur die Weltgesundheitsversammlung dies durch eine Entscheidung über das GPW und den Programmhaus- halt tun könne. Die entsprechend gefundenen Prioritäten müssten dann angemessen finanziert werden. Die aktuellen Haushaltsverfahren seien veraltet: Sie seien für eine Organisation entworfen worden, die über ein kleineres, aber flexibleres Budget verfügt hätte, wogegen derzeit ein Großteil der Mittel zweckgebunden sei. Ein neues Finanzierungsmodell und Haushaltsverfahren müsse von Transparenz, Demokratie und Vorhersehbarkeit geprägt sein. Eine Herangehensweise könne sein, die ordentlichen Beiträge vollkommen von ihrer Zweckbindung zu befreien. Eine andere wäre die Schaffung eines Fi- nanzierungsdialogs mit den Mitgliedstaaten unmittelbar im Anschluss an die Entscheidung der Welt- gesundheitsversammlung über einen neuen Programmhaushalt, damit die Prioritäten gemäß den von den Mitgliedstaaten getroffenen Vereinbarungen finanziert würden. Das Ergebnis des Finanzierungs- dialogs könne dem PBAC und dem Exekutivrat vorgelegt werden, damit die Regionaldirektorin sich anschließend für die Mobilisierung von Ressourcen zur Schließung der verbleibenden Haushaltslücken einsetze (eine dezentralisierte Ressourcenbeschaffung diene nicht der Transparenz). Ein Delegierter sagte im Namen der EU und ihrer Mitgliedstaaten, dass man einen Resolutionsentwurf zu diesem Punkt an das Sekretariat gegeben habe, mit der Bitte um Verteilung an das Regionalkomitee zu dessen weiterer Behandlung. In seiner Antwort auf die Beiträge der Delegierten führte der Beigeordnete Generaldirektor für Allge- meines Management aus, dass einzelne Aktivitäten für jeden der 26 prioritären Bereiche im GPW12 herausgegriffen worden seien, dass es jedoch nicht die Absicht des Sekretariats sei, jeden Bereich um- fassend auf diese Weise darzustellen. Eine Arbeitsgruppe sei gerade mit der Frage der Aufgabenvertei- lung zwischen den drei Ebenen der Organisation für jede Leistungsgruppe befasst. Die Generaldirektorin stimmte zu, dass Kapazitätsaufbau eine wichtige Aufgabe der Organisation sei, doch warnte sie vor einer durch den Anbieter selbst erzeugten Nachfrage: die Länder sollten in der Lage sein, sich von den Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau zu emanzipieren. Es sei zwar richtig, dass 26 Prioritäten zu viele seien, doch habe die Weltgesundheitsversammlung sie gebilligt: Vielleicht sei es notwendig, Prioritäten nach einer angemessenen Zeit von etwa sechs Jahren wieder hinter dem Ho- rizont verschwinden zu lassen. In Bezug auf Finanzierungsmechanismen könne es sinnvoll sein, den Mitgliedstaaten multilaterale Gespräche anzubieten, damit einige von ihnen gegebenenfalls eine Um- schichtung ihrer Beiträge auf andere Prioritäten in Erwägung ziehen, falls ein bestimmter Bereich überfinanziert sei. In jedem Falle könne sie bestätigen, dass ihre nächsten Schritte zur Erarbeitung des GPW12 und des Programmhaushaltsentwurfs 2014–2015 nach den Tagungen aller Regionalkomitees des Jahres 2012 darin bestehen würden, unter Berücksichtigung der durch die Mitgliedstaaten auf die- sen Tagungen geäußerten Ansichten zu benennen, welche Aktivitäten auf welcher Ebene ausgeführt werden müssten, und dann im Januar 2013 überarbeitete Fassungen der Dokumente (mit Teilhaushal- ten) dem PBAC und dem Exekutivrat vorzulegen. 28 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Im Namen der Internationalen Föderation der Medizinstudentenverbände und des Medicus Mundi In- ternational Network wurden Erklärungen abgegeben. Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 – Die Perspektive der Europäischen Region Der Beigeordnete Generaldirektor für allgemeines Management erklärte, der Programmhaushalt sei der zweijährliche Ausdruck des GPW, in dem die vom Sekretariat vorgeschlagenen Produkte für jeden vorrangigen Bereich konkretisiert würden. Diese Produkte seien erwartete Ergebnisse, für die das Sek- retariat die erforderlichen Mittel erhalte und vollständig verantwortlich sei. Wenn eine Ergebniskette für jeden Tätigkeitsbereich festgelegt sei, könne der Etat entsprechend angepasst werden. Das Produkt werde festgelegt, dann werde über die Arbeitsteilung (Hauptbüro, Regionalbüro oder Länderbüros) entschieden, worauf eine Kostenkalkulation erfolge, und erst dann würden Mittel zugeteilt. In Erman- gelung von Haushaltszahlen (da es noch keine Kostenkalkulation gebe) enthalte der Programmhaus- haltsentwurf 2014–2015 einen Überblick darüber, wie der Haushalt 2010–2011 verwendet worden sei und wie die Mittel im gegenwärtigen Zweijahreszeitraum verwendet würden. Eine überarbeitete Fas- sung des Programmhaushaltsentwurfs 2014–2015, bei der die Kostenkalkulation für die Produkte be- rücksichtigt sei, werde dem PBAC und dem Exekutivrat im Januar 2013 vorgelegt. Der Direktor der Abteilung Verwaltung und Finanzen stellte das Dokument mit der Perspektive des WHO-Regionalbüros für Europa zum Programmhaushalt 2014–2015 (EUR/RC62/16 Add.1) vor. In dem Dokument würden Zielvorgaben und Produkte für die Europäische Region festgelegt, die nach der Verabschiedung des Programmhaushalts 2014–2015 durch die Weltgesundheitsversammlung wei- ter konkretisiert würden. Zwischen dem Regionalkomitee und dem Sekretariat des Regionalbüros für Europa werde gewissermaßen ein „Vertrag“ geschlossen, in dem die geplanten Aktivitäten festgelegt und die notwendigen Finanzmittel konkretisiert würden. Die Europäische Region sei eine Vorreiterin in Bezug auf die Verwendung von Produkten (outputs) und Resultaten (outcomes); für den Zeitraum 2012–2013 habe sie bereits insgesamt 27 zentrale vorrangige Resultate und 57 andere vorrangige Re- sultate festgelegt. Eine Bestandsaufnahme des Inventars der erwarteten Resultate sei derzeit im Gange, und für den Zeitraum 2014–2015 werde eine Veränderung um 20% erwartet. In dem Dokument werde auch das Geschäftsmodell untersucht, in dem das Regionalbüro operiere, und es werde der relative Vorteil des Regionalbüros herausgearbeitet. Da der globale Programmhaushaltsentwurf bisher noch keine Haushaltszahlen enthalte, würden in dem Dokument über die Perspektive des Regionalbüros zwei Kosten-Szenarien präsentiert, von denen eines dieselbe Mittelzuteilung zugrunde lege wie für den Zeitraum 2012–2013 (221 Mio. US-$), und das andere eine höhere Zuteilung (240 Mio. US-$). Beide Szenarien seien rein hypothetisch und sollten lediglich demonstrieren, wie in einer endlichen Haushaltsumgebung Mittel verteilt würden. Zur Wie- derherstellung des Gleichgewichts zwischen Personalkosten und Aktivitäten werde eine Neuzuord- nung der Personalkosten vorgenommen. Während die globale Finanzsituation der Organisation stabil sei und die für den gegenwärtigen Zweijahreszeitraum benötigten 4 Mrd. US-$ wohl aufgebracht wer- den könnten, so sei die finanzielle Situation des Regionalbüros weit weniger rosig. Derzeit verfüge das Regionalbüro über 12 Mio. US-$ weniger zur Umsetzung des Programms für 2012–2013 als zum glei- chen Zeitpunkt im vorangegangenen Zweijahreszeitraum. Von den gesamten Haushaltsmitteln des Regionalbüros entfielen 61% auf freiwillige Beiträge, von denen rund zwei Drittel direkt vom Regio- nalbüro mobilisiert worden seien. Dies bedeute, dass das Regionalbüro, auch wenn die Mitgliedstaaten WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 29 Finanzmittel an die „eine WHO“ bereitstellten, dennoch gezwungen sei, sie ein zweites Mal um mehr Mittel zu bitten. Es werde angenommen, dass der nächste Programmhaushalt „vorabfinanziert“ werde, d. h. dass die freiwilligen Beiträge im Voraus zugesagt würden, sodass ein zuverlässigeres Bild vom Umfang der im kommenden Zweijahreszeitraum verfügbaren Mittel entstehe. Der Leitende strategische Berater für Programm- und Ressourcen-Management fügte hinzu, in dem Dokument würden die im GPW12 enthaltenen fünf globalen Kriterien für die Prioritätensetzung auf die Situation in der Europäischen Region angewandt. In Anhang A werde dargestellt, welchen Bezug diese Kriterien zu den einzelnen Kategorien aus dem GPW hätten, und in Anhang C würden die 84 Resultate des gegenwärtigen Inventars mit ihren einzelnen Produkten nach Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 verknüpft. Das Dokument enthalte auch einen Überblick darüber, wie die Produkte des Sekretariats sich im Idealfall mit Blick auf die sechs Kategorien aus dem GPW12 entwickeln könnten. Ein Mitglied des SCRC sagte, der Ständige Ausschuss sei unangenehm überrascht worden, dass ihm ein Programmhaushaltsentwurf ohne Zahlen vorgelegt worden sei. Sie fügte hinzu, auch wenn sie die vom Beigeordneten Generalsekretär abgegebene Erklärung begrüße, so halte sie es dennoch nicht für angemessen, über Haushaltsprioritäten isoliert von jeglicher Information über geplante Zuteilungen und programmatische Entscheidungen zu diskutieren. Dies gelte vor allem dann, wenn ein konstanter Haushaltsrahmen geplant sei, in dem Ausgaben in einem Bereich nur auf Kosten anderer Ausgaben erhöht werden könnten, und wenn die Kosten für die Produkte stiegen. Der SCRC bedauere es, dass das Regionalkomitee nicht die Gelegenheit erhalten habe, über diese schwierigen Kompromisse zu diskutieren. Der SCRC begrüße die Perspektive des Regionalbüros zum Programmhaushalt, da sie das richtige Maß an Analyse und Detail enthalte und als Orientierungshilfe dienen könne, die den globalen Haus- halt in dem Kontext der Europäischen Region stelle. Der SCRC stelle fest, dass Fortschritt auf die eine WHO zu gemacht würden und begrüße dies, und sehe in diesem Zusammenhang einer weiteren Prü- fung angemessener Mittelzuweisungen entgegen. Er stimme zu, dass eine Verlagerung von Aufgaben mit einer entsprechenden Übertragung von Geldern einhergehen müsse, und sehe der Anwendung die- ses Grundsatzes mit Erwartung entgegen. In der anschließenden Aussprache begrüßten viele Teilnehmer den ergebnisorientierten Ansatz im neuen Programmhaushalt, dessen Schwerpunkt auf der durchzuführenden Arbeit liege, womit die WHO einen Vorsprung gegenüber anderen Organisationen habe. Mehrere Delegierte waren der An- sicht, die finanzielle und haushaltliche Transparenz müsse verbessert und es müsse deutlich erklärt werden, wie die Mittel verwendet und welche Resultate erwartet würden. Auch wenn die Mitgliedstaa- ten sich darüber einig waren, dass die Ausarbeitung einer neuen Haushaltsstrategie ein zentrales Ele- ment der WHO-Reform bilde und besonders wichtig für die Glaubwürdigkeit der Organisation sei, so waren sie doch der Ansicht, es sei schwierig, ohne jegliche Information bezüglich der Kosten über den Programmhaushaltsentwurf zu diskutieren. Sie fragten, welche Maßnahmen das WHO-Hauptbüro zur Erstellung von Kostenkalkulationen ergreife. Einige Delegierte wiesen darauf hin, dass die Aktivitäten und Produkte zu Zeiten einer Finanzkrise priorisiert werden müssten; Business-as-usual sei nicht ak- zeptabel. Die Repräsentantin eines Mitgliedstaates äußerte Bedenken, dass einige der geplanten Pro- dukte zu viele Elemente beinhalteten, um in einem Zweijahreszeitraum abgeschlossen zu werden. Sie stellte auch die Frage, wie die Prioritätsstufe dieser Elemente bestimmt werde. Ein anderer Delegierter bat um Informationen darüber, wie die WHO-Reform finanziert werde. 30 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Zahlreiche Delegierte äußerten sich lobend über das Dokument mit der Perspektive des Regionalbüros zum Programmhaushalt 2014–2015 und bezeichneten die beiden Haushalts-Szenarien als besonders hilfreich. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass selbst bei einem unveränderten Haushalt eine Effi- zienzsteigerung innerhalb der Organisation erwartet werde. Ein anderer Delegierter wünschte sich ei- nen Fahrplan, aus dem der zeitliche Rahmen für die Umschichtung der Mittel klar hervorgehe. Zwei Teilnehmer warnten vor jeglicher Reduzierung des Etats des Regionalbüros für die Bekämpfung über- tragbarer Krankheiten, da in Zentralasien im Vergleich zu anderen Teilen der Europäischen Region besonders hohe Fallzahlen von HIV/Aids wie auch Tuberkulose zu verzeichnen seien. Mehrere Mit- gliedstaaten unterstrichen die Bedeutung nicht nur einer Abtretung von Aufgaben an die WHO- Regionen, sondern auch die der Stärkung der Präsenz der WHO in den Ländern. Der Beigeordnete Generaldirektor für Allgemeines Management räumte ein, dass das Sekretariat erst zu einem späten Zeitpunkt erklärt habe, warum der Programmhaushaltsentwurf in der dem Regional- komitee vorgelegten Fassung keine Zahlen enthalte. Sobald die Prioritäten und Produkte sowie die Arbeitsteilung festgelegt seien, müsse ein „Realitätstest“ in Bezug auf die Personalausstattung durch- geführt werden. Der Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 müsse Veränderungen und Umschichtun- gen in der Organisation signalisieren, um den Reformprozess voranzubringen. Die Informationen zur Kostenkalkulation würden veröffentlicht, sobald sie vorlägen. Es müsse weiter geprüft werden, wie Produkte zu priorisieren seien. Der Direktor der Abteilung Verwaltung und Finanzen stimmte zu, dass HIV/Aids und Tuberkulose ein besonders gravierendes Problem der Europäischen Region darstellten. Eine Verringerung der Ressour- cen, die der Leistungserbringung im Zusammenhang mit übertragbaren Krankheiten zugewiesen seien, dürfe nicht dazu führen, dass die Bemühungen zur Bekämpfung von HIV/Aids und Tuberkulose redu- ziert würden. Die Reform der WHO mache ihre verstärkte Präsenz in den Ländern erforderlich: die Länderbüros in der Region seien überprüft und für notwendig befunden worden – daher würden sie nicht geschlossen. Allerdings fehle es an finanziellen Mitteln, um die Arbeitsplätze hochrangiger Sachverständiger in jedem Länderbüro abzusichern. Daher würden die Ressourcen zusammengelegt und man werde Sachverständige je nach Bedarf in den Länderbüros einsetzen. Die Generaldirektorin wies darauf hin, dass die WHO nicht über ihre Verhältnisse leben dürfe. Im Rahmen der Bemühungen zur Effizienzsteigerung müsse dafür Sorge getragen werden, dass die Quali- tät der Leistungen keine Einbußen erleide. Es sei zu prüfen, welche Tätigkeitsbereiche eingestellt wer- den könnten. Bei dem WHO-Budget für den laufenden Zweijahreszeitraum in Höhe von 4 Mrd. US-$ handle es sich um ein gekürztes Budget, das auf den Mitteln basiere, die in früheren Zweijahreszeit- räumen eingenommen worden seien. Diese Mittel müssten auch die Kosten decken, die durch Inflati- on, Wechselkursschwankungen und die Instandhaltung von Gebäuden entstünden. Eine Sonderar- beitsgruppe zur Beschaffung von Mitteln sei geschaffen worden. Die Beschaffung der Mittel könne aber nur genehmigt werden, wenn sie gemäß den Prioritäten erfolge. Werde eine vollständige Finan- zierung nicht erreicht, dann entscheide sie, an welcher Stelle Kürzungen vorzunehmen seien. Bislang sei das Verfahren zur Reform der WHO dermaßen unterfinanziert, dass es wahrscheinlich scheitern werde. Die Generaldirektorin ersuchte die Mitgliedstaaten eindringlich, kostenlose Unterstützung an- zubieten. Die Regionaldirektorin sagte, die Organisation habe nun die einzigartige Gelegenheit, GPW und Pro- grammhaushalt zurechtzurücken. Die Regionaldirektorin unterstützte die Bemühungen der Generaldi- rektorin in dieser Hinsicht vollkommen. Angesichts der Annahme von Gesundheit 2020 könne jetzt WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 31 darangegangen werden zu überlegen, wie in der Europäischen Region angenommene Resolutionen der vergangenen zehn Jahre einem Ende zugeführt werden könnten. Mit dem SCRC habe man die durch das Regionalbüro zu erbringende Arbeit bereits erörtert und die zentralen Prioritäten des Regionalbü- ros würden 2013 festgelegt. Zwar sei es finanziell nicht möglich, in allen Länderbüros die fachlichen Kapazitäten zu erhöhen, jedoch sollten Anstrengungen unternommen werden, dies auf Ebene des Re- gionalbüros und der Außenstellen im Dienste an der gesamten Region zu ermöglichen. Es fehle an Maßstäben zur Klärung der Aufgaben der drei Organisationsebenen und zu ihrer anschließenden Fi- nanzierung. Sie begrüßte die Schaffung der Sonderarbeitsgruppe zur Mittelbeschaffung. Es sei unbe- dingt näher zu prüfen, wie im Sinne des Gemeinschaftsgeistes der Organisation freiwillige Beiträge für das Regionalbüro mobilisiert werden könnten, ohne mehr als einmal an die Mitgliedstaaten appel- lieren zu müssen. Sie betonte, dass bis zu einer Einigung über dieses problematische Thema weitere Gespräche erforderlich seien. Das Regionalkomitee verabschiedete die Resolution EUR/RC62/R3 mit der Maßgabe, dass Informati- onen über die Kosten der Leistungen und die Zuweisung der Haushaltsmittel den Mitgliedstaaten zu- kommen würden, sobald sie verfügbar seien. Auswirkungen der WHO-Reform auf die Tätigkeit des Regionalbüros für Europa Die Regionaldirektorin bezeichnete die Reform der WHO als „Baustelle“. Einige Aspekte der Re- formagenda ließen sich schnell umsetzen, während die komplexeren Fragen mehr Zeit erforderten. Die Festlegung der Rollen und Zuständigkeiten für die drei Ebenen der Organisation sei wichtig, da diese die Verteilung der Finanzierung beeinflussten. Der konzeptionelle Rahmen für das GPW12 entspreche den prioritären Bereichen nach „Gesundheit 2020“ und diese Übereinstimmung biete die Chance, viele frühere Resolutionen am Horizont verschwinden zu lassen. Vorschläge in diese Richtung würden dem nächsten Regionalkomitee nach ihrer Beratung mit dem SCRC unterbreitet. Das neue Format des Pro- grammhaushalts sorge für Rechenschaft und Transparenz und würde es daher dem Regionalbüro er- möglichen, den Mitgliedstaaten eine deutlichere Momentaufnahme der Finanzen zu geben. In Bezug auf Führungsfragen seien bereits eine Reihe wichtiger Entscheidungen getroffen worden, etwa was die Vermeidung von Überschneidungen der Strategien auf globaler und regionaler Ebene betreffe. Zur Frage der Harmonisierung von Praktiken der Regionalkomitees sei jetzt für vollkommene Transparenz bei der Nominierung für das Amt des Regionaldirektors gesorgt, die Beglaubigungsprü- fung für die am Regionalkomitee teilnehmenden Mitgliedstaaten sei dem SCRC übertragen worden, die Teilnahme von Beobachtern an Tagungen des Regionalkomitees werde in einem Dokument zur Vorlage beim Exekutivrat im Januar 2013 aufgegriffen und der Exekutivpräsident werde auf der nächsten Tagung des Exekutivrats über die Verhandlungen des Regionalkomitees berichten. Mehrere Delegierte äußerten die Ansicht, dass die Dauer künftiger Regionalkomitees bei vier Tagen gehalten werden solle, dass die Weltgesundheitsversammlung jedoch oft Themen zur Tagesordnung des Regio- nalkomitees hinzufüge und dann das Programm aus den Nähten platze. Eine Ausweitung solle daher als Option offengehalten werden. Leitungsreformen würden über den Erfolg der Gesamtreform entscheiden, so könne etwa eine resul- tatbasierte Planung die Notwendigkeit mittelfristiger Pläne aufheben. Die kollegiale Begutachtung von Programmen sei eine zusätzliche Belastung für den SCRC, dabei habe sich die Begutachtung durch ex- terne Kollegen im Hauptbüro oder durch andere Kollegen als extrem nützlich erwiesen. Der letzte As- pekt der Leitungsreform betreffe die Vorhersehbarkeit, Flexibilität und Nachhaltigkeit der Finanzierung 32 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG der Organisation, die aber das Thema für die zwei parallelen Arbeitsgruppensitzungen (break out ses- sions) sei. Acht Punkte seien in Dokument EUR/RC62/18 als Diskussionsgrundlage genannt worden, doch könnten andere hinzukommen. Die Vertreterin des SCRC erinnerte daran, dass in der Europäischen Region die größten Geber für den Haushalt der WHO zu finden seien, und nannte die Reformagenda ein komplexes Thema. Obwohl gute Fortschritte in der Abarbeitung der strategischen Agenda erzielt worden seien, gestalte sich die Leitungsreform etwas schwieriger, da hierzu die Definition der Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf den drei Ebenen der WHO gehörten, durch die ein flexibles Personalangebot gesichert und Flexi- bilität in der Finanzierung der WHO erreicht werden sollten. Der SCRC unterstütze die von den Mit- gliedstaaten betriebene Reform, doch müsse das Sekretariat die Initiative ergreifen und Pläne zur Um- setzung entwickeln, seine eigenen Aufgaben definieren und die interne Verwaltung selbst bestimmen. Sie freue sich auf konkrete Beiträge der parallelen Arbeitsgruppensitzungen zu den Erörterungen wäh- rend der Sondertagung des PBAC. Der Exekutivpräsident berichtete, dass der Beglaubigungsausschuss bestehend aus den vom SCRC benannten Vertretern Andorras, der Russischen Förderation und der Türkei die für die Delegierten zur Tagung durch die Mitgliedstaaten vorgelegten Beglaubigungsschreiben geprüft und für ordnungsge- mäß befunden habe. Rückmeldungen aus den parallelen Arbeitsgruppensitzungen Zwei parallele Arbeitsgruppensitzungen fanden statt. Der Berichterstatter der ersten Arbeitsgruppe sagte, dass diese mit Blick auf die Flexibilität der Finanzmittel zu dem Schluss gekommen sei, dass eine Erhöhung der ordentlichen Beiträge angesichts der aktuellen Finanzkrise keine unmittelbare Lö- sung darstelle, auch wenn dies als mögliche Option für die Zukunft im Auge behalten werden solle. Eine flexible, ausgewogene Verwaltung der ordentlichen Beiträge (AC) durch das Sekretariat nach erfolgter Verteilung zweckgebundener Mittel werde als wünschenswert angesehen, sofern der Haus- halt auf transparente Weise mit ordnungsgemäßen Prüf- und Berichtsverfahren diskutiert und verab- schiedet worden sei. Ein höherer Anteil des Kontos für freiwillige Beiträge (CVCA) am Haushalt, er- fordere langfristig mehr Vertrauen. Die Grundlage hierfür solle ein ressourcenbasiertes Management in Kombination mit Rechenschaftslegung und Transparenz sein. In manchen Ländern ließen die finan- ziellen Vorschriften die Übertragung gänzlich flexibler Finanzmittel nicht zu; deshalb kämen für meh- rere Jahre zweckgebundene Mittel als eine mögliche Lösung zur Erfüllung der Erfordernisse der Or- ganisation in Frage. Mit Blick auf die Vorhersehbarkeit von Finanzmitteln vertrete die Gruppe die Auffassung, dass durch eine Gegenüberstellung von erwarteten Geldern und Programmen, sofern machbar, die Transparenz erhöht und die Verteilung der organisationseigenen Ressourcen gesteuert würde. Auch eine Anfrage bei Gebern, in welcher Höhe sie Beiträge leisten wollten und wohin sie fließen sollten, sei sinnvoll, allerdings erst machbar, wenn die Prioritätensetzung abgeschlossen sei. Ferner wurde auch die Prob- lematik angesprochen, dass manchmal zu viele Geber für einen bestimmten Bereich Mittel zur Verfü- gung stellten, was zu Lasten anderer Bereiche gehe. Es werde vorgeschlagen, bei unzureichenden Mit- teln für einen bestimmten Bereich einen Spendenaufruf zu starten. Auch sollten vielleicht neue Arten von Gebern angesprochen werden, sofern dies auf transparente, ethisch vertretbare Weise geschehe. Die Einführung innovativer Finanzierungsquellen solle jedoch für den Exekutivrat und die WHO an- nehmbar sein. In Bezug auf die Frage, ob eine Verschiebung des Haushaltsjahres zu einer Verbesserung WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 33 der Vorhersehbarkeit der Finanzmittel der WHO führe, wurde angeregt, den Beginn des Haushaltsjah- res auf den 1. Juli zu verlegen. Zum Thema Politikgestaltung und Steuerung seien keine Aussagen gemacht worden. Die Berichterstatterin der zweiten Arbeitsgruppe erklärte, die Gruppe halte in Bezug auf mehr Flexibi- lität der Finanzmittel eine Erhöhung der AC in absehbarer Zeit für unwahrscheinlich. Die Unterstüt- zung der Mitgliedstaaten für mehr Flexibilität in der Verwendung freiwilliger Beiträge (VC) werde von den Fortschritten bei der WHO-Reform abhängen, da die Länder zuerst mehr Vertrauen in die Verwendung der Mittel durch die WHO gewinnen müssten; dies könne durch mehr Transparenz und gute Leistungsbewertungen erreicht werden. Die Mitgliedstaaten wollten wissen, welche Bereiche von zweckgebundenen VC profitierten; dann könne die WHO Finanzierungslücken feststellen und AC ein- setzen und sich um zusätzliche VC zu ihrer Auffüllung bemühen. Die Mitgliedstaaten waren sich darin einig, dass bestimmte Bereiche der Arbeit der WHO, etwa die im Bereich der Pharmazeutika, nur mit AC finanziert werden sollten, um jeden Anschein von Interessenkonflikt zu vermeiden. Darüber hin- aus könne die Generaldirektorin nach den gegenwärtigen Regeln Mittel aus AC leichter zwischen den fünf plus eine Kategorien hin und her bewegen als zwischen den 13 Strategischen Zielen, auch wenn die zulässigen 10% Flexibilität bei Zusammenlegung aller Arten von Finanzmitteln eigentlich nur eine Gesamtflexibilität von 2,5% ergäben. Eine höhere Flexibilität könne nicht nur aus der Aufstockung des Kontos für CVCA entstehen, sondern auch dadurch, dass die Mitgliedstaaten den Anteil von 13% der VC beachteten, der für Programmunterstützungskosten vorgesehen sei. Letztes sei wahrscheinli- cher, wenn die Mitgliedstaaten verstünden, wie sich die Gemeinkosten tatsächlich zusammensetzten. Die Notwendigkeit einer Bewilligungs-Resolution werde von der Art der durchgeführten Reformen abhängen – und insbesondere von der Art der Reformierung der Finanzen. Als wichtigstes Mittel für das Erreichen einer besser vorhersehbaren Finanzierung sei angeregt wor- den, die Zeitspanne zwischen der Annahme des Programmhaushalts durch die Weltgesundheitsver- sammlung und dem Beginn des Finanzjahrs zu verkürzen und damit den Beginn der Umsetzung vor- zuziehen. Den Beginn des Finanzjahres zu verlegen, sei als die praktikablere Lösung erschienen. Das würde auch in Bezug auf die Flexibilität helfen, da die WHO und die Mitgliedstaaten vor Annahme der Bewilligungs-Resolution einen besseren Überblick über die freiwilligen Beiträge besäßen. Der Vorschlag biete noch weitere Vorteile: eine signifikante Verkürzung der aktuell langen Vorlaufzeiten und ein stärkeres Bewusstsein für das Haushaltsrecht der Weltgesundheitsversammlung, das sich aus der Gewissheit der Delegierten ergebe, tatsächlich Prioritäten festzulegen. Andere internationale Or- ganisationen hätten diesen Wandel vollzogen, daher müsse er auch für die WHO möglich sein. Wenn die WHO allerdings den aktuellen Ereigniszyklus beibehalten wolle, müsse sie den Mitgliedstaaten neben dem Programmhaushalt weitere Informationen bieten (welche Prioritäten infolge von Finanzie- rungslücken herabgestuft werden müssten); die Mitgliedstaaten zögen allerdings eine Verschiebung des Beginns des Fiskaljahrs vor. Zum Thema Führungsfragen wurde angemerkt, dass nicht die Geber freiwilliger Beiträge, sondern die Mitgliedstaaten in der Weltgesundheitsversammlung die Prioritäten der WHO festlegen müssten. In der kurzen sich anschließenden Diskussion wurde vereinbart, den Bericht über diese Erörterungen der Generaldirektorin baldmöglichst zukommen zu lassen und so Einfluss auf ihre Vorbereitung auf die Tagungen des PBAC und des Exekutivrates zu nehmen. Außerdem beglückwünschte ein Delegier- ter das Sekretariat, weil es eine echte Diskussion über die Verteilungslogik für die Mittel der Orga- nisation initiiert habe. Die Schlussfolgerung (dass das Sekretariat seine derzeitige Praxis umkehre und zunächst die zweckgebundenen VC betrachte und dann darüber entscheide, wie die AC- und 34 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG CVCA-Mittel eingesetzt werden sollen) würde eine größere Flexibilität der Finanzierung erlauben und es der Generaldirektorin ermöglichen, die Finanzierung des gesamten Programmhaushalts zu sichern. Wahlen und Nominierungen (EUR/RC62/7, EUR/RC62/7 Add.1, EUR/RC62/7 Add.2) Das Regionalkomitee nominierte in geschlossener Sitzung zwei Kandidaten für die Mitgliedschaft im Exekutivrat und wählte vier Mitglieder in den SCRC. Exekutivrat Das Regionalkomitee beschloss, dass sich Albanien und Andorra auf der Weltgesundheitsversamm- lung im Mai 2013 um die Mitgliedschaft im Exekutivrat bewerben und zur Wahl stellen sollten. Ständiger Ausschuss des Regionalkomitees Das Regionalkomitee wählte Finnland, Israel, Österreich und die Republik Moldau für eine dreijähri- ge, vom September 2012 bis zum September 2015 reichende Amtszeit in den SCRC. Europäischer Ministerausschuss für Umwelt und Gesundheit Das Regionalkomitee beschloss, die Mandate von Frankreich, Malta, Serbien und Slowenien zu verlängern. Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) (EUR/RC62/10 Rev.1, EUR/RC62/10 Add.1, EUR/RC62/Conf.Doc./4) Es wurde eine Videopräsentation mit dem Thema „Altern in Europa“ dargeboten. Der Koordinator für gesundes Altern, Behinderung und Langzeitpflege wies darauf hin, dass 2012 das Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen sei. Die Strategie und der Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) seien als Zukunftsvisi- on für ein seniorenfreundliches Europa entwickelt worden, in dem alle Menschen ihren Gesundheits- zustand ohne funktionelle Einschränkungen aufrechterhalten und ihr Leben in Würde fortsetzen könnten. Die Strategie sei eng mit dem Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ verbunden und enthalte vier strategische prioritäre Handlungsfelder: gesundes Altern im gesamten Lebensverlauf; stützende WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 35 Umfelder; Gesundheits- und Pflegesysteme, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht und die auf eine alternde Bevölkerung eingestellt sind; Ausbau der Evidenzgrundlage und Erhöhung der For- schungsanstrengungen. Bei der Auswahl dieser prioritären Handlungsfelder sei sorgfältig darauf ge- achtet worden, dass sie für alle Staaten in der Europäischen Region der WHO relevant seien, unab- hängig von etwaigen Unterschieden betreffend das Einkommensniveau der Länder oder ihre verfügba- ren Ressourcen. Über 40 Mitgliedstaaten hätten bereits nationale Konzepte zum gesunden Altern ver- abschiedet. Das Regionalbüro werde mit ihnen zusammenarbeiten, um konzeptionelle Lücken zu schließen und bei der Durchführung Unterstützung anzubieten, und es werde den Erfahrungsaustausch und die Empfehlung bewährter Praktiken zwischen den Staaten fördern. Es seien Anstrengungen un- ternommen worden um sicherzustellen, dass Strategie und Aktionsplan die Maßnahmen anderer Part- ner in Europa ergänzten, z. B. Maßnahmen der Europäischen Kommission, der OECD und der Wirt- schaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE). Ein SCRC-Mitglied wies darauf hin, dass der Ständige Ausschuss an der Erarbeitung der Strategie und des Aktionsplans aktiv beteiligt gewesen sei. Die Einbeziehung von Vertretern der Europäischen Kommission sei bei der Ausarbeitung von zusätzlichem Nutzen gewesen. Insbesondere begrüße der Ständige Ausschuss die Aufmerksamkeit, welche die Strategie und der Aktionsplan einer engeren Verknüpfung von Gesundheitsversorgung und Langzeitpflege schenkten, und die Hervorhebung der Sekundär- und Tertiärprävention. Das Dokument befasse sich ausgewogen mit gesundem Altern im gesamten Lebensverlauf und frühzeitiger Krankheitsprävention sowie der Versorgung von Menschen, die dauerhaft gebrechlich und hilfsbedürftig seien. Der SCRC unterstütze das Dokument und den ihn begleitenden Resolutionsentwurf. In der anschließenden Diskussion begrüßten mehrere Mitgliedstaaten die Strategie und den Aktions- plan und zeigten sich einig darin, dass gesundes Altern ein besonders wichtiger Aspekt im Rahmen der Verbesserung der Gesundheit der allgemeinen Bevölkerung sei. Zwar sei die steigende Lebenserwar- tung in Europa ein Erfolg, doch müssten die Anstrengungen zur Förderung von gesundem und akti- vem Altern entsprechend verstärkt werden. Die Vertreter mehrerer Länder wiesen auf die Notwendig- keit hin, die Misshandlung älterer Menschen zu verhindern, palliative Versorgung bereitzustellen und qualitativ hochwertige Ernährung sowie angemessene Lebensbedingungen zu fördern. Viele Teilneh- mer brachten ihre volle Unterstützung für die Strategie und den Aktionsplan zum Ausdruck. Ein Mit- gliedstaat wird redaktionelle Änderungen für die deutsche Fassung schriftlich einreichen und ein Ver- treter wies im Namen der EU-Mitgliedstaaten darauf hin, dass Änderungsvorschläge zum Resolutions- entwurf ebenfalls dem Sekretariat übermittelt würden. Der Koordinator für gesundes Altern, Behinderung und Langzeitpflege dankte dem Regionalkomitee für seine Unterstützung und hob hervor, dass Themen wie Ernährung bei der Durchführung der Strate- gie und des Aktionsplans berücksichtigt werden könnten. Erklärungen wurden abgegeben im Namen von Alzheimer’s Disease International, European Chronic Disease Alliance, European Patients’ Forum, der Weltvereinigung für physikalische Therapeutik und dem Weltverband der ErgotherapeutInnen. Das Regionalkomitee verabschiedete Resolution EUR/RC62/R6. 36 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Europäischer Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit (EUR/RC62/12 Rev.1, EUR/RC62/12 Add.1, EUR/RC62/Conf.Doc./6 Rev.2, EUR/RC62/Inf.Doc./5) Der Exekutivpräsident sagte, der Europäische Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebo- te im Bereich der öffentlichen Gesundheit (EUR/RC62/12 Rev.1) sei für das Rahmenkonzept „Ge- sundheit 2020“ und dessen Umsetzung von zentraler Bedeutung. Ein vom Regionalbüro produzierter Film über Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit für das 21. Jahrhundert wurde vorgeführt. Der Direktor der Abteilung für Gesundheitssysteme und öffentliches Gesundheitswesen erläuterte das breit angelegte Konsultationsverfahren unter Beteiligung der Zivilgesellschaft und der Pflegeverbände, das zur Erarbeitung des Plans geführt habe. Das wieder erstarkte Interesse am Thema öffentliche Ge- sundheit passe zu der Reform der WHO und diene auch der Umsetzung der Charta von Tallinn. Die Stärkung der Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit sei auch eine der vier tragenden Säu- len von „Gesundheit 2020“ und daher sei Wert auf Stimmigkeit zwischen dem Aktionsplan sowie dem Rahmenkonzept und der Strategie gelegt worden. Funktionen, Strukturen und Kapazitäten im Bereich der öffentlichen Gesundheit würden für den Gesundheitsschutz, die Krankheitsprävention und die Ge- sundheitsförderung in einem integrierten Vorgehen gestärkt, das auch die primäre Gesundheitsversor- gung erfasse. Der Aktionsplan beruhe auf einer soliden Grundlage aus Erkenntnissen, die u. a. aus Bewertungen der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit in 41 der 53 Mitgliedstaaten der Region, einer Studie über Trägermodelle und Finanzierungsstrukturen und einer Studie über rechtliche und politische Werkzeuge und Instrumente stammten. Zu ihm gehörten auch die zehn grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen (EPHO), die im Sinne einer integrierten Erbringung der Angebote in Gruppen zusammengefasst worden seien. Der Plan werde zwischen 2012 und 2020 in fortlaufender Konsultation mit den Mitgliedstaaten sowie mit Experten und Arbeitsgruppen umgesetzt, er sei in eine Leitungsstruktur eingebunden und er werde von einem eigenen Lenkungsausschuss begleitet. Über die Fortschritte werde dem Regionalkomitee regelmäßig berichtet. Jedes Land könne das Instrument für die Selbstbewertung nutzen, um Bereiche aufzudecken, in denen ein verstärkter Einsatz erforderlich sei oder in dem Finanzierungslücken aufträten. Das Regionalbüro sei entschlossen, die Arbeit der Länder in der Umsetzung des Plans zu unterstützen. Ein Vertreter des SCRC begrüßte den Umstand, dass „Gesundheit 2020“ und der Aktionsplan die Thematik öffentliche Gesundheit wieder zu einem zentralen Anliegen der Arbeit der WHO in der Re- gion gemacht hätten. Der SCRC habe den Aktionsplan mehrmals erörtert und in der Erkenntnis, dass er ein wichtiger Hebel für die Verwirklichung von „Gesundheit 2020“ sei, darauf gedrängt, dass beide Papiere besser aufeinander abgestimmt und die sozialen Determinanten von Gesundheit stärker betont würden. Der SCRC habe angeregt, die Konsultation für den Aktionsplan auszuweiten, damit ein grö- ßeres Publikum ihn sich zu eigen mache. Die zehn EPHO seien so überarbeitet worden, dass sie moderne Praktiken im Bereich der öffentlichen Gesundheit und die ganzheitliche Sichtweise aus WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 37 „Gesundheit 2020“ stärker widerspiegelten. Der zeitliche Rahmen für die Umsetzung sei bis 2020 gestreckt und die in beiden Dokumenten angewandte Terminologie aneinander angeglichen worden. Der SCRC sei der Auffassung, dass diese Änderungen den Aktionsplan für die Mitgliedstaaten nützli- cher habe werden lassen. Mehrere Delegierte zeigten überschwängliche Unterstützung für den Aktionsplan und lobten die Regi- onaldirektorin, weil sie die öffentliche Gesundheit seit ihrem Amtsantritt wieder zu einer Priorität ge- macht habe. Einige Delegierten führten aus, dass größere Umstrukturierungen ihrer nationalen Ge- sundheitsdienste eine Folge ihrer Selbstbewertung auf Grundlage früherer Entwürfe des Aktionsplans gewesen seien bzw. sein würden. Eine Delegierte sagte, dass sie sich bei der Einführung ihres neuen Teams im Ministerium nicht nur auf „Gesundheit 2020“, sondern auch auf den Aktionsplan beziehen werde. Weil der Aktionsplan auf den realen Erfahrungen der Länder beruhe, würden durch ihn nur die geeignetsten Konzepte angeregt. Das Regionalbüro solle regelmäßig die Rückmeldung aus den Be- richten der Länder über die Umsetzung weitergeben und so auf gegebenenfalls notwendige Anpassun- gen hinweisen. Eine Delegierte sagte im Namen der Mitgliedstaaten der EU, dass Änderungsvorschläge zum Resolu- tionsentwurf vorgelegt worden seien, durch welche die Freiwilligkeit der empfohlenen Maßnahmen verdeutlicht, der Wert von Partnerschaften (auch mit Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Bevölke- rung) betont und die Rolle der primären Gesundheitsversorgung unterstrichen werden solle; in einem weiteren Änderungsvorschlag wurde der Ausbau des Online-Instruments gefordert. Andere Delegierte begrüßten den integrierten Ansatz für den Bereich der öffentlichen Gesundheit als hilfreich für eine Zusammenführung des oft breit gestreuten Einsatzes für die öffentliche Gesundheit. Einige Delegierte wiesen auf zum Teil international renommierte Hochschulen für öffentliche Ge- sundheit hin und andere verkündeten Pläne zur Gründung derartiger Einrichtungen. In einer Wortmel- dung wurde geäußert, dass der zusätzliche Schwerpunkt öffentliche Gesundheit im Rahmen der Re- form der WHO, dieser Thematik nach ihrer Vernachlässigung in der Vergangenheit wieder einen an- gemessenen Stellenwert verschaffe, und dass hierfür das volle Potenzial der Arbeit anderer staatlicher und gesellschaftlicher Bereiche noch nicht ausgeschöpft werde. Ein im Namen der zehn Staaten des Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerks sprechender Delegier- ter sagte, dass öffentliche Gesundheit sich als Disziplin noch fortentwickle und über die örtlichen Be- völkerungen hinaus die gesamte globalisierte Welt erreiche und sich dabei mit neuen Themen wie auf- kommenden Infektionskrankheiten, sozialen Determinanten von Gesundheit und Ungleichheiten be- fasse. Der Aktionsplan definiere klar, wie ein moderner und effizienter Dienst für die öffentliche Ge- sundheit aufgebaut werden müsse. Die Thematik öffentliche Gesundheit schlage eine Brücke zu Frie- densprozessen und diene der nachhaltigen Entwicklung ebenso wie einer partizipatorischen Demokra- tie in einem gesamtstaatlichen Ansatz. Die Regionaldirektorin begrüßte die Unterstützung der Mitgliedstaaten für den Aktionsplan, dankte ihnen für ihre Kooperation während des Konsultationsverfahrens und nannte öffentliche Gesundheit eine wichtige Priorität in der Umsetzung von „Gesundheit 2020“. Sie sei erfreut, dass so viele Mit- gliedstaaten bereits die Prinzipien des Aktionsplans befolgten. Der Direktor der Abteilung Gesundheitssysteme und öffentliches Gesundheitswesen begrüßte eben- falls die von den Mitgliedstaaten bekundete Unterstützung. Die Freiwilligkeit des Aktionsplans sei wich- 38 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG tig, da in jedem Land unterschiedliche Voraussetzungen bestünden. Dies sei durch die Änderungen am Resolutionsentwurf berücksichtigt worden. Außerdem sei in jedem Aspekt des Aktionsplans die Betei- ligung der Zivilgesellschaft vorgesehen. Die freiwilligen Selbstbewertungen der Länder hätten un- schätzbare Informationen für den Entwurf des Aktionsplans beigesteuert, insbesondere für das Aufzei- gen von Defiziten und die Festlegung von Prioritäten. Er erklärte, für eine freiwillige Schnellbewer- tung der Lage der öffentlichen Gesundheit in einem Land sei ein vereinfachtes Instrument entwickelt worden, das in Kürze in Betrieb genommen werde. Das Regionalkomitee verabschiedete Resolution EUR/RC62/R5. Eine Länderstrategie für das WHO-Regionalbüro für Europa (2012–2014) (EUR/RC62/13, EUR/RC62/Conf.Doc./7) Die Exekutivbeauftragte für Beziehungen zu den Ländern und Öffentlichkeitsarbeit stellte die Länder- strategie für das WHO-Regionalbüro für Europa (2012–2014) vor (Dokument EUR/RC62/13), die unter aktiver Beteiligung der Mitgliedstaaten und des SCRC entworfen worden sei. Hierbei handele es sich um eine Übergangsstrategie, in der die erforderlichen Maßnahmen aufgeführt seien, welche das Regionalbüro unter Berücksichtigung von Erfahrungen aus der Vergangenheit in und mit den Mit- gliedstaaten sowie für diese durchführen müsse. Viele wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Veränderungen hätten seit Billigung der letzten Länderstrategie in der Region stattgefunden. Die neue Strategie sei flexibel angelegt, für alle Mitgliedstaaten in der Region relevant und in ihr werde eher ein aktives als ein reaktives Vorgehen gegen die anstehenden Probleme gefordert. Es werde mehr Ausge- wogenheit zwischen der Arbeit in und zwischen den Ländern angeregt und die Bedeutung einer multi- lateralen bzw. subregionalen Erbringung von Fachbeistand betont. Auch wenn sie nur ein Zwischenschritt für die kommenden zwei Jahre bedeute, so enthalte die neue Strategie schon eine Vision, die auch in der endgültigen Strategie Bestand haben werde. Sie schlage einen Fächer von Möglichkeiten auf, wie das Regionalbüro auch in Ländern ohne Länderbüro Präsenz zeigen könne, um den regelmäßigen Kontakt mit allen Mitgliedstaaten in der Region zu gewährleisten. In dem Text werde zudem die Schaffung von Länderkooperationsstrategien (CCS) mit jedem Mit- gliedstaat in der Region angeregt. An einer ersten CCS werde derzeit mit der Schweiz gearbeitet. Die neue Länderstrategie bezeuge die Entschlossenheit des Regionalbüros in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten Veränderungen zu erzielen. Ein Mitglied des SCRC sagte, der Ständige Ausschuss begrüße den partizipatorischen Geist, in dem die neue Länderstrategie entworfen worden sei. Die Strategie sei gut mit den Forderungen der Mit- gliedstaaten abgestimmt worden. Die Schaffung von CCS sei insbesondere für Staaten ohne Länderbü- ro von Bedeutung. Im Geiste der Reform der WHO müsse das Regionalbüro für Europa sich mit den WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 39 anderen Regionalbüros zur Frage der Länderkooperation beraten. Der SCRC habe dem Regionalkomi- tee empfohlen, die neue Länderstrategie gemäß dem beiliegenden Resolutionsentwurf anzunehmen. In der anschließenden Aussprache dankten die Vertreter mehrerer Mitgliedstaaten, darunter ein Dele- gierter, der im Namen der EU und ihrer Mitgliedstaaten sprach, den Länderbüros für ihre gute Arbeit. Die Mitgliedstaaten begrüßten das neuerliche Bemühen des Regionalbüros um den Ausbau seiner Be- ziehungen zu den Ländern, insbesondere durch CCS. CCS sollten flexibel gestaltet sein, damit sie den unterschiedlichen Bedürfnissen der Länder in der gesamten Region gerecht würden. Eine Delegierte fragte, in welchem Verhältnis die CCS zu den zweijährigen Kooperationsvereinbarungen (BCA) stün- den und stellte die Frage, ob BCA für Länder relevant seien, die keine fachliche Unterstützung benö- tigten. Eine Delegierte eines Mitgliedstaates, der im Namen der EU und ihrer Mitgliedstaaten sprach, räumte ein, die neue Länderstrategie habe viele gute Ansätze, die jedoch noch weiter ausgearbeitet werden müssten; zudem müsse die Strategie vor ihrer Annahme an der aktuellen Reformdebatte in der WHO ausgerichtet werden. Sie regte substanzielle Veränderungen am Resolutionsentwurf an. In einer Wortmeldung wurden die Änderungsvorschläge unterstützt, in einer anderen erklärte eine Delegierte, ihre Delegation habe nicht genügend Zeit erhalten, die vorgeschlagenen Änderungen zu prüfen, neige aber dazu, den ursprünglichen Resolutionsentwurf zu unterstützen. Der Exekutivpräsident sagte, es sei misslich, dass derart substanzielle Änderungen am Resolutionsentwurf erst so spät entgegengenom- men worden seien. Die Exekutivbeauftragte für Beziehungen zu den Ländern und Öffentlichkeitsarbeit begrüßte die zum Entwurf vorgeschlagenen Änderungen und sagte, dass er bei Annahme durch das Regionalkomitee als gute Grundlage für die Weiterentwicklung der Länderstrategie dienen könne. Die Mitglieder, die die vorgeschlagenen Änderungen nicht hätten prüfen können, sollten hierfür Zeit erhalten. Während die CCS eine Strategie für die Kooperation zwischen dem Regionalbüro und einzelnen Ländern darstell- ten, dienten die BCA eher als Aktionsplan. BCA könnten durch einen Notenwechsel geändert oder aufgehoben werden. Sie begrüße die geäußerte Unterstützung für die Arbeit der Länderbüros. Die Regionaldirektorin versicherte dem Regionalkomitee, dass der Ansatz des Regionalbüros zur Entwicklung der Länderstrategie ganzheitlich gewesen sei und den Reformprozess der WHO berück- sichtigt habe. Für das Regionalbüro liege eine Herausforderung darin, in gleicher Weise für alle 53 Mitgliedstaaten in der Region relevant zu sein. Dies lasse sich nur erreichen durch ein Geschäfts- modell des Regionalbüros mit einem starken Sitz in Kopenhagen und voll integrierten Außenstellen für zusätzliche fachliche Kapazitäten sowie Länderbüros zur Unterstützung. Die CCS böten einen sys- tematischen Ansatz der Zusammenarbeit mit allen Mitgliedstaaten, hierunter denen ohne BCA oder Länderbüro. Die CCS sicherten erstens die Kooperation zwischen den Mitgliedstaaten und den drei Ebenen der WHO und nutzten zweitens Beiträge des Landes zur Gesundheitsentwicklung auf regiona- ler und globaler Ebene. Nach Prüfung der Änderungsvorschläge zu dem Resolutionsentwurf erklärte die Delegation eines Mitgliedstaates ihre Unterstützung für Vorschläge für eine weitere Ausarbeitung der Länderstrategie und schlug vor, sie der 66. Tagung des Regionalkomitees zur Annahme vorzulegen. Das Regionalkomitee verabschiedete Resolution EUR/RC62/R7 mit den von einem Mitgliedstaat im Namen der EU-Staaten vorgeschlagenen Änderungen. 40 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Stärkung der Rolle der Außen- stellen des Regionalbüros für Europa: eine erneuerte Strategie für die Europäische Region (EUR/RC62/11, EUR/RC62/Conf.Doc./5) Die Regionaldirektorin stellte den aktuellen Status der Außenstellen des Regionalbüros dar, die we- sentliche Fachkapazitäten in den Bereichen Umwelt und Gesundheit, soziale Determinanten von Ge- sundheit und Gesundheitsfinanzierung bereitstellten. Die Finanzierung der Außenstelle in Bonn zum Thema Umwelt und Gesundheit sei für die kommenden zehn Jahre gesichert. Das Abkommen für die Außenstelle in Venedig zum Thema Investitionen in Gesundheit und Entwicklung laufe 2013 aus, doch habe sich Italien bereits zum Büro in Venedig bekannt und eine erneuerte Vereinbarung solle bald unterschriftsreif sein. Das Abkommen für die Außenstelle in Barcelona zum Thema Stärkung der Gesundheitssysteme sei geändert worden und werde derzeit von der Rechtsabteilung der WHO geprüft und man hoffe, dass die spanische Regierung es in den kommenden Monaten unterzeichnen könne. Das Regionalbüro und die griechische Regierung führten regelmäßig Gespräche über die Auswirkun- gen der Finanzlage in Griechenland auf die Pläne zur Schaffung der neuen Außenstelle zum Thema Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten in Athen. Eine Vertreterin Griechenlands sagte, angesichts der schwierigen und instabilen Finanzlage benötige ihre Regierung noch zwei weitere Monate um entscheiden zu können, ob ihr genug finanzieller Spiel- raum für die Schaffung der Außenstelle bleibe. Eine Vertreterin Spaniens unterstrich das Bemühen der spanischen Regierung um eine Lösung hinsichtlich einer Regelung der Situation des Büros in Barce- lona und teilte dem Regionalkomitee mit, ihr Land arbeite auf die baldige Unterzeichnung des dazu erforderlichen Gastlandabkommens hin. In einer weiteren Wortmeldung wurde gefragt, ob die Außen- stellen für das Regionalbüro zusätzliche Einnahmen oder zusätzliche Ausgaben bedeuteten. Die Regi- onaldirektorin sagte, Außenstellen bedeuteten unerlässliche finanzielle Einnahmen und fachliche Ka- pazitäten, die dem Regionalbüro sonst fehlen würden. Sie bat das Regionalkomitee auch um eine Ent- scheidung, welche Rolle es in der Beschlussfassung über Außenstellen spielen wolle. Der Leitende strategische und politische Berater stellte die erneuerte Strategie für die Außenstellen des Regionalbüros vor (Dokument EUR/RC62/11). Sie beruhe auf den Ergebnissen einer extern angefer- tigten Studie aus dem Jahr 2010 und einer Online-Konsultation mit den Mitgliedstaaten, die Anfang 2012 auf Ersuchen des SCRC durchgeführt worden sei. Mit der Strategie wolle man sicherstellen, dass die Außenstellen eine integrative Rolle in der Arbeit des Regionalbüros übernehmen, indem sie Er- kenntnisse, Forschungsergebnisse und Instrumente für die Umsetzung derjenigen Konzepte bereitstel- len, die am Sitz des Regionalbüros in Kopenhagen entwickelt werden und die allen Mitgliedstaaten helfen können. Die Strategie definiere, was eine Außenstelle sei, und stelle Bedingungen und Voraus- setzungen für ihre Schaffung auf. Ihre Umsetzung sichere nachhaltige und vorhersehbare Mittel für das Regionalbüro und stärke die Steuerung und Führung von Außenstellen. Neue Außenstellen kämen für drei strategische Bereiche in Frage: Humanitäre Hilfe und Notlagen, Stärkung der Gesundheitssys- teme mit Schwerpunkt primäre Gesundheitsversorgung sowie Gesundheitsinformationssysteme und Wissensmanagement. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 41 Ein Mitglied des SCRC sagte, der Ständige Ausschuss habe die Befunde und Empfehlungen der exter- nen Studie begrüßt, die in die Vorschläge der Regionaldirektorin integriert worden seien. Die Strategie definiere klare Kriterien für die Beherbergung einer Außenstelle und für den Personalbedarf. Sie um- fasse auch eine Analyse der Notwendigkeit neuer Außenstellen gemäß der Rückmeldung aus den Mit- gliedstaaten. Der SCRC habe die Regionaldirektorin eindringlich gebeten, den Vorschriftscharakter der Strategie beizubehalten. Der Ausschuss begrüße es, dass zu jedem Vorschlag für die Eröffnung einer neuen Außenstelle ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell gefordert werde. Die Regionaldirektorin sagte, sie habe ihr auf der vorangegangenen Tagung gegebenes Versprechen gehalten, nicht über die Eröffnung neuer Außenstellen zu verhandeln. Sie freue sich darauf, vom Regionalkomitees Hinweise zu erhalten, wie die unabdingbaren Kapazitäten des Regionalbüros gesichert werden können. In der sich anschließenden Aussprache stimmten alle Redner darin überein, dass die Außenstellen her- vorragende Arbeit leisteten und wertvolle, zusätzliche Kapazitäten bedeuteten, die für die Mitglied- staaten von Nutzen seien und sich positiv auswirkten. Viele lobten die Strategie als einen Schritt voran und begrüßten insbesondere die Kriterien und Konditionen für die Schaffung einer Außenstelle. Insge- samt acht Redner äußerten jedoch den Wunsch, den Text abzuändern, bevor sie die Strategie anneh- men könnten. Die externe Studie habe Lücken in der Leitung und Führung der Außenstellen und auch Probleme mit ihrer Finanzierung aufgezeigt. Es müsse dafür gearbeitet werden, die Außenstellen und ihren Einsatz voll in die Arbeit des Regionalbüros zu integrieren. In einer Wortmeldung wurde die Hoffnung geäußert, dass für den Fall, dass sich die Außenstelle mit Zuständigkeit für nichtübertragba- re Krankheiten in Athen nicht finanzieren lasse, eine alternative Lösung mit seinem Land gefunden werden könne. In einer anderen Wortmeldung wurde gefordert, das Regionalkomitee solle ausführlich darüber diskutieren, ob Außenstellen wirklich die beste Lösung für die Kapazitätsprobleme des Regi- onalbüros seien. Zunächst solle man versuchen, Mittel für die Arbeit in Kopenhagen zu finden, und das Regionalkomitee solle jede Entscheidung über die Öffnung oder Schließung einer Außenstelle erst nach einer gründlichen Analyse des Bedarfs, der verfügbaren Mittel und der potenziellen Folgen für die gesamte Region treffen. Die vorgelegte vorläufige Analyse neuer strategischer Bereiche enthalte nicht genügend Informationen, um eine Entscheidung des Regionalkomitees zu ermöglichen. Mehrere Redner stimmten darin überein, dass zur Sicherung von Transparenz und Rechenschaft das Regionalkomitee für Entscheidungen über die mögliche Ausweitung oder Schaffung einer Außenstelle zuständig sein solle. Ein solches Vorgehen würde auch dafür sorgen, dass das Regionalbüro im Geiste der Reform der WHO geführt werde. Einige Redner warnten, dass eine zu große Zahl von Außenstel- len die Führungsrolle des Sitzes Kopenhagen untergraben könne, und äußerten Bedenken, die Ent- scheidung dem SCRC zu überlassen. Mehrere Delegierte regten an, dass das Regionalkomitee die Strategie getrennt von den angeregten neuen Bereichen behandeln solle, und forderten, dass die Regi- onaldirektorin dem Regionalkomitee jährlich über den Status der Außenstellen berichten solle. Vier Delegierte bekundeten allerdings starke Unterstützung für die vorgelegte Strategie, hierunter die angeregten neuen strategischen Bereiche, und lobten das Ausmaß an Hilfe, das ihre Länder von den Außenstellen erhalten hatten. Die Russische Föderation bot an, Gastgeberin für die Außenstelle zum Thema nichtübertragbare Krankheiten zu werden, falls die Finanzierung in Griechenland nicht gesi- chert werden könne, und Kasachstan bot, wie schon bei zwei früheren Gelegenheiten, erneut an, eine neue Außenstelle zum Thema primäre Gesundheitsversorgung zu beherbergen. In einer weiteren Wortmeldung wurde gesagt, dass die Regionaldirektorin vollkommen befugt sei, Entscheidungen über bestehende oder künftige Außenstellen zu treffen. 42 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG In ihrer Antwort sagte die Regionaldirektorin, dass die Frage der Billigung der Strategie von der Frage über künftige Entscheidungsmechanismen zu neuen Außenstellen getrennt werden müsse. Die beste- henden Außenstellen seien vollkommen in das Regionalbüro integriert. Sie hoffe, das Regionalkomi- tee könne das großzügige Angebot der Russischen Föderation akzeptieren, bei Bedarf die Außenstelle zum Thema nichtübertragbare Krankheiten aufzunehmen. In Bezug auf die geteilten Ansichten zum Entscheidungsmechanismus für neue Außenstellen, sagte sie, dass das Regionalkomitee zwar eine sol- che Entscheidung auf Grundlage eines detaillierten Geschäftsplans treffen könne, dass ein solches Vorgehen jedoch unter dem Aspekt seiner Rolle für die Entscheidungsfindung im Sinne der WHO- Satzung und der WHO-Reform betrachtet werden solle, wonach das Regionalkomitee für die Aufstel- lung der Grundsätze zuständig und das Regionalbüro für die Ergebnisse verantwortlich sein sollten. Abschließend sagte sie, dass sie wenig Hoffnung auf zusätzliche Mittel für den Sitz in Kopenhagen habe und keine praktikable Alternative zur Nutzung von Außenstellen für eine Ausweitung der Kapa- zitäten sehe. Nach einer informellen Konsultation nahm das Regionalkomitee die Entscheidung EUR/RC62(2) an. Evaluation des Europäischen Forums für Gesundheitspolitik auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter (EUR/RC62/15) Der Leitende strategische und politische Berater erinnerte daran, dass das Europäische Forum nach der 60. Tagung des Regionalkomitees geschaffen wurde, um mit den Mitgliedstaaten strategisch über „Gesundheit 2020“ beraten zu können. Während der dritten Tagung des Forums sei die Notwendigkeit einer Evaluierung seiner Arbeit angesprochen worden. Der SCRC sei über diese Diskussion in Kennt- nis gesetzt worden und habe darauf dem Regionalbüro geraten, eine schriftliche Konsultation hierzu mit den Mitgliedstaaten durchzuführen. Die Rücklaufquote dieser Befragung habe 81% betragen. Es habe vollständige Einigkeit darin bestanden, dass das Forum für die Erarbeitung von „Gesundheit 2020“ sinnvoll gewesen sei; 63% der Teilnehmer hätten geantwortet, dass das Forum weiterhin ein- bis zweimal jährlich zusammentreten sollte; 23% wollten es bei Bedarf und auf Wunsch des Regional- komitees und des SCRC einberufen und 14% waren der Ansicht, dass das Forum seinen Zweck erfüllt habe und nicht wieder zusammentreten solle. Eine Vertreterin des SCRC sagte, der Ständige Ausschuss sei der Ansicht, die Ziele des Forums seien erreicht und Möglichkeiten für eine breit angelegte Konsultation, ausgiebige Diskussionen, Vernet- zung und Erfahrungsaustausch geschaffen worden, was zweifellos dem Entwurfsverfahren von „Ge- sundheit 2020“ genützt habe. Der SCRC sei der Ansicht, dass das Forum wieder zusammentreten sol- le, sowie und wenn Bedarf für eine ausgiebige Konsultation bestehe. Eine Vertreterin sagte im Namen der Mitgliedstaaten der EU, das Forum sei zur Vorbereitung von „Ge- sundheit 2020“ eingerichtet worden und habe damit seinen Zweck erfüllt. Es gebe in Zukunft keinen Bedarf für eine ähnliche Struktur, vielmehr sollten die bestehenden Strukturen besser genutzt werden, WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 43 insbesondere auch angesichts der schwierigen Haushaltslage, in denen sich die Mitgliedstaaten und das Regionalbüro befänden. Die Tagungen der Leitungsgremien und schriftliche Konsultationen soll- ten eine angemessene und kosteneffiziente Beteiligung der Mitgliedstaaten an der künftigen Arbeit des Regionalbüros ermöglichen. Damit die Mitgliedstaaten ausreichend informiert würden, solle das Regi- onalbüro ihnen jährliche oder zumindest zweijährlich Arbeitspläne zukommen lassen. Im Kontext der Reform der WHO seien Initiativen zur weiteren Stärkung der leitenden Organe und zur Erhöhung von Transparenz und Partizipation des SCRC zu begrüßen. Andere Delegierte äußerten, dass das Forum zwar seine Mission erfüllt habe, dass es aber jenseits der Leitungsgremien agieren könne. Daher befürworteten sie die Erhaltung der Struktur des Forums, das dies aber nur sowie und wenn dies erforderlich werde auf Beschluss des Regionalkomitees und des SCRC einberufen werden solle. Die Regionaldirektorin stellte fest, es bestehe allgemein Einigkeit darüber, dass das Forum für Ge- sundheitspolitik im Zuge der Ausarbeitung von „Gesundheit 2020“ eine nützliche Rolle gespielt habe. Sie dämpfte Befürchtungen, dass das Forum die Rolle der leitenden Organe untergraben könne, indem sie erklärte, dass die Beratungen des Forums den leitenden Organen zugeführt würden. In Zukunft könne das Regionalbüro die Mitgliedstaaten dazu auffordern, über die evidenzbasierten Studien in Verbindung mit „Gesundheit 2020“ oder über etwaige neue Studien zu den sozialen Determinanten von Gesundheit zu diskutieren und dabei jeweils zu prüfen, ob dies sinnvollerweise im Rahmen des Forums erfolgen könne. Das Regionalkomitee kam in Bezug auf diesen Tagesordnungspunkt zu keinem Fazit. Das Regional- büro behielt es sich daher vor, den SCRC und das Regionalkomitee in Zukunft erneut dazu aufzufor- dern, das Forum einzuberufen, möglicherweise mit einem veränderten Teilnehmerkreis. In diesem Fall würden der SCRC und das Regionalkomitee auch gebeten, bei ihren Beratungen die Auswirkungen einer erneuten Einberufung des Forums auf den Haushalt der Organisation zu berücksichtigen. Bestätigung von Ort und Zeitpunkt der ordentlichen Tagungen des Regionalkomitees in den Jahren 2013–2016 EUR/RC62/Conf.Doc./3 Das Regionalkomitee verabschiedete Resolution EUR/RC62/R8, und bekräftigte darin, dass die 63. Tagung vom 16. bis 19. September 2013 in Portugal und die 64. Tagung vom 15. bis 18. Septem- ber 2014 in Kopenhagen stattfinden sollen. Es beschloss ferner, dass die 65. Tagung vom 14. bis 17. September 2015 abgehalten wird (Tagungsort noch zu beschließen) und dass die 65. Tagung in Ko- penhagen abgehalten wird (Zeitpunkt noch offen). 44 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Abschluss der Tagung Eine Vertreterin der Russischen Föderation bezog sich auf ein maltesisches Sprichwort, wonach das Wort eines Maltesers mehr wiege, als das Wort eines Königs, und sagte, dass die Delegierten des 62. Regionalkomitees diesem Sprichwort insofern Folge geleistet hätten, als sie ihr Wort gegeben und zu verschiedenen Themen Versprechungen gemacht hätten. Jeder Mitgliedstaat müsse jetzt dafür sor- gen, dass den Worten und Versprechungen Taten auf nationaler Ebene folgten. Sie gratulierte allen zu der erfolgreichen Tagung. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 45 Resolutionen und Beschlüsse EUR/RC62/R1. Bericht der Regionaldirektorin über die Arbeit der WHO in der Europäischen Region im Zeitraum 2010–2011 Das Regionalkomitee – nach Erörterung und Prüfung des Berichts der Regionaldirektorin über die Arbeit der WHO in der Eu- ropäischen Region der WHO im Zeitraum 2010–2011 (Dokument EUR/RC62/5) und des Anhangs über die Umsetzung des Programmhaushalts 2010–2011 – 1. DANKT der Regionaldirektorin für den Bericht; 2. BRINGT seine Anerkennung für die vom Regionalbüro im Haushaltszeitraum 2010–2011 ge- leistete Arbeit ZUM AUSDRUCK; 3. ERSUCHT die Regionaldirektorin, die während der Aussprache auf der 62. Tagung gemachten Vorschläge für die Entwicklung der Programme der Organisation und die Arbeit des Regional- büros zu berücksichtigen und zu bedenken. EUR/RC62/R2. Bericht des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees Das Regionalkomitee – nach Prüfung des Berichts des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees (Dokumen- te EUR/RC62/4 und EUR/RC62/4 Add. 1) – 1. DANKT dem Vorsitzenden und den Mitgliedern des Ständigen Ausschusses für ihre im Namen des Regionalkomitees geleistete Arbeit; 2. BITTET den Ständigen Ausschuss, seine Arbeit auf der Grundlage der Beratungen und Resolu- tionen der 62. Tagung des Regionalkomitees fortzusetzen; 3. ERSUCHT die Regionaldirektorin, gegebenenfalls zu den im Bericht des Ständigen Ausschus- ses enthaltenen Schlussfolgerungen und Vorschlägen Maßnahmen zu ergreifen und dabei die vom Regionalkomitee auf seiner 62. Tagung vorgebrachten und im Tagungsbericht festgehalte- nen Vorschläge und Anregungen vollständig zu berücksichtigen. 46 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG EUR/RC62/R3. Zwölftes Allgemeines Arbeitsprogramm und Programm- haushaltsentwurf 2014–2015 Das Regionalkomitee – nach Prüfung des Programmhaushaltsentwurfs für den Zweijahreszeitraum 2014–2015 (Dokument EUR/RC62/16), der Perspektive der Europäischen Region (Dokument EUR/RC62/16 Add.1) und des Entwurfs des Zwölften Allgemeinen Arbeitsprogramms (Dokument EUR/RC62/17) sowie in Kenntnis der diesbezüglichen Stellungnahme des Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees, in der Erkenntnis, dass die Erstellung und Durchführung des Zwölften Allgemeinen Arbeitspro- gramms und der damit verbundenen Haushalte ein entscheidendes Mittel zur Beförderung des Re- formprozesses in der WHO darstellen, wie in Dokument EUR/RC62/14 erwähnt, in Anbetracht der Tatsache, dass die Aufteilung von Haushaltsmitteln zwischen dem WHO-Hauptbüro und den verschiedenen Regionalbüros ein zentrales Element des Reformprozesses darstellt und dass die Stellungnahme der Regionalkomitees der WHO sowohl zum Haushaltsvolumen insgesamt als auch zur Aufteilung nach Kategorie und Büro erleichtert werden sollte, in der Erwägung, dass die Stärkung der Rolle der Organisation auf der Ebene der Länder und die Ko- härenz zwischen den drei Ebenen der Organisation wesentliche Themen innerhalb des Reformprozes- ses sind, unter Hinweis auf seine Resolution EUR/RC60/R9, in der das Regionalkomitee eine weitere Stärkung der Mechanismen und Prinzipien für die Zuweisung zentral verwalteter Mittel an die größeren Büros der Organisation anregte – 1. BEGRÜSST die Anstrengungen des Sekretariats des WHO-Hauptbüros und des Regionalbüros für Europa bei der Ausrichtung des Entwurfs des Zwölften Allgemeinen Arbeitsprogramms und des Programmhaushaltsentwurfs 2014–2015 an den Beschlüssen der 65. Weltgesundheitsver- sammlung (Beschluss WHA65(9)); 2. STELLT FEST, dass der in Dokument EUR/RC62/16 enthaltene Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 weiter entwickelt werden muss, um die Transparenz bei der Arbeitsteilung zwischen den drei Ebenen der Organisation zu erhöhen und Klarheit hinsichtlich der auf diesen drei Ebe- nen relevanten Produkte zu schaffen; 3. ERKENNT die guten Absichten des Sekretariats bei der Erstellung der Entwürfe des Zwölften Allgemeinen Arbeitsprogramms und des Programmhaushalts 2014–2015 ohne konkretes Haus- haltsvolumen AN, STELLT jedoch FEST, dass es ohne detailliertere Informationen für die Ta- gung des Regionalkomitees schwierig ist, eine tief greifende Diskussion über den Programm- haushaltsentwurf zu führen; 4. NIMMT KENNTNIS von der aus Dokument EUR/RC62/16 Add.1 ersichtlichen strategischen Ausrichtung, von den Bemühungen der Regionaldirektorin um Klärung der zentralen vorrangi- gen Resultate des Regionalbüros auf transparente Weise und von der Idee, die Verantwortung für diese Resultate auf der 63. Tagung des Regionalkomitees, nach der Annahme des globalen Programmhaushalts, zu klären; 5. FORDERT alle Mitgliedstaaten NACHDRÜCKLICH AUF, auch weiterhin einen umfassenden und aktiven Beitrag zu den laufenden Beratungen über Prioritäten zu leisten und bei der Prüfung WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 47 ihrer Beiträge an die WHO die Notwendigkeit einer vorhersehbaren und flexiblen Finanzierung und festgelegter Prioritäten im Auge zu behalten; 6. ERSUCHT die Regionaldirektorin, der Generaldirektorin mitzuteilen, dass das Regionalkomitee: a) das Sekretariat um je einen detaillierteren Entwurf des Programmhaushaltsentwurfs 2014–2015 und des Zwölften Allgemeinen Arbeitsprogramms ersucht, aus dem die stra- tegische Ausrichtung der Arbeit der Organisation deutlicher hervorgeht, sodass er von den leitenden Organen diskutiert werden kann. Die beiden Entwürfe sollten auf eine be- grenzte Anzahl von Prioritäten abzielen und Bereiche vorsehen, die nicht zentrale Priori- täten für die WHO in dem fraglichen Zeitraum sind; dies sollte jeweils mit einer Begrün- dung versehen werden, die sich an den von der Weltgesundheitsversammlung angenom- menen Kriterien orientiert, b) das Sekretariat ersucht, weitere detaillierte Informationen über die Kostenberechnung für die Produkte und die Aufteilung von Haushaltsmitteln unter den sechs (fünf plus eins) Kategorien von Programmen bereitzustellen, um sachliche Beratungen auf der Tagung des Programm-, Haushalts- und Verwaltungsausschusses des Exekutivrates im Januar 2013 und vor der Vorlage des Programmhaushaltsentwurfs 2014–2015 und des Entwurfs des Zwölften Allgemeinen Arbeitsprogramms auf der 132. Tagung des Exekutivrates zu ermöglichen, c) das Sekretariat ersucht, zur Erleichterung der Annahme des Programmhaushaltsentwurfs 2014–2015 für vollständige Transparenz hinsichtlich der Höhe der bereits verfügbaren bzw. sichergestellten Mittel zu sorgen und detaillierte Informationen über die beabsichtig- te Aufteilung der Mittel zwischen den Programmen und Produkten bereitzustellen. Dar- über hinaus sollten aus dem Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 Bereiche für mögli- che Effizienzgewinne und Kosteneinsparungen gegenüber dem vorausgegangenen Pro- grammhaushalt hervorgehen, d) darum ersucht, dass in künftigen Jahren die Regionalkomitees die erforderlichen Daten, einschließlich Etats, rechtzeitig im Voraus erhalten, um deren gründliche Prüfung sowie eine entsprechende Stellungnahme zu ermöglichen, e) das Sekretariat ersucht, deutlicher darzustellen, auf welcher Ebene (einschließlich der Ebene der Regionen) Aufgaben innerhalb der Organisation wahrgenommen werden, und dann dafür Sorge zu tragen, dass die Mittel so verteilt werden, wie es dieser vereinbarten Arbeitsteilung entspricht – wobei anerkannt wird, dass die normativen Aufgaben beim WHO-Hauptbüro verbleiben –, und dass dabei die Bedürfnisse und Besonderheiten der einzelnen Regionen gebührend berücksichtigt werden. EUR/RC62/R4. „Gesundheit 2020“ – das Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden Das Regionalkomitee – nach Prüfung des Dokuments EUR/RC62/9 über das neue Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden sowie nach Kenntnisnahme des unterstützenden Dokuments EUR/RC62/8 über das neue Rahmenkonzept und die neue Strategie der Europäischen Region, 48 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG unter Hinweis auf Resolution EUR/RC60/R5, in der es die Regionaldirektorin ersuchte, eine europäi- sche Gesundheitspolitik („Gesundheit 2020“) zu entwickeln, die als einheitlicher und kohärenter Handlungsrahmen für eine zügigere und chancengerechtere Verwirklichung von mehr Gesundheit und Wohlbefinden für alle dienen soll, der an die Gegebenheiten in der Europäischen Region angepasst werden kann, unter Hinweis auf Resolution EUR/RC61/R1, in der es die Regionaldirektorin ersuchte, weiterhin die Mitgliedstaaten und gegebenenfalls Organisationen der regionalen Wirtschaftsintegration zu konsultie- ren und gemäß dem auf seiner 61. Tagung vorgelegten Orientierungsrahmen den abschließenden Ent- wurf von „Gesundheit 2020“ auszuarbeiten und ihn der 62. Tagung des Regionalkomitees zur Annah- me vorzulegen, in Anbetracht der derzeitigen Reformen in der WHO und ihrer Konsequenzen im Hinblick auf eine enge Abstimmung zwischen Handlungskonzepten auf der globalen Ebene und solchen auf der Ebene der Regionen, aufbauend auf den Errungenschaften der Europäischen Region und ihren Erfahrungen mit den Werten und Grundsätzen von „Gesundheit für alle“1, der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung2, der Char- ta von Tallinn: Gesundheitssysteme für Gesundheit und Wohlstand3 und „Gesundheit 21“4 sowie mit den auf den Ministerkonferenzen Umwelt und Gesundheit angenommenen Erklärungen, in Anerkennung bestehender Verpflichtungen im Rahmen von Konzepten, Strategien und Plänen auf globaler Ebene und auf Ebene der Regionen (wie in Resolutionen und anderen gemeinsamen politi- schen Erklärungen festgelegt), die auf eine Bewältigung der gesundheitspolitischen Herausforderun- gen weltweit, auf Ebene der Regionen und in den Mitgliedstaaten abzielen, in Anbetracht der Ergebnisse und Empfehlungen der verschiedenen Studien, die in die Ausarbeitung von „Gesundheit 2020“ eingeflossen sind, darunter die Untersuchung der sozialen Determinanten von Gesundheit und des Gesundheitsgefälles in der Europäischen Region, die Studie über Politikgestaltung und Steuerung für mehr Gesundheit im 21. Jahrhundert, die Studie über die ökonomischen Argumente für gezieltes Handeln im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die Studie über sektorübergreifende Politikgestaltung und Steuerung für Gesundheit in allen Politikbereichen und die Analyse der Ver- pflichtungen der Mitgliedstaaten und des WHO-Regionalbüros für Europa zwischen 1990 und 2010 sowie der Entwurf des Europäischen Gesundheitsberichts 2012, in dem Bewusstsein der maßgeblichen Führungsrolle und Initiatorfunktion des Gesundheitswesens, aber auch der aus gesundheitlicher Sicht unentbehrlichen Zuständigkeiten und Beiträge verschiedener 1 Global Strategy for Health for All by the year 2000. Geneva, World Health Organization, 1981 (Health for All series, no. 3). 2 Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung, 1986. Erste internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung, Ottawa. Angenommen am 21. November 1986. Kopenhagen, WHO-Regionalbüro für Europa, 1986. 3 Charta von Tallinn: Gesundheitssysteme für Gesundheit und Wohlstand. Europäische Ministerkonferenz der WHO zum Thema Gesundheitssysteme. Tallinn 25.–27. Juni 2008. Kopenhagen, WHO-Regionalbüro für Euro- pa, 2008. 4 GESUNDHEIT21 – Das Rahmenkonzept „Gesundheit für alle“ für die europäische Region der WHO. Kopenha- gen, WHO-Regionalbüro für Europa, 1999 (Europäische Schriftenreihe „Gesundheit für alle“, Nr. 6). WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 49 Politikbereiche und aller staatlichen Ebenen sowie subnationaler, nationaler, internationaler, zwi- schenstaatlicher, staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen und Gremien im Rahmen der An- strengungen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden sowie gesundheitlicher Chancen- gleichheit in der Europäischen Region – 1. BEGRÜSST die vom Regionalbüro geleistete Arbeit und nimmt Kenntnis von der umfassenden Evidenzgewinnung sowie dem breit angelegten, systematischen Partizipationsprozess; 2. NIMMT das Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden, „Ge- sundheit 2020“ (Dokument EUR/RC62/9), AN, das als Orientierungsrahmen für die Gestaltung von Gesundheitskonzepten in der Europäischen Region insgesamt wie auch in den einzelnen Mitgliedstaaten dienen soll und mit einer Reihe von Zielen der Region, wie in diesem Doku- ment beschrieben, sowie geeigneten Indikatoren für die Europäische Region versehen ist, die für alle Mitgliedstaaten unabhängig von ihrer Ausgangslage Gültigkeit haben; 3. BEGRÜSST das Dokument mit dem Rahmenkonzept und der Strategie „Gesundheit 2020“ (EUR/RC62/8) als ein unterstützendes Dokument, das evidenzbasierte Orientierungshilfe in Be- zug auf mögliche praxistaugliche Konzepte und Maßnahmen sowie die Zusammenhänge zwi- schen den wichtigsten strategischen Lösungsansätzen zu bieten bestrebt ist, aber auch entspre- chende Aussagen in Bezug auf die notwendige Fähigkeit enthält, künftige Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in Angriff zu nehmen und Chancen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden in der Europäischen Region zu ergreifen, und das für die Mit- gliedstaaten und das WHO-Sekretariat in ihren Anstrengungen zur Umsetzung von „Gesundheit 2020“ von Nutzen sein kann, und ERKENNT DESSEN WERT AN; 4. STIMMT DARIN ÜBEREIN, dass eine Halbzeitbilanz der Fortschritte hinsichtlich der Akzep- tanz und Umsetzung des Rahmenkonzeptes „Gesundheit 2020“ im Jahr 2016 dem Regionalko- mitee vorgelegt werden soll; 5. BITTET die Mitgliedstaaten5 EINDRINGLICH, a) ihre Handlungskonzepte, Strategien und Aktionspläne zur Gesundheitsförderung und Entwicklung des Gesundheitswesens gegebenenfalls unter umfassender Berücksichtigung des Rahmenkonzeptes „Gesundheit 2020“ der Europäischen Region und der zugrunde liegenden Evidenz zu entwickeln bzw. zu aktualisieren, b) das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ bei grenzüberschreitenden gesundheitspoliti- schen Maßnahmen innerhalb der Europäischen Region zu berücksichtigen, wo dies an- gemessen bzw. relevant ist, c) die Unterstützung von Initiativen in Verbindung mit „Gesundheit 2020“ durch den Auf- bau von unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit in Betracht zu ziehen, hierunter Partnerschaften, unter Betonung einer ordentlichen Handhabung von Interessenkonflik- ten, insbesondere solchen mit Beteiligung von nationalen Verwaltungen und regionalen Gebietskörperschaften, nichtstaatlichen Organisationen, Ressorts außerhalb der Gesund- heitspolitik und anderen Teilen der Zivilgesellschaft, bei Bedarf auch durch Übersetzung des Rahmenkonzeptes der Europäischen Region in die Amtssprache(n), 5 und gegebenenfalls Organisationen der regionalen Wirtschaftsintegration 50 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG d) gegebenenfalls jeweils zu den Gesundheitsinformationssystemen und zu Erhebungen ver- lässlicher und vergleichbarer Daten im eigenen Land beizutragen, um eine ausreichende Erfolgskontrolle zu ermöglichen, die vorhandene Meldesysteme nutzt; 6. ERSUCHT die Regionaldirektorin, a) die Mitgliedstaaten gegebenenfalls bei der Entwicklung und Aktualisierung ihrer gesund- heitspolitischen Konzepte gemäß „Gesundheit 2020“ zu unterstützen, b) sicherzustellen, dass künftige Resolutionen zu Strategien für unterschiedliche Themen in der Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa einen besonderen Hinweis auf das Ver- hältnis und die wechselseitige Beziehung zu „Gesundheit 2020“ enthalten, c) für eine umfassende Verbreitung des Rahmenkonzeptes „Gesundheit 2020“ zu sorgen und geeignetes Informationsmaterial zusammenstellen zu lassen, das die einschlägigen Zielgruppen anspricht, d) bei anderen internationalen Organen und bei Organisationen der regionalen Wirtschafts- integration, die in der Gesundheitspolitik und in anderen Politikbereichen tätig sind, für das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ als einen möglichen Bezugsrahmen für die Aus- arbeitung von Konzepten gemäß der Gesundheit in allen Politikbereichen und gesamt- staatlicher Ansätze zu werben, e) die Evidenz und Wissensbasis über praxistaugliche Strategien und Methoden ständig zu aktualisieren, um die Umsetzung von „Gesundheit 2020“ mit allen geeigneten Kommuni- kationsinstrumenten zu fördern und zu erleichtern, f) in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und Organisationen der regionalen Wirt- schaftsintegration gegebenenfalls ein Beobachtungssystem für „Gesundheit 2020“ zu entwickeln, das vorhandene Indikatoren so weit wie möglich (und wie im Beschlussteil, Absatz 2, skizziert) nutzt, und das Ergebnis auf der 63. Tagung des Regionalkomitees zur Erörterung vorzulegen. EUR/RC62/R5. Europäischer Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit Das Regionalkomitee – nach Prüfung des Europäischen Aktionsplans zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit (Dokument EUR/RC62/12 Rev.1), in Anerkennung der Fortschritte in der Umsetzung der Beschlüsse aus Resolution EUR/RC61/R2 „Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Region: ein Handlungsrahmen“ zur Anwendung der grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnah- men für die Evaluierung der öffentlichen Gesundheitsdienste in Europa, in Anbetracht der umfassenden Erkenntnisse, die in der Europäischen Region der WHO über den Zu- stand der öffentlichen Gesundheit und der Leistungsfähigkeit, der Kapazitäten und der Angebote in diesem Bereich sowie über gemeinsame Herausforderungen gesammelt und beschrieben und ihm mit den einschlägigen Informationsdokumenten auf seiner 62. Tagung vorgelegt wurden, WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 51 in Erkenntnis der weiterhin notwendigen Entschlossenheit der Regierungen zu verbesserten und über- zeugenden gesundheitspolitischen Konzepten, Maßnahmen, Angeboten und Strukturen, zur Weiter- entwicklung der Angebote für Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention, die in der primären Gesundheitsversorgung erbracht werden, in Anerkennung der Tatsache, dass die grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen darauf zie- len, den Regierungen die Orientierung in Bezug auf Konzepte, Maßnahmen, Strukturen und Angebo- ten zu erleichtern und eine sektorübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, in Anerkennung der Tatsache, dass der Europäische Aktionsplan die fortlaufende Arbeit ergänzt, die mit der Charta von Tallinn über Gesundheitssysteme für Gesundheit und Wohlstand im Jahr 2008 zur Stärkung der Gesundheitssysteme in Bezug auf Angebote für die öffentliche Gesundheit auf Ebene der Bevölkerung und der einzelnen Person gefordert wurde – 1. BILLIGT den Europäischen Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Be- reich der öffentlichen Gesundheit als einen notwendigen Baustein für die Verbesserung der Ge- sundheit in der Europäischen Region der WHO; 2. FORDERT die Umsetzung des Aktionsplans synergetisch zum Rahmenkonzept der Europäi- schen Region „Gesundheit 2020“; 3. NIMMT die zehn grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen und die ihnen entspre- chenden zehn Handlungswege, die im Europäischen Aktionsplan wie folgt benannt sind, unter Betonung der Freiwilligkeit der grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen und ent- sprechender Handlungsoptionen für die Mitgliedstaaten ZUR KENNTNIS: • Surveillance von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung • Beobachtung von Gesundheitsgefahren und gesundheitlichen Notlagen und Gegenmaß- nahmen • Gesundheitsschutzmaßnahmen (u. a. in den Bereichen Umwelt-, Arbeits- und Nahrungs- mittelsicherheit) • Gesundheitsförderung, einschließlich Maßnahmen in Bezug auf soziale Determinanten und gesundheitliche Benachteiligung • Krankheitsprävention, einschließlich Früherkennung • Gewährleistung von Politikgestaltung und Steuerung für mehr Gesundheit und Wohlbe- finden • Gewährleistung einer ausreichenden Zahl von fachkundigem Personal im Bereich der öf- fentlichen Gesundheit • Gewährleistung von nachhaltigen Organisationsstrukturen und Finanzierung • Überzeugungsarbeit, Kommunikation und soziale Mobilisierung für die Gesundheit • Förderung der Forschung im Bereich der öffentlichen Gesundheit zwecks Anwendung in Politik und Praxis; 52 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG 4. FORDERT die Mitgliedstaaten6 und internationalen Partner AUF, für die Umsetzung des Euro- päischen Aktionsplans zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit zusammenzuarbeiten und gegebenenfalls die grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen, einschließlich Selbstbewertungen, hierfür zu nutzen; 5. FORDERT die Mitgliedstaaten AUF, eine hinreichende Kapazität zur Entwicklung und Durch- führung von Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit, hierunter Investitionen in einschlägige Ausbildung, Fachkenntnis und Forschung, aufrechtzuerhalten; 6. ERSUCHT die Regionaldirektorin, a) ein erneuertes politisches Bekenntnis zur öffentlichen Gesundheit zu fördern und dafür zu Sorge zu tragen, dass die WHO Hand in Hand mit Mitgliedstaaten auf deren Bitte arbei- tet, um deren strategische Fortentwicklung ihrer Konzepte zu unterstützen, damit die ge- sundheitlichen Ergebnisse verbessert und die öffentlichen Gesundheitsdienste gestärkt werden können, b) die Partnerschaften mit maßgeblichen internationalen Akteuren und Partnern so zu entwi- ckeln, dass ein wahres Engagement für und Investitionen in eine neue Generation von Maßnahmen für Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung sowie die Umsetzung des Europäischen Aktionsplans entstehen, c) gegebenenfalls die grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen im Dialog mit den Mitgliedstaaten zu aktualisieren und fortzuentwickeln, damit sie zunehmend den Beson- derheiten und Herausforderungen der Gesundheitssysteme in der Region entsprechen, d) das Online-Instrument zur Selbstbewertung weiterzuentwickeln, damit alle interessierten Mitgliedstaaten Selbstbewertung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentli- chen Gesundheit durchführen können, e) den Mitgliedstaaten gegebenenfalls Rückmeldung zu ihrer Selbstbewertung der Kapazitä- ten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu geben und dem Regional- komitee auf dessen 66. Tagung eine Zusammenfassung der Ergebnisse samt praktischer Empfehlungen vorzulegen, f) dem Regionalkomitee auf seiner 66. Tagung über die Umsetzung des Europäischen Akti- onsplans und die Fortentwicklung der grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen zu berichten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zur Prüfung vorzuschlagen, die im Zeitraum bis 2020 durchzuführen wären. EUR/RC62/R6. Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) Das Regionalkomitee – unter Hinweis auf die Resolutionen WHA52.7 und WHA58.16 zum Thema aktives und gesundes Al- tern, welche die Mitgliedstaaten dazu aufforderten, das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit und Wohlbefinden für den rasch zunehmenden Personenkreis älterer Menschen zu sichern, 6 und gegebenenfalls Organisationen der regionalen Wirtschaftsintegration WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 53 ferner unter Hinweis auf Resolution 57/167 der Generalversammlung der Vereinten Nationen, welche den Internationalen Aktionsplan von Madrid über das Altern befürwortete, sowie weitere einschlägige Resolutionen der Vereinten Nationen zum Thema Altern, in Anbetracht der sich in der Europäischen Region der WHO beschleunigenden Alterung der Gesell- schaft und der in vielen Ländern rasch alternden arbeitenden Bevölkerung und der schnellen Zunahme der ältesten Altersgruppen, in Erkenntnis der Notwendigkeit eines neuen positiven Paradigmas des Alterns und der sich aus Inno- vation ergebenden neuen Chancen, nach Prüfung der Resolution WHA65.3 zum Thema „Stärkung der Konzepte gegen nichtübertragbare Krankheiten zur Förderung eines aktiven Alterns“, nach Überprüfung anerkennend, dass Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäi- schen Region (2012–2020) mit „Gesundheit 2020“,7 dem neuen Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden, und dem Europäischen Aktionsplan zur Stärkung der Ka- pazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit auf einer Linie liegen und mit diesen abgestimmt werden – 1) FORDERT die Mitgliedstaaten8 NACHDRÜCKLICH AUF, a) nationale Konzepte, Programme und Kapazitäten der Gesundheitssysteme zur Förderung eines aktiven und gesunden Alterns im gesamten Lebensverlauf einschließlich generati- onsübergreifender Konzepte, zu stärken, b) Hindernisse und Lücken im Zugang zur Gesundheits- und Sozialversorgung für ältere Menschen zu erkennen und zu überwinden und zugleich die Herausforderungen durch die Zunahme chronischer Mehrfacherkrankungen und neurodegenerativer Krankheiten inten- siver in Angriff zu nehmen, c) sektorübergreifende Konzepte auf verschiedenen staatlichen Ebenen zu fördern und zu unterstützen und so seniorengerechte Umfelder zu schaffen, d) Strategie und Aktionsplan als Grundlage zur Stärkung der internationalen Zusammenar- beit zur Förderung gesunden Alterns zu nutzen; 2. BITTET internationale, zwischenstaatliche und nichtstaatliche Organisationen sowie Selbsthil- feorganisationen und andere einschlägige Organisationen darum, Strategie und Aktionsplan zu unterstützen und ggf. mit den Mitgliedstaaten und dem WHO-Regionalbüro für Europa zusam- menzuarbeiten, um die nationalen Konzepte und Pläne zur Bewältigung der Herausforderungen durch die Alterung der Bevölkerung zu stärken; 7 Dokument EUR/RC62/10 Rev.1 8 und gegebenenfalls Organisationen der regionalen Wirtschaftsintegration 54 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG 3. ERSUCHT die Regionaldirektorin, a) die Mitgliedstaaten bei der Entwicklung seniorengerechter Konzepte auf verschiedenen staatlichen Ebenen zu unterstützen, etwa durch eine nachhaltige Förderung derartiger Konzepte auf Ebene von Stadt und Gemeinde im Gesunde-Städte-Netzwerk in der Euro- päischen Region, b) die Mitgliedstaaten zu unterstützen und mit ihnen in Bezug auf die komparative Meldung demografischer Alterungstrends zu kooperieren, die für die in Strategie und Aktionsplan dargestellten vorrangigen Interventionen relevant sind, insbesondere durch Altersprofile auf Ebene von Stadt und Gemeinde, c) die Kommunikation mittels der vorhandenen Infrastruktur zwischen WHO- Kooperationszentren, staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen und anderen Akteu- ren in der Region sowie weiteren Beteiligten zu erleichtern, welche die in Strategie und Aktionsplan skizzierten vorrangigen Maßnahmen unterstützt, d) dem Regionalkomitee auf der 66. Tagung im Jahr 2016 einen Zwischenbericht vorzule- gen und dem Regionalkomitee auf der Tagung im Jahr 2020 über die Umsetzung von Strategie und Aktionsplan abschließend Bericht zu erstatten. EUR/RC62/R7. Eine Länderstrategie für das WHO-Regionalbüro für Europa (2012–2014) Das Regionalkomitee – eingedenk der Notwendigkeit, dass das WHO-Regionalbüro für Europa für enge strategische Bezie- hungen mit jedem Mitgliedstaat in der Europäischen Region der WHO Sorge zu tragen hat, Kenntnis nehmend von dem Bericht der externen Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Arbeit der WHO in den Ländern,9 in Anerkennung der Erfolge aufgrund früherer Länderstrategien des WHO-Regionalbüros für Europa und unter Hinweis auf seine früheren Resolutionen über die Zusammenarbeit mit den Ländern im Rahmen des EUROHEALTH-Programms (EUR/RC40/R7, EUR/RC41/R2 und EUR/RC43/R10) und dessen Evaluierung und Aktualisierung (EUR/RC44/R10, EUR/RC45/R6), sowie später im Rahmen der Länderstrategie des Regionalbüros „Die Dienste den neuen Anforderungen anpassen“ (EUR/RC50/R5 und EUR/RC55/R8), unter Berücksichtigung der andauernden Reform der WHO und insbesondere der Beschlüsse EBSS2(2) zur Leitungsreform und WHA65(5) sowie die erforderliche Abstimmung der Konzepte auf globaler und regionaler Ebene der WHO, die aus ihr folgt, in Anbetracht der fortschreitenden Arbeit mit der Reform der WHO, das Konzept der Länderkoopera- tionsstrategie (CCS) anzupassen und so für alle Mitgliedstaaten der WHO verfügbar zu machen, 9 Dokument EUR/RC61/BD/1 WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 55 Kenntnis nehmend von dem Konsultationsprozess mit den Mitgliedstaaten in der Europäischen Region für die Entwicklung einer neuen Länderstrategie für die Europäische Region, nach Prüfung des Dokuments mit dem Titel Eine Länderstrategie für das WHO-Regionalbüro für Eu- ropa (2012–2014)10 – 1. VERMERKT Fortschritte in der Entwicklung einer neuen Länderstrategie; 2. STIMMT DARIN ÜBEREIN, dass: a) ein neues CCS-Modell darauf ausgerichtet werden sollte, als flexibles organisationsweites Instrument der Zusammenarbeit zwischen dem WHO-Sekretariat und jedem interessier- ten Mitgliedstaat zu dienen, b) flexible und effektive Kooperationsverfahren zwischen der WHO und den Ländern erfor- derlich sein können, welche die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Landes berücksichtigen; 3. FORDERT die Mitgliedstaaten NACHDRÜCKLICH AUF: a) bei der Weiterentwicklung der neuen Länderstrategie mit dem Regionalbüro zusammen- zuarbeiten, b) gegebenenfalls die Entwicklung von CCS mit der WHO zu erwägen, c) die Ernennung einer nationalen Ansprechperson für die übergeordnete strategische Zu- sammenarbeit mit der WHO zu erwägen; 4. ERSUCHT die Regionaldirektorin: a) einen ganzheitlichen Ansatz in der Arbeit für, mit und in den Ländern zu wählen und da- durch länderübergreifendes Lernen, Entwicklung und den Austausch neuer Kenntnisse zu sichern, b) die Entwicklung einer CCS mit jedem Mitgliedstaat zu ermöglichen, die sich eine solche wünschen, c) flexible und effektive Mechanismen für eine engere Kooperation zwischen der WHO und den Ländern zu entwickeln, welche die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Landes und die andauernde Entwicklung des neuen CCS-Modells berücksichtigen, und diese als Teil ei- ner neuen Länderstrategie vorzuschlagen, d) die Listen und Verteilerlisten mit den nationalen Ansprechpersonen als den wichtigsten Kontakten für die Zusammenarbeit mit der WHO und die Listen und Verteilerlisten der nationalen fachlichen Ansprechpartner als den Kontakten für die Zusammenarbeit in konkreten Bereichen zu überprüfen, zu aktualisieren und auf der Website der WHO bis Februar 2013 zu veröffentlichen, e) in Konsultationen mit den Mitgliedstaaten eine neue Länderstrategie zu entwickeln und zur Annahme auf der 64. Tagung des WHO-Regionalkomitees vorzuschlagen und dabei zu konkretisieren, welche Ziele mit der Strategie verfolgt und welche Maßnahmen zum Erreichen derselben ergriffen werden, welche Kriterien für die Eröffnung und Schließung 10 Dokument EUR/RC62/13 56 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG eines Länderbüros gelten, welche Mechanismen für eine engere Zusammenarbeit zwi- schen der WHO und den Ländern bestehen, die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Länder berücksichtigen, sowie weitere relevante Themen aufzugreifen. EUR/RC62/R8. Ort und Zeitpunkt der ordentlichen Tagungen des Regionalkomi- tees in den Jahren 2013 bis 2016 Das Regionalkomitee – unter Hinweis auf die während seiner 61. Tagung angenommene Resolution EUR/RC61/R10 – 1. BEKRÄFTIGT, dass die 63. Tagung vom 16. bis 19. September 2013 in Portugal abgehalten wird; 2. BEKRÄFTIGT, dass die 64. Tagung vom 15. bis 18. September 2014 in Kopenhagen abgehal- ten wird; 3. BESCHLIESST, dass die 65. Tagung vom 14. bis 17. September 2015 an einem noch zu be- stimmenden Ort abgehalten wird; 4. BESCHLIESST FERNER, dass die 66. Tagung 2016 zu einem noch zu bestimmenden Datum in Kopenhagen abgehalten wird. EUR/RC62(1). Globaler Kontrollrahmen für nichtübertragbare Krankheiten Das Regionalkomitee – als Reaktion auf den Beschluss WHA65(8) der 65. Weltgesundheitsversammlung und zum Zwecke der Vorbereitung auf die für November 2012 geplante Tagung der Mitgliedstaaten über einen globalen Kontrollrahmen für nichtübertragbare Krankheiten – 1. BEGRÜSST das von der Weltgesundheitsversammlung vereinbarte globale Ziel einer relativen Reduzierung der vorzeitigen Mortalität aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten um 25% bis zum Jahr 2025; 2. BEKRÄFTIGT die Forderung der Weltgesundheitsversammlung, bei der Auswahl der Indikato- ren und Zielvorgaben der Politischen Erklärung der Tagung der Generalversammlung auf hoher Ebene über die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (62/2) und den dar- in genannten vier allgemeinen Risikofaktoren besondere Aufmerksamkeit zu schenken; 3. UNTERSTREICHT UNTER BEZUGNAHME AUF den aktuellen Bericht des WHO- Regionalbüros für Europa mit dem Titel „Online-Konsultation zum globalen Kontrollrahmen für nichtübertragbare Krankheiten“ (EUR/RC62/Inf.Doc./6) die Notwendigkeit, bei der Aus- wahl der Indikatoren die derzeit vorhandenen Kontrollkapazitäten in den Mitgliedstaaten gebüh- rend zu berücksichtigen, um eine unnötige Erhöhung der Meldepflichten für die Mitgliedstaaten zu vermeiden; 4. UNTERSTREICHT die Notwendigkeit, bei der Auswahl der Indikatoren bzw. Zielvorgaben die Verfügbarkeit praktikabler Interventionen zu berücksichtigen, die bereits in einer erheblichen Zahl von Mitgliedstaaten realisiert werden können; WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 57 5. FORDERT einen systematischen und wissenschaftlichen Ansatz, der bei der Auswahl der Indi- katoren für die Messung der Veränderungen allgemeiner Risikofaktoren beginnt und auf den gegebenenfalls eine Vereinbarung über entsprechende quantitative Zielvorgaben für jeden Indi- kator folgt; 6. FORDERT die Auswahl einer begrenzten Anzahl wissenschaftlich fundierter Indikatoren für die allgemeinen Risikofaktoren, die für die aktuellen Kontrollsysteme einer erheblichen Zahl von Mitgliedstaaten machbar sind und unmittelbar für die Umsetzung des Kontrollrahmens zur Ver- fügung stehen, sowie die Annahme erreichbarer Zielvorgaben für jeden Indikator; 7. UNTERSTREICHT die Notwendigkeit zusätzlicher Gesundheitssystemindikatoren, anhand de- rer die Entwicklung und Umsetzung einschlägiger nationaler Konzepte zur Bekämpfung der nichtübertragbaren Krankheiten sowie die Fähigkeit der Gesundheitssysteme zu ihrer Bewälti- gung (durch Maßnahmen der Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention, Therapie und Reha- bilitation) verfolgt werden können; 8. FORDERT im Hinblick auf die Entwicklung des Kontrollrahmens ein besonderes Augenmerk auf gesundheitliche Ungleichgewichte und ihre Determinanten. EUR/RC62(2). Stärkung der Rolle der Außenstellen des Regionalbüros für Europa: eine erneuerte Strategie für die Europäische Region Das Regionalkomitee beschließt: 1. dem Sekretariat für den Fall, dass die griechische Regierung ihr Angebot als Gastland zurück- zieht, ein Mandat zur Einrichtung einer Außenstelle des Regionalbüros mit Zuständigkeit für den Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten in einem Kandidatenland zu übertragen und dabei das von der Russischen Föderation bekundete Interesse zu berücksichtigen; 2. das Sekretariat zu ersuchen, in Zusammenarbeit mit den Kandidatenländern Geschäftsmodelle für potenzielle neue Außenstellen des Regionalbüros für die Bereiche primäre Gesundheitsver- sorgung und Bewältigung humanitärer Krisen unter umfassender Beteiligung des SCRC und un- ter Berücksichtigung der Interessenbekundung Kasachstans für die Einrichtung eines solchen Büros für primäre Gesundheitsversorgung zu entwickeln und diese der 63. Tagung des Regio- nalkomitees zur Annahme vorzulegen; 3. dass das Sekretariat bei der Vorlage von Optionen für die Auswahl neuer strategischer Bereiche und die Einrichtung möglicher Außenstellen den Inhalt des Dokuments EUR/RC62/11 heran- zieht. 58 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Anhang 1: Tagesordnung 1. Eröffnung der Tagung Wahl des Präsidenten, des Exekutivpräsidenten, des Stellvertretenden Exekutivpräsidenten und des Berichterstatters Annahme der Tagesordnung und des Programms 2. Ansprachen a) Ansprache der Generaldirektorin b) Ansprache der Regionaldirektorin und Bericht über die Arbeit des Regionalbüros c) Ansprache Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark d) Ansprache des Europäischen Kommissars für Gesundheit und Verbraucherpolitik e) Ansprache des Stellvertretenden Generalsekretärs der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 3. Angelegenheiten, die sich aus Resolutionen und Beschlüssen der Weltgesundheitsver- sammlung und des Exekutivrates ergeben 4. Bericht des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees (SCRC) 5. Grundsatz- und Fachfragen a) Europäisches Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ für gesamtstaatliches und gesamtge- sellschaftliches Handeln zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden b) Europäischer Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öf- fentlichen Gesundheit c) Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) d) Eine Länderstrategie für das WHO-Regionalbüro für Europa (2012–2014) e) Stärkung der Rolle der Außenstellen des Regionalbüros für Europa: eine erneuerte Strate- gie für die Europäische Region f) Reform der WHO i. Zwölftes Allgemeines Arbeitsprogramm 2014–2019 ii. Programmhaushaltsentwurf 2014–2015 – Die Perspektive der Europäischen Region iii. Auswirkungen der WHO-Reform auf die Tätigkeit des Regionalbüros für Europa g) Evaluation des Europäischen Forums für Gesundheitspolitik auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 59 6. Geschlossene Sitzung: Wahlen und Nominierungen a) Nominierung von zwei Mitgliedern des Exekutivrates b) Wahl von vier Mitgliedern des SCRC c) Wahl von vier Mitgliedern des Europäischen Ministerausschusses für Umwelt und Ge- sundheit 7. Bestätigung von Ort und Zeitpunkt der ordentlichen Tagungen des Regionalkomitees in den Jahren 2013 bis 2016 8. Sonstige Angelegenheiten 9. Annahme des Berichts und Abschluss der Tagung Fachinformationssitzungen Beratende Expertengruppe Forschung und Entwicklung Gesundheitspersonal und die Umsetzung des Globalen Verhaltenskodexes Der Haushalt der WHO und seine Finanzierung Zielvorgaben und Indikatoren zur Erfolgskontrolle für „Gesundheit 2020“ Gesundheitsförderung und Prävention altersbedingter chronischer Erkrankun- gen: Sind die Gesundheitssysteme für die Bevölkerungsalterung gerüstet? Mittagessen der Minister Impfprogramme zur Aufrechterhaltung des poliofreien Status und zur Eliminie- rung von Masern und Röteln bis zum Jahr 2015 und Fortschritte bei der Verwirk- lichung der gesundheitsbezogenen Millenniums-Entwicklungsziele Grundlegende Herausforderungen für die Gesundheitssysteme in Zeiten von Finanzkrisen und Vorstellung des neuen operativen Konzeptes für die Gesund- heitssysteme 60 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Anhang 2: Liste der Arbeitspapiere Arbeitsdokumente EUR/RC62/1 Rev.1 Vorläufige Liste der Arbeitspapiere und Hintergrunddokumente EUR/RC62/2 Rev.1 Vorläufige Tagesordnung EUR/RC62/3 Rev.1 Vorläufiges Programm EUR/RC62/4 Bericht des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des WHO- Regionalkomitees für Europa EUR/RC62/4 Add.1 Neunzehnter Ständiger Ausschuss des WHO-Regionalkomitees für Europa: Bericht über die fünfte Tagung EUR/RC62/5 Bericht der Regionaldirektorin über die Arbeit der WHO in der Euro- päischen Region im Zeitraum 2010–2011 EUR/RC62/6 Angelegenheiten, die sich aus den Resolutionen und Beschlüssen der Weltgesundheitsversammlung ergeben EUR/RC62/7 Mitgliedschaft in Organen und Ausschüssen der WHO EUR/RC62/7 Add.1 Mitgliedschaft in Organen und Ausschüssen der WHO EUR/RC62/7 Add.2 Mitgliedschaft in Organen und Ausschüssen der WHO EUR/RC62/8 Gesundheit 2020 Rahmenkonzept und Strategie EUR/RC62/8 Corr.1 Gesundheit 2020 Rahmenkonzept und Strategie EUR/RC62/9 Europäisches Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ für gesamtstaatli- ches und gesamtgesellschaftliches Handeln zur Förderung von Ge- sundheit und Wohlbefinden EUR/RC62/9 Add.1 Rev.1 Finanzielle und administrative Auswirkungen auf das Sekretariat bei Annahme des Resolutionsentwurfs zu „Gesundheit 2020“ – dem Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohl- befinden EUR/RC62/10 Rev.1 Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) EUR/RC62/10 Add.1 Finanzielle und administrative Auswirkungen auf das Sekretariat bei Annahme des Resolutionsentwurfs zu Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) EUR/RC62/11 Stärkung der Rolle der Außenstellen des Regionalbüros für Europa: eine erneuerte Strategie für die Europäische Region EUR/RC62/12 Rev.1 Europäischer Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebo- te im Bereich der öffentlichen Gesundheit EUR/RC62/12 Add.1 Finanzielle und administrative Auswirkungen auf das Sekretariat bei Annahme des Resolutionsentwurfs zu dem Europäischen Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentli- chen Gesundheit EUR/RC62/13 Eine Länderstrategie für das WHO-Regionalbüro für Europa (2012– 2014) WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 61 EUR/RC62/14 Reform der WHO EUR/RC62/15 Evaluation des Europäischen Forums für Gesundheitspolitik auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter EUR/RC62/16 Draft proposed programme budget 2014–2015 EUR/RC62/16 Add.1 Der Programmhaushalt 2014–2015 – Die Perspektive des WHO- Regionalbüros für Europa EUR/RC62/17 Draft Twelfth WHO General Programme of Work EUR/RC62/18 Vorhersehbarkeit, Flexibilität und Nachhaltigkeit bei der Finanzie- rung der WHO Konferenzdokumente EUR/RC62/Conf.Doc./1 Bericht der Regionaldirektorin über die Arbeit der WHO in der Euro- päischen Region im Zeitraum 2010–2011 EUR/RC62/Conf.Doc./2 Bericht des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees EUR/RC62/Conf.Doc./3 Ort und Zeitpunkt der ordentlichen Tagungen des Regionalkomitees in den Jahren 2013–2016 EUR/RC62/Conf.Doc./4 Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) EUR/RC62/Conf.Doc./5 Stärkung der Rolle der Außenstellen des Regionalbüros für Europa: eine erneuerte Strategie für die Europäische Region EUR/RC62/Conf.Doc./6 Rev.2 Europäischer Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebo- te im Bereich der öffentlichen Gesundheit EUR/RC62/Conf.Doc./7 Eine Länderstrategie für das WHO-Regionalbüro für Europa (2012– 2014) EUR/RC62/Conf.Doc./8 „Gesundheit 2020“ – das Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden EUR/RC62/Conf.Doc./9 Bericht der Regionaldirektorin über die Arbeit der WHO in der Euro- päischen Region im Zeitraum 2010–2011 EUR/RC62/Conf.Doc./10 Bericht des Neunzehnten Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees Informationsdokumente EUR/RC62/Inf.Doc./1 Executive summary of the European health report 2012: Moving Eu- rope towards health and well-being EUR/RC62/Inf.Doc./2 The evidence base of Health 2020 EUR/RC62/Inf.Doc./3 Implementing Health 2020 EUR/RC62/Inf.Doc./4 Monitoring framework for Health 2020 targets and indicators EUR/RC62/Inf.Doc./5 Strengthening public health services across the European Region – a summary of background documents for the European Action Plan EUR/RC62/Inf.Doc./6 Web consultation on the Global Monitoring Framework for Non- communicable Diseases EUR/RC62/Inf.Doc./7 Proposed strategic priority areas for geographically dispersed offices 62 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Anhang 3: Liste der Repräsentanten und anderen Teilnehmer I. Mitgliedstaaten Albanien Repräsentant Albert Gajo Stellvertretender Gesundheitsminister Andorra Repräsentanten Cristina Rodríguez Galan Ministerin für Gesundheit und Wohlbefinden Dr. Josep M. Casals Alís Generaldirektor, Ministerium für Gesundheit und Wohlbefinden Armenien Repräsentant Dr. Sergey Khachatryan Stellvertretender Gesundheitsminister Aserbaidschan Repräsentanten Prof. Ogtay Shiraliyev Gesundheitsminister Dr. Samir Abdullayev Leiter, Abteilung Internationale Beziehungen, Gesundheitsministerium Belarus Repräsentant Dr. Dmitry Pinevich Erster Stellvertretender Minister, Gesundheitsministerium Belgien Repräsentant Dr. Dirk Cuypers Vorsitzender des Verwaltungsausschusses, Föderaler Öffentlicher Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 63 Stellvertreter Alex Lenaerts Berater, Büro des Ministers, Föderaler Öffentlicher Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt Dr. Daniel Reynders Leiter, Büro des Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses, Föderaler Öffentlicher Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt Berater Stephanie Langerock Attaché, Abteilung für internationale Beziehungen, Föderaler Öffentlicher Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt Lieven De Raedt Attaché, Abteilung für internationale Beziehungen, Föderaler Öffentlicher Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt Marleen Van Dijk Behörde für Gesundheitsüberwachung und Gesundheitsversorgung, Ministerium für Soziales, öffentliche Gesundheit und Familie, Region Flandern Bosnien und Herzegowina Repräsentanten Sredoje Nović Minister für Verwaltungsangelegenheiten Prof. Rusmir Mesihović Gesundheitsminister Stellvertreter Prof. Ranko Škrbić Minister für Gesundheit und Soziales, Republik Srpska Vedrana Vuković Botschaftsrätin, Abteilung für internationale Zusammenarbeit und europäische Integration, Ministerium für Verwaltungsangelegenheiten Bulgarien Repräsentantinnen Dessislava Dimitrova Stellvertretende Gesundheitsministerin Lidia Georgieva Außerordentliche Professorin, Sozialmedizin und Gesundheitsmanagement, Medizinische Universität Sofia Stellvertreterin Elka Doncheva Dritte Sekretärin, Direktion für Menschenrechte, Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten 64 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Dänemark Repräsentantinnen Dr. Else Smith Leitende Medizinalbeamtin, Dänisches Gesundheitsamt Katrine Schjønning Leiterin, Abteilung für Internationales und Rechtsfragen, Ministerium für Gesundheit und Prävention Stellvertreterinnen Marianne Kristensen Beraterin für internationale Angelegenheiten, Dänisches Gesundheitsamt Gitte Lingaard Referatsleiterin, Ministerium für Gesundheit und Prävention Deutschland Repräsentanten Annette Widmann-Mauz Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für Gesundheit Udo Scholten Leiter, Europäische und internationale Gesundheitspolitik, Bundesministerium für Gesundheit Stellvertreter Dagmar Reitenbach Leiterin, Referat Z 34, Globale Gesundheitspolitik, Bundesministerium für Gesundheit Berater Björn Kümmel Berater, Bundesministerium für Gesundheit Chariklia Balas Referentin, Globale Gesundheitspolitik, Bundesministerium für Gesundheit Thomas Ifland Berater, Multilaterale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Gesundheitswesens, Bundesministerium für Gesundheit Gabriela Girnau Persönliche Referentin der Parlamentarischen Staatssekretärin, Bundesministerium für Gesundheit Dr. Peter Pompe Referatsleiter, Protokoll, internationaler Besucherdienst, Verbindung zu den in- und ausländischen Vertretungen, Sprachendienst; Bundesministerium für Gesundheit Britta Groeger Dolmetscherin, Bundesministerium für Gesundheit Olaf Rieck Leiter, Wirtschaftsabteilung, Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Malta WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 65 Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien Repräsentant Jovan Grpovski Politischer Berater, Kabinettsleiter des Gesundheitsministers Estland Repräsentantin Ivi Normet Stellvertretende Generalsekretärin für Gesundheitspolitik, Ministerium für Soziales Stellvertreter Liis Rooväli Leiterin, Abteilung Gesundheitsinformation und -analyse, Ministerium für Soziales Dr. Maris Jesse Leiterin, Staatliches Institut für Gesundheitsentwicklung Taavi Lai Leitender Analytiker, Abteilung Gesundheitsinformation und -analyse, Ministerium für Soziales Finnland Repräsentantinnen Aino-Inkeri Hansson Generaldirektorin, Abteilung Förderung von Wohlfahrt und Gesundheit, Ministerium für Soziales und Gesundheit Taru Koivisto Leiterin, Abteilung Förderung von Wohlfahrt und Gesundheit, Ministerium für Soziales und Gesundheit Stellvertreter Pirjo Suomela-Chowdhury Leiterin, Abteilung für Entwicklungsfragen der Vereinten Nationen, Ministerium für auswärtige Angelegenheiten Dr. Eero Lahtinen Botschaftsrat, Ständige Vertretung Finnlands bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Pasi Mustonen Ministerieller Berater, Abteilung für Soziales und Gesundheit, Ministerium für Soziales und Gesundheit Beraterinnen Outi Kuivasniemi Ministerielle Beraterin, Abteilung Internationale Angelegenheiten, Ministerium für Soziales und Gesundheit Dr. Eeva Ollila Ministerielle Beraterin, Abteilung Förderung von Wohlfahrt und Gesundheit, Ministerium für Soziales und Gesundheit 66 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Sirpa Sarlio-Lähteenkorva Ministerielle Beraterin, Ministerium für Soziales und Gesundheit Dr. Gisela Blumenthal Leitende Beraterin in Gesundheitsfragen, Ministerium für auswärtige Angelegenheiten Hanna-Riikka Viljamaa Leitende Beamtin, Ministerium für Soziales und Gesundheit Frankreich Repräsentant Dr. Jean-Yves Grall Generaldirektor für Gesundheit, Ministerium für Soziales und Gesundheit Stellvertreter Brigitte Arthur Leiterin des Büros für internationale Gesundheit und Sozialschutz, Delegation für europäische und internationale Angelegenheiten, Ministerium für Soziales und Gesundheit Geneviève Chedeville-Murray Gesundheitsberaterin, Ständige Vertretung Frankreichs bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Léa Das Neves Politikbeauftragte, Büro für internationale Angelegenheiten, Delegation für europäische und internationale Angelegenheiten, Ministerium für Soziales und Gesundheit Benjamin Redt Politikbeauftragter, Büro für Europäische und internationale Angelegenheiten, Generaldirektion Gesundheit, Ministerium für Soziales und Gesundheit Léopold Stefanini Lektor, Gesundheit und soziale Entwicklung, Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten Georgien Repräsentanten Irakli Nadareishvili Stellvertretender Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales Lela Serebryakova Leiterin, Programmbereich, Abteilung Gesundheitswesen, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Griechenland Repräsentantinnen Christina Papanikolaou Generalsekretärin für öffentliche Gesundheit, Gesundheitsministerium Athina Kyrlesi Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit und Lebensqualität, Gesundheitsministerium WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 67 Beraterin Krystallia Vougiouklaki Behördenleiterin, Gesundheitsministerium Irland Repräsentant Dr. Tony Holohan Leitender Medizinalbeamter, Gesundheitsministerium Stellvertreterinnen Louise Kenny Stellvertretende Leiterin, Referat Internationale Angelegenheiten, Gesundheitsministerium Gabrielle Jacob Erste Botschaftsrätin, Ständige Vertretung Irlands bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Island Repräsentantinnen Vilborg Ingólfsdóttir Generaldirektorin, Abteilung für Qualitätssicherung und Prävention, Wohlfahrtsministerium Dóra Guðrún Guðmundsdóttir Leiterin, Abteilung Gesundheitsdeterminanten, Gesundheitsdirektion Israel Repräsentant Prof. Ronni Gamzu Generaldirektor, Gesundheitsministerium Stellvertreter Prof. Alex Leventhal Leiter, Abteilung Internationale Beziehungen, Gesundheitsministerium Dr. Ran Balicer Außerordentlicher Professor für Epidemiologie, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Ben- Gurion-Universität des Negev Italien Repräsentanten Prof. Renato Balduzzi Gesundheitsminister Dr. Fabrizio Oleari Generaldirektor, Öffentliche Gesundheit und Innovation, Ministerium für Gesundheit 68 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Stellvertreter Dr. Giuseppe Ruocco Generaldirektor, Generaldirektion für Prävention, Gesundheitsministerium Dr. Daniela Rodorigo Generaldirektorin, Generaldirektion für die Beziehungen zur Europäischen Union und Internationale Beziehungen, Gesundheitsministerium Dr. Alberto Bobbio Leiter und Pressesprecher, Pressebüro des Ministers, Gesundheitsministerium Dr. Enrico Vincenti Diplomatischer Berater, Gesundheitsministerium Dr. Francesco Cicogna Leitender Medizinalbeamter, Generaldirektion für die Beziehungen zur Europäischen Union und Internationale Beziehungen, Gesundheitsministerium Kasachstan Repräsentantinnen Dr. Salidat Kairbekova Gesundheitsministerin Gulyum Assylbekova Stellvertretende Vorsitzende, Ausschuss für Vergütung von medizinischen Leistungen, Gesundheitsministerium Stellvertreter Prof. Maksut Kulzhanov Leiter, Staatliches Zentrum zum Schutz der öffentlichen Gesundheit, Gesundheitsministerium Kirgisistan Repräsentantin Dr. Paiza Suyumbaeva Staatssekretärin, Gesundheitsministerium Kroatien Repräsentanten Dr. Krunoslav Capak Stellvertretender Leiter, Kroatisches Public-Health-Institut Dr. Velibor Drakulić Leiter des Büros des Gesundheitsministers, Gesundheitsministerium Stellvertreterin Sibila Žabica Beraterin des Gesundheitsministers in Fragen der Europäischen Integration und der Internationalen Beziehungen, Gesundheitsministerium WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 69 Lettland Repräsentantinnen Dr. Ingrīda Cīrcene Gesundheitsministerin Līga Šerna Stellvertretende Leiterin, Abteilung für Europäische Angelegenheiten und Internationale Zusammenarbeit, Gesundheitsministerium Litauen Repräsentant Raimondas Šukys Gesundheitsminister Stellvertreter Rima Vaitkienė Leiterin, Abteilung Gesundheitspolitik und -planung, Gesundheitsministerium Antanas Matulas Vorsitzender, Ausschuss für Gesundheitsangelegenheiten, Parlament Litauens Beraterin Simona Gailiūtė Leitende Sachverständige, Abteilung Europäische Union und Internationale Beziehungen, Gesundheitsministerium Luxemburg Repräsentanten Dr. Danielle Hansen-Koenig Direktorin für Gesundheit, Gesundheitsministerium Dr. Robert Goerens Chefarzt, Abteilung für Arbeitsmedizin, Gesundheitsdirektion Malta Repräsentanten Dr. Joseph Cassar Minister für Gesundheit, Senioren und Gemeindeversorgung Mario Galea Parlamentssekretär für Senioren und Gemeindeversorgung Stellvertreter Dr. Kenneth Grech Ständiger Sekretär, Ministerium für Gesundheit, Senioren und Gemeindeversorgung 70 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Berater Dr. Raymond Busuttil Leiter der Abteilung Öffentliche Gesundheit Dr. Natasha Azzopardi Muscat Leitende Medizinalbeamte, Ministerium für Gesundheit, Senioren und Gemeindeversorgung Karen Demicoli Direktorin, Abteilung Politikentwicklung und Internationales, Ministerium für Gesundheit, Senioren und Gemeindeversorgung Dr. Miriam Dalmas Beraterin für öffentliche Gesundheit, Ministerium für Gesundheit, Senioren und Gemeindeversorgung Dr. Karen Vincenti Beraterin für öffentliche Gesundheit, Ministerium für Gesundheit, Senioren und Gemeindeversorgung Tonio Cassar Persönlicher Assistent des Ministers für Gesundheit, Senioren und Gemeindeversorgung Isabelle Farrugia Persönliche Assistentin des Parlamentssekretärs für Senioren und Gemeindeversorgung Monaco Repräsentantinnen Carole Lanteri Erste Botschaftsrätin, Stellvertretende Ständige Vertreterin, Ständige Vertretung des Fürstentums Monaco bei den Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Dr. Anne Nègre Leiterin, Direktion für Gesundheit und Soziales, Abteilung Soziales und Gesundheit Stellvertreter Frédéric Pardo Sekretär für Außenbeziehungen, Abteilung Außenbeziehungen, Staatsministerium Montenegro Repräsentanten Prof. Miodrag Radunović Gesundheitsminister Dr. Mira Jovanovski Dašić Stellvertretende Gesundheitsministerin Stellvertreterin Mirjana Ðjuranović Beraterin, Gesundheitsministerium WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 71 Niederlande Repräsentanten Herbert Barnard Leiter, Abteilung Internationales, Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport Roland Driece Gesundheitsattaché, Ständige Vertretung der Niederlande bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Stellvertreter Gert-Jan Rietveld Leitender Politischer Berater, Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport Norwegen Repräsentanten Dr. Bjørn-Inge Larsen Generaldirektor für Gesundheit, Gesundheitsdirektion Hilde Caroline Sundrehagen Stellvertretende Generaldirektorin, Ministerium für Gesundheit und Pflegedienste Stellvertreter Arne-Petter Sanne Direktor, Gesundheitsdirektion Thor Erik Lindgren Leitender Berater, Ministerium für Gesundheit und Pflegedienste Berater Benedikte Louise Alveberg Leitende Beraterin, Ministerium für Gesundheit und Pflegedienste Otto Christian Rø Leitender Berater, Gesundheitsdirektion Bengt Skotheim Berater, Abteilung Internationale Zusammenarbeit, Gesundheitsdirektion Eivind Berg Weibust Berater, Gesundheitsdirektion Frederik Frøen Abteilungsleiter, staatliches Institut für öffentliche Gesundheit Österreich Repräsentanten Prof. Pamela Rendi-Wagner Leiterin, Sektion III, öffentliche Gesundheit und medizinische Angelegenheiten, Bundesministerium für Gesundheit 72 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Prof. Hubert Hrabcik Gesandter für Gesundheit, Ständige Vertretung Österreichs beim Büro der Vereinten Nationen und bei den Spezialorganisationen in Genf Stellvertreter Dr. Verena Gregorich-Schega Leiterin, Abteilung I/A/6, Internationale Koordination der Gesundheitspolitik, WHO, Protokollangelegenheiten, Bundesministerium für Gesundheit Martin Mühlbacher Stellvertretender Leiter, Abteilung I/A/6, Internationale Koordination der Gesundheitspolitik, WHO, Protokollangelegenheiten, Bundesministerium für Gesundheit Polen Repräsentant Igor Radziewicz-Winnicki Unterstaatssekretär, Gesundheitsministerium Stellvertreter Prof. Mirosław Wysocki Leiter, Staatliches Institut für öffentliche Gesundheit/Staatliches Institut für Hygiene Marcin Rynkowski Leiter, Abteilung Internationale Zusammenarbeit, Gesundheitsministerium Wojciech Gwiazda Leitender Sachverständiger, Abteilung Internationale Zusammenarbeit, Gesundheitsministerium Dariusz Poznański Sachverständiger, Abteilung Organisation des Gesundheitssystems, Gesundheitsministerium Portugal Repräsentanten Fernando Leal da Costa Staatssekretär, Assistent des Gesundheitsministers Dr. Francisco George Generaldirektor für Gesundheit, Gesundheitsministerium Stellvertreter Prof. José Pereira Miguel Vorsitzender, Exekutivrat des staatlichen Gesundheitsinstituts Doutor Ricardo Jorge Eva Falção Beraterin des Generaldirektors für Gesundheit, Gesundheitsministerium Dr. Ricardo Leite Mitglied des Stadtrats von Cascais Bernardo Barros Büro des Stellvertretenden Bürgermeisters von Cascais WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 73 Republik Moldau Repräsentanten Andrei Usatîi Gesundheitsminister Mircea Buga Generaldirekttor, Staatliche Arzneimittelversicherung Stellvertreterin Eugenia Berzan Leiterin, Abteilung für internationale Beziehungen und europäische Integration, Gesundheitsministerium Rumänien Repräsentant Dr. Vasile Cepoi Gesundheitsminister Stellvertreter Calin Alexandru Leiter, Abteilung Gesundheitsversorgung und Politik, Gesundheitsministerium Roxana Rotocol Koordinatorin, Abteilung Europäische Angelegenheiten, Gesundheitsministerium Russische Föderation Repräsentanten Prof. Veronika Skvortsova Gesundheitsministerin Sergey Velmyaykin Staatssekretär, Stellvertretender Gesundheitsminister, Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung Stellvertreter Boris Marchuk Botschafter, Botschaft der Russischen Föderation in Malta Svetlana Akselrod Stellvertretende Direktorin, Abteilung für Internationale Zusammenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit, Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung Berater Prof. Vladimir Starodubov Leiter, Zentrales Forschungsinstitut für Gesundheitsverwaltung und Informationssysteme, Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung Oleg Kuvshinnikov Gouverneur, Region Vologda 74 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Dr. Galina Maslennikova Leitende Forscherin, Abteilung Präventivmedizin, Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung Oleg Sonin Berater, Abteilung für Internationale Zusammenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit, Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung Pavel Esin Leitender Sachverständiger, Abteilung für Internationale Zusammenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit, Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung Alexey Kulikov Dritter Botschaftsrat, Ständige Vertretung der Russischen Föderation bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Vladimir Lepeshichev Assistent des Gouverneurs der Region Vologda Anna Korotkova Stellvertretende Leiterin, Zentrales Forschungsinstitut für Gesundheitsverwaltung und Informationssysteme, Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung Dr. Mark Tsechkovsky Abteilungsleiter, Zentrales Forschungsinstitut für Gesundheitsverwaltung und Informationssysteme, Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung Farida Saifullina Botschaftsrätin, Botschaft der Russischen Föderation in Malta Alexander Oparin Botschaftsrat, Botschaft der Russischen Föderation in Malta Sergey Skorodumov Dritter Sekretär, Botschaft der Russischen Föderation in Malta Alexey Ptashnik Dritter Sekretär, Botschaft der Russischen Föderation in Malta Nikita Sobolev Attaché, Botschaft der Russischen Föderation in Malta Oleg Ivanov Attaché, Botschaft der Russischen Föderation in Malta Andrey Glushko Attaché, Botschaft der Russischen Föderation in Malta San Marino Repräsentanten Claudio Podeschi Minister für Gesundheit und soziale Sicherheit Dr. Andrea Gualtieri Leiter, Gesundheitsbehörde, Ministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 75 Schweden Repräsentanten Dr. Lars-Erik Holm Generaldirektor, Staatliches Amt für Gesundheit und Gemeinwohl Niclas Jacobson Stellvertretender Generaldirektor, Ministerium für Gesundheit und Soziales Stellvertreter Louise Andersson Referatsleiterin, Ministerium für Gesundheit und Soziales Anna Halén Botschaftsrätin für Gesundheit, Ständige Vertretung Schwedens bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Dr. Bosse Pettersson Leitender Berater, Staatliches Amt für Gesundheit und Gemeinwohl Maria Renström Leitende Beraterin, Ministerium für Gesundheit und Soziales Beraterin Ingvor Bjugård Leitende Beamtin, Schwedischer Kommunal- und Regionalverband Schweiz Repräsentantinnen Muriel Peneveyre Stellvertretende Leiterin, Abteilung Internationales, Bundesamt für Gesundheit Anne-Béatrice Bullinger Diplomatische Referentin, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten Stellvertreter Lyne Calder Gesundheitsattaché a.i., Ständige Vertretung der Schweiz bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Robert Thomson Wissenschaftlicher Berater, Bundesamt für Gesundheit Serbien Repräsentanten Prof. Slavica Djukić-Dejanović Gesundheitsministerin Prof. Vladimir Djukić Staatssekretär, Gesundheitsministerium 76 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Stellvertreterinnen Svetlana Vrga Sonderberaterin für Fragen der Internationalen Zusammenarbeit, Gesundheitsministerium Irena Žnidaršić-Trbojević Dolmetscherin, Gesundheitsministerium Slowakei Repräsentant Dr. Ivan Rovný Leitender Beauftragter für öffentliche Gesundheit, Amt für öffentliche Gesundheit Stellvertreterinnen Šárka Kovácsová Leiterin, Abteilung Europäische Union und Internationale Beziehungen, Gesundheitsministerium Elena Jablonická Leitende Beamtin, Abteilung Europäische Union und Internationale Beziehungen, Gesundheitsministerium Spanien Repräsentantinnen Mercedes Vinuesa Sebastián Generaldirektorin, Abteilung Qualitative Erneuerung für die öffentliche Gesundheit, Ministerium für Gesundheit, Sozialpolitik und Chancengleichheit Dr. Karoline Fernández de la Hoz Zeitler Leiterin, Referat für die Koordinierung internationaler Fachfragen, Ministerium für Gesundheit, Sozialpolitik und Chancengleichheit Stellvertreterin María Teresa de Martín Martínez Referat für die Koordinierung internationaler Fachfragen, Ministerium für Gesundheit, Sozialpolitik und Chancengleichheit Tadschikistan Repräsentant Dr. Nousratullo Salimov Gesundheitsminister Beraterin Dr. Dilbar Kurbanova Beraterin, Gesundheitsministerium WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 77 Tschechische Republik Repräsentantinnen Eva Karásková Direktorin, Gesundheitsministerium Veronika Schlaien Referentin, Gesundheitsministerium Türkei Repräsentanten Prof. Recep Akdağ Gesundheitsminister Prof. Nihat Tosun Stellvertretender Unterstaatssekretär, Gesundheitsministerium Stellvertreter Ö. Faruk Koçak Stellvertretender Unterstaatssekretär, Gesundheitsministerium Dr. Öner Güner Generaldirektor für Außenbeziehungen und Beziehungen zur Europäischen Union, Gesundheitsministerium Ebru Ekeman Botschaftsrätin, Ständige Vertretung der Türkei bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Dr. Cem Sermet Ülker Erster Botschaftsrat, Botschaft der Türkei in Malta Dr. Elif Ekmekçi Leiter, Abteilung Europäische Union, Gesundheitsministerium Dr. Banu Ekinci Leiterin, Abteilung Chronische Krankheiten, Staatliche Behörde für öffentliche Gesundheit Berater Dr. Seda Usubütün Beraterin, Generaldirektion für Außenbeziehungen und Beziehungen zur Europäischen Union, Gesundheitsministerium Dr. Canan Yılmaz Beraterin, Generaldirektion für Außenbeziehungen und Beziehungen zur Europäischen Union, Gesundheitsministerium Dr. Bekir Keskinkılıç Berater des Ministers, Gesundheitsministerium Dr. Aslıhan Kahraman Berater, Abteilung Chronische Krankheiten, Staatliche Behörde für öffentliche Gesundheit Prof. Uğur Dilmen Leiter, Generaldirektorat für Gesundheitsforschung, Gesundheitsministerium Rana Kahraman Dolmetscherin, Gesundheitsministerium 78 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Dr. Seyhan Şen Berater, Generaldirektion für Außenbeziehungen und Beziehungen zur Europäischen Union, Gesundheitsministerium Dr. Yusuf Irmak Berater, Generaldirektion für Außenbeziehungen und Beziehungen zur Europäischen Union, Gesundheitsministerium Prof. Gazi Alataş Stellvertretender Unterstaatssekretär, Ministerium für Familie und Soziales Mustafa Akçaba Berater, Gesundheitsministerium Ukraine Repräsentantin Dr. Raisa Bohatyriova Stellvertretende Premierministerin und Gesundheitsministerin Stellvertreter Yuriy Demediuk Abteilungsleiter, Ministerkabinett Ludmila Khariv Leitende Sachverständige, Ministerkabinett Prof. Mykola Prodanchuk Leiter, L.-Medveds-Institut für ökologische Hygiene und Toxikologie Prof. Olesya Hulchiy Stellvertretende Leiterin, Organisation und Betrieb Staatliche Medizinische Bohomolets- Universität Yana Skibinetska Erste Sekretärin, Stellvertretender Ständiger Vertreter der Ukraine bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Botschaft der Ukraine in Italien Volodymyr Parkhomenko Oleksandr Lytvynenko Ungarn Repräsentanten Dr. Hanna Páva Stellvertretende Staatssekretärin, Ministerium für Humanressourcen Dr. Árpád Mészáros Stellvertretender Abteilungsleiter, Ministerium für Humanressourcen WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 79 Usbekistan Repräsentant Dr. Abdunomon Sidikov Leiter, Abteilung Internationale Beziehungen, Gesundheitsministerium Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland Repräsentantin Kathryn Tyson Leiterin, Abteilung für internationale Gesundheit und Leistung des Gesundheitswesens, Gesundheitsministerium Stellvertreterinnen Lynne Charles Gruppenleiterin, Globale Gesundheit, Gesundheitsministerium Nicolette Shipton-Yates Dezernentin für Politikfragen, Gesundheitsministerium Zypern Repräsentant Dr. Stavros Malas Gesundheitsminister Stellvertreter Dionysis Mavronicolas Ständiger Staatssekretär, Gesundheitsministerium Berater Dr. Olga Kalakouta Leitende Medizinalbeamtin, Gesundheitsministerium Dr. Dimitris Efthymiou Medizinalbeamter, Gesundheitsministerium Chryso Gregoriadou Eracleous Pflegedienstbeauftragte, Koordinationssektion für Europa, Gesundheitsministerium Georgina Georgiou Botschaftsrätin für Gesundheit, Ständige Vertretung Zyperns bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf Katerina Lambraki-Kasini Gesundheitsattaché, Ständige Vertretung Zyperns bei dem Büro der Vereinten Nationen und den anderen internationalen Organisationen in Genf 80 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG II. Beobachter aus Mitgliedstaaten der Wirtschaftskommission für Europa Vereinigte Staaten von Amerika Colin McIff Gesundheitsattaché, Ständige Vertretung der Vereinigten Staaten beim Büro der Vereinten Nationen und bei anderen internationalen Organisationen in Genf Elana Clarke Kommissarische Leiterin, Büro für Europa und Eurasien, Ständige Vertretung der Vereinigten Staaten beim Büro der Vereinten Nationen und bei anderen internationalen Organisationen in Genf III. Repräsentanten von Organisationen der Vereinten Nationen und anderer Organisationen Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen Werner Haug Direktor, Regionalbüro für Osteuropa und Zentralasien Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen Dr. Christoph Hamelmann Regionalbeauftragter für Praktiken im Bereich HIV, Gesundheit und Entwicklung, Regionalbüro für Europa und die Gemeinschaft unabhängiger Staaten Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Dr. Octavian Bivol Regionalbeauftragter, Gesundheitssysteme und -politik, Regionalbüro für Mittel- und Osteuropa und die Gemeinschaft unabhängiger Staaten IV. Repräsentanten von zwischenstaatlichen Organisationen Europäische Union John Dalli Martin Seychell Franck Zammit Sylvain Giraud Dr. Canice Nolan Erdem Erginel Thea Emmerling Dr. Marc Sprenger Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Yves Leterme Mark Pearson V. Repräsentanten von nichtstaatlichen Organisationen, die offizielle Beziehungen zur WHO unterhalten Alzheimer’s Disease International Dr. Charles Scerri Marc Wortmann WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 81 Internationale Allianz der Patientenorganisationen Jolanta Bilinska Fred Cotterill Internationale Diabetes-Föderation Prof. Sehnaz Karadeniz Internationale Lebensrettungsföderation, Regionalverband Europa Dr. Detlev Mohr Internationale Pharmazeutische Föderation/Europäisches Forum der Apothekenverbände (EuroPharm Forum) Dr. Theodorus F.J. Tromp Tromp Internationaler Hebammenverand Mary Higgins Internationaler Verband der pharmazeutischen Industrie Paul van Hoof Internationaler Krankenhausverband Dr. Risto Miettunen Internationales Büro für Epilepsie Dr. Janet Misfud Internationales Netz gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen Dr. Jeff Kirk Svane Medicus Mundi International Network Linda Mans Dr. Remco van de Pas Rotary International Judith Diment Stichting Health Action International Tessel Mellema Thalassaemia International Federation Dr. Victor Bulyjenkov Union for International Cancer Control Anne Lise Ryel Weltärztebund Dr. Martin Balzan Dr. Ramin Parsa-Parsi Weltdachverband der Medizinstudentenorganisationen Miguel Jose Cabral de Pinho Oana Motea Usman Mushtaq Weltverband der ErgotherapeutInnen Dr. Samantha Shann 82 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Weltverband für Hämophilie Catherine Hudon Yuri Zhulyev Weltverband für Medizinerausbildung in Europa Dr. Madalena Folque Patrício Weltverband Praktischer Ärzte Dr. Anna Stavdal Weltvereinigung für physikalische Therapeutik John Xerri de Caro Dr. Emma Stokes VI. Beobachter Ärzte ohne Grenzen Jean François Alesandrini Katy Athersuch Pascale Boulet Council of Occupational Therapists for European Countries Maria Daniella Farragia EUROCITIES Tom van Benthem EuroHealthNet Clive Needle Europäische Allianz für öffentliche Gesundheit Anne Hoël Monika Kosinska Wim Vandevelde Europäisches Forum der Ärzteverbände Dr. Ramin Parsa-Parsi Europäisches Gesundheitsforum Gastein Prof. Günther Leiner H. Leiner Europäisches Herznetz Susanne Logstrup European Patients Forum Philip Chircop European Public Health Association Prof. Stanislaw Tarkowski European Respiratory Society Brian Ward WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 83 GAVI-Allianz Sekretariat Stephen Sosler Globaler Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria Dr. Valery Chernyavskiy Dr. Debrework Zewdie Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften Dr. Lasha Goguadze Millennium Chapel Josianne Vesic Paula Schembri Tony Sant Ständiger Ausschuss der Europäischen Ärzte Dr. Konstanty Radziwill Verband der Ausbildungsstätten für das öffentliche Gesundheitswesen in der Europäischen Region Prof. Helmut Brand Robert Otok Dr. Carmen Acejas Prof. Jacqueline Müller-Nordhorn Gäste und Berater auf Zeit Thorsten Behrendt Dr. June Crown Prof. Ilona Kickbusch Dr. Mihály Kökény Prof. Sir Michael Marmot 84 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Anhang 4: Ansprache der Regionaldirektorin Herr Präsident, Eure Königliche Hoheit, sehr geehrte Frau Generaldirektorin, sehr geehrter Herr Kommissar, sehr geehrter Herr Stellvertretender Generalsekretär, sehr geehrte Damen und Herren Mi- nister, sehr geehrte Partner, meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist mir eine große Ehre, auf dieser 62. Tagung des Regionalkomitees zu Ihnen sprechen und Ihnen über die wichtigsten Neuigkeiten in der Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa berichten zu kön- nen. Dabei werde ich kurz unsere gemeinsamen Erfolge und Pläne erläutern und auf einige der ent- scheidenden Herausforderungen sowie die Chancen zu ihrer Bewältigung eingehen. Nach meinem Amtsantritt Anfang 2010 habe ich Ihnen, den Mitgliedstaaten, noch in demselben Jahr, auf der 60. Tagung des Regionalkomitees in Moskau, meine Zukunftsvision von mehr Gesundheit für Europa erläutert. Wir vereinbarten damals einen Fahrplan mit konkreten Meilensteinen, um dem Regionalbüro eine an- gemessene Reaktion auf die allmähliche Veränderung der Rahmenbedingungen in der Europäischen Region zu ermöglichen und seine Position weiter zu stärken: als ein auf der Grundlage von Evidenz arbeitendes Kompetenzzentrum für Gesundheitspolitik und öffentliche Gesundheit, das den Anforde- rungen der äußerst heterogenen Europäischen Region der WHO mit ihren 53 Mitgliedstaaten besser gerecht wird. Dabei habe ich mich verpflichtet, Fortschritte in insgesamt sieben strategisch vorrangigen Bereichen anzustreben. Nun, da etwa die Hälfte des in meiner Vision ins Auge gefassten Zeitraums von fünf Jah- ren vergangen ist, kann festgestellt werden, dass dank der Anstrengungen unserer aller in diesem Saal die Arbeit in all diesen Bereichen entweder abgeschlossen oder zumindest weit fortgeschritten ist. Die Veränderungen und Herausforderungen, wie wir sie in der Europäischen Region in Bezug auf Ge- sundheitsstatus und gesundheitliche Resultate und speziell gesundheitliche Ungleichgewichte erleben, wirken wie eine Triebkraft. Denn auch wenn unsere Region in den letzten beiden Jahrzehnten eine Erhöhung der Lebenserwartung um fünf Jahre verzeichnen konnte, so haben davon nicht alle Länder im gleichen Maße profitiert. Nach wie vor gibt es sowohl innerhalb von als auch zwischen Ländern enorme Unterschiede hinsicht- lich der gesundheitlichen Situation und der Entwicklung der Gesundheitssysteme. Die Ungleichheiten nehmen zu, und besonders besorgniserregend aus Sicht der Gesundheitspolitiker ist die Tatsache, dass sich dies innerhalb der Europäischen Region in Unterschieden hinsichtlich der Lebenserwartung von bis zu zwölf Jahren niederschlägt. Alle Länder der Europäischen Region verzeichnen eine rapide Bevölkerungsalterung, und bis 2050 werden rund 25% der Bevölkerung der Mitgliedstaaten älter als 65 Jahre sein. Dies führt zu einer zu- sätzlichen Belastung für die Gesundheits- und Sozialsysteme und erschwert deren Finanzierung. Der größte Teil der Krankheitslast in der Europäischen Region entfällt auf die nichtübertragbaren Krankheiten; sie sind für ca. 86% aller Todesfälle verantwortlich. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass auch die übertragbaren Krankheiten teilweise noch eine ernste Herausforderung darstellen. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 85 All diese und einige weitere Prioritäten haben wir in den letzten drei Jahren in Angriff genommen. Im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten hat das Regionalkomitee im vergangenen Jahr je einen Aktionsplan zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten und zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums angenommen. Aber auch bei der Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten wie Poliomyelitis, Masern und Röteln haben wir auf dem Regionalkomitee 2010 die Initiative ergriffen, und im vergangenen Jahr hat die Tagung des Regionalkomitees je einen Aktionsplan zur Bekämpfung von multiresistenter Tuberkulose (MDR-Tb), von HIV/Aids und von bakteriellen Resistenzen angenommen. Sie alle werden bereits in vollem Umfang umgesetzt. Wir haben alle unsere Schulungsprogramme genutzt – etwa das globale Programm zur Förderung na- tionaler Gesundheitspolitiken und -strategien und unsere Flaggschiff-Seminare im Bereich Finanzie- rung – und neue Schulungen zum Thema Gesundheitsdiplomatie für Vertreter der Mitgliedstaaten wie auch für unsere eigenen Mitarbeiter eingeführt. Wir werden die übrigen gesundheitspolitischen Herausforderungen (Gewalt- und Verletzungspräven- tion, psychische Gesundheit) auch weiterhin mit einem speziellen Augenmerk auf die Gesundheitssys- teme angehen – unter besonderer Schwerpunktlegung auf der allgemeinen Versorgung und den Folgen der Finanzkrise – und Ihnen auf den nächsten beiden Tagungen des Regionalkomitees über Fortschrit- te berichten. Angesichts der Notwendigkeit eines kohärenten Rahmenkonzeptes, das alle Herausforderungen für eine Verbesserung der Gesundheitssituation in der Europäischen Region thematisiert, haben wir ge- mäß Ihrer Bitte von vor zwei Jahren eine neue europäische Gesundheitspolitik, „Gesundheit 2020“, ausgearbeitet, die an die bewährten Traditionen unserer Region anknüpft. Dies geschah mittels eines intensiven partizipatorischen Prozesses, zu dem Sie alle beigetragen haben und in den die Erkenntnisse aus einer Reihe Studien und eine beispiellose Sichtung vorhandener Evi- denz aus der Region eingeflossen sind. Der Prozess der Ausarbeitung von „Gesundheit 2020“ wurde ebenso wie andere Bereiche unserer Ar- beit vollständig an der im Gange befindlichen Reformierung der WHO ausgerichtet und spiegelt die der Arbeit der WHO zugrunde liegenden Werte, Ansätze und Prioritäten wider, wird dabei aber auch den besonderen Rahmenbedingungen und Anforderungen unserer Region wie auch der Mitgliedstaa- ten gerecht. Dies ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Entwicklungen auf der globalen und regio- nalen (und letztlich auch der nationalen) Ebene einander ergänzen und verstärken können. Wir sind der Überzeugung, dass dieses auf Werten beruhende, handlungsorientierte Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ überall in Staat und Gesellschaft gestalterische Kräfte freisetzen und konkrete Un- terstützungsmaßnahmen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden bewirken und uns damit für Jahre den Weg weisen wird. Eine ausführliche Prüfung des Rahmenkonzeptes und der damit ver- bundenen Studien steht morgen auf dem Programm. In „Gesundheit 2020“ werden mit Nachdruck Maßnahmen zum Abbau gesundheitlicher Ungleichhei- ten propagiert; deshalb wird unter dem Gesichtspunkt der Chancengleichheit an den zugrunde liegen- den Ursachen von Krankheit angesetzt. Die Generaldirektorin hat in diesem Jahr in einer Rede vor dem Exekutivrat die Notwendigkeit eines solchen Vorgehens unterstrichen. 86 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Leider bestehen sowohl zwischen den als auch innerhalb der Mitgliedstaaten in der Europäischen Re- gion beträchtliche Ungleichgewichte in Bezug auf Gesundheit und ihre sozialen Determinanten; dies bestätigt die von uns in der gesamten Region durchgeführte Untersuchung. Wie in der Politischen Er- klärung von Rio über die sozialen Determinanten von Gesundheit zum Ausdruck gekommen, erfordert eine Verbesserung dieser Determinanten einen festen politischen Willen und ein neues Herangehen an Führungsfragen. Das Regionalbüro spielt durch die Arbeit seines Büros in Venedig seit vielen Jahren eine federführende Rolle auf diesem Gebiet, die es auch in Zukunft beibehalten möchte. Unser Dank gilt daher der italienischen Regierung, die unser Büro in Venedig durch Stellung von Räumlichkeiten sowie großzügige Finanzmittel unterstützt. Doch ohne Abbau bestehender geschlechtsbezogener Benachteiligungen und eine Verwirklichung des Rechts auf Gesundheit lässt sich gesundheitliche Chancengleichheit nicht erreichen. Es gibt Belege dafür, dass marginalisierte Bevölkerungsgruppen wie Roma, andere ethnische Minderheiten und Migranten in zunehmendem Maße gesundheitlichen Benachteiligungen ausgesetzt sind. Ich habe da- her inzwischen ein Programm zum Thema Anfälligkeit und Gesundheit eingerichtet, um die Förde- rung und den Schutz des Rechts dieser Gruppen auf Gesundheit voranzutreiben und eine Berücksich- tigung ihrer Bedürfnisse zu fördern. Dank der Unterstützung durch die Regierungen Italiens und Belgiens konnte das Regionalbüro ein Projekt über Migration und öffentliche Gesundheit in der Europäischen Region in Gang bringen. Das Regionalbüro unterstützt auch aktiv die Bemühungen in den Ländern zum Aufbau von Kapazitäten für die Überwachung und Umsetzung des Rahmens der Europäischen Union für nationale Strategien zur Integration der Roma sowie die Aktionspläne im Rahmen der Dekade für die Integration der Roma. Im Foyer des Hotels findet eine Ausstellung zum Thema „Gesundheit von Roma und Migranten“ statt, die ich Ihnen ans Herz legen möchte. Weiterhin möchte ich Ihnen mitteilen, dass wir die Federführung in zwei interinstitutionellen Arbeits- gruppen der Vereinten Nationen zur Koordinierung von Maßnahmen zur Verwirklichung der Millen- niums-Entwicklungsziele (MZ) übernommen haben, von denen sich eine mit der Gesundheit von Ro- ma-Frauen und -Kindern und die andere mit der Bekämpfung von Ungleichgewichten befasst. Darüber hinaus haben wir im vergangenen Jahr auch einen Zweijahresbericht über die Fortschritte bei der Verwirklichung der gesundheitsbezogenen MZ veröffentlicht. Da die Millenniums-Entwicklungsziele eine Priorität für mich darstellen, freue ich mich darüber, wel- che Bedeutung die Mitgliedstaaten ihnen beimessen. Insbesondere möchte ich an dieser Stelle der Russischen Föderation und Usbekistan dafür danken, dass sie je ein hochrangiges und äußerst erfolg- reiches Forum zum Thema Millenniums-Entwicklungsziele ausgerichtet und uns an deren Vorberei- tung beteiligt haben. Die Debatte über Ziele und Vorgaben, die die Millenniums-Entwicklungsziele nach 2015 ersetzen und an sie anknüpfen könnten, ist bereits im Gange. Es ist unsere Absicht, zu diesem globalen Prozess ak- tiv beizutragen und so die Generaldirektorin tatkräftig zu unterstützen, indem wir eine strategische Koalition von Partnerorganisationen und Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region aufbauen, um unserer Region Gehör und der Gesundheit einen bedeutenden Stellenwert auf der entwicklungspoliti- schen Agenda nach 2015 zu verschaffen. Gestatten Sie mir nun, auf eine Reihe zentraler fachlicher Bereiche unserer Arbeit näher einzugehen. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 87 Die gesundheitlichen Herausforderungen und die durch die Finanzkrise bedingten Sachzwänge ver- deutlichen, wie wichtig umfassende systemische Maßnahmen sind, die auf eine allgemeine Versor- gung nach evidenzgeleiteten Konzepten abzielen. Einen besonderen Stellenwert hat für uns die öffentliche Gesundheit als wesentlicher Bestandteil des Gesundheitssystems. Im Laufe dieser Woche werden Sie über den Entwurf des Aktionsplans zur Stär- kung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit informiert, um den das Regionalkomitee im vergangenen Jahr gebeten hat. Ich war sehr erfreut, als ich in Anerkennung des Beitrags des Regionalbüros zur Förderung der öffentlichen Gesundheit im Jahr 2011 vom Verband der Ausbildungsstätten für das öffentliche Gesundheitswesen in der Europäischen Region (ASPHER) mit der Andrija-Štampar-Medaille ausgezeichnet wurde. Damit werden natürlich die Anstrengungen aller Mitgliedstaaten gewürdigt, einschließlich der unseres Gastlandes Malta. Das entscheidende Leitbild für unsere Arbeit zur Stärkung der Gesundheitssysteme ist eine allgemeine Versorgung. Viele Länder haben in Bezug auf die finanzielle Absicherung ihrer Bevölkerung und den Zugang zur Gesundheitsversorgung substanzielle Fortschritte erzielt. Dennoch müssen rund 19 Milli- onen Menschen in der Europäischen Region Gesundheitsausgaben aus eigener Tasche bestreiten, de- ren Höhe ihren Haushalt zu ruinieren droht. Diese Problematik wird deshalb in den nächsten Jahren zu unseren vorrangigen Anliegen gehören. Darüber hinaus haben wir mit der großzügigen Unterstützung Belgiens und der Niederlande unsere Arbeit im Bereich der integrierten Leistungserbringung im Ge- sundheitswesen auf der Grundlage einer bürgernahen primären Gesundheitsversorgung forciert. Im Oktober 2013 werden wir anlässlich des fünften Jahrestages der Annahme der Charta von Tallinn: „Gesundheitssysteme für Gesundheit und Wohlstand“ erneut eine Tagung mit den Mitgliedstaaten in Estland halten, auf der wir eine Bilanz der Fortschritte bei der Erfüllung der darin enthaltenen Ver- pflichtungen ziehen wollen. Wir danken Estland für diese Initiative. Den abschließenden Bericht über die Umsetzung der Charta werden wir zusammen mit einem Zukunftsausblick im Jahr 2015 dem Re- gionalkomitee vorlegen. Die Finanzkrise und ihre Folgen für die öffentlichen Finanzen stellen den politischen Willen der Mit- gliedstaaten zur Verbesserung der Gesundheitssituation auf eine harte Probe. Dennoch kann die Krise auch als eine Chance begriffen werden, Veränderungen der konzeptionellen Ausrichtung zu prüfen, um die Gesundheitsetats zu entlasten; dies könnte konkret durch Stärkung der finanziellen Absiche- rung, durch Verbesserung der Effizienz in den Gesundheitssystemen, durch verstärkte Investitionen in den Bereich öffentliche Gesundheit und durch Nutzung der Gesundheitsfinanzierung als Instrument zur Forcierung einer allgemeinen Versorgung geschehen. Diese Stoßrichtung verfolgen wir mit unse- rer Arbeit. Zusammen mit unseren Partnern haben wir die Länder bei ihren Anstrengungen zur Minimierung der schädlichen Folgen der Finanzkrise unterstützt. So war beispielsweise unsere gemeinsame Arbeit mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum Thema finanziel- le Nachhaltigkeit ein Erfolg, und ich bin der Ansicht, wir sollten die Möglichkeiten zum Ausbau der Zusammenarbeit mit der OECD und der EU auf diesem Gebiet weiter ausloten. Wir haben bereits mit den Vorbereitungen auf eine hochrangige Tagung begonnen, die an die Tagung von Oslo von 2009 anknüpfen soll und die ebenfalls von der norwegischen Regierung ausgerichtet 88 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG wird und auf der ein Erfahrungsaustausch über die Zeit seit Beginn der Finanzkrise sowie ein Zu- kunftsausblick vorgesehen sind. Wir haben auch die zweite Schulung zum Thema Gesundheitsfinanzierung in Barcelona mit Erfolg durchgeführt, die sich mit der Leistungsverbesserung in den Gesundheitssystemen durch bessere Fi- nanzierungskonzepte sowie als besonderem Schwerpunkt mit dem Aspekt der allgemeinen Versor- gung befasste. Neben den Teilnehmern in Barcelona nahmen an der Veranstaltung auch mehr als 500 Personen aus aller Welt per Webcast teil. Wir planen nun eine weitere, konkret für die EU-Staaten konzipierte Schulung und beabsichtigen, das Thema Finanzierung auf einer Tagung mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments zu erörtern. Ich werde unser Büro in Barcelona auch weiterhin nach Kräften bei der Fortsetzung seiner ausgezeichneten Arbeit unterstützen und möchte mich bei Spanien für die Unterbringung und finanzielle Unterstützung des Büros bedanken, das mittlerweile eine zentra- le Rolle bei der Gestaltung von Konzepten der Gesundheitsfinanzierung in der Europäischen Region spielt. Das Regionalbüro hat seine Unterstützung für die Mitgliedstaaten auch bei der Ausarbeitung personal- politischer Konzepte im Gesundheitsbereich intensiviert. Im Einklang mit dem Globalen Verhaltens- kodex der WHO für die grenzüberschreitende Anwerbung von Gesundheitsfachkräften haben wir Evi- denz in Bezug auf die Planung des Arbeitskräfteangebots sowie die Aspekte Personalbindung und Leistung gewonnen und eine Reihe von Grundsatzoptionen auf diesem Gebiet erarbeitet. Wir haben unser Programms für das Pflege- und Hebammenwesen wieder mit neuem Leben erfüllt, und ich kann Ihnen versichern, dass das Thema Gesundheitspersonal auch weiterhin ein vorrangiges Anliegen für das Regionalbüro bleiben wird. Ich möchte nun die Gelegenheit ergreifen, Norwegen zur Verleihung des Innovationspreises des Health Worker Migration Policy Council zu gratulieren, den Herr Dr. Bjørn Inge Larsen, Generaldi- rektor der norwegischen Gesundheitsdirektion, für sein Land entgegengenommen hat. Die Bereitstellung von Erkenntnissen und Informationen als Entscheidungsgrundlage für die Politik ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Regionalbüros. Wir haben vor Kurzem eine Untersuchung aller unserer Datenbanken, einschließlich der Datenbank „Gesundheit für alle“, der umfassendsten Quelle von Gesundheitsinformationen, abgeschlossen. Ich möchte Sie alle daran erinnern, zu ihrer Ak- tualisierung regelmäßig Daten einzureichen. Um die Gesundheitsinformationen und Plattformen in der gesamten Europäischen Region miteinander kompatibel zu machen, haben wir unsere Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und der OECD zum Aufbau eines integrierten Gesundheitsinformationssystems für Europa fortgesetzt. Wir haben auch mit der Arbeit an neuen Instrumenten begonnen, die eine Analyse von Daten auf einer integrierten Datenbank-Plattform ermöglichen. Wir planen in Kürze den Start eines europäischen Netzwerks für evidenzgeleitete Konzepte, um die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung von Wissen in Handlungskonzepte zu unterstützen. Diese Bemühungen sind Teil einer neuen Informationsstrategie, die dem Regionalkomitee im nächsten Jahr vorgelegt wird. Wir haben auch mit der Umsetzung des Aktionsplans der Europäischen Region zur Umsetzung der Strategie zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (2012–2016) sowie der WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 89 Politischen Erklärung der Generalversammlung der Vereinten Nationen begonnen. Beide wurden im September 2011 verabschiedet. Nun, da wir die Annahme eines globalen Ziels zur Senkung der vorzeitigen Mortalität aufgrund nicht- übertragbarer Krankheiten feiern, ist es auch an der Zeit, auf Erfolgsgeschichten aus unserer Region zu verweisen. An dieser Stelle möchte ich insbesondere die rückläufigen Trends hinsichtlich der Mortali- tät aufgrund von Kreislauferkrankungen in drei Ländern erwähnen: es handelt sich um Kasachstan, die Republik Moldau und die Russische Föderation. Diese Fortschritte sind das Ergebnis einer Kombina- tion von Einflussfaktoren: mehr Wohlstand, Investitionen in die Gesundheitsversorgung und Verände- rungen im Risikoverhalten. Der Erfolg dieser Länder ist für uns Veranlassung, die erreichten Verände- rungen zu dokumentieren, zur Kenntnis zu nehmen, dass das globale Ziel tatsächlich erreichbar ist, und in den kommenden Jahren noch intensiver auf die Umsetzung des Aktionsplans hinzuarbeiten, insbesondere auf der Ebene der Länder. Das Regionalbüro hat die in den Ländern durchgeführten Maßnahmen zur Bekämpfung nichtübertrag- barer Krankheiten im Einklang mit dem Aktionsplan der Europäischen Region unterstützt; diese Ar- beit zeigt auf der Ebene der Länder bereits heute Wirkung. Gestatten Sie mir, dies anhand dreier Bei- spiele zu veranschaulichen: Die Ukraine gehört zu den Ländern, die an einem staatlichen Aktionsplan gegen nichtübertragbare Krankheiten arbeiten. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Land intensiv darauf hingearbeitet, in den Entwurf speziell Maßnahmen mit optimalen Erfolgsaussichten, sog. „Best Buys“, einzubeziehen. Wir würden uns wünschen, dass auch andere Länder durch Erstellung staatlicher Aktionspläne einen solchen Weg einschlagen. Die Türkei erhielt als erstes Land weltweit die Bestnote für die Umsetzung aller MPOWER- Maßnahmen aus dem Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC), die auf eine Senkung der Nachfrage nach Tabakprodukten abzielen. Die Russische Föderation unterstützt ein Projekt zur Entwicklung von ergebnisorientierten Interventi- onen gegen nichtübertragbare Krankheiten, das in einer kleinen Zahl von Ländern mit hoher Prävalenz durchgeführt wird. Darüber hinaus hat die norwegische Regierung als einen Beitrag zu den globalen Konsultationen je eine Gesprächsrunde über den globalen Kontrollrahmen für nichtübertragbare Krankheiten und zum Thema psychische Gesundheit veranstaltet. Beiden Ländern gilt mein herzlicher Dank für ihre Unterstützung. Zusammen mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) hat das Regionalbüro einen Workshop in der Republik Moldau organisiert, der sich mit einer umfassenden Krebsbekämpfung be- fasste, und hat eine Reihe gemeinsamer Missionen zur Stärkung staatlicher Programme durchgeführt. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der OECD und dem dänischen Ministerium für Inneres und Ge- sundheit fanden Konferenzen zu den Themen Diabetes und Befähigung von Patienten statt. Wie von Ihnen gewünscht, haben wir Indikatoren und eine Prüfliste für Politiker erstellt, auf der Maß- nahmen zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums aufgeführt sind. Eine Reihe von Mitglied- staaten aktualisieren derzeit ihre Alkoholpolitik. So hat die Republik Moldau einen landesweiten Al- koholplan angenommen, und die Russische Föderation hat vor kurzem ein generelles Alkoholwerbe- verbot eingeführt. 90 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Im Rahmen unserer engen Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission bei der Beobachtung des Alkoholkonsums haben wir im März 2012 eine viel beachtete Publikation veröffentlicht: Alkohol in der Europäischen Union. Konsum, Folgeschäden und Gegenstrategien. Ich möchte mich bei der polnischen Regierung für die Ausrichtung einer Tagung bedanken, die den nationalen Ansprechpersonen für Alkoholpolitik Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustausch in Bezug auf vorbildliche Praktiken und einer Diskussion über aktuelle Entwicklungen gab. Bei der Umsetzung des Rahmenübereinkommens in unserer Region sind erhebliche Fortschritte erzielt worden. Seit dem Beitritt der Tschechischen Republik und Usbekistans zu dem Übereinkommen ist die Europäische Region von allen WHO-Regionen diejenige mit der höchsten Zahl von Vertragspar- teien. Erfreulich waren aus unserer Sicht außerdem eine Reihe von Initiativen in verschiedenen Ländern: Bulgarien, Ungarn und die Ukraine haben eine Politik der rauchfreien Zonen eingeführt; Usbekistan hat seine Rauchverbote ausgeweitet; Frankreich und die Russische Föderation haben Vorschriften für bebilderte Warnhinweise auf Verpackungen von Tabakprodukten eingeführt; die Ukraine hat ein voll- ständiges Tabakwerbeverbot erlassen; und die Republik Moldau hat einen ehrgeizigen, auf fünf Jahre angelegten Aktionsplan zur Bekämpfung des Tabakkonsums angenommen. Zum Weltnichtrauchertag 2012 hat die Generaldirektorin der WHO den Ministerpräsidenten von Ka- sachstan und den Gesundheitsminister der Republik Moldau in Anerkennung ihres tatkräftigen Eintre- tens für ein gesamtstaatliches Konzept zur Bekämpfung des Tabakgebrauchs mit einem Preis ausge- zeichnet. Übergewicht entwickelt sich in allen Ländern zu einem immer größeren Problem, von dem die niedri- geren sozioökonomischen Schichten in besonderem Maße betroffen sind. Die meisten Mitgliedstaaten sind dabei, die Europäische Charta zur Bekämpfung der Adipositas und den Europäischen Aktionsplan Nahrung und Ernährung (2007–2012) in die Tat umzusetzen, um ein gesundes Ernährungs- und Be- wegungsverhalten zu fördern und der Adipositas vorzubeugen, doch herrscht auf diesem Gebiet noch erheblicher Handlungsbedarf. Deshalb soll im nächsten Jahr auf einer hochrangigen Konferenz in Ös- terreich eine Bilanz der Fortschritte bei der Umsetzung des Aktionsplans gezogen werden, und es sol- len weitere Maßnahmen in diesen Bereich vereinbart werden. Die Initiative der Europäischen Region für die Überwachung der Adipositas im Kindesalter (Child- hood Obesity Surveillance Initiative – COSI), die mit 200 000 Kindern durchgeführt wird, steht nun als standardisiertes Surveillance-System für die Europäische Region bereit. Es ist jetzt schon eines der weltweit effektivsten seiner Art zur epidemiologischen Überwachung der Adipositas. Die Europäische Region hat gute Fortschritte im Bereich der Gesundheit von Müttern erzielt und kann einen Rückgang der Müttersterblichkeit verzeichnen. Dabei gibt es jedoch auffallende Ungleichge- wichte innerhalb von wie auch zwischen Ländern, wobei die höchsten Raten nach Schätzungen die niedrigsten um das 30- bis 40-fache übersteigen. Auch im Bereich der Gesundheit von Kindern hat unsere Region gute Fortschritte erzielt, doch auch hier gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Ländern. So liegt die höchste Säuglingssterblich- keitsrate um das 25-fache höher als die niedrigste. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 91 Die Verhütung unbeabsichtigter Schwangerschaften bleibt weiterhin eine Herausforderung für die Eu- ropäische Region. Derartige Schwangerschaften sollten nur in den seltensten Fällen vorkommen, und gemeinsam werden wir Wege finden, um im Bedarfsfall den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsab- brüchen zu gewährleisten. Die WHO wird die Länder, die ihre Handlungskonzepte überprüfen und die Qualität ihrer Angebote verbessern möchten, auch weiterhin unterstützen. Deshalb haben wir in die- sem Jahr auch eine Tagung der Europäischen Region veranstaltet, die sich mit der Verbesserung des Zugangs zu Angeboten im Bereich der reproduktiven Gesundheit, einschließlich sicherer Schwanger- schaftsabbrüche, befasste. Unser Dank gilt Lettland, das die Tagung ausrichtete. In der Europäischen Region und weltweit ist 2012 das Jahr des aktiven und gesunden Alterns. Unter dem Motto „Altern und Gesundheit: Gesundheit erfüllt die Jahre mit Leben“ und in dem Wissen, dass gesundes Altern gewissermaßen mit der Geburt beginnt, hat das Regionalbüro mit seinen Partnern und den Mitgliedstaaten in allen Teilen der Region Veranstaltungen zum Weltgesundheitstag durchgeführt. Wir haben sie zusammen mit der dänischen EU-Präsidentschaft eröffnet. Das Regionalbüro hat den Entwurf von Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäi- schen Region ausgearbeitet, mit dem Sie sich im Laufe dieser Woche noch befassen werden. In enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und Partnerorganisationen haben wir die Arbeit an den noch nicht erledigten Aufgaben im Bereich der übertragbaren Krankheiten fortgesetzt. So begann die vollständige Umsetzung der drei Aktionspläne gegen Tuberkulose, HIV/Aids und mikrobielle Resistenzen, die allesamt dringend Maßnahmen gegen die erhebliche Belastung der öf- fentlichen Gesundheit in der Europäischen Region fordern, nach ihrer Billigung durch das Regional- komitee im vergangenen Jahr. Gemeinsam mit der Europäischen Kommission und dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria haben wir im letzten Jahr in Moskau den Konsolidierten Aktionsplan für die Prävention und Bekämpfung von multiresistenter und extensiv resistenter Tuberkulose in der Europäi- schen Region der WHO (2011–2015) offiziell in Gang gesetzt. In enger Zusammenarbeit mit dem Globalen Fonds, der Europäischen Kommission und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) waren wir verschiedenen Ländern bei der Annahme nati- onaler Strategien und bei der Durchführung einer Reihe von Länderstudien behilflich. So beabsichtige ich, gemeinsam mit dem Europäischen Kommissar John Dalli demnächst Rumänien zu besuchen. Die Ergebnisse dieser gemeinsamen Anstrengungen können wir bereits sehen, etwa die Erhöhung des Zu- gangs zur Behandlung von 70% auf 96% binnen eines Jahres. Zur Begleitung des Prozesses plane ich für die Europäische Region die Einrichtung eines interinstitutionellen Koordinierungsausschusses, an dem maßgebliche Akteure und die Zivilgesellschaft beteiligt sind. Als Antwort auf den Anstieg der Anzahl von Menschen, die mit HIV leben, wird der Europäische Ak- tionsplan HIV/Aids mit voller Kraft umgesetzt. Er beinhaltet einen Rahmen für dringend benötigte Maßnahmen und beschleunigte wirksame Gegenmaßnahmen, bei denen gezielt auf eine Stärkung der Gesundheitssysteme gesetzt wird. Dank der kontinuierlichen Bemühungen um eine Ausweitung der Behandlung wächst die Zahl der Menschen, die eine antiretrovirale Therapie erhalten, stetig; ebenso werden fortlaufend Fortschritte bei der Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV erzielt. 92 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Auch der strategische Aktionsplan zur Bekämpfung bakterieller Resistenzen in der Europäischen Re- gion wird bereits in Partnerschaft mit den Mitgliedstaaten und einem breiten Bündnis anderer Akteure umgesetzt. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei Dänemark für die Veranstaltung einer Kon- ferenz zum Thema mikrobielle Resistenzen während seiner EU-Ratspräsidentschaft im März 2012 bedanken, aber auch bei Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark, der Schirm- herrin des Regionalbüros, und bei der Generaldirektorin der WHO, Margaret Chan, die beide zu den Teilnehmern gesprochen haben. Außerdem möchte ich Sie bitten, sich den Europäischen Antibiotika- tag am 16. November 2012 vorzumerken. Diese in hohem Maße erfolgreiche Initiative des ECDC wei- ten wir schrittweise auch auf Mitgliedstaaten außerhalb der EU aus. Die Europäische Region hat auf dem Weg zur Eliminierung der Malaria bis 2015 beachtliche Fort- schritte erzielt. Inzwischen werden nur noch aus fünf Ländern Malariafälle gemeldet, und die Fallzah- len sind erheblich zurückgegangen. Armenien, Kasachstan und Turkmenistan wurden als malariafrei zertifiziert, und Georgien wird seine Zertifizierung voraussichtlich noch vor Ende 2012 erhalten. Dagegen ist die Inzidenz einiger von Vektoren und Parasiten übertragener Krankheiten wie Dengue- Fieber und Chikungunya angestiegen. Wir arbeiten bereits mit Italien und den Niederlanden an diesem Thema und werden mit der zusätzlichen Unterstützung unserer Mitgliedstaaten mit der Ausarbeitung eines Aktionsplans für die Europäische Region beginnen. In diesem Jahr feiern wir den zehnten Jahrestag der Zertifizierung der Europäischen Region als polio- frei. Doch trotz aller Erfolge in unserer Region in den vergangenen zehn Jahren, die wir begrüßen, können wir es uns nicht leisten, in Selbstgefälligkeit zu verfallen. Leider erlebte die Region im Jahr 2010 einen großflächigen Polio-Ausbruch. Obwohl die Zertifizierungskommission für die Europäische Region damals erklärte, dass die Region ihren Status als poliofrei behalten werde, warnte sie auch vor dem weiter bestehendem Risiko, nicht zuletzt weil der Impfschutz der Bevölkerung in vielen Ländern Lücken aufweist. Die Mitgliedstaaten müssen für ein einheitlich hohes Impfschutzniveau sorgen und ihre Surveillance-Maßnahmen verbessern. Die Weltgesundheitsversammlung 2012 hat die Eradikation der Poliomyelitis zu einer programmati- schen Notlage für die globale Gesundheit erklärt. Wenn wir diese Gelegenheit nicht nutzen, werden wir weitere und verheerendere Ausbrüche in den als poliofrei zertifizierten Regionen erleben. Daher verpflichte ich mich Ihnen allen gegenüber, die Gunst der Stunde zu nutzen. Gestatten Sie mir auch, meine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Russischen Föderation und der Türkei zum Ausdruck zu bringen, die uns bei der Verfolgung dieser beiden Eliminierungsziele finanziell und fachlich unterstützt haben, und auch der Region Östlicher Mittelmeerraum für den Aufbau einer guten Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zu danken. Leider ist das Eliminierungsziel der Region für Masern und Röteln bis 2015 in Gefahr. Masern und Röteln breiten sich weiter in der Region aus, und es hat in einigen Ländern größere Ausbrüche gege- ben. 2011 trat die überwiegende Mehrzahl der Fälle bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im westlichen Teil der Region auf, und 80% aller Fälle wurden aus Mitgliedstaaten der EU gemeldet. Noch schlimmer ist, dass die Viren aus der Europäischen Region in andere Länder und Regionen ein- geschleppt werden. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 93 Wenn wir diese Krankheiten gemeinsam eliminieren wollen, sind nun beschleunigte Maßnahmen zum Erreichen der anfälligen Bevölkerungsgruppen, eine tatkräftige Unterstützung durch die Politik und eine dauerhafte finanzielle Unterstützung für die Impfprogramme erforderlich. Wir beim Regionalbüro sind entschlossen, Sie, die Mitgliedstaaten, in diesem Kampf zu unterstützen. Impfung ist das wirksamste Instrument zur Bekämpfung dieser Krankheiten. Die siebte Europäische Impfwoche wurde im April dieses Jahres erstmals im Rahmen der Weltimpfwoche und bemerkens- werterweise unter Beteiligung sämtlicher 53 Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region durchge- führt. Auch hier gilt mein Dank Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark, die die Europäische Impfwoche seit ihren Anfängen unterstützt. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenar- beit mit ihr auf diesem Gebiet. In Übereinstimmung mit seiner Führungsrolle in humanitären und gesundheitlichen Notlagen unter- stützt das Regionalbüro Länder bei der Bewältigung von Notlagen und Gesundheitskrisen und arbeitet dabei eng sowohl mit dem WHO-Hauptbüro als auch mit der Europäischen Kommission und ihren Institutionen wie dem ECDC und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu- sammen. Wir verfügen über ein bewährtes System zur gründlichen Beobachtung von Ereignissen, die eine potenzielle Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. Die Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) bleibt weiter eine vorrangige Auf- gabe, nicht zuletzt angesichts der für Juni 2012 gesetzten Frist für die Erfüllung der Anforderungen an die Kernkapazitäten der Länder. Wir haben die Mitgliedstaaten intensiver darin unterstützt, ihre Kapa- zitäten für die Vorbereitung auf den Notfall und für geeignete Gegenmaßnahmen auszubauen. Insbe- sondere haben wir bewertet, inwiefern die Gesundheitssysteme für solche Notlagen gerüstet sind, und die Länder gegebenenfalls bei Nachbesserungsmaßnahmen unterstützt, etwa durch Empfehlungen in Bezug auf die Krisenfestigkeit und Sicherheit von Krankenhäusern oder das Angebot von Schulungs- und Kompetenzbildungsmaßnahmen. Dies werden wir auch weiterhin tun. Der neue, von der Weltgesundheitsversammlung gebilligte globale Rahmen der WHO für die Reakti- on im Krisenfall sieht eine wichtigere Rolle für die Regional- und Länderbüros vor. Daher haben wir unsere Notfallverfahren für die Europäische Region eingehend überprüft und in der Praxis erprobt. Das Regionalbüro verfügt inzwischen über eine vollständig eingerichtete Notfallzentrale. In Verbindung mit großen Massenveranstaltungen in der Europäischen Region haben wir zusammen mit den zuständigen nationalen Behörden im Vorfeld den zu erwartenden gesundheitlichen Bedarf abgeschätzt und angemessene Vorkehrungen getroffen. Gemeinsam mit den Regierungen und dem ECDC sowie in Zusammenarbeit mit dem WHO-Hauptbüro haben wir für die Fußball- Europameisterschaft in Polen und der Ukraine und die Olympischen Sommerspiele im Vereinigten Königreich ein erweitertes Überwachungskonzept für dieses neue Handlungsfeld geschaffen. Die wichtigsten gesundheitsbezogenen Botschaften waren an einen breiten Empfängerkreis gerichtet. Im laufenden Zweijahreszeitraum hat das Regionalbüro auf mehrere gravierende Notlagen, Katastro- phen und Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit mit einer Reihe von Missionen und Untersu- chungen reagiert. In diesem Zusammenhang möchte ich der Regierung unseres Gastgeberlandes Malta wie auch den Regierungen anderer Länder der Europäischen Region, insbesondere Griechenland, Italien und der 94 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Türkei, für ihre bemerkenswerten Anstrengungen in jüngster Zeit zugunsten der Migranten- und Flüchtlingsströme aus Nordafrika danken. Die WHO weiß die ausgezeichnete Arbeit zu schätzen, die Malta und andere Länder in den vergangenen Jahren auf diesem Gebiet geleistet haben. Der Türkei möchte ich speziell auch für ihre kontinuierliche Unterstützung auf diesem Gebiet sowie für ihre Be- mühungen zur Unterbringung der Flüchtlinge aus der Syrischen Arabischen Republik danken. Das Regionalbüro hat seine inhaltliche Arbeit im Bereich Umwelt und Gesundheit zur Erfüllung der Zusagen aus der Erklärung von Parma intensiviert. Die im Februar dieses Jahres unterzeichnete neue Vereinbarung mit der Bundesrepublik Deutschland hat es uns ermöglicht, unsere Programme im Be- reich Umwelt und Gesundheit zu konsolidieren. Unter der konzeptionellen Leitung durch den Haupt- sitz in Kopenhagen fungiert das Bonner Büro als ein Kompetenzzentrum für die Europäische Region und weltweit. Dafür möchte ich mich herzlich bei der deutschen Bundesregierung bedanken. Mit seinem erweiterten Mandat für sektorübergreifende Führungsarbeit hat der Europäische Minister- ausschuss für Umwelt und Gesundheit den Prozess Umwelt und Gesundheit in Europa erfolgreich ge- steuert. Auf seiner dritten Tagung im November dieses Jahres in Aserbaidschan wird er mit der Fest- legung der künftigen Prioritäten beginnen. Diese werden geprägt sein durch die Verpflichtungen von Parma, durch „Gesundheit 2020“ und durch die Agenda für nachhaltige Entwicklung aus Rio+20, der Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung. Im nächsten Jahr werden wir das Regionalkomitee darum bitten, diese Prioritäten zu bestätigen, die den Weg zur nächsten Ministerkon- ferenz weisen werden. Alles, was ich bisher vorgetragen habe über die von uns geleistete Arbeit, haben wir gemeinsam ge- leistet: die eine WHO zusammen mit ihren Mitgliedstaaten und Partnerorganisationen. Dies ist das Konzept von der einen WHO im Geiste der WHO-Reform. Ich persönlich fühle mich die- ser WHO-Reform verpflichtet und unterstütze die Generaldirektorin in all ihren Bemühungen. Ich bin dankbar für den wertvollen Rat, den wir vom Regionalkomitee und seinem Ständigen Ausschuss (SCRC) nach der Ausweitung seiner Aufsichtsfunktion erhalten. Weil das Regionalkomitee nun eine stärkere Rolle wahrnimmt, konnten wir uns in zahlreichen schwierigen Fragen einigen. Indem wir (durch Erhöhung der Zahl der Mitglieder im SCRC von neun auf zwölf Mitgliedstaaten und Öffnung seiner Tagungen für alle Mitgliedstaaten) die Repräsentanz gestärkt und Koordinierungsge- spräche mit den Delegationen der Länder der Europäischen Region auf Tagungen des Exekutivrates und auf Weltgesundheitsversammlungen geführt haben, konnten wir eine umfassende Beteiligung der Mitgliedstaaten und damit ein Mehr an Transparenz erreichen. In den strategischen Diskussionen, die den Konsultationsprozess zu „Gesundheit 2020“ und weiteren wichtigen Bereichen der öffentlichen Gesundheit erleichterten, spielte das Europäische Forum für Ge- sundheitspolitik auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter eine entscheidende Rolle. Unser Dank gilt den Mitgliedstaaten, die die Tagungen ausgerichtet und so großzügig unterstützt haben: An- dorra, Belgien und Israel. Wir werden in dieser Woche die Ergebnisse der Auswertung der Arbeit des Forums vorlegen, um Ihre Sichtweise hinsichtlich seiner künftigen Arbeit zu erfahren. Ich freue mich auch, Ihnen mitteilen zu können, dass wir eine vollständige Rechenschaftslegung des Regionalbüros gegenüber den leitenden Organen gewährleisten konnten, indem wir regelmäßig über die Durchführung unserer Arbeit berichtet haben. Auf Wunsch der Mitgliedstaaten stellen wir die WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 95 aktuelle finanzielle Situation des Regionalbüros am Dienstag und Mittwoch detailliert dar, sodass ich hier jetzt nicht auf Einzelheiten eingehen werde. Ich möchte aber hervorheben, dass wir im vergange- nen Zweijahreszeitraum Mittel in Höhe ca. 240 Mio. US-$ einwerben und damit ungefähr das Niveau der Einnahmen des vorangegangenen Zweijahreszeitraums halten konnten. Außerdem war die Umset- zungsrate mit über 90% sehr hoch. Aufgrund dieser guten Umsetzungsrate fiel allerdings der Übertrag für 2012–2013 entsprechend deut- lich geringer aus als in der Vergangenheit. Für den kommenden Zweijahreszeitraum bedeutet das eine Herausforderung, die, wie Sie wissen, mit weiteren einhergeht: der Beschaffung von Finanzmitteln (die für unsere Region von besonderer Bedeutung ist, weil ein Großteil unseres Haushalts aus freiwil- ligen Mitteln, finanziert wird) und der Verteilung der Mittel. Ich begrüße daher wärmstens die Initiati- ve der Generaldirektorin, für diese beiden Themenbereiche eine globale Sonderarbeitsgruppe einzu- setzen, und ich empfinde es als eine große Ehre, darin gemeinsam mit einem stellvertretenden Gene- raldirektor den Vorsitz zu führen. Wir haben unsere Beziehungen mit einem breiten Spektrum von Partnerorganisationen kontinuierlich verbessert und die Zusammenarbeit mit ihnen vorangetrieben. So arbeiten wir bereits eng mit anderen Organisationen der Vereinten Nationen sowie mit der EU und ihren Institutionen, aber auch mit Netz- werken auf subregionaler Ebene wie der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft zusammen, mit der wir eine Vereinbarung unterzeichnen wollen. Wir haben auch unsere Zusammenarbeit mit den globalen Gesundheitspartnerschaften verstärkt, insbesondere mit dem Globalen Fonds und mit der GAVI- Allianz sowie mit Organisationen der Zivilgesellschaft. Ich darf an dieser Stelle Herrn Kommissar Dalli herzlich willkommen heißen und vermelden, dass wir bei der Umsetzung der mit der Europäischen Kommission im Jahr 2010 vereinbarten gemeinsamen Fahrpläne große Fortschritte erzielt haben. Wir haben auch unsere enge Zusammenarbeit mit dem ECDC fortgesetzt und verfügen über gemeinsame Arbeitspläne und Leitprinzipien für die Zusammen- arbeit. Ferner haben wir die Zusammenarbeit mit der EFSA, der Europäischen Umweltagentur (EUA), der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) intensiviert. Unsere Kooperation mit den Ländern, die die EU-Ratspräsidentschaft innehaben (zuletzt Zypern und Dänemark), war stets äußerst nützlich, und wir sehen der Zusammenarbeit mit den kommenden Rats- präsidentschaften erwartungsvoll entgegen. Darüber hinaus bemühen wir uns auch aktiv um eine Zu- sammenarbeit mit anderen WHO-Regionen. Ebenso freue ich mich, den Stellvertretenden Generalsekretär der OECD, Herrn Yves Leterne, zu die- ser Tagung des Regionalkomitees begrüßen zu dürfen. Er und ich werden heute als Zeichen der ver- stärkten Zusammenarbeit einen gemeinsamen Aktionsplan unterzeichnen. Die vorläufige Strategie für die Zusammenarbeit mit den Ländern, die wir am Donnerstag vorlegen werden, ist auf die WHO-Reform abgestimmt. Eine endgültige Strategie erhalten Sie, sobald der Re- formprozess abgeschlossen ist. In der Zwischenzeit haben wir die Struktur des Regionalbüros und sei- ne Präsenz in den Ländern gestärkt, um sämtlichen 53 Mitgliedstaaten dienen und ihren Bedürfnissen gerecht werden zu können. 96 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Ich freue mich, Ihnen hier berichten zu können, dass meine Kollegen und ich uns anlässlich mehrerer Besuche in den Ländern von der Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Ländern vergewissern konnten, und ich habe seit September 2011 mindestens 17 Minister zu offiziellen Besuchen im Regio- nalbüro empfangen. Wir haben auch damit begonnen, Strategien für die Kooperation mit den Ländern zu entwickeln. Wir danken der Schweiz dafür, dass sie als erster Mitgliedstaat an dieser Initiative teil- genommen hat. Damit geht sie mit vorbildlichem Beispiel voran, dem, wie wir hoffen, bald die Russi- sche Föderation und die Türkei folgen werden. Wir wünschen uns, dass sich diese Strategien auf zwei Dimensionen erstrecken, wie mit der Generaldirektorin abgesprochen: 1. die bilaterale Zusammenarbeit des Landes mit der WHO auf allen Ebenen und 2. den Beitrag des Landes zur gesundheitlichen Entwicklung auf globaler, regionaler und subregio- naler Ebene. Schließlich, meine Damen und Herren, nutzen wir zur Veröffentlichung unserer Arbeit und zur Sensi- bilisierung für Themen der öffentlichen Gesundheit sowohl herkömmliche als auch neue, innovative Methoden der Kommunikation, also auch die sozialen Medien. Wir geben ein breites Spektrum an Pressematerialien heraus und sind auf Facebook, Twitter und in anderen Medien stark vertreten. Zur Erleichterung unserer Arbeit und zur Förderung eines positiven Arbeitsklimas entwickeln wir daneben auch eine umfassende interne Kommunikationsstrategie, für die wir als Medium hauptsäch- lich das Intranet optimiert nutzen und so den Austausch von Informationen sowie den Dialog zwischen allen Büros der WHO in der Region fördern. Zwar ist die Diskussion über die Kommunikationsstrategie auf das nächste Regionalkomitee verscho- ben worden, doch werden wir ungeachtet dessen auch weiterhin die gemeinsame Arbeit des Regional- büros, der Mitgliedstaaten und der verschiedenen Partnerorganisationen darstellen und dabei auf unse- re Netzwerke setzen, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung. . WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 97 Anhang 5: Ansprache der Generaldirektorin Herr Präsident, Exzellenzen, meine Damen und Herren Minister, sehr geehrte Delegierte, Freunde und Kollegen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, meine sehr geehrten Damen und Herren! Gestatten Sie mir, zunächst der Regierung Maltas für die Ausrichtung der 62. Tagung des Regional- komitees für Europa zu danken. Dies ist mein erster Besuch in diesem wunderschönen und anmutigen Land, dessen reiche Geschichte sich in so vielen Palästen und Plätzen widerspiegelt. Sie haben viel zu der angenehmen Atmosphäre auf dieser Tagung beigetragen, aber auch zu ihrer effizienten Durchführung, und ich möchte allen Mitarbeitern hier im Land danken, die zu dieser Tagung beigesteuert haben. Unser Wohlbefinden wird noch zusätzlich dadurch erhöht, dass Malta das Rauchen in allen öffentlichen Räumen verboten hat. Im letzten Monat gab es im Bereich der öffentlichen Gesundheit einen spielentscheidenden Augen- blick, in dem die Guten siegten. Das höchste Gericht Australiens erklärte ein Gesetz für zulässig, das für alle Tabakprodukte eine schlichte, farblose Verpackung vorschreibt. Dieses Gesetz war natürlich von der Tabakindustrie heftig bekämpft worden. Der Richterspruch ist ein großartiger Sieg nicht nur für die australische Regierung, sondern auch für die öffentliche Gesundheit, der eine schöne neue Welt für die Bekämpfung des Tabakkonsums eröffnet. In diesem Fall wog die Sorge um den Schutz der Ge- sundheit der Bevölkerung schwerer als der Schutz der geistigen Eigentumsrechte, die eine finanziell mächtige und skrupellose Branche geltend machen wollte. Nicht nur mit den Tabakriesen, sondern auch mit anderen mächtigen Wirtschaftsbranchen stehen uns langwierige Auseinandersetzungen be- vor, wobei wir es oft mit starken Kräften zu tun haben, auf die wir keinen Einfluss haben. Die Finanzkrise von 2008 hat immer noch Auswirkungen auf eine große Zahl von Ländern. Die Volkswirtschaften Europas erleben zurzeit einige Turbulenzen, wie Sie es gestern aus dem Munde unserer Kollegen von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gehört haben. Einige sind von Wohlstand zu drakonischem Sparen übergegangen, so dass die Versor- gung mit Gesundheitsleistungen heute weniger großzügig ist als in der Vergangenheit. Ich danke je- dem hier in diesem Saal vertretenen Land für den Einsatz zur Erhaltung seines Engagements für die Gesundheit auf nationaler, regionaler und globaler Ebene. In Anlehnung an ein bekanntes Zitat: Ge- sundheit ist einfach zu groß zum Scheitern. Ich kann dies hier mit solcher Gewissheit sagen, weil diese Region so viel getan hat, um einschlägige Evidenz zu sammeln und zu verdeutlichen, dass Gesundheit Wohlstand bedeutet. Sie haben dies durch die Charta von Tallinn: „Gesundheitssysteme für Gesund- heit und Wohlstand“ getan und erst vor kurzem mit dem Rahmenkonzept und der Strategie „Gesund- heit 2020“. Gesundheit hat in der Europäischen Region ihren hohen Stellenwert bewahrt, doch ist das Geld knapp, und die Regierungen achten genau auf ihre Ausgaben. So geraten die Gesundheitsministerien und auch die WHO unter enormen Druck, ihre empfohlenen Strategien durch solide Erkenntnisse über deren Wirksamkeit und Kosteneffektivität zu untermauern. Angesichts der komplexen Aufgaben, vor denen wir heute stehen, müssen diese Erkenntnisse auch außerhalb von Gesundheitspolitik und Gesund- heitswesen Resonanz finden und dafür entsprechend aufbereitet werden. 98 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Ich möchte der Regionaldirektorin, meiner Gesinnungsschwester Zsuzsanna, ihrem Sekretariat und ihren Partnern für die außerordentlich umfangreiche Arbeit danken, die in die Vorbereitung der Unter- lagen für diese Tagung geflossen ist. Dazu zählen auch die Hintergrunddokumente, die eine beträchtli- che Menge an Erkenntnissen über die sozialen Determinanten von Gesundheit, über sektorübergrei- fende Steuerung für mehr Gesundheit und über wirtschaftliche Argumente für Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit enthalten. Es ist keine Überraschung, dass der Hauptschwerpunkt in diesen Dokumenten auf chronischen nicht- übertragbaren Krankheiten liegt. Die Dokumente enthalten praktische evidenzbasierte Ratschläge da- für, wie gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Konzepte unter sinnvoller Ausnutzung regulato- rischer und fiskalischer Maßnahmen umgesetzt werden können. Wir benötigen diese Art von Gebrauchsanleitung, wenn gesundheitliche Belange auch in andere Politikbereiche vordringen sollen. Ich halte es für sehr wichtig, ökonomische Bewertungen der Wirkung konkreter Gesundheitsinterven- tionen vorzunehmen, etwa Maßnahmen zur Förderung von Tabakbekämpfung und körperlicher Betä- tigung, zum Abbau des schädlichen Alkoholkonsums, zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr, zur Thematisierung von Depressionen im gesamten Lebensverlauf und zur Bewältigung der Grundur- sachen von Adipositas und ernährungsbedingten Krankheiten. Wir benötigen diese Argumente, um andere Politikbereiche zu überzeugen. Dabei ist sektorübergreifendes Handeln zugunsten von mehr Gesundheit nicht gerade eine Neuentdeckung. Doch als im Jahr 1978 die Erklärung von Alma-Ata unterzeichnet wurde, war eine Zusammenarbeit mit Ressorts gefragt, die dem Gesundheitsbereich freundlich, ja geradezu geschwisterlich gesonnen waren, nämlich Bildung, Ernährung, Wohnungswe- sen oder Wasserver- und Abwasserentsorgung. Heute dagegen wird der Kampf um den Schutz der öffentlichen Gesundheit zunehmend zu einem Konflikt zwischen gesundheitlichen Belangen und den Interessen mächtiger multinationaler Konzerne. Jede Gesundheitspolitik, egal wie vernünftig oder langfristig sie angelegt ist, läuft, sobald sie als Be- drohung für eine fragile Volkswirtschaft gesehen wird, Gefahr, in dem Streben nach Wirtschafts- wachstum und einem soliden BIP (Bruttoinlandsprodukt) beiseite geschoben zu werden. So ist bei- spielsweise eine Gewichtsabnahme in der Bevölkerung am leichtesten erreichbar, wenn die Nah- rungsmittelindustrie weniger ungesunde Lebensmittel verkauft, insbesondere billige, bequeme und geschmacksintensive Produkte mit hohem Energie- und geringem Nährstoffgehalt. Es ist offensicht- lich, dass dies nicht von allein geschehen wird. Industriell hergestellte, stark verarbeitete Lebensmittel werden überall in der Welt zu neuen Grundnahrungsmitteln - ein Phänomen, das manche Forscher so treffend als „Snack Attack“ bezeichnet haben. Die Werbeetats sind enorm, und die Werbung ist sehr genau auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet. Für Zusammenhänge mit der Prävalenz der Adipositas und der damit verbundenen Krankheiten gibt es zahlreiche Belege. Wie schon im Bereich der Tabak- bekämpfung ist auch hier für eine Trendwende eine Unterstützung durch Handlungskonzepte aus zahl- reichen Ressorts außerhalb des Gesundheitsbereichs notwendig. Von den in Ihren Dokumenten genannten Konzepten haben viele ihren Ursprung in der Europäischen Region. Ich finde es vollkommen angebracht, dass die Europäische Region ihre Führungsrolle auch künftig dadurch wahrnimmt, dass sie diese Konzepte mit einem soliden Fundus aus Erkenntnissen un- termauert, der durch ein breites Wahlspektrum an Grundsatzoptionen ergänzt wird. WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 99 Meine Damen und Herren, Die WHO und ihre Mitgliedstaaten stehen heute vor zwei großen Aufgaben, die wir unbedingt bewäl- tigen müssen. Die erste ist die WHO-Reform. Die zweite ist die Einbeziehung von Gesundheit in die entwicklungspolitische Agenda nach 2015. Bei unseren gemeinsamen Anstrengungen zur Bewältigung dieser beiden Aufgaben ist mir Ihr Rat teuer. Die Europäische Region war schon immer an vorderster Front bei der Bekämpfung neuer Gesund- heitsrisiken, mit denen später auch der Rest der Welt konfrontiert wird. Sie hat traditionell die interna- tionale Gesundheitspolitik allgemein und insbesondere die WHO am großzügigsten unterstützt. Ich habe bereits Ihre Führungsrolle bei der Förderung gut funktionierender und gerechter Gesundheitssys- teme hervorgehoben. Sie haben zu der bahnbrechenden Erkenntnis beigetragen, dass lebensstilbeding- te Faktoren das Risiko nichtübertragbarer Krankheiten erhöhen; sie führte im vergangenen Jahr zur Annahme der Erklärung von Moskau. Es spricht für die Lebensqualität wie auch die Qualität der Gesundheitsversorgung in der Europäi- schen Region, dass der Altersmedian ihrer Bevölkerung verglichen mit dem in allen anderen Weltre- gionen der höchste ist. Das Thema „Altern in Gesundheit“ ist auf Ihrer Tagesordnung, und eine Stra- tegie und ein Aktionsplan sollen in den kommenden Jahren den Weg weisen. In dem Dokument über gesundes Altern wird die Notwendigkeit einer sehr viel positiveren Einstellung in Bezug auf das Alt- werden hervorgehoben. Dieser Sichtweise kann ich mich nur anschließen. Aus für den diesjährigen Weltgesundheitstag erstellten Statistiken geht hervor, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre die Zahl der Menschen über 65 Jahre erstmals die Zahl der Kinder unter fünf Jahren übersteigen wird. Anders ausgedrückt: Für die Weltbevölkerung wird es allmählich zu einer neuen Normalität, zu den höheren Altersgruppen zu gehören. Und es ist mir eine Ehre, einer dieser Gruppen anzugehören. Ein Lebensverlaufansatz, wie er in „Gesundheit 2020“ propagiert wird, ist einer der besten Wege, um die gesundheitlichen Bedürfnisse älterer Menschen so lange wie möglich auf einem normalen Niveau zu halten. Für die Reform der WHO, die ebenfalls auf Ihrer Tagesordnung steht, ist die Frage der Finanzierung eine wichtige Triebfeder. Ich habe Prof. Thomas Zeltner aus der Schweiz gebeten, mich bei der Vor- bereitung der Unterlagen zur Sondertagung des PBAC (Programm-, Haushalts- und Verwaltungsaus- schusses) in diesem Jahr zu beraten. Er wird sich um Beiträge aller beteiligten Parteien bemühen, so dass ich meine Anregungen auf Ihre Realitäten gründen und sie pragmatisch, durchführbar und an- nehmbar für alle Teilhaber in dieser Organisation machen kann. In Ihrem Dokument zu diesem Thema wird festgestellt, dass einige Reforminitiativen, etwa die zu den Führungsfragen, schnell umgesetzt werden können, während sich andere aufgrund der Natur der Sache erst allmählich entwickeln und daher erst in einigen Jahren ihre volle Wirkung entfalten werden. Von Anfang an lag der Reformprozess in den Händen der Mitgliedstaaten. Vor Ihnen liegen die Ent- würfe des Zwölften Allgemeinen Arbeitsprogramms und des nächsten Programmhaushalts. Diese Entwürfe vermitteln Ihnen zum ersten Male in der 65-jährigen Geschichte der WHO einen Einblick, wie die Prioritätensetzung in der Praxis funktioniert. Die Mitgliedstaaten haben darum gebeten, dass sie von den Regionalkomitees geprüft und erörtert und anschließend vom Sekretariat überarbeitet wer- den. Wir werden die Dokumente gemäß der Konsultation überarbeiten und dem PBAC sowie dem Exekutivrat vorlegen. Beachten Sie bitte, dass an beiden Dokumenten noch gearbeitet wird. 100 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Meine Damen und Herren, Das Zieldatum für die Erfüllung der Millenniums-Entwicklungsziele nähert sich mit Riesenschritten. Die Debatte über die Entwicklungsagenda nach 2015 ist schon voll entbrannt. Lassen Sie mich Ihnen versichern: Die WHO bemüht sich an vorderster Front darum, in diese Debatte Prozesse und Procede- re einzubringen, die die Berücksichtigung eines breiten Spektrums von Sichtweisen gewährleisten sol- len. Es findet zurzeit eine Vielzahl politischer und fachlicher Entwicklungsprozesse statt. Die WHO arbeitet mit vielen Partnern und auch mit Organisationen der Vereinten Nationen zusammen. Die Verfolgung der Millenniums-Entwicklungsziele hat uns viele wertvolle Erkenntnisse beschert. So haben wir gelernt, dass ein gut funktionierendes, integratives Gesundheitssystem, das eine finanzielle Absicherung gegen ruinöse Gesundheitsausgaben bietet, unverzichtbar ist. Ferner haben wir gelernt, dass wirksame Hilfe Selbstständigkeit fördert. Ihr Ziel besteht darin, die Hilfsbedürftigkeit zu beseiti- gen. Dies wird dadurch erreicht, dass Ressourcen so kanalisiert werden, dass bestehende Kapazitäten und Infrastrukturen gestärkt und nicht umgangen oder untergraben werden. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, die internationalen Anstrengungen auf eine begrenzte Zahl zeitgebundener Ziele zu konzentrieren, die in der Öffentlichkeit und in den Parlamenten sowie natürlich unter Entwicklungspo- litikern die nötige Resonanz finden. Einzelne Krankheiten haben stark von Innovationen profitiert, insbesondere von neuen Finanzierungsmechanismen und fachlichen Neuerungen wie neuen Impfstof- fen, besseren Arzneimitteln, patientenfreundlicheren Formulierungen und vereinfachten, patientenna- hen Diagnosetests. Dies sind einige der Erfolge, die maßgeblich zu einem dramatischen Rückgang von Morbidität und Mortalität beigetragen haben. Sie haben den Weg für eine neue politische Tagesordnung geebnet, die auf dem Erreichten aufbauen kann. Und es freut mich, hier unsere Kollegen von der GAVI und dem Globalen Fonds zu sehen: Sie sind unsere natürlichen Partner. Doch wie ich schon sagte, wir müssen es unbedingt richtig machen. Die Millenniums-Entwicklungsziele haben die Prioritäten in der Ent- wicklungspolitik stark beeinflusst und eine Umlenkung von Ressourcenströmen zur Folge gehabt. Es wird daher eine große Versuchung geben, die Zahl der Ziele zu erweitern, anstatt die Agenda präg- nant, zielgerichtet, zeitlich gebunden und realistisch zu halten. Es gibt somit um die Aufnahme von Zielen in die Liste einen eifrigen Wettstreit zwischen den Sektoren. Wenn wir an die Agenda nach 2015 denken, dürfen wir nie vergessen, dass die gesundheitsbezogenen Millenniums-Entwicklungsziele zum überwiegenden Teil den Themenkomplex Infektionskrankheiten betrafen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts stellten Aids, Tuberkulose und Malaria gesundheitliche Not- lagen dar, die stark zielgerichtete Anstrengungen zur Unterbindung der weiteren Ausbreitung der Epi- demien und zur Reduzierung der Zahl der Todesfälle erforderlich machten. Dementsprechend wurde gehandelt. Heute können die Bemühungen zur Bekämpfung dieser Krankheiten im Rahmen der allge- meinen Gesundheitsversorgung erfolgen und müssen nicht mehr als Notfallmaßnahmen durchgeführt werden. Umgekehrt kann die allgemeine Gesundheitsversorgung umfassend von den verfeinerten und vereinfachten Strategien profitieren, die zur Bekämpfung dieser Krankheiten entwickelt wurden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der neue Grundsatz der WHO, Malariamedikamente nur bei entsprechen- der Diagnose abzugeben, hat die Surveillance-Kapazität für alle Krankheiten gestärkt. Mein Rat lautet: Auf keinen Fall den heute bestehenden Druck auf impfpräventable Krankheiten sowie auf Aids, Tuberkulose, Malaria und die vernachlässigten Tropenkrankheiten zu verringern. Ständige Mutationen und Anpassungen sind die Überlebensmechanismen in der Welt der Mikroben. Durch WHO-REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA 101 Sorglosigkeit erhalten die Infektionskrankheiten eine ideale Chance, mit aller Macht zurückzukehren. Ich muss nur auf die Probleme verweisen, die wir bereits im Bereich der antimikrobiellen Resistenz haben. Die bei der Bekämpfung dieser Krankheiten gewonnene Dynamik darf 2015 nicht zum Still- stand kommen. Die Millenniums-Entwicklungsziele haben uns auch gelehrt, dass Gesundheit auf jeder Entwicklungs- agenda einen hohen Stellenwert verdient. Gesundheit ist eine Voraussetzung für Entwicklung. Und sie ist eine mächtige Triebkraft des sozioökonomischen Fortschritts. Weil ihre Determinanten so breit ge- streut sind, ist Gesundheit auch ein sensibler Indikator für die Auswirkungen von Handlungskonzepten in allen Politikbereichen auf das Wohlbefinden der Bürger. Dazu nur ein Beispiel: Wenn Handelspoli- tik, Zölle und Agrarsubventionen die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben, dann werden die negati- ven Folgen im Gesundheitsbereich am schnellsten sichtbar in der Form von Hunger (wie wir es jetzt in der Sahelzone erleben) oder von Fehlernährung. Veränderungen in Bezug auf den Gesundheitsstatus sind auch das einfachste und zuverlässigste Anzeichen dafür, dass eine Anpassung der politischen Konzepte notwendig ist. Wie ich schon sagte: Gesundheit ist zu groß für ein Scheitern. Wenn sie ver- loren geht, geht auch alles andere verloren. Deshalb ist es erfreulich, dass in dem offiziellen Ergebnisdokument des Rio+20-Gipfels der Gesund- heit ein zentraler Stellenwert eingeräumt wird: als einer Voraussetzung und einem Indikator für Ent- wicklung. In dem Dokument wird auch die Bedeutung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung für die Förderung von Gesundheit, gesellschaftlichem Zusammenhalt und einer nachhaltigen menschli- chen und wirtschaftlichen Entwicklung hervorgehoben. Allerdings muss noch mehr getan werden, um der Gesundheit auch einen angemessenen Platz auf der künftigen entwicklungspolitischen Agenda zu verschaffen. Die Millenniums-Entwicklungsziele waren eine Zielvereinbarung zwischen den Entwicklungsländern mit ihren Bedürfnissen und den wohlhabenden Ländern, die versprachen, angesichts dieser Bedürfnis- se durch Zusage von Geldern, Sachverstand und Innovation zu helfen. Anders ausgedrückt, waren sie eine Vereinbarung zwischen Vermögenden und Habenichtsen, mit der die Kluft hinsichtlich der Le- bensbedingungen verringert und enormes menschliches Elend gelindert werden sollte. Doch wenn wir das Wesen der heutigen Gesundheitsgefahren betrachten, so reicht eine einfache Zielvereinbarung zwischen Vermögenden und Habenichtsen nicht aus, um der Komplexität dieser Bedrohungen gerecht zu werden. Viele dieser Bedrohungen entstehen aus den Realitäten einer Welt, die durch eine radikale Zunahme von Interdependenz und gegenseitiger Verzahnung gekennzeichnet ist. In der jüngsten Vergangenheit hat das Thema öffentliche Gesundheit in einen einzigartigen politischen Raum Einzug gehalten. In zunehmendem Maße werden gesundheitsgefährdende Bedingungen durch Kräfte geschaffen, die die gesamte Welt prägen. Heute haben die internationalen Systeme oft mehr Einfluss auf das Leben und die Chancen der Bürger als souveräne Staaten; dies betrifft auch die Chan- ce auf eine hohe Lebenserwartung bei guter Gesundheit. Denken Sie noch einmal an das Thema Adi- positas, insbesondere unter Kindern, und an die cleveren Werbespots für ungesunde Lebensmittel und Getränke, die an Kinder gerichtet sind und über Satellitenfernsehen ausgestrahlt werden. Sie können auf Kinder zielende ethisch unverantwortliche Werbung für ungesunde Lebensmittel vielleicht in Ih- rem Land verbieten und dennoch kann diese Ihre Bevölkerung über andere Länder erreichen. Unsere Welt ist in großen Schwierigkeiten. Eine Vielzahl von Problemen hat vielfältige Auswirkun- gen auf die Gesundheit. Zu den Problemen gehören der Klimawandel, immer mehr Notlagen und 102 BERICHT ÜBER DIE ZWEIUNDSECHZIGSTE TAGUNG Katastrophen, immer mehr Kriegsschauplätze, rapide steigende Kosten für die Gesundheitsversor- gung, hochschnellende Lebensmittelpreise, die demografische Überalterung, die rapide Verstädterung und die Globalisierung ungesunder Lebensgewohnheiten. Darüber hinaus wird unsere Welt auch durch einen anhaltenden wirtschaftlichen Abschwung, finanzielle Unsicherheit, schrumpfende Chancen, ins- besondere für die Jugend und die Mittelschicht, sowie eine sich vertiefende Armut und sich verschär- fende soziale Ungleichheiten geprägt. Dies sind weltweite Trends, von denen viele die unaufhörliche Ausbreitung der nichtübertragbaren Krankheiten begünstigen. Wie ich schon sagte, bekommt der Gesundheitsbereich die Folgen des Handelns anderer Politikberei- che zu spüren. Ich mache mir keine Illusionen. Wir verstehen auch, welche gewaltige Herausforderung das für Sie als Gesundheitsminister bedeutet. Innerhalb der Regierungen wie auch auf internationaler Ebene wird die Gesundheitspolitik nie über so viel Einfluss und Mittel verfügen wie die Ressorts Fi- nanzen, Handel oder Verteidigung. Dies spiegelt wahrscheinlich die Tendenz führender Politiker wi- der, die nationale Fortschrittsagenda sehr eng am Wirtschaftswachstum und am Anstieg des Bruttona- tionalproduktes auszurichten. Dennoch glaube ich, dass wir manche dieser Trends austricksen oder ihnen zumindest durch clevere Konzepte und überzeugende Argumente ausgleichend entgegenwirken können und dass wir dazu die Vielfalt an Erkenntnissen und praktischen Beispielen heranziehen sollten, die in Ihren Dokumenten geschildert werden. Geld ist zwar wichtig, kann aber für sich allein nicht alles bewirken. Für die Ge- sundheit gilt: Politische Konzepte, die explizit auf Chancengleichheit abzielen, führen zu besseren ge- sundheitlichen Ergebnissen und tun mehr zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, als Geld allein es kann. Meiner Ansicht nach wäre es eine der wirksamsten Antworten auf all diese Herausforderungen, die allgemeine Gesundheitsversorgung zum festen Bestandteil der Entwicklungsagenda nach 2015 zu ma- chen. Meiner Ansicht nach ist eine allgemeine Gesundheitsversorgung der wichtigste Einzelfaktor mit sozial stabilisierender und ausgleichender Wirkung. In vielen Ihrer Länder tun Sie dies bereits mit Er- folg. Die WHO arbeitet mit der Weltbank daran, 60 Länder im Sinne des Ziels einer allgemeinen Ver- sorgung zu beraten. In einer Zeit, in der viele Ressorts mit ihrer Politik de facto die sozialen Ungleichheiten verschärfen, wäre ich hoch erfreut, wenn der Gesundheitsbereich der Welt den Weg zu mehr Gerechtigkeit weisen würde - einer Gerechtigkeit, die für alle Menschen auf unserem Planeten spürbar ist. Meine Damen und Herren. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Всемирная организация здравоохранения (ВОЗ / WHO) · Governing Bodies documents
Zweiundsechzigste Tagung des Regionalkomitees für Europa: Malta, 10.–13. September 2012: Bericht über die 62. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa
Открыть оригинал документа
Полный текст размещён на сайте публикующей организации. lawenc.com индексирует метаданные и ведёт на официальный источник.
Полный текст
Основные сведения
Тип документа
Governing Bodies documents
Источник
Всемирная организация здравоохранения