Synergieeffekte zwischen Politikbereichen: Bessere Ergebnisse in den Bereichen Wohnen und Gesundheit fördern Das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ wurde von allen Mitgliedstaaten in der Eu- ropäischen Region der WHO angenommen, um die großen sozialen und gesundheitlichen Herausforderungen in Angriff zu nehmen. Es enthält einen Appell an die Gesundheitspoli- tik, all die verschiedenen Politikbereiche und Akteure aktiv in die kontinuierlichen Bemühun- gen zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bürger einzubeziehen. Investitionen in Wohnraum sind eine wichtige Determinante der Gesundheit im gesamten Lebensverlauf. Der Bereich Wohnen spielt eine wesentliche Rolle bei der Verbesserung der sozialen Umstände und der Lebensbedingun- gen, der Verhütung von Verletzungen und Krankheiten sowie der Förderung prosperier- ender und widerstandsfähiger Gemeinschaf- ten. Im Wege der Zusammenarbeit können die Bereiche Gesundheit und Wohnen einen wesentlichen Beitrag zum Leben des Einzel- nen, der Gemeinschaft und der Gesellschaft, zum Abbau von Ungleichheiten und zur Förderung der menschlichen Entwicklung leisten. Dadurch werden nicht die Gesundheit und das Wohlbefinden verbessert, sondern auch die Wohnqualität sowie eine gesunde und widerstandsfähige Gemeinschaft und Volkswirtschaft gefördert. Der Wohnungssektor kann dazu beitragen, dass Menschen und Gemeinschaften gesünder werden, indem er: • die Verfügbarkeit bezahlbarer, hochwertiger Wohnungen in sicheren Wohnvierteln und mit Zugang zu den wichtigsten Ver- sorgungs-, Bildungs- und Freizeitangeboten gewährleistet; • sicherstellt, dass gesundheitspolitische Erwä- gungen bei der Erarbeitung, Annahme und Überwachung von Standards und Vorschrif- ten berücksichtigt werden; • mit Gesundheitsrisiken und schlechten Krankheitsprognosen verbundene Wohnver- hältnisse bewertet und dagegen vorgeht; • in Zusammenarbeit mit dem Gesundheits- wesen die am stärksten benachteiligten städtischen und ländlichen Gebiete ermit- telt, in denen anfällige Bevölkerungsgrup- pen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit leben; • Menschen, die mit Wohnungsproblemen konfrontiert sind, etwa dem Verlust der Wohnung oder Veränderungen, infolge der- en ihre Wohnung nicht länger angemessen ist, ein Sicherheitsnetz bietet; und • gemeinsam mit dem Gesundheitswesen sicherstellt, dass von Armut und Ausgrenzu- ng bedrohte Bevölkerungsgruppen, darunter Menschen mit Behinderungen, zu selbst- bestimmtem Handeln und zur Überwindung struktureller und sozialer Benachteiligungen befähigt werden. autonomisées et capables de surmonter leurs désavantages structurels et sociaux. Zusammenfassung Gesundheit 2020: Sozialer Schutz, Wohnen und Gesundheit September 2016 5 Sozialer Fortschritt wird am besten mit Hilfe von objektiven Indikatoren für Gesundheit, gesundheitliche Chancengleich- heit und Wohlbefinden gemessen, und dies schließt die Bedingungen ein, unter denen Menschen geboren werden, leben und arbeiten. 1 Gesundheit und Wohlbefinden sind öffentliche Güter und Aktivposten für die menschliche Entwicklung, die zu starken, dynamischen und kreativen Gesellschaften beitragen. 2 Gesundheit und Wohlbefinden werden am ehesten erreicht, wenn alle Bereiche staatlichen Handelns zusammenarbeiten, „Gesundheit 2020“ wirbt für gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Ansätze. 3 Gesundheit und Wohlbefinden können verbessert und gesundheitliche Ungleichheiten können verringert werden, wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden und mit anderen Politikbereichen kooperiert wird. 4 Unterschiedliche Länder, Städte und Gemeinschaften befinden sich in unterschiedlichen Ausgangslagen; jeder Akteur ist einzigartig und kann gemeinsame Ziele auf unterschiedlichen Wegen verfolgen. Zentrale Aussagen Die Zielsetzung von „Gesundheit 2020“ ist eine „erhebliche Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, Stärkung der öffentlichen Gesundheit und Gewährleistung nachhaltiger bürgernaher Gesundheitssysteme, die flächendeckend sind und Chancengleichheit sowie qualitativ hochwertige Leistungen bieten“. 2 Gesundheit 2020: Sozialer Schutz, Wohnen und Gesundheit 2012 nahmen alle 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO „Gesundheit 2020“ als das neue gesundheitspolitische Rah- menkonzept der Europäischen Region an und verpflichteten sich zur Entwicklung integrativer Konzepte, die alle Politikbereiche einbezie- hen und an den sozialen und ökonomischen Determinanten von Gesundheit und Wohlbe- finden ansetzen. Die Förderung hochwertiger und erschwinglicher Wohnmöglichkeiten kann dabei eine zentrale Rolle spielen und weiter zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit beitragen. Der Bereich Wohnen hat im Leben der Menschen einen zentralen Stellenwert. So gewährleistet er hochwertige Lebens- und Wohnverhältnisse, bietet soziale Chancen und ist in der Lage, das Umfeld und die Gesundheit der Bevölkerung und der Gemeinschaft zu verbessern. Bessere Wohnbedingungen in Europa waren maßgeblich an der Steigerung der Lebenser- wartung beteiligt, und die Wohnraumver- besserung ist eine der zentralen Maßnahmen zur Förderung der öffentlichen Gesundheit. Das Leben in schlecht belüfteten, hygienisch bedenklichen, überbelegten und ökologisch stark belasteten Wohnräumen hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Die geringe Qualität der baulichen Umgebung und unange- messene Wohnverhältnisse beeinträchtigen die Gesundheit und bringen gesundheitliche Benachteiligungen mit sich: Feuchtigkeit, Schimmelpilz und Kälte sind nur einige der Hauptrisikofaktoren, die im Zusammenhang mit unzulänglichen Wohnunterkünften stehen. Dadurch wiederum steigt das Risiko von Muskel-Skelett-Erkrankungen Allergien, Verletzungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen, darunter Asthma und Tuberkulose. Wenn wir zusammenarbeit- en, können wir eingreifen, um vermeidbaren negativen Effekten zu begegnen, ungleiche Situationen zu kompensieren und sicherzus- tellen, dass die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen die zusätzliche Aufmerk- samkeit erhalten, die sie benötigen. Die Verknüpfung zwischen Gesundheits- und Wohnungspolitik stärken 3Weltgesundheitsorganisation Alle Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO haben die Überwachung von Fortschritten bei der Ver- wirklichung von sechs gemeinsamen Dachzielen vereinbart: 1. Senkung der vorzeitigen Mortalität in der Europäischen Region bis 2020 2. Erhöhung der Lebenserwartung in der Europäischen Region 3. Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich in der Europäischen Region 4. Förderung des Wohlergehens der Bevölkerung in der Europäischen Region 5. Sicherung einer universellen Gesundheitsversorgung und des Rechts auf ein Höchstmaß an Gesundheit 6. Aufstellung nationaler Ziele und Vorgaben für die Gesundheit in den Mitgliedstaaten. Was Gesellschaften ermöglicht, sich zu entfalten und zu gedeihen, ist auch der Gesundheit von Menschen förderlich, und politische Handlungskonzepte, die dies berücksichtigen, sind wirkungsvoller. Es ist wesentlich, das Bewusstsein für die Notwen- digkeit zu schärfen, gesundheitliche Ziele zum festen Bestandteil der sozioökonomischen und menschlichen Entwicklung der Gesellschaft zu machen, und die dafür erforderlichen Kapazitäten zu schaffen. Alle Politikbereiche einschließlich des Gesundheitsbereichs müssen ihre Arbeitsweise reformieren und auf der globalen, regionalen und lokalen Ebene neue Politikformen und-ansätze nutzen. Die Zielsetzung von „Gesundheit 2020“ ist eine „erhebliche Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, Stärkung der öffentlichen Gesundheit und Gewährleistung nachhaltiger bürgernaher Gesundheitssysteme, die flächendeckend sind und Chancengleichheit sowie qualitativ hochwertige Leistungen bieten“. Gesundheit 2020: ein Handlungsrahmen 4 Gesundheit 2020: Sozialer Schutz, Wohnen und Gesundheit Die Verknüpfung zwischen Gesundheits- und Wohnungspolitik stärken Es ist allgemein bekannt, dass der Bereich Wohnen eine wichtige Determinante von Gesundheit und gesundheitlicher Chanceng- leichheit darstellt und in dieser Hinsicht eine Hebelwirkung entfaltet. Wohnen und Gesund- heit sind universelle Anliegen und grundleg- ende menschliche Bedürfnisse. Sie sind so eng miteinander verzahnt, dass die Gesundheits- und Wohnungsministerien in vielen Ländern historisch eine Einheit bilden und damit eine synergistische Beziehung verkörpern. Bessere Wohnverhältnisse sind der Gesundheit förderlich. Investitionen in die Gesundheit gewährleisten anhaltende Beschäftigungs- fähigkeit und tragen somit dazu bei, dass die Menschen auf angemessenen Wohnraum zugreifen und darin verbleiben können. Viele Wohnfaktoren wirken sich entscheidend auf die Gesundheit aus, darunter Standort und Konstruktion, baulicher Zustand und Instand- haltung, Komfort und technische Ausstattung, etwa sanitäre Einrichtungen oder Heizung, und die Frage, inwieweit eine Wohnung dem Bedarf des darin lebenden Haushalts ent- spricht. Auch die psychische Gesundheit wird sowohl durch die Sicherheit im Wohnviertel als auch die Stabilität des Mietverhältnisses beeinflusst. Mangelhafte Gesundheit kann die Deckung der Wohnkosten stark erschweren, und viele Menschen sehen sich gezwungen, eine ungeeignete oder befristete Unterkunft zu beziehen, die der Erholung und dem Wohlbe- finden abträglich ist. Ländliche Gemeinden, einkommensschwache Stadtbewohner, Migranten, Flüchtlinge und andere anfällige Gruppen (z. B. Kinder und Jugendliche, Frauen und ältere Menschen) Synergieeffekte zwischen Politikbereichen: Wohnungspolitik als Instrument zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens unterliegen bei unzulänglichen Lebens- und Wohnbedingungen den höchsten Gesund- heitsrisiken. Behinderte Menschen sehen sich häufig Einschränkungen in Bezug auf die Zugänglichkeit und Benutzerfreundlichkeit ihr- er Wohnung gegenüber. Einige marginalisierte Gruppen wie die Roma leben oft in Behau- sungen aus nicht haltbarem Material (Blech, Kunststofffolie, Pappe, Schlamm) und ohne Sanitär- oder Abwasserentsorgungsanlagen, und alle diese Faktoren wirken sich unmittelbar nachteilig auf die Gesundheit aus. Zudem ist unerschwinglicher und/oder unangemessener Wohnraum ein großer Risik- ofaktor für psychische Gesundheitsprobleme. Erkenntnisse aus der gesamten Europäischen Region der WHO sprechen übereinstimmend dafür, dass bei Menschen, die sich keine Miet- oder Hypothekenzahlungen leisten können, ein erhöhtes Risiko von Depression und Suizidgedanken besteht. In ganz Europa ist schätzungsweise nicht weniger als 1 von 50 000 Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens von Obdachlosigkeit betroffen. In Extremfällen sind Menschen, die – selbst für kurze Zeit – obdachlos werden, einem erheblichen Risiko von Gewalt, sexuell übertragenen Infektionen und chronischen nichtübertragbaren Krankheiten ausgesetzt. Obdachlosigkeit hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit, insbesondere die psy- chische Gesundheit, und für die Betroffenen ist es schwierig, dieser ausweglosen Lage zu entkommen. Wird die Bezahlbarkeit des Wohnens gewährleistet, trägt dies zum Abbau von Obdachlosigkeit bei. Von der Bereitstel- lung angemessenen und erschwinglichen Wohnraums für anfällige Gruppen profitieren sowohl die Wohnungs- als auch die Gesund- heitsministerien, denn dadurch sinken die Behandlungskosten im Gesundheitswesen und der Bedarf an einer geschützten Unterkunft für Obdachlose drastisch. Das Wohnen kann auch zu einer verbesserten Integration in der Bevölkerung, einer sozialen Determinante von Gesundheit, beitragen. Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung für die soziale Eingliederung. Für Menschen mit schlechtem Gesundheitszustand kann die Teil- habe am allgemeinen gesellschaftlichen Leben schwierig sein, was Isolierung statt Zusammen- halt fördert, die Gemeinschaften untergräbt und negative gesundheitliche Folgen für den Einzelnen hat. Durch unsichere Wohnverhält- nisse wird der Zusammenhalt weiter beein- trächtigt. Hohe Kosten gehen mit einer kurzen Nutzungsdauer oder einen geringen Schutz vor Räumung einher, in den Gemeinschaften herrscht eine starke Fluktuation, und soziale Bindungen und Unterstützungsnetze werden ausgehöhlt. Durch eine integrierte Behandlung von Ge- sundheits- und Wohnungsfragen und durch Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, der energieeffizient und an die Grundversorgung (Wasser, Kanalisation, Strom, Lüftung) ang- eschlossen ist, ausreichend Platz bietet und sich in gutem baulichem Zustand befindet, ist es möglich, die Gesundheit und das Wohlbe- finden des Einzelnen und der Gemeinschaft zu stärken, Ungleichheiten abzubauen, die Pro- duktivität in der Schule und am Arbeitsplatz zu steigern und das Baugewerbe und die lokale Wirtschaft anzukurbeln. 5Weltgesundheitsorganisation Wie kann die Wohnungspolitik zur Förderung von Ge- sundheit beitragen? „Gesundheit 2020“ bietet einen Rahmen für die Zusammenarbeit von Wohnung- und Gesundheitspolitik. Da das Wohnen ein Bereich ist, der praktisch alle Bev- ölkerungsgruppen betrifft, können wohnungspolitische Maßnahmen enorme Auswirkungen auf die Gesundheit der Bev- ölkerung haben. Wenn die beiden Bereiche zusammenarbeiten, können sie eingreifen, um einige der wichtigsten gesundheitlichen Herausforderungen der heutigen Zeit in An- griff zu nehmen, darunter gesundheitliche Ungleichheiten und soziale Ausgrenzung, und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der Einzelne und die Gemeinschaft ihr Potenzial möglichst ausschöpfen können. Synergieeffekte zwischen Politikbereichen: Zusammenarbeit zugunsten der nachhaltigen Entwicklung und der Gesundheit ZU Den WiChtiGSten AUFGABen, Die ZUSAmmen AnGeGAnGen WerDen können, ZähLen Die FoLGenDen: • Erarbeitung ressortübergreifender Hand- lungskonzepte zur Unterstützung der betreffenden Zielgruppen, insbesondere bei Krisen und in Zeiten wirtschaftlicher Ungewissheit; • Entwicklung eines gemeinsamen Reguli- erungsrahmens, der eine Rechenschaft- slegung für Wohnverhältnisse und die Bezahlbarkeit von Wohnraum ermöglicht und fördert und einer Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt vorbeugt; • Gemeinsame Durchführung gezielter Interventionen in den am stärksten be- nachteiligten städtischen und ländlichen Gebieten, in denen anfällige Bevölkerungs- gruppen mit der höchsten Wahrscheinlich- keit leben; • Gemeinsames Vorgehen gegen Ungleich- heiten, die mit schlechten Wohnver- hältnissen zusammenhängen, darunter geschlechtsbezogene Ungleichheiten. • Gewährleisten, dass dem Recht auf Wohnung entsprochen wird, und dadurch die katastrophalen gesundheitlichen Folgen von Obdachlosigkeit mindern. • Mindeststandards für Wohnraum festlegen und durchsetzen und dadurch die Zahl der Gesundheitsprobleme und somit die Gefahr von Zahlungsschwierigkeiten reduzieren. • In Zusammenarbeit mit dem öffentlichen und privaten Wohnungssektor sicherstellen, dass der Bedarf an erschwinglichem Wohnraum gedeckt wird, um Obdachlosigkeit ab- zubauen und minderwertige Bedingungen zu beseitigen • Die Menschen vor Obdachlosigkeit, insbesondere unfairer Zwangsvollstreckung oder Räumung, schützen, indem die Stabilität und der Schutz von Mietverträgen verbessert und damit negative gesundheitliche Auswirkungen verringert werden. • Der Modernisierung von Wohnraum in ärmeren Gegenden Priorität einräumen: Steigerung der Energie- und Wassereffizienz, Abbau der Energiearmut, Förderung einer besseren gesellschaftlichen Integration und Abschwächung des Klimawandels. Wie können die Politikbereiche zusammenarbeiten? 6 Gesundheit 2020: Sozialer Schutz, Wohnen und Gesundheit Wie kann die Ge- sundheitspolitik zur Wohnungspolitik beit- ragen? Zur Verbesserung des Wohlbefindens des einzelnen und der Gemeinschaft zusammenarbeiten Die herAUSForDerUnG Sicherstellen, dass der Wohnungsbestand der Gesundheit und dem Wohlergehen förderlich ist Eine unsichere Wohnsituation und Überbelegung vermeiden Sicherstellen, dass der Zugang zu Wohnraum ausgewogen ist und dass keine Bevölkerungsgruppe diskriminiert wird • In Zusammenarbeit mit öffentlichen, sozialen und privaten Wohnungsträgern sicherstel- len, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung in den Bereichen Gesundheit und Soziales bei der Planung, dem Bau und der Instandhaltung von Wohnraum vorrangig berücksichtigt werden. • Die Auswirkungen der Wohnungspolitik auf Gesundheit und gesundheitliche Ungleich- heiten, einschließlich des Potenzials für gesundheitliche Zugewinne, evaluieren. • Den Zugang zu Präventions- und Therapieangeboten im Bereich der psychischen Gesund- heit ausweiten. • Schulungen zu gesundheitlichen Aspekten des Wohnens für Experten aus der Wohnung- swirtschaft anbieten. • Evidenz zu bewährten Maßnahmen und Mindestwohnstandards in gesundheitlicher Hin- sicht bereitstellen. Die notWenDiGe reAktion Einen Regelungsrahmen einführen, der vorsieht, dass die Wohnun- gen den Mindeststandards entsprechen, insbesondere im Miet- wohnungssektor, und dass die Wohnverhältnisse keine Gefährdung für die Gesundheit darstellen Gemeinsam die Folgen wohnungspolitischer Maßnahmen für die Gesundheit und gesundheitliche Ungleichheiten überwachen Aufwertungs- und Verbesserungsmaßnahmen unterstützen, damit das Wohnraumangebot weiter dem veränderlichen Bedarf der Bev- ölkerung entspricht, insbesondere in benachteiligten Gebieten Gemeinsam feststellen, welches Sicherheitsnetz für Menschen beste- ht, die mit Wohnungsproblemen konfrontiert sind, etwa dem Verlust der Wohnung oder situationsbedingten Veränderungen, infolge deren ihre Wohnung nicht länger angemessen ist, und dieses Netz stärken In Zusammenarbeit mit anderen wichtigen Ressorts Garantien für Sozialwohnungen festlegen, um Menschen zu unterstützen, die sich keine Kaution leisten können, und Anreize für die Vermietung von Sozialwohnungen zu schaffen, etwa durch Steuererleichterungen für Eigentümer Durch Interventionen wie die Einrichtung von Gremien für Mietpreis- bindung und die Regulierung der Betriebskosten für die Bezahlbarkeit von Wohnraum sorgen Die Kommunikation zwischen den maßgeblichen Partnern stärken (um anfällige Bevölkerungsgruppen zu ermitteln, zu unterstützen und zu schützen) Regulierungs- und Überwachungsmaßnahmen zum Schutz diskri- minierungsgefährdeter Bevölkerungsgruppen (Familien mit Kindern, Minderheiten, Frauen und andere) treffen Gemeinsam den vorhandenen Wohnungsbestand an den Betreu- ungsbedarf von Menschen mit Behinderungen und einer alternden Bevölkerung anpassen Eine sichere und zuverlässige Berichterstattung einführen, damit diskriminierende Praktiken ohne Furcht vor Konsequenzen gemeldet werden können 7Weltgesundheitsorganisation Das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ ist mit einem politischen Mandat ausgestattet. Es wurde von allen Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO angenom- men und kann an die jeweils unterschiedli- chen Bereiche und Gegebenheiten in den Ländern der Region angepasst werden. Es erläutert, wie Gesundheit und Wohlbefinden gefördert, erhalten und gemessen werden können, indem sozialer Zusammenhalt, Sich- erheit, ein stabiles Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben sowie gute Gesund- heit und hochwertige Bildung verwirklicht werden. Es enthält einen Appell an die Gesundheitspolitik, eine Vielzahl staatlicher wie nichtstaatlicher Akteure einzubeziehen, und bietet Anregungen sowie Orientierung- shilfe zu der Frage, wie die komplexen gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigt werden können. Das Rahmenkonzept bestätigt Werte, ist auf einschlägige Evidenz gestützt und besch- reibt strategische Ausrichtungen sowie die wesentlichen zu ergreifenden Maßnahmen. Es baut auf den Erfahrungen auf, die mit dem vorhergehenden Rahmenkonzept „Ge- sundheit für alle“ gewonnen wurden, und bietet Orientierungshilfe für das Handeln der Mitgliedstaaten wie auch des Regionalbüros. Unzureichende Wohnbedingungen sind in der Europäischen Region der WHO jährlich für über 100 000 Todesfälle verantwortlich. Wohnungen in ungünstiger Lage und in einem schlechten baulichen und/oder War- tungszustand können vermeidbare Krankheit- en und Verletzungen, darunter Erkrankungen der Atemwege und des Nervensystems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, verursachen oder dazu beitragen. In seinem Bericht über umweltbedingte gesundheitliche Benachteiligungen legte das WHO-Region- albüro für Europa eine Bewertung von sechs Wohnfaktoren vor: Wasser, Bad/Dusche, Toilette, Feuchtigkeit, Überbelegung und durchgehende Beheizung der Wohnung im Winter bzw. Kühlung im Sommer. Aus dem Bericht geht hervor, dass in nahezu allen Län- dern der Region Ungleichgewichte bei der Bereitstellung von Wohnraum bestehen, für die meist sozioökonomische Determinanten maßgeblich sind. Der Bereich Wohnen spielt in Bezug auf Ge- sundheit und gesundheitliche Ungleichheiten eine zentrale Rolle. Er hat weit reichende Auswirkungen, die sich direkt in den Wohn- verhältnissen und indirekt in der Nähe zu Dienstleistungen, Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln äußern. In der Europäischen Region der WHO treten Feuchtigkeitsprob- leme am häufigsten in Haushalten mit gerin- gem Einkommen auf. Dies hängt vor allem mit der Bezahlbarkeit der Heizversorgung und der niedrigen Wohnqualität zusammen. In größeren Haushalten, insbesondere mit geringem Einkommen, herrscht oft Überbel- egung. Anlass zur Sorge geben in einigen Teilen der Region auch die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in den Wohnun- gen und ihre unmittelbare Nähe zu Müll- halden und Abfallverbrennungsanlagen. Ein zentrales Anliegen der Wohnungsminister ist zudem die Minderung der CO2-Emissionen von Gebäuden: Bei einer höheren Energieef- fizienz sinken die Kosten der durchgehen- den Beheizung von Wohnungen, wird die Feuchtigkeit gemindert und möglicherweise auch die Zahl der winterbedingten Todesfälle, insbesondere bei älteren Menschen, und der Atemwegserkrankungen bei Kleinkindern verringert. Der Einfluss der Wohnverhältnisse auf die Gesundheit schlägt sich auch in wichtigen geschlechtsbezogenen Aspekten nieder. So beziehen von Frauen geführte Haushalte mit höherer Wahrscheinlichkeit als Haushalte mit männlichem Vorstand minderwertigen Wohnraum und verbleiben dort. Auch Alleinerziehende, überwiegend Frauen, haben besonders häufig Schwierigkeiten, Wohnraum zu bezahlen. Wenn Wohnungen erschwinglicher gemacht werden, die Bezahl- barkeit von Wohnraum für Haushalte, denen ein alleinstehender Erwachsener vorsteht, gewährleistet wird und die Wohnungen an einschlägige Standards angepasst werden, können soziale, geschlechtsbezogene und gesundheitliche Ungleichheiten abgebaut werden. In „Gesundheit 2020“ wird anerkannt, dass das Wohnungswesen ein Koproduzent von Gesundheit und ein Partner bei der Förderung der gesunden Entwicklung der Menschen, Familien und Gemeinschaften ist. Ohne gesundheitsverträgliche Wohnungen werden Bemühungen zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit immer begrenzt Wirkung zeigen. Nur durch eine Zusam- menarbeit mit dem Wohnungswesen kann wahrlich ein Höchstmaß an Gesundheit und Wohlbefinden erreicht werden. Gesundheit 2020 als eine Plattform für gemeinsame Arbeit nutzen: politisches Mandat und Evidenzgrundlage WeLtGeSUnDheitSorGAniSAtion | reGionALBÜro FÜr eUroPA UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Tel.: +45 45 33 70 00 Fax: +45 45 33 70 01 E-mail: contact@euro.who.int Website: www.euro.who.int Dokumentnummer: WHO/EURO:2016-6163-45928-66201 © Weltgesundheitsorganisation 2016. Alle Rechte vorbehalten. PhASen im LeBenSVerLAUF • Angemessener Sozialschutz für Frauen, Schwangere und junge Familien • Ein hochwertiges und erschwingliches universelles Bildungs- und Betreuungs- system für die ersten Lebensjahre • Die Ausmerzung unsicherer Arbeit und die Gewährleistung des Zugangs zu Beschäftigung und qualitativ hochwertiger Arbeit • Kohärente und wirksame sektorübergreif- ende Maßnahmen zur Bekämpfung von Ungleichheiten in späteren Lebensphasen Die GeSeLLSChAFt ALLGemein • Verbesserter sozialer Schutz entsprechend dem Bedarf • Schöpferische und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Zielgruppen, der Zivilgesellschaft und Partnern aus deren Reihen • Maßnahmen zur Verringerung von Ausgrenzung • Ansatz auf der Grundlage von Chanceng- leichheit zwischen den Geschlechtern Der ALLGemeinere kontext • Steuervergünstigungen und Transfer- zahlungen zur Förderung der Chancengleichheit • Langfristige Planung durch Verknüp- fungen mit anderen Maßnahmen SySteme • Mehr sektorübergreifende Kohärenz • Umfassende Reaktionen • Regelmäßige Berichterstattung und öffentliche Kontrolle Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten Die nachstehenden Bereiche sind gute Ausgangspunkte für den Abbau gesund- heitlicher Ungleichheiten:
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Gesundheit 2020: sozialer Schutz, Wohnen und Gesundheit
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