Organisation mondiale de la santé (OMS) · Governing Bodies documents

Achtundvierzigste Tagung des Regionalkomitee für Europa: Kopenhagen, 14. - 18. September 1998: Bericht über die Tätigkeit der WHO in der Europäischen Region 1996–1997

Organisation mondiale de la santé
Voir le document original

Le texte intégral est hébergé par l’organisation qui le publie. lawenc.com indexe les métadonnées et renvoie vers la source officielle.

Texte intégral

|1948 #1998 W ELTG ESUN D H EITSO RG AN ISATIO N R e g io n a lb ü ro f ü r E u ro p a K openhagen REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA Achtundvierzigste Tagung, Kopenhagen, 1 4 . - 1 8 . September 1998 Punkt 2 b) der vorläufigen Tagesordnung EUR/RC48/2 + EUR/RC48/Conf.Doc./2 5. Juni 1998 04928 ORIGINAL: ENGLISCH B er ic h t d es R eg io n a ld ir ek t o r s ü b e r d ie A r b e it d e r WHO in d e r E u r o p ä is c h en Reg io n 1 9 9 6 - 1 9 9 7 Dieses Dokument vermittelt einen Überblick über die Situation in der Region im Rech­ nungszeitraum 1996-1997 und stellt die wichtigsten Entwicklungen - mit einer Beschrei­ bung der Reaktion der WHO auf diese Entwicklungen - heraus. Der Bericht wird sofort nach der 48. Tagung des Regionalkomitees unter Berücksichtigung von dessen Kommen­ taren fertiggestellt. Anschließend wird er zusammen mit dem Bericht über das Regional­ komitee allen Mitgliedstaaten sowie einem breiteren Kreis von Interessenten übermittelt. Ergänzend zu dem vorliegenden Bericht wurde ein Informationsdokument (EUR/RC48/ Inf.Doc./l) mit Einzelheiten über die Umsetzung des Haushalts im Rechnungszeitraum 1996-1997 erarbeitet, das einen Vergleich der Ist-Ausgaben gegenüber den Haushalts­ voranschlägen enthält. Darüber hinaus können auf Anfrage verschiedene Übersichten über Produkte und Dienste, Tagungen, Kooperationszentren, Personaltrends usw. zur Verfügung gestellt werden. INHALT Seile V orw ort............................................................................................................................................................................................ i Zusammenfassung....................................................................................................................................................................... ii E inleitung....................................................................................................................................................................................... 1 Für eine bessere Gesundheit (regionale GFA-Ziele 1 -1 2 ) ............................................................................................2 Entwicklungen in der R eg ion ............................................................................................................................................. 2 Reaktion der W H O ................................................................................................................................................................. 7 Lebensweisen und Gesundheit (regionale GFA-Ziele 1 3 - 1 7 ) ..................................................................................13 Entwicklungen in der R eg ion ........................................................................................................................................... 14 Reaktion der W H O ...............................................................................................................................................................17 Gesunde Umwelt (regionale GFA-Ziele 1 8 -2 5 ) ............................................................................................................ 19 Entwicklungen in der R eg ion ...........................................................................................................................................19 Reaktion der W H O .............................................................................................................................................................. 21 Bedarfsgerechte Versorgung (regionale GFA-Ziele 2 6 - 3 1 ) ......................................................................................22 Entwicklungen in der R eg ion ...........................................................................................................................................23 Reaktion der W H O ...............................................................................................................................................................24 „Gesundheit für alle“-Unterstützung der Entwicklung (regionale GFA-Ziele 3 2 -3 8 ) ..................................... 27 Entwicklungen in der R eg ion ...........................................................................................................................................27 Reaktion der W H O ...............................................................................................................................................................28 Bildung von Partnerschaften und Mobilisierung von R essou rcen ..................................................................... 29 Länderprogramme.....................................................................................................................................................................31 Management, Verwaltung und Veröffentlichungen......................................................................................................33 Anhang 1: Regionalziele „Gesundheit für alle“ ............................................................................................................ 35 Anhang 2: Abkürzungen........................................................................................................................................................ 39 Anhang 3: 1996 und 1997 veröffentliche Bücher..........................................................................................................40 EUR/RC48/2 Seite i V o r w o r t Die beiden Jahre des Rechnungszeitraums 1996-1997 waren durch intensive Arbeit für das Regionalbüro und rasche neue Entwicklungen in den meisten Mitgliedstaaten gekennzeichnet. Erlauben Sie mir die Bemerkung, daß dieser Bericht lediglich die Spitze des Eisbergs widerspiegelt, da es in diesem Rahmen einfach nicht möglich ist, sämtliche bemerkenswerte und innovative Maßnahmen und Weiterentwicklun­ gen in den Ländern, die vielfach das direkte Resultat einer engen Zusammenarbeit mit uns gewesen sind, zu dokumentieren. Die europäische Regionalorganisation der WHO - d. h. die Mitgliedstaaten der Region und das Regional­ büro - war unermüdlich im Interesse der rund 870 Millionen Einwohner bemüht, Möglichkeiten zu fin­ den, um das Leben der Menschen in dieser Region zu verbessern, um sicherzustellen, daß sie Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, um besondere Risikogruppen zu berücksichtigen und um in vielen Län­ dern die verheerenden Folgen von Krieg sowie Armut zu lindern. Obwohl bereits viel erreicht worden ist, brauchen wir ohne jeden Zweifel sorgfältig geplante Konzepte für das nächste Jahrtausend. Das Jahr 1997 sah den Beginn des Prozesses zur Gestaltung einer Regionalpolitik für die „Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert“, und wir hoffen, daß diese Politik und Strategie für die Europäische Region bis Ende 1998 gebilligt wird und uns somit eine solide Basis für unsere künftige gemeinsame Arbeit an die Hand gibt. Das EUROHEALTH-Programm stand weiterhin im Brennpunkt der Tätigkeiten des Regionalbüros. Hin­ sichtlich der vom Regionalkomitee 1995 gesetzten Ziele wurden in den meisten Prioritätsbereichen sehr gute Fortschritte gemacht und fast alle Vorgaben nahezu erreicht. In 25 der 26 EUROHEALTH-Länder bestehen Koordinationsbüros, und für die einzelnen Länder werden alle zwei Jahre mittelfristige K oope­ rationsprogramme vorgesehen. Länderkoordinatoren spielen eine führende Rolle bei Reformen der V er­ einten Nationen auf Länderebene, und einige von ihnen sind an der Pilotphase des UN-Entwicklungs- hilferahmens beteiligt. Ein sehr wichtiges Ereignis im Berichtszeitraum war die Konferenz von Ljubljana über die Reformierung der Gesundheitsversorgung (19 9 6 ) - die größte Bestandsaufnahme über Gesundheitsreformen über­ haupt - und das Regionalbüro hat erfreut festgestellt, daß nach dieser Konferenz die Nachfrage nach B e­ ratungsdiensten in diesem Bereich drastisch angestiegen ist. Kooperationsnetze haben sich als ein wichtiges strategisches Instrument erwiesen sowie als ein kosten­ wirksamer Mechanismus für Anreize zum Handeln, die in ganz verschiedenen Settings, mit verschiede­ nen Partnern und in bezug au f ganz verschiedene Probleme der gesundheitlichen Entwicklung zu neuen Denkanstößen im Sinne der „Gesundheit für alle“ angeregt haben. Am 1. Januar 1996 kam infolge einer 13%igen Kürzung der globalen Haushaltsmittel der W HO für den Rechnungszeitraum 1 9 9 6 -1 9 9 7 eine neue organisatorische Struktur zum Tragen. Das Mehrländerpro- gramm wurde eingeschränkt und die Verwaltungs- und unterstützenden Sekretariatdienste wurden dra­ stisch verschlankt. Die Mitarbeiter haben anerkannt, daß den Länderprogrammen Priorität beigemessen werden müßte, und vor diesem Hintergrund ist es ihnen auf die erstaunlichste Art und Weise gelungen, Ressourcen zu mobilisieren und neue Möglichkeiten zu eröffnen. Sie können diesen Mitarbeitern ganz gewiß Vertrauen entgegenbringen und stolz auf sie sein! Dr. J .E . Asvall Regionaldirektor für Europa EUR/RC48/2 Seite ii Z u s a m m en fa ss u n g Die sozioökonomische Entwicklung in der Region verlief im Berichtszeitraum ganz unterschiedlich, ln Westeuropa hielt das langsame Wirtschaftswachstum an. ln den Ländern Mittel- und Osteuropas (M O E) sahen die Trends etwas günstiger aus. Dort pendelte sich das Wachstum bei ungefähr 5% des Bruttoin- landsprodukts ein, wenn auch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern bestanden. Die meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion (G U S) hatten nach wie vor große Wirtschaftsprobleme. In Westeuropa hielt die LangZeitarbeitslosigkeit unvermindert an, während die Arbeitslosenquote in einigen MOE-Ländern noch diejenige der Mitgliedsländer der Europäischen Union (E U ) übertraf. Dies führte zusammen mit der inflationären Entwicklung zu einer drastischen Verschlechterung der sozialen Bedin­ gungen und der Lebensqualität für sehr viele Menschen. Eine günstigere Entwicklung versprachen die Aufnahme eines Artikels über öffentlichen Gesundheitsschutz in den Vertrag zur Europäischen Union (Vertrag von Amsterdam) sowie die vorgesehene Osterweiterung durch den Beitritt von fünf M OE- Ländern zur EU. Die Europäische W HO-Region begrüßte als 51. Mitgliedstaat Andorra, das der Organi­ sation am 27. Januar 1997 beitrat. Der erste Gesundheitsminister von Andorra ist Dr. Josep M. Goicoechea, ein ehemaliger Mitarbeiter des Regionalbüros. Die Durchimpfung von Kindern in den M O E- und GUS-Ländern war nach wie vor allgemein hoch und die Krankheitsüberwachung wurde verstärkt. Die M ECACAR-Kam pagne (eine breit angelegte Kampa­ gne zur Poliomyelitisimpfung) wurde erfolgreich durchgeführt und durch umfassend koordinierte M aß­ nahmen in Albanien und Nachbarländern konnte die Übertragung des Poliovirus unterbrochen werden. Das regionale Tuberkuloseprogramm lie f während des Berichtszeitraums an und die Diphtherie- Inzidenz und -Mortalität ging 1997 in den GUS-Republiken spürbar zurück. In Zusammenarbeit mit dem Gemeinsamen HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UN AID S) wurden Maßnahmen zur Über­ wachung und Bekämpfung von Aids und sexuell übertragbaren Krankheiten durchgefuhrt. Im Rahmen des Diabetes-Aktionsplans gab es wichtige Tätigkeiten und die Verbesserungen der Diabetes­ versorgung in den Ländern werden bewertet. Eine Analyse der Resultate von Interventionen und der Trends bei den Risikofaktoren zeigte unterschiedliche Erfolge in den Ländern, die am CINDI-Programm zur landesweit integrierten Intervention bei nichtübertragbaren Krankheiten beteiligt sind. V iele Länder haben spezifische Schlaganfall-Managementprojekte aufgenommen, um die Versorgungsqualität in die­ sem Bereich zu verbessern. Das Regionalbüro konnte weiterhin erhebliche freiwillige Beiträge zur Soforthilfe und humanitären Hilfe erhalten, um in vielfältigen Notsituationen (einschließlich bewaffneten Konflikten) Beistand leisten zu können. Durch ihre Präsenz vor Ort konnte die WHO in den betreffenden Ländern die internationalen gesundheitsbezogenen Hilfeleistungen koordinieren. Im Berichtszeitraum wurde die Geschäftsordnung des Europäischen Komitees zur Entwicklung in der Gesundheitsforderung (ECHPD) erstellt. Das Gesunde-Städte-Netz wuchs zunehmend, und das Europäi­ sche Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen (EN H PS) produzierte eine Fülle von Informations- und Aufklärungsmaterial für die Länder. Das jüngste Verbundprojekt des Regionalbüros „Gesundheit in Haft­ anstalten“ weitete sich während des Berichtszeitraums rasch aus. Die Zahl der nationalen emährungspoli- tischen Programme nahm zu, und die Netzwerke für den Aktionsplan Tabakfreies Europa wurden ausge­ baut. Das Verbundprojekt „Regionen für die Gesundheit“ konnte seine Mitgliederzahl (ursprünglich 20) ver­ doppeln und die Mitgliedschaft im EuroPharm-Forum wuchs auf 41 Apothekerverbände in 31 Ländern an. Das Interesse an dem Projekt „Gesundheitsförderung im Krankenhaus“ nahm zu und ein neues Forum, das Europäische Forum nationaler Pflege- und Hebammenverbände und der WHO, wurde gegründet. Zwanzig M OE- und GUS-Länder beteiligten sich aktiv am LEM ON-Projekt (LEam ing Material On Nur­ sing). Länderspezifische Konzepte wurder. in bezug auf die Arzneimittelauswahl und den rationellen Ein­ satz von Arzneimitteln entwickelt. EUR/RC48'2 Seite iii Die Vorarbeiten ftir die Dritte Europakonferenz Umwelt und Gesundheit, die 1999 stattfindet, wurden fortgesetzt. Direkte Unterstützung wurde nationalen und örtlichen Gremien zur Formulierung von um­ weltpolitischen Konzepten gewährt. Die laufende Überarbeitung der Leitlinien zur Trinkwassergiite wur­ de abgeschlossen, und zwölf Orientierungsdokumente wurden über Trinkwasser, Abfallmanagement so­ wie über Gesundheit am Arbeitsplatz erarbeitet. Drei wichtige Berichte über Luftgüte wurden herausge­ geben. Eines der wichtigsten Ereignisse während des Berichtszeitraums war die Europakonferenz über die R e­ formierung der Gesundheitsversorgung, die in Ljubljana stattfand und die WHO zum Wegbereiter des Gesundheitsreformprozesses in Europa machte. Zwei wichtige Bücher wurden nach der Konferenz veröf­ fentlicht. Für 30 Länder stehen Profile über die Gesundheitsversorgung im Wandel (H iT-Profile) zur Ver­ fügung. W ichtige Fortschritte konnten in den CARNET-Ländem auf dem Gebiet der Ressourcenzuwei­ sung, der Privatisierung und der Gesundheitssysteme festgestellt werden. Der Bericht über die dritte Evaluierung der Fortschritte auf dem Weg zur „Gesundheit für alle“ in der Eu­ ropäischen Region wurde fertiggestellt und dem Regionalkomitee 1997 in Istanbul unterbreitet. Das Re­ gionalbüro gab einen neuen Newsletter mit dem Titel Health catalyst heraus, um neue Erkenntnisse und sonstige Neuigkeiten in den vier Arbeitssprachen des Regionalbüros zu verbreiten (Anmerkung: der ur­ sprünglich gewählte deutsche Titel Forum Gesundheit wurde abgeändert in A ktion Gesundheit.). Durch ein neues europäisches Gesundheitskommunikationsnetz sollen engere Verbindungen zwischen den na­ tionalen Medien und Gesundheitserziehem, Gesundheitsförderern und politischen Entscheidungsträgem hergestellt werden. Ein wichtiges Vorhaben war der Entwurf der regionalen GFA-Politik für das 21. Jahrhundert. Beträchtli­ che Fortschritte wurden hinsichtlich der Fertigstellung einer vergleichenden Analyse der gesundheitspoli­ tischen Entwicklung in allen Mitgliedstaaten gemacht. Mehr als die Hälfte der Mitgliedstaaten hat bereits eine eigene nationale GFA-Politik formuliert oder vorgesehen. EUR/RC48/2 Seite 1 E in l e it u n g 1. Gesundheit ist das höchste Gut im Leben eines jeden Menschen. Gesundheit ist auch mit anderen Werten eng verknüpft, wie beispielsweise persönliche Sicherheit, angemessenes Einkommen, Wohnen, soziale Einbindung und Unterstützung. Diese Werte werden deshalb zu Recht als die Voraussetzungen für Gesundheit angesehen. Die Verbindungen sind komplex und je nachdem wie sie jew eils politisch struktu­ riert und geordnet sind, können diese grundlegenden Voraussetzungen die Gesundheit und andere per­ sönliche Werte entweder verbessern oder verschlechtern. Fehlen geeignete Konzepte zur Verbesserung der Grundvoraussetzungen, kann die gesundheitliche Entwicklung - und gleichermaßen auch die wirt­ schaftliche Entwicklung - beeinträchtigt werden. Die Zusammenhänge zwischen diesen Voraussetzungen und der Gesundheit werden weiter kompliziert durch verschiedene Faktoren wie die familiäre und soziale Struktur, die Möglichkeiten flir eine gesundheitsbewußte Wahl hinsichtlich der Lebensweise und persön­ lichen Lebensziele, eine gesunde Umwelt, uneingeschränkten Zugang zu einer bedarfsgerechten Gesund­ heitsversorgung und Verantwortlichkeit für die eigene Gesundheit. 2. Die 51 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der W H O 1 erstrecken sich von den Reform län­ dern im östlichen Teil der Region - die ab ca. 1990 ihre Absicht erklärt haben, von der zentralen Plan­ wirtschaft zu einem marktorientierten Wirtschaftssystem überzugehen - bis zu den hochindustrialisierten Marktwirtschaften in Westeuropa. Die Länder unterscheiden sich sehr stark hinsichtlich ihres wirtschaft­ lichen Entwicklungsstands. Rund 870 Millionen Menschen leben in der Europäischen Region, das sind ungefähr 15% der Weltbevölkerung. Die geostrategische und soziokulturelle Bedeutung der Region in der Welt ist erheblich größer als der Anteil ihrer Einwohner an der Weltbevölkerung dies vermuten läßt. 3. In den meisten europäischen Ländern entwickelten sich in der ersten Hälfte der 1990er Jahre die Geburtenziffern weiterhin rückläufig. In Westeuropa war dieser abnehmende Trend weniger ausgeprägt als in den Ländern Mittel- und Osteuropas (M O E), obgleich dort in jüngster Zeit eine Verlangsamung dieses Trends zu beobachten ist. In den zentralasiatischen Republiken und in der Türkei waren die G e­ burtsraten ebenfalls rückläufig, wenngleich sie in diesen Ländern noch immer signifikant höher sind als in der übrigen Region. Die Gesamtfertilitätsraten zeigen weiterhin übereinstimmende Trends überall in der Region und sind allgemein zu niedrig, so daß in den meisten Ländern der Region ein sehr langsames B e ­ völkerungswachstum zu verzeichnen ist. Seit 1991/92 hat sich die Einwohnerzahl in einigen Ländern, beispielsweise in der Russischen Föderation, wegen der rückläufigen Geburtenziffern bei gleichzeitiger Erhöhung der Sterberaten deutlich verringert. 4. Der signifikanteste demographische Trend ist wahrscheinlich nach wie vor die Überalterung der Bevölkerung. Die Länder Westeuropas haben den höchsten Prozentsatz der über 65jährigen, aber auch in verschiedenen M OE-Ländem und Nachfolgestaaten der Sowjetunion (G U S) nimmt die Überalterung der Bevölkerung rasch zu. In der Region haben demographische und damit eng zusammenhängende epide­ miologische Veränderungen stattgefunden. In den meisten Ländern hat sich der Umbruch jetzt vollzogen, mit Ausnahme einiger weniger Länder, die noch immer relativ hohe Fertilitätsraten haben. Die wichtig­ sten Implikationen dieser Entwicklung sind, daß durch Gesundheitsforderung, Prävention von chroni­ schen nichtübertragbaren Krankheiten, bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung und durch Sicherstellung einer sinnvollen Rolle in der Gesellschaft sowie eines angemessenen Lebensstandards für alte Menschen ein „Altern in Gesundheit“ erreicht werden kann. 5. Abgesehen von den demographischen Veränderungen führt auch die internationale Migration zu Veränderungen in der Bevölkerung. Die jüngsten Daten zeigen insgesamt einen Rückgang der Immigra­ tion in die traditionellen Einwanderungsländer Westeuropas. Die Migration aus den MOE-Ländern ist nach wie vor geringer als erwartet, und die Zahl der Flüchtlinge aus den Konfliktgebieten in Bosnien- Herzegowina ist ebenfalls zurückgegangen. Die mit der Auflösung der U dSSR zusammenhängenden geo- politischen Veränderungen haben indessen eine neue Situation geschaffen. Die früheren Wanderungsbewe­ gungen innerhalb der ehemaligen UdSSR haben nach der neuen politischen Gliederung dazu geführt, daß 1 Andorra wurde am 27. Januar 1997 51. Mitgliedstaat der WHO in der Europäischen Region. EUR/RC48/2 Seite 2 jetzt in einigen Nachfolgestaaten, speziell Estland und Lettland, große Teile der dort ansässigen Bevölke­ rung als im Ausland geboren gelten. 6. Die sozioökonomischen Entwicklungen in der Region verliefen während des Berichtszeitraums unterschiedlich. Die westeuropäischen Länder wiesen allgemein ein stetiges Wachstum von rund 2 -3 % des Bruttosozialprodukts (B SP ) aus. In den MOE-Ländem war dieser Trend noch ermutigender: Dort pendelte sich das Wachstum bei rund 5% ein, obwohl es zwischen einzelnen Ländern erhebliche Unter­ schiede gab. Die meisten GUS-Republiken litten unter großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, was z. B. in der Russischen Föderation zu einem besorgniserregenden negativen Wachstum führte. In Westeuropa nahm die seit langem bestehende Arbeitslosigkeit weiter zu, wenn auch langsam, und erreichte 1996 in den Ländern der Europäischen Union (EU ) über 11%. In vielen M OE-Ländem sind diese Zahlen inzwi­ schen weit höher, und die Arbeitslosenquote beträgt in einigen Gebieten bis zu 40% . Dies hat zusammen mit der vorherrschenden Inflation zu einer weiteren Verschlechterung der sozialen Verhältnisse und der Lebensqualität einer großen Zahl von Bürgern der Region geführt. 7. In vielen Ländern nimmt auch die Obdachlosigkeit zu. London hat schätzungsweise mehrere Hun­ derttausend obdachlose Einwohner; die Schätzungen für Frankreich lauten ähnlich und in Moskau leben vermutlich 50 000 Kinder auf der Straße. Gewalt und Kriminalität eskalieren, häufig im Zusammenhang mit Alkohol und Drogenmißbrauch. Infolge der zu verschiedenen Zeitpunkten zwischen 1989 und 1995 in den GUS-Republiken und im ehemaligen Jugoslawien ausgebrochenen acht Kriege hat sich die Situa­ tion dramatisch verschlechtert. Diese Kriege haben ungefähr 400 000 Menschenleben gefordert und weit­ aus mehr Personen erlitten Verletzungen und Behinderungen. Außerdem haben die bewaffneten Konflikte dazu geführt, daß Tausende Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wurden, daß die wirtschaftlichen Aus­ sichten sehr düster sind und daß die grundlegenden Voraussetzungen für Gesundheit ernsthaft beein­ trächtigt worden sind. 8. Eine wichtige politische Entwicklung gegen Ende des Berichtszeitraums war der Artikel über G e­ sundheitsschutz im EU-Vertrag (Vertrag von Amsterdam), der einen Ausbau des Gesundheitsförderungs- programms für die EU-Länder bewirkt hat. Des weiteren wurden fünf Länder Mittel- und Osteuropas so­ wie Zypern im östlichen Mittelmeerraum als Kandidaten für den Beitritt zur EU vorgeschlagen. FÜR EINE BESSERE GESUNDHEIT (REGIONALE GFA-ZlELE 1-12) 9. Die GFA-Ziele 1 -12 gliedern sich in drei Kategorien. Die Ziele 1 und 2 betreffen die grundsätzli­ che Ausrichtung der europäischen Strategie zur „Gesundheit für alle“ (G FA ) in Hinsicht auf Chancen­ gleichheit und eine breitere Ausschöpfung des gesundheitlichen Potentials. In vier Zielen (und zwar in den Zielen 3, 6, 7 und 8) geht es um die Gesundheit bestimmter Bevölkerungsgruppen, mit der Vorgabe, zu umfassenden Konzepten und Strategien anzuregen. Die übrigen sechs Ziele richten sich auf die Prä­ vention von Krankheiten, Behinderungen und die Verringerung der Mortalität infolge von übertragbaren und nichtübertragbaren Krankheiten, Unfällen, geistig-seelischen Gesundheitsstörungen und Selbstmord. Entwicklungen in der Region Chancengleichheit im Gesundheitsbereich; bestimmte Bevölkerungsgruppen (Frauen, Kleinkinder, alte M enschen, Behinderte, benachteiligte Gruppen) 10. Die dramatische Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation sowie andere Umstände in den im östlichsten Teil der Region gelegenen Ländern haben sich spürbar auf die Gesundheit und gesundheitsre­ levanten sozialen Faktoren ausgewirkt. Ein deutliches Beispiel dafür sind die drastischen Veränderungen der Geburten- und Sterbeziffern in Ländern wie der Russischen Föderation. Inzwischen gibt es jedoch einige positive Anzeichen dafür, daß sich die Sterberaten nach dem jüngsten starken Anstieg wieder rückläufig entwickeln. Der gleiche Trend ist auch bei der Säuglingssterblichkeit und bei den Verletzun­ gen sowie bei den Todesfällen aufgrund von äußeren Ursachen zu erkennen; auch die Suizidrate ist nicht mehr ansteigend, sondern eher konstant geblieben. EUR/RC48/2 Seite 3 11. Bezüglich der Ursachen für die Verschlechterung der Gesundheit in Osteuropa in den 1990er Jah­ ren deuten die vom Regionalbüro für Europa (EU RO ) durchgeführten Untersuchungen darauf hin, daß Alkohol hier eine weit größere Rolle als angenommen gespielt haben kann. So gingen beispielsweise laut offiziellen Statistiken aus dem Jahr 1995 mehr Todesfälle in der Russischen Föderation auf Alkoholver­ giftungen zurück als auf Verkehrsunfalle aller Art. Höchstwahrscheinlich sieht die Situation in vielen an­ deren GUS-Ländem ähnlich aus. Die offiziell genannten Zahlen für die Mortalität infolge von Alkohol­ vergiftung entsprachen einem rund 10%igen Anstieg der vorzeitigen Todesfälle in der Russischen Föde­ ration zwischen 1992 und 1994 - dieser Prozentsatz dürfte wahrscheinlich doppelt so hoch sein, wenn die eigentliche Todesursache genau angegeben worden wäre. Diese Schätzung berücksichtigt noch nicht die vielfach ebenfalls mit Alkohol zusammenhängenden Fälle von Totschlag, Suizid und tödlichen Unfällen. 12. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa hat sich zum ersten Mal seit dem Zweiten W elt­ krieg verringert, und die subregionalen Durchschnittswerte und Trends in einzelnen Ländern lassen eine stetige Vergrößerung des Ost-W est-Gefälles in der Mortalität und Lebenserwartung erkennen. Der Unter­ schied zwischen den Ländern mit der niedrigsten und der höchsten Lebenserwartung in der Region liegt jetzt bei rund 15 Jahren (gegenüber 7 Jahren in 1970). Das Ost-W est-Gefälle in der Mortalität gilt in sämtlichen Altersgruppen: Die Lebenserwartungstrends in den verschiedenen Altersgruppen, u. a. in der Altersgruppe 65 Jahre, entsprechen mehr oder minder denjenigen der Lebenserwartung bei der Geburt. Zwanzig Länder haben bereits das europäische Regionalziel einer Lebenserwartung von 75 Jahren bei der Geburt erreicht. 13. Obwohl noch keine definitiven Schlußfolgerungen gezogen werden können, deuten die Daten dar­ aufh in , daß die Erhöhung der Lebenserwartung in Westeuropa nicht mit einer Erhöhung der Zahl der Le­ bensjahre mit schweren Behinderungen einhergegangen ist. Diese sehr ermutigende Erkenntnis demon­ striert gut die Wirkung von adäquaten Maßnahmen zur Krankheitsprävention und Verbesserung der Qua­ lität der Gesundheitsversorgung. Es ist aber auch anzumerken, daß soziale Ungleichheiten in bezug auf die gesundheitlichen Perspektiven größer sein dürften als Unterschiede in der Lebenserwartung. 14. Die durchschnittlichen Mortalitätsraten sind praktisch auf den bisher niedrigsten Stand in W esteu­ ropa zurückgegangen. In den G U S- und MOE-Ländern sind sie nach dem starken Anstieg in 1990 nun weiterhin leicht rückläufig, ln den M O E- und GUS-Ländern sind Abtreibungen nach wie vor die häufig­ ste Methode der Familienplanung und die Hauptursache für Müttersterblichkeit in diesen Ländern (A b­ bildungen 1 und 2). 15. Aids und sexuell übertragbare Krankheiten (ST D s) betreffen zunehmend junge Frauen. Ein ernstes Problem ist Gewalt gegen Frauen. Weltweit wird geschätzt, daß mindestens ein Fünftel der weiblichen Bevölkerung zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens körperlich mißhandelt oder sexuell mißbraucht wird und daß Gewaltanwendung gegenüber Frauen eine ebenso emstzunehmende Ursache für Todesfälle und Behinderungen bei Frauen im reproduktiven Alter ist wie Krebserkrankungen. Bisher liegen zwar kaum vergleichbare Daten zur Beurteilung der Situation in der Europäischen Region der WHO insgesamt vor, doch wurde in einer Untersuchung in der Schweiz (1994) herausgefunden, daß - vorsichtig geschätzt- 6% der befragten Frauen von ihren Lebenspartnem tätlich angegriffen oder sexuell mißbraucht worden waren und daß 26% der Frauen angegeben hatten, daß sie in den zw ölf Monaten vor der Untersuchung irgendwelchen Akten von Psychoterror ausgesetzt waren. 16. In nahezu allen Teilen der Region ist die Säuglingssterblichkeit stetig zurückgegangen. Dennoch gibt der Gesundheitszustand von Kleinkindern in den M OE- und GUS-Ländern nach wie vor Anlaß zur Sorge. Akute Atemwegsinfektionen, Diphtherie, Poliomyelitis, Masern, Keuchhusten, Typhus und andere Durchfallerkrankungen sowie Unfälle sind für eine hohe Mortalität und Morbidität ursächlich, die durch einfache und ohne weiteres verfügbare Präventionsmethoden, wie ausschließliche Ernährung durch Stil­ len in den ersten sechs Lebensmonaten und bedarfsgerechte Babynahrung, verhindert werden kann. Abb. 1: Schwangerschaftsabbrüche in MOE-/GUS-Ländern bezogen auf die Geburtenziffern EUR/RC48/2 Seite 4 Rumänien Russische Föderation Bosnien-Herzegowina Weißrußland Ukraine Estland Bulgarien Republik Moldau Lettland Kasachstan EJR Mazedonien T schechische Republik Ungarn Slowakei Slowenien Kroatien Georgien Litauen Kirgisistan Armenien Albanien Tadschikistan Usbekistan Turkmenistan Aserbaidschan Polen 0 50 100 150 200 250 300 je 100 Lebendgeburten 17. Die in allen Bevölkerungsgruppen in irgendeinem Lebensabschnitt am häufigsten auftretenden G e­ sundheitsstörungen sind wahrscheinlich psychisch bedingt und reichen von Streß über Depressionen und Neurosen bis hin zu ernsthaften Psychosen. Die psychische Gesundheit und Verfassung wird von vielfäl­ tigen Faktoren beeinflußt: Das Spektrum reicht hier von schweren psychischen Störungen bis hin zur Zu­ friedenheit mit dem subjektiv empfundenen Gesundheitszustand und der gesundheitsbezogenen Lebens­ qualität. Obwohl in 26 Mitgliedstaaten der Trend der zuvor ansteigenden Suizidraten umgekehrt werden konnte, nimmt in 17 anderen Ländern die Zahl der Selbstmorde noch immer zu. EUR7RC48/2 Seite 5 Abb. 2: Müttersterblichkeitsraten in den MOE-/GUS-Ländern Bosnien-Herzegowina Tadschikistan Rumänien Turkmenistan Kasachstan Republik Moldau Russische Föderation Litauen Lettland Kirgisistan Usbekistan Armenien Ukraine Aserbaidschan Estland Albanien Weißrußland Georgien Bulgarien Ungarn EJR Mazedonien Polen Kroatien Tschechische Republik Slowakei Slowenien GFA-Ziel (EURO): <15 pro 100 000 Lebendgeburten 1992 1995 0 S 10 15 20 25 30 35 40 4 5 50 55 60 65 70 75 80 85 je 1 0 0 0 0 0 L eb en d g ebu rten Übertragbare Krankheiten 18. Seit Jahrzehnten in Europa verschwundene Krankheiten sind wieder auf dem Vormarsch und tra­ gen jetzt - nachdem Epidemien in der Vergangenheit rar und hauptsächlich auf andere Regionen be­ schränkt waren - signifikant zur Gesamtinzidenz dieser Krankheiten in der Welt bei. Gleichzeitig sind neue Krankheiten aufgetaucht, und Resistenzen der Erreger gegenüber bestimmten Medikamenten er­ schweren die Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Eine zunehmende Gefährdung kommt auch von neuen Tierkrankheiten; ein Beispiel hierfür ist die Rinderseuche B SE (Bovine spongiforme Enzephalitis). 19. Die Rückkehr der Diphtherie hat seit 1990 zu einer großen Epidemie in den GUS-Ländern geführt. Importierte Fälle wurden ebenfalls in Deutschland, Finnland, Norwegen, Polen und anderen Ländern re­ gistriert. Die Einschleppung von Cholera mit teilweise epidemischer Ausbreitung in Anrainerstaaten des Schwarzen Meers, Kaspischen Meers und Mittelmeers in den 1990er Jahren ist ein weiteres Beispiel für EUR/RC48/2 Seite 6 die Rückkehr bestimmter Seuchen nach Europa. Die Zahl der gemeldeten Malariafalle ist in den jüngsten Jahren gewaltig emporgeschnellt. Außerdem nimmt die Zahl der Todes- und Erkrankungsfalle an Diar­ rhöen und akuten Atemwegsinfektionen unter Kindern der Altersgruppe unter fünf Jahre stetig zu. M il­ lionen Menschen in der gesamten Europäischen Region erkranken nach wie vor bei Influenzaepidemien und Tausende sterben. 20. ln vielen Ländern im östlichen Teil der Region tritt die Tuberkulose immer häufiger auf und arz­ neimittelresistente Tuberkulosestämme breiten sich aus. Der rückläufige Trend bei den Tuberkuloseer­ krankungen in Westeuropa ist zum Stillstand gekommen und 3 0 -5 0 % der Neuerkrankungen an Tuber­ kulose in diesen Ländern treten unter Zuwanderem auf. Wahrscheinlich spielen HIV-Infektionen eben­ falls eine Rolle hinsichtlich der größeren Anfälligkeit mancher M enschen für Tuberkulose. Durch die - bedauerlicherweise noch nicht hinreichend angewendete - Behandlungsstrategie „D O TS“ (Directly ob­ served treatment, short-course) mit direkter Patientenüberwachung könnten diese Trends sowohl in den Wohlstandsländern als auch in den weniger gut entwickelten Ländern umgekehrt werden. 2 1. Die Aids-Inzidenz scheint sich in den meisten Ländern Westeuropas stabilisiert zu haben, wenn auch in einigen westeuropäischen Ländern die mit dem i.v.-Drogenkonsum zusammenhängenden Infek­ tionen noch immer einen ansteigenden Trend zeigen. In den GUS-Ländern haben sich HIV-Infektionen rasch auf Länder ausgeweitet, die noch vor einigen Jahren kaum betroffen waren. Die Inzidenz der Sy­ philis und anderer sexuell übertragbaren Krankheiten hat ebenfalls in fast allen GUS-Ländern dramatisch zugenommen. Hepatitis B hat nach wie vor große gesundheitliche und volkswirtschaftliche Auswirkun­ gen in allen Ländern der Europäischen Region. Die Gesamtsterblichkeit an infektiösen und parasitären Krankheiten läßt ein typisches Ost-W est-Gefälle erkennen. Der dramatische Anstieg einiger übertragbarer Krankheiten in der Europäischen Region ist weitgehend auf die Verschlechterung der sozialen Verhält­ nisse zurückzuführen, die die soziale Infrastruktur, einschließlich der Gesundheitsdienste, in M itleiden­ schaft gezogen hat. Nichtübertragbare Krankheiten 22. Herz-Kreislaufkrankheiten sind die Hauptursache für Tod und Behinderungen in der Europäischen Region; sie sind für 52% aller Todesfälle verantwortlich. Die subregionalen Trends in der Mortalität in­ folge von Herz-Kreislaufkrankheiten ähneln denen der Gesamtsterblichkeit und Lebenserwartung. In den M OE- und GUS-Ländern ist über die Hälfte des Ost-W est-Gefalles in der Lebenserwartung auf die Herz- Kreislauf-Mortalität zurückzuführen. 22 Länder - mit 56,2% der Gesamtbevölkerung der Region - haben allerdings bereits das GFA-Ziel 9 erreicht. 23. Die allgemein festzustellende Verbreiterung der Ost-W est-Kluft in der Mortalität gilt auch für die Trends der Krebssterblichkeit in der Altersgruppe unter 65 Jahre. Der wichtigste alleinige Risikofaktor für Krebs ist das Rauchen, das Ursache für rund ein Drittel aller Krebsfalle in Europa ist. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor für bestimmte Krebsarten, beispielsweise Brust- und Darmkrebs, ist die Ernäh­ rung. Trotz eines beträchtlichen Ressourceneinsatzes für die Früherkennung, Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen konnte die Krebssterblichkeit bisher noch nicht signifikant reduziert werden. Nur fünf Länder - mit 14,6% der Gesamtbevölkerung der Region - haben bislang das regionale GFA -Ziel 10 erreicht. 24 . Andere chronische Krankheiten wie Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen, Osteoporose und verschiedene degenerative Krankheiten des M uskel-Skelett-System s sind weiterhin ein zunehmend großes Gesundheitsproblem in Europa, vor allem angesichts der Überalterung der Bevölkerung. So lei­ den beispielsweise 2 0 -2 5 M illionen Europäer an Diabetes und die Prävalenz nimmt stetig zu; es wird davon ausgegangen, daß Diabetes im nächsten Rechnungszeitraum wahrscheinlich epidemieartige Ausmaße erreichen wird. In einigen Ländern wurde für chronische obstruktive Lungenkrankheiten eine Prävalenz von 2 -7 % gemeldet. Durch größere Anstrengungen zur Prävention und Behandlung von Mund- und Zahnkrankheiten konnte im letzten Jahrzehnt in den meisten europäischen Ländern der Mundgesundheitszustand verbessert werden, obwohl sich die Situation im östlichen Teil der Region verschlechterte. In Westeuropa ist es zunehmend zur Norm geworden, daß die Menschen ihre eigenen Zähne das ganze Leben lang behalten. EUR/RC48/2 Seite 7 Unfälle, Katastrophen und bewaffnete Konflikte 25. Verletzungen und Vergiftungen sind in der Region die Haupttodesursache in den jungen Alters­ gruppen und die zweitwichtigste Ursache für das Ost-W est-Gefälle in der Mortalität. Sehr wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen wären in bezug auf Straßenverkehrsunfälle, an denen Kraftfahrzeuge beteiligt sind, möglich. Der größte Teil der Todesfälle ist jedoch auf andere externe Ursachen als vorsätzliche Verletzungen und Straßenverkehrsunfälle zurückzuführen. So forderten beispielsweise 1995 in der Russi­ schen Föderation Alkoholvergiftungen mehr Opfer als Verkehrsunfälle. Zw ölf Länder haben bereits das regionale GFA-Ziel 11 erreicht, wohingegen in 21 Ländern - mit 45 ,6% der Gesamtbevölkerung der Re­ gion - ein ansteigender Trend bei diesen Todesursachen festzustellen ist. 26. In den 1990er Jahren war die Europäische Region von zahlreichen bewaffneten Konflikten und verheerenden kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen, doch scheinen die Gewalttätigkeiten jetzt nachzulassen. Obwohl die Situation in Bosnien-Herzegowina noch immer gespannt ist, hat der umfang­ reiche internationale Beistand dazu beigetragen, daß das Land sich wieder erholt und sich durch einen demokratischen Wahlprozeß zu einer stabileren Gesellschaft entwickelt. Ein bemerkenswertes Ereignis im Jahr 1997 war die Annahme eines strategischen Plans zur Gesundheitsreform in der Republik Srpska. Der bewaffnete Konflikt in Tschetschenien wurde 1996 durch Unterzeichnung eines Waffenstillstands, gefolgt von Parlamentswahlen, beendet. In Tadschikistan dauerte der Bürgerkrieg an, doch gab es gegen Ende des Berichtszeitraums Anzeichen für eine Eindämmung des Konflikts. Reaktion der WHO Gesundheitliche Chancengleichheit; bestimmte Bevölkerungsgruppen 27. Die bekannte Dokumentationsreihe des Regionalbüros über Chancengleichheit und Gesundheit steht einem breiten Interessentenkreis sowohl in gedruckter Form als auch über das Internet zur Verfü­ gung und wurde in 20 Sprachen übersetzt. Die globale Initiative der WHO zur Förderung von Chancen­ gleichheit im Gesundheitsbereich wurde auf Litauen ausgeweitet und in diesem Prozeß wurden zunächst 21 Informationsquellen ermittelt, die gesundheitliche Ungleichheiten reflektieren. Man erhofft sich, daß diese Initiative als Modell für andere M OE-Länder dienen wird. Angesichts des auf internationaler Ebene vom Europarat und von der EU gezeigten großen Interesses an diesem Problemkomplex müssen jetzt ge­ nügend Ressourcen bereitgestellt werden, um hier die Führungsrolle der WHO weiterhin zu sichern. 28. Das Regionalbüro hat in Bulgarien, Georgien und der Republik Moldau wichtige Informations­ kampagnen zur Aufklärung der Öffentlichkeit über reproduktive Gesundheit organisiert. Dabei handelt es sich um gute Beispiele für die intensive organisationsübergreifende Kooperation mit dem Bevölkerungs­ fonds der Vereinten Nationen (UN FPA). Gegenwärtig fuhrt das Regionalbüro in e lf Ländern der Region, in denen die Indikatoren für die Gesundheit von Mutter und Kind (MCH-Indikatoren) am ungünstigsten sind, Projekte zur reproduktiven Gesundheit durch. Der Wissensstand über die Gesundheit von Frauen in 39 Mitgliedstaaten und über reproduktive Gesundheit/Familienplanung in den M O E- und GUS-Ländem konnte verbessert werden, und die Zeitschrift Entre nous informiert 13 000 Interessenten über Familien­ planung und reproduktive Gesundheit. Zudem gab es in den M OE- und GUS-Ländem eine bessere Auf­ klärung über Empfängnisverhütung, was zum Rückgang der Müttersterblichkeit und der Abtreibungen in einigen am EUROHEALTH-Programm des Regionalbüros beteiligten Ländern beigetragen hat. A uf einer vorbereitenden Tagung im Dezember bezüglich der Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen wurden drei Arbeitsgruppen über Epidemiologie, Reaktion des Gesundheitsdienstes und die gesundheitlichen Folgen von Gewalt gebildet. 29. A u f dem Gebiet der Gesundheit von Kleinkindern führt das Regionalbüro eine Bestandsaufnahme der Fortschritte in den Ländern durch, die die 1990 verabschiedete Innocenti-Erklärung über Schutz, För­ derung und Unterstützung des Stillens umsetzen (Tabelle 1). EUR/RC48/2 Seite 8 Tabelle 1: Erreichung der Zielvorgaben der Innocenti-Erklärung Auf der Grundlage der aus 31 Mitgliedstaaten eingegangenen Antworten (1997) Ziele Zahl der Länder Ausschuß Stillen 25 BFHI-Ausschuß (Initiative Babyfreundliches Krankenhaus) 21 Mit Fragen des Stillens befaßte NGOs 22 Nationaler Koordinator für Fragen des Stillens 25 Nationales Grundsatzprogramm zur Frage des Stillens 20 Aktionsplan und Ziele zur Umsetzung der BFHI-Initiative 17 Bildungsmaßnahmen in bezug auf das Stillen 27 Bildungsmaßnahmen für nationale BFHI-Experten 19 Gesundheitswissenschaftliche Ausbildung über das Stillen 24 Maßnahmen zur Förderung des Stillens 27 risetzung des internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten 12a Restriktionen in bezug auf das Marketing von Säuglingsnahrung (keine Gratisproben bzw. keine billigen Sonderangebote) 11 Monitoring der Umsetzung des Kodex als nationale Maßnahme 12 Entwurf für landerspezifische gesetzgeberische Maßnahmen 15 Verfahren zur Umsetzung des Kodex 6 Mindestens 12 Wochen Mutterschaftsurlaub 24 Bezahlter Mutterschaftsurlaub 26 Recht auf täglich 2 Stillpausen von 30 Minuten wahrend eines Arbeitstages 21 Von der Gesetzgebung nicht erfaßte Frauengruppen 5 * Beinhaltet Länder, die die EG-Richtlinie 91/321 angenommen haben (Dänemark, Luxemburg und Vereinigtes Königreich) sowie die Schweiz, die 1994 einen neuen Kodex auf freiwilliger Basis verabschiedet hat. Übertragbare Krankheiten 30. Der Impferfassungsgrad bei Kindern der Altersgruppe bis zu 2 Jahren war in den M O E- und G U S- Ländem allgemein weiterhin unverändert hoch, obwohl der Durchimpfungsgrad der ersten Masemimp- fung auf die gesamte Region bezogen nur bei 82% liegt. Die KrankheitsÜberwachungssysteme wurden ausgebaut und zwischen 90% und 96% der Mitgliedstaaten erstatten dem Regionalbüro jetzt monatlich Bericht. In zwei Ländern wurde eine Beurteilung der Qualität der Krankheitsüberwachung durchgeführt. Besondere Bemühungen wurden unternommen, um den Gebrauch von WHO-Lehrmaterialien zu steigern: Leitlinien und Handbücher wurden in die russische Sprache übersetzt und einem breiten Leserkreis zu­ gänglich gemacht; über Immunisierungspraktiken und Impfpolitik wurden Workshops veranstaltet, und auf subregionaler Ebene wurden für EPl-Programmleiter (Erweitertes Immunisierungsprogramm) Fort­ bildungskurse durchgeführt. Eine Konferenz über Hepatitis B hat unterstrichen, wie wichtig es ist, die Hepatitis-B-lmpfung in die nationalen Impfprogramme aufzunehmen, und die internationale Gemein­ schaft wurde um Hilfe ersucht, um es den Ländern zu ermöglichen, Hepatitis-B-Impfungen zu einem er­ schwinglichen Preis durchzuführen. Bisher haben zehn Länder die Hepatitis-B-Impfung als Standardimp­ fung vorgesehen. Ein regionaler strategischer Plan zur Masernausrottung wurde unter Berücksichtigung des jew eiligen Prozentsatzes der Risikopersonen in den einzelnen Ländern aufgestellt. 31. In den 1980er Jahren war die Malaria in Europa fast in Vergessenheit geraten. Die wenigen Malaria­ fälle, die auftraten, waren aus tropischen und subtropischen Gebieten, hauptsächlich aus Afrika, einge­ schleppt worden. In den letzten Jahren kam es jedoch aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Instabi­ lität, massiven Bevölkerungsbewegungen, u. a. im Zusammenhang mit groß angelegten Entwicklungspro­ jekten, zu einem dramatischen Anstieg der Malaria in der Region. Das Regionalbüro hat deshalb in enger Zusammenarbeit mit dem WHO-Hauptbüro und dem italienischen Istituto Superiore di Sanita sein Malaria­ programm wieder aufgenommen. Zunächst wurde mit Bildungsmaßnahmen in den endemischen Ländern begonnen; gegenwärtig wird ein Programm zur Eradikation der Malaria in Armenien aufgestellt (Tabelle 2). EUR/RC48/2 Seite 9 Tabelle 2: Malariafälle in endemischen Ländern in der Europäischen Region, 1991-1997 Land Zahl der Fälle 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 Aserbaidschan - - 23 667 2 844 13 135 - Tadschikistan 281 301 619 2411 6 103 16 568 30 054 Türkei 12 218 18 676 47 210 84 345 82 096 - 35 456 32. Der Vormarsch solcher neuen und wiederkehrenden Krankheiten kann nur zum Teil unter Kon­ trolle gebracht werden. In einigen GUS-Ländern ist die Infrastruktur zur Überwachung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten so stark in Mitleidenschaft gezogen, daß es nicht machbar ist, kurzfristig neue funktionierende Strukturen zu schaffen. Deshalb kann hier die internationale Gebergemeinschaft lediglich Nothilfe leisten und manchmal die Hilfe nur auf ganz bestimmte Aspekte konzentrieren (das war der Fall in bezug auf Malaria und Typhus). 33. Die M ECACAR-Kam pagne wurde 1996-1997 erfolgreich durchgefuhrt (zwei umfassende koordi­ nierte Poliomyelitis-Impfkampagnen, in denen 95% der Kinder der Altersgruppe unter 4 Jahre in ver­ schiedenen Ländern erfaßt wurden; diese Kampagnen wurden vom WHO-Regionalbüro für Europa und vom WHO-Regionalbüro für das Östliche Mittelmeergebiet koordiniert). Außerdem wurden breit ange­ legte koordinierte Aktionen (zusätzliche Reihen impfüngen) in Albanien (zur Unterbrechung der Übertra­ gung des importierten Polio-Wildvirus vom Typ 1) durchgeführt, ebenso in den Nachbarländern von Al­ banien, um die Gefahr der Einschleppung und/oder Weiterverbreitung des Virus zu minimieren. Diese Maßnahmen haben insgesamt zu einer signifikanten Verringerung der Übertragung von Polio-W ildviren sowie zur Unterbrechung der Übertragung in den meisten endemischen Gebieten geführt. 1997 wurden nur noch sieben Poliomyelitisfalle aus zwei Ländern in der Europäischen Region gemeldet: dabei han­ delte es sich um einen klinischen Fall in Tadschikistan und um sechs virologisch bestätigte Fälle in der Türkei (Polio-Wildvirus Typ 1). Demgegenüber waren 1988 - zu Beginn der Initiative zur weltweiten Eradikation der Poliomyelitis - 204 Fälle aufgetreten. 1998 wurde bisher erst ein Poliomyelitisfall gemel­ det, und zwar im östlichen Teil der Türkei. Partnerschaft unter Konfliktparteien Mitte 1996 waren die Balkanländer von einem ernsten Ausbruch der Poliomyelitis betroffen und minde­ stens 167 Fälle von dauerhaften Lähmungen wurden verzeichnet, vor allem unter Kindern. Angesichts der Anfälligkeit der Bevölkerung, der sehr schlechten Lebensbedingungen, der begrenzten Ressourcen und der verfeindeten ethnischen Gruppen bemühte sich die WHO gemeinsam mit UNICEF und Rotary International, der Ausbreitung der Krankheit durch eine Reihe von Impfkampagnen auf subnationaler Ebene (Impftage S-NIDs) Einhalt zu gebieten. Zusätzlich zu der hervorragenden Wirkung in bezug auf den Impferfassungsgrad brachten diese Impf­ tage auch einige weitere bemerkenswerte, erfolgversprechende Ergebnisse. Im Rahmen einer WHO/UNICEF-Gemeinschaftsaktion arbeiteten führende serbische und albanischstämmige Gesund­ heitsfachkräfte zum ersten Mal seit sechs Jahren zusammen. Die Poliomyelitis erwies sich als ein eini­ gender Feind: Alle Seiten waren gewillt, ihre politischen Interessen zum Nutzen der Gesundheit ihrer Kinder zurückzustellen und die gemischten serbischen/albanischstämmigen Gesundheitsteams konn­ ten für alle Mitglieder der Gemeinschaft effektive Leistungen erbringen. Selten hat sich eine ganze Gemeinschaft - vor allem eine derart polarisierte Gemeinschaft - so engagiert an einer Massenkam­ pagne beteiligt. Die Poliomyelitis-Impfkampagnen hatten eine „Katalysatorwirkung“ auf die Zusammenarbeit. Sie ha­ ben eine gespaltene Gemeinschaft wieder zusammengebracht, den Dialog eröffnet und sehr beein­ druckende partnerschaftliche Bemühungen hervorgebracht. Als eine neutrale Schirmherrin hat die WHO eine wichtige Rolle bei der Zusammenführung von Menschen gespielt und dazu beigetragen, ein günstiges Klima für die Zusammenarbeit zu schaffen und professionelle Hilfe zur Qualitätssicherung zu bieten. Gesundheitsexperten aller Parteien haben diesen Beitrag gewürdigt und die WHO eindringlich ermutigt, in der künftigen Zusammenarbeit im Interesse der Gesundheit der Bürger eine Vermittlerrolle zu spielen. EUR7RC48/2 Seite 10 34. Das regionale Tuberkuloseprogramm lie f während des Berichtszeitraums an (davor hatte es ledig­ lich Interventionen zur Notfallhilfe gegeben). Seitdem haben sich die Länder im Osten wie im Westen der Region um die Umsetzung der Ziele des globalen Tuberkuloseprogramms bemüht, d. h. eine Heilungsrate von 85% und eine Krankheitserkennungsrate von 70% zu erreichen. B is zum Jahr 2000 werden voraus­ sichtlich 28 Länder diese Zielvorgaben verwirklichen. Die gegenwärtigen Tätigkeiten beinhalten Pro­ grammunterstützung auf nationaler und internationaler Ebene, operationeile Forschung und die Entwick­ lung von Instrumentarien. Das Regionalbüro kann nur zum geringen Teil zu den erforderlichen personel­ len und finanziellen Ressourcen beisteuern und ist sehr stark von Zuwendungen internationaler Partner abhängig. Die M OE- und GUS-Länder, die gegenwärtig die DO TS-Strategie anwenden und auf externe Hilfe angewiesen sind, können lediglich in bestimmten Landesteilen tätig werden. Die flächendeckende Ausweitung der WHO-Tuberkulosestrategie in den einzelnen Ländern setzt umfangreiche finanzielle Mittel voraus, und die derzeitigen Pläne zur Erweiterung der Projekte werden bald stagnieren, wenn keine zusätzlichen Mittel erschlossen werden können. 35. Im letzten Quartal des Jahres 1995 begann man gezielt mit der Bekämpfung von Durchfallerkran­ kungen und akuten Atemwegsinfektionen (CDD/ARI-Programm), mit Schwerpunkt auf den M O E- und GUS-Ländem . Der Hauptakzent lag dabei auf Bildungsmaßnahmen in bezug auf Fallmanagement und Programm-Management sowie auf einer Verbesserung der Qualität der Arbeit durch Supervision. In jüng­ ster Zeit haben sich verschiedene Länder zu einem stärker integrierten Ansatz zur Verbesserung der ge­ sundheitlichen Versorgung von Kindern entschlossen, dem sogenannten IM CI-Projekt zum integrierten Management von Kinderkrankheiten. Dieser Ansatz beinhaltet Tätigkeiten zur Bekämpfung von Durch­ fallerkrankungen und akuten Atemwegsinfektionen sowie Maßnahmen gegen andere Krankheiten und Zustände, die für die meisten Todesfälle verantwortlich sind. 36. 1997 lag die Diphtherieinzidenz und -Sterblichkeit in den GUS-Ländem um 20% unter dem Niveau von 1995. Es kann davon ausgegangen werden, daß dank der resoluten Maßnahmen in der Russischen Fö­ deration, den übrigen GUS-Republiken und den baltischen Ländern ungefähr 400 000 Diphtherieerkrankun­ gen und etwa 12 000 Todesfälle verhütet worden sind. Trotz alledem ist die Zahl der Erkrankungen in der Russischen Föderation noch immer relativ hoch und ebenfalls in Georgien und Kirgisistan problematisch (Abb. 3). Abb. 3: Diphtherie in Europa: Erwartete und gemeldete Fälle pro Monat 3500Cj- 30000“ 25000^ 20000 15000 10000 m Erwart al« Falk Gemeldete FtNe 1995 Erwartet - 17 0 000 Gemeldet ■ 50 445 199« Erwartet - 260 000 Gemeldet - 20 238 1997 Erwartet - 170 000 Gemeldet - 7 100 EUR/RC48/2 Seite 11 37. Die Unterstützung durch den organisationsübergreifenden Ausschuß zur Koordinierung von Imp­ fungen (IIC C ) hat sich in allen GUS-Republiken und in den baltischen Ländern als sehr wirkungsvoll er­ wiesen. Die Diphtherie ist jetzt in sämtlichen dieser Länder viel besser unter Kontrolle gebracht worden, die Poliomyelitis ist inzwischen nahezu eradiziert und die Impfprogramme für Kinder konnten wieder aufgenommen werden, mit dem Ergebnis, daß wieder genauso hohe Durchimpfungsraten wie vor Auflö­ sung der U dSSR erreicht werden. A uf der jüngsten IICC-Tagung kamen die Mitglieder überein, die Zu­ sammenarbeit noch zwei weitere Jahre lang, bis Ende 1999, fortzusetzen. Im übrigen vereinbarten sie, außer den GUS-Republiken noch einige besonders gefährdete Länder in Südosteuropa mit einzuschlie­ ßen. 38. Die Überwachung und Bekämpfung von sexuell übertragbaren Krankheiten (ST D ) und Aids er­ folgte im W ege der Zusammenarbeit zwischen der WHO und dem Aids-Programm der Vereinten Natio­ nen UNAIDS. Während des Berichtszeitraums erhöhte sich das Problembewußtsein in der internationalen Gemeinschaft über die dramatische Entwicklung bei den sexuell übertragbaren Krankheiten und H1V- Infektionen in Osteuropa. Die Aids-Kooperationszentren der WHO leisteten sehr große Hilfe bei der Durchführung von Vorhaben zur Krankheitsüberwachung. Um rasche Gegenmaßnahmen zur Bekämp­ fung der STD-Epidemie in den osteuropäischen Ländern zu ermöglichen, wurde eine Task Force (ähnlich dem IICC) zur Mobilisierung internationaler Unterstützung gebildet. 39. Angesichts der in Hinsicht auf übertragbare Krankheiten (hauptsächlich Tuberkulose) in den G e­ fängnissen einiger GUS-Länder immer schlimmer werdenden Situation wurde im Rahmen des Verbund­ projekts „Gesundheit in Haftanstalten“ eine wichtige Tagung in Polen organisiert, an der Vertreter aus zw ölf Ländern teilnahmen. Diese vom UN A ID S, globalen WHO-Tuberkuloseprogramm und Regionalbü­ ro gesponserte Tagung erbrachte eine Bestandsaufnahme der Situation und einen Katalog von praktischen Empfehlungen für Justizvollzugsbehörden. Nichtübertragbare Krankheiten 40. Während des Berichtzeitraums wurden sehr wichtige Tätigkeiten in bezug auf den Diabetes­ Aktionsplan (auf der Grundlage der Erklärung von St. Vincent) durchgeführt, obgleich die Umsetzung in den Ländern langsamer als erwartet vorankommt, vor allem auf nationaler Ebene. Der Aktionsplan wird auf verschiedenen Ebenen unter Anwendung unterschiedlicher Strategien umgesetzt; als am erfolgreich­ sten hat sich dabei der sogenannte „Bottom up“-Ansatz („von unten her“) erwiesen, bei dem auf lokaler Ebene, gestützt auf Partnerschaften gehandelt wird. Eine Task Force für primäre Gesundheitsversorgung wurde etabliert und ersucht die Ärzte, Pflegefachkräfte, Apotheker usw. um Teamarbeit. 41. Verbesserungen der Diabetes-Behandlungsergebnisse in den Ländern werden durch Datensamm­ lung und -analyse beurteilt; allerdings mangelt es in den Mitgliedstaaten an einschlägigen Daten. Die Er­ gebnisse werden aus der Sicht von drei Parametern beschrieben: biomedizinische Ergebnisse, Patienten­ zufriedenheit und Kostenwirksamkeit. Zwischen Programmen zur Verbesserung der Qualität der Versor­ gung (Q CD ) und Drittzahlem konnte eine Verbindung hergestellt werden, und zur Umsetzung von Dia­ betes- und QCD-Programmen wurden Kontraktsysteme entwickelt. Weitere Arbeit muß indessen noch geleistet werden, um den Regierungen die Bedeutung des ergebnisorientierten Ansatzes bezüglich der Versorgungsqualität verständlich zu machen und die Rolle, die die verschiedenen Ebenen des Gesund­ heitsversorgungssystems dabei spielen sollten, zu erhellen. Regelmäßige Kontakte zwischen dem Regio­ nalbüro, den Regierungen und Leistungserbringern sind dabei wesentlich. Das Diabetes-Programm des Regionalbüros wird als Modell für die Förderung von QCD-Programmen in bezug auf andere nichtüber­ tragbare Krankheiten verwendet. 42. Um die wachsende Prävalenz von nichtübertragbaren Krankheiten (N CD) zu bekämpfen, wurde das Programm zur landesweit integrierten Intervention bei nichtübertragbaren Krankheiten (CINDI- Programm), das auf die Primärprävention der wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten ausgerichtet ist, noch erweitert: 24 Länder haben bereits an dem Programm teilgenommen und mehrere Länder haben mit den Vorarbeiten für eine Beteiligung begonnen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Regionalbüro für Europa und der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) auf dem Gebiet der Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten wurde verstärkt: PAHO etablierte in sieben Ländern ein Netzwerk, das EUR/RC48/2 Seite 12 den CINDI-Ansatz zur Prävention und Bekämpfung von nichtübertragbaren Krankheiten in die Praxis umsetzt. 43. Die an dem Programm beteiligten Länder haben engagiert gezielte Maßnahmen und lokale Projekte zur Verbesserung der Primärprävention von nichtübertragbaren Krankheiten durchgeführt, wobei u. a. die Förderung des Nichtrauchens, die Ernährung und die Prävention und Bekämpfung des Bluthochdrucks zu den Prioritätsgebieten gehörten, ln einigen Ländern wurde das Programm auf neue Landesteile oder sogar auf das gesamte Land ausgeweitet. Etliche Länder haben nationale Strategien zur Prävention und B e­ kämpfung von nichtübertragbaren Krankheiten entwickelt. 44. Ein integrierter Ansatz zur Gesundheitsforderung und zur Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten wurde im Rahmen des CINDI-Programms erfolgreich getestet, ln mehreren Ländern durch­ geführte Untersuchungen der Ergebnisse von Interventionen und der Trends bei den Risikofaktoren ver­ deutlichten die mehr oder minder großen Erfolge. Die beeindruckendsten Verbesserungen konnten in Finnland erzielt werden, wo die Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit (KH K) während eines Zeit­ raums von 25 Jahren um 72% zurückgegangen war (Abb. 4). Abb. 4: Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit in Finnland insgesamt sowie in der Provinz Nordkarelien 1969-1995 (Männer der Altersgruppe 35-64 Jahre) Jahr 45. Ein erstes internationales „CINDl-W interseminar“ wurde zum Zweck des Austauschs der im Zuge des CINDI-Programms gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen organisiert. Zur Verbesserung der Hypertoniebekämpfung im Gemeinderahmen wurde ein Gemeinschaftsprojekt des CINDI/EuroPharm- Forums über Bluthochdruckmanagement unter Einbeziehung der Apotheker aufgenommen. EUR/RC48/2 Seite 13 46. Das Konsensdokument von Heisingborg über Schlaganfallmanagement wurde in mehrere Sprachen übersetzt und eine Koordinationsgruppe wurde unter Führung des Regionalbüros und des Europarats hin­ sichtlich der Umsetzung der Erklärung von Heisingborg eingesetzt. Maßnahmen zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei Schlaganfallpatienten wurden aufgezeigt und Netzwerke einschlägiger G e­ sundheitsexperten in den Mitgliedstaaten wurden etabliert; außerdem konnten Partnerschaften zwischen Schlaganfallpatienten und einschlägigen Gesundheitsexperten intensiviert werden. 47. Weitere Maßnahmen zur Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten beinhalteten Tätigkeiten zur gezielten Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention in der Primärversorgung (z. B. durch Ein­ satz der Telematik) und zur Überwachung und Evaluierung der Trends und Interventionen in bezug auf Herz-Kreislaufkrankheiten. Unfälle, Katastrophen und bewaffnete Konflikte 48. Das Regionalbüro erhielt wiederum beträchtliche Sonderbeiträge zur Soforthilfe und humanitären Hilfe als Reaktion auf die verheerenden Auswirkungen von vielfältigen katastrophalen Ereignissen (u. a. Bürgerunruhen und bewaffnete Konflikte) auf die Gesundheit der Bevölkerung in Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Georgien, Kroatien, der Russischen Föderation (Tschetschenien) und Tadschikistan. Dank ihrer Präsenz in den betroffenen Ländern konnte die WHO die internationale gesundheitsbezogene Hilfe koordinieren, die sich im wesentlichen auf die Lieferung von medizinischem Material, unentbehrlichen Arzneimitteln und (von der WHO entwickelte) Nothilfe-Kits, auf die Durch­ führung von Public-Health-Programmen, Gesundheits- und Ernährungs-Monitoring, Rehabilitation, Ent­ wicklung von Gesundheitskonzepten und auf den Wiederaufbau der Gesundheitsdienste konzentrierte, ln allen Ländern wurden umfassende Programme zur Kompetenzbildung durchgefiihrt, mit Bildungsmaß­ nahmen für Fachkräfte des Gesundheitswesens, Labormitarbeiter und Hygieneingenieure u. a. in den B e­ reichen Diagnose und Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten, psychische Gesundheit, Rehabilitati­ on sowie Wasserversorgung und Wasserhygiene. Unter Herausstellung der großen Bedeutung der G e­ sundheit im Friedens- und Wiedervereinigungsprozeß konnte die WHO erfolgreich unter Mitarbeitern des Gesundheitswesens übergreifende Kontakte (sowohl in bezug auf ethnische Gruppen als auch au f Länder) knüpfen; diese Bemühungen werden in den kommenden Jahren verstärkt fortgeführt. 49. Die bürointemen Leitlinien zur Katastrophenvorsorge wurden laufend aktualisiert, um Verfah­ rensänderungen Rechnung zu tragen und um neue technische Orientierungshilfen, beispielsweise über Cholera und über Säuglingsernährung in Notsituationen, zu berücksichtigen. Diese Leitlinien wurden in der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD ) organisierten rNEX-2-FIN-Nuklearunfall-Übung getestet, bei der ein Unfall in einem Kernkraftwerk in Südfinnland simuliert wurde. Die WHO war ein „Mitspieler“ bei dieser Übung und stellte ihre potentielle Beraterrolle in bezug auf Aspekte der öffentlichen Gesundheit bei nuklearen Katastrophenfällen unter Bew eis. Dar­ über hinaus hat das Regionalbüro für Europa eng mit dem WHO-Hauptbüro hinsichtlich der Herausgabe eines praktischen Handbuchs zur Aktualisierung des WHO-Handbuchs für Katastrophenfalle zusammen­ gearbeitet. L ebensw eisen und Gesundheit (regionale GFA-Zie l e 13-17) 50. Die GFA -Ziele 13-17 betreffen die zur Förderung der Gesundheit erforderlichen Maßnahmen. Mit diesen Zielen werden Initiativen vorgeschlagen, die eine gesündere Ernährung, mehr körperliches Trai­ ning, eine Verringerung des Konsums von Alkohol, Tabak und den Verzicht auf illegale Drogen aktiv fordern. Die GFA-Politik versucht, gesunde Lebensweisen als eine realistische und attraktive Alternative zu fordern, gestützt auf das Prinzip, die Wahl der gesunden Lebensweise zur einfacheren Alternative zu machen. Es wird zunehmend anerkannt, daß Gesundheitsforderung entscheidend von der Art und Weise beeinflußt wird, in welcher die Gesellschaft die W irtschaft fördert, den Arbeitsmarkt regelt, Bildungs­ möglichkeiten anbietet, ihre Mitglieder in Zeiten wirtschaftlicher und anderweitiger Schwierigkeiten un­ terstützt, Strategien zur Bekämpfung von Armut, Kriminalität und Drogengebrauch vorsieht und eine ge­ rechte und nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung fördert. EUR/RC48/2 Seite 14 Entwicklungen in der Region Gesundheitsfördernde Gesamtpolitik 51. Das Engagement der Mitgliedstaaten zugunsten einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik ist ganz unterschiedlich, ln vielen Ländern wird man sich zunehmend der Tatsache bewußt, daß der Gesund­ heitssektor allein nicht in der Lage ist, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern und zu erhalten. Dieses Problembewußtsein geht indessen nicht mit systematischen Initiativen einher, gesetzgeberische, finan­ zielle, organisatorische Management- und Bildungsmaßnahmen auf ihr Potential, die Gesundheit zu ver­ bessern, zu untersuchen. Häufig stehen indessen soziale und politische Schwierigkeiten in den Ländern einer Förderung der Gesundheit und gesunden Lebensweise entgegen. Drastische Kürzungen der Sozial­ leistungen, der eingeschränkte Rahmen der Sozialpolitik, wirtschaftliche Zwänge und fiskalische Eingrif­ fe gefährden u. U. in vielen Mitgliedstaaten, sowohl in Westeuropa als auch in Osteuropa, zudem den Fortschritt. Eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik bleibt nach wie vor eines der am schwierigsten zu erreichenden GFA-Ziele. 52. Dennoch gibt es auch einige positive Anzeichen. Zunehmend wird die Notwendigkeit anerkannt, eine Gesundheitsförderungsstrategie zu entwickeln, die mit den in der Ottawa-Charta für Gesundheitsför­ derung herausgestellten und in die europäische GFA-Politik eingeflossenen Grundideen und Prinzipien in Einklang steht. Das Interesse an Settings, die auf Gesundheitsförderungsprogrammen und -konzepten ba­ sieren, wächst, und es wird in dieser Hinsicht mehr getan. Viele Länder investieren in eine sektorüber- greifende Zusammenarbeit zwischen dem Bildungs- und dem Gesundheitssektor mit dem Ziel, „gesund­ heitsfördernde Schulen“ zu schaffen, und auch am Arbeitsplatz und in Gesundheitsversorgungs-Settings nehmen die Initiativen zu. Von Gremien außerhalb des Gesundheitssektors - beispielsweise Gewerk­ schaften, Bildungseinrichtungen, gemeinnützigen Organisationen, Unternehmen sowie Selbsthilfe- und Verbraucherorganisationen - gehen in zunehmendem Maß Initiativen zur Gesundheitsförderung aus. Rauchen, Trinken und Drogenkonsum 53. Fünfzig Prozent aller regelmäßigen Raucher werden an den Folgen des Zigarettenkonsums ster­ ben - die Hälfte davon in einem mittleren Lebensalter (der aus volkswirtschaftlicher Sicht aktivsten Le­ bensperiode) und die andere Hälfte in einem fortgeschrittenen Alter. Die weit verbreitete Exposition ge­ genüber Tabakrauch (Passivrauchen) erhöht das Risiko von Lungenkrebs, koronarer Herzkrankheit, eines niedrigen Geburtsgewichts und plötzlichen Säuglingstods. Über 30% der Erwachsenen in der Region rau­ chen regelmäßig jeden Tag. 1,2 Millionen Todesfälle gehen auf das Konto des Zigarettenrauchens - mit einer durchschnittlich um 20 Jahre verkürzten Lebenserwartung. Im östlichen Teil der Region werden 20% aller Männer der Altersgruppe 35 Jahre vor Erreichen des 69. Lebensjahrs an einer mit dem Tabak­ konsum in Zusammenhang stehenden Krankheit sterben, das ist ein doppelt so hoher Prozentsatz wie im westlichen Teil der Region. Sofern nicht unverzüglich gehandelt wird, werden Zigaretten bis zum Jahr 2020 für 20% aller Todesfälle in der Region verantwortlich sein. Tabakprodukte kosten die W elt pro Jahr mindestens 200 Milliarden U S-$. Ein Viertel aller weltweit exportierten Zigaretten sind Schmuggelware. Die Konsequenzen des in den U SA vorgeschlagenen Vergleichs mit der Tabakindustrie sind in der ge­ samten Region heftig diskutiert worden, und gegen Tabakhersteller wurden inzwischen auch in der Euro­ päischen Region - vor allem in Finnland, Italien und im Vereinigten Königreich - gerichtliche Schritte unternommen. Die internationale Tabakindustrie hat im östlichen Teil der Region ihre aggressiven M ar­ ketingmethoden fortgesetzt und sich speziell in Zentralasien rücksichtslos auf dem Gebiet der Herstellung von Tabakprodukten engagiert. Im Dezember 1997 stimmten die EU-Gesundheitsminister für einen V or­ schlag zum totalen Verbot von Tabakwerbung und Sponsoring von Tabakprodukten, mit einer Über­ gangsfrist von sieben Jahren. Das Europäische Forum der nationalen Ärzteverbände und der WHO setzte sich erfolgreich für rauchfreie Flüge in Europa ein. Immer mehr in Europa stationierte Fluggesellschaften untersagen das Rauchen auf ihren Flügen. Obwohl in vielen Ländern im westlichen Teil der Region der Anteil der Raucher unter Erwachsenen weiter zurückgegangen ist, scheint in jüngster Zeit das Rauchen bei Teenagern und jungen Menschen wieder beliebter zu werden. 54. Alkoholerzeugnisse sind für rund 9% der gesamten Krankheitskosten in der Region verantwortlich. Alkoholkonsum erhöht nicht nur das Risiko für Leberzirrhose, bestimmte Krebsarten (u. a. Brustkrebs bei Frauen), Bluthochdruck, Schlaganfall und kongenitale Mißbildungen, sondern führt auch zu familiären, EUR/RC48/2 Seite 15 beruflichen und sozialen Problemen wie Alkoholabhängigkeit, Unfälle (u. a. Brände), Tätlichkeiten, Kri­ minalität, Verletzungen, Gewalt, Totschlagsdelikte und Selbstmord, Straßenverkehrs- und Transportun­ fälle, gelegentlich mit erheblichem Schaden für die Umwelt. Zwischen 40% und 60% aller Todesfälle infolge von Verletzungen jeder Art gehen auf das Konto des Alkohols. Alkoholbedingte Schäden sind besonders hoch im östlichen Teil der Region und vielfach verantwortlich für den Anstieg der Herz- Kreislauf-Mortalität und die geringere Lebenserwartung. In 90% der Länder der Region liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch bei mehr als 2 Litern absoluten Alkohols (das ist der anhand von Erfahrungswerten vorgeschlagene untere Grenzwert für das Mortalitätsrisiko in der Bevölkerung). Die volkswirtschaftlichen Kosten des Alkohols (d. h. direkte Kosten und Kosten durch Produktivitätsverlust) werden auf zwischen 2% und 5% des Bruttosozialprodukts (B S P ) geschätzt. Im westlichen Teil der Region ist der Alkoholkon­ sum unter Erwachsenen weiterhin rückläufig, und allgemein wurden alkoholpolitische Maßnahmen ver­ stärkt. Es liegen einige Anzeichen für die Zunahme des Alkoholkonsums unter Teenagern und jungen Erwachsenen vor. Im östlichen Teil der Region ist der Alkoholkonsum gestiegen, und man bemüht sich nunmehr um wirkungsvolle Anti-Alkoholkonzepte. 55. Illegale Drogen umfassen ein breites Spektrum von Substanzen, die wegen ihres Schädigungspo­ tentials Gegenstand internationaler Übereinkommen geworden sind. Illegale Drogen erhöhen das Risiko von Vergiftungen, Abhängigkeit, Psychosen, Suizid, kriminellen Handlungen sowie generell von Todes­ fällen. Die Zahl der Anwender von harten Drogen in der Europäischen Region wird auf 1 ,5-2 Millionen geschätzt. 40% aller Aids-Fälle in der Europäischen Region sind auf intravenösen Drogengebrauch zu- rückzuflihren. In den meisten Ländern des östlichen Teils der Region ist die Zahl HIV-positiver Dro­ genanwender noch gering, nimmt jedoch in mehreren Ländern explosionsartig zu. Es ist wahrscheinlich, daß - zusätzlich zum anhaltenden Gebrauch von verschreibungspflichtigen Psychopharmaka - eine brei­ tere Palette von psychotropen Substanzen, darunter einige mit einem geringeren Gefahrdungspotential, au f dem Markt verfügbar wird. In der Region insgesamt hat sich die politische Reaktion insoweit geän­ dert, daß Maßnahmen zur Schadensminderung, insbesondere zur Verhütung der Weiterverbreitung von HIV-Infektionen, sowie intensivere Aktivitäten zur Reduzierung der Nachfrage nach illegalen Drogen im Vordergrund stehen. Ernährung 56. Die Wahl der Nahrungsmittel ist eine wichtige Determinante für Gesundheit. Falsche Ernährung ist ein Risikofaktor für verschiedene chronische Krankheiten, u. a. Herz-Kreislaufkrankheiten und Krebser­ krankungen (hauptsächlich Brust- und Darmkrebs). Fettsucht ist weit verbreitet, wahrscheinlich mit zu­ nehmender Tendenz, und gilt als eine der wichtigsten verhütbaren Ursachen für schlechte Gesundheit. In den Ländern des östlichen Teils der Region kommt Fettsucht allgemein häufiger vor als in den westeuro­ päischen Ländern. Ungefähr 2 0% des Risikos, an koronarer Herzkrankheit zu sterben, ist auf einen hohen Cholesterinspiegel zurückzuführen, und es gibt Anzeichen dafür, daß eine an gesättigten Fettsäuren und rotem Fleisch reiche Ernährung in Kombination mit einem geringen Verzehr von Obst und Gemüse zu schätzungsweise 30% der kardiovaskulären Krankheiten und Brust- und Darmkrebserkrankungen beiträgt (Abb. 5). Einiges deutet darauf hin, daß in Ländern im Norden der Region jetzt mehr Obst und Gemüse verzehrt wird, doch liegen die Werte noch weit unter der WHO-Empfehlung von 400 Gramm täglich (Aus­ nahme Kartoffeln). Die meisten Menschen in Europa müssen erheblich mehr Obst und Gemüse essen. EUR/RC48/2 Seite 16 Abb. 5: Länderspezifische Verfügbarkeit von Obst und Gemüse sowie vorzeitige Mortalität infolge von Herz-Kreislaufkrankheiten, 1993 Quelle: WHO, GFA-Datei und FAO-statistische Datenbank 57. Eine andere häufige Ursache für schlechte Gesundheit ist der Mangel an Spurenelementen. In eini­ gen Ländern im östlichen Teil der Region kommen Wachstumsstörungen bei Kindern 8-10m al häufiger vor als gemeinhin in Westeuropa. Dieses Häufung von Wachstumsstörungen deutet daraufhin, daß viele Kinder nicht die für ein gesundes Heranwachsen erforderlichen Nährstoffe, speziell Spurenelemente, zu sich nehmen und bestätigt, daß die Umweltbedingungen und sozioökonomischen Voraussetzungen im östlichen Teil der Region schlechter als in Westeuropa sind. In vielen Ländern der Region ist Jodman­ gel - eine wichtige Ursache für verhütbare geistige Unterentwicklung - immer noch ein Problem. 58. Ein zunehmender Anteil der Bevölkerung Europas lebt in relativer oder absoluter Armut. Armut wirkt sich maßgeblich auf die Ernährungsgewohnheiten und auf die damit zusammenhängenden Krank­ heitsmuster aus. Insbesondere in der Stadt haben die Armen - vor allem alte Menschen und Arbeitslose - kaum die Möglichkeit, sich ausgewogen und angemessen zu ernähren. Arbeitslosigkeit und Alter sind mit einem höheren Maß an chronischen Erkrankungen verbunden und mit geringerem Einkommen kann auch die Ernährung einseitiger werden, wenn die Betroffenen z. B. nicht mehr ihre Nahrungsmittel selbst an­ bauen können. Körperliche Betätigung 59. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, daß regelmäßige körperliche Ertüchtigung großen Einfluß auf die Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit und auf das Wohlbefinden hat. Ausreichende gesundheitsforderliche körperliche Betätigung ist wirkungsvoll, möglich, akzeptabel und sicher. Dennoch gibt es in der Europäischen Region kaum Länder, die sich für den Grad der körperlichen Fitness ihrer B e­ völkerung interessieren, ln den meisten Ländern der Region besteht angesichts des Trends zu einer ver­ mehrt sitzenden Lebensweise das Risiko, daß Bewegungsarmut ein immer häufigeres Problem wird. In einigen Ländern ist der Mangel an körperlicher Betätigung so ausgeprägt, daß große Teile der Bevölke­ rung bei einer hinreichend ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährung übergewichtig werden. Deshalb muß unbedingt für mehr körperliche Fitness gesorgt werden. Dadurch könnte wahrscheinlich das Krank­ heitsrisiko in vergleichbarem Ausmaß reduziert werden, wie durch die Bekämpfung anderer allgemeiner Risikofaktoren, beispielsweise Rauchen oder fettreiche Ernährung. EUR/RC48/2 Seite 17 Reaktion der WHO Investitionen fü r Gesundheit 60. Eine wichtige Leistung im vergangenen Rechnungszeitraum war die Schaffung des Europäischen Komitees zur Entwicklung in der Gesundheitsförderung ECHPD). Dieses Gremium bietet sachkundigen Rat zu länderspezifischen Konzepten und Strukturen für die Gesundheitsförderung. In diesem wichtigen Tätigkeitsbereich stehen den Mitgliedstaaten jetzt neue fachliche Dienste zur Verfügung. Dazu gehören Audits betreffend Gesundheitsförderungspotential in Mitgliedstaaten und Investitionen in Gesundheit. Die Methodik für diesen Dienst wurde vom Regionalbüro entwickelt und erfolgreiche Audits sind bereits in zwei Ländern (Slowenien und Ungarn) durchgeführt worden, jew eils auf Ersuchen des nationalen Par­ laments. Zu weiteren Diensten gehören Demonstrationsprojekte betreffend Investitionen in Gesundheit und die Entwicklung von einschlägigen Publikationen und Orientierungshilfen. Um eine europaweite De­ batte über gesundheitsrelevante Investitionen zu erleichtern, wurden im Zuge der „Initiative von V ero­ na“ - deren Ziel ist, ein innovatives Diskussionsforum zum Thema „Investition in Gesundheit“ in den letzten drei Jahren dieses Jahrhunderts zu bieten - Partnerschaften mit politischen Entscheidungsträgern auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene entwickelt. Settings 61. Das „Gesunde Städte“-Netzwerk hat sich als ein wertvolles Instrument zur Förderung von Innova­ tionen und der Bereitschaft zu Veränderungen erwiesen. Durch die Programme und Aktionen der Projekt­ städte, der MCAP-Städte (Multi-City Action Plan) und nationalen Netze haben sich Städte politisch für die Entwicklung und Umsetzung von umfassenden Konzepten und Plänen auf der Grundlage der GFA engagiert. Verschiedene Projektstädte haben stadtspezifische Gesundheitspläne erstellt, die sich auf sek- torübergreifende Aktionen und die Einbeziehung der Bevölkerung stützen. Außerdem haben mehr als 80% der W HO-Projektstädte bereits Profile über den Gesundheitszustand und Determinanten in der be­ treffenden Stadt vorgelegt. Projektstädte und Netzstädte auf nationaler Ebene haben eine Fülle von Pro­ grammen und Aktionsplänen zu spezifischen Themen der Bereiche Lebensweise, Umwelt und gemein­ denahe Gesundheitsversorgung produziert. 62. Das Europäische Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen (ENHPS) hat einen signifikanten B ei­ trag für die Mitgliedstaaten geleistet, indem es zahlreiche Dokumente, Hintergrundinformationen, Schu­ lungsworkshops für Ausbilder sowie Bildungsforschungsmaterial zum Gebrauch auf Länderebene erar­ beitet hat. Dieses Netz ist ein gutes Beispiel für einen gelungenen integrierten Ansatz in bezug auf die Gesundheit von Heranwachsenden. Das Projekt hat sich ausgesprochen gut entwickelt und dient weiterhin als Modell für die sektorübergreifende Arbeit und Zusammenarbeit mit europäischen zwischenstaatlichen Organisationen. 38 Länder sind jetzt an diesem Netzwerk beteiligt, das inzwischen aus mehr als 500 Schulen mit 400 000 Schülern besteht. Außerdem sind 2000 Schulen durch nationale und subnatio­ nale Regelungen mit dem ENHPS-Netzwerk verbunden. A uf der ersten ENHPS-Konferenz im Mai 1997 in Thessaloniki wurde eine inspirierende Resolution zum Recht von Kindern und jungen Menschen, in einer gesundheitsfördernden Schule zu lernen, verabschiedet. 63. Während des Berichtszeitraums wurde der vierte Zyklus der Erhebung über das Gesundheitsverhalten von Schulkindern fertiggestellt und ein internationaler Bericht (The health o f youth) wurde veröffentlicht, der eine Fülle von Informationen über das Gesundheitsverhalten von jungen Menschen in 25 Ländern ent­ hält. 64. Das jüngste vom Regionalbüro gegründete Netzwerk betrifft „Gesundheit in Haftanstalten“ und es hat sich während des Berichtszeitraums rasch ausgeweitet. Dieses Verbundprojekt zeigt Wirkung in be­ zug auf konzeptuelle Veränderungen und auf die Gesundheitsförderung unter Inhaftierten. Im Dezember 1997 fand in Warschau eine Tagung statt, die sich mit dem dramatischen Anstieg von HIV- und Tuber- kulose-Infektionen in den Gefängnissen vieler Ländern, die als wichtige Infektionsquelle für die gesamte Bevölkerung angesehen werden müssen, befaßte. EUR/RC48/2 Seite 18 Ernährung 65. Alle WHO-Mitgliedstaaten hatten 1992 auf der internationalen Emährungskonferenz die W elter­ klärung und den Aktionsplan für Ernährung unterstützt, und die WHO arrangierte 1996 eine Follow-up- Beratungstagung. Aus den auf dieser Beratungstagung vorgelegten Länderberichten ging hervor, daß der­ zeit 33 Mitgliedstaaten ernährungspolitische Konzepte erarbeiten (Tabelle 3). Als Gemeinschaftsvorha­ ben mit dem CINDI-Projekt erarbeitet das für das Emährungsprogramm zuständige Referat Emährungs- leitlinien, die den Mitgliedstaaten als Orientierungshilfe für die Gestaltung eigener nationaler und subna­ tionaler Leitlinien dienen sollen. Außerdem wird gegenwärtig ein auf Städte bezogener Aktionsplan zur Ernährung entwickelt; mit Hilfe des neuen WHO/EURO-Zentrums für „Gesundheit in Städten“ soll die­ ser Aktionsplan im Juni 1998 auf der „Gesunde Städte“-Konferenz in Athen lanciert werden. Tabelle 3: Ernährungspolitik und -plane in WHO-Mitgliedstaaten in der Europäischen Region (Daten aus 35 Länderberichten) Aktionsplan zur grundsätzlichen Orientierung Zahl der Länder Entwicklung einer Emährungspolitik 33 Verbesserung der Lebensmittelsicherheit 18 Maßnahmen zur gesicherten Lebensmittelversorgung und —qualität 25 Förderung des Stillens 22 Maßnahmen für Unterprivilegierte und Risikogrupen 24 Nährstoffmangel (Spurenelemente) 24 Bedarfsgerechte Ernährung und Lebensweisen 33 Beurteilung der Ernährungssituation 31 Rauchen, Trinken und Drogenkonsum 66. A uf seiner 47. Tagung im Jahr 1997 verabschiedete das Regionalkomitee eine Resolution (EUR/RC47/R8), mit der der Dritte Aktionsplan für ein tabakfreies Europa unterstützt und die Schaffung eines Ausschusses für ein tabakfreies Europa vorgeschlagen wurde. Im Verlauf des Jahres erfolgten sechs Missionen in Länder im östlichen Teil der Region, um über die Tabakpolitik zu diskutieren und um Workshops zur fachlichen Fortbildung auszurichten; in der Russischen Föderation und in der Ukraine fanden nationale Tabakpolitik-Konferenzen statt. Diese Aktivitäten wurden in enger Partnerschaft mit dem „Tobacco or Health“-Programm des WHO-Hauptbüros und der Weltbank durchgeführt und teilweise mit Mitteln von Health Canada finanziert, ln mehreren Ländern werden derzeit sektorübergreifende K o­ ordinierungsausschüsse zur Entwicklung und Umsetzung von nationalen Anti-Tabak-Aktionsplänen ge­ bildet. Das Regionalbüro hat sich aktiv für die Einführung eines totalen Verbots der Tabakwerbung und des Sponsoring von Tabakprodukten in den EU-Ländern eingesetzt, das dann Ende 1997 von den G e­ sundheitsministern beschlossen wurde. 67. Im Anschluß an die Konferenz „Gesundheit, Gesellschaft und Alkohol“ (Paris, 1995) wurden in großem Rahmen Fachinformationen verbreitet und ein starkes Netzwerk von Kontaktstellen für den euro­ päischen Alkohol-Aktionsplan in allen Ländern der Region hat die europäische Alkohol-Charta wir­ kungsvoll gefordert. Die Kooperation zwischen dem Regionalbüro und der Generaldirektion V der Euro­ päischen Kommission wurde intensiviert, u. a. durch Gemeinschaftsvorhaben betreffend Alkohol und G e­ sundheit, Nachweise für die Effektivität einer Alkoholpolitik sowie in bezug auf alkoholgeschädigte Fa­ milien. 68. Das Netzwerk „Regionen für Gesundheit“ (RHN), das Projekt „Gesundheit in Städten“, das Netz­ werk Gesundheitsfördernder Schulen sowie gemeindezentrierte Verbundprojekte wurden in bezug auf re­ gionale, kommunale und ortsspezifische Vorhaben zur Prävention von Alkohol-, Drogen- und Tabakschä­ den intensiv unterstützt. Im östlichen Teil der Region wurden Programme zur Fortbildung der Ausbilder von EUR/RC48/2 Seite 19 Mitarbeitern der primären Gesundheitsversorgung (Schwerpunktthema: Lebensberatung über Alkohol und Tabak) fortgesetzt. Sektorübergreifende Maßnahmen gegen Tabak, Ukraine Es wird geschätzt, daß 18% der gesamten Todesfälle in der Ukraine auf das Konto des Zigarettenrau­ chens gehen. In der Gruppe der Männer mittleren Alters - eines volkswirtschaftlich aktiven Teils der Bevölkerung - beträgt dieser Anteil 43%. Angesichts der medizinischen Kosten, der Produktivitätsver­ luste durch Krankheit, der Kosten durch Sachbeschädigung und der Einkommensverluste aufgrund frühzeitigen Tods stellt Tabak eine signifikante Belastung der Volkswirtschaft dar. Weitere signifikante volkswirtschaftliche Verluste durch Steuerhinterziehung bei geschmuggelten Tabakprodukten kommen hinzu. Auf Einladung des Gesundheitsministeriums besuchte eine WHO-Mission im Zuge des „Tobacco or health“-Programms, mit Unterstützung von Health Canada und der internationalen Krebsvereinigung (IUAC) Ende Oktober 1996 die Ukraine. Diese Mission empfahl u. a. die Schaffung eines sektor- übergreifenden nationalen Koordinierungsausschusses zur Entwicklung eines nationalen Tabak­ Aktionsplans. 1997 wurde auf Initiative des Gesundheitsministeriums der Ukraine und mit Unterstützung von 17 Mini­ sterien und öffentlichen Organisationen ein Entwurf des nationalen Tabakbekämpfungsprogramms vorbereitet und anschließend auf einer nationalen Anti-Tabak-Konferenz gebilligt. Im Anschluß an die­ se Konferenz wurde durch Dekret des Ministerkabinetts der Ukraine ein intersektoraler Koordinie­ rungsausschuß unter der Leitung des Gesundheitsministeriums und Beteiligung von Vertretern der Mi­ nisterien für Finanzen, Bildung, Verteidigung und Inneres sowie unter Beteiligung von nichtstaatlichen Organisationen geschaffen. Dieser Ausschuß erarbeitet jetzt Vorschläge für eine Erhöhung der Tabak­ steuer (wobei die daraus resultierenden Einnahmen zweckgebunden für Anti-Tabak-Maßnahmen ver­ wendet werden sollen), Zugangsbeschränkungen zu Tabakprodukten für Personen unter 18 Jahren sowie ein totales Verbot der Tabakwerbung. Seit April 1997 wurden alle Gesundheitseinrichtungen zu rauchfreien Zonen erklärt. Gesunde Um w elt (regionale GFA-Zie l e 18-25) 69. Die GFA-Ziele 18-25 betreffen den gesundheitsrelevanten Beitrag des Umweltsektors, auf der Grundlage der Strategien der europäischen Charta Umwelt und Gesundheit. Sie verknüpfen umweltpoliti­ sche Konzepte, die zu einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung führen, die Prävention und Bekämp­ fung von Risiken sowie die Sicherstellung eines gerechten Zugangs zu einer gesunden Umwelt. Bezweckt wird, der Bevölkerung die M öglichkeit zu bieten, in Gemeinschaften mit einer aus sozialer und physikali­ scher Sicht unterstützenden Umwelt zu leben. Entwicklungen in der Region Sozioökonomische Entwicklungen 70. A uf der Zweiten Europakonferenz Umwelt und Gesundheit (Helsinki, Juni 1994) verpflichteten die Gesundheits- und Umweltminister ihre jew eiligen Länder, nationale Aktionspläne für Umwelt und Ge­ sundheit (NEHAPs) zu entwickeln, die Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt explizit mit der Ge­ sundheit der Bevölkerung verknüpfen. B is Dezember 1997 hatten 40 Länder bereits eigene NEHAPs fer­ tiggestellt oder waren dabei, solche Aktionspläne aufzustellen. Im Oktober 1996 wurde auf der in Dubro­ vnik veranstalteten zweiten Konsultation hoher Regierungsvertreter über die Entwicklung von nationalen Aktionsplänen für Umwelt und Gesundheit bekräftigt, daß die NEHAPs als ein kohärenter, umfassender und kostenwirksamer Katalog von Maßnahmen zu sehen sind, die in Partnerschaft zwischen dem Um­ welt- und Gesundheitssektor und ggf. auch anderen Sektoren sowie unter Einbeziehung der Öffentlichkeit durchgeführt werden müssen. Die NEHAPs gelten als ein wichtiger Schritt in Richtung auf die Errei­ chung der GFA-Ziele und Verwirklichung der Agenda 21, des UN-Aktionsprogramms für nachhaltige Entwicklung. EUR/RC48/2 Seite 20 71. Die Erklärung von Helsinki über Maßnahmen für Umwelt und Gesundheit in Europa hat die Not­ wendigkeit eines wirkungsvollen Umwelt- und Gesundheitsmanagements auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene erneut bekräftigt und einige Länder haben ihre Tätigkeiten bereits in diese Richtung neu orientiert. Dieser Ansatz sollte durch Umsetzung geeigneter Projekte auf der lokalen Ebene weiter ge­ stärkt werden, was demonstrieren würde, daß intersektorale Teamarbeit für die Gesundheit der örtlichen Bevölkerung weitaus nutzbringender ist als isolierte, vertikal angelegte Programme und Projekte. Die Er­ gebnisse solcher Projekte können allerdings erst nach mehreren Jahren konsequenter Bemühungen sicht­ bar werden. Ein langzeitiges Engagement der Länder für die nachhaltige Entwicklung und für die Verbes­ serung der Gesundheit der Bevölkerung wird deshalb über den Erfolg der gewählten Politik entscheiden. Auswirkung von Umweltentwicklungen auf die Gesundheit 72. Der Prozentsatz der Bevölkerung, der im eigenen Haushalt an die Trinkwasserversorgung ange­ schlossen ist, schwankt in der Region erheblich: zwischen 70 und 100% in EU-Ländern, 9 5 -1 0 0 % in den nordischen Ländern, weniger als 50% (vor allem in ländlichen Gegenden) in den M OE- und G U S- Ländern. Nach wie vor ist das Trinkwasser vielerorts verseucht. Die Kontamination ist in einigen Gebie­ ten ganz erheblich, wie die jüngsten Ausbrüche von durch Wasser verursachten Krankheiten gezeigt ha­ ben. Bedauerlicherweise haben erst wenige Länder geeignete und effiziente Systeme zur Abwasserent­ sorgung und -behandlung geschaffen. Dies ist für die Krankheitsprävention bedeutsam, besonders dort, wo die Vorräte an reinem Wasser bereits knapp sind bzw. zu Beginn des nächsten Jahrhunderts knapp werden. Zudem kann eine bessere Abwasserentsorgung und -behandlung die Wassergüte grenzüber­ schreitender Flüsse, Seen und Meere verbessern - somit handelt es sich hier um ein Anliegen von inter­ nationaler Aktualität. 73. V iele Länder in Westeuropa konnten ihr Wassermanagement verbessern. Einige Länder in Südeu­ ropa sowie einige MOE-Länder und baltische Staaten sind ebenfalls etwas vorangekommen. Demgegen­ über sind in den meisten der übrigen Länder in der Region nur geringe oder überhaupt keine Fortschritte gemacht worden - sofern sich die Situation nicht sogar verschlechtert hat. Verschiedene Länder und G e­ meinden haben durch Entwicklung technischer, finanziell tragfähiger Programme entsprechend den jew eili­ gen örtlichen Möglichkeiten und Gegebenheiten ihre Abfallsammlung, -behandlung und -beseitigung ver­ bessert. Ein besonders wichtiges Element ist hier die Ausbildung von Hygieneingenieuren, Abfallexperten und Schulung von Facharbeitern. Parallel dazu haben die Länder einschlägige Gesetze und Regelungen vorgesehen. 74. Im allgemeinen wurden in allen Teilen der Region, vor allem in Westeuropa, Fortschritte hinsicht­ lich der Eindämmung der Luftverschmutzung durch Schwebstäube und Schwefeldioxid aus Punktquellen gemacht. Trotzdem hat der rasch zugenommene Straßenverkehr in den meisten Teilen der Region die Luftverschmutzung durch mobile Quellen, die Stickoxide und Schwebstaub ausstoßen (Abgase von Die- sel- und Benzinfahrzeugen), verschlimmert. Ein besonderes Gesundheitsproblem in städtischen Ballungs­ gebieten sind Schwebstaubemissionen wegen des Gebrauchs von Diesel und Benzin in der Schwerindu­ strie und für Kraftfahrzeuge. Insgesamt gesehen lebt rund ein Drittel der Bevölkerung der Region in Bal­ lungsgebieten, in denen die Luftverschmutzung noch immer die in den WHO-Luftgüteleitlinien festge­ legten Werte überschreitet. Die meisten dieser Gebiete befinden sich in den M O E- und GUS-Ländern. 75. Erhebungen haben gezeigt, daß in mehreren Ländern die durch Nahrungsmittel verursachten Krankheiten in den letzten Jahren zugenommen haben, wenn auch einige andere Mitgliedstaaten kon­ stante oder sogar rückläufige Fallzahlen gemeldet haben. Salmonellosen sind noch immer die wichtigste auf Nahrungsmittel zurückzuführende Krankheitsursache, wobei in 50 bis 90% der Fälle Salmonella ente- ritidis als Erreger festgestellt wird. In einer Reihe von Ländern werden jetzt die häufigsten Magen-Darm- Infektionen durch Campylobacteriosis verursacht. Die Kosten der auf Nahrungsmittel zurückzuführenden Krankheiten sind aus menschlicher wie auch aus sozialer Sicht hoch, das gilt insbesondere für sehr junge und alte Personen. Im übrigen haben sich neue mit Nahrungsmitteln im Zusammenhang stehende Krank­ heiten, wie beispielsweise die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, zu einem besorgniserre­ genden Problem für die öffentliche Gesundheit entwickelt. EUR/RC48/2 Seite 21 Gesundheit am Arbeitsplatz 76. Noch immer 10-30% der Arbeitnehmer in hochindustrialisierten Ländern und bis zu 50% der Ar­ beitnehmer in den übrigen, weniger industrialisierten Ländern (im Durchschnitt 16% aller Berufstätigen) leisten Schwerarbeit und überanstrengen ihr M uskel-Skelett-System am Arbeitsplatz. Über 25% der Indu­ striearbeiter und 33% der in der Landwirtschaft tätigen Personen in EU-Ländern verrichten, Berichten zufolge, ihre Tätigkeit unter schlechten ergonomischen Bedingungen. Die volkswirtschaftlichen Verluste durch Arbeitsunfälle und berufsbedingte Verletzungen werden in einigen europäischen Ländern mit 3 -5 % des Bruttosozialprodukts (B SP ) veranschlagt. Schätzungen für einige skandinavische Länder zufolge können diese Verluste sich sogar auf 10-15% des B SP beziffern, wenn man auch vorzeitige Arbeitsunfä­ higkeit und Mortalität unter Angestellten anderer Fachberufe mit berücksichtigt. Die Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit und Gesundheitseinbußen sowie für den Verlust von produktiven Lebensjahren sind Herz-Kreislaufkrankheiten, Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des M uskel-Skelett-System s, Krebs und bestimmte psychische Störungen. Obwohl diese Krankheiten ebenso mit einer ungesunden Lebensweise Zusammenhängen, kann Gesundheitsforderung am Arbeitsplatz hier einen wichtigen Beitrag zur Verringerung dieser Krankheiten leisten. Allerdings haben bisher erst zu wenig Unternehmen gesund­ heitsfördernde Maßnahmen als Bestandteil ihrer Programme für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz vorgesehen. Reaktion der WHO 77. Alle Programmleiter und Büros bzw. Referate der Abteilung Umwelt und Gesundheit (in Kopen­ hagen, Rom, Bilthoven und Nancy) befassen sich gemeinsam mit den Vorarbeiten für die Dritte Europa­ konferenz Umwelt und Gesundheit, die 1999 in London stattfindet. Nach einer Befragung sämtlicher Mitgliedstaaten - die daraus resultierenden Schlußfolgerungen wurden vom Europäischen Ausschuß für Umwelt und Gesundheit (EEH C) gutgeheißen - werden jetz t sechs handlungsorientierte Hauptdokumente für die Konferenz vorbereitet. 78. In den Ländern werden laufend die nationalen NEHAPs umgesetzt; von den 27 M O E- und G U S- Ländem, denen technische Hilfe gewährt wurde, haben acht Länder ihre NEHAPs jetz t auf politischer Ebene verabschiedet und in 18 weiteren Ländern befinden sich die Aktionspläne in verschiedenen Ent­ wicklungsstadien. Diese „horizontalen“ Grundsatzprogramme wurden (und werden auch weiterhin) mit Hilfe eines integrierten Ansatzes entwickelt, bei dem die drei Büros des Europäischen Zentrums für Um­ welt und Gesundheit in Bilthoven, Nancy und Rom technischen Input zu „vertikalen“ Programmberei­ chen liefern, mit verschiedenen wichtigen Produkten: • Der Atlas of mortality in Europe: subnational patterns 1980/1981 and 1990/1991 wurde in der Serie der regionalen WHO-Veröffentlichungen, Europäische Schriftenreihe, Nr. 75 veröffent­ licht (s. Anhang 3). • Direkte Unterstützung wurde nationalen und lokalen Gremien in den Ländern hinsichtlich der Ausrichtung der Politik auf umweltbezogenen Gesundheitsschutz gegeben. A u f dem im Januar 1997 in Bilthoven organisierten Workshop wurde ein Vorschlag zur Etablierung einer Euro­ päischen Akademie für Umwelt und Gesundheit gemacht, der im März 1997 dem interregio­ nalen Phare-Programm der EU unterbreitet wurde. Der zweijährige Weiterbildungslehrgang für Umweltärzte wurde erfolgreich abgeschlossen. Zw ölf Dokumente über Trinkwasser, Ab­ fallmanagement und Gesundheit am Arbeitsplatz wurden erarbeitet. • Die turnusmäßige Revision der Leitlinien für Trinkwassergüte wurde fortgesetzt und Leithil­ fen zur Beurteilung der Qualität der Erholungsgewässer, Strände und des Trinkwassers wur­ den herausgegeben. Andere wichtige Tätigkeiten auf diesem Gebiet erstreckten sich u. a. auf die Umsetzung des Protokolls zum Schutz des Mittelmeers gegen Verschmutzung vom Lande aus (im Rahmen des Übereinkommens von Barcelona zum Schutz der Küstenregion des Mit­ telmeers), die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Aspekte des Monitoring und der B e­ wertung der Meeresverschmutzung sowie auf die Verhütung und Bekämpfung der M eeresver­ schmutzung. EUR/RC48/2 Seite 22 • Drei wichtige Berichte über die Luftgüte wurden herausgegeben. Sie betreffen die Bewertung der Exposition der Bevölkerung gegenüber den wichtigsten Luftschadstoffen, die Belastungen durch bestimmte Luftschadstoffe und die gesundheitlichen Auswirkungen wichtiger Schad­ stoffe in der Außenluft und in der Raumluft. • A uf den Gebieten Festmüll, Wasserwirtschaft und Stadtentwicklung wurden Tätigkeiten im Rahmen der Vorhaben zum langfristigen Ausbau von kommunalen Diensten durchgefuhrt. Kleine Fortschritte (z. B. sauberere Müllaufbewahrung und besseres Monitoring der Wasser­ qualität) sind bereits zu erkennen und spürbarere Verbesserungen werden sich wahrscheinlich auf mittlere und längere Sicht als Ergebnis der WHO-Unterstützung manifestieren. Es ist wichtig, praktisches Orientierungsmaterial zu entwickeln und Fortbildungsmaßnahmen auszu­ richten, um die auf unzulängliche Praktiken beim W asser- und Abfallmanagement zurückzu­ führenden Auswirkungen auf die Gesundheit zu reduzieren. • Gute Zusammenarbeit bestand mit dem Ostsee-Netzwerk arbeitsmedizinischer Institutionen in EU-Mitgliedsländern, M OE- und GUS-Ländern sowie Norwegen. Führende nationale Ein­ richtungen für Arbeitshygiene und Gesundheitsförderung aus M OE-, G U S- sowie westeuro­ päischen Ländern haben - mit Unterstützung der IAO und EU - Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz als eine wichtige Aufgabe betriebsärztlicher Dienste aktiv unterstützt. Dies hat zur Bildung von nationalen Netzen gesundheitsfördernder Unternehmen in der Tschechischen Republik und in Ungarn geführt. Beseitigung von verfallenen Medikamenten in Mostar Während des Krieges in Bosnien-Herzegowina haben etliche Unternehmen wie auch wohlmeinende Interessengruppen große Mengen von Arzneimitteln und medizinischem Material für das Land ge­ spendet. Vielfach kamen diese Spenden unangemeldet, nicht etikettiert und ohne irgendwelche Be­ gleitinformationen an. Allein in Mostar hatten sich in vier Lagerhäusern 200 Tonnen Arzneimittel, deren Verfalldatum überschritten war, angehäuft 1997 übernahmen das WHO-Projektbüro für Umwelt und Gesundheit (in Nancy) und die Organisation Pharmaciens sans fronti^res auf Ersuchen des Gesund­ heitsministeriums von Bosnien-Herzegowina und der EU-Verwaltung in Mostar die Aufgabe, diese Arz­ neimittel zu sortieren, nach ihrer chemischen Zusammensetzung zu gruppieren, neu zu verpacken, zu etikettieren und risikolos zu beseitigen, örtliches Personal wurde geschult, diese Arbeit sachgerecht durchzuführen und der Inhalt der sortierten Arzneimittel wurde genau registriert, um den internen Vor­ schriften für den Transport zu der neu errichteten Deponie außerhalb von Mostar zu entsprechen. Nach dieser erfolgreichen Beseitigung der verfallenen Arzneimittel in Mostar ersuchte das Büro für Sondermüll-Management in Zagreb (Kroatien) das Projektbüro in Nancy um technischen Beistand be­ züglich der Lagerung von rund 250 Tonnen verfallener Arzneimittel, die ursprünglich während des Krieges nach Bosnien-Herzegowina geliefert werden sollten und nun in Eisenbahnwaggons im Raum Split abgestellt waren. B e d a r f s g e r e c h t e V e r s o r g u n g ( r e g i o n a l e G F A -Z ie le 26-31) 79. Die GFA-Ziele 2 6 -3 1 betreffen die Dienste zur Prävention, Therapie und gesundheitlichen Versor­ gung. Der Schwerpunkt der gesundheitlichen Versorgung liegt auf der gemeindenahen Primärversorgung, unterstützt durch die sekundäre und tertiäre Versorgungsebene, die umfassend ist und bedarfsgerecht auf die gesundheitlichen Bedürfnisse eingeht. Zentrales Thema ist ein effizientes Management der personel­ len, finanziellen und materiellen Ressourcen, das den Anforderungen hinsichtlich der Qualität und K o­ stenwirksamkeit der Versorgung entspricht. Die Gesundheitsversorgungssysteme in Europa haben ihre Wurzeln in verschiedenen Traditionen und organisatorischen Modellen. Nichtsdestotrotz gab es in den 90er Jahren überall beträchtliche Reformbemühungen, um den sich ändernden wirtschaftlichen und ge­ sundheitlichen Voraussetzungen Rechnung zu tragen. EUR/RC48/2 Seite 23 Entwicklungen in der Region Gesundheitsversorgung im Umbruch 80. Die Gesamtausgaben für die Gesundheit, ausgedrückt als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts (B IP), sind in den einzelnen Ländern der Region ganz unterschiedlich. Entsprechend der jew eiligen Fi­ nanzierungsmethode des Gesundheitssystems können sie in drei Gruppen aufgegliedert werden: ein hauptsächlich auf Steuern beruhendes System, ein überwiegend auf der Sozialversicherung basierendes Modell und ein durch zentral geplante Zuteilung staatlicher Haushaltsmittel charakterisiertes Modell. Ein wichtiges Anliegen der Länder, die gerade die Finanzierung ihres Gesundheitswesens reformieren, ist, ein Gleichgewicht zwischen dem Solidaritätsprinzip und dem Konkurrenzdruck unter Versicherern und Lei- stungsanbietem herzustellen. 81. Viele Länder haben ihren politischen Willen zur Reform der Gesundheitsversorgung erneut be­ kräftigt, um ihren Bürgern besseren Zugang zu Gesundheitsdiensten von hoher Qualität auf der Grundla­ ge der primären Gesundheitsversorgung zu geben. Die Charta von Ljubljana über die Reformierung der Gesundheitsversorgung hat die Prinzipien, an denen sich die Länder in diesem Prozeß orientieren können, niedergelegt, doch klafft noch immer eine breite Kluft zwischen Theorie und Praxis. Etliche Länder hat­ ten Schwierigkeiten, eine allgemein akzeptierte nationale Politik zur Gesundheitsversorgung zu formulie­ ren, die die Prinzipien der Charta verkörpert. Dennoch ist die Wirkung der Debatte über Reformen der Gesundheitsversorgung offenkundig. V iele europäische Länder haben mit einer Überprüfung ihrer Sy­ steme zur Gesundheitsversorgung begonnen. Insgesamt gesehen haben die Länder in Europa sich zwar entschieden, ihre bisherige allgemeine gesundheitspolitische Ausrichtung beizubehalten, nehmen jedoch wichtige evolutionäre Veränderungen vor. Die baltischen Staaten und verschiedene MOE-Länder sind vom Modell der zentral geplanten Gesundheitsversorgung zum System der Gesundheitsversicherung übergegangen. In den großen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, beispielsweise in der Russischen Föde­ ration und der Ukraine, hat sich die Gestaltung der offiziellen Konzepte zur Gesundheitsversorgung nach demselben Muster wie in den MOE-Ländern vollzogen, allerdings hat sich die Umsetzung in die Praxis als weit schwieriger erwiesen. Für die Patienten hat sich die Situation vom Schlechten zum Schlimmeren gewandelt. Diejenigen GUS-Republiken, die sich weiterhin auf das System der zentral geplanten Ge­ sundheitsversorgung mit einigen zusätzlichen Reformen gestützt hatten, sind damit besser gefahren. 82. In sämtlichen Ländern wurde der Reformprozeß durch den Kostenanstieg im Gesundheitswesen behindert. Die Überalterung der Bevölkerung (die eine stärkere Inanspruchnahme von Gesundheitslei­ stungen erfordert), das wachsende Angebot von neuen Therapien und Technologien sowie die zunehmen­ den Erwartungen der Öffentlichkeit haben den finanziellen Druck verstärkt. Die meisten Länder haben mit einem Katalog von Kostendämpfungsmaßnahmen reagiert, um die Kostenexplosion in den G riff zu bekommen. Die Suche nach Kosteneinsparungen und mehr Effizienz - speziell in den M OE- und G U S- Ländern - und die zwingende Notwendigkeit, mehr Mittel für die Gesundheitsversorgung zu erhalten, überschattet häufig die GFA-Prinzipien und GFA-W erte. 83. Der größte Druck, etwas zu ändern, hängt mit der Rolle des Privatsektors und mit der Einführung von marktwirtschaftlichen Praktiken im Gesundheitssektor zusammen, wie beispielsweise größere Wahlmöglichkeiten für die Leistungsempfanger und Wettbewerbsanreize, um das Verhalten der M itar­ beiter des Gesundheitswesens zu verändern. Die Anwendung solcher Praktiken auf den Gesundheitssek­ tor bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Die meisten Länder in der Region stimmen darin überein, daß rein marktwirtschaftliche Methoden bei der Finanzierung und Erbringung von Gesundheits­ leistungen nicht wünschenswert sind. Marktmechanismen haben sich als erfolgreich erwiesen, wenn sie mit einer konsequenten Verlaufsbeobachtung und Evaluation verknüpft sind und klare Standards für die beteiligten Marktkräfte enthalten. 84. Ein weiterer wichtiger Grund für Veränderungen war die in ganz Europa vorherrschende Enttäu­ schung über große, zentralisierte und bürokratische Institutionen. Dezentralisierung ist ein wirkungsvolles Mittel zur Verbesserung der Dienstleistungen, zur Sicherstellung einer bedarfsgerechteren Verteilung der Ressourcen, zur Einbeziehung der Bürger in Entscheidungen über Prioritäten und zum Abbau von EUR/RC48/2 Seite 24 Ungleichheiten. Trotzdem haben die Erfahrungen in einigen Ländern gezeigt, daß Dezentralisierung auch negative Auswirkungen haben kann, z. B . eine Zersplitterung der Dienste oder Ungerechtigkeiten. Erbringung von Gesundheitsleistungen 85. Die primäre Gesundheitsversorgung wird generell in der Region gestärkt. Trotz der erzielten Fort­ schritte sind die Erfahrungen indessen nicht immer positiv gewesen und zusätzliche Anstrengungen sind erforderlich, um die angetroffenen Hindernisse zu überwinden. Hier wiederum wurden die Reformen zur Stärkung der primären Gesundheitsversorgung in den M OE- und GUS-Ländem durch politische Instabi­ lität und finanzielle Zwänge behindert. Innovative Systeme zur primären Gesundheitsversorgung in eini­ gen Ländern haben verstärkt zu einer Bedarfseinschätzung geführt, um gemeindenahe Interventionen auf der Grundlage von Methoden, die die Bereiche öffentliche Gesundheit, Epidemiologie und klinische Ver­ sorgung integrieren, zu planen. 86. Als Hauptempfanger von GesundheitsVersorgungsressourcen nehmen die Krankenhäuser einen zentralen Platz in der Umsetzung von Gesundheitsreformen in jedem Land ein. Zahlreiche Änderungen wurden vorgenommen, mit dem Ziel, die Zufriedenheit der Verbraucher zu erhöhen, die Ressourcen sinnvoller einzusetzen und bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen. Die meisten Länder nehmen für sich in Anspruch, mäßige bis gute Fortschritte in diesem Bereich erzielt zu haben, obwohl die Verände­ rungen langsamer vor sich gegangen sind als viele dies gewünscht hätten. Im Durchschnitt hat sich die Zahl der Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner in allen Teilen der Region, vor allem aber in den M OE- Ländem, verringert, wenn auch nicht alle Länder diesem Trend gefolgt sind. 87. Hinsichtlich der Alternativen zu einem Krankenhausaufenthalt - wie beispielsweise ambulante Chirurgie, Tageskrankenhäuser und häusliche Pflege für akut Kranke wie auch chronisch Kranke - wur­ den Fortschritte verzeichnet. Zudem wird die Technologie besser genutzt und Konzepte zur Verbesserung der Versorgungsqualität wurden in vielen Ländern umgesetzt. Und was noch wichtiger ist: die Kranken­ häuser sehen Gesundheit jetzt in einem breiteren Sinn als aus der Sicht der kurativen Versorgung und be­ fassen sich systematischer mit Tätigkeiten zur Gesundheitsforderung. Entwicklung der Versorgungsqualität 88. Die stetige Verbesserung der Versorgungsqualität bleibt ein wichtiges Anliegen in allen Mitglied­ staaten der Region. Durch Entwicklung der Versorgungsqualität sollen Ungleichheiten in der Gesund­ heitsversorgung verringert werden, und zwar sowohl innerhalb eines Landes als auch zwischen den ein­ zelnen Ländern. „Entwicklung der Versorgungsqualität“ wird dabei definiert als ein Prozeß der Identifi­ zierung und der konstruktiven Anwendung der besten Praktiken durch optimalen Einsatz der vorhandenen GesundheitsVersorgungsressourcen. Nachdem jetzt ein europäischer Konsens über Qualitätsindikatoren in Bereichen wie Diabetes-Management, Geburtshilfe und Perinatalversorgung, Mundgesundheit und psy­ chische Gesundheit erzielt worden ist, haben etliche Länder Daten in diesen Bereichen gesammelt und sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene unter Berücksichtigung miteinander vereinbarer Strukturen und Parameter koordiniert. Reaktion der WHO Reform der Gesundheitsversorgung 89. Eines der wichtigsten Ereignisse im Berichtszeitraum war zweifelsohne die W HO-Konferenz: Ge­ sundheitsreformen in Europa, die im Juni 1996 in Ljubljana stattfand und ministerielle Delegationen aus allen Mitgliedstaaten der Region sowie technische und akademische Experten aus Europa und auch aus außereuropäischen Ländern zusammenbrachte. Diese Konferenz war ein Meilenstein für das Regionalbü­ ro und hat zu einem klaren Handlungsrahmen für die Gestaltung der Politik und einer Strategie zur Ge­ sundheitsversorgung sowie für eine Partnerschaft mit der Weltbank geführt. Die Konferenz brachte die WHO an die vorderste Front des Reformprozesses in der Gesundheitsversorgung in Europa, und viele Regionalprogramme werden nunmehr an den Grundsätzen der Charta von Ljubljana orientiert. 1997 wurde in der Serie der regionalen Veröffentlichungen der WHO, Europäische Schriftenreihe, Nr. 72, ein Buch mit dem Titel European health care reform: analysis of current strategies (s. Anhang 3) herausgegeben, und im EUR/RC48/2 Seite 25 Frühjahr 1998 folgte ein zweites Buch mit dem Titel C ritical challenges fo r health care reform in Euro­ pe, das von der Open University Press im Namen des Regionalbüros für Europa veröffentlicht wurde. Außerdem wurde die Konferenzdokumentation fertiggestellt. Die Charta von Ljubljana Im Juni 1996 organisierte das Regionalbüro die WHO-Konferenz: Gesundheitsreformen in Europa, die unter Teilnahme von Vertretern aus 46 europäischen Mitgliedstaaten in Ljubljana stattfand. Die Mit­ gliedstaaten verabschiedeten die Charta von Ljubljana über die Reformierung der Gesundheitsversor­ gung in Europa, in der festgestellt wird, daß im europäischen Kontext die Gesundheitssysteme von Werten getragen sein, sich gezielt auf die Gesundheit richten, sich um den Menschen drehen, sich auf Qualität konzentrieren, eine tragfähige Finanzierungsgrundlage haben und auf die primäre Gesund­ heitsversorgung ausgerichtet sein müssen. Außerdem nennt die Charta folgende Prinzipien als Schlüssel zur effektiven Steuerung der Veränderungen: Gesundheitspolitik weiterentwickeln, auf das Wort der Bürger hören und ihre Entscheidung respektieren, die Praxis der Gesundheitsversorgung umgestalten, personelle Ressourcen für die Gesundheitsversorgung neu ausrichten, das Management stärken und aus den Erfahrungen lernen. „Was ist neu in der Charta von Ljubljana?“ mag ein Skeptiker fragen. Es ist das erste Mal, daß grund­ legendes Allgemeinwissen über Reformen in der Gesundheitsversorgung simpel und klar in einem Konsensstatement beschrieben wird, etwas, das nur wenige Politiker wagen würden, allein zu sagen und laut auszusprechen. Die meisten der sogenannten Gesundheitsreformen haben sich keineswegs auf gesundheitliche Verbesserungen konzentriert, sondern das System aus der Sicht der Patienten und Bürger eher verschlechtert. Die WHO meint, daß, solange das Wort „Reform“ die Bedeutung von „Vervollkommnung“ und „Verbesserung" hat, finanzielle und administrative Manöver allein nicht genug sind. Es ist schwer, die Tragweite einer Charta oder eines Statement auf die tägliche Praxis zu ermessen. Aber es gibt nun einmal nichts, was so praktisch wie eine gute Theorie wäre. Über 20 europäische Mitglied­ staaten haben sich bereits entschieden, die Charta von Ljubljana - zusätzlich zu der offiziellen deut­ schen, englischen, französischen und russischen Fassung - in ihre jeweilige Landessprache zu überset­ zen und zu veröffentlichen. Seit der Konferenz konnte festgestellt werden, daß Gesundheitspolitiker, Verwaltungsexperten, Berufsverbände und Patienten-/Bürgerorganisationen die Charta und die Analyse zur Unterstützung ihrer Argumente heranziehen, und die WHO ist jetzt in einer weitaus besseren Position, Regierungen, die um Unterstützung nachsuchen, zu beraten. 90. B is Ende des Rechnungszeitraums waren für 30 Länder Profile zum Thema „Gesundheitsversor­ gung im Wandel“ (H iT-Profile) verfügbar; vier weitere HiT-Profile werden gerade fertiggestellt und weitere wurden begonnen. Die WHO-Beobachtungsstelle für Systeme der Gesundheitsversorgung und Reformen wird fristgemäß im ersten Halbjahr 1998 etabliert. 91. Die WHO-Netzwerke für Reformen der Gesundheitsversorgung (d .h . M 1DNET für 11 mitteleuropäische Länder, CARN ET für 6 zentralasiatische Länder, EA ST N ET für 6 osteuropäische Länder und SOUTH N ET für 11 südeuropäische Länder) haben maßgebliche Veränderungen bewirkt und wichtige Ergebnisse in der Region erzielt, wobei die beteiligten Länder ihre Politik des Ressourceneinsat­ zes überprüft, das Tempo der Privatisierung überdacht, Gesundheitssysteme auf der Basis der primären Gesundheitsversorgung unter Berücksichtigung der Allgemeinpraxis (hausärztliche Versorgung) entwik- kelt, sich auf eine Personalpolitik und Planung der personellen Ressourcen für den Gesundheitssektor konzentriert und sich selbst mit Methoden zur Prioriätensetzung vertraut gemacht haben. 92. Ganz speziell wurden Methoden zur gezielten Länderunterstützung bei Reformen der Gesundheits­ versorgung für die M IDN ET- und EA STN ET-Länder einschließlich der Republik Moldau entwickelt, und 15 Gesundheitsministerien wurden zum Einsatz moderner Computertechnik bei der Planung ihrer perso­ nellen Ressourcen geschult. In den CARNET-Ländern wurde damit begonnen, den Pilotplan für die R e­ form der Gesundheitsversorgung in Kirgisistan (das sogenannte M ANAS-Projekt) umzusetzen, wozu u. a. breit angelegte Bildungsmaßnahmen gehören, um das Problembewußtsein zu schärfen. EUR/RC48/2 Seite 26 93. Zwei weitere themenspezifische Verbundprojekte ftir Gesundheitsreformen wurden zum Ende des Rechnungszeitraums geschaffen, und zwar ein Expertennetz für Strategien für die Weiterentwicklung der liausärztlichen Versorgung und die St.-Petersburg-Initiative (Aus- und Weiterbildung in Allgem einm e­ dizin: Prozeß und Auswirkungen von Reformen der hausärztlichen Versorgung). Nach eingehenden Konsultationen mit nationalen und internationalen Berufs- und W issenschaftsorganisationen, die die Ärzteschaft - speziell Allgemeinmediziner - sowie Krankenpflegekräfte in Europa vertreten, wurde der Framework for professional and administrative development o f general practice/family medicine in Eu­ rope fertiggestelt. Praktische Durchführung der Gesundheitsversorgung 94. Krankenhäuser und Regierungen haben zunehmend Interesse an dem Projekt „Gesundheits­ förderung im Krankenhaus“ gezeigt. Die Pilotphase zur Schaffung eines Verbunds von gesundheitsför­ dernden Krankenhäusern endete während des Berichtszeitraums, und das Netzwerk wurde neu organi­ siert. Es ist jetzt rasch angewachsen und umfaßt rund 470 Krankenhäuser in 20 Verbundprojekten in 15 Mitgliedstaaten. Ursprünglich befaßte sich das Netzwerk mit Gesundheitsförderung, wurde jetz t aber auch auf andere einschlägige GFA-Programmbereiche ausgeweitet. Die Zahl der beteiligten Krankenhäu­ ser hat um 75 Mitglieder zugenommen und die Zahl der Projekte um nahezu 400. Die EU RO H EA LTH - Länder zeigen großes Interesse an dem Krankenhausmanagement-Projekt, mit dem eine Reorganisation des Management ihrer Krankenhäuser bezweckt wird. 95. Nach dem Modell der bereits mit nationalen Ärzteverbänden und Apothekerverbänden etablierten Foren wurde jetzt das Europäische Forum nationaler Pflege- und Hebammenverbände und der WHO ge­ schaffen, das ein einzigartiges Instrumentarium für eine Neubelebung der europaweiten Tätigkeiten von Pflegefachkräften an der Basis, als maßgebliche Akteure bei Reformen der Gesundheitsversorgung, dar­ stellt. 96. Verschiedene Länder (u. a. Belgien, Dänemark, Polen, Schweden, Slowenien, Ungarn und das Vereinigte Königreich) erproben Indikatoren für die klinische Effizienz in bezug auf bestimmte Krank­ heitskategorien und Patientengruppen. Man könnte vom Beginn einer neuen Ära im Pflegewesen spre­ chen seit in den Gesundheitsberufen erkannt worden ist, wie wichtig Transparenz zur Sicherstellung einer wissenschaftlich gesicherten Medizin ist. In diesem Zusammenhang wurde auch ein „Set mit Basism ate­ rial“ für Pflegefachkräfte entwickelt, um sicherzustellen, daß ihre Praktiken auf erhärteten Erkenntnissen basieren. Die Fülle innovativer Praktiken in der primären Gesundheitsversorgung zeigt, daß die neuerli­ che Akzentlegung auf die primäre Gesundheitsversorgung (PHC) im Zuge von Reformen der Gesund­ heitsversorgung bei den Fachkräften gut aufgenommen worden ist. Strategien für besonders wichtige K li­ entengruppen - d. h. alte Menschen, chronisch Kranke und Schlaganfallpatienten - wurden vorgeschlagen und vereinbart. Zwanzig M O E- und GUS-Länder haben sich aktiv am LEM ON-Projekt (LEarning M ate­ rial On Nursing) beteiligt, und die Lehrmaterialien für den Pflegebereich werden jetzt in die Landesspra­ chen der einzelnen Mitgliedstaaten übersetzt und dort verbreitet. Die Entwicklung einer europaweiten Strategie zur Pflegeausbildung für das 21. Jahrhundert wurde bereits in A ngriff genommen. Entwicklung der Versorgungsqualität 97. Belgien, Dänemark und Slowenien haben während des Berichtszeitraums ihre nationalen Pro­ gramme für Konzepte zur Versorgungsqualität abgeschlossen; acht weitere Länder bereiten einschlägige Entwürfe vor. Im Februar 1998 wurden Indikatoren für psychische Gesundheit empfohlen, und eine Serie von neu entwickelten Qualitätsindikatoren in bezug auf akute Komplikationen bei Diabetikern (Nephro­ pathie und Diabetes in der Schwangerschaft) wird gegenwärtig getestet. Für Tätigkeiten auf den Gebieten Zahn- und Mundgesundheit, Diabetes-Management, Perinatalversorgung, Bluttransfusionen und Schlag- anfallmanagement wurden Netzwerke gebildet. Pharmaka 98. Die WHO hat die M OE- und GUS-Länder bei der Entwicklung und Anwendung von nationalen Arz­ neimittelkonzepten im Rahmen ihrer Gesundheitspolitik und -reformen aktiv unterstützt. Der Schwerpunkt verlagerte sich von Fragen der Arzneimittelzulassung auf Probleme der Versorgung der betreffenden Länder EUR/RC48/2 Seite 27 und ihrer Bevölkerung mit unentbehrlichen Arzneimitteln. Ein Großteil der Ausgaben für die Gesundheits­ versorgung in der Region entfällt auf Arzneimittel. Deshalb werden jetzt erhebliche Anstrengungen unter­ nommen, um die Arzneimittelkosten einzudämmen und um eine bedarfsgerechte Arzneimittelverordnung und einen sinnvollen Medikamentengebrauch zu erreichen. Die direkte Zusammenarbeit mit den Ländern erfolgt je nach deren spezifischen Bedürfnissen und Prioritäten. In bezug auf wichtige pharmazeutische Fra­ gen kam es zu einer länderübergreifenden Zusammenarbeit auf regionaler und subregionaler Ebene in den M OE-Ländem; in den GUS-Republiken wurde ein Verbund der Arzneimittelzulassungsbehörden ge­ schaffen. „ G e s u n d h e it f ü r a l l e “ - U n t e r s t ü t z u n g d e r E n t w i c k l u n g ( r e g i o n a l e G F A -Z ie le 32-38) 99. Die unter den GFA-Zielen 1-31 vorgeschlagenen Interventionen erfordern eine nachhaltige poli­ tische, administrative und finanzielle Unterstützung, die durch eine Infrastruktur verknüpft wird, die ihrerseits einen koordinierten Ansatz bei der Formulierung und Umsetzung der Konzepte ermöglicht. Das ist die Thematik der Ziele 3 2 -3 8 . Die Grundlagen zur Unterstützung der GFA sind eine Gesund­ heitspolitik und eine Durchführungsstrategie, die sich den thematischen Bereichen der GFA ausge­ wogen nähern und die sich auf eine starke politische Verantwortlichkeit auf verschiedenen Ebenen stützen. Entwicklungen in der Region Gesundheitspolitik 100. Über die Hälfte der Mitgliedstaaten in der Region hat bereits auf der Grundlage des GFA-Ansatzes gesundheitspolitische Konzepte formuliert oder diesen Prozeß auf nationaler Ebene eingeleitet (bzw. auf nachgeordneter politischer Ebene in Bundesländern). Dies schließt auch mehrere M OE- und GUS-Länder ein, die sich - nach einer Periode einer fast ausschließlichen Beschäftigung mit Reformen der Gesund­ heitsversorgung - nunmehr einer breiteren Gesundheitsperspektive zuwenden, zumindest entsprechend den Ausführungen in ihren Grundsatzdokumenten. In einigen Ländern wurde diese Bewegung auf lokaler Ebene oder auf Stadtebene begonnen bzw. dort fortgesetzt. 101. Das Problembewußtsein über die gesundheitlichen Ungleichheiten scheint zu wachsen, und diese Ungleichheiten werden je tz t aus einer größeren Dimension gesehen, also nicht nur aus der ziem lich engen Sicht der geographischen Unterschiede, sondern zunehmend aus der breiteren Perspektive der Unterschiede in bezug auf das Einkommen, die Bildung und die beruflichen M öglichkeiten. Die Länder haben die Notwendigkeit, sich mit diesen breit gefächerten Determinanten für das gesundheitliche G e­ fälle zu befassen, stärker herausgestellt, doch hat sich dies bisher erst kaum in praktischen Maßnahmen niedergeschlagen. Trotz alledem sind speziell in Westeuropa einige sehr gute Beispiele für Bemühun­ gen zu finden, ethnische Gruppen einzubeziehen, vor allem dort, wo die Sprache eine Barriere bilden kann. 102. Angesichts des gegenwärtigen Trends zur stärkeren Dezentralisierung kommt den Regionen in den Ländern eine immer wichtigere Rolle zu: In vielen Teilen Europas spielen die Regionen eine führende Rolle in der gesundheitspolitischen Entwicklung. In den EU-Ländern wurde die Bedeutung ihrer Rolle durch eine Stärkung des Ausschusses der Regionen unterstrichen. 103. Ein besonders wichtiges Instrument für die Umsetzung der GFA auf lokaler Ebene in Europa ist nach wie vor das „Gesunde Städte“-Netzwerk der WHO, das 1987 initiiert wurde. Dieses Verbundprojekt hat sich inzwischen zu einer globalen Bewegung ausgeweitet, mit Hunderten von Partnerstädten in sämt­ lichen WHO-Regionen. Der Hauptakzent der Tätigkeiten in der Europäischen Region in der laufenden Phase (1 9 9 3 -1 9 9 8 ) liegt auf der Formulierung und Umsetzung einer Stadtpolitik sowie umfassender Stadt-Gesundheitspläne auf der Grundlage der GFA, ferner auf der Entwicklung von Gesundheitsprofilen für Städte (Dokumente, die Informationen über den Gesundheitszustand und Gesundheitsdeterminanten enthalten), auf der Förderung von Maßnahmen für Chancengleichheit und nachhaltige Entwicklung EUR/RC48/2 Seite 28 (einschließlich Agenda 21) und der Schaffung von Instrumenten für Kompetenzbildung auf kommunaler Ebene, sektorübergreifendes Handeln und Transparenz in gesundheitlicher Hinsicht. Achtunddreißig Städte in 22 Ländern, darunter 13 EU-Mitgliedstaaten, beteiligen sich an dem regionalen Kernverbund, der durch die angeschlossenen nationalen Netze insgesamt mehr als 732 Städte in Europa umfaßt. Bis Ende 1997 hatte ungefähr die Hälfte der 38 Projektstädte umfassende, sektorübergreifende Gesundheits­ pläne vorgelegt, bei denen es sich um an der GFA orientierte Grundsatzdokumente, häufig mit expliziten Zielvorgaben, handelt. 104. Eine wichtige Public-Health-Aufgabe ist die Forschung. Moderne Gesundheitsdienste nutzen den Fortschritt auf dem Gebiet der biomedizinischen Forschung, und die gesundheitswissenschaftliche For­ schung muß hier Schritt halten. In der Praxis fuhren allerdings erst relativ wenig Länder derartige For­ schungsvorhaben durch - und wenn, dann nur selten als Teil einer gezielten Strategie unter Berück­ sichtigung der Gesundheitsbedürfnisse der jew eiligen Bevölkerungsgruppen. Im übrigen muß die breite Kluft, die im Forschungsbereich zwischen Ost und W est besteht, erheblich verringert werden. Gesundheitsinformation 105. Die Bedeutung adäquater Informationen in bezug auf Planung, Management und Monitoring der Gesundheit und Gesundheitsdienste wird in der gesamten Region immer deutlicher erkannt. V iele Län­ der haben den Zugang zu und die Verbreitung von Gesundheitsdaten und -informationen durch Nut­ zung der Computer- und Telekom m unikationstechnologie verbessert und, was besonders wichtig ist, durch regelmäßige öffentliche Gesundheitsberichterstattung. Es gab Bestrebungen, die Möglichkeiten von Informationssystemen, die bestehenden gesundheitlichen Ungleichheiten genau zu beschreiben, zu verbessern, und das Interesse an Informationen über Chancengleichheit im Gesundheitsbereich, die für die Politik relevant sein können, wächst. In einigen EU-Ländern wurden wichtige Forschungspro­ gramme durchgeführt. Ethik und Gesundheit 106. Ethik in der Medizin ist angesichts von zwei wichtigen Trends in Europa wichtiger denn je gewor­ den. Erstens hat die Einführung neuer medizinischer Technologien eine völlig neue Dimension in der üb­ lichen bioethischen Diskussion eröffnet. Zweitens haben die meisten europäischen Länder wegen der wirtschaftlichen Zwänge vorgeschlagen, einer Expansion von Gesundheitsdiensten Grenzen zu setzen. Die Charta von Ljubljana über die Reformierung der Gesundheitsversorgung unterstreicht deshalb die große Bedeutung von Werten wie Menschenwürde, Chancengleichheit, Solidarität und Berufsethos als oberstes Grundprinzip. 107. Weitere ethische Probleme in der Medizin stellen sich mit der Konzentration auf neue Technolo­ gien, u. a. In-vitro-Fertilisation (IV F), Forschung an menschlichen Embryos und Feten, pränatale Diagno­ stik, Gentherapie, Einsatz moderner Informationstechnologie und Datenschutz, Euthanasie und Abtrei­ bungen. Bisher haben aber erst einige wenige Länder ihre Gesetzgebung und Regelungen an diese neue Situation angepaßt. A uf europäischer Ebene hat das Ministerkomitee des Europarats am 19. November 1996 das Übereinkommen über Menschenrechte und Biomedizin (Biomedizin-Konvention) angenom­ men. Dieses Übereinkommen ist der erste rechtlich bindende internationale Text zum Schutz des Men­ schen gegen die mögliche mißbräuchliche Anwendung von neuen biologischen und medizinischen Ver­ fahren. Reaktion der WHO Gesundheitspolitik 108. A uf regionaler Ebene gehörte der Entw urf zur neuen G FA -Politik für das 21. Jahrhundert zu den wichtigsten Vorhaben während des Berichtszeitraum s. Erhebliche Fortschritte wurden im Folgeprozeß der Konferenz über Gesundheitspolitik (Kopenhagen, Dezember 1994) erzielt, ebenso hinsichtlich einer systematischen Analyse der Entwicklung der G FA -Politik. In einer vom Regionalkom itee im Septem­ ber 1997 verabschiedeten Resolution wurde gefordert, die Kapazität des Regionalbüros für gesundheits­ politische Analysen zu stärken, und diesbezügliche Schritte wurden eingeleitet. Mehr als die Hälfte der Mitgliedstaaten in der Region hat bereits eigene Konzepte für eine nationale GFA-Politik formuliert oder EUR/RC48/2 Seite 29 arbeitet daran. V iele Regionen und Städte sind ebenfalls mit der Entwicklung solcher Konzepte befaßt. Die hohe Zahl der an einer nationalen GFA-Politik interessierten Länder und das starke Interesse an lau­ fenden gesundheitspolitischen Analysen zeigen, wie groß die positive Wirkung der Arbeit in diesem Bereich ist. Bildung von Partnerschaften und Mobilisierung von Ressourcen 109. Wenn die G FA verwirklicht werden soll, muß die WHO mit vielen anderen an Gesundheitsfra­ gen interessierten Organisationen in Europa (z. B . EU, Europarat), internationalen Finanzierungsorga­ nisationen (z. B. W eltbank), Organisationen des System s der Vereinten Nationen sowie nichtstaatlichen Organisationen (N GOs) Zusammenarbeiten. Der Aufbau solcher Partnerschaften basiert auf der gegen­ seitigen Ergänzung der Zielvorstellungen und Stärken der einzelnen Organisationen sowie auf Abspra­ chen über die Arbeitsaufteilung. Das Regionalbüro hat bereits entsprechende Bemühungen unternom­ men, Partnerschaften mit anderen Organisationen aufzubauen und die technische und fachliche Zu­ sammenarbeit mit anderen Organisationen weitet sich rasch aus. 110. Die Schaffung von derartigen Partnerschaften ist auch eine wesentliche Voraussetzung für die Mo­ bilisierung von Ressourcen - wobei sowohl das Regionalbüro als auch die Ressourcengeber sich über die Programmziele, die Tätigkeiten und Endprodukte einig sind. Auch hier gab es während des Berichtszeit­ raums intensive Bemühungen und große Fortschritte. Vernetzung 111. Das Netzwerk „Regionen für Gesundheit“ (RHN) konnte seine ursprüngliche Größe bereits ver­ doppeln und zählt jetzt 20 Mitglieder, außerdem werden Anfang 1998 drei weitere M itglieder hinzukom­ men und weitere Regionen werden demnächst folgen. Das Interesse an diesem Netzwerk ist so groß, daß man sich bereits vor die Aufgabe gestellt sieht, sein Wachstum zu kontrollieren. Die - vor allem in der EU nach dem Vertrag von Amsterdam - gestärkte Rolle der regionalen Ebene dürfte die Regionen zum dynamischsten Wachstumsfaktor in der kommenden Zweijahresperiode werden lassen. Das RHN ist ein wichtiges Modellprojekt zur Intensivierung der „Vernetzung der Netzwerke“ (d. h. RHN, Gesunde Städte, Gesundheitsfördernde Schulen, Gesundheitsförderung im Krankenhaus, Babyfreundliche Krankenhäuser und C1NDI) sowie zur Umsetzung von Initiativen wie dem Aktionsplan Tabak auf nachgeordneter, regio­ naler Ebene. Das RHN hat das Postulat „Chancengleichheit im Gesundheitsbereich“ als Thema für seine Jahreskonferenz 1997 gewählt. 112. Zu den im Rahmen des Abkommens mit der Vereinigung der Ausbildungsstätten für öffentliche Gesundheit in der Europäischen Region (A SPH ER ) durchgeführten Tätigkeiten gehörten zwei einflußrei­ che Workshops über die Rolle von gesundheitswissenschaftlichen Akademien hinsichtlich der Unterstüt­ zung von Reformen der Gesundheitsversorgung und der Umsetzung der Charta von Ljubljana. 113. Das EuroPharm-Forum, das die WHO mit Apothekerverbänden vereint, ist auf 41 Mitgliedsver­ bände aus 31 Mitgliedstaaten angewachsen. 1996 verabschiedete das Forum die überarbeitete Apotheker- Charta zu Maßnahmen gegen das Rauchen, mit der angestrebt wird, Apothekern in Raucherentwöh- nungsprogramme für die allgemeine Bevölkerung einzubinden. Dieses Forum ist außerdem ein gutes Po­ dium für das Arzneimittelprogramm des Regionalbüros, das sich sehr aktiv um eine Reformierung des Arzneimittelsektors in den M OE- und GUS-Ländern bemüht. 114. Im Februar 1997 hielt das Europäische Forum der nationalen Ärzteverbände und der WHO seine Jahrestagung in Kopenhagen ab. Unter anderem wurden Statements über die Bekämpfung des Rauchens und über Landminen verabschiedet. Gesundheitsinformation 115. Die Bemühungen werden fortgesetzt, die große Fülle der in der Region existierenden Gesund­ heitsdaten und -informationen zur Feststellung der Bereiche für Public-Health-Maßnahmen besser zu nutzen. Der Bericht über die dritte Evaluierung der Fortschritte auf dem W eg zur „Gesundheit für alle“ in der Europäischen Region wurde dem Regionalkom itee auf seiner 47. Tagung in Istanbul vorgelegt. EUR/RC48/2 Seite 30 Die europäische regionale GFA-Datenbank bildet weiterhin eine einzigartige koordinierte Quelle für vergleichbare Gesundheitsdaten und -indikatoren. Sie wird je tz t jährlich aktualisiert und einem breiten Kreis von Interessenten zugänglich gemacht (auch über das Internet). A uf Länderebene haben viele Mitgliedstaaten (in Osteuropa wie in Westeuropa) das GFA-Datenbanksystem des Regionalbüros zur Nutzung auf nationaler und subnationaler Ebene angepaßt. Das Regionalbüro produziert und aktuali­ siert weiterhin die länderspezifischen Gesundheitsinformationen Highlights on Health. Während des Berichtszeitraums wurden für alle 15 EU-Länder mit Unterstützung der Europäischen Kom m ission der­ artige Gesundheits-Highlights produziert. 1997 wurde gemeinsam mit dem ungarischen statistischen Landesamt ein Atlas o f avoidable mortality publiziert, der einen ähnlichen Atlas für die EU-Länder er­ gänzt. 116. Am Regionalbüro läuft eine große Zahl von Kooperationsprojekten mit der EU , um die B e ­ richterstattung und die Nutzung von Gesundheitsinformationen in den Ländern auszubauen. An erster Stelle sind hier das Projekt zum Aufbau eines europäischen Public-H ealth-Inform ationsnetzes für Osteuropa (E U P H IN -E A ST ) sowie das Gesundheitssurvey-Projekt EU RO H IS zu nennen. EUPH1N- E A ST wird die nationalen Datenbanken von 23 M O E- und GU S-Ländern telematisch verknüpfen. Dadurch können die Benutzer in den Ländern in bezug auf die wichtigsten Gesundheitsindikatoren rascher und einfacher Zugang zu Vergleichsdaten erhalten und an die WHO B ericht erstatten. Mit EU PH IN -EA ST wird die Absicht verfolgt, Zugang zu einem ähnlichen, von der EU und für die EU entwickelten Netzwerk zu verschaffen. M it dem zusammen mit Statistics Netherlands begonnenen EU R O H IS-Projekt werden gemeinsame Verfahrensprotokolle und Instrumente für Gesundheitssur- veys entwickelt. D iese Kooperationsprojekte sind gute Beisp iele für den erheblichen Nutzen, den M itgliedstaaten, die Europäische Kom m ission und die W HO aus einer engen Zusam m enarbeit in technischen Bereichen ziehen können. 117. Das Regionalbüro vertreibt verschiedene themenspezifische Newsletter wie beispielsweise Entre nous, CINDI connection und das European bulletin on environmental health. Während des Berichtszeit­ raums kam außerdem eine neue, periodisch erscheinende Informationsschrift mit dem Titel Health cata­ lyst (der ursprüngliche deutsche Titel Forum Gesundheit wurde abgeändert in Aktion Gesundheit) hinzu, die in den vier Arbeitssprachen des Regionalbüros herausgegeben wird und ein maßgebliches Instrument zur Verbreitung von Wissen und Neuigkeiten aus dem Regionalbüro an seine Hauptpartner, (u. a. Ge­ sundheitsministerien und andere interessierte Ministerien, parlamentarische Ausschüsse für Gesundheit und Soziales, WHO-Netzwerke und WHO-Kooperationszentren, Berufsverbände und die M edien) dar­ stellt. 118. Als Verbindung zwischen den Medien in den Ländern und Bildungsexperten, Multiplikatoren und politischen Entscheidungsträgem im Gesundheitsbereich wurde ein weiteres Netzwerk, das Europäische Netzwerk Gesundheitskommunikation, ins Leben gerufen, um die GFA-Strategien durch bessere V er­ mittlung der Schlüsselbotschaften an ein breites Publikum zu fordern. Außerdem hat das Regionalbüro Partnerschaften für die Kooperation mit Rundfunk- und Femsehanstalten geschlossen und die Produktion von mehreren Videos organisiert. Patientenrechte 119. Im August 1997 fand eine Beratungstagung über die W eiterentwicklung der Patientenrechte in Europa statt, an der Vertreter aus e lf Mitgliedstaaten teilnahmen. Die Tagungsteilnehmer beschlossen, einen Verbund für Patientenrechte zu bilden, an dem alle Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO beteiligt sein sollen. Die wichtigste Funktion dieses Netzwerks wird es sein, die Entwicklung der Patientenrechte laufend zu verfolgen und eine Beobachtungsstelle für Patientenrechte, Ethik und Gesund­ heitsfragen zu bilden. EUR/RC48/2 Seite 31 Patientenrechte in Europa - ein neuer Hoffnungsträger 1994 hat die WHO im Zusammenwirken mit 34 europäischen Mitgliedstaaten eine Beratungstagung über Patientenrechte organisiert. Bei den Vorbereitungen dazu hatten sowohl Finnland als auch die Niederlande eine sehr große Rolle gespielt. Deshalb war es kaum ein Zufall, daß diese beiden Länder als erste in Europa spezifische Gesetze über Patienten rechte erlassen hatten. Seitdem hat sich die Amsterdamer Erklärung über die Förderung von Patientenrechten als eine maßgebliche Orientierungs­ quelle und Checkliste für Länder bewährt, die den Patientenrechten einen hohen Rang auf der politi­ schen Tagesordnung beimessen möchten. In Island, Israel und Litauen existieren bereits einschlägige gesetzliche Vorschriften und in Ländern wie Dänemark, Estland, Norwegen und der Russischen Föde­ ration liegen dem Parlament Gesetzesentwürfe zur Debatte vor. Kasachstan, Slowenien, Ungarn und Weißrußland sind gerade dabei, einschlägige Gesetzestexte zu formulieren. Abgesehen von Gesetzen können die Patientenrechte auch durch andere Kanäle gefördert werden. Viele europäische Länder halten es für besser geeignet, hier mit Hilfe einer nationalen Charta für Pati­ entenrechte etwas zu bewirken. Wenn eine solche Charta auf der höchstmöglichen Ebene angenom­ men wird, kann sie ebenso wirkungsvoll wie gesetzgeberische Maßnahmen sein, um die maßgeblichen Elemente - wie Rechte und Werte in der Gesundheitsversorgung, Information, Akzeptanz, Vertraulich­ keit und Wahrung der Intimsphäre sowie das Recht auf Versorgung und Behandlung - zu einem zen­ tralen Diskussionsthema zu machen. Frankreich, Irland und das Vereinigte Königreich haben bereits diesen Weg eingeschlagen, und kraft der Amsterdamer Erklärung werden weitere Länder wie die Re­ publik Moldau, Rumänien und Schweden in Kürze folgen. Ein Gesetz oder eine Charta garantieren nicht automatisch, daß die Patientenrechte in einem Land besser respektiert werden. In der Hand von Gruppen informierter Verbraucher und Patienten bietet ein solches Gesetz bzw. eine solche Charta indessen eine solide Grundlage für positive Entwicklungen. Viele Erbringer von Gesundheitsleistungen, wie Ärzte und Pflegefachkräfte, haben trotz anfänglicher Skepsis herausgefunden, daß eine bessere Beachtung der Patientenrechte sich positiv auf ihre Bezie­ hungen zu den Patienten ausgewirkt hat und somit letztlich von beiderseitigem Nutzen ist. Stimmt es, daß die Förderung von Patientenrechten lediglich eine „GesundheitsVersorgungsreform für Arme“ ist? Nein, das stimmt nicht-doch trifft es sicherlich zu, daß Freundlichkeit und die Weitergabe wichtiger Informationen keine kostspieligen Investitionen erfordern! L ä n d e r p r o g r a m m e 120. Das wichtigste paneuropäische Problem im Berichtszeitraum 1996-1997 war weiterhin die Ost- West-Kluft. Mit sinkendem Volkseinkommen und Pro-Kopf-Einkommen im Osten vergrößern sich die gesundheitlichen Ungleichheiten immer mehr. Die Gesundheitssituation in den M OE- und GUS-Ländern hat sich in den letzten fünf Jahren nicht signifikant verbessert. 121. Die Länderprogramm-Strategie erstreckt sich auf 29 Länder, von denen 26 unter das EUROHEALTH-Rahmenprogramm für den Zeitraum 1 9 9 5 -2 0 0 0 fallen. Das EUROHEALTH-Programm wurde ursprünglich nach einem Beschluß des Regionalkomitees im Jahre 1991 aufgenommen, um den großen Bedürfnissen der mit enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontierten M OE-Länder zu entsprechen. 1995 befürwortete das Regionalkomitee nach einer eingehenden externen Prüfung eine Ak­ tualisierung des EUROHEALTH-Programms und Prolongation bis zum Jahr 2000. Die spezifischen Ziel­ stellungen für die EUROHEALTH-Länder sollen aktualisiert werden, sobald die revidierten G FA -Ziele für die Europäische Region vom Regionalkomitee im September 1998 verabschiedet worden sind. Eine erneute Evaluierung des Programms ist vorgesehen (voraussichtlich im Jahr 2000). 122. Das EUROHEALTH-Programm basiert weiterhin auf einer Analyse der Probleme der begünstigten Länder, einer Beurteilung der Relevanz der GFA-Strategie, diese Probleme zu lösen sowie auf den M ög­ lichkeiten des Regionalbüros, die nötigen Maßnahmen sicherzustellen. Das erfordert eine Abstimmung der prioritären Bedürfnisse dieser Länder und der Kapazitäten des Regionalbüros. 123. Besonderes Augenmerk wurde auf den Reformprozeß in den MOE-Ländern gerichtet, mit fo l­ genden Vorgaben: Verbesserung der Qualität auf allen Ebenen der Gesundheitsversorgung; Einrichtung und gemeinsame Nutzung einer umfassenden W issensbasis über Gesundheitsreformen; regelm äßiger EUR/RC48/2 Seite 32 Erfahrungsaustausch über Gesundheitsreformen und Zusammenführung von Ländergruppen mit gemein­ samen Merkmalen; sowie Kapazitätenausbau, um maßgeschneiderte Unterstützung bieten zu können, die den spezifischen Bedürfnissen der einzelnen Länder gerecht wird. Während des Berichtszeitraums verla­ gerte sich der Tätigkeitsschwerpunkt von der reinen humanitären Hilfe zur Unterstützung bei der Ent­ wicklung. In Bosnien-Herzegowina wurde beispielsweise der Akzent auf den Wiederaufbau und die Re­ formierung der Gesundheitsversorgung gelegt, ferner auf Maßnahmen zur Wiederzusammenführung, wo­ bei die Gesundheit als Instrument zur Förderung des Dialogs und der Wiederaussöhnung diente. Aus der Zusammenarbeit mit anderen Partnern bei der Verfolgung dieser Ziele wurde ein wertvoller Erfahrungs­ schatz gewonnen. 124. In 25 der 26 EUROHEALTH-Länder haben Länderbüros die Tätigkeit aufgenommen und die Län­ derkoordinatoren spielen eine maßgebliche Rolle bei Aktivitäten im Zusammenhang mit der Reform der Vereinten Nationen auf Länderebene. Hinsichtlich der Erreichung der meisten vom Regionalkomitee ge­ setzten EUROHEALTH-Ziele konnten gute Fortschritte erzielt werden. 125. ln allen vom EUROHEALTH-Rahmenprogramm begünstigten Ländern wurden breit angelegte Projekte vorgesehen, mit Schwerpunkten in bezug auf Familienplanung, risikolose Mutterschaft (während der gesamten Schwangerschaft, Entbindung und Nachsorge), Stillen und richtige Entwöhnungspraktiken. 126. Programme zur Überwachung, Prävention und Bekämpfung von Infektionskrankheiten sind in den meisten MOE-Ländem gut entwickelt und mit denjenigen in den meisten westeuropäischen Ländern ver­ gleichbar. In einigen Ländern stellt die Tuberkulose noch immer eine Bedrohung dar, obwohl die meisten Länder in den letzten Jahren moderne Krankheitsbekämpfungsstrategien entwickelt haben. In Hinsicht auf die Lebensweisen bietet das EUROHEALTH-Rahmenprogramm allen MOE-Ländern Ratschläge zu Gesundheitsförderungskonzepten und -Strategien. 127. Der CINDI-Aktionsplan - mit detaillierten Handlungsprioritäten zur Prävention von nichtübertrag­ baren Krankheiten in den M OE-Ländem während einer Fünfjahresperiode - wurde allen am CINDI- Programm beteiligten Ländern übermittelt. Eine Strategie zur Unterstützung der Umsetzung des CINDI- Aktionsplans wurde erarbeitet und mit der Umsetzung wurde bereits begonnen. 128. Das Europäische Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen (EN H PS) steht unter Führung der WHO, in Zusammenarbeit mit dem Europarat und der Europäischen Kommission. Dieses Netzwerk er­ streckt sich inzwischen auf 38 europäische Länder. Jedes Land unterhält ein Netz von Modellschulen, die Beispiele für Methoden und Techniken zur Umsetzung und Fortschreibung eines ganzheitlichen schuli­ schen Ansatzes für die Gesundheitsförderung bieten. 129. Im Laufe der Vorbereitung ihrer NEHAPs sind einige Länder zu dem Schluß gelangt, daß - selbst wenn jed es Land ganz spezifische Prioritäten im Umwelt- und Gesundheitsschutz haben mag - bei ge­ meinsamen Problemen größere Fortschritte durch Zusammenarbeit mit den Nachbarländern erzielt wer­ den könnten. Deshalb wurden bestimmte subregionale Gruppen gebildet. Zahlreiche Tätigkeitsbereiche dieser subregionalen Gruppen sind auf den Beitritt zur EU ausgerichtet - beispielsweise Dienste für um­ weltbezogenen Gesundheitsschutz (Gesetzgebung und Durchführung), Ausbildung von Umwelthygiene- fachkräften, Trinkwasser und Wasservorräte, Lebensmittelsicherheit, Reformen für Gesundheit und S i­ cherheit sowie Information und Einbeziehung der Öffentlichkeit. 130. Dank großzügiger Spenden konnte Bosnien-Herzegowina, der Bundesrepublik Jugoslawien (Serbi­ en und Montenegro), Kroatien, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und in geringerem Ausmaß Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, der Republik Moldau, Tadschikistan, der Ukrai­ ne und den an Tschetschenien angrenzenden Regionen (Russische Föderation) sowie den zentralasiati­ schen Republiken Soforthilfe und humanitäre Hilfe gewährt werden. Die enge Zusammenarbeit mit ver­ schiedenen Nothilfeorganisationen hat zur Stärkung der Beziehungen des Regionalbüros zu Geberorgani­ sationen im allgemeinen geführt. 131. Im fortgesetzten Bemühen um Linderung der Gesundheitsfolgen des Reaktorunfalls von Tscherno­ byl wurde in Minsk ein Projektbüro eröffnet. Ein Handbuch über Nuklearunfälle wurde herausgegeben EUR/RC48/2 Seite 33 und den Mitgliedstaaten zugeleitet. In bezug auf Chemieunfälle lag der Akzent auf epidemiologischen Strategien, die nach einem solchen Ereignis anzuwenden sind. 132. Die Querverbindungen zwischen Länder- und Mehrländerprogrammen wurden während des Zeit­ raums 1996-1997 zweifelsohne gefestigt, könnten jedoch durch bessere Integration der Programmdurch­ führung in den Ländern, mit mehr strategischer Unterstützung seitens des Regionalbüros und seiner Netzwerke, und durch intensivere Zusammenarbeit mit anderen Organisationen auf Länderebene noch weiter gefordert werden. M a n a g e m e n t , V er w a l t u n g und V e r ö f f e n t l ic h u n g e n Reform, Kostendämpfung und Effizienz 133. Als Reaktion auf ein signifikantes Defizit im regionalen Programmhaushalt 1996-1 9 9 7 wurde eine Reihe von organisatorischen Reformen durchgeführt. Das Direktorium wurde verschlankt und durch B il­ dung eines neuen koordinierenden Büros neu organisiert. Außerdem wurden für Zuständigkeiten alltägli­ che operationelle und administrative Angelegenheiten in stärkerem Maße delegiert, mit dem Resultat ei­ ner generell abgeflachten Hierarchie. Zwei Abteilungen wurden zusammengelegt und jed e Abteilung wurde so reorganisiert, daß jetzt nur noch ca. vier größere multiprofessionelle Referate zu den einzelnen Abteilungen gehören. Regelmäßige externe Evaluierungen des Kooperationsprogramms des Regionalbü­ ros mit den Mitgliedstaaten wurden zu einem festen Bestandteil. 134. Das Regionalbüro konzentrierte seine Tätigkeiten weiterhin auf eine begrenzte Zahl von Prioritäts­ bereichen; das gilt sowohl für die europaweiten Tätigkeiten als auch für die Arbeit im Zuge des EUROHEALTH-Programms. Parallel dazu wurde beschlossen, den Tätigkeitsbereichen Gesundheit älte­ rer Menschen, Behinderungen und Rehabilitation, psychische Gesundheit sowie Chancengleichheit und Gesundheit geringere Priorität beizumessen, obwohl die Länderaktivitäten in einigen Bereichen fortge­ setzt wurden und die Einschränkung der Tätigkeiten teilweise durch die stärkere Inanspruchnahme der WHO-Kooperationszentren kompensiert wurde. Das Programm Psychische Gesundheit ist in der Haus­ haltsperiode 1998-1999 wieder aktiviert worden. Außerdem hat das Sekretariat verschiedene Initiativen vorgesehen, um die Aufwendungen für die Leitungsgremien einzuschränken: Als Ergebnis der kosten­ dämpfenden Maßnahmen in diesem Bereich wurden in den letzten Jahren rund 940 000 U S-$ eingespart. 135. Die übrigen vom Regionaldirektor als Reaktion auf die Haushaltskürzung 1 9 9 6 -1 9 9 7 beschlosse­ nen Kostendämpfungsmaßnahmen gingen weit über die üblichen Rationalisierungsmaßnahmen hinaus. Diese Kostendämpfungsmaßnahmen beinhalteten: a) Abschaffung der höchsten Gruppe der Sachbearbei­ terdienststellen; b) Verschlankung der Sekretariate in den technischen Referaten; c) Kürzung des Stipen­ dienprogramms des Regionalbüros; d) Reduzierung der Bibliotheksfunktionen, Abschaffung des Termi­ nologiedienstes und Stellenabbau in den Referaten Veröffentlichungen und Information, der durch stärke­ re Inanspruchnahme von freiberuflichen Redakteuren und durch Subkontrakte im allgemeinen kompen­ siert wurde; e) Abschaffung einiger überwachender und technischer Funktionen im Bereich Dokumenten- reproduktion sowie f) Reduzierung in bezug auf den bürointemen Computer-Hilfsdienst sowie andere Unterstützungsfunktionen im Kommunikationsbereich. Die gesamten Einsparungen durch diese Maß­ nahmen bezifferten sich für den Rechnungszeitraum 1996-1997 auf 3 016 600 U S-$. 136. 1 9 9 6 -1 9 9 7 wurde der vollständigen Umsetzung aller Empfehlungen der Arbeitsgruppe des Exeku­ tivrats über die Reaktion der WHO auf den globalen Wandel große Aufmerksamkeit beigemessen. Ein umfassender Sachstandsbericht wurde dem Regionalkomitee 1997 unterbreitet. 137. Als Reaktion auf die Resolution E B 99.R 13 des Exekutivrats und Resolution W H A 50.26 der W elt- gesundheitsversammlung erstellte der Regionaldirektor einen Effizienzplan zur Umwidmung von 3% des gesamten Ordentlichen Haushalts von Verwaltungsbereichen auf vorrangige Gesundheitsprogramme. Die daraus resultierenden Einsparungen (1,6 M io. U S-$) werden zur Schaffung von Langzeitposten in folgen­ den Bereichen verwendet: sexuell übertragbare Krankheiten/Aids (STD/Aids), sonstige übertragbare EUR/RC48/2 Seite 34 Krankheiten, psychische Gesundheit, Sexual- und Familiengesundheit, Arzneimittel und Ressourcenmo­ bilisierung. Verwaltung und Finanzen 138. Die Abteilung Verwaltung und Finanzen unterstützt die technischen Programme, unter Beobach­ tung der von den Leitungsgremien der Organisation festgelegten finanziellen und ethischen Grundsätze. Die Kosten für diese Unterstützung (Gehälter der Mitarbeiter im Verwaltungsdienst), ausgedrückt als Prozentsatz der für die Regionalorganisation während der Zweijahresperiode zur Verfügung stehenden Gesamtmittel, sind nachstehend ausgewiesen (Abb. 6). Abb. 6: Personalkosten im Verwaltungsbereich als % der Gesamtfinanzierung, 1996-1997 6% 5% B Verwaltung ■ Information □ Technische Programme 89% 139. Trotz Reduzierung der Soforthilfe in der Region blieb die Akquisition weiterhin auf einem hohen Niveau (5 Mio. U S-$ für den Zweijahreszeitraum). Das regionsweite Kommunikationsnetz wurde erheb­ lich ausgebaut, das Netz der Dokumentationszentren in der gesamten Region vergrößerte sich weiter (auf 46 Zentren in 37 Ländern bis zum Ende des Berichtszeitraums) und im Dezember 1997 wurden täglich 5000 Zugriffe auf die am 1. April 1996 eingerichtete Homepage des Regionalbüros im Internet registriert. Neue automatisierte Systeme (z. B. für die Organisation von Tagungen und Dienstreisen sowie für Perso­ nalmanagement) wurden vorgesehen und eingeführt, um Doppelarbeit einzuschränken und um die Ver­ ringerung der Sekretariatsposten - sowohl im Verwaltungsbereich als auch in den technischen Pro­ grammbereichen - zu kompensieren. Ende 1997 wurde eine umfangreiche Überprüfung aller Gehaltska­ tegorien für Mitarbeiter des Verwaltungsdienstes durchgeführt. Etliche Kostendämpfungsmaßnahmen wurden verfügt, u. a. in bezug auf Büromieten, Telekommunikation und Flugreisen. Außer zwei Prüfun­ gen durch interne Revisoren und einem Besuch eines Außenprüfers führte eine externe Untemehmensbe- ratungsfirma eine Managementuntersuchung der Abteilung Verwaltung und Finanzen und des Direktori­ ums durch. Obwohl eine gewisse „Klienten“-Unzufriedenheit festgestellt wurde, zeigte sich die Kosten­ wirksamkeit der geleisteten Dienste. Ein Durchführungsplan wurde erstellt, um den detaillierten Emp­ fehlungen der Untemehmensberater Rechnung zu tragen, und dieser Plan wurde von der Büroleitung ge­ nehmigt. Veröffentlichungen 140. Siebenundzwanzig Bücher wurden veröffentlicht (s. Anhang 3), und zwar: 14 in Englisch, 7 in Französisch, 5 in Deutsch und 1 in Russisch. Außerdem wurden 268 technische Dokumente herausgege­ ben, davon 173 in Englisch, 30 in Französisch, 32 in Deutsch und 35 in Russisch. Für 30 Bücher oder Dokumente wurden Übersetzungsrechte in andere Sprachen gewährt, darunter Bengali, Chinesisch, Farsi, Italienisch, Koreanisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Slowakisch und Türkisch. EUR/RC48/2 Seite 35 R e g i o n a l z i e l e „ G e s u n d h e it f ü r a l l e “ GFA-ZIEL 1 CHANCENGLEICHHEIT IM GESUNDHEITSBEREICH: Bis zum Jahr 2000 sollten die Unterschiede im G esundheitszustand zwischen den Ländern sowie zwischen verschiedenen Bevölke­ rungsgruppen innerhalb der Länder um mindestens 25% verringert werden, und zw ar durch die Verbes­ serung des Gesundheitsniveaus der benachteiligten Völker und Gruppen. GFA-ZIEL 2 GESUNDHEIT UND LEBENSQUALITÄT: Bis zum Jahr 2000 sollten alle M enschen die M öglichkeit haben, ihr Gesundheitspotential so zu entwickeln und auszuschöpfen, daß sie ein gesell­ schaftlich, wirtschaftlich und geistig erfülltes Leben führen können. GFA-ZIEL 3 BESSERE MÖGLICHKEITEN FÜR BEHINDERTE: Bis zum Jahr 2000 sollten die Behinderten, unterstützt durch besondere Vorkehrungen zur Verbesserung ihrer relativen physischen, sozialen und wirtschaftlichen M öglichkeiten, ein sozial, w irtschaftlich und geistig erfülltes Leben fü h ren können. GFA-ZIEL 4 CHRONISCHE ERKRANKUNGEN REDUZIEREN: Bis zum Jahr 2000 sollten sich M orbidität und Behinderungen aufgrund chronischer Krankheiten in der Region anhaltend rückläufig entwickeln. GFA-ZIEL 5 ÜBERTRAGBARE KRANKHEITEN REDUZIEREN: Bis zum Jahr 2000 sollten in der Region keine einheimischen Fälle von Poliomyelitis, Diphtherie, Neugeborenen-Tetanus, Masern, M um ps und konnatalen Röteln m ehr Vorkommen, und die Inzidenz sowie die schädlichen Konsequenzen anderer übertragbarer Krankheiten, besonders der HIV-Infektion, sollten anhaltend rückläufig sein. GFA-ZIEL 6 ALTERN IN GESUNDHEIT: Bis zum Jahr 2000 sollte in der Region die Lebenserwar­ tung bei der Geburt mindestens 75 Jahre betragen und sich der G esundheitszustand aller M enschen über 65 Jahre anhaltend und ständig verbessern. GFA-ZIEL 7 GESUNDHEIT VON KINDERN UND JUNGEN MENSCHEN: Bis zum Jahr 2000 sollte sich der G esundheitszustand aller Kinder und jungen M enschen verbessert haben, was ihnen die M öglichkeit bietet, sich körperlich, geistig und gesellschaftlich voll zu entfalten. GFA-ZIEL 8 GESUNDHEIT VON FRAUEN: Bis zum Jahr 2000 sollte sich im G esundheitszustand aller Frauen eine anhaltende und positive Entwicklung abzeichnen. GFA-ZIEL 9 HERZ-KREISLAUFKRANKHEITEN REDUZIEREN: Bis zum Jahr 2000 sollte die Sterblichkeit aufgrund von K reislaufkrankheiten bei M enschen unter 65 Jahren um mindestens 15% g e ­ fa llen sein, und bei der Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen, die an H erz­ Kreislaufkrankheiten leiden, sollten Fortschritte erkennbar sein. GFA-ZIEL 10 KREBS BEKÄMPFEN: Bis zum Jahr 2000 sollte die Sterblichkeit aufgrund von K rebs­ krankheiten bei M enschen unter 65 Jahren um mindestens 15% gefallen sein, und die Lebensqualität aller M enschen m it Krebs sollte sich w esentlich verbessert haben. GFA-ZIEL 11 UNFÄLLE: Bis zum Jahr 2000 sollten Verletzungen, Behinderungen und Todesfälle auf­ grund von Unfällen um m indestens 25% reduziert sein. Anhang 1 EUR/RC48/2 Seite 36 GFA-ZIEL 12 PSYCHISCHE STÖRUNGEN UND SELBSTMORD REDUZIEREN: Bis zum Jahr 2000 sollte die Prävalenz psychischer Störungen anhaltend rückläufig sein, die Lebensqualität aller an solchen Störungen Leidenden sollte sich verbessert haben, und es sollte eine Umkehr der gegenwärtig steigenden Trends bei Selbstm ord und Selbstmordversuch eingetreten sein. GFA-ZIEL 13 GESUNDHEITSFÖRDERNDE GESAMTPOLITIK: Bis zum Jahr 2000 sollten sich in allen M itgliedstaaten sektorübergreifende Konzepte zur Förderung einer gesunden Lebensweise in der Umsetzungsphase befinden, und die System e sollten eine aktive Beteiligung der Öffentlichkeit am Ent­ scheidungsprozeß und an der Umsetzung sicherstellen. GFA-ZIEL 14 RAHMEN ZUR FÖRDERUNG DER GESUNDHEIT: B is zum Jahr 2000 sollten alle Lebens- und Tätigkeitsbereiche wie Stadt, Schule, Arbeitsplatz, Nachbarschaften und eigenes Zuhause bessere Möglichkeiten zur Förderung der Gesundheit bieten. GFA-ZIEL 15 GESUNDHEITLICHE KOMPETENZ: Bis zum Jahr 2000 sollte es in allen M itglied­ staaten eine zugängliche und effektive Aus- und Fortbildung zur G esundheitsförderung geben, damit Öf­ fen tlichkeit und Fachwelt besser fü r eine Förderung der Gesundheit eintreten und zur gesundheitlichen Bewußtseinsbildung in anderen Sektoren beitragen können. GFA-ZIEL 16 GESUNDES LEBEN: Bis zum Jahr 2000 sollte es in allen M itgliedstaaten anhaltende Bestrebungen geben, mit denen man gesunde Lebensgewohnheiten aktiv fö rd ert und unterstützt, indem man fü r ausgewogene Ernährung, sinnvolle körperliche Betätigung, gesundes Sexualverhalten und gute Streßbew ältigung eintritt und andere Aspekte eines positiven G esundheitsverhaltens betont. GFA-ZIEL 17 TABAK, ALKOHOL UND PSYCHOTROPE SUBSTANZEN: Bis zum Jahr 2000 sollte der gesundheitsschädigende Konsum Abhängigkeit bewirkender Stoffe wie Alkohol, Tabak undpsy- chotroper Substanzen in allen M itgliedstaaten erheblich zurückgegangen sein. GFA-ZIEL 18 UMWELT- UND GESUNDHEITSPOLITIK: Bis zum Jahr 2000 sollte sich in allen M itgliedstaaten eine Umwelt- und G esundheitspolitik in der Umsetzungsphase befinden, die eine ökolo­ gisch tragfähige Entwicklung und die wirksame Verhütung und Bekäm pfung von umweltbedingten Ge­ sundheitsrisiken gewährleistet und allen M enschen die Chance bietet, an einer gesunden Umwelt teilzu­ haben. GFA-ZIEL 19 UMWELTHYGIENEMANAGEMENT: Bis zum Jahr 2000 sollte es in allen M itglied­ staaten effektive M anagementsysteme und die Ressourcen zur Umsetzung einer Umwelt- und Gesund­ heitspolitik geben. GFA-ZIEL 20 WASSERGÜTE: Bis zum Jahr 2000 sollten alle M enschen der Region Zugang zu aus­ reichenden M engen an hygienisch unbedenklichem Trinkwasser haben, und die Verschmutzung der Grundwasserquellen, der Flüsse, Seen und M eere sollte keine G efahr mehr fü r die Gesundheit darstellen. GFA-ZIEL 21 LUFTGÜTE: Bis zum Jahr 2000 sollte die Luft in allen Ländern einen solchen Rein­ heitsgrad erreicht haben, daß die Gesundheit der Bevölkerung nicht m ehr durch anerkannte Luftschad­ stoffe gefährdet wird. GFA-ZIEL 22 LEBENSMITTELQUALITÄT UND -SICHERHEIT: B is zum Jahr 2000 sollten die von M ikroorganismen und ihren Toxinen, von Chemikalien und Radioaktivität in Lebensmitteln ausge­ henden Gesundheitsrisiken in allen M itgliedstaaten deutlich zurückgegangen sein. GFA-ZIEL 23 ABFALLHANDHABUNG UND BODENVERSCHMUTZUNG: Bis zum Jahr 2000 sollten die Risiken, die durch Fest- und Sonderm üll und durch die Bodenverschmutzung fü r die Gesund­ heit der Bevölkerung entstehen, in allen M itgliedstaaten wirksam unter Kontrolle sein. EUR/RC48/2 Seite 37 GFA-ZIEL 24 HUMANÖKOLOGIE UND SIEDLUNGSWESEN: Bis zum Jahr 2000 sollten die städtischen und ländlichen Gemeinden der Region ihren Einwohnern eine gesundheitsfördernde physi­ sche und soziale Umwelt bieten. GFA-ZIEL 25 GESUNDHEIT DER ARBEITENDEN BEVÖLKERUNG: Bis zum Jahr 2000 sollte sich in allen M itgliedstaaten durch Schaffung gesünderer Arbeitsbedingungen, E inschränkung der arbeitsbe­ dingten Krankheiten und Verletzungen sow ie durch die Förderung des W ohlbefindens der arbeitenden Bevölkerung der Gesundheitszustand der Arbeitnehm er verbessert haben. GFA-ZIEL 26 POLITIK DES GESUNDHEITSWESENS: Bis zum Jahr 2000 sollte sich in allen M it­ gliedstaaten eine Politik in der Umsetzungsphase befinden, die gewährleistet, daß je d e r Bürger Zugang zu guten Gesundheitsleistungen hat, die sich a u f die Primärversorgung gründen und durch spezialisierte und Krankenhausversorgung ergänzt werden. GFA-ZIEL 27 RESSOURCEN UND MANAGEMENT IM GESUNDHEITSWESEN: Bis zum Jahr 2000 sollten die Gesundheitssysteme in allen M itgliedstaaten kosteneffektiv verwaltet werden, und die Ressourcenzuweisung sollte bedarfsgerecht erfolgen. GFA-ZIEL 28 PRIMÄRE GESUNDHEITS VERSORGUNG: Bis zum Jahr 2000 sollte die prim äre Gesundheitsversorgung in allen M itgliedstaaten durch eine Reihe von gesundheitsfördernden, kurativen, rehabilitativen und unterstützenden Leistungen sow ie durch Förderung der Selbsthilfe des einzelnen Menschen, von Familien und Bevölkerungsgruppen den grundlegenden B ed a rf der Bevölkerung an ge­ sundheitlichen Versorgungsleistungen decken. GFA-ZIEL 29 KRANKENHAUSVERSORGUNG: Bis zum Jahr 2000 sollten die Krankenhäuser in allen M itgliedstaaten eine kosteneffektive Sekundär- und Tertiärversorgung leisten und aktiv dazu beitra­ gen, daß sich G esundheitszustand der Bevölkerung und Patientenzufriedenheit verbessern. GFA-ZIEL 30 BÜRGERNAHE DIENSTE FÜR BESONDERE GESUNDHEITLICHE BEDÜRF­ NISSE: Bis zum Jahr 2000 sollten in allen M itgliedstaaten die Bürger, die einer Langzeitbetreuung und - Unterstützung bedürfen, Zugang zu angem essenen und hochwertigen Leistungen haben. GFA-ZIEL 31 QUALITÄT DER VERSORGUNG UND BEDARFSGERECHTE TECHNOLO­ GIE: Bis zum Jahr 2000 sollte es in allen M itgliedstaaten Strukturen und Verfahren geben, die gewähr­ leisten, daß die Qualität der G esundheitsversorgung laufend verbessert und Gesundheitstechnologien bedarfsgerecht weiterentwickelt und eingesetzt werden. GFA-ZIEL 32 FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG IM GESUNDHEITSBEREICH: Bis zum Jahr 2000 sollte die Gesundheitsforschung in allen M itgliedstaaten stärker fü r den Erwerb und die A n­ wendung von Wissen arbeiten, das eine Entw icklung im Sinne d e r ,, Gesundheit fü r alle " stützt. GFA-ZIEL 33 WEITERENTWICKLUNG DER „GESUNDHEIT FÜR ALLE“: Bis zum Jahr 2000 soll­ ten alle M itgliedstaaten eine P olitik im Sinne des europäischen Konzepts und der Prinzipien der ,.G esundheit fü r a lle" entwickelt haben und in der praktischen Umsetzung dieser P olitik ein ausgewoge­ nes Verhältnis zwischen den Belangen von Lebensweise, Umwelt und Gesundheitswesen anstreben. GFA-ZIEL 34 MANAGEMENT DER ENTWICKLUNG ZUR „GESUNDHEIT FÜR ALLE“: Bis zum Jahr 2000 sollte es in allen M itgliedstaaten M anagementstrukturen und -prozesse geben, m it denen man die gesundheitliche Entwicklung im Sinne der GFA-Prinzipien inspirieren, leiten und koordinieren kann. GFA-ZIEL 35 UNTERSTÜTZUNG DURCH GESUNDHEITSINFORMATION: B is zum Jahr 2000 sollten in allen M itgliedstaaten G esundheitsinformationssysteme die Formulierung, Umsetzung, Be­ gleitüberw achung und Evaluation der GFA-Politik aktiv abstützen. EUR/RC48/2 Seite 38 G F A -Z IE L 36 P E R S O N E L L E R E S SO U R C E N F Ü R D IE G E SU N D H E IT E R S C H L IE S S E N : Bis zum Jahr 2000 sollte die Aus- und Fortbildung in den Gesundheitsberufen und in anderen Berufszweigen in allen M itgliedstaaten aktiv zur Verwirklichung d e r ,, G esundheit fü r alle " beitragen. G F A -Z IE L 37 P A R T N E R F Ü R D IE G E SU N D H E IT : Bis zum Jahr 2000 sollten in allen M itglied­ staaten viele Organisationen und Gruppen im öffentlichen und privaten Sektor sowie in der fre ien Wohl­ fahrtsarbeit aktiv zur Verwirklichung d e r ,, Gesundheit fü r alle ” beitragen. G F A -Z IE L 38 G E SU N D H E IT UND E T H IK : Bis zum Jahr 2000 sollte es in allen M itgliedstaaten M e­ chanismen geben, die gewährleisten, daß bei Entscheidungen, die die Gesundheit des einzelnen Bürgers, von Gruppen und Bevölkerungen betreffen, ethische Erwägungen stärker berücksichtigt werden. EUR/RC48/2 Seite 39 Anhang 2 A b k ü r z u n g e n AIDS Erworbenes Immundefektsyndrom ASPHER Vereinigung der Ausbildungsstätten für öffentliche Gesundheit in der Europäischen Region BSP Bruttosozialprodukt CARNET Netzwerk für Reformen der Gesundheitsversorgung in den zentralasiatischen Republiken CCEE Englisches Kürzel für mittel- und osteuropäische Länder (deutsche Abkürzung: MOE) CDD/ARI Bekämpfung von Diarrhöen und akuten Atemwegsinfektionen CHD Koronare Herzkrankheit C1NDI Landesweit integrierte Intervention bei nichtübertragbaren Krankheiten DOTS Direkt überwachte Therapie - kurzfristig (DOTS-Behandlungsstrategie) EASTNET Netzwerk für Reformen der Gesundheitsversorgung in osteuropäischen Ländern ENHPS Europäisches Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen EPI Erweitertes Immunisierungsprogramm EU Europäische Union EUPHIN-EAST Europäisches Public-Health-Informationsnetz für Osteuropa EUROH1S Europäische Gesundheitsinterview-Survey GNP Englisches Kürzel für Bruttosozialprodukt (deutsche Abkürzung: BSP) GUS Nachfolgestaaten der Sowjetunion HFA Health for all (deutsche Abkürzung: „Gesundheit für alle“) HiT „Gesundheitsversorgung im Wandel“ (HiT-Profil) HIV Hi-Virus IICC Organisationsübergreifender Ausschuß zur Koordinierung von Impfungen IMCI Integriertes Management von Kinderkrankheiten LEMON Lehrmaterial für das Pflegewesen MCH Gesundheit von Mutter und Kind MECACAR MECACAR-Kampagne in den Mittelmeer- und Kaukasusländem sowie zentral­ asiatischen Republiken (breit angelegte Impfkampagne gegen Poliomyelitis) MIDNET Netzwerk für Reformen der Gesundheitsversorgung in den mittel- und osteuropäischen Ländern MOE Mittel- und osteuropäische Länder NCD Nichtübertragbare Krankheiten NEHAP Nationaler Aktionsplan für Umwelt und Gesundheit NIS Englisches Kürzel für Nachfolgestaaten der Sowjetunion (deutsche Abkürzung: GUS) OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung PAHO Panamerikanische Gesundheitsorganisation PHC Primäre Gesundheitsversorgung QCD Entwicklung der Versorgungsqualität RHN Verbundprojekt „Regionen für die Gesundheit“ S-NID Impftag auf subnationaler Ebene SOUTHNET Netzwerk für Reformen der Gesundheitsversorgung in den sUdeuropäischen Ländern STD Sexuell übertragbare Krankheiten UNAIDS Gemeinsames HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen UNFPA Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen UNICEF Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen EUR/RC48/2 Seite 40 Anhang 3 1 9 9 6 UND 1 9 9 7 VERÖFFENTLICHE BÜCHER (beziehungsweise deutsch-, französisch- oder russischsprachige Publikationen in den Jahren 1996/97 von Büchern, die zuvor bereits in Englisch veröffentlicht wurden) Titel Schriftenreihe oder Ko-Publikation Sprache Jahr GFA- Ziel Health interview surveys Europäische Schriftenreihe, Nr. 58 Englisch 1996 35 Evaluation and monitoring of action on alcohol Europäische Schriftenreihe, Nr. 59 Englisch 1995 17 [.'evaluation et la surveillance de la lutte contre I'alcoolisme Europäische Schriftenreihe, Nr. 59 Fran­ zösisch 1997 17 Evaluierung und Monitoring von alkohol­ bezogenen Maßnahmen Europäische Schriftenreihe, Nr. 59 Deutsch 1997 17 The economics of alcohol policy Europäische Schriftenreihe, Nr. 61 Englisch 1995 17 Politique en matiere d'alcool: aspects econo- miques Europäische Schriftenreihe, Nr. 61 Fran­ zösisch 1997 17 Wirtschaftliche Aspekte der Alkoholpolitik Europäische Schriftenreihe, Nr. 61 Deutsch 1997 17 Alcohol and the media Europäische Schriftenreihe, Nr. 62 Englisch 1996 17 Community and municipal action on alcohol Europäische Schriftenreihe, Nr. 63 Englisch 1995 17 La lutte contre I'alcoolisme au niveau associatif et municipal Europäische Schriftenreihe, Nr. 63 Fran­ zösisch 1997 17 Gemeindebezogene Alkoholinitiativen und kommunale Maßnahmen Europäische Schriftenreihe, Nr. 63 Deutsch 1997 17 Alcohol and primary health care Europäische Schriftenreihe, Nr. 64 Englisch 1996 17 Alcool et soins de sante primaires Europäische Schriftenreihe, Nr. 64 Fran­ zösisch 1997 17 Treatment approaches to alcohol problems Europäische Schriftenreihe, Nr. 64 Englisch 1995 17 Young people and alcohol, drugs and tobacco Europäische Schriftenreihe, Nr. 66 Englisch 1995 17 Les jeunes, I'alcool, la drogue et le tabac Europäische Schriftenreihe, Nr. 66 Fran­ zösisch 1997 17 Alcohol and the workplace Europäische Schriftenreihe, Nr. 67 Englisch 1996 17 Environment and health - overview and main European issues Europäische Schriftenreihe, Nr. 68 Englisch 1996 18 Health behaviour in school children in 26 coun­ tries Europäische Schriftenreihe, Nr. 69 Englisch 1996 13 Alcohol - less is better Europäische Schriftenreihe, Nr. 70 Englisch 1996 17 Avec I'alcool, moins, c’est mieux Europäische Schriftenreihe, Nr. 70 Fran­ zösisch 1977 17 Alkohol - weniger ist besser Europäische Schriftenreihe, Nr. 70 Deutsch 1997 17 Drugs for the elderly. Second edition Europäische Schriftenreihe, Nr. 71 Englisch 1997 31 European health care reform. Analysis of current strategies Europäische Schriftenreihe, Nr. 72 Englisch 1997 26 Nursing in Europe. A resource for better health Europäische Schriftenreihe, Nr. 74 Englisch 1997 27 Atlas of mortality in Europe. Subnational patterns 1980/81 and 1990/91 Europäische Schriftenreihe, Nr. 75 Englisch 1997 18 EUR/RC48/2 Seite 41 Titel Schriftenreihe oder Ko-Publikation Sprache Jahr GFA- Ziel Environmental health services in Europe 1: an overview of practice in the 1990s Europäische Schriftenreihe, Nr. 76 Englisch 1997 18 Assessment of exposure to indoor air pollutants Europäische Schriftenreihe, Nr. 78 Englisch 1997 22 Assessing the health consequences of major chemical incidents - epidemiological approaches Ko-Publikationen Europäische Schriftenreihe, Nr. 79 Englisch 1997 18 Addiction, 92(Suppl. 1). Europakonferenz Gesundheit, Gesellschaft und Alkohol, Paris, Dezember 1995 Ko-Publikation: Carfax Englisch 1997 17 Allergic hypersensitivities induced by chemicals Ko-Publikation: CRC Press, Inc. Englisch 1996 19 The science of the total environment, 184 , Spe­ cial issue. Ethical and philosophical issues in environmental epidemiology Ko-Publikation: Elsevier Englisch 1996 18 Geographical and environmental epidemiology (paperback) Oxford University Press Englisch 1996 18 Environmental epidemiology. Exposure and disease Lewis Publishers/CRC Englisch 1996 18

Informations clés
Type de document Governing Bodies documents
Date d'adoption
Source Organisation mondiale de la santé