W ELT G E S U N D H E IT SO R G A N I S AT IO N R EG I O N A L B Ü RO F ÜR E U R O P A UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Tel.: +45 45 33 70 00 Fax: +45 45 33 70 01 E-Mail: eugovernance@who.int Web: http://www.euro.who.int/de/who-we-are/governance Regionalkomitee für Europa EUR/RC69/R5 69. Tagung Kopenhagen, 16.–19. September 2019 17. September 2019 190589 ORIGINAL: ENGLISCH Resolution Beschleunigung der Fortschritte hin zu einem Leben in Gesundheit und Wohlstand für alle in der Europäischen Region der WHO durch Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit und Befolgung der Maxime, niemanden zurückzulassen Das Regionalkomitee – unter Bekräftigung der in der Resolution EUR/RC62/R4 zum Ausdruck gebrachten Entschlossenheit zum Abbau und zur Beseitigung gesundheitlicher Ungleichgewichte als einem notwendigen Beitrag zu inklusivem Wachstum und nachhaltiger Entwicklung im Einklang mit „Gesundheit 2020“, dem Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden, der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, 1 den Zielen für nachhaltige Entwicklung und dem Dreizehnten Allgemeinen Arbeitsprogramm der WHO 2019–2023 sowie dem Grundsatz der allgemeinen Gesundheitsversorgung, unter Hinweis auf andere Erklärungen, Resolutionen, Programme und Strategien der Vereinten Nationen und der WHO auf globaler Ebene und in der Europäischen Region, in denen die Entschlossenheit zur Inangriffnahme der Determinanten von Gesundheit und der 1 Durch Resolution 70/1 der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen. EUR/RC69/R5 Seite 2 gesundheitlichen Ungleichgewichte erklärt oder unterstrichen wird und die Grundsätze gesundheitlicher Chancengleichheit im gesamten Lebensverlauf hervorgehoben werden,2 in der Erkenntnis, dass Ungleichgewichte im Gesundheitsbereich die Folge der ungleichmäßigen Verteilung sozialer, ökonomischer, umweltbedingter und kommerzieller Determinanten von Gesundheit sind, die im Zusammenwirken mit geschlechtsbezogenen Normen und Rollenvorstellungen die Menschen am Ausschöpfen ihres gesundheitlichen Potenzials hindern, in der Erkenntnis, dass der Abbau gesundheitlicher Ungleichgewichte nur durch gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Lösungsansätze sowie durch auf Chancengleichheit ausgerichtete und den gesamten Lebensverlauf umspannende Konzepte nach dem Grundsatz „Gesundheit in allen Politikbereichen“ möglich ist, in Bekräftigung dessen, dass stärkere Partnerschaften und Bündnisse benötigt werden, um die sozialen Werte Solidarität, Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit, Inklusion und Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zu einem festen Bestandteil der Steuer- und Wachstumspolitik zu machen, damit niemand aufgrund schlechter Gesundheit zurückgelassen wird, in der Erkenntnis, dass keine einzelne Intervention oder Politik allein gesundheitliche Ungleichgewichte beseitigen kann, sondern dass dazu umfassende universelle und gezielte Handlungskonzepte notwendig sind, unter Kenntnisnahme der Ergebnisse und Empfehlungen der Initiative der WHO für einen Sachstandsbericht über gesundheitliche Chancengleichheit in der Europäischen Region (HESRi), 2 Erklärung von Alma-Ata über primäre Gesundheitsversorgung (1978); Übereinkommen über die Rechte des Kindes (1989); Politische Erklärung von Rio über die sozialen Determinanten von Gesundheit (2011); Erklärung und Aktionsplan der Europäischen Region zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit geistigen Behinderungen und ihren Familien (2011); Globale Strategie und globaler Aktionsplan für Altern und Gesundheit (2016–2020); Erklärung von Minsk über den Lebensverlaufansatz im Kontext von Gesundheit 2020 (2015); Erklärung von Paris über Partnerschaften für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer jungen und künftiger Generationen (2016); Europäischer Aktionsplan für psychische Gesundheit (2013–2020); Europäischer Aktionsplan Nahrung und Ernährung (2015–2020); Globaler Aktionsplan zur Stärkung der Rolle des Gesundheitssystems bei der Bekämpfung zwischenmenschlicher Gewalt, insbesondere gegen Frauen und Mädchen und generell gegen Kinder, im Rahmen bereichsübergreifender Gegenmaßnahmen auf nationaler Ebene (2016); Globaler Aktionsplan der WHO für Menschen mit Behinderungen (2014–2021); Aktionsplan zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit: Auf dem Weg zur Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in der Europäischen Region – Niemanden zurücklassen (2016); Erklärung von Ostrava (2017); und Resolution WHA70.15 zur Förderung der Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten (2017). EUR/RC69/R5 Seite 3 die durch Schaffung von Rahmenbedingungen, wie sie für ein Leben in Gesundheit und Wohlstand3 in der Europäischen Region erforderlich sind, Fortschritte hin zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit begünstigen, unter Kenntnisnahme der hochrangigen Konferenz der Europäischen Region über die Beschleunigung der Fortschritte hin zu gesundheitlicher Chancengleichheit, die vom 11. bis 13. Juni 2019 in Ljubljana (Slowenien) stattfand und die sich mit Lösungskonzepten und Partnerschaften befasste, wie sie zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit zwischen wie auch innerhalb von Ländern erforderlich sind, in Anerkennung des Gebots der Beschleunigung der Fortschritte hin zu einem Leben in Gesundheit und Wohlstand für alle in der Europäischen Region der WHO – 1. BITTET die Mitgliedstaaten4 EINDRINGLICH: a) darauf hinzuarbeiten, gesundheitliche Chancengleichheit in den Mittelpunkt von Entscheidungsprozessen, Investitionen und der Umsetzung von Konzepten und Programmen in der Gesundheitspolitik und in anderen Politikbereichen zu rücken, und zwar unter Anwendung gesamtstaatlicher und gesamtgesellschaftlicher Ansätze sowie mittels Beteiligung, b) sich verstärkt um die Einbeziehung relevanter Politikbereiche und maßgeblicher Akteure bei der Ausarbeitung von Lösungsansätzen für die beschleunigte Schließung von Lücken in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden zu bemühen, wie sie zwischen sozialen Gruppen und geografischen Gebieten innerhalb von wie auch zwischen Ländern der Europäischen Region bestehen, c) über sämtliche Politikbereiche hinweg Folgenabschätzungen für Handlungskonzepte durchzuführen, die Einfluss auf die wesentlichen Voraussetzungen für ein Leben in Gesundheit haben, d) Lösungsansätze einzuführen, die befähigende, inklusive und partizipative Wirkung haben, die eine Chance für gesundheitsförderliche Entscheidungen bieten und die gewährleisten, dass die Entscheidungsprozesse zur Förderung von Gesundheit und 3 Die von der HESRi identifizierten wesentlichen Rahmenbedingungen sind: a) Gesundheitsversorgung; b) Einkommenssicherheit und soziale Absicherung; c) menschenwürdige Lebensbedingungen; d) Sozial- und Humankapital; und e) menschenwürdige Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen. 4 Und ggf. Organisationen der regionalen Wirtschaftsintegration. EUR/RC69/R5 Seite 4 Wohlbefinden denjenigen gerecht werden, die zurückgelassen wurden, und sie aktiv einbeziehen, e) den Einfluss des Gesundheitswesens auf die Entstehung von gesundheitlichen Ungleichgewichten und dessen Vorgehen gegen diese zu prüfen und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, f) für eine Verringerung der Exposition gegenüber aus ungünstigen Lebensbedingungen resultierenden physischen und psychologischen Bedrohungen für Gesundheit und Wohlbefinden sowie ihrer Folgen einzutreten, indem gesunde Lebensumfelder, menschenwürdiger Wohnraum und sichere Wohngegenden geschaffen werden, in denen alle Menschen sich sicher fühlen, zuversichtlich sind und ein Zugehörigkeitsgefühl in Bezug auf ihre Nachbarschaft und die gemeinsamen Räume haben; 2. APPELLIERT AN die Verantwortlichen in den maßgeblichen Politikbereichen in den Ländern sowie an die regionalen und kommunalen Behörden, die sich mit den Bereichen Wirtschaft, Beschäftigung, Bildungswesen, Wohnungspolitik, Gesellschaft und Gleichstellung befassen, aber auch an zwischenstaatliche Organisationen und an nationale und internationale nichtstaatliche Organisationen, einschließlich der Zivilgesellschaft und der Berufsverbände aus dem Gesundheitswesen und darüber hinaus, zur Umsetzung dieser Resolution beizutragen und sie zu unterstützen; 3. ERSUCHT die Regionaldirektorin: a) die Mitgliedstaaten darin zu unterstützen, gesundheitliche Chancengleichheit in den Mittelpunkt einer nachhaltigen Entwicklung und inklusiver Volkswirtschaften zu stellen, und dabei ihren unterschiedlichen Kapazitäten und Entwicklungsstufen Rechnung zu tragen, b) eine Führungsrolle zu übernehmen bei der Sondierung von Möglichkeiten, wie sich politische Entscheidungsträger anderer Politikbereiche, die Einfluss auf die Determinanten von Gesundheit haben, wie etwa das Bildungswesen, Wohnungspolitik, Beschäftigung, Umwelt und Armutsbekämpfung, an einen Tisch bringen lassen, um einen systematischen Lösungsansatz für entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, c) den Mitgliedstaaten eine Orientierungshilfe in Bezug auf Grundsatzoptionen für universelle und gezielte Handlungskonzepte sowohl innerhalb des Gesundheitswesens EUR/RC69/R5 Seite 5 als auch ressortübergreifend zu bieten, die unter Anwendung gesamtstaatlicher Ansätze in Erwägung gezogen werden sollten, und darüber hinaus den Mitgliedstaaten die erforderlichen Erkenntnisse und Instrumente an die Hand zu geben, um sich aus gesundheitlicher und wirtschaftlicher Perspektive für den Abbau gesundheitlicher Ungleichgewichte und die Schaffung von Rahmenbedingungen einzusetzen, die ein Leben in Gesundheit und Wohlstand begünstigen, d) ein Forum für Lösungskonzepte im Bereich der gesundheitlichen Chancengleichheit in der Europäischen Region der WHO einzurichten, das politischen Entscheidungsträgern als Mechanismus für den Austausch von vorbildlichen Praktiken und von Innovationen und nachhaltigen Lösungsansätzen dient, die beschleunigte Fortschritte hin zu mehr Chancengleichheit in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden auf nationaler Ebene wie auch auf subnationaler Ebene, in Regionen und Städten bewirken,5 und e) über drei Jahre ein fachübergreifendes Bündnis wissenschaftlicher Experten und Institutionen für gesundheitliche Chancengleichheit einzurichten, das die Umsetzung dieser Resolution erleichtert durch die Gewinnung hochaktueller Erkenntnisse und Methoden, die es den Ministerien verschiedener Ressorts und den Regierungen ermöglichen, für (wissenschaftliche, technologische, soziale, geschäftliche oder finanzielle) Innovationen zu werben und diese vorrangig zu behandeln und auszuweiten, um: die gesundheitliche Chancengleichheit zu verbessern und sicherzustellen, dass die sozialen Werte Solidarität, Chancengleichheit, Wohlbefinden, Inklusion und Gleichstellung zwischen den Geschlechtern bei Wachstums- und Entwicklungskonzepten gebührend berücksichtigt werden; 4. ERSUCHT das Regionalbüro, über die Umsetzung dieser Resolution zu wachen und dem Regionalkomitee auf seiner 73. Tagung im Jahr 2023 diesbezüglich Bericht zu erstatten, ohne dadurch den Mitgliedstaaten zusätzliche Berichtspflichten aufzuerlegen. = = = 5 Das Forum für Lösungskonzepte im Bereich der gesundheitlichen Chancengleichheit in der Europäischen Region der WHO wird ein Mechanismus sein, der speziell dazu dient, den Ländern und Partnerorganisationen die Entwicklung und Umsetzung von Lösungen für zentrale Herausforderungen im Bereich der gesundheitlichen Chancengleichheit zu ermöglichen. Dazu werden Orte für direkte konzeptionelle Innovationen eingerichtet und die besten Erkenntnisse und Lösungsansätze aufbereitet, die auf die gesamte Europäische Region ausgeweitet werden können, um Fortschritte beim Abbau gesundheitlicher Defizite zu beschleunigen.
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Neunundsechzigste Tagung des Regionalkomitees für Europa: Kopenhagen, 16.–19. September 2019: Resolution: Beschleunigung der Fortschritte hin zu einem Leben in Gesundheit und Wohlstand für alle in der Europäischen Region der WHO durch Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit und Befolgung der Maxime, niemanden zurückzulassen
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