Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa Ein Instrument für Kommunalpolitiker und Planer © Weltgesundheitsorganisation 2020 Gewisse Rechte vorbehalten. Diese Arbeit ist unter der Lizenz von Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 IGO (CC BY-NC-SA 3.0 IGO; https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/igo) erhältlich. Gemäß den Bestimmungen dieser Lizenz können Sie die Arbeit für nicht gewerbliche Zwecke kopieren, weiterverteilen und anpassen, sofern die Arbeit korrekt zitiert wird (siehe nachstehende Erläuterung). Bei jeglicher Nutzung dieser Arbeit ist jede Andeutung zu vermeiden, dass die WHO bestimmte Organisationen, Produkte oder Leistungen unterstützt. Die Verwendung des WHO-Logos ist nicht gestattet. Wenn Sie die Arbeit anpassen, müssen Sie Ihre Arbeit unter derselben oder einer gleichwertigen Lizenz von Creative Commons lizenzieren. 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Bei diesen Konzepten werden Synergieeffekte zwischen den Bemühungen angestrebt, die darauf ausgerichtet sind, das räumliche Umfeld von Wohnbezirken, den Verkehr und die Wohnverhältnisse zu verbessern; die Wertschätzung älterer Menschen, ihre soziale Inklusion und ihre Teilhabe zu verbessern; und Investitionen in öffentliche Leistungen zu fördern. Diese Publikation beinhaltet ein Instrumentarium für Kommunalpolitiker und Planer, um altersgerechte Konzepte und Inter- ventionen zu ent wickeln, umzusetzen und zu evaluieren, die die Menschen darin unterstützen, aktiv und gesund zu altern, und die es ihnen ermöglichen, die Dinge zu tun, die ihnen wichtig sind, und gleichzeitig einen Beitrag zum Leben in ihrer Gemeinschaft zu leisten. Auf der Grundlage der Lehren aus bereits bestehenden derartigen Initiativen in Europa werden in dieser Publikation die wichtig sten Voraussetzungen für den Aufbau und die Aufrechterhaltung erfolgreicher Initiativen in vier Phasen des politischen Prozesses zusammengefasst: Sich engagieren und verstehen, Strategisch planen, Handeln und umsetzen, Fortschritte überwachen und evaluieren. Anhand einer Vielzahl an Beispielen wird veranschaulicht, wie Kommunen die Grundsätze altersgerechter Maßnahmen in die Praxis umsetzen. Schlüsselwörter URBAN HEALTH AGEING AGED HEALTH POLICY STRATEGIC PLANNING EUROPE ISBN 9 789289 055185 Anfragen zu Publikationen des WHO-Regionalbüros für Europa richten Sie bitte an: Publikationen WHO-Regionalbüro für Europa UN City, Marmorvej 51 DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Wenn Sie Dokumente oder Gesundheitsinformationen anfordern oder eine Genehmigung zum Zitieren oder Übersetzen einholen wollen, füllen Sie bitte auf der Website des Regionalbüros für Europa ein entsprechendes Online-Formular aus (http://www.euro.who.int/PubRequest?language=German). iii Verzeichnis der Abbildungen und Kästen .................................................................................................................................v Vorwort.................................................................................................................................................................................................................. vi Danksagung .....................................................................................................................................................................................................vii 1. Einführung ......................................................................................................................................................................................................1 Die Notwendigkeit altersgerechter Umfelder ...........................................................................................................................2 Die Schaffung altersgerechter Umfelder ......................................................................................................................................2 Übersicht über das Dokument ...........................................................................................................................................................3 Hintergrund und Methodik ..................................................................................................................................................................4 Prozesse, Prinzipien und Erfolgsfaktoren: ein Vier-Phasen-Modell ...............................................................................5 Wie dieses Instrument benutzt werden sollte ..........................................................................................................................7 Instrumente und weiterführende Literatur: Anleitungen zur Schaffung altersgerechter Umfelder ......7 2. Die Schaffung altersgerechter Umfelder: übergreifende Prinzipien ....................................................... 10 Beteiligung älterer Menschen ..........................................................................................................................................................11 Schwerpunkt auf Chancengleichheit ..........................................................................................................................................12 Sektorübergreifende Zusammenarbeit ...................................................................................................................................... 14 Lebensverlaufansatz ...............................................................................................................................................................................14 Ebenenübergreifende Politiksteuerung ..................................................................................................................................... 17 Instrumente und weiterführende Literatur.............................................................................................................................. 19 3. Sich engagieren und verstehen ................................................................................................................................................ 20 Eine lokale Lenkungs- oder Arbeitsgruppe bilden ..............................................................................................................21 Partizipative altersgerechte Bewertungen durchführen .................................................................................................22 Eine Ausgangsbewertung mit einem Profil für gesundes Altern durchführen.................................................22 Die Bewertung vorstellen und verbreiten ................................................................................................................................22 Das Engagement der Politik sichern ............................................................................................................................................23 Instrumente und weiterführende Literatur.............................................................................................................................. 26 4. Strategisch planen ............................................................................................................................................................................... 27 Partner hinter einer gemeinsamen Vision vereinen ........................................................................................................... 28 Stärken und Schwächen analysieren und Prioritäten definieren ............................................................................... 28 Eine umfassende Strategie entwickeln, die Gesamtziele und Zeitrahmen definiert ..................................... 30 Ziele definieren und Zustimmung sichern ..............................................................................................................................30 Verantwortlichkeiten definieren .....................................................................................................................................................30 Instrumente und weiterführende Literatur.............................................................................................................................. 33 5. Handeln und umsetzen ................................................................................................................................................................... 34 Einen operativen Plan erstellen ....................................................................................................................................................... 35 Über den Aktionsplan beraten und ältere Menschen in allen Phasen einbeziehen ..................................... 37 Unterstützung und Ressourcen sichern .................................................................................................................................... 38 Den Plan umsetzen ................................................................................................................................................................................. 39 Erfolgreiche Maßnahmen ausweiten ........................................................................................................................................... 39 Instrumente und weiterführende Literatur.............................................................................................................................. 42 6. Fortschritte überwachen und evaluieren ........................................................................................................................ 43 Partnerschaften mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen eingehen ...................................................44 Prozesse kontinuierlich überwachen ........................................................................................................................................... 45 Ergebnisse evaluieren und Wirkungsanalysen durchführen ......................................................................................... 46 Auf der Grundlage von Erkenntnissen Maßnahmen aufrechterhalten und verbessern ............................. 46 Von erfolgreichen Aktivitäten in nationalen und internationalen Netzwerken lernen ................................48 Instrumente und weiterführende Literatur.............................................................................................................................. 50 Inhalt iv Quellenangaben .................................................................................................................................................................................................51 Anhang 1: Checklisten von Prozessen auf dem Weg zu altersgerechten Umfeldern: eine kurze Selbstbewertung auf der kommunalen Ebene ............................................................................................58 Anhang 2: Vorlage für lokale Aktionspläne ................................................................................................................................61 vAbbildungen Abbildung 1. Acht Bereiche für altersgerechtes Handeln, die in drei Dimensionen unterstützender lokaler Umfelder eingebettet sind ........................................................................................................................................................................................................3 Abbildung. 2. Modell der Prinzipien und Schritte zur Schaffung altersgerechter Umfelder ............................................................6 Abbildung. 3. Zweigleisige Vorgehensweise zur Schaffung altersgerechter Umfelder ................................................................... 12 Kästen Kasten 1. Zusammenarbeit mit und Kontaktaufnahme zu von Ausgrenzung bedrohten älteren Menschen in Manchester ................................................................................................................................................................................................................................. 13 Kasten 2. Analyse von Chancengleichheit als Unterschiede zwischen Gruppen bei der Messung von Altersgerechtigkeit ...................................................................................................................................................................................................................... 14 Kasten 3. Der Grundsatz „Gesundheit in allen Politikbereichen“ in der Strategie von Riga für die öffentliche Gesundheit ....................................................................................................................................................................................................................................... 15 Kasten 4. Allgemeine Berücksichtigung altersgerechter Umfelder in Ljubljana ................................................................................... 16 Kasten 5. Übergang zu einem Lebensverlaufansatz in Newcastle upon Tyne ....................................................................................... 17 Kasten 6. Überwindung potenzieller Hindernisse für altersgerechtes Handeln in Nordirland ................................................... 18 Kasten 7. Politische Führung für eine regionale Bewegung in Tuymazy (Russische Föderation) .............................................. 18 Kasten 8. Partizipative Bewertung in Prag .................................................................................................................................................................... 23 Kasten 9. Das Profil von Rijeka für gesundes Altern: Erfahrungsaustausch über Grenzen hinweg ........................................... 23 Kasten 10. Das Globale Netzwerk seniorengerechter Städte und Gemeinden der WHO .............................................................. 24 Kasten 11. Europäische Initiativen unterstützen das politische Engagement für altersgerechte Umfelder ....................... 25 Kasten 12. Beispiele für Visionen von Städten in Europa ..................................................................................................................................... 29 Kasten 13. Brünns Prozess zur Entwicklung der Strategie des aktiven Alterns ...................................................................................... 32 Kasten 14. Inhalte von Aktionspläne: ein Beispiel aus der Orientierungshilfe der AARP ................................................................. 36 Kasten 15. Beispiele für Bürgerhaushalte aus Alfândega da Fé und Paris ................................................................................................. 37 Kasten 16. Zusammenfassung der wichtigsten Ansätze für altersgerechte Haushalte ................................................................... 38 Kasten 17. New York City: durch Einbeziehung der Gesamtgesellschaft Veränderungen herbeiführen .............................. 40 Kasten 18. Projektdurchführung durch nichtstaatliche Akteure: eine Fallstudie aus der Ukraine ............................................. 41 Kasten 19. Erfahrungen mit der Ausweitung: von Stockholm auf ganz Schweden ........................................................................... 42 Kasten 20. Das Projekt Belgian Ageing Studies: Kooperationen zwischen Hochschulen, Kommunalbehörden und älteren Menschen .............................................................................................................................................................................................................. 45 Kasten 21. Monitoring und Evaluation des „Plans für ältere Menschen“ von Barcelona .................................................................. 47 Kasten 22. Udine: Langzeitmaßnahmen auf der Grundlage von Evaluation .......................................................................................... 48 Kasten 23. Städte, die in Netzwerken zusammenarbeiten, sind aktiver: ein Überblick aus Deutschland............................. 49 Abbildungen und Kästen vi Widerstandsfähige Gemeinschaften entstehen zu lassen und unterstützende Umfelder zu schaffen, ist einer der vier strategisch vorrangigen Bereiche von „Gesundheit 2020“, dem Rahmenkonzept der Europäischen Region der WHO für Gesundheit und Wohlbefinden. Das WHO-Regionalbüro für Europa hat eine lange Tradition der Zusammenarbeit mit Mitgliedstaaten und Gebiets körperschaften mit dem Ziel, die Herausforderungen alternder Gesellschaften in Möglichkeiten zur Revitalisierung städtischer Umfelder zu verwandeln, den sozialen Zusammenhalt und das bürgerschaftliche Engagement zu fördern und neue Formen der Zusammenarbeit über Sektoren und Verwaltungsebenen hinweg zu finden. Altersgerechte Umfelder helfen den Menschen, gesünder alt zu werden und weiterhin verschiedenste Rollen aktiv auszufüllen, auch in Erwerbstätigkeit und Ehrenamt. Im Rahmen seiner Strategie und seines Aktionsplans für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020) hat das Regionalbüro die Zusammenarbeit mit Gebietskörperschaften und den Mitgliedstaaten intensiviert, um die dynamische Bewegung altersgerechter Städte und Gemeinden in Europa zu unterstützen. Als die Mitgliedstaaten 2016 die Globale Strategie und den Globalen Aktionsplan für gesundes Altern billigten, bestätigten sie, dass unterstützende Umfelder ein wichtiger strategischer Politikbereich zur Unterstützung alternder Bevölkerungen weltweit sind. Mehrere Mitgliedsstädte des Gesunde-Städte-Netzwerks der Europäischen Region der WHO und des Globalen Netzwerks seniorengerechter Städte und Gemeinden der WHO nehmen in diesem Politikfeld eine führende Rolle wahr. Wie diese Veröffentlichung zeigt, wurde in den letzten Jahren viel aus innovativen politischen Handlungskonzepten gelernt, die Städte initiiert haben. Diese Veröffentlichung ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts zwischen der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission und dem WHO-Regionalbüro für Europa. Sie bildet eine wichtige Ergänzung zu den WHO-Publikationen zu Gesundheit in Städten. Die Hauptzielgruppe sind politische Entscheidungs träger und Planer, die sich mit dem Thema altersgerechter Umfelder befassen. Neue Instrumente bereitzustellen und den bestehenden Rahmen für altersgerechte Umfelder zu aktualisieren, war die Hauptaufgabe der WHO im Rahmen der von der Europäischen Kommission initiierten Europäischen Innovationspartnerschaft für aktives und gesundes Altern. Die in dieser Veröffentlichung dargelegten WHO-Handlungsprinzipien für altersgerechte Umfelder zielen darauf ab, Koalitionen von Akteuren auf der Ebene der Gebietskörperschaften ressortübergreifend zusammenzubringen, um an Strategien und Plänen zur Anpassung von Städten und Gemeinden zu arbeiten, sodass sie besser auf den demografi schen Wandel in Europa reagieren können. Mit ihrem Schwerpunkt auf der Beteiligung älterer Menschen sind Lebens verlauf ansätze und sektorübergreifende Kooperationsinitiativen zur Schaffung altersgerechterer Umfelder Parade bei spiele für die Umsetzung der Vision und der Prinzipien von „Gesundheit 2020“ in konkretes Handeln. Zsuzsanna Jakab WHO-Regionaldirektorin für Europa Vorwort vii Diese Publikation wurde von Josephine Jackisch unter der Leitung von Manfred Huber erstellt (beide WHO-Regional- büro für Europa). Wesentliche Beiträge zu dem Bericht leisteten die Mitglieder des Globalen Netzwerks senioren- gerechter Städte und Gemeinden der WHO, die ihre Strategien, Aktionspläne und Fortschrittsberichte mit der WHO geteilt und über das öffentliche ePortal „Age-friendly World“ des Globalen Netzwerks zugänglich gemacht haben. Die in dieser Veröffentlichung vorgestellte Arbeit stützt sich auch auf die Tätigkeit von Experten in den Städten des Gesunde-Städte-Netzwerks der Europäischen Region der WHO und ihrer Arbeitsgruppe Gesundes Altern. Zur Evaluation in Phase V (2009–2013) der Gesunde-Städte- Bewegung in der Europäischen Region unterbreitete Fall- studien lieferten viele Erkenntnisse für dieses Instrument. Darüber hinaus bildeten die Ansätze zur Schaffung inklusi- verer Umfelder für ältere Menschen und der Erfahrungs- austausch innerhalb der Arbeitsgruppe in den letzten 10 Jahren die Grundlage für diese Synthese und waren eine ständige Quelle der Inspiration. Die Gruppe war zudem ein kritischer Resonanzboden bei der Entwicklung des Projekts Altersgerechte Umfelder in Europa. Die nachstehend aufgeführten Mitglieder der Arbeits- gruppe nahmen 2014 und 2015 an den Sitzungen teil, füllten Fragebögen und Fallstudien aus und trugen nützliche Anregungen und Ideen bei: • Furio Honsell, Stefania Pascut und Gianna Zamaro (Federführende Stadt Udine der Arbeitsgruppe Gesundes Altern (Italien)); • Maria Miklosyne Bertalanfy und Eric Szabo (Győr (Ungarn)); • Birgitta Brännström Forss (Kristianstad (Schweden) und schwedisches Nationales Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region); • Anne McCusker und Gillian McEvoy (Belfast (Vereinig- tes Königreich)); • Ivana Draholova (Brünn (Tschechien)); • Barbara Douglas und Helen Wilding (Newcastle upon Tyne (Vereinigtes Königreich)); • Iwona Iwanicka (Lodz (Polen)); • Inge Kristiansen und Peter Soenen (Horsens (Dänemark)); • Tanja Hodnik, Danči Maraž und Darija Božnik (Ljubljana (Slowenien)); • Paul McGarry (Manchester (Vereinigtes Königreich)); • Eva Maria Martin de la Pena (Villanueva de la Cañada (Spanien) und spanisches Nationales Gesunde-Städte- Netzwerk der Europäischen Region); • Ankica Perhat (Rijeka (Kroatien)); • Serdar Sepetcioglu (Karsiyaka (Türkei)); und • Ozlem Tugac (Izmir (Türkei)). Unser Dank gilt auch den Mitwirkenden der in dieser Veröffentlichung enthaltenen Fallstudien und den Koordinatoren aus den Pilotstädten des Projekts Alters- gerechte Umfelder in Europa, deren Kommentare und Erfahrungen für die Verbesserung dieses Instruments äußerst wertvoll waren: • Anne Berit Rafoss (Stadtverwaltung Oslo (Norwegen)); • Elma Greer (Healthy Ageing Partnership, Belfast (Vereinigtes Königreich)) und Joan Devlin (Belfast, Gesunde Stadt (Vereinigtes Königreich)); • Furio Honsell und Stefania Pascut (Stadtverwaltung von Udine (Italien)); • Kbal Polat Polat, Kadıköy Akademi (Kommunal- verwaltung von Kadıköy (Türkei)); • Judith Kurth (Stadtrat von Stoke-on-Trent (Vereinigtes Königreich)); • Katarzyna Ziemann (Gdynia (Polen)); und • Nikola Tilgale-Platace (Sozialamt, Stadtrat von Riga (Lettland)). Danksagung viii Besonderer Dank gilt Geoffrey Green (Sheffield Hallam University), Gianna Zamaro (Stadtverwaltung von Udine (Italien) und Casimiro Dias (ehemals WHO-Regionalbüro für Europa), die Ideen initiiert haben, die zum Prozess- modell beigetragen und zur Entwicklung dieses Doku- ments beigetragen haben. Wir sind auch dankbar für kon- struktive Kommentare und Vorschläge von Alana Officer und Lisa Warth (WHO-Hauptbüro, Genf ) und den Fach- gutachtern Nils Fietje und Susanna Kugelberg sowie für die Ermutigung und Unterstützung von Gauden Galea, Direktor der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf, alle im WHO-Regionalbüro für Europa. Das Projekt wurde von der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission finanziell unterstützt (Beitragsvereinbarung Nr. VS/2013/0260). Einführung 1 1. Einführung Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 2 Das zunehmende Interesse von Städten und Gemeinden an altersgerechten Umfeldern hat zu einer steigenden Nachfrage nach Publikationen geführt, die Orientierung bei der Gestaltung von politischen Prozessen mit dem Ziel geben, Kommunen altersgerecht zu machen. Diese Publikation wurde im Rahmen des von 2013–2016 unter der gemeinsamen Federführung des WHO-Regional- büros für Europa und der Europäischen Kommission durch geführten Projekts Altersgerechte Umfelder in Europa (Age-friendly Environments in Europe – AFEE) entwickelt. Sie steht Seite an Seite mit der Veröffent- lichung Alters gerechte Umfelder in Europa. Ein Handbuch mit Bereichen für politische Maßnahmen (1), die eine Einführung zu der Frage bietet, warum alters gerechte Umfelder in Europa benötigt werden und welche Bereiche sie tangieren. Ziel des vorliegenden Dokuments ist es, das AFEE-Handbuch durch ein stärker handlungsorien- tiertes und praktisches Instrument zu ergänzen, das konkrete Schritte und Erfahrungen von Verwaltungen enthält, die bereits begonnen haben, ihre Kommunen altersgerechter zu gestalten. Diese Ver öffent lichung ist als Wegweiser konzipiert, der Gebietskörperschaften auf ihrem Weg zur Entwicklung und Aufrechterhaltung von Interventionen und politischen Entscheidungs prozessen in Bezug auf inklusive unterstützende Umfelder leiten soll. Die Notwendigkeit altersgerechter Umfelder Ob es im Alter zu Erkrankungen, Behinderungen, Ab- hängigkeiten oder Einsamkeit kommt, hängt nicht nur von den funktionalen Kapazitäten eines Menschen ab, sondern zu einem großen Teil auch von dem räum lichen und sozialen Umfeld, in dem er lebt. Unterstützende Um felder helfen Menschen mit unterschiedlichen Kapazitäten, ihre Fähig- keit zu erhalten, die für sie wichtigen Dinge zu tun (2). Indem Gebietskörperschaften Umfelder zu unterstützen- den und inklusiven Orten mit den richtigen Handlungs- konzepten und Dienstleistungen machen, können sie dazu beitragen, die Vorteile gesunden Alterns zu fördern. Wenn die Anpassung an den demografischen Wandel ver- nachlässigt wird, wird dies zu hohen Kosten für die Gesell- schaft führen (2). Im Weltbericht der WHO über Altern und Gesundheit (2) und in den Verpflichtungen aus der globalen Strategie und dem globalen Aktionsplan für Altern und Gesundheit (2016–2020) (3) wird ausführlich erläutert, warum alters gerechte Umfelder eine der wichtigsten Reaktionen der öffent lichen Gesundheit auf die alternde Bevölkerung sind. Das AFEE-Handbuch (1) und diese Publi- kation reagieren darauf, indem sie konkrete Anleitungen geben, wie altersgerechte Umfelder geschaffen werden. Altersgerechte Umfelder zielen darauf ab, aktives und gesundes Altern zu fördern, indem sie die Gesundheit optimieren, die Inklusion fördern und Wohlbefinden im Alter ermöglichen. Sie können dies auf zwei Wegen erreichen: indem sie die Entwicklung und die Aufrecht- erhaltung der intrinsischen Kapazität über den gesamten Lebensverlauf unterstützen und indem sie eine größere Funktionsfähigkeit ermöglichen, sodass Menschen mit unterschiedlichen Kapazitäten die Dinge tun können, die sie schätzen (2). Sie gehen daher idealerweise drei Dimensionen an, durch die Umfelder für ältere Menschen mit unterschiedlichen Kapazitäten inklusiv und unterstüt- zend sein können: räumliche Umfelder, soziale Umfelder und gemeindenahe Dienstleistungen. Innerhalb dieser drei breiten, in Wechselbeziehungen zueinander stehenden Dimensionen kategorisiert die WHO acht Bereiche, die von unterschiedlichen Sektoren abgedeckte Kernarbeits- gebiete sind (Abbildung 1). Ein altersgerechtes Umfeld wirkt idealer weise am Schnittpunkt, indem Hindernisse bewertet und Strukturen über alle acht Bereiche und alle drei Dimensionen hinweg integriert angepasst werden. Indem sie im Mittelpunkt dieses komplexen Netzes ange- siedelt werden, können Interventionen für altersgerechte Umfelder dazu bei tragen, einige der größten Herausforde- rungen gesunden und aktiven Alterns zu bewältigen. Zu diesen zählen soziale Isolation und Einsamkeit, Verletzungen und Stürze, physische Inaktivität, Misshandlung älterer Menschen und die psychische Gesundheit. Die Schaff ung altersgerechter Umfelder Um die Transformation in unterstützende Umfelder zu voll ziehen, sind Handlungskonzepte, Interventionen und Projekte erforderlich. Dieses Instrument konzentriert sich darauf, wie Gebietskörperschaften diese anstoßen und die Veränderungen aufrechterhalten können. Der politische Prozess wird oft als ein Zyklus von Schritten dargestellt, der Planung, Umsetzung und Evaluation umfasst (6). Die Erfahrung zeigt, dass in den komplexen Realitäten der Politikgestaltung die Zeitpläne und Abfolgen der Schritte von einer Kommune zur nächsten variieren. Für die erfolg- reiche Politikentwicklung auf der lokalen Ebene bedarf es daher eines flexiblen Rahmens, der jeder Gebietskörper- schaft Orientierung dafür bietet, ihre eigenen Ausgangs- punkte und Möglichkeiten zu bestimmen, die für die Situation vor Ort spezifisch sind. Das AFEE-Projekt entwickelte ein Modell, das vier Phasen auf dem Weg zu altersgerechten Umfeldern umfasst: Sich engagieren und verstehen; Strategisch planen; Handeln und umsetzen; Fortschritte überwachen und bewerten. Diese Phasen sind nicht zwangsläufig nacheinander zu Einführung 3 durchlaufen, sondern können als Beschreibung des Programmzyklus in Richtung altersgerechter Umfelder verstanden werden. Die Vielfalt der Gemeinden und Städte in der Europäischen Region der WHO führt dazu, dass es keinen einheitlichen Ansatz gibt. Gebietskörper- schaften auf der regionalen und lokalen Ebene können diesen Rahmen als ein strukturiertes Modell für alters- gerechte Initiativen nutzen, um Prozesse zu verstehen und zu überwachen sowie Bereiche zu definieren, die ver bessert werden müssen. Sie können dazu das Modell an die Gegeben heiten und Erfordernisse vor Ort anpassen. Diese Veröffentlichung baut auf bestehenden Emp fehlungen zur Schaffung altersgerechter Umfelder, vorhandenen Strategien und Aktionsplänen und ins besondere auf den Erfahrungen aus dem Wissens- austausch zwischen europäischen Städtenetzwerken auf. Berichte von Teilnehmern des Gesunde-Städte-Netz- werks der Europäischen Region der WHO (European Healthy Cities Network – EHCN) sind eine wichtige In for- mationsquelle: Das Netzwerk verfügt über langjährige Erfahrungen mit der Führung und dem Monitoring politischer Prozesse. Die Arbeitsgruppe Gesundes Altern der EHCN-Mitgliedsstädte arbeitet seit 2012 daran, Erfolgsfaktoren zu bestimmen, die alters gerechte Handlungskonzepte erleichtern und aufrecht erhalten. Das AFEE-Projekt hat auch vom Austausch mit Partnern im Rahmen der Europäischen Innovations partner schaft Abbildung 1. Acht Bereiche für altersgerechtes Handeln, die in drei Dimensionen unterstützender lokaler Umfelder eingebettet sind Quelle: Jackisch et al. (4) und Adaption von WHO (5). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 4 für aktives und gesundes Altern der Europäischen Kommission profitiert – insbesondere mit der D4-Aktions- gruppe für Innovation zur Förderung altersgerechter Gebäude, Städte und Umfelder. Die europäischen Erfahrungen wurden durch wichtige Forschungen zu Planung und Praxis aus anderen Teilen der Welt ergänzt: Australien, Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika waren in dieser Hinsicht besonders reichhaltige Quellen (7). Übersicht über das Dokument Eine altersgerechte Stadt oder Gemeinde zu sein, ist kein definierter Zustand oder Endpunkt, sondern eine konti nu- ierliche Anstrengung zur Anpassung von Strukturen und Prozessen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden älterer Menschen zu unterstützen. Altersgerecht zu werden, sollte in Synergie mit und als Teil von Maß nahmen zum Wohl aller Bürger erfolgen. Die folgenden Kapitel enthalten einen Plan zur Steuerung der komplexen Prozesse bei der Schaffung und Erhaltung alters gerechter Umfelder auf der kommunalen Ebene. Kapitel 2 steckt den Rahmen ab, indem es die Kern- prinzipien vorstellt, die der Bewegung zugrunde liegen. Diese basieren auf Erkenntnissen aus den Erfahrungen mit bestehenden lokalen Strategien und Aktionsplänen, stehen aber auch in Verbindung mit aktuellen Veröffent- lichungen über Maßnahmen auf der lokalen Ebene im Zusammenhang mit „Gesundheit 2020“, dem Rahmen- konzept und der Strategie der Europäischen Region der WHO für Gesundheit und Wohlbefinden (8). Zu den Kern- prinzipien zählen: • Beteiligung älterer Menschen • sektorübergreifende Zusammenarbeit • ein Schwerpunkt auf gesundheitliche Chancen- gleichheit • ein Lebensverlaufansatz • ebenenübergreifende Politiksteuerung. Die Kapitel 3 bis 6 zielen darauf ab, zugängliche und praxisorientierte Informationen bereitzustellen, die für jede der vier Phasen des politischen Prozesses für alters- gerechte Umfelder Orientierung bieten: • Kapitel 3: Sich engagieren und verstehen • Kapitel 4: Strategisch planen • Kapitel 5: Handeln und umsetzen • Kapitel 6: Fortschritte überwachen und evaluieren Diese legen die allgemeine Struktur eines umfassenden Rahmens für Kommunen fest, die mit der Schaffung besser unterstützender altersgerechter Umfelder beginnen oder auf diesem Weg weitere Fortschritte machen möchten. Die Kapitel fassen zusammen, was Städte als entscheidende Erfolgsfaktoren und wichtige Prozesse identifiziert haben, die jeden Schritt bei der Schaffung altersgerechter Umfelder unterstützen. Fallstudien veranschaulichen die wichtigsten Aktions- punkte. Anhang 1 enthält eine Zusammenfassung in Form einer Checkliste, die es Städten ermöglicht, Strukturen und Prozesse selbst zu bewerten und mögliche Einstiegs punkte für weitere Maßnahmen zu ermitteln. Die Städte in der Arbeitsgruppe Gesundes Altern des EHCN haben ein regelmäßiges Monitoring der Fort- schritte bei solchen Faktoren als nützlich erachtet, um Ressourcen zu priorisieren und das politische Engagement aufrechtzuerhalten sowie Erfahrungen unter Fachkollegen auszutauschen. Anhang 2 bietet eine zusammenfassende Vorlage für kommunale Aktionspläne. Hintergrund und Methodik Die vielen Initiativen, die seit der Veröffentlichung des Leitfadens Global age-friendly cities: a guide (5) der WHO gestartet wurden, veranschaulichen den Mehrwert von Zusammenarbeit und der Verwendung gemeinsamer Instrumente als Bezugspunkt, sowohl um lokale Aufgaben bei der Einrichtung altersgerechter Initiativen zu straffen als auch um Ergebnisse auszutauschen und nach Ver- besserungsmöglichkeiten zu suchen. Die Forschung hat ebenfalls die Notwendigkeit eines einheit licheren Rahmens hervorgehoben (9). Diese Veröffentlichung baut auf dem Rahmen des „Zyklus der kontinuierlichen Verbesserung“ der WHO auf, der sowohl im Kontext des EHCN (10) als auch vom Globalen Netzwerk seniorengerechter Städte und Gemeinden der WHO (6) genutzt wurde. Das AFEE- Projekt erweitert diesen Zyklus beträchtlich und prä- sentiert ein detaillierteres Modell, das Prinzipien, Phasen und Erfolgsfaktoren für die Schaffung alters gerechter Umfelder beschreibt. Einführung 5 Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Gesundes Altern des EHCN ermittelten zunächst eine Reihe von Erfolgsfaktoren für die Entwicklung kommunaler Handlungskonzepte für gesundes Altern. Die WHO hat diese nach Überprüfung und qualitativer Analyse von 23 bestehenden nationalen, subnationalen und lokalen Leitfäden für altersgerechte Städte und sechs ausgewählten internationalen Rahmen- werken zu einem vollwertigen Prozessmodell weiterent- wickelt (siehe den Abschnitt „Instrumente und weiter- führende Literatur“ am Ende dieses Kapitels). Ergänzt wurde dies durch Ergebnisse einer Sichtung der wissen- schaftlichen Literatur. Die in den bestehenden Leitfäden zur Schaffung altersgerechter Umfelder vorgeschlagenen Tipps und Schritte wurden mit Informationen über prakti- sche Erfahrungen in Städten und Gemeinden verglichen, die aus Fallstudien und Grundsatzdokumenten gewonnen wurden. Die WHO ermittelte 31 altersgerechte Strategien, Aktionspläne und Berichte in der Europäischen Region, bei denen auch der Prozess ihrer Entwicklung beschrieben wurde. Darüber hinaus hat das EHCN bei der Gewinnung von Erkenntnissen aus über 25 Jahren Politik zum Thema gesundes Altern eine Fülle von Fallstudien gesammelt, die Informationen über Erfolgsfaktoren und unterstützende Prozesse enthalten, die auch in Jahresberichten zusam- mengefasst und auf Jahrestagungen vorgestellt wurden. Zusätzlich umfasste die qualitative Analyse 33 Fallstudien, die von teilnehmenden Städten zum Zweck der regel- mäßigen Evaluation der Bilanz des EHCN eingereicht wurden (4). Die Arbeitsgruppe Gesundes Altern des EHCN hat in den letzten zehn Jahren wichtige Aktivitäten zum Thema gesundes Altern durchgeführt (11). Mittels vier Tagungen und Konsultationen, die zwischen 2014 und 2016 statt- fanden, trug diese reiche Erfahrung zur Entwicklung dieses Instruments bei, das die Erkenntnisse zusammen- fasst, die aus allen diesen Quellen gewonnen wurden. Das Ergebnis ist ein Rahmenmodell, das versucht, die Orientierungshilfe zu straffen und gleichzeitig flexibel zu sein sowie auf die Vielfalt der Kommunen einzugehen, die es nutzen. Sieben Städte in ganz Europa in verschiedenen Phasen der Schaffung altersgerechter Umfelder erprobten dieses Instrument, indem sie die Entwürfe gelesen und gegen ihre eigene Praxis überprüft haben. Pilotstädte steuerten ebenfalls Fallstudien bei und leisteten so einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Komplexität und Variabilität der lokalen Politikgestaltung und altersgerechter Initia tiven in Europa. Fallstudienbeispiele stellen einige der laufenden Initiativen heraus, die Quellen für zukünftige Informationen sein können. Eine weitere Inspirations quelle und Orientie- rungshilfe ist die nutzerorientierte Sammlung vorhandener Erfahrungen und Aktionspläne, die Kommunen im Rahmen ihrer Verpflichtung zum Informationsaustausch zugunsten gegenseitigen Lernens auf dem ePortal „Age-friendly world“ des Globalen Netzwerks seniorengerechter Städte und Gemeinden der WHO (12) zur Verfügung gestellt haben. Prozesse, Prinzipien und Erfolgsfaktoren: ein Vier-Phasen-Modell Das AFEE-Projekt straffte die bestehenden Anleitungen zur Schaffung altersgerechter Umfelder und zu bewährten Praktiken, die in anderen Leitfäden und Grundsatzdoku- menten sowie aus den Erfahrungen der Arbeitsgruppe Gesundes Altern des EHCN ermittelt wurden. Diese wurden zu einem Katalog von Erfolgsfaktoren für das erfolgreiche Management eines umfassenden und nachhaltigen altersgerechten kommunalen Programms zusammengefasst. Das in Abbildung 2 vorgestellte Modell enthält eine Liste dieser 25 Erfolgsfaktoren, unterteilt in fünf allgemeine Prinzipien und 20 Schritte, um das Ziel umfassender und strategischer Interventionen und Politik- gestaltung für altersgerechte Umfelder zu unterstützen. Auf diese Weise soll eine Synthese der Art und Weise erstellt werden, wie Gebietskörperschaften altersgerechte Umfelder oder einzelne Themen geplant und umgesetzt haben. Die fünf strategischen Handlungsprinzipien sind von übergreifendem Interesse für alle Prozesse, während die 20 Schritte auf die vier Phasen des Interventions- prozesses und des politischen Prozesses ausgerichtet sind. Diese vier Phasen wiederholen sich zyklisch, und neue Schritte können gestärkt und jedes Mal wieder angewendet werden. Ein dynamisches Modell mit unterschiedlichen Ansatzpunkten für Aktivitäten Politische Prozesse und die Umsetzung von Handlungs- konzepten sind komplexer, als es solche strengen Stufen- modelle vermuten lassen. Die 25 Erfolgsfaktoren sind nicht als Anleitung gedacht: Es kann der Fall sein, dass nicht alle in lokalen Kontexten unmittelbar gelten, und nicht alle Prinzipien und Erfolgsfaktoren müssen in den ersten Jahren der Tätigkeit strikt berücksichtigt werden. Wenn sich die Phasen und Prozesse wiederholen, können sie kontinuierlich verbessert werden. Altersgerechter zu werden, ist deshalb ein fortlaufender Prozess, und der erste Aktionsplan ist nicht der Endpunkt. Das Vier-Phasen- Modell von Abbildung 2 integriert früher vorgeschlagene Modelle, obwohl die Aktivitäten möglicherweise anders gruppiert sind als in anderen Leitfäden (siehe den Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 6 Abschnitt „Instrumente und weiterführende Literatur“ am Ende dieses Kapitels). So bieten beispielsweise die Leitfäden aus Quebec in Kanada und Irland detaillierte Anweisungen zu den Prozessen. Die Analyse der Maßnahmen in Europa hat gezeigt, dass der Prozess der Schaffung altersgerechter Umfelder in jeder Phase beginnen kann. Die vorgeschlagenen Phasen und Schritte können folglich als dynamisches Modell verstanden werden, das den Einstieg an einem Punkt ermöglicht, der den Stärken und Schwächen vor Ort am besten entspricht. Die wichtigsten Schritte innerhalb der vier Phasen der Schaffung altersgerechter Umfelder können entweder nacheinander oder parallel durchge- führt werden. So kann beispielsweise die Lagebeurteilung gleichzeitig das Bewusstsein schärfen und das Interesse der Politik erhöhen. Kommunen, die neu mit der Schaffung altersgerechter Umfelder beginnen, können sich für einen Ansatz im Uhrzeigersinn entscheiden: Am Anfang steht die Phase „Sich engagieren und verstehen“ in der linken oberen Ecke, gefolgt von Planen, Handeln und schließlich dem Monitoring. Lokale Behörden beginnen jedoch in der Regel nicht bei Null, weil es Projekte und Handlungs- konzepte gibt, die die Art und Weise regeln, wie Umfelder gestaltet und aufrechterhalten werden. Um erfolgreich zu sein, müssen Kommunen die Chancen nutzen und ihre Maßnahmen an die Situation vor Ort anpassen. Ein guter Ausgangspunkt ist es, Verknüpfungen und Synergien mit bestehenden Projekten, Rahmenkonzepten, Zielen und Verpflichtungen zu suchen und gleichzeitig ergänzende Aspekte zu fördern, um inklusivere und besser unter- stützende Umfelder zu schaffen. In Wirklichkeit können jeder politische Prozess und die ge troffenen Schritte – sei es ein neu durchgeführtes Projekt, eine Bewertung, eine Konsultation oder eine Planungs aktivität – ein potenzieller Ausgangspunkt für die Schaffung altersgerechter Umfelder sein. Beispielsweise können Kommunen mit der Evaluation eines bestehenden Projekts beginnen; die Ergebnisse dieser Bewertung können das politische Engagement für die Einleitung weiterer Veränderungen sichern. Weil der Kontext und der Prozess der Umsetzung jeder Kommune einzigartig sind, fordert der Rahmen die lokalen Praktiker auf, sie an die Erfordernisse vor Ort anzupassen und sich kontinuierlich um die Verbesserung von sowohl Prozessen als auch Ergebnissen zu bemühen, die in der Kommune relevant und vorrangig sind. Es ist jedoch sehr häufig der Fall, dass der Prozess damit begonnen wird, zunächst ein umfassen- des Profil für gesundes Altern zu entwickeln, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu schärfen, politische Unterstützung zu gewinnen und die Bürger einzubeziehen. Der vorgeschlagene Rahmen soll den Kommunen in jeder Phase der Schaffung altersgerechter Umfelder helfen, sich kontinuierlich zu verbessern und gestützt auf einen systematischen Ansatz einige verbreitete Fallgruben zu vermeiden. Viele Kommunen haben in der Tat alters- SICH ENGAGIEREN UND VERSTEHEN - Einen Ausschuss/eine Arbeitsgruppe bilden - Eine partizipative Bewertung durchführen - Ein Ausgangsprofi l erstellen - Die Ergebnisse verbreiten - Das Engagement der Politik sichern EVALUIEREN - Partnerschaften eingehen - Fortschritt überwachen - Ergebnisse evaluieren und Wirkungs- analysen durchführen - Maßnahmen aufrechterhalten und verbessern - Sich mit anderen austauschen (auf nationaler und ggf. internationaler Ebene) STRATEGISCH PLANEN - Partner hinter einer gemeinsamen Vision vereinen - Stärken und Schwächen analysieren - Eine umfassende Strategie entwickeln - Zustimmung sichern - Verantwortlichkeiten defi nieren HANDELN UND UMSETZEN - Einen Aktionsplan erstellen - Pläne beraten und ältere Menschen beteiligen - Unterstützung und Ressourcen sichern - Einen operativen Plan umsetzen - Erfolgreiche Maßnahmen ausweiten HANDLUNGS- PRINZIPIEN - Beteiligung älterer Menschen - Schwerpunkt auf Chancengleichheit - Sektorübergreifende Zusammen arbeit - Lebensverlaufansatz - Ebenenübergreifende Politiksteuerung Abbildung 2. Modell der Prinzipien und Schritte zur Schaffung altersgerechter Umfelder Einführung 7 gerechte Programme entwickelt, ohne über ein Profil oder eine umfassende Strategie zu verfügen. Manche Strategien und Aktionspläne basieren nicht auf umfassenden Bewer- tungen und Situationsanalysen; andere werden entwickelt, aber nur teilweise umgesetzt. Darüber hinaus ist in vielen Fällen eine Kultur der rigorosen Evaluation erst im Entstehen begriffen. Erfolgreiche Ergebnisse resultieren vor allem aus miteinander verknüpften politischen, sozialen und institutionellen Prozessen, die im besten Fall als flexibel und evolutionär bezeichnet werden können. Die in den folgenden Kapiteln vorgestellten zentralen Schritte fassen diese Erfolgsfaktoren zusammen, die verhindern helfen können, dass der Prozess zum Stillstand kommt. Wie dieses Instrument benutzt werden sollte Die Zielgruppe dieses Dokuments sind in erster Linie politische Entscheidungsträger und Planer, die an Projekten und Initiativen zur Verbesserung der Alters- gerechtigkeit auf der lokalen und regionalen Ebene beteiligt sind. In manchen Fällen könnten auch lokale politische Ent schei dungsträger und nichtstaatliche Organisationen das Instrument oder Elemente davon nutzen – beispielsweise als Prozessbewertungsinstrument zur Überwachung von Fortschritten (wenn sie etwa die Aktivitäten ihrer Kommunen umfassend bewerten, indem sie Evidenz und Fortschrittsberichte in Übereinstimmung mit der Checkliste zur Selbstbewertung in Anhang 1 anfordern). Für andere Fachleute oder Forscher im Bereich altersgerechter Politik kann dieses Instrument eine Einführung sein, die – ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben – einen umfassenden Überblick und eine Auswahl an Literaturhinweisen bietet. Neu engagierten Kommunen können die folgenden Kapitel als Checkliste mit vorgeschlagenen Erfolgsfaktoren dienen, die schrittweise verfolgt werden können. Die Durchführbarkeit und der Umfang jedes Schrittes sollten jedoch vor dem Hintergrund des lokalen Kontextes geprüft und angepasst werden, um die lokalen Stärken optimal zu nutzen und die größtmögliche Wirkung zu erzielen. Einige Kommunen verfügen möglicherweise bereits über eine altersgerechte Strategie oder haben Profile oder Aktionspläne veröffentlicht, die ältere Menschen ein- beziehen. Für die erfahreneren Kommunen, in denen die Monitoring- und Evaluationsphase oft parallel zur Engagement- und Verständnisphase verläuft, ist dieses Instrument eine Gelegenheit, die Art und Weise, wie solche Aufgaben ausgeführt werden, zu überprüfen und zu verbessern. Beispielsweise kann die wiederholte Veröffentlichung eines Profils für gesundes Altern und einer altersgerechten Bewertung die Evaluation von Veränderungen ermöglichen. Außerdem können Beiträge aus verschiedenen Bereichen neu aufgegriffen und politisches Engagement gesichert werden. Für solche Kommunen ist es sinnvoll, die Grundprinzipien zu über- prüfen und die Fortschritte im weiteren Kontext eines inklusiven und unterstützenden Umfelds für alle zu unter- suchen. Die Analyse von Indikatoren für Chancengleich- heit kann Erkenntnisse zu der Frage liefern, ob die Ver- änderungen allen Teilen der Bevölkerung zugute kommen, und ältere Menschen zu befragen, kann helfen, Bedürfnisse zu erfassen, die sich möglicherweise verändern. Instrumente und weiterführende Literatur: Anleitungen zur Schaff ung altersgerechter Umfelder Internationale Organisationen Central Europe Project (2011). Toolbox of tested solutions promoting active ageing at local level. Ujbuda: Municipality of Ujbuda (https://www.zze-freiburg.de/assets/pdf/ Toolbox-of-tested-solutions-Active-Ageing.pdf, eingesehen am 17. Dezember 2019). Europäische Kommission, Funka Nu (2013). 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Sie übertragen auch die Vision von „Gesundheit 2020“ und das Dokument „Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020)“ auf die lokale Ebene (8, 13). Beteiligung älterer Menschen Die Einbeziehung und Beteiligung älterer Menschen an allen Entscheidungen und Prozessen zur Schaffung altersgerechter Umfelder ist das wichtigste Prinzip. Altersgerechte Umfelder versuchen systematisch, ältere Menschen einzubeziehen und ihre Fähigkeiten zu stärken, um sicherzustellen, dass ihre Erfahrungen ein Ausgangs- punkt für die Entwicklung altersgerechter Initiativen sind (14). Angeregt von anderen Basisbewegungen ist der Satz „nichts über uns ohne uns“ zu einem wichtigen Slogan in altersgerechten Strategien geworden. Dies drückt den Paradigmenwechsel von der Planung und Entscheidungs- findung durch Fachleute und Politiker für ältere Menschen hin zur Definition von Problemen, Konzeption, Umsetzung und Bewertung altersgerechter Umfelder mit älteren Menschen aus. Ältere Menschen sind wichtige Akteure mit bedeutsamen Kompetenzen und Erfahrungen, die für altersgerechte Programme von Relevanz sind (15). Die Einbeziehung der Hauptzielgruppe in alle Phasen des politischen Prozesses steht im Mittelpunkt erfolgreicher Strategien und Maßnahmen zu altersgerechten unter- stützenden Umfeldern (siehe auch die Bereiche 5 und 6 des AFEE-Handbuchs (1)). Auf der Grundlage einer Definition der WHO (16) wird Beteiligung in diesem Zusammenhang definiert als: ein Prozess, durch den die Menschen befähigt werden, sich aktiv und wirklich an der Deönition von sie betreffenden Themen zu beteiligen, Entscheidungen über Faktoren zu treffen, die ihr Leben beeinøussen, Handlungskonzepte zu formulieren und umzusetzen, Dienstleistungen zu planen, zu entwickeln und zu erbringen und Maßnahmen zu ergreifen, um Veränderungen zu erreichen. Viele Gebietskörperschaften auf der lokalen Ebene haben diese Einbeziehung in der Form von partizipativen Pla- nungsmechanismen wie Fokusgruppen (17) und Gemein- schaftsforen institutionalisiert. Die Herausforderung besteht jedoch darin, sie dauerhafter zu machen – die Einbeziehung älterer Menschen in Entscheidungsfunktio- nen innerhalb der Struktur von Gebietskörperschaften zu erleichtern oder partizipative Mechanismen zu institutio- nalisieren, die in den vier Phasen des dynamischen Modells beratend zur Seite stehen können. Die aktive Beteiligung älterer Menschen als Akteure des Wandels braucht Zeit und muss aktiv unterstützt werden, aber wenn dabei alles richtig gemacht wird, ist sie ein wichtiger Schritt zur Veränderung der Kultur kommunaler Organisa- tionen dahingehend, die Beiträge älterer Menschen zu schätzen und zu fördern. Bei der Beschreibung altersgerechter Programme heißt es oft, dass sie einen Top-down- oder einen Bottom-up- Ansatz verfolgen, wobei sich dies auf die Akteure bezieht, die sie anstoßen und konzipieren (18, 19). Top-down-Programme werden in der Regel von lokalen Entscheidungsträgern oder deren Behörden auf den Weg gebracht. Diese trei- benden Akteure wählen die Ziele, Prioritäten, das Design, die Mittel für die Durchführung und Evaluation des Pro- gramms aus – einschließlich der Auswahl der Ziel gruppen und der Methoden, um diese zu erreichen. Bottom-up- Programme sind eng mit Konzepten wie Befähigung ver- knüpft; dabei haben die Betroffenen selbst die Kontrolle über die Entscheidungen, die ihre Gesundheit und ihr Leben beeinflussen. Ältere Menschen oder ihre Interessen- vertreter wie nichtstaatliche Organisationen, Betreuer oder Wissenschaftler identifizieren wichtige Themen und ent- wickeln Strategien zu deren Lösung, wobei sie oft Unter- stützung von Fachleuten suchen (20). Wenngleich zwi- schen diesen Ansätzen ein gewisses Maß an Spannungen bestehen kann, wählen die meisten altersgerechten Initia- tiven einen Mittelweg (siehe Abbildung 3). Die erfolgreichsten altersgerechten Programme sind oft diejenigen, bei denen Politiker und Kommunen gemein- sam handeln. Der Top-down- und der Bottom-up-Ansatz können parallel und sukzessive verfolgt werden, wenn Kommunen starke politische Unterstützung und strategi- sche Führung mit partizipativen Prozessen und Bürger- projekten von Anfang an und in allen Phasen kombinieren. Dieser Prozess wird manchmal als „Koproduktion“ alters- gerechter Umfelder bezeichnet (21). Das Parallelansatzmodell hilft, deutlich zu machen, wie sich Top-down- und Bottom-Up-Prozesse gegenseitig stärken Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 12 können. In jeder Phase des politischen Entscheidungspro- zesses können sowohl von den Bürgern als auch von der Politik initiierte Maßnahmen wichtige Treiber des Prozesses sein und sich gegenseitig ergänzen. Beispielsweise kann eine altersgerechte Bewertung entweder mit einer Definition von Herausforderungen unter Verwendung von epidemiologischen und sozialen Indikatoren (beispiels- weise Gesundheitsprofilen) oder mit einer Bedarfs- und Interessenanalyse (beispielsweise in öffentlichen Foren oder Fokusgruppen mit älteren Menschen selbst) beginnen. Die Kombination beider Aspekte schafft Mehrwert. Die Einbeziehung älterer Menschen sollte damit jedoch nicht enden. Die in dieser Phase aufgebauten Beziehungen sollten in der Planungs-, Umsetzungs- und Evaluierungsphase aufrechterhalten und gestärkt werden. Lösungen für und mit denen zu finden, die schwieriger zu erreichen sein könnten, kann eine Herausforderung für Kommunen sein. Insbesondere marginalisierte oder benachteiligte Gruppen älterer Menschen sind in partizipativen Prozessen oft weniger gut vertreten, während bei ihnen wahrscheinlich die Wahrnehmung besteht, dass sie mit mehr Hindernissen und Heraus- forderungen für aktives und gesundes Altern konfrontiert sind. Wenngleich paradoxerweise gerade diejenigen, die am meisten Unterstützung benötigen, bei vielen partizi- pativen und Konsultationsmechanismen außen vor bleiben, sollten Schwierigkeiten bei der Formulierung der Bedürfnisse und Interessen der am stärksten margina li- sierten Menschen nicht dazu führen, dass ihre Perspektive aus altersgerechten Programmen ausgeschlossen wird. Die Anfälligsten zu erreichen und ihre Stimmen zu berück- sichtigen, ist von wesentlicher Bedeutung und kann in Zusammenarbeit mit der Zivil gesellschaft erfolgen (siehe Kasten 1). Schwerpunkt auf Chancengleichheit Chancengleichheit ist das Freisein von vermeidbaren, ungerechten oder behebbaren Unterschieden zwischen Gruppen von Menschen, die durch soziale, ökonomische, demografische oder geografische Merkmale definiert Abbildung 3. Zweigleisige Vorgehensweise zur Schaffung altersgerechter Umfelder Quelle: Adaption von Laverack und Labonte (20). Auf Initiative von oben (top-down) Auf Initiative von unten (bottom-up) Sich engagieren und verstehen Ausgangsbewertung (auf der Grundlage epidemiologischer Evidenz) Problemdefi nition Bewertungen der Bedürfnisse (auf der Grundlage von Erfahrungen und Diskussionen) Planen Strategische Planung Strategie Partizipative Planung Handeln Veränderungen einleiten; Interventionen und Projekte unterstützen Umsetzung Ansätze erproben und modifi zieren, die ältere Menschen einbeziehen und ihre Kapazität stärken Evaluieren Bewertung von Prozess-, Ergebnis- und Wirkungsindikatoren sowie Indikatoren für Chancengleichheit Fortschritte überprüfen Partizipative Evaluation mit der Bewertung von Erfahrungen und Zufriedenheit Um nachhaltig zu sein, müssen altersgerechte Umfelder zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichgewichte innerhalb von und zwischen Kommunen beitragen. Konzepte für gesundes und aktives Altern müssen beinhalten, Unter- schiede zwischen Gruppen und Wohn bezirken systematisch zu untersuchen und ihnen ent- gegenwirken. Die Schaff ung altersgerechter Umfelder: übergreifende Prinzipien 13 sind. Mit „Gesundheit 2020“ haben sich die 53 Mitglied- staaten der Europäischen Region der WHO darauf ver ständigt, gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen und sich auf das Grundrecht zu verpflichten, dass alle Menschen (um ihrer Gesundheit gerecht zu werden) eine faire Chance haben sollten, ihr gesundheitliches Potenzial voll auszuschöpfen (8). Ungleichheiten summieren sich über den Lebensverlauf und können zu stark unterschiedlichen Erfordernissen und Situationen im Alter führen. Altersgerechte Konzepte und Programme müssen auf die unterschiedlichen Erfordernisse eingehen und sicherstellen, dass die Bedürftigsten von den Interventionen profitieren. Alters- gerechte Umfelder können einen Beitrag zu Chancen- gleichheit leisten, indem sie die Lücken bei den gesund- heitlichen Ungleichheiten analysieren und schließen, einschließlich solcher, die auf wirtschaftliche, geschlechtsspezifische oder ethnische Faktoren zurück- zuführen sind (siehe Kasten 2). Altersgerechte Umfelder müssen die Menschen erreichen, die ihrer am meisten bedürfen, um echte Veränderungen und mehr Wirkung zu erzielen. Weil Ausschlussprozesse sehr komplex sein können, stehen die politischen Entscheidungsträger bei der Aufgabe, benachteiligte Menschen zu erreichen, jedoch vor vielfältigen Herausforderungen. Materielle Entbehrungen oder Gesundheits probleme können andere Nachteile – beispielsweise Umweltgefahren, eingeschränkte Mobilität oder empfundene Hilflosigkeit – auslösen oder sich mit ihnen überschneiden und zu Abwärtsspiralen in Richtung Einsamkeitsgefühlen, sozialer Isolation und Mehrfachbarrieren und -benachteiligung führen. Es muss unbedingt besser verstanden werden, wie solche Prozesse funktionieren, indem Ungleichheiten bei den Ergebnissen und Basis- indikatoren bewertet werden und analysiert wird, ob die Fortschritte gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt waren. Kasten 1. Zusammenarbeit mit und Kontaktaufnahme zu von Ausgrenzung bedrohten älteren Menschen in Manchester Die Stadt Manchester (Vereinigtes Königreich) hat eine lange Tradition partizipativer Ansätze in ihrem Projekt zur Schaffung altersgerechter Umfelder mit der Bezeichnung Age-friendly Manchester (AFM). AFM wurde 2003 als Partner- schaft unter dem Slogan „Wertschätzung älterer Menschen“ ins Leben gerufen und wurde vom Stadtrat von Manchester, dem Nationalen Gesundheitsdienst, dem ehrenamtlichen Sektor und der älteren Bevölkerung von Manchester mit dem Ziel gegründet, die Dienstleistungen und Möglichkeiten für ältere Menschen zu verbessern. AFM ist beim öffentlichen Gesundheitsdienst von Manchester angesiedelt und arbeitet mit Partnern in verschiedenen Behörden aus allen Sektoren zusammen, die für das Leben älterer Menschen wichtig sind. AFM beteiligt sich an der Durchführung von Projekten, fungiert als Beratungsstelle und wirbt für für Veränderungen, die das Leben älterer Menschen positiv verändern. Gegenüber einem Seniorenrat, der sich aus Vertretern älterer Stadtbewohner zusammen setzt, ist die AFM-Partnerschaft unmittelbar rechenschaftspflichtig. 2016 wurde das Kompetenzzentrum Altern für den Großraum Manchester (Greater Manchester Ageing Hub) ins Leben gerufen, um den altersgerechten Stadtansatz auf die zehn Kommunen in der Metropolregion Manchester auszudehnen. 2009 arbeitete die Kooperation die Alterungsstrategie 2010–2020 für die Stadt aus, die umfassend konsultiert wurde. Vor einiger Zeit hat Manchester eine weitere Innovation der Art und Weise eingeführt, wie ältere Menschen an der Entwicklung beteiligt sind und Einfluss auf die Gestaltung des altersgerechten Programms der Stadt nehmen können. Ein Forschungsprogramm wurde aufgelegt, in das ältere Menschen einbezogen und mit eigenen For- schungsaufgaben betraut werden. Eine heterogene Gruppe von 18 älteren Einwohnern wurde zu Ko-Investigatoren ausgebildet; sie führten und analysierten 68 Interviews in drei Stadtteilen mit älteren Menschen, die von sozialer Ausgrenzung, Isolation, Armut oder Gesundheitsproblemen betroffen waren. Die Ergebnisse dieses Projekts kon zentrierten sich auf marginalisierte Teile der Bevölkerung und beleuchteten Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen in Städten. Dieses Beispiel zeigt, wie ältere Menschen nicht nur als Konsultierte, sondern auch als Partner und Vermittler, die sich an ältere, ausgeschlossene Menschen wenden, beteiligt werden können. Die Erfahrungen aus dem Projekt werden in einem Leitfaden und einem Begleitfilm veröffentlicht. Quellen: Buffel (22); Manchester City Council (23); Age-friendly Manchester (24).. Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 14 Das Konzept der Chancengleichheit umfasst auch die Chancengleichheit über Generationen hinweg. Dies schließt ein, die Auswirkungen von Interventionen nicht nur auf ältere Männer und Frauen, sondern auch auf andere Altersgruppen zu bedenken. Chancengleichheit über Gene- rationen hinweg erfordert auch, dass Umfelder ökologische Nachhaltigkeit anstreben, um die Möglich keiten und Chancen zukünftiger Generationen nicht zu beschneiden. Sektorübergreifende Zusammenarbeit Neben der Einbeziehung und Konsultation älterer Menschen wurde der Aufbau und die Pflege von Partner- schaften mit einer Vielzahl von Sektoren und kommunalen Akteuren als Kernprinzip altersgerechter Initiativen heraus- gestellt (18, 26). Erfolgreiche Pläne und Programme zu altersgerechten unterstützenden Umfeldern bilden einen Rahmen, der eine enge Zusammenarbeit zwischen unter- schiedlichen Akteuren in der Kommune fördert. Kasten 3 zeigt ein Beispiel für die unterschied lichen Sektoren, die an der Schaffung und Umsetzung einer umfassenden Gesundheitspolitik beteiligt sind, die darauf abzielt, stärker unterstützende Umfelder zu schaffen. Entscheidungen und Konzepte vieler Akteure und Sektoren prägen die acht Bereiche alters- gerechter Umfelder. Die Schaffung alters- gerechter Umfelder kann nicht allein als Verant- wortung des Gesundheits- und Pøegesektors gesehen werden, sondern ist vielmehr das Ergebnis gesamtgesellschaftlichen Handelns. Konzepte für altersgerechte unterstützende Umfelder, die einen integrierten, umfassenden und systemischen Ansatz verfolgen, berühren viele verschiedene Verantwortungs- bereiche. Dieser Ansatz hat das Potenzial, die gemein- samen Themen und Mainstream-Projekte zu identifizieren, um eine stärker integrierte und effizientere Umsetzung zu ermöglichen. Zusammenarbeiten können unter anderem Dienstleister, Planungsabteilungen, Kommunalbehörden (beispielsweise die für Wohnen und Verkehr zuständigen Ämter), Freiwilligenorganisationen, der Privatsektor, Betreuungs- und Pflegedienste und Bürgerinitiativen (28). Infolgedessen wird für altersgerechte Konzepte häufig das Verfahren des „Mainstreaming“ verwendet, das auch umfasst, das Ziel gesunden Alterns und die Anliegen älterer Menschen in lokale und nationale Rahmen und Strategien aufzunehmen (29, 30). Mainstreaming zielt darauf ab, sicherzustellen, dass Themen im Zusammen- hang mit dem Altern und älteren Menschen durch einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz in Aktivitäten ein bezogen werden (siehe Kasten 4). Lebensverlaufansatz Ein 80-Jähriger, der gesund und aktiv geblieben ist, kann ein ähnliches Risiko haben, Betreuung und Pflege zu benötigen oder zu sterben, wie jemand, der 50 Jahre alt ist und erste Komorbiditäten hat. Die Vielfalt der Gesundheit bei älteren Männern und Frauen hängt nur vage mit ihrem chronologischen Alter zusammen und kann besser als Folge von Ereignissen und Entwicklungen im gesamten Leben der Menschen verstanden werden. Kasten 2. Analyse von Chancengleichheit als Verringerung der Unterschiede zwischen Gruppen bei der Messung von Altersgerechtigkeit Ein Ausgangspunkt für das Verständnis von Chancengleichheit ist, Ungleichheiten zwischen Untergruppen besser sichtbar zu machen. Der jüngste Leitfaden der WHO zu Indikatoren für die Bewertung der Altersgerechtigkeit enthält den Vorschlag, Chancengleichheit bei altersgerechten Ergebnissen zu messen, indem die Diff erenz zwischen dem Bevölkerungsdurchschnitt und dem Ergebnisniveau einer Untergruppe berechnet wird, die das beste Ergebnis oder das höchste sozioökonomische Niveau in der Bevölkerung von Interesse aufweist. Eine der Pilotstädte, die die in diesem Leitfaden vorgeschlagenen Indikatoren getestet haben, war La Plata in Argentinien, wo der wichtigste Wirkungsindikator von Gesundheit laut Eigeneinschätzung bei älteren Menschen (ab 60 Jahre) gemessen wurde. Von den älteren Erwachsenen mit hohem Bildungsniveau schätzten 70,4% ihre Gesundheit als gut ein (indem sie eine der drei möglichen Antworten „gut“, „sehr gut“ oder „ausgezeichnet“ wählten). Der Anteil der Personen aus der Gesamtbevölkerung älterer Erwachsener, die ihre Gesundheit als gut einschätzten, war mit 59,5% niedriger. Dies lässt darauf schließen, dass sich die selbst eingeschätzte Gesundheit älterer Erwach- sener potenziell um 10,9 Prozentpunkte oder 18% des Ausgangswerts verbessern könnte. Quelle: WHO (25). Einführung 15 Kasten 3. Der Grundsatz „Gesundheit in allen Politikbereichen“ in der Strategie von Riga für die öffentliche Gesundheit Die lettische Stadt Riga hat sich zum Ziel gesetzt, ein gesundes Umfeld zu schaffen und die Gesundheit in allen Lebensphasen zu gewährleisten, indem sie für ihre Bewohner gesunde Entscheidungen zugänglicher, komfortabler und motivierender macht. Um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und die Zahl der vorzeitigen Todesfälle zu verringern, verabschiedete die Stadtverwaltung für den Zeitraum 2012–2021 eine öffentliche Strategie mit dem Titel „Gesunde Einwohner von Riga in einem gesunden Riga“. Die Strategie und ihr Umsetzungsplan basieren auf dem Prinzip von Gesundheit in allen Politikbereichen, das in Form einer engen Zusammenarbeit zwischen kommu- nalen Einrichtungen und Verwaltungseinheiten in die Praxis umgesetzt wird. Die nachstehende Abbildung zeigt, wie die Agenda für öffentliche Gesundheit in Riga miteinander verknüpft ist: Um ein gesundheitsförderliches Umfeld zu verwirklichen und es zu ermöglichen, gesund zu altern und die Gesundheit so lange wie möglich zu erhalten, sind verschiedene Aktivitäten und Programme aus allen Sektoren erforderlich, auch von verschiedenen Ämtern der Stadt- verwaltung von Riga. Quelle: Sozialamt des Stadtrats von Riga (27). Die Schaff ung altersgerechter Umfelder: übergreifende Prinzipien Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 16 Kasten 4. Allgemeine Berücksichtigung altersgerechter Umfelder in Ljubljana Das Engagement der slowenischen Hauptstadt Ljubljana für altersgerechte Umfelder kommt in allen Politikkonzepten und Strategien zum Ausdruck, auch in den folgenden: • Strategie für die Entwicklung der Sozialfürsorge in Ljubljana, 2013–2020, • Strategie für die Entwicklung der Kultur in Ljubljana, 2012–2015; 2016–2019, • Strategie für die Entwicklung des Bildungswesens in Ljubljana, 2009–2019, • Strategie für die Entwicklung des Sports in Ljubljana, • jährliches Sportprogramm seit 2013, • Programm des Fonds für den öffentlichen Wohnungsbau, 2013–2014; 2015–2016. Der Stadtrat hat zwei eigenständige Aktionspläne mit den Bezeichnungen „Altersgerechtes Ljubljana, 2013–2015“ und „Altersgerechtes Ljubljana, 2016–2020“ verabschiedet. Der Aktionsplan deckt viele Dimensionen altersgerechter Umfelder umfassend ab und wird durch etwa 100 Maßnah- men zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen operationalisiert; dazu zählen kulturelle Veranstaltungen, körperliche Aktivitäten, bessere Wohnverhältnisse und verbesserte Gesundheitsdienste. Die Stadtverwaltung, die Dachgesellschaft für die kommunalen öffentlichen Betriebe und öffentliche Unternehmen sind für diese Maßnahmen zuständig, die so konzipiert sind, dass sie entweder im Rahmen regulärer Aufgaben (als gesetzliche Verpflichtung oder Grundtätigkeit) oder als Einzelprojekte durchgeführt werden. Über die Fortschritte wird jährlich an den Koordinator im Amt für Gesundheit und soziale Sicherheit berichtet. Die Evaluation der Fortschritte bei der Umsetzung des Plans wird vom Stadtrat durchgeführt und erörtert. Quelle: Voljč und Ramovš (31). Gene, Körper und Verhaltensweisen passen sich bereits bei Kinderwunsch den Umständen und Umweltstressoren an und beeinflussen Gesundheits- und Krankheitsrisiken bis ins hohe Alter. Einen Lebensverlaufansatz zu wählen, erkennt an, dass diese Faktoren von einer Reihe politischer und kultureller Faktoren beeinflusst werden können (2), die sich folglich auf die Gesundheitsergebnisse des Einzel- nen und der Bevölkerung im Alter auswirken. Heute dafür zu sorgen, dass Kinder die ersten Jahre bei Gesundheit verbringen, schafft die Grundlage und die Ressourcen für ein gesundes und aktives Leben im Alter für zukünftige Generationen. Nach einem Lebensverlaufansatz zu handeln bedeutet, kohärente Konzepte zu entwickeln, die vorausschauend alle Aspekte des mensch- lichen Lebens alters- und generationsüber- greifend berücksichtigen. Konkret bedeutet dies, die Vorteile frühzeitigen Handelns zu ver- stehen und wichtige Phasen und Übergänge im Lebensverlauf angemessen zu unterstützen. Während sich altersgerechte Umfelder in erster Linie auf die Bedürfnisse älterer Menschen konzentrieren, können viele Interventionen, die sich aus diesem Ansatz ergeben, gleich- zeitig auch anderen Bevölkerungsgruppen nutzen. Beispiels- weise wird die Schaffung sicherer und barrierefreier räum- licher Umfelder letztlich auch Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Kindern zugute kommen. Zum ersten Mal in der Menschheits- geschichte leben in einer beträchtlichen Anzahl von Familien vier Generationen, und ein 65-Jähriger kann nicht nur Eltern, sondern auch Enkelkinder betreuen. Die Schaffung von mehr Möglichkeiten für generations übergreifende Aktivitäten und Orte kann die Übertragung von Wissen und Wider- standsfähigkeit von einer Generation zur anderen erleichtern. Der Lebensverlaufansatz zu gesundem Altern hebt das hohe Lebensalter nicht einfach als eine Lebensphase heraus, auf die es sich zu konzentrieren gilt, sondern sieht seine Zusammenhänge und betrachtet es innerhalb der Gesamtheit aller Altersgruppen der Bevölkerung (siehe Kasten 5). Die Einführung zum AFEE-Handbuch (1) fasst drei Wege zusammen, durch die unterstützende Umfelder Die Schaff ung altersgerechter Umfelder: übergreifende Prinzipien 17 gesundes und aktives Altern während des gesamten Lebensverlaufs beeinflussen können (siehe auch den Welt- bericht über Altern und Gesundheit der WHO (2) und die Erklärung von Minsk (32)): • sicherstellen, dass altersgerechte Interventionen die Gesundheit und Funktionsfähigkeit maximieren und stabilisieren, indem sie Umfelder schaffen, die eine gesun- de Lebensweise fördern und Krankheiten vorbeugen – dies umfasst auch, Aktivitäten zu fördern, die nicht nur älteren Menschen nutzen, sondern auch allen Menschen helfen, so früh wie möglich ein gesundes Leben zu führen; • in entscheidenden Phasen und an wichtigen Über- gängen im Leben angemessen handeln, um den Höhepunkt der Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten, indem Möglichkeiten zur Prävention, Rehabilitation und wirksamen Bewältigung von Krankheiten unter- stützt werden; und • generationsübergreifende Maßnahmen durchführen, um die Anerkennung der Interdependenz von Menschenleben zu fördern und die Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung innerhalb von Generationen und generationsübergreifend zu mehren. Ebenenübergreifende Politiksteuerung Die Herausforderungen des Lebens in Städten können in Bezug darauf betrachtet werden, wo sie in Erscheinung treten oder für wen sie am relevantesten sind, wenn es darum geht, die am besten geeignete Steuerungsebene oder territoriale Ebene zu finden, die benötigt wird, um sie wirksam anzugehen. Einige Umweltfaktoren betreffen ganze Länder oder Regionen, während andere spezifisch Kasten 5. Übergang zu einem Lebensverlaufansatz in Newcastle upon Tyne Das Engagement von Newcastle upon Tyne (Vereinigtes Königreich) für die altersgerechte Agenda wird durch die Ernennung eines Kabinettsmitglieds für öffentliche Gesundheit durch die Stadtverwaltung veranschaulicht, das für gesunde und altersgerechte Konzepte der Stadt verantwortlich ist. In den letzten Jahren hat sich in Newcastle ein Paradigmenwechsel vollzogen, mit der Abkehr von einer Fokussierung auf die ältere Lebensphase. Stattdessen befasst man sich jetzt mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Stadt als Ganzes und verfolgt einen Lebensverlaufansatz. Alterung und die Berücksichtigung von Altersaspekten sind in alle Politikbereiche ein- schließlich des Stadtprofils und der Entwicklungsstrategie für das Gesundheitswesen eingebettet und werden nicht als separates Handlungsfeld behandelt. „Know Newcastle“ ist das Informationsprofil der Stadt; es vereint quantitative und qualitative Daten und Berichte, die Einblicke in die große Krankheitslast der Stadt, das Leben ihrer verschiedenen Gemeinschaften und die Faktoren vermitteln, die ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit beeinflussen, mit Filtern für unterschiedliche Lebensphasen. Alle verfügbaren Informationen werden genutzt, um langfristige Trends zu untersuchen. „Lebenslanges Wohlbefinden“ ist eine Schlüsselstrategie für Newcastle, die vom Rat für lebenslanges Wohlbefinden – einer öffentlich rechtlichen Partnerschaft wichtiger Organisationen in der Stadt – unterstützt wird. Es handelt sich um einen Handlungsrahmen, der auf gemeinsamen Zielen, vereinbarten Handlungsfeldern und gemeinsamen Grundsätzen beruht. Die Entwicklung zu einer altersgerechten Stadt ist ein übergreifendes Thema innerhalb dieser Strategie, ebenso wie die Entwicklung zu einer fairen, inklusiven und nachhaltigen Stadt und die Förderung eines aktiven Lebensstils. Mitglieder des Ältestenrats der Stadt prüfen und bewerten die Lebensqualität in der Stadt aus ihrer Sicht. Quellen: Wellbeing for Life (33); Know Newcastle (34). Die Koordinierung und Integration mit Plänen und Akteuren über die gesamte Breite von Regierung und Verwaltung ist notwendig. Jede altersgerechte Initiative muss auf der geeigneten Ebene handeln. Verord- nungen über lokale, regionale und nationale Pläne, Konzepte und Gesetze bilden die Grundlage für Maßnahmen in einem Wohnbezirk oder der gesamten Kommune und sollten eng zwischen den Regierungs ebenen koordiniert werden, um unnötige Hindernisse zu beseitigen und die Zusammenarbeit bei der Schaffung unterstützender und inklusiver Umfelder zu fördern. Kasten 6. Überwindung potenzieller Hindernisse für altersgerechtes Handeln in Nordirland Die Allparteiengruppe zu älteren Menschen der Stadtverwaltung von Belfast war anfangs federführend bei der Untersuchung der Frage, wie Belfast zu einer altersgerechten Stadt werden könnte. Im Mai 2012 unterzeichnete der Oberbürgermeister eine Erklärung, in der sich Belfast zu diesem Prozess bekennt. Die Aktivitäten begannen mit der Einführung von partizipativen Mechanismen wie Konsultationen mit älteren Menschen, einer Umfrage zum Thema Altersgerechtigkeit und von Personen aus der gleichen Altersgruppe geleiteten Fokusgruppen im Jahr 2013. Darüber hinaus trug ein breites Spektrum von Akteuren und Dienstleistern dazu bei, ein altersgerechtes statistisches Profil von Belfast, einen Bericht zur Ausgangssituation und einen Visionsentwurf sowie vorrangige Themen zu ent wickeln – einen altersgerechten Aktionsplan mit vereinbarten Indikatoren. 2014 wurde Belfast Mitglied des Globalen Netz- werks seniorengerechter Städte und Gemeinden der WHO. Trotz aller Fortschritte war die Koordinierung einiger Maßnahmen auf städtischer Ebene schwierig, weil Verantwort- lichkeiten und Strukturen auf der regionalen Ebene wirksamer gewesen wären, um auch langfristig Wirkung zu erzielen. Die Belfaster Strategische Partnerschaft trug den Beschränkungen der städtischen Zuständigkeiten Rech- nung und setzte sich für einen nordirlandweiten regionalen Ansatz zu altersgerechten Umfeldern ein. Dieser wurde im Rahmen der Vision für die neue Strategie für aktives Altern in Nordirland verwirklicht, die im Februar 2016 vor- gestellt wurde. Quelle: Northern Ireland Executive (36). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 18 für einen Wohnbezirk oder ein kleines Gebiet oder weit- gehend darauf beschränkt sind. Daher ist es von grund- legender Bedeutung, die territoriale Dimension der städtischen Herausforderungen zu verstehen. Verschiedene territoriale und Steuerungsbenen haben mehr oder weniger Relevanz, je nachdem, welche spezifischen Heraus forderungen und Ziele sie angehen müssen. Fragen wie das Pflegemanagement können am besten auf subregionaler oder regionaler Ebene behandelt werden; öffentliche Verkehrsmittel und Infrastrukturen können am besten auf einer mittleren Verwaltungsebene eines Ballungsraums oder einer Stadt behandelt werden; während Gleichstellung und Integration einen stärker lokal zentrierten Ansatz auf Wohnbezirkebene erfordern können. Starke Führung ist auf der lokalen Ebene unerlässlich, aber auch auf der regionalen und der nationalen Ebene spielt Führung eine Schlüsselrolle (35). In vielen Fällen werden in einem ebenenübergreifenden Steuerungs- rahmen koordinierte und integrierte Ansätze benötigt (siehe die Kästen 6 und 7). Probleme auf der Ebene zu lösen, die den Bürgern am nächsten ist und die mit den Problemen am effektiv sten umgehen kann, sollte durch bessere Koordinierung auf einer höheren Ebene ergänzt werden. Im Wesent lichen ist ein funktionaler und flexibler Ansatz erforderlich, der sowohl die Grundsätze der Sub- sidiarität respektiert als auch an eine funktionale Geogra- fie und die Besonder heiten unterschiedlicher territorialer Skalen angepasst werden kann. Kasten 7. Politische Führung für eine regionale Bewegung in Tuymazy (Russische Föderation) Das regionale altersgerechte Programm in Baschkortostan umfasst 21 Städte der Russischen Föderation, die sich an altersgerechten Programmen beteiligen. Dieses Netzwerk altersgerechter Städte begann mit der Verabschiedung eines Gesetzes, das eine Hierarchie der Verantwortlichkeiten und eine Rechenschaftspflicht für die Verwirklichung altersgerechter Städte definiert und den Aktionsrahmen in Tuymazy festlegt. Die Struktur der Regulierungsbehörde wurde vorgeschlagen und von der Stadtverwaltung akzeptiert. Der Aktionsplan basiert auf dem WHO-Rahmen von acht Bereichen für altersgerechte Maßnahmen und bezieht sowohl die Stadtverwaltung als auch ältere Menschen ein. Zur Legitimation der politischen Struktur und zur Steuerung des Umsetzungsprozesses wurden spezielle Verordnungen erlassen. Quellen: Minnigaleeva (37); Menec et al. (38). Die Schaff ung altersgerechter Umfelder: übergreifende Prinzipien 19 Instrumente und weiterführende Literatur 8-80 cities (2016). The doable city reader. Toronto: 8-80 cities (http://www.880cities.org/doablecity/, eingesehen am 19. Dezember 2019). AFE-INNOVNET (2015). Guidelines for co-producing age- friendly environments with older people. Brüssel: AFE- INNOVNET (http://afeinnovnet.eu/content/guidelines-co- producing-age-friendly-environments-older-people, eingesehen am 19. Dezember 2019). Brown C, Harrison D, Burns H, Ziglio E (2013). Governance for health equity: taking forward the equity values and goals of Health 2020 in the WHO European Region. 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Sich engagieren und verstehen Sich engagieren und verstehen 21 Diese erste Phase der Bemühungen zur Schaffung alters- gerechter Umfelder ist besonders wichtig für Kommunen, die neu in den politischen Prozess eintreten. Verschiedene Arten von Veranstaltungen oder Akteuren können den Start eines altersgerechten Programms und die Entwick- lung von Konzepten für gesundes Altern auslösen. Dazu können Organisationen älterer Menschen zählen, die altersgerechtere Umfelder fordern, oder eine staatliche Stelle, Fachleute oder andere Interessenvertreter, die das öffentliche und/oder politische Bewusstsein schärfen. Personen oder Stellen, die auf nationaler oder regionaler Ebene Führung ausüben, können auch die lokalen Behörden auffordern, Umfelder besser an die demografischen Veränderungen anzupassen, die in den Ländern vor sich gehen. Die Engagement- und Verständnisphase ist entscheidend, um politisches Engagement und Eigenverantwortung aller Beteiligten zu mobilisieren. Die Hauptergebnisse dieser Phase sind eine Kontextanalyse und eine alters gerechte Bewertung. Die folgenden Schritte leiten die Aktivitäten in dieser Phase und stellen sicher, dass jede altersgerechte Initiative über Partikularinteressen hinausgeht: • durch die Einrichtung einer lokalen Arbeitsgruppe oder Kommission für altersgerechte Umfelder ein Netzwerk lokaler Akteure aufbauen; • die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung bewerten und die bestehenden Hindernisse und Möglich- keiten für aktives und gesundes Altern verstehen, indem die Meinungen älterer Menschen eingeholt werden; • die aktuelle Situation bewerten und den Kontext verstehen, indem unter Beteiligung aller relevanten Akteure ein altersgerechtes Profil erstellt und kommuniziert wird; • die Bewertung vorstellen und verbreiten, um für altersgerechtere Umfelder zu werben, und • politisches Engagement und ein starkes Gefühl von Führungskompetenz sicherstellen. Eine lokale Lenkungs- oder Arbeitsgruppe bilden Der Prozess der Veränderung hin zu einer altersgerechten Kommune beginnt in der Regel damit, eine große Zahl unterschiedlicher lokaler Akteure zusammenzubringen und einzubinden. Gebietskörperschaften können bei der Mobilisierung der Hauptakteure eine wichtige Rolle spielen, aber in manchen Fällen sind Organisationen älterer Menschen, Akademiker oder andere lokale Akteure die wesentlichen treibenden Kräfte hinter einem alters- gerechten Programm. „Schrittmacher“ zu finden und einzubeziehen, kann ein relevanter Mechanismus sein, um die Dynamik für Planung und Handeln zu erzeugen; dies sind in der Regel Menschen, die in der Lage sind, das Engagement von Verwaltung und Gesellschaft zu beeinflussen und für die Anliegen älterer Menschen einzutreten (39). In vielen Fällen besteht der erste Schritt darin, eine Arbeitsgruppe einzurichten. Diese kann die Form einer sektorüber greifenden Partnerschaft, Kommission oder Lenkungsgruppe annehmen; das Hauptmerkmal ist jedoch immer, dass sich die Gruppe für die Initiative zur Förderung des altersgerechten unterstützenden Umfelds einsetzt und sich aus Akteuren verschiedener Sektoren zusammensetzt. In anderen Fällen kann es sich um einen bestehenden Ausschuss handeln, der über ein mit der Initiative für altersgerechte Umfelder übereinstimmendes Mandat verfügt und bereits Rechenschaftsmechanismen eingerichtet hat. Die Partnerschaft oder Arbeitsgruppe hat in der Regel die folgenden Ziele: • das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu schärfen und ihr Interesse an der Teilnahme an einem gemeinsamen Plan für eine altersgerechte Kommune zu steigern; • möglichst viele Akteure in den Gesamtprozess einzubeziehen; und • Koordinierungsmechanismen zwischen den Haupt akteuren und den älteren Menschen selbst zu etablieren. Projekte erwiesen sich als effektiver, wenn die Arbeits- gruppe über eine klare Koordinierungs- oder Leitungs- organisation verfügte, sich regelmäßig traf und sich über ihre Gesamtrolle im Klaren war (35). Die Arbeitsgruppe sollte ältere Menschen als Teil- nehmer einbeziehen oder gegenüber älteren Menschen in der Kommune Rechenschaft ablegen; sie sollte auch die Vielfalt in der Kommune wider- spiegeln. In vielen Fällen wird eine solche Arbeits- gruppe von Gebiets körper schaften auf der lokalen oder regionalen Ebene mit der konkreten Aufgabe ein- gerichtet, eine Situationsanalyse oder eine Bewertung der Altersgerechtigkeit durchzuführen. In anderen Fällen ist eine Situationsanalyse der Ausgangspunkt für mehr öffentliches Bewusstsein und politisches Engagement. Partizipative altersgerechte Bewertungen durchführen Altersgerechte Bewertungen evaluieren die Bedürfnisse und Erfahrungen älterer Menschen in einer Kommune. Sowohl ältere Menschen selbst als auch Pflege- und Gesundheitskräfte, die mit älteren Menschen zu tun haben, sind wichtige Partner bei diesem Schritt. Die acht Bereiche der Altersgerechtigkeit in den räumlichen, sozialen und Dienstleistungsumfeldern wurden oft genutzt, um eine Struktur und Checklisten für Umfragen oder Fokusgruppen mit älteren Menschen und anderen Akteuren bereitzustellen (siehe Abbildung 1). Die durch solche Bewertungen gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, ein besseres Verständnis der politischen, wirt- schaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Dimensionen des lokalen Kontextes zu bewirken. Die Check listen im WHO-Leitfaden Global age-friendly cities: a guide (5) wur- den oft als Ausgangspunkt für Bewertungen verwendet. Die altersgerechte Bewertung kann auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden, unter anderem durch Befra- gungen älterer Menschen, Bürgerkonsultationen (bei- spielsweise über Fokusgruppen, Interviews oder Umfragen) oder Bürgerforen (beispielsweise offene Konsultationen). Um festzustellen, was die Kommune bereits gut macht, sollten sowohl die wichtigsten Herausforderungen als auch die vorhandenen Ressourcen für die Schaffung altersgerechter unterstützender Umfelder bewertet werden, einschließlich der Frage, wie bestehende Initiativen und Programme eine altersgerechte Kommune unterstützen. Die Einbeziehung älterer Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und unterschiedlicher Kulturen gewähr- leistet eine inklusive Sicht auf ihre Bedürfnisse, Erwartungen und potenziellen Aktivposten in der Kommune. Partizipative Bewertungen bieten eine gute Grund lage für die Aufnahme des Dialogs mit den wichtigsten lokalen Akteuren und der Beziehungen zu ihnen (siehe Kasten 8). In vielen Fällen wird die partizipative Be wertung als Grund- lage für die Festlegung von Prioritäten und Maßnahmen genutzt. Das Projekt AFE-INNOVNET (Innovationsnetzwerk für altersgerechte Umfelder) hat ein Instrument für Gebietskörperschaften entwickelt, mit dessen Hilfe diese die Beteiligung älterer Bürger und maßgeblicher Akteure an der Entwicklung von Konzepten zum Thema Altern stärken können (21). Eine Ausgangsbewertung mit einem Proö l für gesundes Altern durchführen Ein Profil für gesundes Altern sammelt in der Regel sektor- über greifend die verfügbaren statistischen Informationen als Beitrag dazu, die Situation älterer Menschen zu ver- stehen (siehe Kasten 9). Dies kann eine Grundlage sowohl für die Fortschrittsmessung als auch für die Fest legung von Prioritäten für Maßnahmen bilden. Um die Diskussion über die Neuzuweisung oder Erhöhung kommunaler Aktiva für altersgerechte unterstützende Umfelder zu erleichtern, können altersgerechte Profile auch durch eine Bestands- aufnahme der derzeit in der Kommune verfügbaren Dienstleistungen, Programme und Initiativen ergänzt werden. Kommunale Aktiva können viele Dinge sein, aber im Allgemeinen bezieht sich der Begriff auf vorhandene Ressourcen, die das Leben in der Kommune verbessern können. Die Diskussion von Aktiva und Herausforderungen erweitert die Diskussion, um sich auf Stärken und nicht auf Defizite zu konzentrieren. Jede Kommune hat Erfordernisse und Herausforderungen, auf die sie die Aufmerksamkeit richten muss. Es ist jedoch auch möglich, sich auf Aktiva zu konzentrieren – und hervorzuheben, was sie hat und was gut funktioniert. Sehr oft können ältere Menschen selbst als Aktivposten einer Kommune identifiziert werden. Das bedeutet, dass altersgerechte Bewertungen bewusst den Blick von der Darstellung älterer Menschen als zunehmende Belastung zu einem besseren Verständnis der von ihnen eingebrachten Ressourcen, Beiträge und Aktivposten verlagern sollten und zu der Frage, wie diese zur Stärkung der Kommune ins gesamt genutzt werden können. Die Bewertung vorstellen und verbreiten Die Ergebnisse und Prozesse der altersgerechten Bewertung für die gesamte Kommune – und insbesondere für ältere Menschen und politische Entscheidungsträger – öffentlich und transparent zu machen, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, Veränderungen auf den Weg zu bringen. Den zuständigen Gremien die wichtigsten Bewertungsergebnisse zu präsentieren, erleichtert ihr Engagement und ermöglicht eine öffentliche Diskussion über die wichtigsten Prioritäten. Dies ist auch eine gute Gelegenheit, um mögliche Partnerschaften zu identifizieren und breite Zustimmung der wichtigsten Akteure in der Kommune zu erhalten. Die Veröffentlichung der Bewertungsergebnisse kann über Berichte und Profile in gedruckter Form oder als Teil öffentlicher Websites sowie in öffentlichen Foren und Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 22 Sich engagieren und verstehen 23 Diskussionen erfolgen. Jede Kommunikation von Ergebnissen kann Möglichkeiten bieten, das Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen und öffentlich über die Bedeutung unterstützender Umfelder für die Gesundheit und das Wohlbefinden insgesamt sowie den sozialen Zusammenhalt und das Wirtschaftswachstum der Kommune zu diskutieren. Das Engagement der Politik sichern Das öffentliche Bewusstsein ist an sich schon wichtig, kann aber auch dazu beitragen, politisches Engagement und Ressourcen zu mobilisieren. Politisches Engagement und Führungskompetenz auf höchster Ebene sind entscheidende Erfolgsfaktoren für lokale Initiativen (42); um die Entwicklung lokaler Pläne voranzutreiben, bedarf es der Unterstützung durch lokale Behörden. Ein Mangel an politischem Willen oder Führungs- kompetenz wurde als wichtige Herausforderung für die Nachhaltigkeit altersgerechter Projekte identifiziert (43). Gewähltes politisches Führungspersonal kann sich ändern, und neue Regierungen können andere Prioritäten haben oder es vorziehen, Projekten ihren eigenen Stempel aufzudrücken, statt bestehende Initiativen zu unterstützen. Viele der in dieser Veröffentlichung vorgeschlagenen Erfolgsfaktoren zielen darauf ab, Projekte widerstandsfähiger gegen solche Veränderungen zu machen. Erfolgreiche Evaluationen, stabile Strukturen für die Beteiligung der Akteure und der Kommune sowie erfahrene Koordinatoren, die neue Politiker rechtzeitig informieren und mit Hintergrundinformationen versorgen können, sind wichtige Elemente, um beim Abgang von Schlüsselpersonen Kontinuität zu gewährleisten. In vielen Kasten 8. Partizipative Bewertung in Prag Zum Ziel „Schaffung eines altersgerechten Prag“ wurde ein „thematisches Café“ entwickelt, um Bürgern ab 50 Jahren Mut zu machen, ihre Stimme zu erheben, das Potenzial der älteren Erwachsenen in Prag auszuloten und ihnen zu helfen, ihre aktive Rolle bei der Schaffung einer altersgerechten Stadt zu definieren. World Café Europe und das Tschechische Institut für Gerontologie, Zivot 90, initiierten einen vierstündigen Dialog mit älteren Menschen mit Hilfe von vier tschechischen Moderatoren über 60 Jahren, die in der World-Café-Methode geschult worden waren. Das Projekt war Teil des von der Europäischen Kommission unterstützten Projekts European Voices for Active Ageing. Weil Erwachsene in höherem Alter eingeladen wurden, dieses Thema gemeinsam zu erkunden, wurden eine Reihe von Bedürfnissen älterer Menschen und praktische Ideen für Interventionen identifiziert. Auf der Veranstaltung wurde auch untersucht, wie Erwachsene ab 50 Jahren aktive Akteure bei der Schaffung eines altersgerechten Prag sein können. Quelle: World Café Europe (40). Kasten 9. Das Proöl von Rijeka für gesundes Altern: Erfahrungsaustausch über Grenzen hinweg Rijeka in Kroatien entwickelte 2006 sein erstes Profil für gesundes Altern, um einen besseren Einblick in die demo- grafische Situation, die Verfügbarkeit von Gesundheits- und Sozialleistungen und die Lebensbedingungen der alternden Bevölkerung zu erhalten. Die Lebenssituation, Morbidität und Mortalität sowie die weiteren Determinanten von Gesundheit und Wohlbefinden wurden anhand von 22 Indikatoren analysiert. Die Analyse umfasste sowohl Bürger an der Schwelle zum hohen Lebensalter als auch sehr betagte Menschen. Zahlreiche Institutionen, Verbände und Einzelpersonen stellten Informationen für die Bewertung zur Verfügung. Die Veröffentlichung wurde zum Erfahrungsaustausch ins Englische übersetzt; seither haben viele andere europäische Städte ähnliche Profile entwickelt, teilweise ebenfalls mit englischsprachigen Ausgaben. Bei der ersten Präsentation des Profils wurde deutlich, dass über eine Reihe wichtiger Indikatoren nur sehr wenig bekannt war. Als Reaktion darauf wurde eine Kooperation mit der akademischen Gemeinschaft aufgebaut, die dazu beitrug, Lücken in den Gesundheitsüberwachungsdaten zu schließen. Basierend auf den gesammelten Erkenntnissen entwickelte Rijeka eine Strategie für gesundes Altern für den Zeitraum 2009–2013. Quelle: Dankić et al. (41). . Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 24 Fällen ist ein Ratsbeschluss eine ausgezeichnete Möglich- keit, das Engagement der Kommune zur Schaffung alters- gerechter Umfelder zu formalisieren. Kommunen sind das Problem von politischem Willen und politischer Unterstützung oft angegangen, indem sie Mög lichkeiten nutzten, sich größeren politischen Bewegungen anzuschließen und sich offiziell zur alters- gerechten Bewegung zu bekennen. In vielen Kommunen war der Antrag auf Mitgliedschaft im Globalen Netz- werk senioren gerechter Städte und Gemeinden der WHO einer der ersten Schritte, um das Engagement der Politik zu sichern (siehe Kasten 10). Für andere war die Unter zeichnung der Erklärung von Dublin über altersgerechte Städte und Gemeinschaften in Europa 2013 (44) einer der ersten Schritte. Die Erklärung von Dublin war ein wichtiger politischer Impulsgeber in Europa und verwies auf nationale und internationale Verpflichtungen zur Schaffung altersgerechter Umfelder. Seit 2015 haben auch Behörden und andere Organisa- tionen in der Europäischen Union (EU) die Möglich- keit, dem Konvent zum demografischen Wandel (45) beizutreten, der engagierte Partner verbindet (siehe Kasten 11). Kasten 10. Das Globale Netzwerk seniorengerechter Städte und Gemeinden der WHO 2007 begründete die wegweisende WHO-Publikation Global age-friendly cities: a guide (5) eine Vision einer alters- gerechten Stadt, die „ihre Strukturen und Dienstleistungen so anpasst, dass sie für ältere Menschen mit unterschied- lichen Bedürfnissen und Kapazitäten zugänglich sind und sie einbeziehen“. Das Globale Netzwerk seniorengerechter Städte und Gemeinden der WHO wurde 2010 gegründet, um Kommunen weltweit bei der Verwirklichung dieses Ziels zu unterstützen. Als Reaktion auf die Alterung der Weltbevölkerung konzentriert sich das Netzwerk auf Maß nahmen auf der lokalen Ebene, die die umfassende Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben sowie gesundes und aktives Altern fördern. Es versucht, dies zu erreichen, indem es: • Veränderungen anregt und aufzeigt, was getan werden kann und wie dies bewirkt werden kann; • Kommunen weltweit vernetzt, um den Erfahrungsaustausch auf einer globalen Plattform für Informations- austausch, gegenseitiges Lernen und Unterstützung zu erleichtern; • Kommunen durch fachliche Beratung unterstützt. Die Mitgliedschaft ist zwar keine Zertifizierung, dass eine Stadt altersgerecht ist, spiegelt aber ihr Engagement dafür wider, auf die Bedürfnisse ihrer alternden Bevölkerung einzugehen, ihre Altersgerechtigkeit zu bewerten und zu überwachen und mit älteren Menschen und sektorübergreifend zusammenzuarbeiten, um zugängliche räumliche Umfelder einschließlich sozialer Umfelder und einer befähigenden Dienstleistungsinfrastruktur zu schaffen. Quellen: WHO (2, 12). Sich engagieren und verstehen 25 Kasten 11. Europäische Initiativen unterstützen das politische Engagement für altersgerechte Umfelder 2015 förderte das Netzwerk AFE-INNOVNET die Einführung des EU-Konvents zum demografischen Wandel. Das übergeordnete Ziel des Konvents besteht darin, lokale und regionale Behörden und andere relevante Akteure in die Entwicklung von Umfeldern einzubeziehen, die aktives und gesundes Altern unterstützen. Er bietet Behörden die Möglichkeit, sich einem Netzwerk von Partnern anzuschließen, die sich für die Umsetzung auf Erkenntnissen beruhender Lösungen zur Unterstützung aktiven und gesunden Alterns als umfassende Antwort auf die demo- grafische Herausforderung Europas einsetzen, um so die gesunde Lebenserwartung zu erhöhen, das unabhängige Leben älterer Menschen zu verbessern und eine Gesellschaft für alle Altersstufen zu schaffen. Der Konvent wirbt für den WHO-Rahmen altersgerechter Umfelder und fördert in Zusammenarbeit mit bestehenden Initiativen wie dem Globalen Netzwerk seniorengerechter Städte und Gemeinschaften der WHO und der Europäischen Innovations- partnerschaft für aktives und gesundes Altern Synergien zwischen maßgeblichen Akteuren. Diese Innovationspartnerschaft ist eine Folgemaßnahme der Europäischen Kommission zu den Aktivitäten, die im Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen 2012 entwickelt wurden. In der Partnerschaft haben sich inzwischen mehr als 3000 Akteure zur Förderung aktiven und gesunden Alterns verpflichtet. Ein Marktplatz mit Beispielen bewährter Praktiken und Verweisen auf Websites fördert die Entwicklung kreativer und praktikabler Lösungen, die darauf abzielen, das Leben und die Gesundheit älterer Menschen zu verbessern. Die Partnerschaft wirkt als Katalysator, um solche Lösungen über Regionen und Länder hinweg auszuweiten. Quellen: AFE-INNOVNET (45); European Innovation Partnership on Active and Healthy Ageing (46). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 26 Instrumente und weiterführende Literatur AFE-INNOVNET (2015). Guidelines for co-producing age-friendly environments with older people. Brüssel: AFE-INNOVNET (http://afeinnovnet.eu/content/ guidelines-co-producing-age-friendly-environments- older-people, eingesehen am 19. Dezember 2019). Arup (2015). Shaping ageing cities: 10 European case studies. London: Arup (https://www.arup.com/ perspectives/publications/research/section/shaping- ageing-cities?query=shaping%20ageing%20cities, eingesehen am 19. Dezember 2019). Department of Local Government and Communities (2012). Age-friendly communities: a Western Australian approach. Perth: Department of Local Government and Communities (https://www.dlgc.wa.gov.au/Publications/ Pages/Age-FriendlyWA-Toolkit.aspx, eingesehen am 19. Dezember 2019). Green G, Tsouros A (2008). City leadership for health: summary evaluation of Phase IV of the WHO European Healthy Cities Network. Copenhagen: WHO Regional Office for Europe (http://www.euro.who.int/__data/ assets/pdf_file/0004/98257/E91886.pdf, eingesehen am 19. Dezember 2019). Handler S (2014). An alternative age-friendly handbook. Manchester: University of Manchester Library (https:// www.housinglin.org.uk/_assets/Resources/Housing/ Support_materials/Age-friendly_Handbook.pdf, eingesehen am 19. Dezember 2019). Kanström L, Zamaro G, Sjöstedt C, Green G (2008). Healthy ageing profiles: guidance for producing local health profiles of older people. Kopenhagen: WHO-Regionalbüro für Europa (http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_ file/0011/98399/E91887.pdf, eingesehen am 19. Dezember 2019). Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2015). Ageing in cities. Paris: OECD Publications (http://www.oecd-ilibrary.org/urban-rural- and-regional-development/ageing-in- cities_9789264231160-en, eingesehen am 19. Dezember 2019). University of Kansas (2015). Community toolbox [Website]. Lawrence: University of Kansas (http://ctb.ku.edu/en/, eingesehen am 19. Dezember 2019). University of Waterloo (2016). Age Friendly Communities: tools for building strong communities [Website]. Waterloo: University of Waterloo (http://afc.uwaterloo.ca/, eingesehen am 19. Dezember 2019). Weltgesundheitsorganisation (2010). Hidden cities: unmasking and overcoming health inequities in urban settings. Kobe: Weltgesundheitsorganisation (https://apps.who.int/iris/bitstream/ handle/10665/44439/9789241548038_eng.pdf, eingesehen am 9. Mai 2016). Wheatbelt Development Commission (2014). Creating age friendly communities audit tool [Website]. Northam: Wheatbelt Development Commission (http://www. wheatbelt.wa.gov.au/our-projects/creating-age-friendly- communities-small-towns-project/creating-age-friendly- communities-toolbox/age-friendly-communities-audit- tool/, eingesehen am 19. Dezember 2019). Strategisch planen 27 4. Strategisch planen Die zweite Phase der Schaffung altersgerechter Umfelder besteht darin, eine gemeinsame Vision zu entwickeln und einen systematischen Prozess zur Entwicklung einer Strategie und eines Aktionsplans einzuleiten. In dieser Phase werden Prioritäten festgelegt, die die inter- disziplinäre Zusammenarbeit erweitern und die lokalen Besonderheiten sowie die Situationsanalyse der ersten Phase berücksichtigen. Die Strategieentwicklung sollte ein transparenter Prozess durch umfassende Konsultationen sein, und für ihre Umsetzung sollten Mechanismen zur Rechenschaftslegung etabliert werden. Diese Prozesse sind wichtig, um das politische Engagement und die Führung zu konsolidieren sowie maßgebliche Sektoren auf die altersgerechte Vision zu verpflichten. Ein zentrales Ergebnis der strategischen Planungsphase ist in der Regel ein Strategie- dokument, in dem eine gemeinsame Vision und die Prioritäten festgelegt sind, die das Handeln in allen relevanten Sektoren leiten, die darauf abzielen, die wichtigsten Herausforderungen anzugehen und gesundes Altern zu fördern. Die folgenden Schritte sind zentrale Erfolgsfaktoren in dieser Phase: • Akteure und Partner hinter einer gemeinsamen Vision vereinen; • Stärken und Schwächen in einer Kommune analysieren und Handlungsprioritäten definieren; • ein umfassendes strategisches Dokument entwickeln; • gemeinsame Zielsetzungen, Einzelziele und Ziel- vorgaben festlegen; und • die Verantwortlichkeiten der beteiligten Partner definieren. Partner hinter einer gemeinsamen Vision vereinen Eine Kommune altersgerecht zu machen, kann nicht nur von einem Sektor bewältigt werden, sondern erfordert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren in mehreren Sektoren. Jeder Sektor muss sich der wahr- genommenen Herausforderungen und Möglichkeiten bewusst sein, was die Schaffung besser unterstützender Umfelder betrifft. Es ist wichtig, eine gemeinsame Vision zu definieren, für die sich alle Akteure verantwortlich fühlen, auch die älteren Menschen selbst. Dieser erste Schritt in der strategischen Planungsphase sollte sich auf zwei wesentliche Fragen konzentrieren, die an alle Akteure gerichtet sind: Wo sind wir? Wo wollen wir sein? Die wichtigsten Herausforderungen in dieser Phase bestehen darin, die Vision zu verdeutlichen und eine Mission für die Initiative zu schaffen, die gleichzeitig inspirierend und realistisch ist. Eine formulierte Vision kann idealistisch und visionär sein und muss keine konkrete Zielvorgabe oder einen Zeitplan enthalten, aber sie sollte idealerweise lokal spezifisch sein und eine klare Botschaft für das weitere Vorgehen an die Kommune vermitteln (siehe Kasten 12). Eine gemeinsame Vision hilft sowohl die Hauptakteure zur Verwirklichung der gemeinsamen Ziele zu mobilisieren als auch verschie- dene Sektoren zu motivieren, sich zu fragen, wie sich ihre Aktivitäten und Konzepte auf ältere Menschen auswirken. Die lokalen Akteure müssen zu einer gemeinsamen Sprache und zu einem grundlegenden Verständnis der Schlüsselkonzepte gelangen. Schulungen und Mediation können erforderlich sein, um Wege zu finden, das Konzept altersgerechter Städte im Mainstream der Planung zu positionieren (47). Stärken und Schwächen analysieren und Prioritäten deö nieren Sobald eine gemeinsame Vision einer altersgerechten Kommune vereinbart wurde, lautet die nächste zu behandelnde Frage: Wie kommen wir dorthin? Eine Strategie beantwortet diese Frage relativ allgemein und skizziert die wichtigsten Prioritäten und Richtungen der Maßnahmen. Bei der Entwicklung dieser Strategie sind das Profil für gesundes Altern und die Stimmen älterer Menschen fruchtbare Ansatzpunkte, um die wichtigsten Prioritäten zu identifizieren, die die Kommune gemein- sam angehen kann. Diese in der Strategie festgelegten prioritären Bereiche werden die Grundlage für den Aktionsplan bilden. Viele Städte haben strukturierte Planungsmethoden für nützlich befunden, um Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zu analysieren. Die vorherige Engagement- und Verständnisphase der Konsultationen und der Profil- erstellung kann zu einer großen Menge an Informationen führen, die analysiert werden müssen, um die Stärken und Schwächen von Systemen für die Leistungserbringung und die bestehenden politischen Verpflichtungen und Strategien zu bewerten. Ziel dieses Schrittes ist es, die Bewertung der Altersgerechtigkeit in Maßnahmen und Veränderungen umzusetzen, die gesundes Altern fördern. Eine Reihe von Kommunen musste feststellen, dass Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 28 Strategisch planen 29 Kasten 12. Beispiele für Visionen von Kommunen in Europa • „Belfast wird eine Stadt sein, in der ältere Menschen ihr Leben in vollen Zügen genießen können.“ Belfast ( Vereinigtes Königreich) • „Ältere Bürger von Bern können ihr Leben gemäß ihren individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen gestalten und ihre Unabhängigkeit bewahren. Bern wird eine Stadt sein, in der die Lebensqualität älterer Menschen hoch ist.“ Bern (Schweiz) • „Umfassende Einbeziehung der älteren Menschen in das Leben in Bratislava: Aktives Altern bedeutet, auch im hohen Alter ein erfülltes Leben zu haben; es bedeutet einen verantwortungsvollen Umgang mit der Gesundheit, ein Leben in Sicherheit und Würde und mit der Möglichkeit, weiterhin ein Teil der Gesellschaft zu sein.“ Bratislava (Slowakei) • „Brünn wird eine altersgerechte Stadt sein, die älteren Menschen eine vollwertige, aktive, sichere und gesunde Lebensweise ermöglicht.“ Brünn (Tschechien) • „Eine am Menschen orientierte Stadt für ihre Bürger schaffen.“ Donostia/San Sebastian (Spanien) • „Die Landeshauptstadt Dresden ist ein Ort, an dem man (gut) alt werden kann. Dies wird durch die Verwirklichung des Hauptziels erreicht, das darin besteht, das bestmögliche unabhängige Leben und die größtmögliche Autonomie älterer Menschen in Dresden zu fördern.“ Dresden (Deutschland) • „Eine altersgerechte Stadt ist eine Stadt, in der ältere Menschen ein erfülltes Leben leben können: eine Stadt für alle.“ Dublin (Irland) • „Gesundes Altern ist die Optimierung der körperlichen, sozialen und geistigen Gesundheit, die es älteren Menschen ermöglicht, aktiv und diskriminierungsfrei an der Gesellschaft teilzunehmen und eine unabhängige und gute Lebensqualität zu erhalten.“ Györ (Ungarn) • „Ein gemeinsames Ziel zur Förderung des unabhängigen Lebens von Menschen mit Schwerpunkt Gesundheits- förderung und Selbstmanagement.“ Horsens (Dänemark) • „Leeds wird eine Stadt sein, in der Menschen jeden Alters gesunde Entscheidungen treffen und ein gesundes und erfülltes Leben führen können und in der gesundheitliche Ungleichheiten zwischen Bevölkerungsgruppen verringert werden.“ Leeds (Vereinigtes Königreich) • „Das Hauptziel von ‚Active 60+‘ ist es, die Lebensqualität von Menschen über 60 Jahren in der Stadt Lodz zu fördern und zu verbessern.“ Lodz (Polen) • „Manchester zu einem großartigen Ort machen, um älter zu werden.“ Manchester (Vereinigtes Königreich) • „Menschen, die in Newcastle leben, arbeiten oder lernen, genießen gleichermaßen positives Wohlbefinden und gute Gesundheit.“ Newcastle upon Tyne (Vereinigtes Königreich) • „Vision: Rijeka, die Stadt, in der ältere Menschen gegen den Strom schwimmen. Mission: durch die Schaffung der (Vor-)Bedingungen für gesundes Altern den Bürgern von Rijeka ein langes, gesundes und aktives Leben ermöglichen.“ Rijeka (Kroatien) • „Raum, Mut und Gesundheit machen Sandnes zum Zentrum der Zukunft. ‚Raum‘ bedeutet unter anderem, dass jeder in Sandnes in die Gemeinschaft einbezogen wird und gleiche Chancen für eine gute Lebens- und Gesund- heitsqualität erhält. Sandnes hat den Mut, zukunftsorientierte, langfristige Entscheidungen zu treffen, um sicher- zustellen, dass zukünftige Generationen gute Bedingungen haben. Sandnes wird eine gesunde Stadt sein, das heißt, die Berücksichtigung von Gesundheit, Wohlbefinden und Umwelt wird allen unseren Dienstleistungen und der Stadtentwicklung im Einklang mit den Grundsätzen von Gerechtigkeit und Gleichbehandlung zugrunde liegen.“ Sandnes (Norwegen) Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 30 Prozesse nach der ersten Konsultation zum Stillstand kommen können. Berichte und Profile zu erstellen, führt allein nicht automatisch zu fortgesetztem Handeln. Viele lokale und regionale Behörden haben es für wichtig gehalten, eine spezifische federführende Behörde zu benennen, die die Ergebnisse aus statistischen Profilen und partizipativen Bewertungen an die verschiedenen Akteure kommuniziert. Bewertungen der Altersgerechtigkeit einer Kommune identifizieren typischerweise Herausforderungen und Aufgaben und können helfen, mögliche Programmziele festzulegen. Theorie und Erkenntnisse können dann genutzt werden, um zu verstehen, was die identifizierten Probleme verursacht. Interventionen, die in Form eines Mappings Ansätze oder Logikmodelle abbilden, können nützliche Werkzeuge für in dieser Phase beteiligte Praktiker sein, um logische Zusammenhänge zwischen wahrgenommenen Problemen, ihren Ursachen und möglichen Ergebnissen darzustellen. Die möglichen Ursachen von Problemen können dann in relativ einfach und in schwerer zu ändernde unterteilt werden. Sobald das Mapping mit dem Ziel, zu ermitteln, wie die Gesund- heit und Lebensqualität älterer Menschen in der Kommune beeinflusst werden kann, mit den Akteuren abgeschlossen ist, sollte dies zu einer Diskussion über Prioritäten und mögliche Interventionsstrategien führen. Eine umfassende Strategie entwickeln, die Gesamtziele und Zeitrahmen deö niert Die Entwicklung und Umsetzung einer umfassenden altersgerechten Strategie bedeutet, dass die Bedürfnisse älterer Menschen in einer Kommune in den verschiedenen Bereichen, die ihre Lebensqualität beeinflussen, integriert berücksichtigt werden. Daher sollten alle Dimensionen, die über die Gesamtheit von räumlichem Umfeld, sozialem Umfeld und gemeindenahen Dienstleistungen Determi- nanten der Altersgerechtigkeit sind, einbezogen werden (siehe die Einführung zum AFEE-Handbuch (1)). Die Strate- gie kann entweder systematisch in bestehende sektorale Strategien und Aktionspläne integriert oder als eigen- ständiges Instrument entwickelt werden. Eine Strategie ist ein Dokument, in dem die wichtigsten Grundsätze und Politikbereiche für Maßnahmen dargelegt sind, denen alle Partner zustimmen. Es handelt sich um ein offizielles Dokument, das erklärt, wie das Programm auf eine gemeinsame Vision hinarbeiten wird, und die wichtigsten Prioritäten definiert. Das Hauptziel der Strategie ist es, alle Aktiva und Verpflichtungen aller Akteure und Interessengruppen zusammenzuführen und jeden Partner zu verpflichten, gemeinsame Grundsätze der Altersgerechtigkeit in seinen eigenen Arbeitsgebieten zu beachten. Der strategische Plan sollte einen Aktions- plan zusammen mit den wichtigsten Zielvorgaben ent- halten, die während eines definierten Zeitrahmens erreicht werden sollen, und (ethischen und/oder operativen) Leit- prinzipien folgen. Er sollte auch die Hauptgründe für die Notwendigkeit des Plans herausstellen (basierend auf den Ergebnissen der Engagement- und Verständnisphase). Ziele deö nieren und Zustimmung sichern Die Festlegung von Prioritäten ist in erster Linie ein Verhandlungsprozess auf der Grundlage eines partizipati- ven Ansatzes. Jeder Plan kann nur eine begrenzte Anzahl von Prioritäten haben, um einen fokussierten Ansatz zu gewährleisten: Eine hohe Anzahl könnte dazu führen, dass die begrenzten verfügbaren Ressourcen auf mehrere iso- lierte Initiativen verteilt werden, was zu einer begrenzten potenziellen Wirkung führen könnte, während eine zu geringe Anzahl von Prioritäten möglicherweise dazu führt, dass der Plan nicht mehr eindrucksvoll genug ist, um breite soziale Unterstützung zu erhalten. In dieser Phase ist es von entscheidender Bedeutung, dass auf der höchstmöglichen Ebene politischer Unter- stützung Zustimmung für altersgerechte Strategien und die damit verbundenen Aktionspläne gewonnen wird. Diese Prozesse können mit Herausforderungen konfrontiert sein, die aus Unterschieden der Prioritäten und Meinungen verschiedener Gruppen herrühren. Manche Akteure, die sich traditionell nicht mit dem Thema Altern beschäftigen, sind sich zunächst der spezifi- schen Erfordernisse oder Interessen älterer Menschen nicht bewusst (35). Mögliche Konflikte oder Kompromiss- situationen können auftreten, wenn sich altersgerechte Prioritäten mit anderen organisatorischen Prioritäten überschneiden. Ein Beispiel ist die Forderung nach längeren Grünphasen von Fußgängerampeln an Kreuzungen, die es Menschen mit geringerer Gehgeschwindigkeit ermöglichen, die Straße sicher zu überqueren – dies kann als Beeinträchtigung des Ziels eines schnellen Verkehrs- flusses angesehen werden. Kommt es zu solchen Kom- promisssituationen, zählt zu den Mechanismen, um potenzielle Konflikte zu bewältigen, gegenseitig nutzen- bringende Situationen aufzuzeigen, Allianzen aufzubauen und die Öffentlichkeit aufzuklären (48, 49). Verantwortlichkeiten deö nieren Um sicherzustellen, dass die Prioritäten für die beteiligten Akteure akzeptabel sind, ist es wichtig, für einen trans- parenten Konsultationsprozess zu sorgen, der durch Strategisch planen 31 wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt wird. Planung auf der lokalen Ebene erleichtert die Integration von Aktivitä- ten aus unterschiedlichen Sektoren der Kommune. In den meisten Fällen haben die für die Planung verantwort- lichen Organisationen jedoch ein engeres Mandat als die Gesamtvision für altersgerechte Kommunen. Eine Strategie und der zugehörige Aktionsplan sollten sich auf die Stärken und damit verbundene Rollen der verschiede- nen Akteure sowie auf ihren Beitrag zu gemeinsamen Zielen beziehen. Die Planung verschiedener Sektoren der Kommune über- greifend zu integrieren, dient mehreren Zwecken. Dazu zählt: • Kohärenz zwischen den unterschiedlichen Sektoren der Gesellschaft und Regierungs-/Verwaltungsebenen sicherzustellen; • die Steuerungsfunktion der Kommunalverwaltung durch einen gezielteren Ansatz zu den Gesamtzielen zu stärken; • ein umfassendes Verständnis der Auswirkungen von Strategien in bestimmten Bereichen auf andere Sektoren zu fördern; und • das Kosten Nutzen-Verhältnis ausgewählter Strategien zu maximieren. Die Hauptakteure strategisch in die Planung einzubinden, ist eine Voraussetzung für nachhaltige Unterstützung während ihrer Umsetzung (siehe Kasten 13). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 32 Kasten 13. Brünns Prozess zur Entwicklung der Strategie des aktiven Alterns Der Plan für aktives Altern von Brünn ist eines der ersten Dokumente in Tschechien, das sich mit dem Thema Altern in seiner Komplexität befasst. Er wurde in Zusammenarbeit mit der Kommune unter der Leitung des Projekts „Brünn – Gesunde Stadt“ entwickelt. Dieses Projekt umfasste auch ein sektorübergreifendes Team, das sich hinter das gemeinsame Ziel stellte, Brünn systematisch in eine altersgerechte Stadt zu verwandeln, in der ältere Menschen ihr Leben aktiv und gesund leben können. Der Plan richtet sich an alle Organisationen in der Stadt, die das Leben älterer Menschen positiv beeinflussen können: An seiner Ausarbeitung waren nicht nur Organisationen beteiligt, die sich hauptsächlich mit der Thematik des Älterwerdens befassen, sondern auch solche, die in den Bereichen öffent liche Verkehrsmittel, Bildung und Freizeitaktivitäten tätig sind. Der Plan für aktives Altern von Brünn war direkt mit dem strategischen Hauptplan der Stadt verbunden. Auch auf der nationalen Ebene wurde eine enge Zusammen arbeit etabliert, und Brünn hat sich an der Vorbereitung der nationalen Strategie für positives Altern in Tschechien für 2013–2017 beteiligt. Der folgende zeitliche Ablauf führte zur erfolgreichen Erstellung eines strategischen Plans. 2010 • Der Projektantrag wird vom Stadtrat von Brünn genehmigt 2011 • Die EU sagt Mittel für die Durchführung des Projekts zu • Eine Arbeitsgruppe zur Koordinierung des Projekts wird gebildet • Eine sektorübergreifende Managementgruppe von Schlüsselpartnern (Tschechisches Ministerium für Arbeit und Soziales, Südmährische Region, Masaryk-Universität, Stadtverwaltung Brünn) wird eingerichtet • Eine Expertenanalyse des Ist-Status der Bedingungen für aktives und gesundes Altern wird durchgeführt • Eine soziologische Meinungsumfrage bei 800 Personen ab 60 Jahren wird durchgeführt • Strukturierte Interviews mit den Vertretern von Organisationen werden durchgeführt • Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken werden analysiert • Eine Reihe von Diskussionsrunden mit Fachverbänden und Bürgerinitiativen zur Definition von Prioritäten, Themen und Maßnahmen findet statt 2012 • Der Vorschlag für den Plan für aktives Altern von Brünn mit Prioritäten, Entwurfstätigkeiten und Vorgehensweise für zukünftige Schritte wird erstellt • Eine Kooperationsplattform für Schlüsselpartner aus dem Bereich aktives und gesundes Altern wird konzipiert • Eine öffentliche Anhörung des Plans für aktives Altern von Brünn findet statt • Das Dokument wird im Stadtrat erörtert • Mit politischen Vertretern und städtischen Akteuren wird über die Umsetzung der Agenda in Aktivitäten in der Kommune verhandelt 2013 • Die Agenda für aktives Altern wird in die Aktivitäten des Gesundheitsamtes aufgenommen • Personalressourcen werden geschaffen Quelle: Plan für aktives Altern von Brünn, unveröffentlichte Broschüre und Fallstudie, 4. Mai 2016. Für weitere Informationen zu Brünn siehe auch Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (50). Einführung 33 Strategisch planen Instrumente und weiterführende Literatur Bartholomew LK, Parcel GS, Kok G, Gottlieb NH, Fernández, ME (2016). Planning health promotion programs: an inter- vention mapping approach, 4th edition. San Francisco, CA: Jossey-Bass (http://interventionmapping.com, eingesehen am 20. Dezember 2019). Burns JC, Paul DP, Paz SR (2012). Participatory asset mapping: a community research lab toolkit. Los Angeles: Healthy City (https://hc-v6-static.s3.amazonaws.com/ media/resources/tmp/Participatory_Asset_Mapping.pdf, eingesehen am 20. Dezember 2019). Schweizer C, Racioppi F, Nemer L (2014). Developing national action plans on transport, health and environment: a step-by-step manual for policy-makers and planners. Kopenhagen: WHO-Regionalbüro für Europa (http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_ file/0010/247168/Developing-national-action-plans-on- transport,-health-and-environment.pdf, eingesehen am 20. Dezember 2019). University of Kansas (2015). Chapter 2, section 1: developing a logic model or theory of change. In: Community toolbox [Website]. Lawrence: University of Kansas (https://ctb.ku.edu/en/table-of-contents/overview/ models-for-community-health-and-development/logic- model-development/main, eingesehen am 19. Dezember 2019). University of Waterloo (2016). SWOT analysis using the building blocks. Waterloo: University of Waterloo (http:// afc.uwaterloo.ca/building_blocks/what_is_it.html, eingesehen am 19. Dezember 2019). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 34 5. Handeln und umsetzen Handeln und umsetzen 35 Maßnahmen durchzuführen, steht im Mittelpunkt jeder Initiative zur Schaffung einer altersgerechten Stadt oder Gemeinde. Nach der Beratungs- und Planungsphase müssen die Strategien und Prioritäten in einem stärker operativ ausgerichteten Planungsprozess mit konkreten Maßnahmen und erwarteten Ergebnissen gefüllt werden: Sie machen für das Leben älterer Menschen den Unter- schied aus. Das AFEE-Handbuch (1) listet viele mögliche Aktionen in jedem der acht Bereiche auf. In dieser Phase besteht die Kernaufgabe der sektor- übergreifenden Steuerungsgruppe von Akteuren darin, sicherzustellen, dass die Maßnahmen dem Gesamtziel folgen und ein kohärentes Element der in der voran- gegangenen Phase zusammengefassten Strategie sind. Die Bemühungen der verschiedenen Akteure müssen koordiniert und die älteren Menschen müssen in die Lage versetzt werden, gemeinsam Strukturen anzunehmen und Hindernisse für gesundes und aktives Altern wirk- sam zu beseitigen. Einem oder mehr Akteur(en) sollte die Verantwortung für bestimmte Konzepte, Programme und Projekte über tragen werden. Beispielsweise kann eine Hochschule auf das Ersuchen eines Senioren- verbandes reagieren, Lehr veranstaltungen für ältere Menschen anzubieten und Einrichtungen und Personal zur Verfügung zu stellen, um die soziale Teilhabe zu fördern. In der Handlungs- und Umsetzungsphase verwirklichen alle Akteure und Partner die Pläne und Ziele, um Veränderungen in der realen Welt herbeizuführen. Ein Aktionsplan ist ein wesentliches Instrument, um den strategi- schen Plan in konkrete Maßnahmen umzu- setzen und Verantwortlichkeiten, Ressourcen und Zeitrahmen zu deönieren, die für die tägliche Arbeit aller Akteure bestimmend sind. Fünf wichtige Schritte können wirksames Handeln erleichtern: • einen operativen Plan erstellen; • über den Aktionsplan beraten und ältere Menschen in allen Phasen einbeziehen; • Unterstützung und Ressourcen sichern; • den Plan umsetzen; und • erfolgreiche Maßnahmen ausweiten. Einen operativen Plan erstellen Ein Aktionsplan ist ein operatives Instrument, um die Umsetzung der übergeordneten Ziele in die Praxis zu unterstützen und die tägliche Arbeit aller beteiligten Akteure zu steuern. Er wird oft in Form einer Tabelle erstellt, die festlegt, welche Aktivitäten von wem und innerhalb welchen Zeitrahmens durchgeführt werden. Wenn es in der Kommune ein Strategiedokument gibt, folgt der Aktionsplan genau seiner Struktur. Er unterstützt die Verwirklichung der strategischen Zielsetzungen und schlüsselt sie auf in konkretere Einzelziele (siehe Kasten 14 und Anhang 2). Die ersten Schritte der operativen Planung bestehen darin, die Interventionsmöglichkeiten im Einklang mit dem lokalen Kontext und der Strategie zu bewerten sowie konkrete Zielvorgaben und Indikatoren festzulegen. In jedem Bereich können viele mögliche Maßnahmen positive Auswirkungen auf das Leben älterer Menschen haben (siehe das AFEE-Handbuch (1)). Um die Option auszu- wählen, bei der die Wahrscheinlichkeit, dass die erwartete Wirkung erzielt wird, am größten ist, müssen Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt werden. Alle wissenschaft- lichen Erkenntnisse über die Wirksamkeit und alle Schätzungen der erforderlichen Investitionskosten, Ergebnisse und Wirkungen sollten überprüft werden. Auch die Erfahrungen anderer Städte und Akteure bei der Durchführung ähn licher Maßnahmen sollten berücksich- tigt werden. Aus Misserfolgen kann ebenso viel gelernt werden wie aus Erfolgen. Die ermittelten Maßnahmen müssen im Hinblick auf ihre technische und wirtschaftliche Machbarkeit und die erwarteten Auswirkungen gewichtet werden. Ein- schränkungen und Bedenken hinsichtlich der Durch- führbarkeit sollten neben den bestehenden Aktiva und den Akteuren in der Kommune bewertet werden, damit die besten Alternativen und die realistischsten Inter- ventionen – sowie die Personen, die sie am besten umsetzen können – auf die spezifischen Erfordernisse der Bevölkerung zugeschnitten werden. Für die Aus- wahl der Projekte und der durchführenden Stelle ist es von entscheidender Bedeutung, einen klaren Überblick über das Spektrum der bestehenden Maßnahmen zu erhalten. Nachstehend findet sich eine Auflistung von Schlüssel- fragen, mit denen sich eine für altersgerechte Maß- nahmen zuständige Arbeitsgruppe auseinandersetzen muss (Adaption von Age-friendly NYC (39)): Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 36 • Was ist bekannt über mögliche Maßnahmen, um die Probleme anzugehen? Wie hoch ist ihr Wirkungs- potenzial, basierend auf den Ergebnissen der neuesten internationalen und nationalen Forschung? Welche sind die wichtigsten Lücken im aktuellen Wissen? • Welche der vorgeschlagenen Maßnahmen wurden im Land oder anderswo erprobt? • Sind die Interventionen für dieses spezifische Setting relevant oder können länderspezifische oder kulturell angemessene Änderungen vorgeschlagen werden? • Was wird in der Kommune bereits unternommen? Setzen öffentliche Stellen auf der lokalen, regionalen oder nationalen Ebene oder irgendeine andere Stelle in einem der relevanten Bereiche bereits Ressourcen ein? Welche nichtstaatlichen Organisationen oder andere private Stellen sind an der Erbringung aktueller Dienstleistungen und der Schaffung kommunaler Aktiva beteiligt? Der operative Plan legt für jede ausgewählte Aktion einen Zeitrahmen fest, vom Startdatum bis zur Verwirklichung der Leistungen oder des Ergebnisses, mit Zwischenzielen. Die für die Durchführung des Aktionsprogramms oder Projekts erforderlichen personellen, fachlichen und finanziellen Ressourcen umfassen Management und Verwaltung sowie fachliches und technisches Know-how. Darüber hinaus ist es unerlässlich, einen Zeitrahmen fest- zulegen, innerhalb dessen der Aktionsplan voraussicht- lich zu Ergebnissen führt. Das so genannte SMART- Modell von Zielen, die „konkret, messbar, erreichbar, realistisch und zeitgebunden“ sind, wurde häufig verwendet, um die Umsetzung auf längere Sicht zu erleichtern. Überprüfbare und messbare Zielvorgaben für die Einzelziele sind wichtig für die Monitoring- und Evaluationsphase und werden dazu beitragen, die kontinuierliche Rechenschaftslegung gegenüber den in der Entwicklungsphase des Aktionsplans konsultierten Personen zu gewährleisten. Um ein konkretes Ziel zu quantifizieren, werden Aus- gangswerte benötigt. Diese Zielvorgaben definieren konkrete Ergebnisse, die über einen bestimmten Zeitraum erreicht werden sollen und die quantifiziert werden kön- nen, um den späteren Evaluationsprozess zu erleichtern. Ausgangsdaten für die Definition von Zielvorgaben sind jedoch möglicherweise nicht ohne weiteres verfügbar, sodass ein Hauptziel der gesamten Koordinierungsstelle oder Arbeitsgruppe darin bestehen sollte, entsprechende Lücken in den verfügbaren Informationen zu schließen. Verbesserungen der Datenverfügbarkeit und -qualität in Schlüsselbereichen sind entscheidend, um den beteiligten Akteuren die Möglichkeit zu geben, zu zeigen, was sie erreicht haben, und zu einem umfassenden Verständnis altersgerechter unterstützender Umfelder im lokalen Kontext beizutragen. Kasten 14. Inhalte von Aktionsplänen: ein Beispiel aus der Orientierungshilfe der AARP AARP (ehemals American Association of Retired People) ist eine nichtstaatliche Organisation in den Vereinigten Staaten, deren Materialien zu „lebenswerten Kommunen“ die Bemühungen von Stadtteilen sowie kleineren und größeren Städten unterstützen, „großartige Orte für Menschen jeden Alters“ zu werden. Sie listen auf, was altersgerechte Aktionspläne enthalten sollten: • eine Aussage darüber, was erreicht werden soll (das Einzel- oder Dachziel); • die Aktivitäten, die durchgeführt werden müssen, um das Ziel zu erreichen; • ein Zieldatum für das Ende der Durchführung und/oder einen Zeitplan für den Beginn und das Ende der einzelnen Aktivitäten; • die Organisation oder die Person, die für jede Aktivität verantwortlich ist; • die für die Erfüllung der Aufgabe erforderlichen Einsatzmittel und/oder Ressourcen; • die Indikatoren, die es ermöglichen werden, die Fortschritte bei der Verwirklichung der Ziele zu messen. Ähnliche Modelle wurden in Europa verwendet und empfohlen, unter anderem vom französischen Leitfaden für altersgerechte Städte (51) (siehe auch Green (11) für weitere Beispiele). Quelle: AARP (52). Handeln und umsetzen 37 Über den Aktionsplan beraten und ältere Menschen in allen Phasen einbeziehen Die Bewertung von Aktionen und Interventionsmöglich- keiten erfolgt oft durch Experten und politische Ent- scheidungsträger, aber auch von älteren Menschen können Vorschläge für Projekte und Aktionen kommen (siehe Kasten 15). Auch wenn die fachliche Bewertung der Durchführbarkeit und der Angleichung an die poli- tischen und strukturellen Prioritäten von Fachleuten unterstützt werden muss, ist es wichtig, die Ansichten, Prioritäten und Erfahrungen älterer Menschen zu berücksichtigen und die Bürger in Entscheidungen über vor rangige Maßnahmen einzubeziehen. In diesem Prozess können auch die mög lichen Beiträge älterer Menschen selbst zur Umsetzung des Plans untersucht werden. Konsultationsprozesse sollten integraler Bestandteil der Entwicklung und Operationalisierung eines Aktionsplans sein. Ältere Menschen erinnern sich vielleicht an ihre individuellen Erfahrungen, die zu einem Konsens darüber zusammengefasst werden können, welche Maßnahmen erforderlich sind und wie diese kurz- und mittelfristig am besten ihren Erfordernissen entsprechen könnten. Jeder Programm- oder Projektvorschlag wird von Erprobungen mit älteren Menschen profitieren, um Probleme zu lösen und Anpassungen zu seiner Wirkungsmaximierung vorzu- nehmen. Eine Schlüsselrolle der Steuerungsgruppe besteht darin, die vorgeschlagenen Aktivitäten gegen die strategischen Ziele abzuwägen, die in der Strategie und der alters- gerechten Bewertung festgelegt wurden. Es ist wichtig, nicht nur das erwartete direkte Ergebnis einer Maßnahme zu definieren, sondern auch zu zeigen, wie dieses Ergebnis dazu beitragen wird, die Gesamtvision zu erreichen. Wenn beispielsweise die Einführung neuer Niederflurbusse geplant ist, sollte geprüft werden, ob die Personen, die Busse nutzen, das Ergebnis dahingehend werten, dass Zugangsbarrieren gesenkt wurden. Auch die insgesamt zu erwartenden Auswirkungen müssen skizziert werden – beispielsweise ob deshalb mehr Menschen mit dem Bus fahren werden oder ob ältere Menschen in benachteiligten Gebieten einen besseren Zugang zu für sie wichtigen Aktivitäten haben werden. Der Erfolg des Plans wird davon abhängen, ob die ältere Bevölkerung ein Gefühl von Teilhabe verspürt und wie gut die Koordinierungsmechanismen zwischen den Haupt- akteuren funktionieren. Ältere Menschen können gleich- zeitig an der Überwachung der Qualität und an der Durchführung von Projekten beteiligt sein, um Verbesse- rungen während des gesamten Prozesses zu ermöglichen (siehe auch das nächste Kapitel zur Prozessevaluation). Wenngleich die Gesamtleitung des Plans bei der Kom- munalverwaltung oder der Arbeitsgruppe liegen kann, erfordert eine effektive Umsetzung, dass die Leitung mit Kasten 15. Beispiele für Bürgerhaushalte aus Alfândega da Fé und Paris Eine Möglichkeit, die Bürger zu befähigen, eine aktive Rolle bei der Verwaltung und Gestaltung ihrer Kommune zu spielen, besteht darin, ihnen ein Mitspracherecht bei der Zuweisung eines Teils des kommunalen oder öffentlichen Haushalts einzuräumen – die so genannte partizipative Haushaltsplanung oder der Bürgerhaushalt. In Alfândega da Fé in Portugal können ältere Menschen (ab 60 Jahren) Ideen und Projekte vorschlagen, die das Leben älterer Menschen verbessern sollen, mit einem maximalen Budget von 10 000 Euro. Ihre Ideen werden von der Kommune analysiert und dann von einem Seniorenrat verabschiedet. Die am höchsten bewerteten Vorschläge werden in die Planung der Kommune für das kommende Jahr einbezogen. In Paris (Frankreich) wird ein großer Bürgerhaushalt umgesetzt: 2016 entschieden die Pariser darüber, wie 100 Millionen Euro des Haushalts ihrer Stadt ausgegeben werden sollten. Mit Unterstützung der Stadtverwaltung und einer digitalen Plattform können Bürger Projektanträge entlang zweier Achsen von Quartiers- oder stadtweiten Projekten ein- reichen. Die Ideen werden öffentlich diskutiert, sie erhalten Unterstützung, um konkretisiert zu werden, und die Kosten werden geschätzt, bevor sie an Fachleute in der Verwaltung weitergeleitet werden, die ihre Machbarkeit prüfen. Die als realisierbar erachteten Projekte werden auf einer öffentlichen Versammlung vorgestellt. Anschließend können die Bürger darüber abstimmen (online und auf Papier). Von 2014 (dem Jahr des ersten Bürgerhaushalts) bis 2016 wurden wichtige Erkenntnisse gewonnen und umgesetzt: Es gibt klare Vorteile, wenn Ideen und Projekte von den Bürgern selbst kommen, und in ärmeren und benachteiligteren Stadtteilen sollten die Investitionen höher ausfallen. Quellen: Municipio de Alfândega da Fé (53); Mairie de Paris (54). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 38 anderen wichtigen Akteuren geteilt wird. Nach der An nahme des lokalen Aktionsplans werden die Ziele des lokalen Aktionsplans und die entsprechenden Interventio- nen in die Arbeitspläne der verschiedenen beteiligten Akteure, nichtstaatlichen Organisationen und öffentlichen Stellen integriert. Unterstützung und Ressourcen sichern Nach der Bewertung der technischen Durchführbarkeit und der Unterstützung durch die Bevölkerung besteht der nächste Schritt darin, das Programm zu billigen und die Ressourcen für seine Durchführung zu sichern. Dies ist eine Gelegenheit für Politiker, eine Entscheidung zu treffen, die auf der Durchführbarkeit des Vorschlags im Rahmen der Haushaltszwänge und der Ansichten der breiteren politischen Gemeinschaft beruht. In dieser Phase sind folgende Fragen zu stellen: Kann er aus den Mitteln der beauftragenden Behörde finanziert werden? Besteht die Möglichkeit einer Finanzierung oder zumindest einer teilweisen Finanzierung durch eine höhere Regierungs-/ Verwaltungsebene oder durch andere Projektmittel? Die Entwicklung einer altersgerechten Strategie bedeutet nicht unbedingt, dass umfangreiche zusätzliche Ressourcen erforderlich sind. Vielmehr können viele Maßnahmen darauf beruhen, dass die Bemühungen und Verpflichtungen in den bereits beteiligten Sektoren aufeinander abge- stimmt werden. Beispielsweise hat sich in einigen Städten die Verlängerung der Fußgängerphase an Straßenkreu- zungen als kostenneutral erwiesen. Viele altersge rechte Aktivitäten konnten auch in Zeiten schrumpfender kommunaler Haushalte gedeihen, weil sie vermochten, die vorhandenen Ressourcen effektiver zu nutzen, indem sie Organisationen und Akteure veranlassten, ihre be stehenden Aktivitäten altersgerechter zu machen. Unab hängig davon erfordert die Umsetzung des Plans gleichwohl die Mobilisierung angemessener finanzieller und personeller Ressourcen, und die Mindestmittel um- fassen auch diejenigen für die Koordinierung der unter- schied lichen Akteure, Ehrenamtler und Interessenvertreter. Darüber hinaus sollten alle in dem Plan vorgeschlagenen Maßnahmen eine Schätzung der erforderlichen Human- ressourcen und jeglicher externer oder Sachmittelunter- stützung, die bereitgestellt werden könnte, einschließlich Kapazitätsaufbau und Schulungsmaßnahmen sowie eine Aufschlüsselung der Kosten für jede Intervention enthalten. Für die verschiedenen Bereiche sollten entsprechende Finanzierungsquellen ermittelt werden; die lokalen öffent lichen Stellen und andere am Plan beteiligte Akteure können ihre Haushalte weiter entsprechend anpassen. Die Ausweisung von Haushaltsmitteln für die Umsetzung des Plans ist eine wichtige Probe aufs Exempel für den Grad der politischen Unterstützung und für die Frage, ob die Budgets realistisch sind, um bestimmte Ziele zu erreichen. Die Finanzierung kann aus verschiedenen Quellen erfolgen (siehe Kasten 16). Ein Teil der zusätzlichen Mittel kann aus dem öffentlichen Haushalt kommen, der von Rat und Verwaltung der Kommune genehmigt wird; in anderen Fällen können die beteiligten Ämter spezifische Inter- ventionen des lokalen Plans aus ihren Budgets unterstützen. Kasten 16. Zusammenfassung wichtiger Ansätze für altersgerechte Haushalte In vielen Kommunen beinhaltet das Budget, das speziell für ein altersgerechtes Projekt oder die Umsetzung einer Strategie bereitgestellt wird, das Gehalt eines Koordinators und Finanzmittel für Arbeitsgruppentreffen, Verwaltung und Druckkosten. Manche Kommunen weisen auch ein bestimmtes Budget für einen Seniorenrat aus oder subven- tionieren ehrenamtliche Aktivitäten zur Unterstützung des Prozesses. Die Grundfinanzierung für die Durchführung von Aktivitäten im Aktionsplan wird in der Regel in Kooperations- modellen zwischen den Behörden und Ämtern sichergestellt, indem bestehende Budgets besser genutzt und die Ressourcen zwischen den beteiligten Behörden und Institutionen abgestimmt oder zusammengeführt werden. Alle Aktivitäten im Aktionsplan sollten in die Budgets und Finanzpläne der jeweiligen zuständigen Stellen integriert werden. Für spezielle Projekte, die sich nicht leicht in die laufenden Budgets interdisziplinärer Partner integrieren lassen, haben sich viele Kommunen erfolgreich um eine Finanzierung durch bestehende Programme beworben und Projektmittel aus Rats-, Regional-, Landes- oder EU-Mitteln erhalten. Manchmal kann die Vernetzung zwischen mehreren europäischen Städten die Beschaffung zusätzlicher Mittel erleichtern. Handeln und umsetzen 39 In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, Verwaltungssynergien auf lokaler, regionaler und natio- naler Ebene sicherzustellen, um Haushaltsanpassungen zu erleichtern. Ein lokaler Plan, der auf dem strategischen Engagement der Akteure aufbaut und Initiativen von Anfang an verknüpft, ist ein Schlüsselinstrument zur Mobilisierung zusätzlicher finanzieller Unterstützung durch potenzielle Geber. Darüber hinaus kann ein vereinbarter Aktionsplan an sich schon ein wichtiges Instrument zur Ressourcenmobilisie- rung sein. In manchen Fällen kann die höchste Ebene der politischen Unterstützung einen Aktionsplan billigen, in anderen muss er dem Kommunalrat vorgelegt werden. Die Beratung darüber mit anderen Sektoren und Ebenen der Regierung und allen lokalen Akteuren und seine Verbreitung an sie kann ein wichtiger Schritt sein, der den Beitrag des lokalen Plans zu verschiedenen lokalen, regionalen oder nationalen Zielen hervorhebt. Den Plan umsetzen Sobald ein Starttermin vereinbart ist und die personellen und technischen Ressourcen gesichert und eingesetzt sind, ist es an der Zeit, den operativen Plan umzusetzen. Für einen ordnungsgemäßen Umsetzungsprozess sind kontinuierliche Führung und Überwachung von entschei- dender Bedeutung. Dies erfordert Konsensbildung, die Einbeziehung wichtiger Akteure, kontinuierliche Verbesse- rungsmechanismen unter Einbeziehung älterer Menschen, Konfliktlösung, Kompromissfindung, Planungen für Eventualfälle, Ressourcenmobilisierung und Anpassung. Nicht alle Handlungsfelder, die Umfelder altersgerechter machen können, liegen im direkten Einflussbereich lokaler Behörden. Beispielsweise fällt die Zugänglichkeit von Geschäften und Produkten (einschließlich Websites und mobiler Dienste) in der Regel in die Ver antwortung des privaten/gewerblichen Sektors. Lokale Behörden können jedoch eine wichtige Vermittlerrolle spielen, wenn es darum geht, Akteure des Privatsektors davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, altersgerechte Erfordernisse und Mög- lich keiten zu berücksichtigen. Kasten 17 enthält einige Beispiele für öffentlich-private Initiativen. Manche Gebietskörperschaften haben für die unter- schiedlichen Schwerpunktbereiche eigene Initiativen und Projekte entwickelt, deren Umsetzung an verschiedene Sektoren und Organisationen ausgelagert wird. Dies kann auch durch kleine Schritte geschehen, die gleichzeitig von vielen lokalen Akteuren und Organisationen durchgeführt werden, die die Unterstützung wieder anderer Akteure benötigen (siehe Kasten 18). Erfolgreiche Initiativen begrüßen die Unterstützung der Gebietskörperschaft. Andere Kommunen haben neue interdisziplinäre Strukturen geschaffen, um als wichtige kommunale Aufgabe, die in mehreren Sektoren Veränderungen auslöst, umfassende Aktivitäten zugunsten altersgerechterer Umfeld zu steuern und zu überwachen. Eine solche zentral gesteuerte Initiative kann breite Unterstützung durch lokale, regionale und oft sogar nationale Stellen sowie umfangreiche Mittel erfordern. Unabhängig davon, welche Stelle bei der Durchführung federführend ist, sollte der Prozess während der Umset- zung anhand klar definierter Zwischenziele überwacht werden. Dies wird dabei hilfreich sein, Verbesserungs- potenziale rechtzeitig zu erkennen. Es wird auch helfen, die effiziente Nutzung der verfügbaren Ressourcen zu gewährleisten, die Rechenschaftspflicht leichter zu erfüllen und später über die erzielten Ergebnisse zu berichten. Die zuständigen Organisationen und die mit der Durchfüh- rung beauftragten Stellen werden ermutigt, im Laufe des Projekts ältere Menschen zu konsultieren und Rückmel- dungen zu Problemen, Verzögerungen oder bewährten Verfahren einzuholen. Damit die Umsetzung nachhaltig wird, müssen effektive Unterstützungsstrukturen institutionalisiert werden. Bei- spielsweise können beratende Ausschüsse älterer Menschen zu einem offiziellen Seniorenrat werden, und Regeln können auf Dauer geändert werden, sodass Planungskommissionen ältere Menschen zu allen Ent- scheidungen des Kommunalrats, die Auswirkungen auf deren Lebensqualität haben, konsultieren müssen. Es gibt einige Erkenntnisse dahingehend, dass die Umsetzung an Orten, an denen die Position des Koordinators der Arbeits- gruppe als Teil der Ratsstruktur oder innerhalb eines koor- dinierenden Ministeriums innerhalb der obersten strate- gischen Organisationsebene geschaffen wird, dauerhafte und nachhaltige Veränderungen bewirkt hat. Erfolgreiche Maßnahmen ausweiten Es wurde argumentiert, dass auf der lokalen Ebene herbei- geführte Veränderungen eher den Anforderungen einer alternden Gesellschaft gerecht werden. Vor Ort erzielte Errungenschaften bleiben jedoch häufig auf einen sehr kleinen Maßstab beschränkt (58). Um sowohl den Vorteil lokaler Erfahrung als auch größere Auswirkungen zu kom- binieren, sollte in Betracht gezogen werden, erfolgreiche Aktivitäten auszuweiten. Viele Städte haben kleine Pro- gramme in nur einem bestimmten Stadtteil gestartet, die Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 40 später nach sorgfältiger Prüfung und schrittweiser Ver- besserung auf die gesamte kommunale Ebene übertragen wurden (4). Das Phänomen, dass viele Umfelder nicht für ältere Menschen konzipiert wurden, erfordert letztlich einen Systemwechsel. Die Lehren aus erfolgreichen Aktivitäten in Kommunen sollten in größere Maßstäbe übertragen werden, um ihre Wirkung sowohl innerhalb der einzelnen Kommune als auch auf regionaler und nationaler Ebene zu maximieren. Eine gut durchgeführte Fallstudie, die gesundes Altern in einer bestimmten Kommune fördert, ist eine wichtige Errungenschaft, aber nur ein erster Schritt. Der zweite Schritt könnte darin bestehen, kritisch zu reflektieren, wie die Erfolge dazu beitragen könnten, Institutionen und Strukturen zu verbessern, die ein Umfeld schaffen, das ältere Menschen in der gesamten Kommune unterstützt. Die Schaffung altersgerechter Umfelder geht weiter mit einer systematischen Überarbeitung der Insti- tutionen und Programme, um ältere Erwachsene zu inte- grieren und zu unterstützen, aber auch um altersgerechte Merkmale in der Vorgehensweise zu institutionalisieren, mit der Umfelder geschaffen und gesteuert werden, wenn sich die Erfordernisse und Kapazitäten älterer Menschen ändern (58). „Ausweiten“ kann auch bedeuten, Ansätze anzupassen, die an anderer Stelle in der Kommune erfolgreich umge- setzt wurden. Die Europäische Innovationspartnerschaft für aktives und gesundes Altern war ein wichtiger Faktor, indem sie Referenzstandorte anregte und eine Auswei- tungsstrategie entwickelte, die als Katalysator für die Ein- führung von Aktivitäten an Referenzstandorten in Regionen und Ländern genutzt wurden. Die Zahl der Beispiele für bewährte Praktiken aus aller Welt ist in den letzten Jahren rasant gestiegen; viele davon sind online zugänglich – beispielsweise über das ePortal „Age-friendly world“ des Globalen Netzwerks seniorengerechter Städte und Kasten 17. New York City: durch Einbeziehung der Gesamtgesellschaft Veränderungen herbeiführen Die Umsetzung des altersgerechten Plans für New York City in den Vereinigten Staaten umfasste eine breite Palette von Maßnahmen, die jeweils von verschiedenen Sektoren und Akteuren getragen wurden, darunter die folgenden Beispiele. • Auswahl von „Bezirken mit Verbesserungen in Bezug auf das Altern“: Bei dieser Initiative wurden Anliegen und Vorschläge älterer Erwachsener in einem bestimmten Stadtteil mit den Verantwortlichen und Ressourcen von lokalen Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen, Ämtern der Stadtverwaltung sowie kulturellen, Bildungs- und religiösen Einrichtungen zusammengeführt, um einen strategischen Ansatz für kostenlose und kostengünstige Verbesserungen zu fördern. • Altersgerechte Unternehmen: Diese Initiative konzentrierte sich darauf, Unternehmen in der ganzen Stadt für die ältere erwachsene Bevölkerung zu sensibilisieren, Geschäfte zu ermutigen, altersgerechte Anpassungen vorzunehmen, und Personalabteilungen über die besten Strategien zur Bindung ihrer älteren Mitarbeiter zu informieren. • Altersgerechte Schulen und Hochschulen: Bildungseinrichtungen wurden ersucht, den Zugang zu Qualifizie- rungsangeboten zu verbessern und sich an Schul- und Hochschulvereinigungen zu beteiligen. • Altersgerechte Technologie: Dieses Projekt half älteren Menschen, sich mit dem technologischen Fortschritt auseinanderzusetzen, was wiederum zu einer besseren Kommunikation und einem Abbau der sozialen Isolation führen kann. • Altersgerechte Berufe: Dieses Projekt forderte bekannte Institutionen und Berufsverbände in ganz New York City auf, darüber nachzudenken, wie die dort vertretenen Berufe altersgerechter gestaltet werden könnten. • Individuelle Initiativen: Das Amt des Bürgermeisters und der Stadtrat von New York City appellierten an alle Ämter, zu prüfen, wie sie die Art und Weise verbessern könnten, in der sie ältere Menschen durch ihre Arbeit integrieren und sich für sie einsetzen. Aus dieser Überprüfung gingen insgesamt 59 Initiativen zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Erwachsener hervor. Quellen: Age-friendly NYC (39; 55); Finkelstein et al. (56). Handeln und umsetzen 41 Gemeinden der WHO (12). Weitere Beispiele für solche Ausweitungsaktivitäten sind preisgekrönte Initiativen für altersgerechte Städte, die als lokale Bezugspunkte dienen und oft von anderen Kommunen in der Region oder im Land besucht und konsultiert werden, die ähnliche Initiativen ins Leben rufen wollen (siehe Kasten 19). Kasten 18. Projektdurchführung durch nichtstaatliche Akteure: eine Fallstudie aus der Ukraine Turbota pro Litnih v Ukraini [Age Concern Ukraine] (TLU) ist eine gemeinnützige nichtstaatliche Organisation, die auf den Prinzipien der gegenseitigen Unterstützung und Selbsthilfe für ältere Menschen basiert. Sie kann auf eine Erfolgsbilanz bei der Durchführung von mehr als 100 Projekten in nur vier Jahren zurückblicken, die darauf abzielten, die Rechte der verletzlichsten älteren Menschen in der Ukraine zu schützen. Mit Niederlassungen in zehn Städten und an sechs Standorten in ländlichen Gebieten in der Ukraine erbringt TLU jedes Jahr über ein Netzwerk von 2000 Freiwilligen Dienstleistungen für 20 000 ältere Menschen. Die Freiwilligen leisten praktische Unterstützung für schutzbedürftige Altersgenossen zu Hause, richten Beratungs- und Informationsstellen ein, um älteren Bürgern zugängliche Informationen zur Verfügung zu stellen, unterstützen ältere Menschen, die Opfer von Misshandlung wurden, schützen die Rechte und vertreten die Interessen älterer Menschen und leisten Nothilfe für vom Konflikt in der Ukraine betroffene Menschen. TLU arbeitet mit dem Ministerium für Sozialpolitik zusammen und setzt sich auf der nationalen und lokalen Ebene für die Rechte älterer Menschen ein. Die Organisation arbeitet auch mit internatio- nalen Geldgebern und anderen nichtstaatlichen Organisationen wie HelpAge International und Age UK zusammen, um wirkungsvolle Projekte zu realisieren. Ein Beispiel war die Beteiligung von TLU-Freiwilligen an einem Projekt zur Verbesserung der staatlichen Rechen- schaftslegung durch eine Monitoring-Tätigkeit älterer Bürger. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit HelpAge International entwickelt und von der Europäischen Kommission unterstützt. Ältere Freiwillige wurden geschult, um lokale und nationale Pläne mit Relevanz für ältere Menschen zu prüfen. Um strukturiert und konstruktiv Rückmel- dungen zu deren Umsetzung zu geben, arbeiteten sie mit lokalen und nationalen Behörden zusammen und über- wachten die Einhaltung der staatlichen Verpflichtungen. Dazu nahmen sie auch Kontakte zu lokalen Akteuren auf. Zu den sichtbaren positiven Ergebnissen dieser Aktivitäten zählten Ampeln mit verlängerten Grünphasen für Fuß- gänger an Übergängen und die Installation zusätzlicher Handläufe, Bänke und Sitze in Postämtern und Ambulanzen in ukrainischen Städten. Quelle: TLU (57). Instrumente und weiterführende Literatur Buffel T (Hrsg.) (2015). Researching Age-Friendly Communities: Stories from older people as co-investigators. Manchester: University of Manchester (https://extranet.who.int/agefriendlyworld/wp-content/ uploads/2015/07/Researching-Age-Friendly-Communities. pdf, eingesehen am 20. Dezember 2019). Europäische Innovationspartnerschaft für aktives und gesundes Altern (2015). European scaling-up strategy in active and healthy aging. Brüssel: Europäische Kommission (https://ec.europa.eu/research/innovation- union/pdf/active-healthy-ageing/scaling_up_strategy.pdf, eingesehen am 20. Dezember 2019). Handler S (2014). A research and evaluation framework for age-friendly cities. 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In: Evidence-informed policy network [Website]. Genf: Welt- gesundheitsorganisation (https://www.paho.org/hq/ index.php?option=com_content&view=article&id=4364: 2010-support-tools-evidence-informed-health-policymaking -stp&Itemid=3514&lang=en, eingesehen am 20. Dezember 2019). Whitehead M, Povall S, Loring B (2014). The equity action spectrum: taking a comprehensive approach. Guidance for addressing inequities in health. Kopenhagen: WHO- Regionalbüro für Europa (http://www.euro.who.int/__ data/assets/pdf_file/0005/247631/equity-action-090514. pdf, eingesehen am 20. Dezember 2019). WHO-Regionalbüro für Europa (2016). Age-friendly environments in Europe: a handbook of domains for policy action. Kopenhagen: WHO-Regionalbüro für Europa (http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_ file/0011/359543/AFEE-handbook.PDF, eingesehen am 20. Dezember 2019 Kasten 19. Erfahrungen mit der Ausweitung: von Stockholm auf ganz Schweden In der Kommune Nacka, einem Vorort von Stockholm, initiierte das Sickla Gesundheitszentrum 2011 die erste Übungsgruppe, die ausschließlich auf die Bedürfnisse sehr alter Menschen ausgerichtet war. Zielgruppe der Maßnahme waren Menschen, die das 90. Lebensjahr vollendet hatten, und sie umfasste angepasste körperliche Betätigung mit medizinischer Unterstüt- zung. Erklärte Ziele waren, Muskelkraft und Gleichgewicht zu trainieren, um Unfälle zu vermeiden und die Fähigkeiten zu erhalten, die für ein unabhängiges Leben erforderlich sind. Das durchschnittliche Alter der Projektteilnehmer betrug 94 Jahre. Durch die mediale Berichterstattung in der Presse sowie überregionalem Rundfunk und Fernsehen wurde die breite Öffentlich- keit auf dieses Pilotprojekt aufmerksam. Die Medien präsentierten Rollenmodelle aktiver älterer Menschen und lösten Interesse und eine Nachfrage in benachbarten Gebieten aus. 2013 unterstützte die Region Stockholm Kooperationen zwischen Zentren für primäre Gesundheitsversorgung und lokalen Fitnessstudios, um den Ansatz in sechs städtischen Gebieten umzusetzen. Eine Studie zur Evaluation des Projekts ergab, dass die Teilnahme an 40 Minuten Training pro Woche zu einer Verbesserung der Aktivität im täglichen Leben führte. Die Studie wies auch indirekte Effekte nach, die in weniger Einsamkeit und Medikamenten- konsum resultierten, und schlug vor, dass die Ergebnisse letztlich zu einer Verringerung der Stürze bei älteren Menschen und damit zu finanziellen Einsparungen für die Gesellschaft führen könnten. Nun wünscht sich die Region Stockholm, dass das Projekt auf das ganze Land ausgedehnt wird, um den Nutzen von körperlicher Betätigung für alle Altersgruppen zu fördern. Quellen: Murvall et al. (59); Fougner (60). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 42 43 6. Fortschritte überwachen und evaluieren Der Erfolg und die Nachhaltigkeit eines altersgerechten Aktionsplans werden unterstützt, wenn er kontinuierlich verbessert werden kann und Ergebnisse nachgewiesen werden können. Dies hängt von einem zuverlässigen Monitoring und einer sorgfältigen Evaluation der im Rahmen des Plans ergriffenen Maßnahmen ab. Der Nachweis positiver Ergebnisse kann darüber hinaus dazu beitragen, das politische Engagement aufrechtzu erhalten und die zu künftige Finanzierung sicherzustellen. In vielen Kommunen wird nach Evaluationen jedoch nur am Ende jedes Zeitabschnitts innerhalb eines Plans über unmittelbare Ergebnisse berichtet, sodass das volle Potenzial, das das Monitoring von Prozessen, breiter gefassten Ergebnissen und Auswirkungen bietet, nicht ausgeschöpft wird. Solche Evaluationsdefizite sind häufig auf fehlende Planung der Evaluation zu Beginn des Prozesses und fehlende Ausgangsindikatoren zurückzu- führen, die auf Veränderungen reagieren. Viele relevante Datenpunkte werden nur auf der regionalen und nationalen Ebene erhoben und sind möglicherweise nicht auf lokaler Ebene verfügbar, wo sie zur Unterstützung einer evidenzbasierten Politikgestaltung benötigt werden. Datenlücken zu schließen und neue Indikatoren zu entwickeln, ist für lokale Behörden oft zu kost spielig; einheitliche Leitlinien und Methoden zur Messung altersgerechter Indikatoren sind erst seit kurzem im Entstehen begriffen. Ein Aktionsplan oder eine Arbeitsgruppe sollte so früh wie möglich die Modalitäten für die Evaluation des Plans und des Prozesses festlegen. Zu verstehen, wie eine Kommune altersgerechter geworden ist (Prozess- evaluation), ergänzt die Untersuchung, ob eine Kommune altersgerechter geworden ist (Ergebnisbewertung und Wirkungsanalyse). Das Evaluationsteam setzt sich in der Regel aus internen und externen Experten zusammen, die eine Vielzahl von Methoden anwenden, beispiels- weise: • Interviews, Fokusgruppen oder andere Konsultationen mit wichtigen Akteuren, um die Umsetzung zu erörtern; • im Aktionsplan definierte Indikatoren oder vergleich- bare Indikatoren aus Datenquellen von höheren geografischen Ebenen; • partizipative Karten; • soziologische Erhebungen oder Umfragen über die wahrgenommene Gesundheit und Zufriedenheit mit dem Umfeld; und • qualitative Überprüfungen von Konzepten, Rechts- vorschriften und Dokumentationen im Zusammen- hang mit der Initiative zur Schaffung altersgerechter Umfelder. Während bestimmte Beurteilungszeiträume oft Teil von Strategien oder Aktionsplänen sind, muss die Grundlage für ein erfolgreiches Monitoring und die Evaluation von Anfang an für jedes altersgerechte Programm durchdacht werden. Evaluationspläne und -systeme können sinnvolle Ergänzungen zu Aktionsplänen sein. Viele Kommunen haben Interesse an Indikatoren bekundet, um die Fort- schritte auf dem Weg zur Schaffung altersgerechter Umfelder zu messen. Die WHO hat kürzlich einen Leit- faden zur Verwendung von Kernindikatoren entwickelt, die Kommunen unterstützen, die daran interessiert sind, ihre Bilanz mit denen anderer Städte zu vergleichen und – was vielleicht noch wichtiger ist – Vergleiche über den Zeitverlauf anzustellen (25). Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Erstellung einer soliden Evaluationsstrategie zählen diese Schritte: • Partnerschaften mit Hochschulen und Forschungs- einrichtungen eingehen; • Prozesse kontinuierlich überwachen; • sowohl Ergebnis- als auch Wirkungsanalysen durch- führen; • auf der Grundlage von Erkenntnissen Maßnahmen aufrechterhalten und verbessern; • von erfolgreichen Aktivitäten in nationalen und inter- nationalen Netzwerken lernen. Partnerschaften mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen eingehen Die Federführung für die Evaluation eines Aktionsplans zur Schaffung altersgerechter Umfelder kann bei der Arbeits- gruppe oder dem Rat liegen, die/der für die Gesamtplanung und -überwachung zuständig ist. Dies kann jedoch eine zusätzliche Belastung für diejenigen darstellen, die bereits komplexe Programme durchführen und koordinieren. Mit der Einsetzung eines Evaluationsteams und Überlegungen, wie der Aktionsplan in Zukunft aktualisiert und überarbeitet werden könnte, sollte frühzeitig begonnen werden. Dies kann auf einer formalen Strategie für Monitoring und Evaluation des Aktionsplans beruhen, die von Anfang an vereinbart werden sollte. Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 44 Fortschritte überwachen und evaluieren 45 Um diesen Arbeitsdruck zu verringern und eine unabhän- gige Einschätzung der Projektergebnisse und der Projekt- durchführung zu erhalten, kann es hilfreich sein, eine separate Evaluationsgruppe einzurichten und auf starken Partnerschaften mit beteiligten Akteuren aufzubauen. Beispielsweise kann es nützlich sein, diejenigen, die Pro- gramme durchführen, zu bitten, parallel zu ihrer Tätigkeit ein Mindestmaß an für das Monitoring relevanten Infor- mationen zu sammeln. Externe Experten können diese kontinuierliche Prozessdokumentation durch eine detail- liertere und systematischere Evaluation zu bestimmten Zeiten ergänzen. Bei der Evaluation sollten ältere Menschen selbst oder relevante nichtstaatliche Organisationen, die eine externe Sichtweise der eingetretenen Veränderungen vermitteln können, als Partner einbezogen werden. Vereinigungen älterer Menschen einschließlich solcher, die an der Ent- wicklung eines Plans beteiligt waren, sind oft wertvolle Aktivposten. Ältere Menschen wurden als Ko-Investi- gatoren engagiert, um an vielen Stellen einen Teil der Hintergrunduntersuchungen durchzuführen (22, 42). Das Projekt Belgian Ageing Studies sammelt beispielsweise einen erweiterten Datensatz über ältere Menschen und setzt für Umfragen ältere Ehrenamtliche ein, die von dem Forschungsteam unterstützt werden (61) (siehe Kasten 20). Die Evaluation umfasst häufig die Erfassung und Analyse vieler unterschiedlicher Datenquellen. Spezialisten wie Statistiker und Wissenschaftler sind wichtige Partner und können dazu beitragen, eine effiziente Durchführung der Evaluation zu gewährleisten. Als Erfolgsfaktoren wurden Partnerschaften mit ortsansässigen Hochschulen oder Forschungseinrichtungen identifiziert (35, 62). Forscher können helfen, einen soliden Evaluationsplan zu ent- wickeln und eine Methodik zur Datenerhebung zu konzi- pieren, um Wissenslücken zu schließen (63, 64). Hoch- schulen können darüber hinaus vermitteln, dass Stu- dierende im Rahmen ihrer Ausbildung an der Erhebung und Analyse von Daten beteiligt werden; die so ge - wonne nen Ergebnisse können für die Projektevaluation relevant sein (65). Prozesse kontinuierlich überwachen Ein integraler Bestandteil der Evaluation von Initiativen zur Schaffung altersgerechter Umfelder ist das Monitoring von Prozessen. Um spezifische Ergebnisse einer Intervention Kasten 20. Das belgische Projekt Belgian Ageing Studies: Kooperationen zwischen Hochschulen, Kommunalbehörden und älteren Menschen Um Kommunen bei der Entwicklung auf Erkenntnissen beruhender altersgerechter Konzepte zu unterstützen, ent- wickelten Wissenschaftler der Freien Universität Brüssel und der Hochschule Gent das Projekt Belgian Ageing Studies. Das Team überwacht lokale Herausforderungen und Chancen durch wissenschaftliche Untersuchungen der Bedürf- nisse und Probleme rund um die Lebensqualität älterer Menschen zu Hause, nicht nur in Bezug auf den Pflegebedarf, sondern auch in anderen Bereichen altersgerechter Umfelder wie Nachbarschaft, Wohnen und soziale Teilhabe. Seit 2004 haben sich mehr als 165 Kommunen in Belgien sowie elf in den Niederlanden und zwei in Italien an dem For- schungsprojekt beteiligt. Die Studienergebnisse liefern Instrumente zur Evaluation von Konzepten zum Thema Alterung und für das Monito- ring lokaler Probleme. Jede Stichprobe zielt darauf ab, repräsentativ für die jeweilige Kommune zu sein und bietet den örtlichen Behörden Instrumente für die Entwicklung auf Erkenntnissen beruhender Konzepte. Die von den Hochschulen in Zusammenarbeit mit älteren Menschen, Seniorenverbänden, Seniorenbeiräten, lokalen Behörden und anderen Interessengruppen entwickelte Methode erleichtert die Entwicklung eines kommunalen Netzwerks zwischen diesen verschiedenen Akteuren. Durch einen Zyklus von Forschung, Partizipation, Bildung, kommunalen Maßnahmen und Politikgestaltung wird die Stärkung älterer Menschen gefördert. Darüber hinaus schafft die Methode Möglichkeiten für ältere Menschen, am politischen Entscheidungsprozess teilzuhaben, weil sie als Experten und Akteure in ihrer Rolle als freiwillige Meinungsforscher an der Forschung beteiligt sind. Ältere Menschen, die sich aktiv als Teilnehmer engagieren, werden folglich ermutigt, ein Gefühl der Mitverantwortung zu entwickeln, was den Umstand unterstreicht, dass partizipative Forschung eine Rolle bei der Entwicklung auf Erkenntnissen beruhender Konzepte spielen kann. Quelle: Belgian Ageing Studies (66). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 46 beurteilen zu können, muss jeder Praktiker wissen, was umgesetzt wurde und wie. Bei der Prozessevaluation wird versucht, die Funktionsweise, Mechanismen und Zusammenhänge einer Intervention zu verstehen, und gefragt: Hat das Projekt erreicht, was damit beabsichtigt wurde? Sie kann konkrete Faktoren identifizieren, die eine Initiative erfolgreich gemacht haben, und regelmäßige Rück meldungen von Akteuren einholen, um den Aktionsplan zu überarbeiten und gegebenenfalls die Umsetzungs prozesse zu verbessern. Ein Grundprinzip altersgerechten Handelns ist die Einbe- ziehung von älteren Menschen, Betreuungs- und Pflege- personal und ihrer Organisationen als aktive Teilnehmer in allen Phasen einschließlich des Überprüfungs- und Beurteilungsprozesses. Die Qualität der Dokumentation, wie dies geschehen ist und was damit erreicht wurde, hängt von der Sammlung und Verwendung qualitativer Daten ab. Qualitative Forschungsmechanismen werden eingesetzt, um die Ansichten und Erfordernisse der Akteure zu erfassen – beispielsweise in Form von Inter- views, Zusammenkünften von Vertretern verschiedener Interessengruppen, Konsultationen, Konferenzen und Gemeinschaftsforen. Die Qualität und Solidität der Rekru- tierung von Teilnehmern, die Auswahl der Methoden und die Analyse der Ergebnisse sowie die Berichterstattung darüber können einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg und die Wirksamkeit der Initiative haben. In jedem Schritt und jeder Phase des Prozesses – ein- schließlich des gesamten Planungs-, Entwicklungs- und Umsetzungszyklus – sollte zu Monitoring-Zwecken dokumentiert werden, wer beteiligt war, was gut funktio- niert hat und welche Hindernisse und Erfolge wahrge- nommen wurden. Weil viele Schritte später wiederholt werden, können Prozessevaluationen zur Verbesserung des Prozesses und der Planung beitragen. Bestehende Dokumentationen können zeigen, wie Hindernisse über- wunden wurden. Diese Informationen sind wichtig, wenn Pläne erneuert werden sollen, damit die Zielvor- gaben angepasst werden können. Darüber hinaus ist die Prozessevaluation von großer Bedeutung für die Rechen- schaftslegung: Um das Bewusstsein und die Akzeptanz zu erhöhen, kann es sich lohnen, Bürger und Partner regelmäßig darüber zu informieren, was umgesetzt wurde und wie. Die Arbeitsgruppe, die für die alters- gerechte Initiative zuständig ist, ist vielleicht in der besten Position, alle erforderlichen Unterlagen zu sammeln und gegebenenfalls Berichte zu erstellen. Dies kann auch den Austausch und das Lernen zwischen Kommunen erleichtern. Ergebnisse evaluieren und Wirkungsanalysen durchführen Ein Aktionsplan hat in der Regel einen bestimmten Zeitrahmen, innerhalb dessen Maßnahmen durchgeführt werden sollten und nach dessen Ablauf der Plan evaluiert und aktualisiert wird. Die Arbeitsgruppe oder spezifische Evaluationsgruppe muss festlegen, wie die Monitoring- und Evaluationsmechanismen des lokalen Plans und seiner jeweiligen Zielvorgaben genutzt werden sollen. Zu Beginn jedes Plans sollten Evaluationsmechanismen eta bliert werden, um sicherzustellen, dass: • wichtige Daten und vereinbarte Indikatorenwerte gesammelt werden und verfügbar sind und zusätz- licher Datenbedarf mit geeigneten Methoden zur Datenerhebung gedeckt wird; • der Gesamtüberprüfungsprozess in Bezug auf Ver- antwortlichkeiten, Termine und Analysefähigkeit von Anfang an geplant wird; und • die Umsetzung des Plans regelmäßig mit Hilfe von Rückmeldungsmechanismen überprüft wird, um sich an veränderte Gegebenheiten und Rückmeldungen der Zielgruppe anzupassen und die Wirksamkeit zu verbessern. Die Durchführung einer umfassenden Ausgangs- bewertung und die Festlegung messbarer Ziele sind unerlässlich, damit überprüft werden kann, was erreicht wurde (siehe Kasten 21). Die Monitoring-Mechanismen können zu einem wichtigen Instrument werden, um sicherzu stellen, dass die vereinbarten Aktivitäten wie vorgesehen durchgeführt werden. Wenn regelmäßig Evaluationen vorgenommen werden, wird dies außerdem dazu beitragen, die wichtigsten Errungenschaften und gute Praktiken zu ermitteln. Weitere Hinweise zu poten- ziellen Indikatoren finden sich in der WHO-Veröffent- lichung Measuring the age-friendliness of cities: a guide to using core indicators (25). Auf der Grundlage von Erkenntnissen Maßnahmen aufrechterhalten und verbessern Die Aufrechterhaltung oder Verbesserung eines bestehen- den altersgerechten Plans muss durch regelmäßige Über- prüfungen und Aktualisierungen sowohl des Plans als auch der Zielvorgaben und auch der Daten unterstützt werden, die als Grundlage der politischen Prioritäten des Plans verwendet werden (siehe Kasten 22). Die wichtig- sten treibenden Faktoren für die Aktualisierung des Aktions- plans dürften sich aus der Evaluation der Ergebnisse her- Fortschritte überwachen und evaluieren 47 leiten, aber er könnte auch als Reaktion auf politische, soziale oder wirtschaftliche Veränderungen aktualisiert werden müssen. Um zur Nachhaltigkeit eines Plans beizutragen, ist es wichtig, dass die für die Evaluation verwendeten Indikatoren sorgfältig ausgewählt und an die lokale Situation ange- passt werden, weil sie für die in der Strategie und im Aktionsplan festgelegten Ziele und Zielvorgaben relevant sein müssen. Wenngleich es sinnvoll ist, eine Grundmenge international vergleichbarer Indikatoren zu sammeln (25), ist daran zu erinnern, dass Indikatoren in ihrem spezifi- schen Kontext (städtische oder ländliche Kommunen, Bevölkerungsgröße usw.) verstanden werden müssen. Manche Indikatoren können auch kulturell beeinflusst sein oder müssen in verschiedenen Kontexten unter- schiedlich interpretiert werden (beispielsweise wird der Umstand, dass ältere Menschen einer bezahlten Beschäf- tigung nachgehen, in einigen Kulturen als potenzieller Beitrag gesehen, während er in anderen als Zeichen finan- zieller Instabilität älterer Menschen gilt) (68). Damit Indikatoren als Grundlage für die Ergebnisse und die Erneuerung eines Aktionsplans fungieren können, sollten sie auf Veränderungen im Zeitverlauf reagieren. Um dies zu erleichtern, sollten Indikatoren idealerweise Teil routinemäßiger Datenerhebungssysteme sein, oder sie (oder Ersatzmessgrößen) sollten wiederholt überwacht werden können. Daten, die speziell zur Unterstützung der Erstellung eines Plans oder einer Strategie gesammelt Kasten 21. Monitoring und Evaluation des „Plans für ältere Menschen“ von Barcelona Der „Plan für ältere Menschen 2013–2016“ ist ein dreijähriger Rahmenaktionsplan mit einer umfassenden Perspektive für gesundes Altern in der Stadt Barcelona in Spanien. Es handelt sich um einen Leitfaden für kurzfristige Maßnahmen zur Verwirklichung operativer Ziele, der einen Katalog von Leistungsindikatoren enthält, die sich auf die für jedes Projekt, jeden Prozess oder jede Dienstleistung festgelegten Ziele beziehen. Die Evaluation stützt sich auf das Indikatorensystem, das auf Prozess-, Leistungs- und allgemeinen Trends basiert, um die Gesamtauswirkungen des Plans zu bewerten. Er umfasst die folgenden Mechanismen: • messbare Leistungsindikatoren im Zusammenhang mit Programmen sowie andere Prozess- und Umwelt- indikatoren; und • einen interdisziplinären Fachausschuss für die Durchführung des Monitorings, der sich aus Fachleuten aus den verschiedenen beteiligten Ämtern zusammensetzt und drei Hauptaufgaben wahrnimmt: • die Umsetzung überwachen; • technische Analysen durchführen und unvorhergesehene Probleme lösen; • relevante Indikatoren für die Evaluation und das Monitoring zusammenstellen. Auf der Grundlage dieser Arbeiten bewertet der Ausschuss für politisches und sachbezogenes Monitoring den Grad der Einhaltung des Plans. Ein jährlicher Evaluationsbericht wird veröffentlicht, der Folgendes enthält: • die Indikatoren für jede strategische Stoßrichtung und ihren Grad der Erfüllung in Bezug auf das operative Ziel; • eine Bewertung des Umsetzungsprozesses; • eine Bewertung der Einhaltung des Gesamtplans; und • neue Probleme, die auftreten können. Der Bericht wird dem Ständigen Ausschuss des Beirats für ältere Menschen, dem Ausschuss für politisches und sach- bezogenes Monitoring und der Kommission der Stadtverwaltung vorgelegt. Quelle: Barcelona City Council (67). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 48 wurden, könnten ebenfalls als Ausgangsindikator dienen, der im Zeitverlauf überwacht werden kann, wenn es mög- lich ist, denselben Indikator oder dasselbe Ersatzmaß in wiederkehrenden Datenerhebungsrunden mit denselben oder vergleichbaren Methoden zu sammeln. Der Erfolg eines Aktionsplans hängt von einer effektiven Kommunikation während der gesamten Umsetzung ab, mit der die wichtigsten Maßnahmen und erzielten Ergeb- nisse herausgestellt werden. Ein Kommunikationsplan kann diesen Prozess unterstützen und Informationen über relevante Ziele, Zielgruppen, Botschaften sowie verfüg- bare Instrumente und Ressourcen für verschiedene Kommunikationsaufgaben enthalten. Eine Vielzahl von Medien kanälen einschließlich sozialer Medien kann effektiv sein, um den Plan bei unterschiedlichen Zielgruppen bekannter zu machen. Indikatoren und Ziele auf Prozess-, Leistungs- und Ergebnis- ebene haben wichtige Informationen zu bieten, die zur Verbesserung des Aktionsplans und einzelner Projekte sowie zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit beitragen können. Evaluationen und Monitoring in regelmäßigen Abständen können dazu beitragen, Dynamik und öffent- liche Unterstützung für den Umsetzungsprozess zu schaffen. Viele Kommunen haben deshalb die wichtigsten statistischen Indikatoren für gesundes Altern oder Stadt- profile online öffentlich zugänglich gemacht. Verschiedene Akteure können dazu beitragen, das öffent- liche Interesse aufrechtzuerhalten und Errungenschaften oder Verbesserungspotenziale aufzuzeigen. Daten können verwendet werden, um die Nachhaltigkeit der Initiative in Bezug auf folgende Punkte zu unterstützen: • regelmäßige Informations- und Kommunikations- kampagnen, die sich an alle Interessengruppen ein- schließlich der breiten Öffentlichkeit richten; • Zusammenkünfte verschiedener Akteure, um über die Fortschritte zu berichten und Verbesserungen zu diskutieren; • Versuche des Lenkungsausschusses, zusätzliche Mittel und politische Unterstützung für den Aktionsplan zu erhalten; und • die Einbeziehung neuer Akteure und Interessen- gruppen aus der Kommune. Von erfolgreichen Aktivitäten in nationalen und internationalen Netzwerken lernen Das Monitoring und die Evaluation von Aktivitäten und Auswirkungen erleichtern auch den Erfahrungsaustausch mit anderen lokalen Behörden zum gegenseitigen Aus- tausch und Lernen. Es gibt viele Möglichkeiten, bewährte Verfahren weiterzugeben oder die Herausforderungen bei der Schaffung altersgerechter Umfelder zu diskutieren. In Kasten 22. Udine: Langzeitmaßnahmen auf der Grundlage von Evaluation Seit fast einem Jahrzehnt ist das Thema gesundes Altern eine politische Priorität in der italienischen Stadt Udine, die über eine solide integrierte Evaluation verfügt und die daraus resultierenden Informationen zur Verbesserung ihres altersgerechten Programms nutzt. Die folgenden Evaluations- und Bewertungsaufgaben waren Teil der Arbeit der Stadt für altersgerechte Konzepte: • Erstellung eines Profils für gesundes Altern unter Verwendung von 22 Indikatoren, um eine Momentaufnahme der älteren Bevölkerung in einem Rahmen für die diensteübergreifende Zusammenarbeit zu erhalten; • Verwendung von geografischen Informationssystemen, um zu kartieren, wo die ältere Bevölkerung in der Stadt wohnt, und Planungsentscheidungen in Bezug auf Angebote wie Buslinien und lokale Gesundheitsdienste ein- schließlich der Standorte von Apotheken zu beeinflussen; • Zusammenarbeit mit älteren Menschen im Rahmen des Vancouver-Protokollprozesses, um ihre Ansichten zu ermitteln und als Grundlage für Investitionsentscheidungen zu nutzen; • Einrichtung einer Reihe generationsübergreifender und auf Aktivitäten bezogener Projekte zur Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen; und • Einrichtung einer Beobachtungsstelle für die Gesundheit älterer Menschen. Quelle: Commune di Udine (69). Fortschritte überwachen und evaluieren 49 vielen Ländern Europas wurden nationale Netzwerke geschaffen, um die Gemeinden und Städte zu unter- stützen, die sich bemühen, ihre Umfelder an die Erforder- nisse einer alternden Bevölkerung anzupassen (siehe Kasten 23). Der Austausch mit Städten im In- und Ausland schafft wichtige Möglichkeiten, um Erfolge zu präsentieren und von anderen zu lernen (70). Selbst Kommunen mit einer guten Bilanz können sich weiter verbessern und von anderen Städten auf der Welt inspirieren lassen. Mehrere internationale Bewegungen und Netzwerke können dazu beitragen, das gegenseitige Lernen zwischen Städten und Gemeinden in dieser Hinsicht zu erleichtern. In der EU hat die Europäische Kommission die Europäische Innovationspartnerschaft für aktives und gesundes Altern mit besonderem Schwerpunkt auf der Ausweitung erfolgreicher Praktiken zur Unterstützung des aktiven und gesunden Alterns auf subnationaler Ebene unterstützt (71). Seit 2015 ist der Konvent zum demografischen Wandel ein spezielles Forum zur Förderung altersgerechter Umfelder in Europa (45). Das WHO-Regionalbüro für Europa arbeitet seit 1987 mit Mitgliedern des EHCN zusammen, um für alle Alters stufen Konzepte zur Förderung gesunder Städte zu entwickeln, umzusetzen und zu überwachen. Die Arbeiten zum Thema gesundes Altern bildeten in den letzten zehn Jahren einen besonderen Schwerpunkt, und viele Städte widmen ihm weiterhin besondere Aufmerksamkeit. Dar über hinaus vereint das Globale Netzwerk senioren gerechter Städte und Gemeinden der WHO Mitglieder, die sich für eine altersgerechte Gestaltung von Kommunen einsetzen, und das ePortal „Age-friendly World“ des Netzwerks (12) fördert den Austausch von Praxisbeispielen und Erfah- rungen. Mitglieder dieser Netzwerke erwähnen oft ihre Mitgliedschaft und Teilnahme am persönlichen Aus- tausch zwischen Mitgliedern als Erfolgsfaktoren, die ihre Arbeit antreiben und die Bilanz auf der lokalen Ebene verbessern. Kasten 23. Städte, die in Netzwerken zusammenarbeiten, sind aktiver: ein Überblick aus Deutschland Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung führte 2006 eine systematische Umfrage bei 570 lokalen und regionalen Behörden zu lokalen Konzepten zur Unterstützung gesunden Alterns in Deutschland durch. Wie die nachstehende Abbildung zeigt, sind die Mitglieder des nationalen Gesunde Städte-Netzwerks bei der Entwicklung von Konzepten und Dienstleistungen, die gesundes und aktives Altern auf der lokalen Ebene unterstützen, im Allgemeinen aktiver als andere Kommunen. Quelle: Hollbach-Grömig und Seidel-Schulze (73). Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 50 Instrumente und weiterführende Literatur Bertelsmann Stiftung (2016). 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Dezember 2019). 57 Quellenangaben Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 58 Anhang 1: Checklisten von Prozessen zur Schaff ung alters- gerechter Umfelder: eine kurze Selbstbewertung auf der kommunalen Ebene Die Tabellen A1.1 und A1.2 fassen die in diesem Doku ment vorgeschlagenen Hauptschritte nach dem Vier- Phasen- Modell für die Schaffung altersgerechter Umfelder und dem Grad der Umsetzung von Kernprinzipien zu sammen (siehe auch Abbildung 2 in der Einleitung zu dieser Publikation). Kommunen oder Koordinatoren sollen sie als schnelles Selbstbewertungsinstrument nutzen können, um den Status kritisch zu bewerten, Fortschritte nachzuverfolgen und einen Überblick darüber zu gewinnen, welche Prozesse auf gutem Weg sind und welche weiter gestärkt werden könnten. Die Check listen- punkte bieten Kommunen auch Orientierungshilfe in Be zug auf potenzielle Erfolgsfaktoren, die als Ansatz punkte zur Förderung von mehr Engagement dienen können. Detailliertere Anleitungen zu den einzelnen Schritten finden Sie in den Hauptkapiteln dieser Publikation. Bitte wählen Sie die Antworten „ja“ oder „nein“, wie sie für Ihre lokale Kommune zutreffen. „Kann verbessert werden“ könnte gewählt werden, wenn Prozesse noch nicht, nicht vollständig oder nicht regelgerecht abge- schlossen sind oder wenn sie auf andere Weise ver- bessert werden könnten. Kommunen werden ermutigt, die Antworten mit einem Zeitrahmen und kurzen Erklärungen zu begleiten. Das Angebot an Antwort- möglichkeiten könnte erweitert und an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden – beispielsweise indem die Errungenschaften auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet werden können. Allerdings sollten die Skalen relativ kompakt sein, und die ausgewählten Antwort- möglichkeiten sollten ausreichend voneinander ab ge- trennt sein, um eine Überwachung der Fortschritte im Zeitverlauf zu ermöglichen. 59 Anhang 1: Checklisten von Prozessen zur Schaff ung altersgerechter Umfelder Tabelle A1.1. Checkliste für die Umsetzung einzelner Schritte im altersgerechten Managementzyklus Phase Ja Nein Kann verbessert werden Sich engagieren und verstehen Wurde eine lokale Lenkungs- oder Arbeitsgruppe eingerichtet? Wurde eine partizipative altersgerechte Bewertung durchgeführt? Wurde ein statistisches Profil für gesundes Altern erstellt? Wurden Informationen aus Bewertungen veröffentlicht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht? Gibt es politische Unterstützung für altersgerechte Umfelder durch die höchste Ebene der lokalen Volksvertretung/Kommunalverwaltung? Strategisch planen Haben sich verschiedene Sektoren zu einer gemeinsamen Vision bekannt? Wurden Konzepte und Ziele aus verschiedenen Sektoren überprüft und gemeinsame Prioritäten festgelegt (beispielsweise Verkehrsentwicklungsplan, soziale Unterstützung für ältere Menschen)? Gibt es eine umfassende Strategie für gesundes Altern, die Gesamtziele definiert? Ist die Strategie gebilligt worden? Wurden Verantwortlichkeiten für die verschiedenen vorrangigen Bereiche und messbare Zielvorgaben definiert? Handeln und umsetzen Gibt es einen operativen Plan/Aktionsplan, der konkrete Maßnahmen und Interventionen beschreibt? Wurden ältere Menschen und lokale Interessengruppen zu dem Plan konsultiert? Wurden ausreichende Ressourcen ermittelt, um die Durchführung von Maßnahmen zu ermöglichen? Wurde der Großteil der geplanten Maßnahmen durchgeführt? Wurden erfolgreiche Interventionen identifiziert, die in größerem Maßstab durch geführt werden könnten (beispielsweise Ausweitung von der Ebene eines Wohnbezirks auf die Ebene der Gesamtstadt)? Fortschritte überwachen und evaluieren Werden lokale Experten und Wissenschaftler einbezogen, um die Evaluation zu verbessern? Wurde der Prozess kontinuierlich dokumentiert und eine Analyse der gewonnenen Erkenntnisse durchgeführt? Wurden bestehende Aktivitäten innerhalb der altersgerechten Bereiche evaluiert? Wurden die Ergebnisse und Auswirkungen eines früheren Plans oder einer früheren Strategie evaluiert? Wurde ein Projekt/eine Maßnahme angepasst und die Umsetzung auf der Grundlage von Monitoring oder Evaluation verbessert? Wurden erfolgreiche Erfahrungen in (inter)nationalen Netzwerken weitergegeben? Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 60 Tabelle A1.2: Checkliste zur Umsetzung von Kernprinzipien altersgerechten Handelns Kernprinzip Ja Nein Kann verbessert werden Beteiligung älterer Menschen Waren ältere Menschen an der Beurteilung der Altersgerechtigkeit ihres lokalen Umfelds beteiligt? Erhielten ältere Menschen die Möglichkeit, an der Entwicklung der Prioritäten des Plans und seiner Umsetzung mitzuwirken? Konnten ältere Menschen Aktivitäten in ihrer Kommune vorschlagen und leiten? Wurden ältere Menschen in die Lage versetzt, an der Evaluation mitzuwirken? Zusammenarbeit zwischen Sektoren und Akteuren Haben die relevanten Sektoren und Akteure: · zum Mapping bestehender Politikrahmen und Aktivitäten beigetragen? · an der Entwicklung eines strategischen Plans und seiner Prioritäten mitgewirkt? · Aktivitäten zum Thema gesundes Altern in ihre Arbeitspläne und Budgets integriert? · sich dazu bekannt, die Auswirkungen ihrer Arbeit auf das Leben älterer Menschen zu bewerten? · gesundes Altern in den Leitlinien und Rahmen ihres eigenen Sektors berücksichtigt? Schwerpunkt auf Chancengleichheit Können relevante statistische Indikatoren für die Analyse von Unterschieden zwi- schen Gruppen älterer Menschen und ihren Wohngebieten aufgeschlüsselt werden? Wurden potenziell benachteiligte Gruppen oder von Ausgrenzung bedrohte ältere Menschen befähigt, ihre Bedürfnisse und Erfahrungen mitzuteilen? Werden benachteiligte Gebiete bei der Zuteilung von Ressourcen und der Planung von Aktivitäten priorisiert? Wurde analysiert, ob konkrete Interventionen unterschiedlichen Bevölkerungs- gruppen in unterschiedlichem Maß zugutekommen? Gibt es Erkenntnisse zu der Frage, ob bestimmte Interventionen dazu beitragen, Unterschiede in Bezug auf Chancengleichheit zu verringern? Lebensverlaufansatz Haben Personen aus verschiedenen Altersgruppen an der altersgerechten Bewertung teilgenommen? Werden die Auswirkungen von altersgerechten Initiativen auf andere Altersgruppen bewertet? Werden Prävention und Gesundheitsförderung bei Dienstleistungen für ältere Menschen aktiv unterstützt? Wird bei kritischen Lebensübergängen (beispielsweise Übergang in den Ruhestand, Ausbruch einer chronischen Krankheit oder Verlust eines Partners) soziale Unter- stützung geleistet? Werden aktiv Synergien zwischen der Alterung der Bevölkerung und der Unter- stützung jüngerer Generationen angestrebt (beispielsweise durch generations- übergreifende Aktivitäten, Nebeneffekte, Stellenangebote)? Integrierte Ansätze und ebenenübergreifende Politiksteuerung Wurde ein Mapping relevanter Politikrahmen und Gesetze auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene durchgeführt? Wurden verschiedene lokale Steuerungsebenen über die Planung informiert? Wurden andere Regierungsebenen über die Ergebnisse der Bewertung informiert und gegebenenfalls in die Strategieentwicklung einbezogen? Haben regionale und nationale Ressourcen zur Umsetzung des Plans beigetragen? Wurden Erfahrungen und Evaluationen auf regionaler und nationaler Ebene ausgetauscht? Anhang 2: Vorlage für lokale Aktionspläne 61 Ziele und vorrangige Handlungsfelder (strategische Ziele auf der Grundlage lokaler Erfordernisse und einer Analyse von Stärken, Schwächen und Chancen) Maßnahmen (Aktivitäten, die unter- nommen werden, um das Ziel zu erreichen) Federführen- de Stelle und Partner (die Verant- wortlichen für die Erledigung der Aufgabe, das Monitoring des Prozesses und die Unter- stützung der Durchführung) Einsatzmittel und Ressourcen (Ressourcen, die verfügbar und erforder- lich sind, ein- schließlich personeller und finanzieller Ressourcen) Zielvorgabe (einschließlich eines Termins für die Erledigung von Aufgaben und das Erreichen von Zwischenzielen im Prozess) Indikator für Ergebnis und Prozess (direkte Leistung und Elemente, die eine Fortschritts- messung ermöglichen) Bereich/Vorrangiges Handlungsfeld 1 Ziel 1 Aktivität a Aktivität b Ziel 2 Beispiel: … Anhang 2: Vorlage für lokale Aktionspläne Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa 62 Das WHO-Regionalbüro für Europa Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die 1948 mit der vorrangigen Verantwortlichkeit für internationale Gesundheitsfragen und Bevölkerungsgesundheit gegründet wurde. Das WHO- Regionalbüro für Europa ist eines von sechs in allen Teilen der Welt angesiedelten Regionalbüros, die jeweils ihr eigenes, auf die besondere gesundheitliche Situation ihrer Mitgliedstaaten abgestimmtes Programm haben. Mitgliedstaaten Albanien Andorra Armenien Aserbaidschan Belarus Belgien Bosnien und Herzegowina Bulgarien Dänemark Deutschland Estland Finnland Frankreich Georgien Griechenland Irland Island Israel Italien Kasachstan Kirgisistan Kroatien Lettland Litauen Luxemburg Malta Monaco Montenegro Niederlande Nordmazedonien Norwegen Österreich Polen Portugal Republik Moldau Rumänien Russische Föderation San Marino Schweden Schweiz Serbien Slowakei Slowenien Spanien Tadschikistan Tschechien Türkei Turkmenistan Ukraine Ungarn Usbekistan Vereinigtes Königreich Zypern Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Tel.: +45 45 33 70 00 Fax: +45 45 33 70 01 E-Mail: eurocontact@who.int Website: www.euro.who.int
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Schaff ung altersgerechter Umfelder in Europa: ein Instrument für Kommunalpolitiker und Planer
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