World Health Organization (WHO) · Governing Bodies documents

Neunundvierzigste Tagung des Regionalkomitees für Europa: Florenz, 13. – 17. September 1999: Gestärkte Partnerschaft mit den europäischen Ländern: zu einer erneuerten Länderstrategie

World Health Organization
View original document

The full text is hosted by the publishing organisation. lawenc.com indexes the metadata and links to the official source.

Full text

REGIONALKOMITEE FÜR EUROPA Neunundvierzigste Tagung, Florenz, 13.-17. September 1999 WELTGESUNDHEITSORGANISATION R e g io n a l b ü r o f ü r E u r o p a K o p e n h a g e n Punkt 3 e) der vorläufigen Tagesordnung EUR/RC49/8 + EUR/RC49/Conf.Doc./8 5. Juli 1999 09339 ORIGINAL: ENGLISCH G e s t ä r k t e P a r t n e r s c h a f t m it d e n e u r o p ä is c h e n L ä n d e r n - Z U EINER ERNEUERTEN LÄNDERSTRATEGIE Im Anschluß an die auf der 48. Tagung des Regionalkomitees für Europa geführten Aussprachen über die Arbeit des Regionalbüros für Europa in den Ländern schlug der Regionaldirektor vor, die für das Regionalbüro kennzeichnende Länderstrategie auf die Tagesordnung der 49. Tagung des Regionalkomitees zu setzen. Eine erste Gesprächsrunde im Ständigen Ausschuß des Regionalkomitees (SCRC) fand im Dezember 1998 statt. Bei dieser Gelegenheit empfahl der SCRC, a) das Regionalkomitee möge auf seiner 50. Tagung zusammen mit den Erkenntnissen aus der EUROHEALTH-Evaluierung ein ausführliches Papier über die europäi­ sche Länderstrategie erörtern; b) das Regionalkomitee möge auf seiner 49. Tagung eine neue Gestaltungsform für den Programmhaushalt und den Bericht des Regionaldirektors erörtern, damit sich die vom Regional­ büro zur Unterstützung der Länder geleistete Arbeit darin besser wider­ spiegele; und c) ebenfalls auf der 49. Tagung sollten dem Regionalkomi­ tee Vorschläge für einen neuen Verteilungsschlüssel des Länderhaushalts unterbreitet werden. Das Dokument enthält eine Reihe von allgemeinen Diskussionspunkten, die dem Regionalbüro bei seiner Ausarbeitung einer aktualisierten Län­ derstrategie als Orientierungshilfe dienen können, und befaßt sich aus­ führlich mit den oben unter Punkt b) und c) angegebenen Themen. r A n s ic h t e n d e s S t ä n d ig e n A u s s c h u s s e s d e s R e g io n a l k o m it e e s In der Aussprache über den Programmhaushaltsvoranschlag der Europäischen Region für den Zeitraum 2000-2001 hatten sich die Delegierten beim RC48 besorgt darüber gezeigt, daß anscheinend nur 10% des Haushalts 1998-1999 der Länderarbeit gewidmet seien. In seiner Antwort hatte der Regionaldirektor vorgeschlagen, der SCRC könne die ganze Frage, wie man im Programmhaushaltsdokument ein echtes Bild der Länderunterstützung zeichnen könne, aufgreifen. Darüber hinaus hatte das Regionalkomitee den SCRC (in Resolution EUR/RC48/R9) gebeten, die Prin­ zipien und Kriterien für die Festlegung der Länderzuweisungen in der Europäischen Region zu überprüfen, um so auf objektiven Kriterien beruhende Zuweisungsmodelle zu schaffen, und dem RC49 darüber zu berichten. Nachdem dem SCRC die Geschichte, die jüngste Entwicklung und die neuen Aufgaben der WHO-Arbeit in den Ländern der Europäischen Region dargelegt worden waren, erörterten die SCRC-Mitglieder umfassend, welche Strategie künftig zu befolgen sei. Zu den zahlreichen angeschnittenen Punkten zählte auch die Notwendigkeit, bes­ sere Möglichkeiten zu finden, um einen Grundsatzdialog und die horizontale, sektorübergreifende Zusammenarbeit auf Länderebene zu fördern. Außerdem ging es um die Notwendigkeit, strenge Kriterien für die WHO-Präsenz auf Länderebene anzuwenden, sowie um die Schwierigkeit, den WHO-Länderreferenten bei anderen Partnern Akzep­ tanz zu verschaffen (trotz der Tatsache, daß sie eine entscheidend wichtige Koordinationsrolle erfüllen). Außerdem wurde erörtert, welchen Wert eine gut funktionierende Infrastruktur hat, wenn es darum geht, eventuell zusätzlich zugewiesenen Ländermitteln größere Wirkung zu verschaffen. Deutlich war, daß die Grundprinzipien der WHO-Länderarbeit gründlich diskutiert werden mußten. Der SCRC emp­ fahl deshalb, dem RC50 in Verbindung mit den Erkenntnissen aus der Evaluierung des EUROHEALTH-Programms ein ausführliches Papier über die Strategie der WHO-Länderarbeit in der Europäischen Region vorzulegen. In der Zwischenzeit sollte das den Delegierten bei RC49 unterbreitete Papier die Diskussion im SCRC widerspiegeln und einige Fragen aufwerfen, zu denen man die vorläufigen Ansichten der Delegierten einholen könnte. Außerdem sollte das Papier Vorschläge für die bei der Evaluierung des EUROHEALTH-Programms zu befolgende Methodik ent­ halten. Der SCRC billigte vorbehaltlos das Prinzip, die Aufstellung des Programmhaushalts so zu korrigieren, daß darin ein tatsächliches Bild der WHO-Länderarbeit vermittelt werde und der Haushalt nicht nur die eigentlichen Länderpro­ gramme, sondern auch die Mehrländerprogramme und die Kooperationsnetze erfasse. Auf ihrer dritten Tagung emp­ fahlen die Mitglieder, den Inhalt des Arbeitspapiers (EUR/RC48/SC(3)/5), mit dem sie sich gründlich beschäftigt hatten, dem Regionalkomitee zu übermitteln. Für die Septembertagung 1999 erwarteten die SCRC-Mitglieder eine Vorschlagsskizze für eine verbesserte Darstellungsform des regionalen Programmhaushalts und des Berichts des Regionaldirektors. Der SCRC merkte an, daß das Darstellungsproblem auch für den globalen Haushalt der Organi­ sation gelten könnte, weshalb die Mitglieder vorschlugen, das Regionalkomitee könne vielleicht nicht nur die Frage an sich erörtern, sondern auch die Aufmerksamkeit der Generaldirektorin auf das Problem hinlenken. Hinsichtlich der Frage, wie man in den Haushaltszeiträumen ab 2002-2003 mit der in Resolution WHA51.31 vorge­ sehenen Aufstockung des Regionalhaushalts verfahren sollte, billigte der SCRC ein Modell für die Mittelzuweisung im Länderhaushalt nach den folgenden Prinzipien: a) Man sollte sich möglichst bald auf eine Anwendung des UNDP-Index für die gesundheidiche Entwicklung hinbewegen (allerdings unter Außerachtlassung der Immunisierungsraten); b) man sollte sicherstellen, daß kein Land von einem Haushaltszeitraum zum nächsten weniger Geld erhält; c) man sollte nur den Ländern Mittel zuweisen (in der Europäischen Region zur Zeit 29), deren Bruttosozial­ produkt pro Kopf der Bevölkerung unter der Weltbankdefinition des „hohen Einkommens“ (zur Zeit 9636 US-$) liegt; d) man sollte die vom RC48 vorgesehene Vorzugsstellung der sechs Länder mit „niedrigem Einkommen“ bei­ behalten; e) man sollte sicherstellen, daß kein Land eine Zuweisung erhält, die über der „endgültigen“ Allokation für den Zeitraum 2010-2011 liegt, wenn alle diese Länder (einschließlich der sechs Länder mit „niedrigem Einkom­ men“) ihre Zuweisung gemäß dem Index für die gesundheitliche Entwicklung erhalten. Nach diesem Modell würde kein Land von einem Haushaltszeitraum zum nächsten weniger Mittel erhalten, d. h. alle Länder würden gewinnen, was nicht der Fall wäre, wenn man den Index für die gesundheidiche Entwicklung sofort übernehmen würde. Außerdem habe das so gebilligte Modell den Vorteil, daß es den bedürftigsten Ländern schnel­ ler mehr Geld bringen würde. INHALT Seite Hintergrund..................................................................................................................................................................1 Historische Perspektive - das Entwicklungskonzept............................................................................................ 1 Zu einer erneuerten europäischen Länderstrategie................................................................................................2 Ziel, Zweck und Grundsätze.......................................................................................................................... 2 Grundsatzfragen............................................................................................................................................... 3 M anagem ent.....................................................................................................................................................4 Organisation......................................................................................................................................................4 Die Gesamtheit der Länderunterstützung des Regionalbüros..............................................................................5 Die Haushaltszuweisung für die Länder...................................................................................................... 5 Allgemeine Überlegungen............................................................................................................................. 5 Allokationsmodell für 2002-2003 und danach........................................................................................... 6 Das derzeitige Niveau der WHO-Unterstützung für die Länder.............................................................. 7 Mögliche M aßnahmen............................................................................................................................................... 9 Maßnahmen auf der Ebene des WHO-Hauptbüros und in den globalen leitenden Organen.............. 9 Maßnahmen auf der Ebene der Europäischen Region...............................................................................9 Schlußfolgerung........................................................................................................................................................10 Anhang 1: Vorschläge für Länderbudgetallokationen 2002-2003 und 2010-2011 .................................. 11 Anhang 2: Mittel für die Länderunterstützung des WHO-Regionalbüros für Europa, 1990-1991 und 1998-1999..............................................................................................................12 EUR/RC49/8 Seite 1 H in t e r g r u n d 1. A uf der 48. Tagung des Regionalkomitees schlugen einige Delegationen während der Aussprache zum Programmhaushalt 2000-2001 vor, für die Verteilung der Haushaltsmittel insgesamt objektivere Kriterien zu benutzen, während andere sich besorgt darüber zeigten, daß in den Länderzuweisungen nur 10% des Haushalts ausgewiesen seien. 2. Der Regionaldirektor verwies in seiner Antwort darauf, daß die vom Regionalbüro aufgestellten spezifischen Strategien bedeuteten, daß das Gros der Arbeit des Regionalbüros eigentlich aus der prakti­ schen Zusammenarbeit mit den Ländern bestehe, auch wenn dies aus Darstellungszwecken im Pro­ grammhaushalt unter Mehrländerarbeit oder regionalen Tätigkeiten laufe. In Wirklichkeit betrage die Länderzuweisung also weit mehr als 10% des Haushalts. Der Regionaldirektor schlug vor, die für das Re­ gionalbüro kennzeichnende Länderstrategie auf die Tagesordnung der 49. Tagung des Regionalkomitees zu setzen. 3. Nachdem der Ständige Ausschuß des Regionalkomitees (SCRC) diese Thematik im Dezem­ ber 1998 in Eilat und im April 1999 in Kopenhagen umfassend erörtert hatte, vereinbarte man, diesen Punkt während der nächsten beiden Tagungen des Regionalkomitees zu diskutieren. 4. Man einigte sich darauf, in zwei Schritten vorzugehen: • Das Regionalkomitee wird sich auf seiner 49. Tagung erneut mit strategischen Schlüsselfragen be­ fassen, darunter mit neuen Darstellungsmöglichkeiten für den regionalen Programmhaushalt und den Bericht des Regionaldirektors und mit einem neuen Schlüssel für die Verteilung der Länder­ mittel, und zudem die Grundsätze, das Management und die Organisation einer erneuerten Länder­ strategie erörtern, die sich durch die neue Lage in Europa sowie durch weltweite Entwicklungsten­ denzen ergibt; • Das Regionalkomitee würde die aus der EUROHEALTH-Evaluierung gewonnenen Erkenntnisse sowie einen Vorschlag zu einer erneuerten Länderstrategie für die Region auf seiner 50. Tagung erörtern. H i s t o r is c h e P e r s p e k t iv e - d a s E n t w ic k l u n g s k o n z e p t 5. Das Regionalbüro für Europa arbeitet schon immer mit einem Länderprogramm, das sich allerdings im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich und stetig zu einem strategischeren Konzept entwickelt hat. 6. Bereits während der 1950er, 1960er und 1970er Jahre erhielten Algerien, Marokko und die Türkei vom Regionalbüro erhebliche Unterstützung in Fachfragen wie übertragbare Krankheiten, Gesundheit von Mutter und Kind, Wasser und Abwasserentsorgung, während anderen Ländern das äußerst aktive Sti­ pendienprogramm zugute kam. In den 1970er Jahren ergab sich eine zunehmend engere Zusammenarbeit zwischen dem Regionalbüro und anderen Mitgliedstaaten. Die ersten Familienplanungsprogramme wur­ den aufgestellt, Programme wie Altern, Unfallverhütung und Schulung von Gesundheitspersonal erleich­ terten die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen anderen Organisationen und dem Regionalbüro. Viele dieser Programme wurden von den Vereinten Nationen, vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und aus anderen Quellen subventioniert. 7. In den 1980er Jahren zeichnete sich mit der Verabschiedung der europäischen Politik „Gesundheit für alle“ und ihrer 38 Ziele in Europa der Beginn einer neuen Public-Health-Ära ab. Das Regionalbüro förderte und unterstützte die Ausarbeitung von nationalen gesundheitspolitischen Konzepten in Überein­ stimmung mit „Gesundheit für alle“, was die Arbeit mit den Ländern strategischer werden ließ und die Mitarbeit zahlreicher neuer Partner beinhaltete. In den 1980er Jahren wurden in Südeuropa und in einigen sozialistischen Ländern auf die „Gesundheit für alle“ ausgerichtete Länderprogramme aufgestellt. EUR/RC49/8 Seite 2 8- Ein äußerst wichtiges neues Konzept wurde während der 1980er Jahre eingeführt, als Kooperati­ onsnetze geschaffen wurden, die auf nationaler und örtlicher Ebene aktiv auf verschiedene Sektoren und Gruppierungen zugehen und diese in die Arbeit einbeziehen sollten. Das kombinierte Konzept der Ent­ wicklung einer nationalen Gesundheitspolitik auf der Grundlage der „Gesundheit für alle“ und diese Querverbindungen zu einer ganzen Bandbreite von Partnern in den komplexen Gesellschaften von heute führten somit dazu, daß eine einflußreiche Bewegung entstand. Es wurden vier unterschiedliche Arten von Kooperationsnetzen gegründet: • Fora aus nichtstaatlichen Fachorganisationen (nationalen Ärzte-, Pflege- und Apothekerverbänden), • „Settings“ (Gesunde Städte, Regionen für Gesundheit, Gesundheitsfördernde Schulen und andere), • Verbünde für bestimmte Gesundheitsprobleme (wie das St.-Vincent-Diabetesnetz) und • in den 1990er Jahren geographische Netzwerke (CARNET, EASTNET, MIDNET und SOUTHNET). 9. Um 1990 verwandelte ein politisches Erdbeben die gesamte europäische Lage. Die Zahl der Länder in der Europäischen Region stieg von 31 auf 51, 26 davon hatten große gesundheitliche Probleme. All diese Länder brauchten und forderten die Unterstützung des Regionalbüros zu einer Zeit, in der dessen Arbeitshaushalt rückläufig war. Plötzlich sah sich das Regionalbüro aus diesen Ländern mit einer starken Nachfrage nach Beratung und materieller Unterstützung konfrontiert; zehn dieser Länder machten zudem katastrophale bewaffnete Auseinandersetzungen durch. 10. Um auf diese Herausforderungen reagieren zu können, wurde 1991 das EUROHEALTH- Programm für die verstärkte Zusammenarbeit mit den mittel- und osteuropäischen Ländern und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion eingerichtet und 1995 mit sechs Prioritäten aktualisiert. 1992 wurde die Abteilung für gesundheitliche Entwicklung in den Ländern geschaffen, um eine ausreichende und ko­ ordinierte Unterstützung der Länder sicherzustellen und dafür zu sorgen, daß das Regionalbüro in den Ländern zur Stelle war und diese Länderpräsenz aufrechterhalten blieb. 11. Somit führte die Länderarbeit in den 1980er und 1990er Jahren zu einer neuen Form der Zusam­ menarbeit mit den Ländern: zu einem stärker konzentrierten und integrierten Konzept, das auf Grundsatz­ fragen, Strategie und Programme ausgerichtet war. In den kommenden Jahren ist angesichts der neuen Herausforderungen, die aber auch neue Möglichkeiten bieten, eine weitere Entwicklung erforderlich. Ge­ dacht ist hier an die Reform der Vereinten Nationen, an die WHO-Reform, an die Aufstockung der regio­ nalen Haushaltszuweisung, eine wachsende Zahl neuer Partner in den Ländern und anderes. ZU EINER ERNEUERTEN EUROPÄISCHEN LÄNDERSTRATEGIE 12. Deshalb muß für die nächsten zehn Jahre eine erneuerte Länderstrategie aufgestellt werden. Sie wird auf der Stärke des derzeitigen, für das Regionalbüro kennzeichnenden Konzepts aufbauen, wie unten dargelegt, in einer Reihe von Bereichen jedoch darüber hinausgehen. In dieser Strategie werden die Er­ gebnisse der kommenden EUROHEALTH-Evaluierung berücksichtigt, worauf sie dem Regionalkomitee auf dessen 50. Tagung im September 2000 vorgelegt wird. Als Orientierungshilfe für diese strategische Arbeit des Regionalbüros wird in diesem Kapitel eine Reihe von Schlüsselfragen dargelegt. Ziel, Zweck und Grundsätze 13. Seit 1991 das EUROHEALTH-Rahmenkonzept angenommen wurde, haben sich in Europa erhebli­ che Entwicklungen vollzogen. Das Regionalbüro arbeitet jetzt in einem komplexen und wettbewerbsori­ entierten Umfeld mit Ländern und Ländergruppierungen, die sich in äußerst unterschiedlichen Phasen ihrer sozioökonomischen Entwicklung befinden und deshalb von der WHO unterschiedliche Reaktionen brauchen. Ein wichtiges Anliegen ist es, dafür zu sorgen, daß die Agenda der WHO den Interessen der Länder und ihren an die WHO gerichteten Erwartungen entspricht. Die erste Aufgabe im Rahmen der erneuerten Länderstrategie besteht deshalb darin, die Erwartungen der Mitgliedstaaten mit der verfügba­ ren Kapazität in Einklang zu bringen. Die zweite große Aufgabe verlangt eine Antwort auf die Frage, wie EUR/RC49/8 Seite 3 man auf die neuen Entwicklungen innerhalb und außerhalb der WHO reagieren sollte. In dieser Hinsicht sind die wichtigsten Entwicklungen der neue globale Gedanke der Partnerschaft mit den Ländern, die lau­ fende Reform der Vereinten Nationen und die verstärkte partnerschaftliche Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen. 14. Ziel des Länderprogramms ist es, die Länder in ihrer übergeordneten gesundheitlichen Entwicklung zu unterstützen. Dabei betrachtet das Regionalbüro die Unterstützung der Länder bei der Entwicklung ihrer langfristigen nationalen Gesundheitspolitik und der Umsetzung der Pläne in Übereinstimmung mit GESUNDHEIT21 als absolut vorrangig. 15. Die Länderprogramme sollten mit genau angegebenem Bedarf und konkreten Angaben zu den ge­ planten Reaktionen darauf für alle 51 Länder der Europäischen Region gelten. Die WHO muß für alle Länder der Region da und wichtig sein. 16. Die Grundsätze entsprechen völlig dem globalen Gedanken, daß alles, was wir in der WHO tun, Arbeit in und mit den Ländern und für die Länder ist. Die Gesamtheit der WHO-Arbeit muß deshalb den Mitgliedstaaten gut organisiert zugänglich sein. Daraus ergeben sich die folgenden Prinzipien: • ein verbesserter Zusammenhang und eine bessere Relevanz für die Bedürfnisse der Länder; • ein stärker strategisch ausgerichtetes Konzept durch eine gemeinsame Bedarfsabschätzung, die von der WHO und dem einzelnen Land durchgeführt wird und die Möglichkeiten aufzeigt, wie man wirklich etwas bewegen kann; • ein breites multisektorales Vorgehen mit Querverbindungen, Bündnissen mit anderen Sektoren und Entwicklungspartnem (national und international); • eine einzige, einheitliche WHO-Kooperationsstrategie, zu der alle Teile der Organisation beitragen; • Klarheit über die Rolle der WHO: Politik, Überzeugungsarbeit und fachliche Beratung sowie • eine verstärkte WHO-Länderpräsenz. Grundsatzfragen 17. Die erneuerte Länderstrategie wird von den folgenden Überlegungen geleitet: • Die Arbeit für die gesundheitliche Entwicklung der Länder in Europa sollte sich nach der EUROHEALTH-Programmevaluierung im Jahr 2000 auf die gesamte Region erstrecken. Empfoh­ len wird, den EUROHEALTH-Namen, nicht aber das Konzept der verstärkten Unterstützung für die bedürftigsten Länder aufzugeben, da sich ein Rahmenprogramm für 26 Länder in so unter­ schiedlichen sozioökonomischen Entwicklungsstadien politisch nicht länger rechtfertigen läßt. An seine Stelle tritt ein integriertes Konzept für die Entwicklung der Gesundheit in den Ländern der gesamten Region, das mit teilregionalen politischen Prozessen verzahnt wird. Im kommenden Jahr wird daran gearbeitet, die strategischen Bereiche der teilregionalen politischen Prozesse aufzuzei­ gen, bei denen die Beteiligung der WHO einen Unterschied bewirken könnte. Zugleich wird man sich darum bemühen, die Bedürfnisse und Erwartungen aller Ländergruppierungen sowie die WHO-Reaktion darauf weiter abzuklären, was dann wiederum seinen Niederschlag in der ausführ­ lichen Länderstrategie finden wird, die dem Regionalkomitee auf dessen 50. Tagung im September 2000 unterbreitet werden soll. • Um in den Ländern eine wesentliche Wirkung zu erzielen, muß das WHO-Länderprogramm strate­ gisch ausgerichtet sein und Relevanz für das oberste Entwicklungsziel der Regierung besitzen, das sich aus den wichtigsten Gesundheitsproblemen der Bevölkerung ergibt. Die WHO- Länderprogramme müssen deshalb mit einem auf breiter Grundlage ruhenden multisektoralen und multiorganisatorischen Mechanismus an der Lösung der wichtigen Probleme der gesundheitlichen Entwicklung des Landes beteiligt sein. • Der für das Regionalbüro kennzeichnende Ansatz, mit den Ländern auf zweierlei Weise zu ar­ beiten, sollte beibehalten werden, da sich dies im Regionalbüro als Vorteil erwiesen hat (es scheint, als wäre diese Arbeitsweise auch für andere Teile der WHO relevant). Dazu gehört, daß EUR/RC49/8 Seite 4 die Schlüsselrolle der Fachabteilungen und -referate des Regionalbüros bei der aktiven Durchfüh­ rung der Länderprogrammtätigkeiten (s. Abschnitt 39-47) beibehalten wird. Bei der Arbeit mit ein­ zelnen Ländern sollten die großen Kooperationsnetze des Regionalbüros (wie Gesunde Städte, Ge­ sundheitsfördernde Schulen und CARNET) eingesetzt werden, um die GFA-orientierten Entwick­ lungen anzukurbeln. • Die Länderpräsenz des Regionalbüros sollte zweifach gestärkt werden. Das bestehende System der Länderbüros sollte durch eine Festigung ihrer Rolle, durch die Klärung der Beziehungen zwischen den Fachreferaten und anderen Partnern sowie durch Fortbildungsangebote ausgebaut werden. Darüber hinaus sollte bei Bedarf und soweit die Ressourcen das zulassen durch internationale Ex­ perten auf Länder- und Mehrländerbasis (Gebietsbüros) Public-Health-Beratung geleistet werden, wobei diese Experten ihren Standort entweder in Kopenhagen oder vor Ort haben könnten. • Ein umfassendes System für die Evaluierung der Länderprogramme sollte in Übereinstimmung mit dem kommenden globalen Mechanismus für die Evaluierung der Länderarbeit entwickelt werden. Management 18. Die strategischen Länderprogramme gründen sich auf einen fortlaufenden Planungshorizont, der für eine längere Zeitspanne (von 4 -6 Jahren) aufgestellt wird und die Beiträge aller Ebenen der WHO, die dies leisten können, aufhehmen wird. Die länderspezifische Unterstützung in der Europäischen Region sollte die vorrangige Aufgabe des Regionalbüros bleiben, das sich (gegebenenfalls) das Wissen, die Er­ fahrung und Sachkenntnis des WHO-Hauptbüros und anderer Regionen zunutze machen wird. 19. Die Planung des Länderprogramms wird parallel zu der aufgestockten regionalen Mittelzuweisung verbessert. Sie erfolgt gemeinsam zwischen WEtO und jedem einzelnen Land, wobei die Bereiche ermit­ telt werden, in denen zu erwarten ist, daß etwas bewirkt und ein Einfluß erreicht werden kann, und außer­ dem ein WHO-Team das Land besucht und für die Verzahnung mit anderen einschlägigen Organisationen sorgt. 20. Es werden klare Leitlinien für die Verwendung von Ländermitteln und Grundregeln für die Vorbe­ reitung und Durchführung von Länderbesuchen sowie für weiterführende Maßnahmen nach Länderbesu­ chen aufgestellt. 21. Ein verbesserter Evaluierungsmechanismus soll zum normalen Bestandteil der Länderarbeit wer- Organisation 22. Die Abteilung Gesundheitliche Entwicklung in den Ländern (mit ihren teilregionalen Ansprech- partnem und Länderbüros) wird sehr eng mit den Fachabteilungen des Regionalbüros und mit ihren na­ tionalen Ansprechpartnem auf Länderebene Zusammenarbeiten. Um die Kapazität des Regionalbüros zur Umsetzung des Länderprogramms zu erhöhen, werden europäische Zentren, die WHO- Kooperationszentren und europäische Kooperationsnetze stärker in die Arbeit einbezogen. 23. Um die Länderpräsenz des Regionalbüros bei den Funktionen, für die eine Kombination aus natio­ nalen und internationalen Mitarbeitern ratsam erscheint (z. B. beim Grundsatzdialog, bei der Koordinati­ on mit internationalen Organisationen und der Kompetenzbildung), zu stärken, wird in den nächsten bei­ den Haushaltszeiträumen in einem oder zwei Gebieten die Möglichkeit ausgelotet, teilregionale Gebiets­ büros einzurichten, denen ein starker Evaluierungsmechanismus zugeordnet wird. Letzteres ist unabding­ bar, da eine solche Neuerung positive wie negative Aspekte haben könnte. EUR/RC49/8 Seite 5 Die Haushaltszuweisung für die Länder 24. Ln der Resolution der Weltgesundheitsversammlung WHA51.31 wurde empfohlen, daß sich die für künftige globale Programmhaushalte der WHO von der Weltgesundheitsversammlung angenommenen regionalen, Mehrländer- und Länderzuweisungen größtenteils an einem Modell ausrichten sollten, das sich auf den Index für die menschliche Entwicklung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen stützt, möglicherweise auf den Durchimpfungsgrad hin justiert und unter Einbeziehung der logarithmisch geglätteten Bevölkerungsstatistik. 25. In der gleichen Resolution werden auch zwei weitere Punkte festgehalten, die für die Zuweisung des Länderhaushalts relevant und wichtig sind. • Die aus der Umverteilung der Mittel resultierenden zusätzlichen Mittel sollten der Länderebene zugute kommen. • Die Regionen sollten selbst über die Aufteilung zwischen Länder-, Mehrländerhaushalt und dem Haushalt für das Regionalbüro entscheiden. 26. Eine regelmäßige Berichterstattung an den Exekutivrat und die Weltgesundheitsversammlung über die Einzelheiten des Modells und über die im Haushaltszeitraum 2000-2001 benutzte regionale, Mehr- länder- und Länderallokation beginnt bereits im Januar 2000. 27. Als Reaktion auf W HA51.31 heißt es in (Beschlußteil 5) der Resolution EUR/RC48/R9: B ITTET den Ständigen Ausschuß des R egionalbüros und den Regionaldirektor, unter besonderer Berück­ sichtigung der Resolution W H A 51.31, die für die Festlegung aller Länderzuw eisungen in der Europäischen R egion geltenden Prinzipien und die dabei benutzten Kriterien zu überprüfen, um auf objektiven Kriterien beruhende Allokationsm odelle aufstellen zu können, und au f der 49. Tagung des Regionalkom itees darüber zu berichten. 28. In enger Zusammenarbeit mit dem WHO-Hauptbüro hat das Regionalbüro somit Optionen für die Länderzuweisungen aufgestellt, die zunächst vom SCRC erörtert wurden und danach vom Regionalko­ mitee für Europa zu behandeln sind. Allgemeine Überlegungen 29. Die im Programmhaushalt 2000-2001 zu befolgenden Grundsätze wurden in Resolution EUR/RC48/R9 folgendermaßen festgehalten: Die erste Erhöhung der Mittelzuweisung im Haushaltszeit­ raum 2000-2001 (2,2 Millionen US-$, davon 2 Millionen für Ländereinsätze und 0,2 Millionen für Mit­ arbeiterunterstützung) werden gleichmäßig unter den sechs Ländern verteilt, die gemäß der Definition der Weltbank als Länder mit „niedrigem Einkommen“ eingestuft werden (Armenien, Aserbaidschan, Bosni­ en-Herzegowina, Kirgisistan, Republik Moldau und Tadschikistan). 30. Hinsichtlich des Programmhaushaltsvoranschlags für 2000-2003 wird die Gesamtallokation zur Verteilung unter den Ländern voraussichtlich aus den folgenden drei Teilen bestehen:1 Derzeitige Länderzuweisung im Ordentlichen Haushalt 2,9 Millionen US-$ Ergänzend freigegeben 2000-20011 2,2 Millionen US-$ Ergänzend freigegeben 2002-20032 2,2 Millionen US-$ 31. In der globalen Allokationsformel der W HO ist vorgesehen, daß die Länderbudgets unter allen Umständen nur an Länder gehen, deren Bruttosozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung unter der D i e G e s a m t h e it d e r L ä n d e r u n t e r s t ü t z u n g d e s R e g io n a l b ü r o s 1 Gem äß dem Program m haushaltsvoranschlag. 2 N ur eine Annahme; bisher (Juni 1999) liegen noch keine Planungsleidinien vor. EUR/RC49/8 Seite 6 W eltbankdefinition von „Ländern mit hohem Einkommen“ liegt (zur Zeit 9636 US-$, was auf 29 Länder der Region zutrifft); sie wird alle zwei Jahre überprüft, wenn die Haushalte aufgestellt werden. Die Zu­ weisung des Länderbudgets begünstigt im Sinne der Resolutionen der Weltgesundheitsversammlung und des Regionalkomitees Länder „mit dem stärksten Bedarf“. 32. Der Länderhaushalt für Länderbüros würde auf einem Mindestniveau von 2,3 Millionen US-$ ge­ halten; es mag sich allerdings als notwendig erweisen, die Länderpräsenz zu stärken (s. Abschnitt 17—23); in diesem Fall würde der Betrag hochgesetzt. Allokationsmodell für 2002-2003 und danach 33. Das Regionalkomitee beschloß auf seiner 48. Tagung, den aufgestockten Haushalt für 2000-2001 - 2,2 Millionen US-$ - so zuzuweisen, daß die sechs bedürftigsten Länder der Region jeweils eine gleiche Summe erhielten, zugleich aber bat es auch um eine Formel für die Zukunft. Wenn man an eine solche Analyse herangeht, mag es nützlich sein, zunächst daran zu denken, wie die Endsituation aussehen sollte, wenn die derzeitigen Transferzahlungen aus anderen Regionen in die Afrikanische und Europäische Re­ gion aufhören. Diese Situation wäre nach den derzeitigen Annahmen im Haushaltszeitraum 2010-2011 erreicht. Zu dieser Zeit stünden insgesamt 14 Millionen US-$ für die Länderprogramme zur Verfügung (ausschließlich Mittel für die Länderpräsenz), die an die Empfängerländer der Europäischen Region zu verteilen wären. Welche Formel sollte man zu der Zeit benutzen? Nach Ansicht des SCRC wäre es am praktischsten und fairsten, wenn man nur den Index für die menschliche Entwicklung zugrunde legen würde. Dafür gibt es zwei Gründe. 34. Einerseits handelt es sich um einen international benutzten und allgemein anerkannten Index, der einigermaßen einfach ist und Schlüsselelemente der Entwicklung enthält (Bruttosozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung, Alphabetisierungsrate), aber auch einen zusammengesetzten Gesundheitsindikator be­ inhaltet, der die Gesamtheit der gesundheitlichen Erfahrungen eines Landes (Lebenserwartung bei der Geburt) gut widerspiegelt. Das zweite Argument, das die Anwendung des Index für die menschliche Ent­ wicklung unterstützt, lautet, daß dies der Resolution WHA51.31 entspricht. Man sollte allerdings anmer­ ken, daß die Durchimpfungsrate absichtlich nicht mit aufgenommen wurde, da man der Ansicht war, daß es sich dabei um einen Parameter handelt, der raschen Veränderungen unterworfen ist und außerdem in den betreffenden Ländern einen negativen Anreiz für eine gute Public-Health-Arbeit darstellen könnte. 35. Wenn man den Index für die menschliche Entwicklung auf die 29 Länder der Region, die unter dem „hohen Einkommens“-Status liegen, anwendet (allerdings Jugoslawien keine Mittel zuweist, da des­ sen Mitgliedschaft zur Zeit noch nicht geklärt ist), würde man das in Anhang 1 angeführte Ergebnis er­ halten. 36. Wenn dies dann das Endziel für die Verteilung von Länderprogramm-Mitteln an die Länder der Europäischen Region sein sollte, wie müßte man dann von 2002-2003 an vergehen, bis das Endziel 2010-2011 erreicht ist? Der SCRC verwendete im April 1999 erhebliche Zeit darauf, eine Vielfalt von Alternativen zu erörtern, und einigte sich auf die folgenden Prinzipien. • Jedes Land sollte einen Vorteil haben und nichts verlieren: Bis zum Ende der Übergangsperiode sollte kein Land weniger Mittel erhalten als 2000-2001. Somit würde keines der sechs vom Regio­ nalkomitee auf dessen 48. Tagung (vgl. Resolution EUR/RC48/R9) ermittelten Länder mit dem höchsten Bedarf weniger als die Allokation von 2000-2001 erhalten, bis sie 2010-2011 die end­ gültige Zuweisung erreichen. • Der Index für die menschliche Entwicklung sollte schrittweise eingefuhrt werden, bis die Länder 2010-2011 ihre endgültige Allokation erreichen. • Alle Länder (außer den sechs), die ihre Zuweisung für 2010-2011 vor diesem Haushaltszeitraum erreichen, bleiben bis 2010-2011 auf diesem Niveau. EUR/RC49/8 Seite 7 37. Der SCRC schlägt deshalb das folgende Modell vor. • Im Haushaltszeitraum 2002-2003 behalten die sechs bedürftigsten Länder ihre Mittelzuweisung von 2000-2001. Jugoslawien erhält keine Zuweisung, es sei denn, das Problem des M itglied­ schaftsstatus dieses Landes ist bis dahin geklärt. Die zusätzlichen 2 Millionen US-$ des Haushalts­ zeitraums 2002-2003 werden gemäß dem Index für die menschliche Entwicklung unter den restli­ chen 22 Ländern aufgeteilt, worauf die Allokation dieser Länder für den Zeitraum 2000-2001 ent­ sprechend aufgestockt wird. • In den darauffolgenden Haushaltszeiträumen würde das gleiche Modell gelten: Jede neue Anhe­ bung der Allokation würde nach dem Index für die menschliche Entwicklung verteilt, worauf die Mittelzuweisung, die das Land im vorausgegangenen Haushaltszeitraum erhalten hat, um diese Summe aufgestockt würde, bis das Land seine Allokation für 2010-2011 erreicht. • Ab 2010-2011 sollte für die Gesamtländermittel nur noch der Index für die menschliche Entwick­ lung benutzt werden. 38. In Anhang 1 sind die Allokationen für 1998-1999, 2000-2001, 2002-2003 und 2010-2011 nach Ländern aufgeschlüsselt. Das derzeitige Niveau der WHO-Unterstützung für die Länder 39. Während der Aussprache zum Programmhaushalt 2000-2001 auf der 48. Tagung des Regionalko­ mitees versprach der Regionaldirektor dem Regionalkomitee, daß man bessere Möglichkeiten finden werde, um ein echtes Bild der den Ländern vom Regionalbüro geleisteten Gesamtunterstützung zu ver­ mitteln, ohne sich bei der Darstellung durch globale Definitionen einengen zu lassen. 40. Trotz der Kürzung des Ordentlichen Haushalts reagierte das Regionalbüro in der Tat ziemlich energisch auf die Veränderungen, die sich in den 1990er Jahren in der politischen, wirtschaftlichen, so­ zialen und gesundheitlichen Situation der Europäischen Region vollzogen haben. Sogar während der er­ heblichen Haushaltseinbußen, die die Region in den 1990er Jahren hinnehmen mußte, hatte das Länder­ programm immer höchste Priorität. Folglich verdoppelte sich der prozentuale Anteil des Ordentlichen Gesamthaushalts, der der Länderebene zufloß, fast, was ein Vergleich der Angaben in Anhang 2 verdeut­ licht: Mittel für die Länderunterstützung des Regionalbüros für Europa, 1990-1991 und 1998-1999. Wichtiger war vielleicht sogar, daß die Region durch die starke Interaktion zwischen Mehrländer- und Länderprogrammen sowie durch die neuen innovativen Kooperationsnetze an Stärke gewann. 41. Ein großes Problem stellt jedoch die derzeitige formale Aufstellung des Haushalts dar. Die Schwie­ rigkeit liegt darin, daß die im Programmhaushalt benutzten globalen Definitionen es nicht ermöglichen, daß sich die oben angeführte Besonderheit der Arbeitsweise des Regionalbüros korrekt und genau wider­ spiegelt. Zur Zeit umfaßt das Haushaltselement des Regionalbüros die leitenden Organe, die Verwaltung, die Finanzen, die Gebäudeerhaltung und die verantwortliche Leitung. Das Länderbudget ist beschrieben als Teil des Haushalts (10%), der gemäß der „Länderallokation“ entweder ausschließlich für Programm­ tätigkeiten in einem bestimmten Land oder für die Aufrechterhaltung der WHO-Länderpräsenz vorgese­ hen ist. Obwohl ein Großteil des Haushalts für Mehrländertätigkeiten direkt zur Unterstützung der Ent­ wicklung nationaler Programme in inhaltlichen Bereichen in den Ländern verwendet wird, wird dieser Teil nicht unter „Länderunterstützung“ eingestuft. Auch die Kooperationsnetze des Regionalbüros (wie die Gesunden Städte), die als Schnittstelle zwischen Mehrländer- und Länderprogrammen fungieren, sind ausschließlich in den Ländern angesiedelt und schaffen eine horizontale, multidimensionale und gesell­ schaftliche Bewegung, die eine Vielzahl nationaler Partner erreicht, werden heute aber überhaupt nicht als „Länderunterstützung“ kategorisiert. 42. Die Personalausstattung, die einen Großteil der Haushaltsallokation des Regionalbüros bean­ sprucht, wird in ihrem eigentlichen Beitrag zur Länderarbeit nicht sichtbar. Dies ist ein besonderes Pro­ blem der Europäischen Region, wo die in Kopenhagen angesiedelten Programm-Manager Länder- und Mehrländerprogramme umsetzen und die Kooperationsnetze leiten. Die Tätigkeit der Abteilung Gesund­ heitliche Entwicklung in den Ländern, insbesondere die Nothilfe- und EUROHEALTH-Programme, sind EUR/RC49/8 Seite 8 ausschließlich auf die Länder ausgerichtet, scheinen aber nicht unter dem Länderbudget auf! Die Mitar­ beiter der Fachprogramme wenden sehr viel Zeit für die direkte Unterstützung von Ländereinsätzen auf, viele verbringen über die Hälfte ihrer Zeit damit. Da die Mitarbeiterkosten 66% des gesamten Ordentli­ chen Haushalts ausmachen und die Mitarbeiter hauptsächlich im Regionalbüro arbeiten, bietet die derzei­ tige Form der Darstellung des WHO-Programmhaushalts unweigerlich ein irreführendes Bild - geringe Unterstützung der Länder durch das Regionalbüro während die Wirklichkeit ganz anders aussieht. 43. Eine Aufschlüsselung der nicht personalbedingten (d. h. der Programm-) Kosten liefert ein etwas ge­ naueres Bild der Wirklichkeit und zeigt einen deutlichen und zunehmenden Anteil des Länderprogramme- lements zwischen den Haushaltszeiträumen 1990-1991 und 1998-1999. Auch hier birgt die Darstellung des Programmhaushalts eine Schwierigkeit, da die vollen Kosten der folgenden Aktivitätsformen (ausgewählte Beispiele) nicht unter den Länderprogrammen eingestuft werden: • Dienstreisen von Mitarbeitern in die Länder, d. h. zur Beratung über die konzeptionelle Entwick­ lung, die Umsetzung von mittelfristigen Länderprogrammen oder die Unterstützung des Landes bei dessen Bemühungen um die Umsetzung spezifischer nationaler Initiativen. • Die Entwicklung und Unterstützung der Kooperationsnetze und anderer Mehrländer- (europawei­ ter) Projekte und Tätigkeiten, die auf Länderebene umgesetzt werden, sowie • Tätigkeiten, die allen Mitgliedstaaten nützen, weil sie das bestehende Wissen besser bekanntma­ chen und es den einzelnen Ländern ermöglichen, ihre eigenen Erfolge und Mißerfolge (wie z. B. die laufende Erhaltung, Aktualisierung und Verbreitung der GFA-Datenbank) schnell an andere weiterzugeben und daraus zu lernen. 44. Um eine quantifizierte Problemabschätzung leisten zu können, hat das Regionalbüro eine Reihe von Fachprogrammbereichen, wie z. B. Eradizierung der Poliomyelitis, Management im Gesundheitswe­ sen und Arzneimittel, eine Ad-hoc-Analyse der oben angeführten Punkte durchführen lassen. Auf der Grundlage von Schätzungen über die in diesen Referaten der Länderarbeit gewidmeten Mitarbeiterzeit wurde berechnet, daß etwa 50% der Kosten für die Mehrländerprogramme und das Regionalbüro in Wirklichkeit direkte Länderunterstützung finanzieren. In der überarbeiteten Aufschlüsselung der perso­ nellen und nicht personellen Kosten zwischen Regional-, Mehrländer- und Länderprogrammen wurden die folgenden Schätzgrößen benutzt: • 50% der nicht mitarbeiterbedingten Kosten für die Mehrländerprogramme (einschließlich Dienst­ reisen) gelten als direkt nützlich für die Länder; • 100% der Mitarbeiterkosten des EUROHEALTH-Programms, des Nothilfeprogramms und einiger Fachprogrammbereiche (z. B. Politik und Systeme der Gesundheitsversorgung), 75% einiger ande­ rer Programme (Arzneimittel usw.) sowie etwa 50% anderer Programme sollten als Länderunter­ stützung eingestuft werden; • 100% der Länderprogramm-Mittel sind (natürlich) als Ländertätigkeiten aufgeführt und umfassen zwei Elemente: im mittelfristigen Länderprogramm dargelegte Programmtätigkeiten und den Un­ terhalt von Länderbüros, Kommunikationsverbindungen usw. 45. Im Anhang 2 werden die für das Regionalbüro 1990-1991 und 1998-1999 angenommenen Pro­ grammhaushalte miteinander verglichen, wobei gezeigt wird, wie die Darstellung hätte aussehen müssen, wenn die oben angeführten Schätzungen benutzt worden wären. Die Angaben für 1998-1999 machen deutlich, daß im Programmhaushalt nur 11% für Länderprogramme ausgewiesen sind, während es in Wirklichkeit 52% (34% plus 18%) sein sollten. Entsprechend sollten sich die Mehrländerprogramme nicht wie im Programmhaushalt gezeigt auf 49% belaufen, sondern eher auf 23%. Nicht zuletzt aber sollte das Regionalbüro-Element des Programmhaushalts, das mit 30% angesetzt ist, wahrscheinlich nur 25% betragen. Die Angabe zeigt auch den starken Anstieg der Länderunterstützung von 1990-1991 bis 1998— 1999: Die Programmhaushaltsposten stiegen von 6% auf 11%, die Schätzzahl erhöht sich von 38% auf 52%. EUR/RC49/8 Seite 9 46. Daraus ist also der Schluß zu ziehen, daß die derzeitige Klassifikation ein verzerrtes Bild des tat­ sächlichen Umfangs der Unterstützung bietet, die das Regionalbüro (und wahrscheinlich die WHO insge­ samt) den Ländern leistet. Diese Unterstützung ist wahrscheinlich sehr viel höher, als sich den offiziellen Dokumenten entnehmen läßt - möglicherweise macht sie über 50% des Gesamthaushalts des Regionalbü­ ros aus. 47. Die in diesem Abschnitt enthaltene Analyse stellt in dieser Phase zwar nur eine grobe Schätzung dar, die sich auf eine Stichprobe der Programme stützt, die wichtigste Schlußfolgerung aber dürfte ohne großen Zweifel korrekt sein. Die Art und Weise, wie der Programmhaushalt der WHO heute aufgestellt wird, vermittelt ein ungenaues Bild der wirklichen Arbeit, die von der Organisation geleistet wird, und läßt ungerechtfertigte Angriffe von Leuten zu, die die WHO als bürokratischen Apparat darstellen wollen, der seine Ressourcen nicht zur Unterstützung der Länder ausnutzt. Wie läßt sich dies ändern? M ö g l ic h e M a s s n a h m e n Maßnahmen auf der Ebene des WHO-Hauptbiiros und in den globalen leitenden Organen 48. Das grundlegende Problem ist die Art und Weise, wie die WHO ihre Mitarbeiter und Tätigkeiten kategorisiert. Die logische Lösung des Problems wäre deshalb eine Änderung dieser Klassifikationen. Das ist möglich, wenn die Generaldirektorin die Thematik im Exekutivrat aufgreift, weshalb das Regionalko­ mitee die Generaldirektorin vielleicht dazu auffordem könnte. Maßnahmen auf der Ebene der Europäischen Region 49. Selbst wenn eine solche Änderung nicht auf der globalen Ebene der Organisation vollzogen wird, kann das Regionalkomitee, falls es dies wünscht, beschließen, spezifische Maßnahmen für die Europäi­ sche Region zu ergreifen. In diesem Zusammenhang scheinen zwei offizielle Dokumente wichtig zu sein. 50. Bei dem ersten handelt es sich um den Bericht des Regionaldirektors über die Arbeit des Regional­ büros. Zur Zeit kann kein Datenerhebungssystem die Informationen liefern, die erforderlich sind, um ein verläßliches Bild der Arbeit zu vermitteln, die anhand von Beispielen versuchsweise im oben angeführten Abschnitt dargestellt wurde. Ab Januar 2000 wird das Regionalbüro jedoch voraussichtlich das neue Ak- tivitäts-Managementsystem der WHO (AMS) eingeführt haben, so daß zu erwarten ist, daß dieses System Berichte ermöglicht, welche die erforderlichen Informationen liefern können. Somit könnte der Bericht des Regionaldirektors für den Haushaltszeitraum 2000-2001 so strukturiert werden, daß er diese Infor­ mationen enthält. Ein Vorteil wäre es doch, wenn man einige Erfahrungen hinsichtlich des Funktionierens dieses Systems sammeln könnte, bevor man endgültige Schlüsse über dessen Validität zieht. Deshalb wird vorgeschlagen, daß der SCRC auf seiner Tagung im April 2001 diese Erfahrungen erörtert und einen Rahmen für den Bericht des Regionaldirektors für den Haushaltszeitraum 2000-2001 billigt, in dem ge­ nauer vorgeschrieben wird, wie die Informationen über die Länderunterstützung anzugeben sind. 51. Die zweite Möglichkeit ist das Dokument über den Programmhaushalt der Europäischen Region. Die Region muß zwar unter allen Umständen der vom Hauptbüro für die regionalen Programmhaushalte der Organisation beschlossenen allgemeinen Struktur folgen, es wäre jedoch kein Problem, in das Doku­ ment zusätzliche Elemente aufzunehmen, die das Regionalkomitee erörtern könnte, wenn es dies wollte. Das wäre entweder als zusätzliche Tabellenspalten, als zusätzliche und genau angegebene Textelemente in verschiedenen Kapiteln oder, was vielleicht am einfachsten wäre, als ein gesonderter Anhang machbar, der sich umfassend mit der Thematik auseinandersetzen müßte. Diese für die Europäische Region kenn­ zeichnenden zusätzlichen Elemente würden dann nicht in den Teil des globalen Programmhaushaltsdo- kuments der Europäischen Region aufgenommen werden, der an die Weltgesundheitsversammlung geht, sondern würden in der dem Regionalkomitee vorgelegten Fassung verbleiben. Dennoch hätte eine solche Darstellung einen erheblichen Vorteil, da sie den Mitgliedstaaten der Region ein besseres Verständnis von der Arbeit des Regionalbüros vermitteln würde. Außerdem hätte man damit eine Informationsquelle, auf die man sich in der öffentlichen Debatte offiziell beziehen könnte. EUR/RC49/8 Seite 10 52. Sollte sich das Regionalkomitee hinter einen solchen Vorschlag stellen, könnte er wahrscheinlich erst im Programmhaushalt 2004-2005 verwirklicht werden, da man sich auf die oben erwähnten Erfah­ rungen bei der Einführung des neuen AMS stützen sollte und diese Erfahrungen für die Ausarbeitung des Programmhaushalts 2002-2003 nicht rechtzeitig vorliegen werden. S c h l u s s f o l g e r u n g 53. Das Regionalbüro für Europa hat in den letzten Jahren durch die Vorzugsallokation seiner Haus­ haltsmittel an bestimmte Länder, durch die Einrichtung von Länderbüros und einer Abteilung für gesund­ heitliche Entwicklung in den Ländern sowie durch die rasche Zunahme von Kooperationsnetzen verstärkt Gewicht auf die Länderunterstützung gelegt, wobei die Kooperationsnetze eine neue Strategie für die Anwendung der Mehrländerkonzepte und -instrumente auf örtlicher Ebene darstellen. Verstärkt werden die europäischen Entwicklungen durch das neue Gewicht, das die Länderunterstützung im Zuge der Re­ formprozesse erhält, die während der letzten 12 Monate im WHO-Hauptbüro begonnen haben. 54. Die erhöhten Zuweisungen für die Länderprogramme, die durch interregionale Transferzahlungen in den kommenden zehn Jahren in die Europäische (und die Afrikanische) Region fließen, werden die Möglichkeit, die Länderprogramme zu stärken, noch weiter verbessern. Dem Regionalkomitee wird der Vorschlag vorgelegt, das regionale Allokationsprinzip dahingehend zu ändern, daß es sich auf den Index für die menschliche Entwicklung und eine logarithmisch geglättete Bevölkerungsangabe gründet und eine stufenweise Einführung während der nächsten vier oder fünf Haushaltszeiträume vorsieht. 55. Das derzeitige Klassifikationssystem der WHO vermittelt - zumindest in der Europäischen Region - ein verzerrtes Bild der Anstrengungen, die die Organisation zur Zeit unternimmt, um die Länder zu unter­ stützen. Dem Regionalkomitee werden Vorschläge dafür vorgelegt, wie dieser Situation abzuhelfen wäre. Entweder könnte die Generaldirektorin aufgefordert werden, Schritte zu ergreifen, um das derzeitige Klassifikationssystem abzuändem, oder man könnte den Bericht des Regionaldirektors und den regiona­ len Programmhaushalt für 2000-2001 und 2004-2005 entsprechend abändem. Denkbar wären auch beide Maßnahmen. 56. Das Regionalkomitee wird gebeten, sich hinter eine Reihe von Prinzipien und Grundsatzoptionen in bezug auf Management und Organisation zu stellen, die in der Folge für die Arbeit des Regionalbüros an einer aktualisierten Länderstrategie, die auf der 50. Tagung des Regionalkomitees beschlossen werden soll, richtungweisend sein werden. EUR/RC49/8 Seite 11 Anhang 1 Vorschläge für Länderbudgetallokationen 2002-2003 und 2010-2011 Land 1998-1999 Angenommen2000-2001 Voranschläge für 2002-2003 Voranschläge für 2010-2011“ Albanien 130 000 130 000 198 200 383 900 Armenien 130 000 463 333 463 333 369 400 Aserbaidschan 130 000 463 333 463 333 557 200 Bosnien-Herzegowina 130 000 463 333 463 333 288 700 Bulgarien 50 000 50 000 106 700 319 100 Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien 130 000 130 000 173 200 243 200 Estland 50 000 50 000 86 200 203 800 Georgien 130 000 130 000 214 300 474 300 Jugoslawien 50 000 50 000 0 0 Kasachstan 130 000 130 000 241 900 630 200 Kirgisistan 130 000 463 333 463 333 446 600 Kroatien 130 000 130 000 181 900 292 000 Lettland 50 000 50 000 102 100 293 200 Litauen 50 000 50 000 100 400 284 000 Malta 50 000 50 000 55 500 55 500 Polen 50 000 50 000 138 500 498 100 Republik Moldau 130 000 463 333 463 333 471 500 Rumänien 50 000 50 000 149 300 558 800 Russische Föderation 200 000 200 000 607 300 2 293 000 Slowakei 50 000 50 000 78 600 161 100 Slowenien 50 000 50 000 68 500 104 400 Tadschikistan 130 000 463 333 463 333 582 700 Tschechische Republik 50 000 50 000 83 800 190 400 Türkei 200 000 200 000 390 900 1 074 800 Turkmenistan 130 000 130 000 203 100 411 700 Ukraine 130 000 130 000 370 900 1 355 900 Ungarn 50 000 50 000 91 000 231 100 Usbekistan 130 000 130 000 284 200 868 100 Weißrußland 130 000 130 000 193 500 357 600 Insgesamt 2 950 000 4 949 998 6 899 998 14 000 300 8 Verteilung ausschließlich nach dem Index für die menschliche Entwicklung. EUR/RC49/8 Seite 12 Anhang 2 Mittel für die Länderunterstützung des WHO-Regionalbüros für Europa, 1990-1991 und 1998-1999 1990-1991 1 999 Schätzzahlen Wie im Programmhaushalt 1990-1991 ausgewiesen 1998-1999 1999 Schätzzahlen Wie im Programmhaushalt 1998-1999 ausgewiesen Länderunter- Personalkosten Mehrtanderarbeit: Personalkosten □ Regionalbüro: Personalkosten Stützung: nicht personal- m m nicht personal- rrj?] nicht personal­ bedingte Kosten H H bedingte Kosten EÜ53 bedingte Kosten

Key facts
Adoption date
Source World Health Organization