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Gesundheit 2020: Landwirtschaft und Gesundheit durch Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung

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Synergieeffekte zwischen Politikbereichen: zusammenarbeiten, um bessere landwirtschaftliche und gesundheitliche Ergebnisse zu fördern Das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ wurde von allen Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO angenom- men, um die großen sozialen und gesund- heitlichen Herausforderungen in Angriff zu nehmen. Es enthält einen Appell an die Gesundheitspolitik, all die verschiedenen Politikbereiche und Akteure aktiv in die kontinuierlichen Bemühungen zur Verbesse- rung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bürger einzubeziehen. Heute ist ein Großteil der vermeidbaren Morbidität und Mortalität in der Europäischen Region auf Herz- Krei- slauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen sowie ihre verhaltensbedingten Risikofaktoren (ungesunde Ernährung, Übergewicht und Adipositas) zurückzuführen. Gleichzeitig sind wir auch mit dem Auftreten neuer Krank- heitserreger und der Rückkehr von Infek- tionskrankheiten sowie mit der Problematik der antimikrobiellen Resistenz konfrontiert. Eine sinnvolle Zusammenarbeit von Ge- sundheits- und Landwirtschaftspolitik kann Politikkohärenz bewirken und eine Ver- sorgung mit sicheren und nährstoffreichen Lebensmitteln gewährleisten, die nicht nur zur Förderung von Gesundheit und Wohlbe- finden beiträgt, sondern auch für gesunde Gemeinschaften und Volkswirtschaften sorgt. Die Landwirtschaftspolitik kann zur Gesund- heit von Bürgern und Gesellschaft beitra- gen, in dem sie: • zusammen mit der Gesundheitspolitik und anderen Politikbereichen darauf hinarbeitet, sichere und nährstoffreiche Lebensmittel bereitzustellen, die für alle bezahlbar sind; • gesunde und nachhaltige ländliche Gemeinschaften fördert, u. a. durch Erkundung des Potenzials kurzer und nachhaltiger Versorgungsketten und durch Maßnahmen zur Verbesserung von Lebensmittel- und Ernährungssicherheit; • für Politikkohärenz bei der Herstellung und Bereitstellung von Lebensmitteln und Gütern sorgt, die für die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten – ein- er der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die Europäische Region – entscheidend sind; • zusammen mit der Gesundheitspolitik in Fragen des internationalen Lebensmit- telshandels auf möglichst gute Ergebnisse für Bürger und Gemeinschaften hinwirkt; und • die Prävention von durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten und Zoonosen (einschließlich AMR) intensiviert. Zusammenfassung Gesundheit 2020: Landwirtschaft und Gesundheit durch Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung Juli 2015 5 Sozialer Fortschritt wird am besten mit Hilfe von objektiven Indikatoren für Gesundheit, gesundheitliche Chancengleichheit und Wohlbefinden gemessen, und dies schließt die Bedi- ngungen ein, unter denen Menschen geboren werden, leben und arbeiten. 1 Gesundheit und Wohlbefinden sind öffentliche Güter und Ak- tivposten für die menschliche Entwicklung, die zu starken, dynamischen und kreativen Gesellschaften beitragen. 2 Gesundheit und Wohlbefinden werden am ehesten erreicht, wenn alle Bereiche staatlichen Handelns zusammenarbeiten, und „Gesundheit 2020“ wirbt für gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Ansätze. 3 Gesundheit und Wohlbefinden können verbessert und gesundheitliche Ungleichheiten können verringert werden, wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden und mit anderen Politikbereichen kooperiert wird. 4 Unterschiedliche Länder, Städte und Gemeinschaften befinden sich in unterschiedlichen Ausgangslagen; ejeder Akteur ist einzigartig und kann gemeinsame Ziele auf unterschiedlichen Wegen verfolgen. Zentrale Aussagen Die Zielsetzung von „Gesundheit 2020“ ist eine „erhebliche Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, Stärkung der öffentlichen Gesundheit und Gewährleistung nachhaltiger bürgernaher Gesundheitssysteme, die flächendeckend sind und Chancengleichheit sowie qualitativ hochwertige Leistungen bieten“. 2 Gesundheit 2020: Landwirtschaft und Gesundheit durch Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung 2012 nahmen alle 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO „Gesundheit 2020“ als das neue gesundheitspolitische Rahmenkonzept der Europäischen Region an und verpflichteten sich zur Entwicklung integra- tiver Konzepte, die alle Politikbereiche einbez- iehen und an den sozialen und ökonomischen Determinanten von Gesundheit und Wohlbefin- den ansetzen. Die ärmsten Mitglieder unserer Gesellschaft sind in Bezug auf Ernährungs- wie Lebensmittelsicherheit am häufigsten von lebensmittelbedingten Erkrankungen betroffen. Eine Verknüpfung mit der Landwirtschafts- politik bietet für die Gesundheitspolitik die Chance, die Versorgung mit gesünderen und sichereren Lebensmitteln zu verbessern und die Nachfrage danach zu erhöhen. Der Beitrag der Landwirtschaftspolitik kann darin beste- hen, Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit eines breiten Spektrums an gesünderen Lebensmit- teln zu gewährleisten. Wenn aufgrund von Veränderungen an der Herstellungspraxis und der Versorgungskette minimal verarbeitete Lebensmittel für einen größeren Kreis von Verbrauchern zur Verfügung stehen, so kann dies erheblich zur Schaffung gesunder und nachhaltiger Lebensmittelsysteme beitragen. Darüber hinaus ist eine Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftspolitik eine wesentliche Voraussetzung für die wirksame Prävention und Eindämmung von Lebensmittelinfektionen und Zoonosen. Am wirksamsten ist sie, wenn schon in einem frühen Stadium der Lebensmittelversorgungskette angesetzt wird. Die Stärkung der Surveillance von Lebensmit- telinfektionen und Zoonosen beim Menschen ist eine Voraussetzung für die Gestaltung risikobezogener Kontrollen und Maßnahmen in der Landwirtschaft. Außerdem ist eine Zusam- menarbeit zwischen Human- und Tiermedizin und Umweltschutz auch von entscheidender Bedeutung für die Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen. Die Verknüpfung zwischen Gesundheit und Landwirtschaft durch Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung stärken 3Weltgesundheitsorganisation Alle Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO haben die Überwachung von Fortschritten bei der Ver- wirklichung von sechs gemeinsamen Dachzielen vereinbart: 1. Senkung der vorzeitigen Mortalität in der Europäischen Region bis 2020 2. Erhöhung der Lebenserwartung in der Europäischen Region 3. Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich in der Europäischen Region 4. Förderung des Wohlergehens der Bevölkerung in der Europäischen Region 5. Sicherung einer universellen Gesund- heitsversorgung und des Rechts auf ein Höchstmaß an Gesundheit 6. Aufstellung nationaler Ziele und Vorgaben für die Gesundheit in den Mitgliedstaaten Was Gesellschaften ermöglicht, sich zu entfalten und zu gedeihen, ist auch der Gesundheit von Menschen förderlich, und politische Handlungskonzepte, die dies berücksichtigen, sind wirkungsvoller. Es ist wesentlich, das Bewusstsein für die Notwendigkeit zu schärfen, gesundheitliche Ziele zum festen Bestandteil der sozi- oökonomischen und menschlichen Entwicklung der Gesellschaft zu machen, und die dafür erforderlichen Kapazitäten zu schaffen. Alle Politikbereiche ein- schließlich des Gesundheitsbereichs müssen ihre Arbeits- weise reformieren und auf der globalen, regionalen und lokalen Ebene neue Politikformen und-ansätze nutzen. Die Zielsetzung von „Gesundheit 2020“ ist eine „erhebliche Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, Stärkung der öffentlichen Gesundheit und Gewährleistung nachhaltiger bürgernaher Gesundheitssysteme, die flächendeckend sind und Chancengleichheit sowie qualitativ hochwertige Leistungen bieten“. Gesundheit 2020: ein Handlungsrahmen 4 Gesundheit 2020: Landwirtschaft und Gesundheit durch Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung Die Verknüpfung zwischen Landwirtschaft und Gesundheit durch Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung stärken Ungesunde Ernährung, Übergewicht und Adipositas sind die führenden Risikofak- toren für Krankheit und Behinderung in der Europäischen Region, insbesondere für nichtübertragbare Krankheiten. In 46 der 53 Länder der Region sind mehr als 50% der Bevölkerung übergewichtig. Im Durchschnitt leidet jedes dritte Kind an Übergewicht oder Adipositas, und die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung in der Europäischen Region verzehrt nicht das empfohlene Maß an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten und konsumiert stattdessen zu viel gesättigte Fette, Salz und freie Zucker. Am stärksten betroffen sind Gruppen mit niedrigem sozioökonomischem Status. Die Land- wirtschaftspolitik (einschließlich der Fischereipolitik) kann zur Behebung dieser Probleme beitragen, indem sie die Verfüg- barkeit und Bezahlbarkeit eines breiten Spektrums an gesünderen Nahrungsmitteln und Lebensmittelprodukten sicherstellt. Wenn aufgrund kürzerer Versorgungsket- ten minimal verarbeitete Lebensmittel für einen größeren Kreis von Verbrauchern zur Verfügung stehen, so kann dies erheblich zur Schaffung gesunder und nachhalti- ger Lebensmittelsysteme und zur Unter- stützung der lokalen Wirtschaft beitragen und auch gleichzeitig bewirken, dass die Landwirtschaftspolitik mit den übergeord- neten Zielen der nachhaltigen Entwicklung vereinbar ist und dass ihre Auswirkungen auf die Gesundheit gebührend berück- sichtigt werden. Es gilt dafür zu sorgen, dass minimal verarbeitete Lebensmittel wie Obst und Gemüse den Verbraucher erre- ichen, bevor sie verderben oder beschädigt werden. Gleichzeitig ergeben sich Chancen für die Landwirtschaft aus möglichen An- Synergieeffekte zwischen Politikbereichen: Landwirtschaftspolitik als Mittel für mehr Gesundheit reizen für den Anbau gesünderer Produkte (z. B. gesündere Ölsaaten und mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte) sowie der Erschließung neuer Märkte für gesün- dere, minimal verarbeitete Produkte durch logistische Unterstützung und geeignete staatliche Beschaffungskonzepte. Auch wenn alle Bürger lebensmittelbed- ingten Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, so sind doch die Armen am stärksten davon betroffen und am anfälligsten dafür. Mikrobiologische, chemische und sonstige Gefahren in Lebensmitteln können in allen Teilen der Europäischen Region zu ernsten Erkrankungen und zum Tod führen, insbesondere unter Säuglingen, Kindern und älteren Menschen. Lebensmittelinfektionen können auch schwere ökonomische Folgen für die Betroffenen, ihre Familien und ihr Umfeld sowie für die Wirtschaft und das gesamte Land haben. Diese Erkrankungen stellen auch eine erhebliche Belastung für Gesundheitssysteme, Handel und Touris- mus und eine deutliche Beeinträchtigung der Produktivität dar und bedrohen die Lebensgrundlagen von Bürgern. Wir benö- tigen Systeme für Lebensmittelsicherheit, deren Ansatz die gesamte Lebensmittelver- sorgungskette umfasst und risikobezogen gestaltet ist und der in der Lage ist, für die Lebensmittelsicherheit relevante Ereignisse und Zoonosen wirksam und effizient zu ver- hindern, bzw. zu entdecken und auf sie zu reagieren. Der Landwirtschaftspolitik kommt eine entscheidende Rolle bei der Überwa- chung und Kontrolle lebensmittelbedingter Gefahren in der Versorgungskette und bei der Zusammenarbeit und beim Information- saustausch mit den öffentlichen Gesund- heitsdiensten in Bezug auf die Überwa- chung lebensmittelbedingter Erkrankungen zu, um zu gewährleisten, dass die Präven- tion und Bekämpfung von Lebensmittelin- fektionen auf effizientere und risikobez- ogene Weise erfolgt. Die Landwirtschaft spielt auch eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, da der Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe in der Tiermast zur Entstehung und Ausbrei- tung von AMR beitragen kann, einer großen Herausforderung für die Europäische Region mit verheerenden Folgen. Die Landwirtschaftspolitik kann zur Förderung von Gesundheit beitragen, indem sie etwa die Erzeugung von Grundnahrung- smitteln fördert, die Bevölkerungen über Generationen ernährt haben (z. B. Obst, Gemüse, Körner, Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten), und den Konsum von Fisch, moder- aten Mengen an magerem Fleisch und fet- tarmen Milchprodukten begünstigt und die Sicherheit all dieser wesentlichen Nahrung- smittel gewährleistet. Dagegen können an- dere Maßnahmen der Landwirtschaftspolitik eine ungesunde Ernährung und unsichere Lebensmittel zur Folge haben, wenn etwa der Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht und die Verwendung schädlicher Chemi- kalien in Pestiziden nicht bekämpft werden und wenn eine Spezialisierung auf Erzeu- gnisse erfolgt, die eine Verarbeitung zu Leb- ensmitteln mit hohem Anteil an gesättigten Fetten, Transfettsäuren, Salz oder freiem Zucker begünstigen. Zur Bewältigung dieser Probleme muss die Gesundheitspolitik enger mit der Landwirtschaftspolitik zusammenar- beiten. 5Weltgesundheitsorganisation Welchen Beitrag kann die Landwirtschaftspolitik zur Förderung von Gesundheit im Bereich Ernährung und Lebensmittelsicherheit leisten? „Gesundheit 2020“ bietet einen Rahmen für eine solche Zusammenarbeit von Landwirtschaftsund Gesundheitspolitik. Er ermöglicht es uns, einige der wichtigsten gesundheitlichen Herausforderungen der heutigen Zeit in Angriff zu nehmen, darunt- er die nichtübertragbaren Krankheiten, die Infektionskrankheiten und die antimikro- bielle Resistenz, und einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Bürger in städtischen wie ländlichen Gebieten Zugang zu bezahlbaren, sicheren und nähr- stoffreichen Lebensmitteln haben. Synergieeffekte zwischen Politikbereichen: Kooperation zur Unterstützung von Bürgern und Gemeinschaften ZU DEN WICHTIGSTEN GEMEINSAMEN FRAGESTELLUNGEN GEHÖREN: • Wie kann eine Politikkohärenz zwischen Landwirtschaftspolitik und gesundheits- politischen Zielen hergestellt werden? • Wie können Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit und Sicherheit von frischem Obst und Gemüse und Vollkornprodukten für Verbraucher auf allen Einkommensebenen – und namentlich in zentralen Umfeldern wie Schulen – verbessert werden? • Wie kann eine ganzheitliche Zusammen- arbeit mit anderen Politikbereichen bzw. Fachdisziplinen dazu beitragen, durch Lebensmittel übertragene Krankheiten und Zoonosen (einschließlich AMR) zu verhindern bzw. zu entdecken und einzudämmen? • Förderung der Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit eines breiten Spektrums von nährstoffreichen Lebensmitteln (Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, mageres Fleisch und fettarme Milchprodukte) durch verstärkte Produktion und minimale Verarbeitung • Austausch von Daten über Trends in Herstellung, Verfahren, Lebensmittelpreisen und Verbrauch von Lebensmittelprodukten durch Akteure in der Lebensmittelversorgungskette • Anwendung eines ganzheitlichen und risikobezogenen Ansatzes, der die gesamte Lebensmittelversorgungskette umfasst • Prävention von Lebensmittelinfektionen und Zoonosen sowie antimikrobiellen Resistenzen • Sicherstellung der hygienischen Produktion, Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln • Einrichtung zweckdienlicher Überwachungssysteme entlang der Lebensmittelversorgungskette Wie können die Politikbereiche zusammenarbeiten? 6 Gesundheit 2020: Landwirtschaft und Gesundheit durch Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung Welchen Beitrag kann die Gesundheitspolitik zur Verbesserung der Landwirtschaft im Bereich Ernährung und Lebensmittelsicherheitleisten? Zusammenarbeiten, um die Nahrungsmittelsicherheit und die Ernährung zu verbessern DIE HERAUSFORDERUNG Nutzung der Mglichkeiten der Landwirtschaftspolitik bei der Bekämpfung von nichtübertragbaren Krankheiten und Infektionskrankheiten Gewährleistung der Ernährungssicherheit und Bekämpfung etwaiger Defizite auf diesem Gebiet Gewährleistung, dass Verbraucherschutz, ein fairer Handel mit Lebensmitteln sowie Gesundheit und Wohlbefinden zu zentralen Erwägungen im internationalen Handel werden Förderung der Verfügbarkeit frischer, sicherer und nährstoffreicher Lebensmittel Intensivierung der Prävention, Entdeckung und Eindämmung von durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten und Zoonosen (einschließlich AMR) • Schaffung von Möglichkeiten zur Förderung frischer landwirtschaft- licher Produkte als Teil eines gesunden öffentlichen Beschaffungswes- ens • Eindeutige Ermittlung und Thematisierung ernährungsbezogener Defizite (z. B. zu geringer Verzehr von Obst und Gemüse) durch Ernährungsumfragen und dadurch Chancen auf neue bzw. erweiterte Märkte für landwirtschaftliche Erzeuger • Stärkung der Surveillance und der Bekämpfung von Lebensmittel- infektionen im Hinblick auf die Gestaltung und Umsetzung risiko- bezogener Maßnahmen in der Landwirtschaft, um die häufigsten Lebensmittelinfektionen wirksamer verhindern bzw. auf sie reagieren zu können DIE NOTWENDIGE REAKTION Verbesserung der Abstimmung zwischen den Akteuren und Prozessen in der Versorgung- skette, um das Angebot an sicheren und nährstoffreichen Lebensmitteln und die Nach- frage danach zu erhöhen. Dazu gehört auch die Frage, wie die Lebensmittel hergestellt, verarbeitet, verteilt und vermarktet werden. Verringerung von Angebot und Nachfrage in Bezug auf die zentralen Determinanten, die das Risiko nichtübertragbarer Krankheiten erhöhen, z. B. Tabak- und Alkoholkonsum und bestimmte Lebensmittelprodukte. Gemeinsame Anstrengungen zur Verbesserung der Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit sicherer und nährstoffreicher Lebensmittel und zur Berücksichtigung der speziellen Anforderungen anfälliger Gruppen. Unterstützung der Arbeit der Codex-Alimentar- ius-Kommission. Gewährleistung einer wirksamen Zusamme- narbeit in Fragen der Handels- und Investition- spolitik. Zusammenarbeit zwischen der Land- wirtschafts-, Gesundheits- und Bildungspolitik und innerhalb von Kommunalverwaltungen, um durch institutionelle Beschaffungskonzepte Märkte für frische Produkte zu erschließen. Verbesserung der Beobachtungsund Überwa- chungssysteme durch ressortübergreifenden Informationsaustausch und entsprechende Zusammenarbeit und Sicherstellung aktueller Informationen über die Lebensmittelver- sorgungskette, über die menschliche Bevölkerung und über Tier- bestände. 7Weltgesundheitsorganisation Das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ ist mit einem politischen Mandat ausgestattet. Es wurde von allen Mitgliedstaaten in der Europäischen Region angenommen und kann an die jeweils unterschiedlichen Umfelder und Gegebenheiten in den Ländern der Region angepasst werden. Es erläutert, wie Gesund- heit und Wohlbefinden gefördert, erhalten und gemessen werden können, indem sozialer Zusammenhalt, Sicherheit, ein stabiles Gleich- gewicht zwischen Beruf und Privatleben sowie gute Gesundheit und hochwertige Bildung verwirklicht werden. Es enthält einen Appell an die Gesundheitspolitik, eine Vielzahl staatlicher wie nichtstaatlicher Akteure einzubeziehen, und bietet Anregungen sowie Orientierungshilfe zu der Frage, wie die komplexen gesundheitli- chen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigt werden können. Das Rahmenkonzept bestätigt Werte, ist auf einschlägige Evidenz gestützt und beschreibt strategische Ausrich- tungen sowie die wesentlichen zu ergreifenden Maßnahmen. Es baut auf den Erfahrungen auf, die mit dem vorhergehenden Rahmenkonzept „Gesundheit für alle“ gewonnen wurden, und bietet Orientierungshilfe für das Handeln der Mitgliedstaaten wie auch des Regionalbüros. In dem Rahmenkonzept werden die großen sozialen und gesundheitlichen Herausforderun- gen in Angriff genommen, zu denen auch die Ungleichheiten, die nichtübertragbaren Krank- heiten und die Bedrohung durch Infektionsk- rankheiten gehören. In „Gesundheit 2020“ ist ein nie da gewesenes Maß an Forschungs- und Auswertungsarbeit eingeflossen; das Ergebnis ist ein Destillat des weltweiten Fachwissens im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Eine Versorgung mit sicheren und nährstof- freichen Lebensmitteln ist eine entscheidende Voraussetzung für gute Gesundheit. Nach der von FAO und WHO gemeinsam unterze- ichneten Welterklärung über Ernährung von 1992 gehört „... der Zugang zu nahrhafter und gesundheitlich unbedenklicher Ernährung .... zu den Rechten eines jeden Menschen“. Leider stellen sowohl Mangelernährung als auch lebensmittelbedingte Erkrankungen (ein- schließlich der Ausbreitung nichtübertragbarer Krankheiten) eine ernste Herausforderung für die Europäische Region dar. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bestimmte Aspekte von Konzepten der Landwirtschaftspolitik und der Lebensmit- telversorgungskette sich auf die Ernährung der Menschen und auf ihre Gefahr einer Erkrankung an nichtübertragbaren Krankheiten auswirken, indem die Verfügbarkeit und die Bezahlbarkeit von Lebensmitteln beeinflusst werden, sowohl als Anreiz für die Lebensmit- telindustrie als auch als Endprodukt für die Verbraucher. Dies kann einen Substitutionsef- fekt zwischen ähnlichen Alternativen (die mehr oder weniger gesund sein können) bewirken, indem Hersteller wie auch Verbraucher Anreize zu einer Umstellung auf gesündere Optionen erhalten. Dieses Substitutionspotenzial stellt den Mechanismus dar, anhand dessen gezielte landwirtschaftliche Konzepte dazu genutzt werden könnten, eine Umstellung auf eine gesündere Ernährung zu fördern. 2013 wurden allein in den Ländern der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums über 310 000 Fälle von bakteriellen Lebensmittelinfektionen ge- meldet, von denen 322 tödlich endeten. Dies ist jedoch nur die Spitze eines Eisbergs, da die meisten Fälle von lebensmittelbed- ingten Erkrankungen wegen Defiziten in den Surveillance-Systemen nicht gemeldet werden. Erkenntnisse aus Forschung und Praxis belegen, dass die Bekämpfung lebens- mittelbedingter Erkrankungen und Zoonosen in der menschlichen Bevölkerung dann am wirksamsten ist, wenn schon in einem frühen Stadium der Lebensmittelversorgungskette angesetzt wird. 2010 einigten sich die FAO, die Weltorganisation für Tiergesundheit und die WHO gemeinsam auf ein Konzept zur Verteilung ihrer jeweiligen Zuständigkeiten und zur Abstimmung ihrer globalen Aktivitmten zur Bekämpfung der gesundheitlichen Risiken an den Schnittstellen zwischen Mensch, Tier und Ökosystemen. Der Themenkomplex AMR gehört zu den Bereichen, in denen es Belege für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Politikbereichen wie Gesundheit und Landwirtschaft gibt. So trat beispielsweise am 1. Januar 2006 ein EU-weites Verbot der Verwendung von Antibiotika in Tierfutter zur Wachstumsförderung in Kraft, da diese eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit mit sich bringt. Eine solche ressortübergreifende Bewertung und entsprechendes Handeln sollten in der künftigen Zusammenarbeit fort- gesetzt und ausgebaut werden. In „Gesundheit 2020“ wird die Land- wirtschaftspolitik aus folgenden Blickwinkeln- betrachtet: als ein wesentlicher Einflussfaktor auf die Gesundheit; als ein Politikbereich, der Kontrolle über die Herstellung von Kon- sumgütern hat, die die Gesundheit maßgeblich beeinflussen; als Arbeitgeber für Beschäftigte, die allzu oft gefährdet und anfällig sind; als wesentlicher Einflussfaktor in Bezug auf die unmittelbare und mittelbare Umwelt; und als Partner beim Streben nach Investitionen im Rahmen staatlicher Konzepte, deren Grund- satzziele in sich kohärent sind. Gesundheit 2020 als eine Plattform für gemeinsame Arbeit nutzen: politisches Mandat und Evidenzgrundlage PHASEN IM LEBENSVERLAUF • Angemessener Sozialschutz für Frauen, Schwangere und junge Familien • Ein hochwertiges und erschwingliches universelles Bildungs- und Betreuungs- system für die ersten Lebensjahre • Die Ausmerzung unsicherer Arbeit und die Gewährleistung des Zugangs zu Beschäftigung und qualitativ hoch- wertiger Arbeit • Kohärente und wirksame sektorübergre- ifende Maßnahmen zur Bekämpfung von Ungleichheiten in späteren Lebensphasen DIE GESELLSCHAFT ALLGEMEIN • Verbesserter sozialer Schutz entsprechend dem Bedarf • Schöpferische und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Zielgruppen, der Zivilgesellschaft und Partnern aus deren Reihen • Maßnahmen zur Verringerung von Aus- grenzung • Ansatz auf der Grundlage von Chanceng- leichheit zwischen den Geschlechtern DER ALLGEMEINERE KONTEXT • Steuervergünstigungen und Transfer- zahlungen zur Förderung der Chancengleichheit • Langfristige Planung durch Verknüpfungen mit anderen Maßnahmen SYSTEME • Mehr sektorübergreifende Kohärenz • Umfassende Reaktionen • Regelmäßige Berichterstattung und öffentliche Kontrolle Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten Die nachstehenden Bereiche sind gute Ausgangspunkte für den Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten: WELTGESUNDHEITSORGANISATION | REGIONALBÜRO FÜR EUROPA UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Telefon: +45 45 33 70 00 Fax: +45 45 33 70 01 E-mail: contact@euro.who.int Website: www.euro.who.int © Weltgesundheitsorganisation 2015. 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