Всемирная организация здравоохранения (ВОЗ / WHO) · Governing Bodies documents

Einundsiebzigste Tagung des Regionalkomitees für Europa: virtuelle Tagung, 13.–15. September 2021: Plan für die Umsetzung des Programmhaushalts 2022–2023 in der Europäischen Region der WHO im Kontext des Europäischen Arbeitsprogramms

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W E L T G E S U N D H E I T SO R G A N I S A T IO N R EG I O N A L B Ü RO F ÜR E U R O P A UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark Tel.: +45 45 33 70 00 Fax: +45 45 33 70 01 E-Mail: eugovernance@who.int Web: http://www.euro.who.int/de/who-we-are/governance Regionalkomitee für Europa EUR/RC71/12 71. Tagung Virtuelle Tagung, 13.–15. September 2021 15. September 2021 210943 Punkt 9 der vorläufigen Tagesordnung ORIGINAL: ENGLISCH Plan für die Umsetzung des Programmhaushalts 2022–2023 in der Europäischen Region der WHO im Kontext des Europäischen Arbeitsprogramms Im Mai 2021 nahm die 74. Weltgesundheitsversammlung den Programmhaushalt (PB) 2022– 2023 (Resolution A74/3) – den zweiten und letzten Zweijahreshaushalt im Rahmen des Dreizehnten Allgemeinen Arbeitsprogramms 2019–2023 (GPW 13) – an. Wie in früheren Zweijahreszeiträumen erfolgte auch seine Erstellung auf der Grundlage eines auf der Ebene der Länder beginnenden Prioritätensetzungsverfahrens. In diesem zusammenfassenden Dokument wird der Plan für die Umsetzung des Programmhaushalts 2022–2023 in der Europäischen Region der WHO (RPI) skizziert. Im RPI wird anerkannt, dass die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen, u. a. jener der Unabhängigen Kommission für Pandemievorsorge und -bekämpfung, die Vorlage einer überarbeiteten Fassung des PB 2022–2023 an die 75. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2022 erforderlich machen. Eine Notiz zu den Überarbeitungen des RPI in der Europäischen Region wird dann der 72. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa vorgelegt – mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Empfehlungen der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung an die Länder wie auch die Europäische Region insgesamt. Im RPI wird der Beitrag der Europäischen Region zu den für die globale Ebene festgelegten Outputs im PB 2022–2023 skizziert; dies ist der erste RPI und der erste Programmhaushalt zur Umsetzung des Europäischen Arbeitsprogramms im Zeitraum 2021–2025. Das Dokument gibt Aufschluss über die strategischen Stoßrichtungen, Prioritäten und erwarteten Ergebnisse der Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa. Der RPI stellt für WHO/Europa das wichtigste Instrument für eine programmbezogene und haushaltsmäßige Rechenschaftslegung im Haushaltszeitraum 2022–2023 dar. Er wird dem WHO-Regionalkomitee für Europa auf seiner 71. Tagung zur Prüfung vorgelegt. EUR/RC71/12 Seite 2 Inhalt Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens in jedem Land ................................................ 4 Strategische Ausrichtung für die Europäische Region im Haushaltszeitraum 2022–2023 im Kontext des Europäischen Arbeitsprogramms ...................................................................... 6 Zentrale Priorität 1: Allmähliche Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung ..................................................................................................... 7 Bündnis für psychische Gesundheit ........................................................................... 9 Europäische Impfagenda 2030 ................................................................................ 11 Krebsprävention und -bekämpfung ......................................................................... 12 Sicherung eines allgemeinen Zugangs zu hochwertigen Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten durch finanzielle Absicherung ............................................ 14 Migration und Gesundheit ....................................................................................... 16 Zentrale Priorität 2: Schutz vor gesundheitlichen Notlagen ........................................... 17 Prävention und Vorsorge ......................................................................................... 18 Entdeckung und Reaktion ........................................................................................ 19 Zentrale Priorität 3: Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden .............................. 21 Gesundheitsförderliches Verhalten: Berücksichtigung verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse .................................................................................... 23 Reduzierung des Alkoholkonsums .......................................................................... 24 Bekämpfung von Adipositas im Kindesalter ........................................................... 26 Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes ................................... 27 Neugestaltung der primären Gesundheitsversorgung: der Eckpfeiler für die Umsetzung unserer Prioritäten ........................................................................................ 29 Die begünstigenden Faktoren ................................................................................................... 32 Stärkung der Kapazitäten der Länder in Bezug auf Datenerhebung und Innovation und EPW-Messrahmen ................................................................................................... 32 Stärkung von Führungskompetenz, Politiksteuerung und Überzeugungsarbeit für Gesundheit ...................................................................................................................... 33 Verbesserung der Ausrichtung auf die Länder in der gesamten Europäischen Region ...................................................................................................................... 33 Unterstützung der Länder bei der Erschließung von Synergieeffekten im Gesundheitsbereich auf subregionaler Ebene .......................................................... 35 Unterstützung der Gesundheitspolitik in den Mitgliedstaaten durch die ELA ........ 36 Mobilisierung von Ressourcen, Stärkung von Bündnissen und Zusammenführung von Partnern ............................................................................. 38 Eintreten für die Gesundheit, um niemanden zurückzulassen ................................. 39 Stärkung der leitenden Organe von WHO/Europa .................................................. 40 Effizienter, wirksamer, ergebnisorientierter und transparenter Umgang mit finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen ............................................. 42 Erhöhung der Durchschlagskraft in den Ländern durch Straffung der Prozesse und digitale Umgestaltung ....................................................................................... 42 EUR/RC71/12 Seite 3 Ein gesundes, respektvolles und motivierendes Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter, in dem es keine Toleranz gegenüber Belästigung gibt ........................ 43 Gewährleistung finanzieller Nachhaltigkeit und Rechenschaftslegung .................. 45 Überblick über die Finanzlage der Europäischen Region ........................................................ 46 Überblick über Finanzen und Haushalt .......................................................................... 46 Finanzierung: Aussichten und Herausforderungen ......................................................... 49 Das weitere Vorgehen ..................................................................................................... 52 Anhang 1: Struktur des Programmhaushalts 2022–2023 ......................................................... 53 Anhang 2: Programmhaushalt 2022–2023 in der Europäischen Region der WHO nach strategischen Prioritäten, Resultaten und Outputs (in Mio. US-$) ........................................... 54 EUR/RC71/12 Seite 4 Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens in jedem Land 1. Die soziale, politische, ökonomische und gesundheitliche Landschaft in der Europäischen Region der WHO verändert sich. Das Europäische Arbeitsprogramm 2020–2025 – „Gemeinsam für mehr Gesundheit in Europa“ (EPW) ist die neue Zukunftsvision, die die Länder in dieser Zeit der Veränderungen unterstützen soll. „Gemeinsam“ bedeutet, dass Partnerschaft eine ethische Verpflichtung darstellt und für den Erfolg unverzichtbar ist und dass die Länder ihren Wunsch hervorgehoben haben, dass die WHO vom „Was“ zum „Wie“ übergeht und den Wissensaustausch vorantreibt, um die bestehenden Probleme zu lösen. Die Solidarität innerhalb der Europäischen Region ist ein wertvolles Gut, das es zu nähren und zu erhalten gilt. Durch das EPW unterstützt das WHO-Regionalbüro für Europa (WHO/Europa) die Länder dabei, ihren Bürgern zu dienen. 2. Der Programmhaushalt 2022–2023 (PB 2022–2023) betrifft den ersten Zweijahreszeitraum, der vollständig innerhalb des Geltungszeitraums des EPW liegt. Das EPW prägt die Arbeitspläne, und der operative und strategische Planungszyklus und damit verbundene Aktivitäten sind mit seiner Zukunftsvision und seinen (von den 53 Ländern der Europäischen Region festgelegten) Zielen abgestimmt und werden auf der Länderebene umgesetzt. 3. Zur Unterstützung der Länder strebt WHO/Europa durch den PB 2022–2023, die Verwirklichung einer neuen Zukunftsvision für Gesundheit an, indem es eine gesamteuropäische Gesundheitskultur schafft, in der Zielsetzungen in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden die Entscheidungen staatlicher und privater Akteure auf allen gesellschaftlichen Ebenen prägen und die politischen, sozialen und räumlichen Umfelder jeden Einzelnen zu gesundheitsförderlichem Verhalten befähigen. WHO/Europa strebt an, allen Mitgliedstaaten in der Europäischen Region Impulse zu geben und sie bei der Verbesserung der Gesundheit ihrer Bevölkerung im gesamten Lebensverlauf zu unterstützen, namentlich durch Ansetzen an den sozialen und umweltbedingten Determinanten von Gesundheit. Dies geschieht durch: Erstellung eines Fahrplans für eine gesündere Zukunft in der Europäischen Region; Gewährleistung von Gesundheitssicherheit vor dem Hintergrund von Notlagen und anderen Bedrohungen für die Gesundheit; Befähigung der Menschen zu selbstbestimmtem Handeln und Förderung von Erkenntnissen in Bezug auf Gesundheitsverhalten; Unterstützung der grundlegenden Umgestaltung der Gesundheitssysteme zwecks Verbesserung des Zugangs zu hochwertigen Leistungen und Produkten; und gezielte Nutzung strategischer Partnerschaften für mehr Gesundheit. 4. In dem vorliegenden Dokument, dem Umsetzungsplan für die Europäische Region (RPI), werden die vorrangigen länderspezifischen und regionsweit zu erbringenden Leistungen im kommenden Zweijahreszeitraum konkretisiert; dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die großen Flaggschiff-Initiativen des EPW gelegt, die als Vehikel für die Verwirklichung der festgelegten Ziele dienen. Dazu gehören: die Schaffung eines Bündnisses für psychische Gesundheit und einer Bewegung zur Krebsbekämpfung; die gezielte Nutzung des Potenzials von digitalen Technologien und Gesundheitsdaten zur Unterstützung der Arbeit des Gesundheitspersonals und zur Neuausrichtung der primären Gesundheitsversorgung; die Gewinnung und Förderung verhaltensbezogener Erkenntnisse zur Optimierung gesundheitlicher Resultate; die Gewährleistung eines ausgewogenen Zugangs zu Impfungen durch eine von Grund auf neue Impfagenda; und die Bildung neuer Bündnisse zur Verbesserung des Zugangs zu bezahlbaren Arzneimitteln. Um die Fortschritte bei der Verwirklichung der dreifachen Milliarden-Zielmarke des Dreizehnten Allgemeinen Arbeitsprogramms 2019–2023 (GPW 13) und der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) zu beschleunigen, wird WHO/Europa mutige EUR/RC71/12 Seite 5 innovative Maßnahmen ergreifen, die auf eine Förderung von Führungskompetenz durch die Europäische Akademie für transformative Führungskompetenz (ELA), eine Erhöhung der Investitionen in die Gesundheit, eine Verbesserung von Qualität und Zugänglichkeit der Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge und Migranten sowie die Bekämpfung hartnäckiger Herausforderungen wie Adipositas im Kindesalter und Alkoholkonsum in der Europäischen Region der WHO abzielen, aber auch zur Bewältigung der durch antimikrobielle Resistenzen und Umweltgefahren wie Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und Umweltbelastungen bedingten Probleme dienen, die eine wachsende Belastung für die Gesundheitssysteme darstellen. 5. Im kommenden Haushaltszeitraum wird WHO/Europa die zweckdienlichen und auf den Kontext der Europäischen Region zugeschnittenen Empfehlungen der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung umsetzen und die verantwortlichen Entscheidungsträger beim Überdenken der Gesundheitspolitik und der Sozialsysteme in der Europäischen Region im Lichte der Pandemie unterstützen. Eine weitere besondere Initiative des WHO-Regionaldirektors für Europa, das Jugendforum (YPYP), das dazu dient, künftige Generationen einzubeziehen und ihre Ziele zu formulieren und so den Bürgern die Arbeit der WHO näherzubringen und ihre Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden und den Partnern im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu erleichtern, soll ebenfalls im kommenden Haushaltszeitraum in größerem Maßstab umgesetzt werden. 6. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa einen Messrahmen für das EPW einführen, der an den Rahmen für das GPW 13 und die SDG ausgerichtet ist, sich an den drei zentralen Prioritäten und vier Flaggschiff-Initiativen des EPW orientiert und auch die Folgen der COVID-19-Pandemie für die Gesundheitssysteme insgesamt berücksichtigt. Der Messrahmen wird auch geeignete Metriken beinhalten, die der Erfolgskontrolle in Bezug auf die Maxime, niemanden zurückzulassen, dienen. 7. Die befähigenden Funktionen von WHO/Europa werden so gestaltet, dass sie eine agile Umsetzung angemessen unterstützen, schnellere Ergebnisse bringen und die Kontinuität der gesundheitlichen Grundversorgung und der Investitionen in die Zukunft wahren. Auf der Grundlage der Veränderungsziele des EPW für den Zeitraum 2020–2021 werden im nächsten Haushaltszeitraum folgende Schwerpunkte im Mittelpunkt stehen: Verbesserung der Ausrichtung auf die Länder in der gesamten Europäischen Region; Fertigstellung der Bestandsaufnahme der Präsenz und Tätigkeit von WHO/Europa in den Ländern; Erhöhung der Durchschlagskraft in den Ländern durch weitere Straffung der Prozesse und digitale Umgestaltung; Mobilisierung von Ressourcen, Stärkung von Bündnissen und Zusammenführung von Partnern mit dem vorrangigen Ziel einer intensiveren Unterstützung für die Länderbüros der WHO; Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit, um Überzeugungsarbeit im Gesundheitsbereich zu leisten, Vertrauen aufzubauen, Fehlinformation und Desinformation zu bekämpfen und für die Arbeit der Gesundheitsbehörden zu werben; und Gewährleistung der finanziellen Nachhaltigkeit und Rechenschaftslegung von WHO/Europa. 8. Die Schaffung eines gesunden, respektvollen und motivierenden Arbeitsumfelds für alle Mitarbeiter in der gesamten Europäischen Region, in dem es keine Toleranz gegenüber Belästigung gibt, wird auch weiterhin eine zentrale Priorität für den Regionaldirektor und sein Führungsteam sein; dabei werden die Schwerpunkte auf emotionaler Intelligenz, psychologischer Sicherheit, einer offenen, wechselseitigen Kommunikation sowie einer ergebnisorientierten Personalentwicklung und -fortbildung liegen. EUR/RC71/12 Seite 6 9. Im aktuellen RPI werden die Lehren der WHO aus ihren Erfahrungen mit gesundheitlichen Notlagen in jüngster Zeit sowie aus der Umsetzung des PB 2020–2021 berücksichtigt, einschließlich der bereits zur Bewältigung der durch die COVID-19-Pandemie bedingten Krise vorgenommenen Veränderungen. Als Antwort auf die verschiedenen Untersuchungen, namentlich die der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung und der Unabhängigen Kommission für Pandemievorsorge und -bekämpfung (IPPPR), soll der 75. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2022 ein überarbeiteter Programmhaushalt 2022–2023 vorgelegt werden. Die von den Mitgliedstaaten nach den Analysen und Beratungen während und nach der Weltgesundheitsversammlung vorgegebene Ausrichtung wird deutliche Auswirkungen auf den RPI haben. Eine Notiz zu diesen Änderungen wird dem WHO-Regionalkomitee für Europa auf seiner 72. Tagung im September 2022 vorgelegt. 10. Das vorliegende Dokument enthält auch detaillierte Informationen, die für den Kontext der Europäischen Region relevant sind, und zielt darauf ab, auf Ebene der Europäischen Region die kollektiven Beratungen der Mitgliedstaaten über ihre Prioritäten weiter zu stärken. Diese Prioritäten prägen die Arbeit auf allen Ebenen der WHO, und ihre vorhandenen Kapazitäten, Fähigkeiten und Ressourcen werden so aufeinander abgestimmt, dass in den Ländern im öffentlichen Gesundheitswesen eine konkrete Wirkung erzielt wird. Diese Prioritäten haben das EPW geprägt und fließen nun in die Entwicklung von Unterstützungsplänen für die Länder und in den operativen Arbeitsplan von WHO/Europa für den Zeitraum 2022–2023 ein. Durch diese verstärkte Schwerpunktlegung auf Durchschlagskraft in den Ländern erreicht das EPW konkret eine strategische Verlagerung bei der Umsetzung. Strategische Ausrichtung für die Europäische Region im Haushaltszeitraum 2022–2023 im Kontext des Europäischen Arbeitsprogramms 11. Im EPW werden Prioritäten für die kommenden vier Jahre festgelegt. Als Ausgangspunkt dient dabei die Frage, was die Bürger in der Europäischen Region zurecht von ihren Gesundheitsbehörden erwarten. Die Menschen wollen, dass die Behörden ihnen das Recht auf einen allgemeinen Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung garantieren, ohne dabei finanzielle Härten befürchten zu müssen; sie erwarten von ihnen einen wirksamen Schutz vor gesundheitlichen Notlagen; und sie wollen sich in gesunden Gemeinschaften entfalten können, in denen Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und angemessene staatliche Handlungskonzepte ein besseres Leben in einer Ökonomie des Wohlergehens ermöglichen. Die Menschen ziehen ihre Gesundheitsbehörden zunehmend – und zurecht – in Bezug auf die Erfüllung dieser Erwartungen zur Verantwortung. 12. Im kommenden Zweijahreszeitraum wird WHO/Europa den Gesundheitsbehörden in den Mitgliedstaaten dabei behilflich sein, sich dieser Herausforderung zu stellen, und zwar in jedem einzelnen Land wie auch kollektiv in der gesamten Europäischen Region. 13. In dem vorliegenden Dokument, dem RPI für den PB 2022–2023, werden die zentralen Prioritäten von WHO/Europa für den ersten Haushaltszeitraum des EPW präsentiert. Diese Prioritäten und Initiativen orientieren sich eng an den Prioritäten der Länder und an den Zielen des EPW. Das Dokument ist insofern nicht erschöpfend, als darin nicht alle Beiträge von WHO/Europa zur Erfüllung der dreifachen Milliarden-Zielmarke und nicht alle Beiträge der Gesundheitspolitik in der Europäischen Region zur Verwirklichung der SDG genannt werden. EUR/RC71/12 Seite 7 14. Der RPI ist nach denselben zentralen Prioritäten organisiert wie das EPW und umfasst darüber hinaus noch eine übergeordnete Priorität sowie die befähigenden Funktionen von WHO/Europa: 15. Drei zentrale Prioritäten: • allmähliche Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung; • Schutz vor gesundheitlichen Notlagen; und • Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. 16. Der Eckpfeiler: • Neugestaltung der primären Gesundheitsversorgung 17. Drei begünstigende Faktoren zur Maximierung der Durchschlagskraft in den Ländern: • Stärkung der Kapazitäten der Länder in Bezug auf Datenerhebung und Innovation; • Stärkung der Gesundheitspolitik; und • ein zwecktaugliches, agiles und finanziell nachhaltiges WHO/Europa. Zentrale Priorität 1: Allmähliche Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung 18. Die Menschen erwarten, dass ihre Regierungen ihnen das Recht auf Zugang zur Gesundheitsversorgung garantieren. COVID-19 hat die Gefahren und Tücken gesundheitlicher Ungleichheiten offengelegt und das seit Jahren beste Argument dafür geliefert, die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung als vorrangiges Ziel anzustreben. Obwohl Gesundheit ein grundlegendes Menschenrecht ist, haben jahrzehntelange Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung innerhalb der Europäischen Region zu dramatischen Unterschieden bei gesundheitlichen Resultaten geführt. Die Pandemie hat die besorgniserregende Realität gesundheitlicher Ungleichheiten schonungslos offenbart, aber auch den Handlungsappell in Bezug auf das Gebot, niemanden zurückzulassen, lauter werden lassen. 19. Die allgemeine Gesundheitsversorgung, d. h. die Gewährleistung, dass jeder die benötigten Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen kann, ohne in finanzielle Not zu geraten, gehört weiter zu den obersten Prioritäten für WHO/Europa. Das von der WHO definierte Konzept einer allgemeinen Gesundheitsversorgung umfasst das gesamte Leistungsspektrum von der Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention über Behandlung bis hin zu Rehabilitation und Palliativversorgung, und zwar im gesamten Lebensverlauf. WHO/Europa wird die Bemühungen der Mitgliedstaaten zur Schaffung robuster, widerstandsfähiger und evidenzgeleiteter Gesundheitssysteme im Mittelpunkt des Wiederaufbaus nach der COVID-19-Krise unterstützen. Es wird auch darauf hinarbeiten, durch Ausweitung von Tätigkeit und Aktionsradius der ELA die Gesundheitspolitik auf allen Ebenen zu stärken. 20. In der Praxis bedeutet dies, dass WHO/Europa die Mitgliedstaaten bei der Einführung umverteilender gesundheits-, sozial-, wirtschafts- und umweltpolitischer Konzepte unterstützen wird, die rassen- und geschlechtersensibel wirken. Es erfordert die Herstellung eines Zugangs zu maßgeschneiderten Gesundheitsangeboten, insbesondere für Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und Behinderungen, für Flüchtlinge, Migranten und Obdachlose, für EUR/RC71/12 Seite 8 Menschen, die Langzeitpflege benötigen oder auf Sozialleistungen angewiesen sind, sowie für Insassen von Haftanstalten und anderen Einrichtungen des Strafvollzugs. Es bedeutet, dass die durch COVID-19 entstandene enorme Belastung für die psychische Gesundheit und das seelische Wohlbefinden erkannt und die primäre Gesundheitsversorgung von Grund auf umgestaltet und gestärkt werden muss, damit sie eine solide Grundlage für einen erfolgreichen Wiederaufbau nach der Pandemie und darüber hinaus bilden kann. Es bedeutet, dass die personellen Kapazitäten im Gesundheitswesen gestärkt werden müssen, um dessen Handlungsfähigkeit zu verbessern. Letztendlich wird eine allgemeine Gesundheitsversorgung nicht nur eine Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung in der gesamten Europäischen Region bewirken, sondern auch dafür sorgen, dass die Länder und Regionen besser für künftige Pandemien und andere gesundheitliche Notlagen gerüstet sind. 21. Unter der Regie der Fachprogramme werden als Reaktion auf die von der COVID-19- Pandemie geschaffenen neuen Realitäten und die von einzelnen oder mehreren Ländern geäußerten Prioritäten eine Reihe neuer und bereits bestehender Initiativen ein- bzw. fortgeführt. Dazu gehört auch die Verbesserung des Arbeitskräfteangebots im Gesundheitswesen. WHO/Europa wird die Länder bei einem breiten Spektrum personalpolitischer Themen (Planung, Verwaltung, Daten für bessere Entscheidungsprozesse, Bildung und Personalbindung in ländlichen Gebieten) unterstützen und einen Flaggschiff-Bericht über das Arbeitskräfteangebot in der Europäischen Region erstellen, der die Personalsituation im Gesundheitswesen der Länder der Europäischen Region beschreiben und Überlegungen zu möglichen Fortschritten in einigen Schlüsselbereichen der Personalpolitik anstellen wird. 22. Zu den Schwerpunktbereichen der Arbeiten, die die Flaggschiff-Initiativen des EPW umfassen und auf den während der COVID-19-Pandemie bestimmten vorrangigen Handlungsfeldern aufbauen, gehören: Rehabilitation und Palliativversorgung; Unterstützung bei der Erneuerung nationaler Gesundheitsstrategien; erneute Schwerpunktlegung auf Surveillance und Bewältigung übertragbarer, nichtübertragbarer und impfpräventabler Krankheiten; Entwicklung innovativer Lösungsansätze zur Weiterentwicklung und qualitativen Verbesserung der Gesundheitsversorgung im Zeitalter digitaler Gesundheitssysteme; Überlegungen zur Gestaltung des Krankenhauses der Zukunft; und Sicherung einer nachhaltigen und ausgewogenen Gesundheitsfinanzierung unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der einzelnen Länder. 23. Darüber hinaus werden nachstehend vorher bestimmte größere Arbeitsfelder beschrieben, in denen durch gemeinsame Arbeit über Referats- und Abteilungsgrenzen hinweg die Wirkung maximiert wird: • Bündnis für psychische Gesundheit; • Europäische Impfagenda 2030 (EIA 2030); • Krebsprävention und -bekämpfung; • allgemeiner Zugang zu hochwertigen Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten durch Stärkung der finanziellen Absicherung; und • Migration und Gesundheit. 24. Außerdem wird WHO/Europa die Mitgliedstaaten bei der Stärkung der Gesundheitssysteme und ihrer Widerstandsfähigkeit unterstützen und dabei auch die von der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung genannten vorrangigen Handlungsfelder gebührend berücksichtigen. Zu diesen zählen: EUR/RC71/12 Seite 9 • Stärkung der Infrastruktur der Gesundheitssysteme; • Aufbau nationaler Kapazitäten für Prioritätensetzungsverfahren und Initiativen wie Gesundheitsinformationsmanagementsysteme, Gesundheitstechnologiebewertung, evidenzbasierte Medizin und Leistungsbewertung in den Gesundheitssystemen; • Entwicklung umfassender Strategien zum Aufbau und Schutz des Gesundheitspersonals und zur Investition in das Arbeitskräfteangebot; • Stärkung der Verwaltung und Finanzierung von Gesundheitssystemen, um Finanzierungslücken in der primären Gesundheitsversorgung, im Sozialwesen, im Psychiatriewesen und in den öffentlichen Gesundheitsdiensten zu schließen; • Einführung von Gesundheitskonzepten und -leistungen, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheitsversorgung; und • Stärkung der Verflechtung von Gesundheits- und Sozialleistungen im Sinne einer patientenorientierten Versorgung. 25. Diese Elemente umfassen viele Bereiche der programmbezogenen Arbeit, und die Empfehlungen der Kommission verdienen eine konkrete Berücksichtigung im PB 2022–2023. Bündnis für psychische Gesundheit 26. Die psychische Gesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil des individuellen und kollektiven Wohlbefindens. Bei unserem Streben nach einem Paradigmenwechsel, der über die Behandlung psychischer Erkrankungen hinaus auch eine Verbesserung des seelischen Wohlbefindens einschließt, müssen wir uns eingestehen, dass psychische Gesundheitsprobleme weit verbreitet sind und in der Europäischen Region eine der häufigsten Ursachen von Leiden und Behinderung darstellen. 27. Gesetze, Handlungskonzepte und Leistungsangebote im Bereich der psychischen Gesundheit sind in der Europäischen Region sehr uneinheitlich. Die chronische Unterfinanzierung und - besetzung der psychischen Gesundheitsdienste lässt neben der Stigmatisierung und Diskriminierung auch beträchtliche Behandlungslücken entstehen. Wie vom Fachlichen Beirat der WHO zu den Auswirkungen von COVID-19 auf die psychische Gesundheit hinreichend dokumentiert, haben die bestehenden Defizite in der psychischen Gesundheitsversorgung während der Pandemie zu einem Systemversagen bei der Reaktion auf den erhöhten Bedarf an und die höhere Nachfrage nach entsprechenden Leistungsangeboten geführt. 28. Die Risiken und Folgen psychischer Gesundheitsprobleme sind nicht gleich verteilt. Schon vor der Pandemie trugen in allen Ländern der Europäischen Region die einkommensschwächsten Gruppen ein doppelt so hohes Risiko in Bezug auf psychische Gesundheitsprobleme wie die einkommensstärksten Gruppen. Die Pandemie hat auch neue Anfälligkeiten entstehen lassen und die Welt an die bestehenden erinnert. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene waren einer Dynamik ausgesetzt, die sie elementarer Chancen in Bereichen wie sozioemotionales Lernen, Bildung und Unterstützung durch das nachbarschaftliche Umfeld beraubten. Die Pandemie hat aber auch die psychischen Anfälligkeiten älterer Menschen erhöht, indem sie sich negativ auf die Bemühungen um Altern in Gesundheit ausgewirkt und die ohnehin schon knappen Ressourcen für die Bewältigung psychischer Erkrankungen bei älteren Menschen, wie Demenzerkrankungen und Depressionen, noch weiter reduziert hat. EUR/RC71/12 Seite 10 WIE sieht der Erfolg aus? 29. Das Bündnis für psychische Gesundheit war schon vor Beginn der Pandemie eine Flaggschiff-Initiative des EPW. Die Ereignisse der Jahre 2020 und 2021 haben alle Akteure im Bereich der öffentlichen Gesundheit daran erinnert, dass wir es uns nicht leisten können, energische Maßnahmen zur Befähigung und Ausdehnung unzureichend finanzierter, personell ausgestatteter und oft sogar ungünstig konzipierter psychischer Gesundheitsdienste zu verschieben, wenn wir eine zugängliche, bezahlbare und hochwertige psychische Gesundheitsversorgung anstreben, bei der niemand zurückgelassen wird. • In den Jahren 2022 und 2023 wird das Bündnis für psychische Gesundheit in Bezug auf Leistungs-, Versorgungs- und Fördernetzwerke, die auf eine Verbesserung der psychischen Gesundheit für alle in der Europäischen Region hinarbeiten, einen messbaren Unterschied bewirken. Es ist der Motor, der alle Beteiligten in regionalen und lokalen Initiativen zusammenführen wird, um die Einstellungen in Bezug auf psychische Gesundheit von Grund auf zu verändern, Reformen im Bereich der psychischen Gesundheitsversorgung zu forcieren und die Fortschritte hin zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung für Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen zu beschleunigen. WIE wird dies erreicht? 30. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • ein europäisches Bündnis für psychische Gesundheit mit Beteiligten aus allen Teilen der Europäischen Region als Mitgliedern, darunter Vertreter von staatlichen und nichtstaatlichen Partnerorganisationen, Berufsverbänden und Leistungsempfängern, Arbeitgebern und Entwicklungsorganisationen; • nationale Bündnisse für psychische Gesundheit in mindestens zehn Mitgliedstaaten; • Durchführung von Kompetenzbildung für Führungskräfte im Bereich der psychischen Gesundheit in mindestens zehn Mitgliedstaaten; • ein Labor für Daten über psychische Gesundheit, einschließlich der Entwicklung von Indikatoren mittels des EPW-Messrahmens und der Schaffung eines besonderen Themenschwerpunkts auf der psychischen Gesundheit im Europäischen Gesundheitsinformations-Portal der WHO; • Innovationen bei der Art der Leistungserbringung, einschließlich partizipatorischer und digitaler Lösungen, die personalisierte, geschlechtersensible Pfade für schutzbedürftige junge Menschen anbieten, die eine Verbesserung der psychischen Gesundheit und der sozialen Inklusion im gesamten Lebensverlauf bewirken sollen; und • Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Entwicklung bereichsübergreifender Pläne für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zur Verhinderung von Selbstschädigung und Suizid und zur Verbesserung der psychischen Gesundheitskompetenz. EUR/RC71/12 Seite 11 Europäische Impfagenda 2030 31. Es wird weithin anerkannt, dass Impfungen in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Senkung der Kindersterblichkeit in der Europäischen Region bewirkt haben und eine der vielversprechendsten Optionen nicht nur aus gesundheitlicher Sicht, sondern auch im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung darstellen. Allerdings deuten Masern- und Polioausbrüche in der Europäischen Region im vergangenen Zweijahreszeitraum (2020–2021) darauf hin, dass hier die Arbeit noch lange nicht erledigt ist. So verzeichnete die Europäische Region von 2019 auf 2020 einen Rückgang der Impfraten bei Routineimpfungen um einen Prozentpunkt von 95% auf 94%. Der relativ geringe Rückgang bei der Durchimpfung mit DTP3 (Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten) in der Europäischen Region zeugt von den intensiven Bemühungen der Gesundheitsbehörden um Aufrechterhaltung bzw. Nachholung von Impfungen für Kinder trotz programmbezogener Beschränkungen infolge der Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie. 32. Anhaltende Impflücken in der örtlichen Bevölkerung und Leistungsdefizite in den Impfsystemen verdeutlichen die Notwendigkeit, die Grundursachen dieser Defizite besser zu verstehen und lokale Lösungen für derartige Ungleichgewichte zu finden. Darüber hinaus haben die Lehren aus den Impfmaßnahmen gegen COVID-19 die Bedeutung eines resilienten Impfsystems für die Aufrechterhaltung von Impfmaßnahmen während gesundheitlicher Notlagen und für die Verhinderung des Ausbruchs impfpräventabler Krankheiten unter Beweis gestellt. WIE sieht der Erfolg aus? 33. Die EIA 2030 ist ein von den Ländern gesteuerter Handlungsrahmen, der der Stärkung der Impfsysteme dient und gewährleisten soll, dass alle im gesamten Lebensverlauf uneingeschränkt von Impfungen profitieren. Die EIA 2030 folgt der Maxime „niemanden zurücklassen“ und hat sich die Verringerung der Mortalität und Morbidität aufgrund impfpräventabler Krankheiten in der Europäischen Region und eine weitere Stärkung des Beitrags von Impfungen zu einer nachhaltigen Entwicklung zum Ziel gesetzt. Um die Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts, einschließlich der Auswirkungen von COVID-19 auf Impfsysteme und Impfraten, zu bewältigen, müssen folgende Anforderungen erfüllt sein: • Operationalisierung der neuen Impfstrategie für die Europäische Region; • Gewährleistung, dass die nationalen Pläne auf der primären Gesundheitsversorgung als Basis beruhen und auf Chancengleichheit, Personenzentriertheit, Eigenverantwortung der Länder, Stützung auf Daten sowie partnerschaftliche Zusammenarbeit setzen; • Ausweitung der Kapazitäten der Länder zum Abbau von Ungleichgewichten zwischen sowie innerhalb von Ländern in Bezug auf die Durchimpfung, und zwar mittels innovativer Programmplanung und entsprechender Interventionen auf lokaler Ebene durch datengesteuerte Entscheidungsprozesse; und • Demonstration des politischen Willens auf regionsweiter, subregionaler und nationaler Ebene – und Zuweisung von Ressourcen zur Erfüllung der Ziele der EIA 2030. 34. Eine erfolgreiche Durchführung der EIA 2030 im kommenden Haushaltszeitraum wird zur Verwirklichung der globalen Impfagenda 2030 und zur Verstärkung der Wirkung der primären Gesundheitsversorgung und der allgemeinen Gesundheitsversorgung in der Europäischen Region beitragen. Die im Überwachungs- und Evaluationsrahmen der EIA 2030 EUR/RC71/12 Seite 12 enthaltenen Etappenziele werden eine Grundlage für die regelmäßige Bewertung der Erfolge und Herausforderungen bilden. WIE wird dies erreicht? 35. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • einen Rahmen für die Operationalisierung der EIA 2030, einschließlich Indikatoren zur Überwachung, Evaluation und Rechenschaftslegung; • einen hochrangigen Impfrat mit Beteiligung der maßgeblichen Akteure als Rahmen für die Überzeugungsarbeit für die EIA 2030, der das Engagement der Politik für Impfmaßnahmen auf allen Ebenen stärken und aufrechterhalten soll; • eine Plattform für die Überwachung und Evaluation der EIA 2030, die die Mitgliedstaaten durch Förderung von Eigenverantwortung für den Umgang mit Daten für die Formulierung von Handlungskonzepten unterstützen soll; • ein Partnerschafts-Forum der Europäischen Region für die EIA 2030 mit traditionellen und nicht-traditionellen Partnern sowie Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen; und • eine Bestandsaufnahme der verfügbaren Instrumente zur Krankheitsüberwachung für Masern, Röteln und Poliomyelitis sowie der Rahmen für Durchimpfungsdaten zwecks Unterstützung der nationalen Impfprogramme und Gesundheitsbehörden mit gezielten Interventionen zur Verbesserung der Impfbilanz. Krebsprävention und -bekämpfung 36. Täglich werden in der Europäischen Region 13 100 Menschen mit Krebs diagnostiziert, und 6000 sterben an einer Krebserkrankung. 2020 wurden in der Europäischen Region 4,8 Mio. Menschen mit Krebs diagnostiziert, und 2,1 Mio. starben an Krebs. Die sowohl zwischen als auch innerhalb von Ländern beobachteten tiefgreifenden Ungleichheiten bei den Verläufen von Krebserkrankungen beinhalten einen Aufruf zu mehr Solidarität und einem starken Bekenntnis zur Notwendigkeit, die Menschen wieder in den Mittelpunkt zu rücken und niemanden zurückzulassen. 37. Zwischen 30% und 50% der derzeitigen Krebserkrankungen lassen sich durch Meidung von Risikofaktoren und Durchführung vorhandener evidenzbasierter Präventionsstrategien verhindern. Gesundheitsförderliche Entscheidungen werden oft als rein individuelle Verantwortung angesehen, doch Konzepte zur Förderung solcher Entscheidungen werden weiter nur unzureichend umgesetzt, und politische Entscheidungen werden nur allzu oft von wirtschaftlichen Argumenten und kommerziellen Interessen anstatt von Evidenz bestimmt. Ein Großteil der nationalen Mittel fließt in die Krebsbehandlung, während Prävention, Früherkennung und Palliativversorgung weiter zu kurz kommen. Darüber hinaus ist in vielen Ländern die Inanspruchnahme von Impfungen gegen das Humane Papillomavirus und Hepatitis B zu niedrig, und in den meisten Ländern sind Zugänglichkeit, Bezahlbarkeit und Qualität von Diagnose- und Behandlungsangeboten nicht zufriedenstellend. Viele Patienten werden aufgrund langsamer Diagnoseverfahren bei symptomatischen Krebserkrankungen bzw. minderwertiger Vorsorgeuntersuchungen bei asymptomatischen Krebserkrankungen erst spät diagnostiziert. 38. Im Rahmen des EPW hat WHO/Europa „Gemeinsam gegen Krebs“ als eine gesamteuropäische Bewegung ins Leben rufen, um in der Europäischen Region mit vereinten EUR/RC71/12 Seite 13 Kräften für die Zukunftsvision zu kämpfen, Krebs als eine lebensbedrohliche Krankheit zu eliminieren. In den Jahren 2022 und 2023 wird „Gemeinsam gegen Krebs“ Kooperationen ausweiten und Partner von allen Ebenen zusammenführen, die politische Führungskompetenz in den Ländern stärken und junge Menschen wie auch die Zivilgesellschaft insgesamt gezielt einbinden, um die Bürgerbeteiligung anzuregen und die Umsetzung von Schlüssellösungen zu beschleunigen.1 39. Die länderübergreifende Arbeit wird auf den Erfolgen im Haushaltszeitraum 2020–2021 aufbauen, insbesondere in den Bereichen, Krebsprävention, Vorsorgeuntersuchungen, Frühdiagnose, nationale Krebsbekämpfungsplanung und Rationalisierung der Krebspolitik. WHO/Europa wird die Mitgliedstaaten dabei unterstützen: • ihre Führungs- und Steuerungsmechanismen zu verbessern; • die Menschen in den Mittelpunkt der Versorgung zu stellen; und • allen Menschen Zugang zu Arzneimitteln, Impfstoffen und Gesundheitsprodukten zu verschaffen. WIE sieht der Erfolg aus? 40. Stabilisierung der Krebsinzidenz und Krebssterblichkeit durch erhöhte Wirkung von Verbesserungen bei Früherkennung, Diagnostik und Behandlung. Das bedeutet: • bei Gebärmutterhalskrebs: ein erhöhter Anteil der Frauen in bestimmten Zielländern, die bis zur Vollendung des 15. Lebensjahrs eine Impfung gegen Humane Papillomaviren, zwischen 35 und 45 Jahren Vorsorgeuntersuchungen und bei Präkanzerosen oder invasiven Krebsarten eine Behandlung erhalten; • bei Krebserkrankungen im Kindesalter: höhere Überlebensraten für sechs Krebsarten auf dem Krebsindex in bestimmten Ländern (Ausgangswert wird derzeit ermittelt); und • bei Brustkrebs: Diagnose in einem früheren Stadium und höhere Überlebensrate in bestimmten Ländern (Ausgangswert wird derzeit entwickelt). WIE wird dies erreicht? 41. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • hochrangige Veranstaltungen im Rahmen der Initiative „Gemeinsam gegen Krebs“ am 3. Februar 2022 und 3. Februar 2023 (4. Februar ist Weltkrebstag), und entsprechende Öffentlichkeits- und Überzeugungsarbeit (unter Beteiligung des Botschafters von WHO/Europa für die Krebsbekämpfung); • Vorlage eines Fahrplans für die Europäische Region zur Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs zur Annahme durch die 72. Tagung des Regionalkomitees 1 Die Schlüssellösungen von WHO/Europa sind kosteneffektive, evidenzbasierte Konzepte und Maßnahmen, die von fachlichen Leitlinien und Instrumenten für die Umsetzung begleitet werden. Sie sollen mit Hilfe von Sachverstand und Ressourcen der WHO spürbare Veränderungen auf der Ebene der Länder herbeiführen. Die Initiative „Gemeinsam gegen Krebs“ rückt solche Lösungen ins Blickfeld von Politikern und soll diesen dabei behilflich sein, die richtigen Entscheidungen für eine wirksame Bekämpfung von Krebs zu treffen. EUR/RC71/12 Seite 14 und Umsetzung dieses Fahrplans durch einen akteursübergreifenden Ausschuss für die Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs; • eine Sonderausgabe des Fachjournals EuroHealth über kommerzielle Determinanten der Krebspolitik; • einen hochrangigen Bericht über Ungleichheiten in Bezug auf Krebs im Kindesalter; • ein Informationspaket über die Alkohol- und Krebspolitik in den Ländern (Faktenblatt, Infografik, Länderprofile); und • einen Leitfaden und ein Kurzdossier über Krebsvorsorgeuntersuchungen. Sicherung eines allgemeinen Zugangs zu hochwertigen Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten durch finanzielle Absicherung 42. Die Ergebnisse einer vom Büro Barcelona zur Finanzierung der Gesundheitssysteme durchgeführten Studie über finanzielle Absicherung zeigen, dass die Länder der Europäischen Region ohne Verbesserungen bei Kostendeckung und Qualität ambulant verschriebener Arzneimittel keine Fortschritte hin zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung erzielen können; dies gilt insbesondere für in Armut lebende Haushalte und Personen mit chronischen Erkrankungen. 43. In vielen Teilen der Europäischen Region, und sogar in den wohlhabendsten Ländern Europas, sind Zahlungen aus eigener Tasche für ambulant verschriebene Arzneimittel in erheblichem Maße für finanzielle Härten verantwortlich, insbesondere bei einkommensschwachen Haushalten. Dies hat vor allem folgende Gründe: Lücken bei der Kostenerstattung und unzureichende staatliche Gesundheitsausgaben; unzureichende Regulierung, Beschaffungs- und Preisgestaltungspraxis bei ambulant verschriebenen Arzneimitteln; das Fehlen abgestimmter Anreize für eine angemessene Verschreibungs- und Abgabepraxis; und mangelhafte Qualität der primären Gesundheitsversorgung. 44. Ohne Veränderungen rücken Fortschritte hin zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung in der Europäischen Region in weite Ferne. WHO/Europa befindet sich in einer idealen Position, um den Mitgliedstaaten durch klare Kommunikation und aufsuchende Arbeit Anleitung und Rat zu erteilen. Es hat auf diesem Gebiet bereits ein Projekt – die Oslo- Initiative für Arzneimittel – begonnen, das sich mit der Verbesserung des Zugangs zu wirksamen neuartigen hochpreisigen Medikamenten befasst. 45. Diese Initiative zielt darauf ab, eine neue Art der Beziehung mit den Arzneimittelherstellern aufzubauen, um Konzepte und Handlungsfelder zu erarbeiten, die mit Blick auf die Zugänglichkeit solcher Produkte der Industrie, den Mitgliedstaaten und den Patienten gleichermaßen zugute kommen. Dazu hat WHO/Europa Dialoge und Anhörungen mit verschiedenen Interessengruppen veranstaltet, in denen gemeinsame Lösungen angestrebt werden und die pharmazeutische Industrie als Partnerin auf diesem Weg gesehen wird. Die Oslo-Initiative für Arzneimittel wird im Juni 2022 eine hochrangige Tagung abhalten; anschließend ist auf Dauer ein Forum für Dialog und Zusammenarbeit vorgesehen. Angesichts der hohen Belastung für viele Haushalte durch Arzneimittelkosten wird die Initiative durch die Arbeiten im Bereich der finanziellen Absicherung ergänzt; dabei wird ein Schwerpunkt auf den Zugang zu wirksamen Arzneimitteln in der primären Gesundheitsversorgung und in ambulanten Einrichtungen gelegt, wo in vielen Ländern der Europäischen Region noch hohe EUR/RC71/12 Seite 15 Zahlungen aus eigener Tasche üblich sind. Die Verbindung zwischen den beiden Initiativen liegt auf der Hand: die Gefahr besteht darin, dass die Sicherstellung des Zugangs zu neuartigen hochpreisigen Arzneimitteln leicht staatliche Mittel weg von kosteneffektiven massenproduzierten und daher niedrigpreisigeren Arzneimitteln lenken kann, was wiederum höhere Zuzahlungen für die Patienten und finanzielle Härten für Personen, die regelmäßig mehrere Medikamente benötigen, zur Folge haben kann. WIE sieht der Erfolg aus? 46. Dies erfordert: • einen verbesserten, bedarfsgerechten Zugang zu hochwertigen Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten, ohne dass die Betroffenen in finanzielle Not geraten; • eine engere Beziehung mit der Wirtschaft zum gegenseitigen Nutzen; und • konkrete Belege für ein stärkeres Engagement der Politik für den Abbau finanzieller Härten infolge von Zahlungen aus eigener Tasche für alltägliche Medikamente. WIE wird dies erreicht? 47. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • eine kontextspezifische und chancengleichheitsorientierte Kontrolle und eine Analyse der Kostenerstattungskonzepte; • eine Verbesserung der Verbreitung der Ergebnisse dieser Analyse und Empfehlungen zur Erstattungspraxis für eine allgemeine Gesundheitsversorgung durch die Online-Plattform UHC Policy Watch; • einen Europäischen Beschaffungsrahmen – einen zentralen digitalen Laden zur Beratung und Unterstützung für die Mitgliedstaaten; • eine evidenzgeleitete Liste von 15 Schlüsselkonzepten, die zusammen einen besseren Zugang zu Arzneimitteln mit finanzieller Absicherung für alle bewirken können; auf der Grundlage der regionsweiten und länderspezifischen Beobachtung der Kostenerstattungspraxis bei Arzneimitteln wird sie darüber Aufschluss geben, was funktioniert, wo die Länder Fortschritte machen und wo sie noch Nachholbedarf haben; • Unterstützung für vorrangige Länder, die Maßnahmen zur Umsetzung einiger der 15 Schlüsselkonzepte ergriffen haben, um gute Praktiken zu zeigen und Erfolge zu feiern; • Unterstützung bei der Gestaltung einschlägiger Handlungskonzepte in vorrangigen Ländern durch Ausbau von Kapazitäten, Workshops, nationale und subregionale Politikdialoge und eine neue regionsweite Schulungsreihe über Gesundheitsfinanzierung und Medikamente; und • eine hochrangige Tagung auf Einladung der norwegischen Regierung im Rahmen der Oslo-Initiative für Arzneimittel mit der Absicht, eine Plattform einzurichten und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und mit anderen maßgeblichen Akteuren fortzusetzen. EUR/RC71/12 Seite 16 Migration und Gesundheit 48. Die Migration ist weiterhin eine schwerwiegende Herausforderung für Politik, Gesellschaft und öffentliche Gesundheit in den Ländern der Europäischen Region, bei der die Bereiche Gesundheitssysteme, öffentliche Gesundheitsdienste, Menschenrechte, soziale Determinanten von Gesundheit, gesundheitliche Notlagen und gesundheitliche Chancengleichheit auf vielfältige Weise miteinander verknüpft sind. In der Europäischen Region leben knapp 36% aller internationalen Migranten weltweit, und mehr als 13% der Gesamtbevölkerung der Europäischen Region sind internationale Migranten – ein deutlicher Anstieg gegenüber knapp 4% im Jahr 1990. 49. Investitionen in die Gesundheit dieser Bevölkerung werden eine große Rendite für die kollektive Gesundheit und das kollektive Wohlbefinden bringen, und ohne gezielte Maßnahmen für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten bleibt das Ziel, niemanden zurückzulassen, unerreichbar. Die Ausweitung der Gesundheitsversorgung auf diese Gruppen bewirkt nicht nur eine Verbesserung der Gesundheitssicherheit, sondern auch eine Verringerung der Belastung und Kosten für die Gesundheitssysteme, wie sich während der COVID-19-Pandemie gezeigt hat. WIE sieht der Erfolg aus? 50. Für Erfolge in diesem Arbeitsbereich gilt es sicherzustellen, dass mehr Mitgliedstaaten ihre Verpflichtungen im Rahmen regionaler und globaler Übereinkünfte erfüllen und dass die WHO den grenzüberschreitenden und organisationsübergreifenden Dialog und die Kooperation zur Gewährleistung von Qualität und Kontinuität der Versorgung von Flüchtlingen und Migranten unterstützt. 51. Konkret bedeutet Erfolg im Zeitraum 2022–2023: • einen höheren Anteil der Flüchtlinge und Migranten mit Zugang zu inklusiven Gesundheitssystemen; • eine verbesserte Aufschlüsselung von Daten nach Migrationsstatus und unter Einbeziehung von migrationsbezogenen Variablen in Gesundheitsinformations- systeme; • verbesserte Gesundheitskontrollen bzw. Vorsorgeuntersuchungen für Flüchtlinge und Migranten an Grenzübergängen; und • verbesserte Überzeugungsarbeit zugunsten der Rechte von Flüchtlingen und Migranten mit Förderung sozialer Inklusion. WIE wird dies erreicht? 52. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • eine Überprüfung und Aktualisierung der von der 66. Tagung des Regionalkomitees angenommenen Strategie samt Aktionsplan für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Region der WHO im Lichte der möglichen Ergebnisse einer hochrangigen Tagung der Europäischen Region zum Thema Migration und Gesundheit; EUR/RC71/12 Seite 17 • Workshops in den Ländern über die Erhebung und Analyse von Gesundheitsdaten für Flüchtlinge und Migranten und Förderung einer auf Daten gestützten Politikformulierung; • Kapazitätsbewertungen in den Gesundheitssystemen in einer Reihe von Ländern mittels eines Instrumentariums der WHO und Unterstützung bei der Entwicklung nationaler Kapazitätsverbesserungsstrategien; • ein Instrumentarium zur Umsetzung in den Ländern, und Kapazitätsaufbau, fachliche Unterstützung und Ländermissionen zur Thematisierung des schlechten Gesundheitszustands inhaftierter Flüchtlinge und Migranten; • ein Dokument zur Bestandsaufnahme und Orientierungshilfe für Gesundheitskontrollen und Vorsorgeuntersuchungen an Grenzübergängen, und Kompetenzbildung mit dem Ziel, die Gesundheitskontrollen für Migranten an Grenzübergängen und die Ländermissionen in vorrangige Länder auf Wunsch zu vereinheitlichen; und • sechsmonatliche Treffen von Kooperationszentren und eine jährliche Tagung des Netzwerks der Migrationsbeauftragten der Gesundheitsministerien. Zentrale Priorität 2: Schutz vor gesundheitlichen Notlagen 53. Die Menschen erwarten von ihren Regierungen und Gesundheitssystemen, dass diese ein breites Spektrum von Gesundheitsgefahren abdecken. Die Europäische Region steht vor einer Vielzahl von Notlagen, die aus verschiedenen Gefahren resultieren, die sich in Bezug auf Größe, Komplexität und Folgen voneinander unterscheiden. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, dass Notlagen erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und auch politische, ökonomische und soziale Konsequenzen haben können. Seit dem ursprünglichen Ausbruch hat die Europäische Region insgesamt mehr als 63 Mio. bestätigte Fälle und über 1,25 Mio. Todesfälle verzeichnet. Jahrzehnte sozialer Entwicklung und hart erarbeitete Zugewinne an Gesundheit stehen nun auf dem Spiel, und es droht eine Verlangsamung der Fortschritte bei der Verwirklichung der SDG. 54. Die Stärkung der Kapazitäten und Fähigkeiten der Länder für die Verhinderung gesundheitlicher Notlagen sowie für Bereitschaftsplanung, Sofortmaßnahmen und Wiederaufbau muss mit gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Lösungsansätzen in dem Rahmen der allgemeinen Gesundheitsversorgung verankert werden. Sie sind die Voraussetzungen für die Widerstandsfähigkeit gegenüber gesundheitlichen Notlagen, die durch einheitliche und abgestimmte Maßnahmen in Bezug auf sämtliche zentrale Prioritäten und Flaggschiff-Initiativen des EPW erreicht wird. 55. Die Arbeit von WHO/Europa im Bereich der Notfallvorsorge und -bewältigung basiert auf der durch das EPW geschaffenen Grundlage, den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV 2005) und dem durch Resolution EUR/RC68/R7 angenommenen Aktionsplan zur Verbesserung von Vorsorge- und Bewältigungsmaßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Region der WHO (2018–2023), der auf den Bedarf der Länder der Europäischen Region zugeschnitten ist. EUR/RC71/12 Seite 18 Prävention und Vorsorge 56. Die mittels des Tools für die jährliche Selbstbewertung der Vertragsstaaten (SPAR) erstellten Berichte zeigen, dass alle Länder über die Voraussetzungen verfügen, um gesundheitliche Notlagen zu verhindern bzw. sich auf sie vorzubereiten; dennoch müssen bestimmte Kapazitäten und Fähigkeiten (z. B. mit Blick auf Chemieunfälle, Risikokommunikation, antimikrobielle Resistenzen oder biologische Sicherheit) gestärkt werden. Die Lehren aus der Bekämpfung von COVID-19 haben gezeigt, dass gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Ansätze zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit wirksamere Verknüpfungen zwischen den Funktionen der Gesundheitssysteme, den Funktionen der öffentlichen Gesundheitsdienste und den Kernkapazitäten der IGV (2005) erfordern. WIE sieht der Erfolg aus? 57. Der Aktionsplan wird erweitert und an die nationalen Aktionspläne der Mitgliedstaaten angepasst; er soll auf den Erkenntnissen und Empfehlungen der verschiedenen einschlägigen Prüfungsgremien basieren und den Anforderungen, Kapazitäten und Fähigkeiten der Länder angemessen sein. Erfolg bedeutet: • Anpassung des Aktionsplans und der einschlägigen Instrumente und Rahmen mit dem Ziel, Widerstandsfähigkeit gegenüber gesundheitlichen Notlagen aufzubauen; • Stärkung der Steuerung der Vorsorge- und Sofortmaßnahmen in Bezug auf gesundheitliche Notlagen auf gesamteuropäischer, nationaler und kommunaler Ebene; • Beschleunigung der Umsetzung der IGV (2005) durch den Rahmen für die Rechenschaftslegung; • Unterstützung der Präventionsarbeit und der Bereitschaftsplanung der Länder innerhalb der Gesundheitssysteme und durch gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Architekturen; und • Gewährleistung, dass einschlägige Systeme, Funktionen und Kapazitäten zur Prävention gesundheitlicher Notlagen und zur Bereitschaftsplanung in den nationalen Rahmenkonzepten für Notfallvorsorge und -bewältigung berücksichtigt und mit nachhaltigen Finanzmitteln versehen werden. WIE wird dies erreicht? 58. Das neue Paradigma von der Prävention von und der Vorsorge für Notlagen markiert eine Abkehr von Ansätzen, die auf voneinander getrennten fachlichen Kernkapazitäten beruhen, hin zu umfassenden Instrumentarien zur Förderung von Widerstandsfähigkeit. Der Strategische Schwerpunktbereich 2 des Aktionsplans wird die Schwerpunktbereiche 1 und 3 sowie die Flaggschiff-Initiativen bei der Stärkung der Gesundheitssysteme, des Leistungsangebots und der dazugehörigen Strukturen für die Prävention und Bereitschaftsplanung in Bezug auf gefahrenübergreifende Notlagen ergänzen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf gesamtstaatliche, partnerschaftliche und kommunale Kooperationen gerichtet. Die Arbeit auf Ebene der Länder wird durch klare, wirkungsorientierte Maßnahmen an die jeweiligen Rahmenbedingungen angepasst. 59. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: EUR/RC71/12 Seite 19 • durchgehende Umsetzung eines diversifizierten Pakets von Überprüfungen und Bewertungen zur Überwachung und Evaluation der IGV (2005) zusätzlich zu den SPAR-Berichten, zum Zwecke der Ermittlung von Defiziten bei den IGV- Kernkapazitäten; • Aufbau von Fähigkeiten unter den maßgeblichen Interessengruppen auf der nationalen Ebene durch das neu eröffnete Europäische Zentrum der WHO zur Bereitschaftsplanung für humanitäre und gesundheitliche Notlagen in Istanbul; • Ausweitung der Ziele der angewandten Forschung im Bereich der Vorsorge für Notlagen durch das Europäische Zentrum zur Bereitschaftsplanung für humanitäre und gesundheitliche Notlagen; • Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Entwicklung von Einsatzplänen des Gesundheitswesens für Notlagen, der Operationalisierung von Einsatzzentralen für gesundheitliche Notlagen und der Einrichtung einer zweckdienlichen Notfallarchitektur für Weisung, Kontrolle und Koordination; • Entwicklung eines umsetzbaren Steuerungsrahmens für den Umgang mit gesundheitlichen Notlagen, der auf eine Stärkung des Rechenschaftsrahmens für die IGV (2005) und der Widerstandsfähigkeit gegenüber gesundheitlichen Notlagen abzielt; • Einführung und Umsetzung des Strategischen Instruments der WHO zur Bewertung von Risiken (STAR) und Anfälligkeiten; • Entwicklung und Einführung von Rahmen, Instrumenten, Plänen und Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau für die Notfallvorsorge in den öffentlichen Gesundheitsdiensten und für die primäre Gesundheitsversorgung, die Notfall- und Krankenhausversorgung, die Langzeitpflege und andere Umfelder. Entdeckung und Reaktion 60. Eine umgehende Entdeckung jedes gesundheitlich relevanten Ereignisses, das für das betreffende Land und weltweit von Bedeutung sein könnte, ist eine entscheidende Voraussetzung für eine zeitnahe und angemessene Reaktion zur Verhinderung bzw. Begrenzung der Folgen eines solchen Ereignisses. Die an vorderster Linie eingesetzten Gesundheitsfach- und Notfalleinsatzkräfte sind der Schlüssel zu einer rechtzeitigen Entdeckung, doch ihr Beitrag muss durch ein zunehmend effektives ereignisbasiertes Surveillance-System ergänzt werden, das sich aller verfügbaren Quellen und der neuesten Technologien bedient. Die Entdeckung von Ereignissen wird für sich allein nicht helfen, solange nicht umgehend Informationen über sie auf subnationaler, nationaler und internationaler Ebene weitergegeben werden, wie in den IGV (2005) gefordert. Ferner müssen Kapazitäten und die Kompetenz zu umfassenden und schnellen Risikobewertungen vorhanden sein, die so oft wie erforderlich wiederholt werden, und die Ergebnisse müssen zügig weitergegeben werden. 61. Schnelle, wirksame, organisierte und abgestimmte Sofortmaßnahmen bei gesundheitlichen Notlagen sind eine entscheidende Voraussetzung für die Abfederung der Schockwirkung einer Notlage innerhalb eines Landes und für die Verhinderung grenzüberschreitender Auswirkungen. Jedes Jahr ist die Bevölkerung in der Europäischen Region gesundheitlichen Notlagen (Seuchenausbrüche, Konflikte, Naturkatastrophen, chemische und nukleare Ereignisse, Terroranschläge und Kontaminierung von Lebensmitteln) ausgesetzt. Um Menschenleben zu retten, die Folgen für die öffentliche Gesundheit und die EUR/RC71/12 Seite 20 sozialen, politischen und wirtschaftlichen Folgen in dem Land zu minimieren und die grenzüberschreitende Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, ist eine schnelle operative Reaktion auf der Länderebene erforderlich, die international abgestimmt und kommuniziert wird und Unterstützung von der WHO und ihren Partnerorganisationen erhält. WIE sieht der Erfolg aus? 62. Erfolg auf diesem Gebiet wird sich im Verlauf einer Notlage im Tempo und in der Qualität von Entdeckung, Meldung und Reaktion insgesamt zeigen. Insgesamt gesehen bedeutet Erfolg, dass die potenziellen Auswirkungen akuter Ereignisse im Bereich der öffentlichen Gesundheit und anhaltender Notlagen durch a) eine Senkung der Exposition gegenüber Gefahren und b) bessere gesundheitliche Resultate für die ihnen ausgesetzten Menschen minimiert werden. 63. Konkret lässt sich dies auf folgenden Wegen messen: • zügige Entdeckung und Meldung von Ereignissen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die für das betreffende Land oder weltweit von Bedeutung sein könnten, und anschließende Risikoabschätzung nach Maßgabe der IGV (2005); • eine schnelle, wirksame und koordinierte operative Reaktion auf der Ebene der Länder, die international abgestimmt und kommuniziert wird und Unterstützung von der WHO und ihren Partnerorganisationen erhält; und • eine Fortsetzung aller grundlegenden Gesundheitsleistungen während der gesamten Dauer der Notlage. WIE wird dies erreicht? 64. Ein Erfolg auf diesem Gebiet wird vom Engagement und von einer sinnvollen Prioritätensetzung auf der Länderebene, in den Regionen und weltweit während sämtlicher Phasen von Notfallzyklen (Prävention, Bereitschaftsplanung, Entdeckung, Reaktion, Wiederaufbau) abhängen. Die konkrete Arbeit in den Ländern erfolgt jeweils im Notfall- oder Routinemodus. 65. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • durchgehende Einführung des Ereignis-Management-Systems und eines Umsetzungsrahmens für die neue Einsatzzentrale für gesundheitliche Notlagen, Kapazitätsaufbau für entsprechende Einsatzzentralen auf nationaler und subnationaler Ebene und Einrichtung eines Netzwerks der Notfalleinsatzzentralen in der Europäischen Region; • Ausbau der Betreuung und der Akkreditierung von Notfallversorgungssystemen und medizinischen Notfallteams; • Unterstützung für die Mitgliedstaaten bei der Verbesserung von Ketten für die Notfallversorgung und dem Anlegen von Beständen. 66. Während der Entdeckungsphase: • Schulung und Unterstützung der nationalen Anlaufstellen für die IGV (2005) und Austausch notlagenbezogener Gesundheitsinformationen; EUR/RC71/12 Seite 21 • Stärkung der Frühwarn- und Reaktionssysteme (EWAR); und • Unterstützung für die Epidemiologische Aufklärung aus offenen Quellen (globale Ausdehnung). 67. Während der Reaktionsphase: • Aktivierung des Ereignis-Management-Systems in den Regionen und auf Ebene der Länder; • schneller Einsatz von Reaktionsressourcen (Material, Finanzmittel, Notfallpersonal und operative Partner wie Beistandspartner, medizinische Notfallteams, Globales Netzwerk zur Warnung und Reaktion bei Krankheitsausbrüchen und mobile Labore); • fachliche Unterstützung, Notfallkoordination und Abstimmung zwischen Partnern bei akuten und anhaltenden Notlagen, je nach Anforderungen; • Verbesserung von Zugänglichkeit, Umfang und Qualität von Paketen unentbehrlicher patientenorientierter Gesundheitsleistungen; und • kritische Aufklärung, Informationsmanagement, Kartierung/geografische Informationssysteme und Datensysteme für Notlagen. 68. Während der Wiederaufbauphase: • Bedarfsabschätzung und Unterstützung beim Wiederaufbau zum Besseren nach der Katastrophe, auch durch durchgehende Einführung des Instrumentariums für Widerstandsfähigkeit in den Gesundheitssystemen, und eines Planungsratgebers für Wiederaufbau und Umgestaltung auf der Länderebene (Schwerpunkt COVID-19). Zentrale Priorität 3: Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden 69. Die Menschen erwarten von ihren Regierungen und Gesundheitssystemen, dass diese kollektive und individuelle Gesundheitsgefahren in Angriff nehmen, unabhängig davon, ob sie akuter und chronischer Natur sind und ob es sich um übertragbare oder nichtübertragbare Krankheiten handelt. Zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung müssen veränderbare Verhaltensweisen und Einflussfaktoren ins Visier genommen werden, die Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden haben, namentlich die Zusammenarbeit mit anderen Politikbereichen in folgenden Feldern: • Prävalenz übertragbarer und nichtübertragbarer Krankheiten und Eliminierung von weit verbreiteten übertragbaren Krankheiten; • soziale und umweltbedingte Determinanten von Gesundheit und Risiken für die Gesundheit; und • ungesunde Ernährung, Gewalt- und Verletzungsprävention (auch geschlechtersensibel), Straßenverkehrssicherheit, Luftverschmutzung, Klimawandel, Chemikaliensicherheit, Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene, Tabak- und Alkoholkonsum, Transfette, Adipositas und Bewegungsmangel. 70. Der Schwerpunkt liegt auf Gesundheit und Wohlbefinden, dem Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten und der Verhinderung hoher Produktivitätsverluste und Gesundheitskosten, und nicht nur auf der Senkung der Mortalität. Viele dieser Einflussfaktoren haben Auswirkungen auf EUR/RC71/12 Seite 22 Menschen in ihren produktivsten Lebensjahren und untergraben so die soziale und ökonomische Entwicklung. Sie werden durch für den Staat kostengünstige Lösungen und durch ressortübergreifende Maßnahmen ins Visier genommen, die sich nicht auf das Gesundheitssystem selbst beschränken, sondern oft die Steuerungsfunktion, die Überzeugungsarbeit und die Regulierungsaufgaben von Gesundheitsministerien und anderen Ressorts zunutze machen. 71. Die Bekämpfung von Gesundheitsgefahren wie antimikrobiellen Resistenzen, übertragbaren und nichtübertragbaren Krankheiten, Lebensmittelsicherheit und Zoonosen sowie den globalen Umweltveränderungen infolge von Klimawandel, Umweltbelastung und schwindender Artenvielfalt macht eine Führungsrolle von WHO/Europa und eine gemeinsame ressortübergreifende Anstrengung in den Ländern wie auch in der Europäischen Region insgesamt erforderlich, namentlich zum Aufbau und zur Stärkung von Strukturen, die einer Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes dienen. Eine Maximierung der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft unter wirksamer Einbindung des Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region der WHO und von Schulen und Arbeitsplätzen sowie unter Nutzung des Potenzials multilateraler Übereinkommen wird zu einem wirksamen Ansetzen an Gesundheitsdeterminanten und -risiken beitragen. 72. Die Aufrechterhaltung und weitere Ausdehnung der Bekämpfung und Eliminierung von Infektionskrankheiten in der Europäischen Region trägt entscheidend dazu bei, die Fortschritte auf dem Weg zur Reduzierung der Krankheitslast aufgrund multiresistenter Tuberkulose zu beschleunigen und bis 2030 eine Eliminierung von HIV, Hepatitis und sexuell übertragbaren Infektionen zu erreichen. Zur Inangriffnahme der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf diese Krankheiten in der Europäischen Region müssen Umfang und Tempo der gemeinsamen Anstrengungen mit dem Ziel erhöht werden, wieder auf den Stand vor der Pandemie zurückzukehren und dafür zu sorgen, dass die von diesen Krankheiten betroffenen Menschen Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung erhalten. Die Führungsrolle der WHO wird entscheidend dazu beitragen, die übertragbare Krankheiten betreffenden Aspekte des EPW durch Stärkung der primären Gesundheitsversorgung und Förderung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung anzupacken, und zwar unter Schwerpunktlegung auf die Versorgung schutzbedürftiger und anderer vorrangiger Bevölkerungsgruppen sowie die Maxime, niemanden zurückzulassen. 73. Eine innovative kooperative Programmgestaltung mit Querschnittscharakter wird die Grundlage für die Erreichung der gewünschten Durchschlagskraft bilden. Dies schließt die Arbeit zur Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes und zur Förderung verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse ein. Die anhaltenden Probleme in der Europäischen Region aufgrund von Alkoholmissbrauch und Adipositas im Kindesalter werden eine erneute Schwerpunktlegung auf die Bekämpfung von nichtübertragbaren Krankheiten und die mit ihnen verbundenen Risikofaktoren bewirken, eine wesentliche Determinante von Gesundheit, die die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigt und zu Ungleichheiten in den Ländern beiträgt. Die nachstehenden Informationen beschreiben den Mechanismus zur Verwirklichung der gewünschten Wirkung auf jedes der festgelegten größeren Arbeitsfelder: • gesundheitsförderliches Verhalten: Berücksichtigung verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse; • Reduzierung des Alkoholkonsums; • Bekämpfung von Adipositas im Kindesalter; und • Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes. EUR/RC71/12 Seite 23 Gesundheitsförderliches Verhalten: Berücksichtigung verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse 74. Die COVID-19-Pandemie hat die Welt daran erinnert, wie wichtig es ist, menschliche Verhaltensweisen zu verstehen, um zu angemessenen und wirkungsvollen Gesundheitskonzepten und -strategien und einer entsprechenden Kommunikation zu gelangen. Doch begrenzte Kapazitäten und Unterschiede in Bezug auf Methoden, Traditionen und Prioritätensetzung hindern Länder daran, den Wert verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse voll auszuschöpfen. Barrieren und Antriebskräfte können komplex beschaffen sein, nicht zuletzt für benachteiligte Gruppen; doch sie werden oft nicht systematisch genug untersucht, um in Planung und Konzeptentwicklung einzufließen. 75. Im April 2020 war WHO/Europa das erste Büro der WHO, das ein Programm zur Förderung von Evidenz und zur Bereitstellung fachlicher Orientierungshilfe für die Länder auf diesem Gebiet einrichtete. Seitdem werden die Mitgliedstaaten darin unterstützt, in ihrer Reaktion auf die Pandemie auch verhaltensbezogene Erkenntnisse zu berücksichtigen. Dabei wurden Grundsatzüberlegungen zu Übergangszeiten während der Pandemie, zur Pandemiemüdigkeit und zum Einsatz von Gesundheitsfachkräften angestellt. Das von WHO/Europa entwickelte Instrument für Erhebungen zu verhaltensbezogenen Erkenntnissen wurde in über 30 Ländern und Gebieten eingeführt, um deren nationale Strategien gegen die Pandemie zu gestalten. Die aus diesen Erhebungen gewonnenen Erkenntnisse flossen beispielsweise in die Strategie Georgiens zur Beeinflussung von Minderheiten, den Plan Rumäniens zur Wiederöffnung der Schulen, die Impfstrategie Serbiens, die Strategie Spaniens zur Bekämpfung von Pandemiemüdigkeit sowie die Strategie Schwedens zur Durchführung von Impfmaßnahmen in jüngeren Altersgruppen ein. Auf dieser Grundlage hat sich schneller als erwartet eine praxisorientierte Gemeinschaft zwischen den Ländern etabliert. WIE sieht der Erfolg aus? 76. Ein Erfolg in den ersten beiden Jahren seit Einrichtung des Referats Verhaltensbezogene und kulturelle Erkenntnisse würde beinhalten: • dokumentierte Anwendungen verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse durch die Mitgliedstaaten zur Stärkung der Evidenzgrundlage für die Politikgestaltung und Interventionen mit dem Ziel, gesunde Praktiken möglich, annehmbar, naheliegend und attraktiv zu machen; • die Einrichtung von fachlichen Kapazitäten für verhaltensbezogene und kulturelle Erkenntnisse (z. B. durch zuständige Mitarbeiter oder Stellen) in mindestens zehn Mitgliedstaaten mit fachlicher Unterstützung und Orientierungshilfe durch die WHO; und • Aufrechterhaltung einer gut funktionierenden und aktiven praxisorientierten Gemeinschaft zwischen den Mitgliedstaaten. WIE wird dies erreicht? 77. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • einen Rahmen für verhaltensbezogene und kulturelle Erkenntnisse für den Zeitraum 2022–2026, der der 72. Tagung des Regionalkomitees zur Annahme vorgelegt werden soll; EUR/RC71/12 Seite 24 • Austausch und praktische Anwendung neuer Erkenntnisse, bei denen die Europäische Region federführend zur Beantwortung der Frage beitragen soll, wie gezielte und bewährte, eigenständige und komplexe verhaltensbezogene und kulturelle Interventionen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden beitragen können; • Einrichtung und Aufrechterhaltung eines Datenlabors für verhaltensbezogene Erkenntnisse in Bezug auf COVID-19, das länderübergreifende Datenanalysen unter Nutzung des mit dem Tool von WHO/Europa gesammelten umfangreichen Datenschatzes durchführt, die in die Entwicklung strategischer Leitlinien und in die Bereitschaftsplanung für künftige Pandemien einfließen sollen; • ein Sommerseminar in Verbindung mit anderen Maßnahmen zur Kompetenzbildung, einschließlich der ELA und interner Schulungen von WHO/Europa; und • Fortsetzung von Steuerung und Aufrechterhaltung des Online-Wissenszentrums für verhaltensbezogene und kulturelle Erkenntnisse; gemeinsame Initiativen und fortgeschrittene Koordinierung im Sinne gleichgerichteter Anstrengungen der maßgeblichen Akteure. Reduzierung des Alkoholkonsums 78. Europa weist von allen Regionen der WHO den höchsten Alkoholkonsum auf: von den weltweit zehn Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum gehören neun zur Europäischen Region. Alkoholkonsum hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit von Müttern und Kindern, auf Infektionskrankheiten (u. a. HIV, Virushepatitis und Tuberkulose), auf nichtübertragbare Krankheiten (mindestens sieben Krebsarten, Schlaganfälle, Herz- und Lebererkrankungen, Hirnschäden und Schädigungen des Nervensystems) sowie auf die psychische Gesundheit und auf die Straßenverkehrssicherheit. 79. Jährlich ist Alkoholkonsum für ein Zehntel aller Todesfälle in der Europäischen Region verantwortlich. Täglich verlieren rund 2500 Menschen in der Europäischen Region aufgrund alkoholbedingter Ursachen ihr Leben, und diese Todesfälle ereignen sich oft schon in jungen Jahren: fast ein Viertel aller Todesfälle unter jungen Erwachsenen (Altersgruppe von 19 bis 24 Jahre) ist auf Alkoholkonsum zurückzuführen. 80. Die durch Alkohol bedingten Gesundheitsschäden sind immens, vor allem in der ärmeren Bevölkerung. Die alkoholbedingte Krankheitslast ist innerhalb der Europäischen Region ungleichmäßig verteilt, und sozioökonomische Determinanten spielen hier eine wesentliche Rolle, denn Menschen aus niedrigeren sozioökonomischen Schichten sind am stärksten betroffen. 81. Die Verringerung des Alkoholkonsums pro Kopf und der alkoholbedingten Krankheitslast sowie der durch Alkoholkonsum verschärften gesundheitlichen Ungleichheiten gehört zu den vorrangigen Handlungsfeldern des EPW. Alkoholbedingte Erkrankungen und Verletzungen verringern die Lebenserwartung, erhöhen die Kosten für das Gesundheitswesen und führen zu Produktivitätseinbußen und einem niedrigeren Bruttoinlandsprodukt in allen Ländern weltweit. WHO/Europa wird durch die Verwirklichung des EPW die Umsetzung der kosteneffektivsten Konzepte unterstützen und einen ressortübergreifenden Dialog sowie eine stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft fördern. EUR/RC71/12 Seite 25 WIE sieht der Erfolg aus? 82. Bis Ende 2023 strebt WHO/Europa an, zur Reduzierung des Alkoholkonsums in den Mitgliedstaaten beigetragen zu haben. Erfolg bedeutet: • Eine weitere Reduzierung des Alkoholkonsums in Richtung der Zielvorgabe einer Verringerung um 10% bis 2025, wobei mindestens 35 Mitgliedstaaten ein niedrigeres Niveau gegenüber der Ausgangslage im Jahr 2010 erreichen; eine Gestaltung von Alkoholpreisen (die am wenigsten genutzte unter den vielversprechendsten Interventionen) und Alkoholwerbung (die während der aktuellen COVID-19-Pandemie noch an Bedeutung gewonnen hat) werden die vorrangigen Handlungsfelder sein. • Alkohol wird in der Europäischen Region teurer, da die Zahl der Mitgliedstaaten, die regelmäßig die Verbrauchssteuern an die allgemeine Preisentwicklung anpassen, von 22 auf 30 steigt. • Junge Menschen sind mittlerweile weniger Werbung ausgesetzt, da mehr Mitgliedstaaten Werbeverbote im Internet für Bier, Wein oder Spirituosen eingeführt haben (Anstieg von 11 auf 20 Mitgliedstaaten). WIE wird dies erreicht? 83. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • einen Handlungsrahmen für die Europäische Region der WHO, der der 72. Tagung des Regionalkomitees vorgelegt werden soll; • Einrichtung eines Netzwerks von Ländern, die auf eine sicherere Europäische Region der WHO (SAFER)2 hinarbeiten; • eine Signatur-Initiative des Fachlichen Beirats des Regionaldirektors für Innovationen im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten (Fachlicher Beirat für nichtübertragbare Krankheiten): Entwicklung eines Indikators für einen Mindeststeueranteil in den Ländern der Europäischen Region, mit Anleitung zur Umsetzung; • Entwicklung eines Tools für die Einführung von Mindestpreisen in den Mitgliedstaaten und Organisation von Grundsatzdialogen; • Veröffentlichung eines Berichts über Krebs, Alkoholkonsum und Besteuerung in der Europäischen Region; Erstellung von Länderprofilen mit Daten über durch Alkoholkonsum bedingte Krebsarten und die Zahl der Todesfälle, die durch eine höhere Besteuerung verhindert werden könnten; • Erstellung von Fallstudien über die Wirkung der Alkoholpolitik in ausgewählten Mitgliedstaaten, in denen die Wirkung von Alkoholkonsum auf die Mortalität aufgrund aller Ursachen sowie die Lebenserwartung konkretisiert wird; und 2 Die Initiative SAFER/EURO zielt darauf ab, gemäß der Zielsetzung der globalen SAFER-Initiative in der gesamten Europäischen Region der WHO die Umsetzung der wirksamsten und kosteneffektivsten politischen Konzepte in der Alkoholpolitik zu unterstützen. Die Initiative wird von folgenden bereichsübergreifenden Grundsätzen und Lösungsansätzen geprägt: evidenzbasierte Interventionen, ressortübergreifende Ansätze, Schutz der öffentlichen Gesundheit und Befähigung zu selbstbestimmtem Handeln. EUR/RC71/12 Seite 26 • Aufbau eines russischsprachigen Expertennetzwerks zum Zwecke des Kapazitätsaufbaus im Bereich der Vorsorgeuntersuchungen und der Kurzinterventionen und Unterstützung der Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bei der Einführung des Erkennungstests für Alkoholstörungen (AUDIT) im Rahmen von Kurzinterventionen in der primären Gesundheitsversorgung. Bekämpfung von Adipositas im Kindesalter 84. Adipositas ist eine der größten Herausforderungen für die Gesundheitspolitik im 21. Jahrhundert. Ihre Prävalenz hat sich in vielen Ländern der Europäischen Region seit den 1980er Jahren verdreifacht, und die Zahl der Betroffenen steigt weiter mit alarmierender Geschwindigkeit, insbesondere unter Kindern. Übergewicht verursacht nicht nur verschiedene körperliche Behinderungen und psychologische Probleme, sondern erhöht auch drastisch das Risiko in Bezug auf eine Reihe von nichtübertragbaren Krankheiten wie Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Krebs und Diabetes. Übergewicht erhöht auch die Gefahr der Entwicklung mehr als einer dieser Krankheiten (Komorbidität). Bereits heute ist Adipositas in verschiedenen Teilen der Europäischen Region für 2% bis 8% der Gesundheitskosten und für 10% bis 13% der Todesfälle verantwortlich. 85. Adipositas im Kindesalter ist nach wie vor ein schwerwiegendes Problem für die öffentliche Gesundheit in der Europäischen Region: jedes dritte Kind im Grundschulalter ist von Übergewicht oder Adipositas betroffen. COVID-19 hat wahrscheinlich diese Situation noch weiter verschärft. Schulschließungen und Lockdowns können sich auf den Zugang zu Schulmahlzeiten und die Möglichkeiten zu körperlicher Betätigung für Kinder auswirken und damit Ungleichheiten weiter verschärfen. 86. Strategien zur Prävention von Adipositas im Kindesalter bleiben daher während und auch nach der Pandemie eine Priorität. Zur Bekämpfung dieser Epidemie müssen Gesellschaft und Staat gleichermaßen handeln. WHO/Europa wird durch die Verwirklichung des EPW die Entwicklung nationaler Handlungskonzepte unterstützen, die die Schaffung von mehr Bewegungsmöglichkeiten fördern und die Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit gesunder Lebensmittel verbessern. WHO/Europa wird auch die Einbindung der verschiedenen Politikbereiche, der Zivilgesellschaft, der Privatwirtschaft und anderer maßgeblicher Interessengruppen weiter vorantreiben. WIE sieht der Erfolg aus? 87. Bis Ende 2023 strebt WHO/Europa an, in den Mitgliedstaaten zur Bekämpfung der Adipositas im Kindesalter beizutragen. Erfolg bedeutet: • Die Initiative zur Überwachung von Adipositas im Kindesalter (COSI) – die größte derartige Initiative weltweit – ist in 44 Ländern eingeführt (Ausgangslage 41). • Fünf Länder werden mit der Umsetzung von mindestens der Hälfte der von der Kommission für die Beseitigung der Adipositas im Kindesalter (ECHO) empfohlenen Maßnahmen (drei von sechs Bereichen) begonnen haben. • In zehn Ländern sind Politikdialoge über Adipositas im Kindesalter durchgeführt worden. EUR/RC71/12 Seite 27 WIE wird dies erreicht? 88. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • ein Handbuch über die Organisation von Politikdialogen zum Thema Adipositas im Kindesalter; • Protokolle zur Kontrolle der digitalen Vermarktung ungesunder Produkte an Kinder und Jugendliche, einschließlich einer entsprechenden App (KIDAD); • Förderung eines Modellierungs-Tools für eine nachhaltige und gesundheitsförderliche Ernährung sowie entsprechender Arbeitsfelder wie Reformulierung von Lebensmitteln (Zuckerreduktion) und Gestaltung von Schulmahlzeiten; • Signatur-Initiative des Fachlichen Beirats für nichtübertragbare Krankheiten – Adipositas im Kindesalter: Aufbau eines Netzwerks von Botschaftern aus den Reihen der Ehepartner von Staatsoberhäuptern, um die Überzeugungsarbeit für Maßnahmen zur Verhinderung bzw. Bekämpfung von Adipositas im Kindesalter fortzusetzen und im Jahr 2023 einen ersten Gipfel zu organisieren; • einen Sachstandsbericht Adipositas von WHO/Europa und den Bericht der COSI: die Ergebnisse der fünften Runde der Datenerhebung der COSI werden zusammen mit dem Sachstandsbericht Adipositas von WHO/Europa im März 2022 veröffentlicht; • ein Kurzdossier zum Thema Adipositasprävention; einen gemeinsamen Workshop mit der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung über die neuesten Erkenntnisse zu den Renditen von Konzepten zur Bekämpfung von Adipositas auf der Bevölkerungsebene, unter Schwerpunktlegung auf die Europäische Union (EU); • ein Handbuch zum Thema Reformulierung von Lebensmitteln; • ein Handbuch für die Anwendung verhaltensbezogener Erkenntnisse auf die Bekämpfung von Risikofaktoren für Adipositas. Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes 89. Die anhaltende COVID-19-Pandemie hat uns in drastischer Weise daran erinnert, dass etwa 60% aller bekannten Infektionskrankheiten von Tieren ausgehen. Eine wirksame Bekämpfung von gemeinsamen Gesundheitsgefahren und von Gesundheitsproblemen, die an der Schnittstelle Mensch-Tier-Umwelt entstehen, etwa in den Bereichen Lebensmittel- und Wassersicherheit, zoonotische und andere übertragbare Krankheiten, Vektorkrankheiten, umweltbedingte Gesundheitsprobleme, antimikrobielle Resistenzen und Notfallvorsorge, machen eine ressort-, akteurs- und fachübergreifende Abstimmung und Zusammenarbeit sowie geeignete Plattformen und Mechanismen für eine wirksame Politiksteuerung erforderlich. 90. Der einheitliche Gesundheitsansatz ist ein Ansatz zur Gestaltung und Umsetzung von Programmen, Handlungskonzepten, Gesetzen und Forschungsvorhaben, bei denen sich zahlreiche Ressorts miteinander abstimmen und zusammenarbeiten, um bessere Resultate im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu erzielen. In jüngster Zeit haben kritische Analysen die EUR/RC71/12 Seite 28 Notwendigkeit zutage gefördert, die Bandbreite dieses Ansatzes auszuweiten und seine Fähigkeit zur expliziten Einbeziehung von zugrunde liegenden globalen Umweltkrisen wie dem Verlust von Artenvielfalt, der Umweltbelastung und dem Klimawandel zu stärken, die allesamt durch gesamtstaatliche Lösungskonzepte in Angriff genommen werden müssen. Die Paneuropäische Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung hat die Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes in den Mittelpunkt ihres im März 2021 veröffentlichten Handlungsappells zum Überdenken politischer Prioritäten vor dem Hintergrund von Pandemien gestellt. 91. Ein integraler Bestandteil der Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes wird das Ansetzen an den umweltbedingten Determinanten von Gesundheit sein, die in der Europäischen Region nach Schätzungen immer noch für 1,4 Mio. Todesfälle pro Jahr verantwortlich sind. WHO/Europa wird durch sein in Bonn angesiedeltes Europäisches Zentrum für Umwelt und Gesundheit einen besonderen inhaltlichen Schwerpunkt auf die dreifache Herausforderung durch Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt und Umweltbelastung legen. 92. Im April 2021 schuf die regionsweite Dreierkoalition zusammen mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) einen Koordinationsmechanismus für den einheitlichen Gesundheitsansatz in Europa und Zentralasien. Im Rahmen des Koordinationsmechanismus wird eine Plattform für die Partner im Rahmen des einheitlichen Gesundheitsansatzes in der Europäischen Region eingerichtet, über die andere Organisationen der Vereinten Nationen, internationale und zwischenstaatliche Organisationen sowie Vertreter von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Privatwirtschaft (unter Einhaltung der von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), dem UNEP und der WHO angenommenen Leitlinien für die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren) gemeinsam darauf hinarbeiten werden, Synergieeffekte zu erzielen, Doppelarbeit zu vermeiden und die Durchschlagskraft in den Ländern zu maximieren. WIE sieht der Erfolg aus? 93. Bis Ende 2023 strebt WHO/Europa an, zur Operationalisierung des einheitlichen Gesundheitsansatzes in den Mitgliedstaaten beigetragen zu haben. Erfolg bedeutet: • formelle und funktionsfähige ressortübergreifende Koordinationsmechanismen zur Behandlung von Fragen des einheitlichen Gesundheitsansatzes in mindestens 60% der Länder der Europäischen Region vorhanden; • verstärkte programmübergreifende Abstimmung zur Verfolgung von Zielen des einheitlichen Gesundheitsansatzes über Ressortgrenzen hinweg; • verstärkte Einbeziehung von Aspekten des einheitlichen Gesundheitsansatzes in einschlägige nationale Strategien und Programme; • verstärkte Bewusstseinsbildung innerhalb der Mitgliedstaaten für die Nahtstelle des einheitlichen Gesundheitsansatzes und stärkere Kapazitäten und Befähigung für ein Engagement in Konzeptentwicklung und Überzeugungsarbeit über das eigene Fachgebiet hinaus; • erweiterte Kapazitäten für Prävention, Vorsorge, Entdeckung und Reaktion gemäß den im Überwachungs- und Evaluationsrahmen für die IGV (2005) genannten Bedürfnissen der Länder; EUR/RC71/12 Seite 29 • konkrete Belege für bessere quantitative und qualitative Daten zur Verwendung in politischen Entscheidungsprozessen; und • eine zielgerichtete und abgestimmte Umsetzung des Koordinationsmechanismus für den einheitlichen Gesundheitsansatz in Europa und Zentralasien, um die Durchschlagskraft auf der Länderebene zu maximieren. WIE wird dies erreicht? 94. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Stärkung der Strukturen des einheitlichen Gesundheitsansatzes in der Europäischen Region: Koordinationsmechanismus der Dreierpartnerschaft (Tripartite Plus, bestehend aus FAO, OIE, WHO und UNEP), einschließlich Überwachung und Evaluation; • Stärkung von Führungskompetenz und der Entschlossenheit zur Umsetzung des einheitlichen Gesundheitsansatzes zur Bekämpfung von Gesundheitsgefahren, die an der Schnittstelle zwischen Tieren, Mensch und Umwelt entstehen, durch strategische Beratungen und Politikdialog; • Erstellung eines Arbeitsplans für die Dreierpartnerschaft Tripartite Plus mit gemeinsamen und aufeinander abgestimmten Maßnahmen zur Unterstützung von nach dem einheitlichen Gesundheitsansatz ausgerichteten nationalen Aktionsplänen gegen antimikrobielle Resistenzen; • Durchführung länderübergreifender subregionaler Simulationsübungen zur Überprüfung und Übung einer ressortübergreifenden und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Bezug auf den einheitlichen Gesundheitsansatz; • Fortsetzung der Anstrengungen zur Erhöhung des Stellenwerts des Klimaschutzes auf der gesundheitspolitischen Tagesordnung. WHO/Europa wird auch die Gewinnung näherer Erkenntnisse über die Rolle von Natur, Artenvielfalt und Grün- und Wasserflächen auf die Gesundheit, einschließlich der psychischen Gesundheit, fördern; • Aktualisierung der Methoden zur Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Luftverschmutzung in der Europäischen Region; und • ökonomische Evaluation der Gesundheit in Beziehung zur Natur. Neugestaltung der primären Gesundheitsversorgung: der Eckpfeiler für die Umsetzung unserer Prioritäten 95. Die primäre Gesundheitsversorgung befindet sich an der Nahtstelle zwischen den drei zentralen Prioritäten des EPW: Förderung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, Schutz der Menschen vor gesundheitlichen Notlagen und Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. Darüber hinaus ist die primäre Gesundheitsversorgung auch ein hervorragender Ausgangspunkt für die Umsetzung der vier Flaggschiff-Initiativen des EPW. Deren Verwirklichung setzt voraus, dass die Systeme der primären Gesundheitsversorgung in der Europäischen Region leistungs- und widerstandsfähig sind und den heutigen Bedürfnissen der EUR/RC71/12 Seite 30 jeweiligen Bevölkerung gerecht werden. 3 Die konkrete Umsetzung des Programms erfolgt unter der Regie des Europäischen Zentrums der WHO für primäre Gesundheitsversorgung in Almaty (Kasachstan) durch die Abteilung Gesundheitspolitik und Gesundheitssysteme der Länder beim Regionalbüro. 96. Die primäre Gesundheitsversorgung spielt eine zentrale Rolle in den Gesundheitssystemen der Länder, und die COVID-19-Pandemie hat dies noch zusätzlich verdeutlicht. Aufbauend auf den Lehren aus der Pandemie, wird WHO/Europa zu einer pragmatischen und realistischen Stärkung der primären Gesundheitsversorgung mit folgenden Schwerpunkten beitragen: • Ausbau der Kapazitäten in der primären Gesundheitsversorgung, um besser für gesundheitliche Notlagen gerüstet zu sein; • Stärkung der multidisziplinären Leistungserbringungsmodelle in der primären Gesundheitsversorgung; • Systematisierung von plattformübergreifenden Leistungsangeboten; und • Ausweitung der Kapazitäten für die Ermittlung und das Erreichen anfälliger Bevölkerungsgruppen. 97. Für eine erneuerte und gestärkte primäre Gesundheitsversorgung sind eine Reihe von begünstigenden Faktoren in den Gesundheitssystemen entscheidend. Im kommenden Zweijahreszeitraum wird WHO/Europa zweien von ihnen Vorrang einräumen: den personalpolitischen Konzepten im Gesundheitswesen und den digitalen Gesundheitslösungen. 98. Das Gesundheitspersonal bildet das Rückgrat der primären Gesundheitsversorgung. Zu den Voraussetzungen für eine hochwertige primäre Gesundheitsversorgung gehört es, dafür zu sorgen, dass ausreichend Gesundheitsfachkräfte mit den richtigen Qualifikationen und Fähigkeiten sowie der nötigen Motivation nicht nur vorhanden, sondern auch angemessen verteilt sind. Die Unterstützung für die Mitgliedstaaten bei der Verbesserung der Personalplanung im Gesundheitswesen durch umfassende Situationsanalysen und die Ausarbeitung von nationalen Strategien für das Gesundheitspersonal wird den Ländern dabei behilflich sein, ihr Arbeitskräfteangebot in der primären Gesundheitsversorgung zu verbessern. Die Einsetzung und Bindung von Arbeitskräften in ländlichen Gebieten soll auch durch Umsetzung eines speziell darauf abzielenden Maßnahmenpakets für die Länder ermöglicht werden. 99. Der Einsatz digitaler Technologien bietet eine Chance, seit Langem bestehende Barrieren in den Gesundheitssystemen zu überwinden. Im Wesentlichen bedeutet die Einbeziehung digitaler Lösungen in die primäre Gesundheitsversorgung eine Stärkung der Gesundheitsinformationssysteme auf Ebene der primären Gesundheitsversorgung in den vorstehend genannten vier vorrangigen Handlungsfeldern, wobei sicherzustellen ist, dass das Gesundheitspersonal digitale Kompetenz besitzt und das nötige Selbstvertrauen hat und dass die digitale Gesundheitskompetenz der Allgemeinbevölkerung gezielt gefördert wird. 3 Eine Resolution mit dem Titel „Das Potenzial der primären Gesundheitsversorgung: Lehren aus der COVID- 19-Pandemie und Folgen für den künftigen Kurs in der Europäischen Region der WHO“ wird der 71. Tagung des Regionalkomitees vorgelegt. EUR/RC71/12 Seite 31 WIE sieht der Erfolg aus? 100. Bis Ende 2023 strebt WHO/Europa an, in den Mitgliedstaaten zur Verbesserung von Chancengleichheit und Effizienz in der primären Gesundheitsversorgung beigetragen zu haben. Dies wird auf vielfältige Weise geschehen: • durch verstärkte Bereitschaft der primären Gesundheitsversorgung zur Reaktion auf künftige Notlagen in den Ländern; • durch ein wirksameres Modell der primären Gesundheitsversorgung in einer Reihe von Ländern, das den im 21. Jahrhundert bestehenden Anforderungen und Erwartungen der Bevölkerung an Gesundheit und Wohlbefinden besser gerecht wird; • durch Abbau von Zugangsproblemen und -barrieren für die primäre Gesundheitsversorgung über eine beschleunigte plattformübergreifende Leistungserbringung in der primären Gesundheitsversorgung mittels moderner, evidenzbasierter digitaler Lösungen, bei denen sichergestellt ist, dass alle, auch die Menschen in entlegenen Gebieten, durch Telegesundheit und Telemedizin und durch Unterstützung für Selbstüberwachung und Selbstmanagement Zugang zur Gesundheitsversorgung erhalten; • durch Leistungsanbieter in der primären Gesundheitsversorgung, die im Zusammenwirken mit Kommunalverwaltungen und Bevölkerung stark gefährdete und anfällige Personen in Echtzeit ermitteln können, und zwar mit Hilfe neuer Tools für Bevölkerungsmanagement und Risikobewertung, und die vorausschauend an sie herantreten und ihnen ein umfassendes Leistungsangebot bereitstellen können; • durch Verbesserung der Gewinnung und Bindung von Gesundheitspersonal in entlegenen und ländlichen Gebieten und eine bessere Leistungserbringung im Gesundheitswesen mittels integrierter elektronischer Patientenakten; und • durch beschleunigte Einführung digitaler Tools aufgrund der Erkenntnis in den Ländern, dass die digitale Kompetenz des Gesundheitspersonals verbessert werden muss. WIE wird dies erreicht? 101. Für WHO/Europa sind Investitionen in die primäre Gesundheitsversorgung mit einem umfassenden Ansatz verbunden, der auf die Gesundheitsberufe sowie auf digitale Gesundheit, Gesundheitsdaten und Versorgungsqualität setzt. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Grundsatzpapiere mit Grundsatzempfehlungen in den vorstehend genannten Bereichen; • Plattformen für den virtuellen Dialog, um Dynamik zu entwickeln und einen länderübergreifenden Austausch zu erleichtern; • Länderprofile, die ein Licht auf inspirierende Erfahrungen aus den Ländern werfen; • Programme der WHO für den Kapazitätsaufbau und Schulungen für Konzepte in der primären Gesundheitsversorgung, für Leistungsüberwachung und Leistungsmanagement in der primären Gesundheitsversorgung, die Führung von Gesundheitspersonal und die Steuerung des Arbeitskräfteangebots sowie eine EUR/RC71/12 Seite 32 praktische Simulationsübung zur Stärkung der Rolle der primären Gesundheitsversorgung bei der Bewältigung von Notlagen; • Standorte in allen Teilen der Europäischen Region für Praxisdemonstrationen zu den vorstehend genannten Themen zum Zwecke gegenseitigen Lernens über Ländergrenzen hinweg; • ein Modell für die digitale Kompetenz von Gesundheitsfachkräften zur Unterstützung für die Länder; • ein zweites Symposium der WHO über die Digitalisierung der Gesundheitssysteme, mit Schwerpunkt auf der Digitalisierung der primären Gesundheitsversorgung; und • ein Instrumentarium für die Versorgungsqualität bei digitalen Angeboten. Die begünstigenden Faktoren 102. In diesem Abschnitt wird erläutert, wie der für die befähigenden Funktionen bestimmte Anteil des PB 2022–2023 im kommenden Haushaltszeitraum zur Unterstützung der Umsetzung und zur Erhöhung der Durchschlagskraft in den Ländern verwendet wird. 103. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa: • die Kapazitäten der Länder in Bezug auf Datenerhebung und Innovation stärken; • Führungskompetenz, Politiksteuerung und Überzeugungsarbeit für Gesundheit stärken; und • einen effizienten, wirksamen, ergebnisorientierten und transparenten Umgang mit finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen herbeiführen. Stärkung der Kapazitäten der Länder in Bezug auf Datenerhebung und Innovation und EPW-Messrahmen 104. Die COVID-19-Krise hat unterstrichen, dass alle Länder unbedingt ihre Gesundheitsdaten- und Gesundheitsinformationssysteme und -kreisläufe stärken müssen. Der Mangel an Echtzeitdaten zur Verfolgung von Fortschritten stellt die Mitgliedstaaten vor erhebliche Herausforderungen bei der Feststellung von Trends und bei der Prognose von Zukunftsszenarien im Hinblick auf fundierte Entscheidungen. 105. In der Europäischen Region beträgt die durchschnittliche Dauer bis zur Meldung von Daten durch die Mitgliedstaaten drei Jahre. Eine mangelnde Standardisierung von Gesundheitsdaten, Verzögerungen bei Eingang und Verarbeitung von Daten und die fehlende Verzahnung und Interoperabilität zwischen verschiedenen Gesundheitsinformationssystemen verhindern eine zeitnahe Meldung, Verarbeitung und Analyse von Daten, die die wesentlichen Hindernisse für eine solide Daten-Pipeline darstellen. Diese Probleme bestehen allesamt seit Jahrzehnten, aber haben erst jetzt, aufgrund einer beispiellosen globalen Krise, gleichzeitig alle Länder erfasst. 106. Als Antwort auf diese Herausforderungen und zur Messung der Fortschritte in der Europäischen Region haben die Mitgliedstaaten vereinbart, durch einen Messrahmen über Fortschritte und Hindernisse Bericht zu erstatten. Der Messrahmen für das EPW orientiert sich EUR/RC71/12 Seite 33 an den Rahmen für das GPW 13 und die SDG. Darin werden die drei zentralen Prioritäten und vier Flaggschiff-Initiativen des EPW berücksichtigt und die Folgen der COVID-19-Pandemie für die Gesundheitssysteme insgesamt untersucht. WIE sieht der Erfolg aus? 107. Bis Ende 2023 strebt WHO/Europa an, über aktualisierte und besser koordinierte Datenbestände und Gesundheitsinformationssysteme zu verfügen und zur Verringerung der Belastung der Mitgliedstaaten durch Datenerhebung beizutragen. Erfolg bedeutet: • eine Operationalisierung des EPW-Messrahmens; • eine Ausweitung der Kapazitäten der Länder zwecks Schaffung, Optimierung und Evaluation integrierter und wirksamer Gesundheitsinformationssysteme; und • Verwendung von digitalen Datenquellen und Big Data zwecks gezielter Nutzung der Vorhersagekraft von Daten zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen in der Europäischen Region. WIE wird dies erreicht? 108. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • eine jährliche Aktualisierung aller Indikatoren aus dem EPW-Messrahmen ab 2022; • Unterstützung bei der Entwicklung von Indikatorbereichen für im Messrahmen genannte Themen, die als besonders wichtig für die Europäische Region eingestuft werden; • Länderprofile (eine Pilotreihe zum Thema „Erkenntnisse aus der Praxis der Gesundheitssysteme“) für eine Reihe von Ländern außerhalb der EU; • Bewertungen der Gesundheitsinformationssysteme in einer Reihe von Ländern mittels des Instruments von WHO/Europa zur Stärkung von Gesundheitsinformationssystemen; und • ein Instrumentarium für die Digitalisierung der Gesundheitsinformationssysteme in den Ländern, einschließlich der Nutzung von digitalen Datenquellen und Big Data. Stärkung von Führungskompetenz, Politiksteuerung und Überzeugungs- arbeit für Gesundheit Verbesserung der Ausrichtung auf die Länder in der gesamten Europäischen Region 109. Die Entschlossenheit von WHO/Europa, die Ausrichtung auf die Länder zu verstärken und dort mehr Durchschlagskraft zu entwickeln, steht im Mittelpunkt des EPW. Auf der Grundlage der beträchtlichen Arbeit, die während des Haushaltszeitraums 2020–2021 in die Verstärkung der direkten Unterstützung für die Gesundheitspolitik in den Mitgliedstaaten geflossen ist, wird WHO/Europa auch weiterhin zusammen mit allen Mitgliedstaaten auf die Entwicklung und Umsetzung von Kooperationsstrategien hinarbeiten, die auf eine Stärkung von Prioritätensetzung und Planung mit den Ländern anhand eines Bottom-up-Ansatzes und auf die Erleichterung einer wirksamen Zusammenarbeit mit wie auch zwischen Ländern und Partnerorganisationen auf der subregionalen Ebene hinarbeiten. EUR/RC71/12 Seite 34 110. Im Rahmen der Strategie von WHO/Europa für Personalentwicklung und -fortbildung im Zeitraum 2022–2023 wird ein regelmäßiger und gezielter Kapazitätsaufbau vorangetrieben und gemäß den Ergebnissen der Bestandsaufnahme der Präsenz und Tätigkeit von WHO/Europa in den Ländern gesteuert, wobei sichergestellt wird, dass die erforderlichen Fähigkeiten und Kompetenzen sowohl auf der Länderebene als auch beim Regionalbüro selbst vorhanden sind und den Anforderungen vor Ort entsprechen. WIE sieht der Erfolg aus? 111. Bis Ende 2023 haben die Länder der Europäischen Region mittelfristige Strategien für ihre Zusammenarbeit mit WHO/Europa formuliert, das seinerseits über geeignete operative Mittel für die Zusammenarbeit sowie über Möglichkeiten zur Unterstützung der Mitgliedstaaten verfügt. Erfolg bedeutet: • WHO/Europa hat einen umfassenden strategischen Ansatz für seine Tätigkeit und Präsenz in den Mitgliedstaaten entwickelt und formuliert, sowohl für Länder mit als auch für Länder ohne direkte Präsenz der WHO vor Ort. • Mittelfristige Pläne für die strategische Zusammenarbeit sind auf die speziellen Gegebenheiten und Bedürfnisse von Mitgliedstaaten zugeschnitten, die im Hinblick auf die Verwirklichung ihrer Gesundheits- und Entwicklungsziele WHO/Europa um strategische Unterstützung in bestimmten Bereichen bitten. • WHO/Europa verfügt über Systeme, mit denen es Entwicklungen und Fortschritte in den Mitgliedstaaten mitverfolgen und seine strategische Unterstützung entsprechend anpassen kann. • Die Repräsentanten der WHO und die Leiter von Länderbüros und deren Mitarbeiter werden dazu geschult und befähigt, die Länder bedarfsgerecht zu unterstützen. • Die WHO verfügt in der Europäischen Region und auf der Länderebene über eine zwecktaugliche Mitarbeiterschaft mit den erforderlichen Fähigkeiten und Kompetenzen für die Umsetzung des EPW und des GPW 13 und für eine angemessene Unterstützung der Länder. WIE wird dies erreicht? 112. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Die Bestandsaufnahme der Präsenz und Tätigkeit von WHO/Europa in den Ländern wird 2022 mit der Vorlage eines Strategiedokuments an die 72. Tagung des Regionalkomitees abgeschlossen. • Als Teil der Bestandsaufnahme wird die angemessene Strukturierung und personelle Besetzung der befähigenden Funktionen neu untersucht, um zu gewährleisten, dass die benötigten Kapazitäten am richtigen Platz vorhanden sind, um auf der Länderebene eine optimale Wirkung zu erzielen.4 4 Speziell aufgrund der Lehren aus der COVID-19-Pandemie hat die Weltgesundheitsversammlung WHO/Europa für die befähigenden Funktionen auf der Ebene der Europäischen Region und der Länder zusätzliche Mittel in Höhe von 2 Mio. US-$ zur bedarfsgerechten Stärkung von Kapazitäten bewilligt. Zur Anleitung wird ein klarer Rahmen für die Rechenschaftslegung entwickelt, in dem die Übertragung von Befugnissen und daraus resultierende Hierarchien für das Risikomanagement geregelt werden. EUR/RC71/12 Seite 35 • Eine Strategie für Personalentwicklung und -fortbildung, die sich an dem in der Bestandsaufnahme festgestellten Bedarf orientiert und speziell auf die Repräsentanten der WHO (WR) und die Leiter der Länderbüros sowie deren Mitarbeiter zugeschnitten ist und die ein Einführungsprogramm für die WR, fachliche Schulungen für Mitarbeiter der Länderbüros zu den Prioritäten und Flaggschiff-Initiativen des EPW nach Maßgabe der Erfordernisse und Prioritäten der Länder sowie Schulungen in Kommunikation mit Schwerpunkten auf der Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Öffentlichkeitsarbeit, der Bekämpfung von Falschinformationen und der Aufrechterhaltung des Vertrauens in Wissenschaft und Evidenz beinhaltet. Unterstützung der Länder bei der Erschließung von Synergieeffekten im Gesundheitsbereich auf subregionaler Ebene 113. Länder mit ähnlichen gesundheitlichen und politischen Rahmenbedingungen können durch eine zielgerichtete Kooperation erheblich schneller Fortschritte bei der Verwirklichung ihrer Gesundheitsziele erreichen. WHO/Europa ist entschlossen, eine solche Zusammenarbeit auf subregionaler Ebene zu fördern. 2021 hat WHO/Europa fünf Länder des Westbalkans und eine Reihe von Partnerorganisationen an einen Tisch gebracht, um einen Fahrplan für Gesundheit und Wohlbefinden in den Ländern des Westbalkans für den Zeitraum 2021–2025 auszuarbeiten, der drei Ziele verfolgt – Sicherung eines hohen Stellenwerts für Gesundheit auf der politischen Tagesordnung, Erhöhung in- und ausländischer Investitionen in die Gesundheit und Ausrichtung der fachlichen Zusammenarbeit auf Schlüsselbereiche für die Schließung der gesundheitlichen Kluft – alle mit demselben Gesamtziel, die gesundheitliche Kluft zwischen den Ländern des Westbalkans und den EU-Staaten zu schließen. 114. Ferner hat WHO/Europa seine Bemühungen um Einbindung anderer Länder in ähnliche Konstellationen verstärkt, etwa durch das EU-Projekt Östliche Nachbarschaft und die Initiative kleiner Länder sowie durch regelmäßige Kontakte auf Ministerebene mit den zentralasiatischen Republiken, den baltischen Ländern und den Ländern der Visegrád-Gruppe und ihren Nachbarn. WIE sieht der Erfolg aus? 115. Länder, die sich in Bezug auf Gesundheit und Entwicklung in ähnlichen Stadien befinden, werden dabei unterstützt und dazu befähigt, die Zusammenarbeit auf der subregionalen Ebene auszuweiten, gemeinsame Maßnahmen zur Beseitigung gemeinsamer Engpässe zu bestimmen und so ihre Fähigkeit zur Beschleunigung der Fortschritte hin zur Verwirklichung ihrer Gesundheitsziele zu maximieren. Erfolg bedeutet: • Die Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich auf der subregionalen Ebene wird ausgeweitet, um der Gesundheit auch weiterhin einen hohen Stellenwert auf der politischen Tagesordnung zu sichern, die Investitionen in Gesundheit zu maximieren und die fachliche Unterstützung in Bereiche mit höherem Wirkungspotenzial zu lenken. • Das EPW wurde an die spezifischen gesundheitlichen und entwicklungsbezogenen Rahmenbedingungen in ausgewählten Teilregionen angepasst, und die Mitgliedstaaten und Entwicklungspartner können leichter vorrangige Handlungsfelder für die Zusammenarbeit und Unterstützung auf nationaler bzw. subregionaler Ebene bestimmen. EUR/RC71/12 Seite 36 WIE wird dies erreicht? 116. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Umsetzung des Fahrplans für Gesundheit in den Ländern des Westbalkans – Im Zeitraum 2022–2023 wird WHO/Europa die Länder des Westbalkans bei der Umsetzung des Fahrplans begleiten, u. a. durch regelmäßige Beratung über Fortschritte bei der Umsetzung und einen konkreten Vorstoß zu seiner Finanzierung. • Fahrplan für Gesundheit in den Ländern Zentralasiens – WHO/Europa fördert die Entwicklung eines Fahrplans für Gesundheit in den Ländern Zentralasiens als Blaupause für Investitionen und fachliche Zusammenarbeit, u. a. durch Projekte, die von der EU und anderen Entwicklungspartnern unterstützt werden. • Fahrplan für die Umsetzung des EPW in kleinen Ländern – Aufbauend auf den Ergebnissen ihrer siebten hochrangigen Tagung (elf teilnehmende Länder) wird die Initiative kleiner Länder einen Fahrplan für die Umsetzung der EPW und für eine engere Zusammenarbeit entwerfen und abstimmen. • Die Zusammenarbeit der WHO mit dem EU-Projekt Östliche Nachbarschaft wird fortgesetzt und möglicherweise an der Nahtstelle zwischen Notfallunterstützung und Stärkung der Gesundheitssysteme ausgeweitet. • Andere Teilregionen – WHO/Europa wird auch in anderen Teilregionen weiterhin Foren in den Bereichen Führungskompetenz und Konzeptentwicklung im Gesundheitsbereich sowie fachliche Zusammenarbeit einrichten. Unterstützung der Gesundheitspolitik in den Mitgliedstaaten durch die ELA 117. Die Einrichtung der ELA ist eine Schlüsselinitiative, die WHO/Europa bei seinen Bemühungen um Maximierung der Durchschlagskraft in den Ländern im Hinblick auf die Umsetzung des EPW und des GPW 13 unterstützen soll. Die übergeordnete Zielsetzung der ELA besteht darin, die Mitgliedstaaten bei der Verwirklichung der Ziele und Vorgaben des EPW zu unterstützen, auch durch Unterstützung der nationalen Gesundheitssysteme bei der Vorbereitung auf potenzielle Gefahren und Notlagen sowie bei der Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung getreu der Maxime, niemanden zurückzulassen. Langfristig wird die ELA auch zur Behebung von Problemen aufgrund von Unterrepräsentation innerhalb des Systems der Vereinten Nationen beitragen. 118. Die ELA wurde von WHO/Europa im Juni 2021 mit einem ersten Demonstrationsprojekt der Kategorie 1 eingeweiht. Dieses bietet jungen Fachkräften aus den Gesundheitsberufen und verwandten Bereichen eine Gelegenheit, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu entwickeln, und soll im Laufe eines zwölfmonatigen Aufenthalts bei WHO/Europa ihr Interesse am öffentlichen Gesundheitswesen wecken. Dabei sollen vorrangig Nachwuchskräfte aus Mitgliedstaaten aus den Teilregionen Zentralasien und Westbalkan sowie der Russischen Föderation zum Zuge kommen. Anfang 2022 wird ein Demonstrationsprojekt der Kategorie 2 folgen, in dessen Mittelpunkt ein Austauschprogramm auf der mittleren Ebene für Beamte aus nationalen Verwaltungen steht, das Möglichkeiten zum Kapazitätsaufbau und zu einem gegenseitig nützlichen Wissens- und Erfahrungsaustausch mit Schwerpunkten auf dem Wiederaufbau und der Widerstandsfähigkeit EUR/RC71/12 Seite 37 von Gesundheitssystemen beinhalten soll. Beide Demonstrationsprojekte sollen umfassend evaluiert werden und in die Ausweitung der ELA im Zeitraum 2022–2023 einfließen.5 WIE sieht der Erfolg aus? 119. Dies erfordert: • eine effektive Gestaltung und Umsetzung der Demonstrationsprojekte der Kategorien 1 und 2; • ein wachsendes Netzwerk von Nachwuchs-Führungskräften im Bereich der öffentlichen Gesundheit mit einem verbesserten Verständnis in Bezug auf Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheitsdienste, partizipatorische Führungskompetenz sowie die WHO und die Vereinten Nationen; • effektivere Arbeitsbeziehungen zwischen den Fachprogrammen von WHO/Europa und nationalen Experten im Einklang mit den gesundheitlichen Bedürfnissen und Prioritäten der Länder; und • Unterstützung hochrangiger Führungskräfte im Gesundheitsbereich bei der Einführung landesweiter, nachhaltiger Innovationen in Gesundheitssystemen und öffentlichen Gesundheitsdiensten. WIE wird dies erreicht? 120. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Umsetzung und Evaluation des Demonstrationsprojekts der Kategorie 1 bis zum dritten Quartal 2022; • Umsetzung und Evaluation des Demonstrationsprojekts der Kategorie 2 bis zum dritten Quartal 2022 (in Abhängigkeit von der COVID-19-Situation in der Europäischen Region); und • Ausweitung und Erweiterung der Demonstrationsprojekte der Kategorien 1 und 2 bis Ende 2022. 121. Die umfassende Unterstützung von Nachwuchskräften durch WHO/Europa unter der Regie des Regionaldirektors wird sich auch weiterhin an dem Bedarf von Führungskräften im Gesundheitsbereich in der gesamten Region orientieren. In den Jahren 2020 und 2021 hat WHO/Europa seine direkte Unterstützung für die Gesundheitspolitik in den Mitgliedstaaten aktiv intensiviert, und zwar durch regelmäßige Video-Besprechungen mit Gesundheitsministern auf subregionaler Ebene, mit insgesamt 17 Ländermissionen unter der Führung des Regionaldirektors, durch die Unterzeichnung von 13 zweijährlichen Kooperations- vereinbarungen sowie durch über 150 bilaterale und multilaterale Zusammentreffen zwischen dem Regionaldirektor und den Mitgliedstaaten. Es wird fest angestrebt, diese Unterstützung durch das Büro des Regionaldirektors während der gesamten Laufzeit des PB 2022–2023 aufrechtzuerhalten und noch auszuweiten. 5 Im Hinblick auf den Umgestaltungsprozess bei WHO/Europa hat die 74. Weltgesundheitsorganisation für die Ausweitung der ELA im nächsten Haushaltszeitraum unter Resultat 1.1 einen zusätzlichen Etat in Höhe von 3 Mio. US-$ bereitgestellt. EUR/RC71/12 Seite 38 Mobilisierung von Ressourcen, Stärkung von Bündnissen und Zusammenführung von Partnern 122. Auf der Grundlage der Veränderungsziele für den Zeitraum 2020–2021 wird WHO/Europa im nächsten Zweijahreszeitraum die Unterstützung für die WHO-Länderbüros in Bezug auf Mittelbeschaffung und die Koordinierung mit den Partnern ausweiten, die Bündnisse im östlichen Teil der Region stärken und die Zusammenarbeit von WHO/Europa mit sowie seinen Aktionsradius unter nichtstaatlichen Akteuren ausdehnen, namentlich durch Sondierung und Festlegung innovativer Wege der Zusammenarbeit mit ihnen. 123. Die Umsetzung der Mittelbeschaffungsstrategie von WHO/Europa und die Investitionsszenarien, die unter der Regie der Arbeitsgruppe des Ständigen Ausschusses zur Finanzierung von WHO/Europa 2021 ausgearbeitet wurden, werden eine Priorität bilden, insbesondere: • die Fortsetzung der Bemühungen zur Erhöhung des Anteils nachhaltiger Finanzmittel für die WHO; • die Unterstützung der Länderbüros bei der Erhöhung der zur Umsetzung des EPW verfügbaren Ressourcen; und • die anhaltende Förderung der Zusammenarbeit mit wesentlichen Ressourcenpartnern in strategisch wichtigen Bereichen. 124. Im Einklang mit der laufenden Reform der Vereinten Nationen wird WHO/Europa in der Europäischen Region und auf der Länderebene aktiv zu den Koordinierungsbemühungen im Rahmen der Vereinten Nationen sowie zur Umsetzung des Globalen Aktionsplans für ein gesundes Leben und Wohlergehen aller Menschen beitragen. WHO/Europa wird auch darauf hinarbeiten, dass das volle Potenzial der Kooperationszentren der WHO ausgeschöpft wird und diese einen maximalen Beitrag zur Verwirklichung der Ziele des EPW leisten können. WIE sieht der Erfolg aus? 125. Dies erfordert: • eine vollständig finanzierte Sektion „Basisprogramme“ des Programmhaushalts mit höheren Finanzmitteln für bisher unterfinanzierte Arbeitsbereiche und Länderbüros und einem insgesamt erhöhten Anteil nachhaltiger Mittel (flexible, vorhersehbare, langfristige Mittel zur Unterstützung der Sektion „Basisprogramme“) von einem breiteren Spektrum von Beitragszahlern; • eine erweiterte strategische Zusammenarbeit mit maßgeblichen Partnerorganisationen zur Unterstützung der Umsetzung des EPW in der gesamten Europäischen Region mit besonderer Schwerpunktlegung auf den östlichen Teil der Region; und • eine verstärkte Zusammenarbeit mit Schwesterorganisationen der Vereinten Nationen im Zuge der Reform der Vereinten Nationen und verbesserte Zusammenarbeit, Vernetzung und Sichtbarkeit der Kooperationszentrum der WHO sowie verstärkte Zusammenarbeit und offener Dialog mit nichtstaatlichen Akteuren. EUR/RC71/12 Seite 39 WIE wird dies erreicht? 126. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Unterstützung mit dem Ziel der Erhöhung von Umfang und Qualität der beschafften Mittel, namentlich durch Entwicklung von Mittelbeschaffungsplänen für den Zeitraum 2022–2025 für alle Abteilungen und vorrangigen Länderbüros von WHO/Europa, einschließlich Bereitstellung von Schulungen für Mitarbeiter von Länderbüros und andere maßgebliche Mitarbeiter im Bereich Mittelbeschaffung bis Ende 2022; • Erstellung von Investitionsszenarien für ausgewählte Abteilungen, Programme und Länderbüros bzw. Flaggschiff-Initiativen des EPW; • Fortsetzung des starken Engagements von WHO/Europa, namentlich durch die Arbeitsgruppe des SCRC zur Finanzierung von WHO/Europa, bei den globalen Bemühungen um Erhöhung der für die Organisation verfügbaren nachhaltigen Finanzmittel; • gezielte Unterstützung für die Abteilungen und Länderbüros von WHO/Europa bei der Ausrichtung ihrer Zusammenarbeit mit Partnerschaften, einschließlich der Kooperationszentren der WHO, am EPW, unter Schwerpunktlegung auf die Flaggschiff-Initiativen; und • Positionierung der Themenbezogenen Koalition für Gesundheit und Wohlbefinden und des Globalen Aktionsplans für ein gesundes Leben und Wohlergehen aller Menschen als führende Koordinierungsmechanismen für die Europäische Region und die Länderebene. Eintreten für die Gesundheit, um niemanden zurückzulassen 127. Das EPW und die COVID-19-Pandemie haben WHO/Europa dazu veranlasst, die Kommunikationsarbeit zu forcieren, um für gesundheitliche Belange einzutreten, Vertrauen aufzubauen, gegen Falschinformationen und Desinformationskampagnen vorzugehen, evidenzbasierte Informationen über öffentliche Gesundheit auszutauschen und die Arbeit der Gesundheitsbehörden zu fördern. In dieser Hinsicht wird die Kommunikationsarbeit von WHO/Europa so verbessert, dass sie den Mitgliedstaaten besser dabei behilflich ist, mit ihren Ansprechpartnern und Zielgruppen zu kommunizieren und so die Vertrauensbildung und die Bereitstellung zuverlässiger Informationen zu fördern. WIE sieht der Erfolg aus? 128. Dies erfordert: • Während des gesamten Zeitraums 2022–2023 werden Zielgruppen und Mitgliedstaaten einen besseren Zugang zu mehrsprachigen, maßgeschneiderten, visuell ansprechenden Gesundheitsinformationen aus vertrauenswürdigen und gut zugänglichen Quellen erhalten, namentlich zu evidenzbasierten Gesundheitsinformationen und Empfehlungen. • WHO/Europa wird strategische Arbeitsverfahren operationalisiert haben, um seinen Wettbewerbsvorteil im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit zu bestimmen und gezielt zu nutzen, die institutionellen Risiken zu minimieren, Anerkennung und EUR/RC71/12 Seite 40 Vertrauen aufzubauen, seine Inhalte und Kampagnen zu rationalisieren, die Kooperationen mit Partnern und die Kontakte zu den Medien zu forcieren und in seiner Arbeit Erfolgskontrolle, Evaluation und Lernprozesse miteinander zu verflechten. • WHO/Europa wird seine Kommunikationsfähigkeit in allen Länderbüros ausgedehnt und gefestigt haben, um spezielle fachliche Unterstützung bieten zu können, und alle Mitarbeiter werden über die nötigen Fähigkeiten und Instrumente im Hinblick auf die Überzeugungsarbeit im Gesundheitsbereich und die Konkretisierung ihres Beitrags zur Verwirklichung des EPW verfügen. WIE wird dies erreicht? 129. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • eine neue Kommunikationsstrategie von WHO/Europa für den Zeitraum 2022– 2025, die auf Marktforschung und Gesprächen mit maßgeblichen Akteuren basiert und klare Ziele festlegt, welche die zentralen Prioritäten und Flaggschiff-Initiativen des EPW widerspiegeln, die Arbeitsverfahren neu ausrichtet und messbare jährliche Pläne aufstellt; Abschnitte zu Inhalten, Medien und Partnerschaften werden konkretisiert; • eine schnelle, voll integrierte und aktualisierte Website mit mehrsprachigen Funktionalitäten, erweiterten visuellen Inhalten und der Fähigkeit zur Weitergabe von Inhalten, gleichermaßen kompatibel mit Desktop-Computern und mobilen Geräten; • audiovisuelle Angebote und die Fähigkeit zur Produktion von Video- und Hörbeiträgen in den Medien durch ein Multimedia-Studio in der UN City in Kopenhagen sowie kleine Studios in ausgewählten Länderbüros; • jährliche Pläne für Kooperationen und aufsuchende Öffentlichkeitsarbeit für Partnerorganisationen und Veranstaltungen auf der Grundlage der zentralen Prioritäten des EPW; • eine Ausdehnung der Initiative des Freiwilligenprogramms der Vereinten Nationen für Kommunikationsexperten in den Länderbüros mit dem Ziel, dass die Hälfte der Länderbüros über diesen nachhaltigen Sachverstand im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit verfügt; und • eine Ausbildungswoche für Kommunikation mit mindestens zehn bedarfsgerechten Präsenz-Modulen und inspirierenden Einführungsvorträgen sowie einer anhaltenden Betreuung von Mitarbeitern, kurzfristigen Aufgaben und Initiativen zum Fähigkeitenaustausch. Stärkung der leitenden Organe von WHO/Europa 130. Die WHO kann nur dann ihrem Auftrag gerecht werden, wenn ihre Mitgliedstaaten volle Eigenverantwortung für die zu ihrer Unterstützung entwickelten Programme und Konzepte übernehmen. Die enge Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten durch die leitenden Organe der WHO spielt hierbei eine Schlüsselrolle, nicht nur im Hinblick auf Transparenz und Rechenschaftslegung, sondern auch um bei der Gestaltung und Umsetzung der Konzepte der WHO von dem reichhaltigen und vielfältigen Wissens- und Erfahrungsschatz der Länder zu EUR/RC71/12 Seite 41 profitieren. Dies ist die beste Garantie dafür, dass die Unterstützung durch die WHO zwecktauglich ist und den unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern der Europäischen Region gerecht wird. 131. Von Beginn an wirkte die COVID-19-Pandemie als ein mächtiger innovativer Disruptor auf die Arbeit der leitenden Organe. Dies zeigte sich u. a. an der erstmaligen Veranstaltung des Regionalkomitees in virtueller Form, einer historischen Tagung in vielerlei Hinsicht: von der Art der Festlegung der Tagesordnung, der Durchführung der Tagung oder der Sicherstellung der Kontinuität der Arbeit der leitenden Organe (z. B. erstmalige geheime Briefwahl speziell zur Nominierung von Kandidaten für Organe und Ausschüsse der WHO). Es verdeutlichte auch die entscheidende Bedeutung des SCRC und seiner Arbeitsgruppen, deren Mitglieder sich regelmäßiger trafen, aktiv ihre Überlegungen vorantrieben und vorausschauender handelten (z. B. bei der Ausarbeitung von gemeinsamen Erklärungen und Resolutionsentwürfen). WIE sieht der Erfolg aus? 132. Dies erfordert: • ein Regionalkomitee, das über aktuelle und zentrale Prioritäten für die Europäische Region berät und zwecktaugliche Maßnahmen und Strategien für eine möglichst wirksame und effiziente Unterstützung der Länder festlegt; • einen SCRC, der als ständiger Resonanzboden den Regionaldirektor berät und die Umsetzung von Beschlüssen des Regionalkomitees sicherstellt; • ein WHO/Europa, das gegenüber den Mitgliedstaaten rechenschaftspflichtig ist und sie eng in die Gestaltung seiner Konzepte und Maßnahmen einbindet, die vollständig an der globalen Strategie der WHO ausgerichtet sind; und • Mitgliedstaaten, die entschlossen sind, die WHO zu stärken, und sich durch einen inklusiven, transparenten und vorhersehbaren Prozess bei Wahlen und Nominierungen aktiv um Beteiligung an der Arbeit der leitenden Organe bemühen. WIE wird dies erreicht? 133. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Durchführung produktiver, effektiver und effizienter Tagungen der leitenden Organe mit Hilfe einer klaren Tagesordnung, gut zugänglicher Dokumente und klarer Entscheidungspunkte; • Unterstützung einzelner Mitglieder der leitenden Organe, um ihnen eine vollständige Ausübung ihres Mandats zu ermöglichen; • weitere Überprüfung und Erneuerung von Praktiken und Prozessen für die Zusammenarbeit und Beratung mit den leitenden Organen in der Europäischen Region sowie mit den die Europäische Region repräsentierenden Mitgliedern globaler leitender Organe, aber auch im Hinblick auf die Weiterverfolgung und Umsetzung der Ergebnisse dieser Prozesse; • bessere Ausrichtung von Maßnahmen in der Europäischen Region an auf der globalen Ebene festgelegten Konzepten und Unterstützung für die Delegationen der Länder der Europäischen Region während Tagungen der globalen leitenden Organe; und EUR/RC71/12 Seite 42 • weitere Unterstützung für die Mitgliedstaaten bei der Prüfung der Reform der Führungsstrukturen und bei der Überprüfung und Gestaltung inklusiver, transparenter und vorhersehbarer Prozesse für die Nominierung und Wahl von Mitgliedern der leitenden Organe. Effizienter, wirksamer, ergebnisorientierter und transparenter Umgang mit finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen 134. Im EPW werden klare Gebote für die Schaffung und Aufrechterhaltung eines zwecktauglichen WHO/Europa in einem sich rapide verändernden Umfeld genannt. Dazu zählen: die Erhöhung der Durchschlagskraft in den Ländern; die digitale Umgestaltung; ein gesundes, respektvolles und motivierendes Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter, in dem es keine Toleranz gegenüber Belästigung gibt; und die Gewährleistung finanzieller Nachhaltigkeit und Rechenschaftslegung. Die befähigenden Funktionen von WHO/Europa werden auch weiterhin groß angelegte Projekte in diesen Bereichen gestalten, umsetzen und evaluieren. Erhöhung der Durchschlagskraft in den Ländern durch Straffung der Prozesse und digitale Umgestaltung 135. Vereinfachte, effiziente und transparente Arbeitsabläufe sorgen für eine verbesserte Produktivität und ein günstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Umsetzung der Fachprogramme. Im Zeitraum 2020–2021 hat WHO/Europa eine Plattform zur Automatisierung von Geschäftsabläufen aufgebaut, in der zehn Abläufe, die als erste Prioritäten für die Erhöhung der Durchschlagskraft in den Ländern bestimmt wurden, digitalisiert wurden. Die Zielsetzung für den Haushaltszeitraum 2022–2023 besteht darin, die Automatisierung aller von organisationseigenen Systemen nicht abgedeckten vorrangigen Projekte abzuschließen, um Kontinuität mit einer ordnungsgemäßen Aufbewahrung von Akten zu gewährleisten, die Arbeit der Bediensteten in der gesamten Europäischen Region zu vereinfachen und die Rechtzeitigkeit der Aktivitäten und Reaktionen von WHO/Europa zu verbessern. 136. Parallel zu der Arbeit an der Software-Plattform von WHO/Europa werden die Mitarbeiter in der gesamten Europäischen Region eingeladen, zu dem globalen Projekt für die Ersetzung des Systems der WHO zur Planung der Betriebsressourcen beizutragen und sicherzustellen, dass in den neuen organisationseigenen Systemen während sämtlicher Phasen eines Projekts, von der Konzipierung bis zu Umsetzung, die Durchschlagskraft in den Ländern im Mittelpunkt steht. WIE sieht der Erfolg aus? • Ein WHO/Europa mit erhöhter Produktivität und Transparenz zur Verwirklichung des EPW. WIE wird dies erreicht? 137. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Fortsetzung der Vereinfachung und Digitalisierung von Geschäftsabläufen durch die Plattform zur Automatisierung von Geschäftsabläufen und die Einführung organisationseigener Systeme; EUR/RC71/12 Seite 43 • Nutzung von Daten dieser Plattform für eine kontinuierliche Verbesserung von Geschäftsabläufen; und • Entwicklung digitaler Materialien, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter von WHO/Europa über sämtliche für die Umsetzung von Aktivitäten benötigten Tools Bescheid wissen und Zugriff auf sie haben. Ein gesundes, respektvolles und motivierendes Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter, in dem es keine Toleranz gegenüber Belästigung gibt 138. Im kommenden Zweijahreszeitraum wird die Schaffung eines gesunden, respektvollen und motivierenden Arbeitsumfelds für alle Mitarbeiter, in dem es keine Toleranz gegenüber Belästigung gibt, weiterhin eine der zentralen Prioritäten für den Regionaldirektor und die gesamte oberste Leitungsebene in der Europäischen Region bleiben. Dazu ist auch eine Fortsetzung der Schwerpunktlegung auf emotionale Intelligenz, psychologische Sicherheit und eine offene, wechselseitige Kommunikation erforderlich, deren Ziel eine auf Werte gestützte Kultur der Kooperation und Innovation ist. 139. Im März 2021 wurden die neuen Grundsätze und Verfahren der WHO zur Prävention und Bekämpfung von Machtmissbrauch eingeführt. Sie spiegeln einen im gesamten System der Vereinten Nationen geltenden Ansatz und eine gemeinsame Sichtweise wider und gelten für sämtliche Beschäftigten der WHO und für das Verhalten am Arbeitsplatz oder in Verbindung mit der Arbeit. Die Schulungen haben bereits begonnen und werden um gezielte Schulungen für Führungskräfte und Vorgesetzte erweitert. Schablonen für Verträge und Schreiben, einschließlich Ernennungsschreiben, wurden um einen Hinweis auf die neuen Grundsätze ergänzt. 140. Gleichzeitig wird der neue Ombudsmann für WHO/Europa im kommenden Zweijahreszeitraum weiter ein besonderes Augenmerk auf Präventivmaßnahmen durch Förderung psychologischer Sicherheit in den Teams von WHO/Europa legen. Das ursprünglich 2021 eingeführte Konfliktbewältigungsprogramm wird ausgeweitet. Ferner wird die Arbeitsgruppe zur Initiative Respekt am Arbeitsplatz in ihren Bemühungen zum Aufbau einer respektvollen Arbeitsumgebung auf allen Ebenen von WHO/Europa unterstützt. 141. Neue Initiativen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter, wie der vom Regionaldirektor eingeführte Tag der offenen Tür und die 2021 gestartete Initiative „Auf dem Weg zu einem gesunden und respektvollen Arbeitsumfeld“, werden unterstützt und ausgebaut und mit einer Handlungsverpflichtung in Bezug auf folgende Bereiche verknüpft: institutionelle Einflussfaktoren, die sich negativ auf die Mitarbeiter auswirken; Aufbau einer virtuellen Community auf den Werten Verbindung, Teilhabe und Respekt; Herstellung der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zum Schutz des Wohlbefindens; und verbesserte Planung und Steuerung der Arbeitsbelastung. 142. Die Schwerpunktlegung auf eine strukturierte, ergebnisorientierte Personalentwicklung und -fortbildung wird aufrechterhalten und durch die zügige Umsetzung der Strategie für Personalentwicklung und -fortbildung ergänzt, um die Erhaltung der Leistungs-, Anpassungs- und Reaktionsfähigkeit der Beschäftigten angesichts sich verändernder Anforderungen der Länder auf Dauer zu sichern und gleichzeitig Personalgewinnung und -bindung sowie Mitarbeitermotivation zu gewährleisten. EUR/RC71/12 Seite 44 WIE sieht der Erfolg aus? 143. Dies erfordert: • Ein gesundes und respektvolles Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter, in dem es keine Toleranz gegenüber Belästigung gibt und in dem die Vielfalt des Personals und Inklusion gefördert werden; • unterstützte, befähigte und motivierte Bedienstete von WHO/Europa, die in der Lage sind, die zentralen Prioritäten und Flaggschiff-Initiativen des EPW umzusetzen. WIE wird dies erreicht? 144. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • eine vollständige Umsetzung der neuen Grundsätze und Verfahren zur Prävention und Bekämpfung von Machtmissbrauch bis 2022; • Bereitstellung von Schulungen zur psychologischen Sicherheit für sämtliche Teams von WHO/Europa auf entsprechenden Wunsch, ergänzt durch eine Erhöhung der Schulungskapazitäten für eine effektive Konfliktlösung um 33%; • Ausarbeitung und Umsetzung einer neuen flexibleren Arbeitszeitregelung für WHO/Europa auf der Grundlage der während der Pandemie und durch die Evaluation der vorläufigen Regelung der Telearbeit von 2021 gezogenen Lehren;6 • regelmäßige Schulungen für die Bediensteten von WHO/Europa über Tools und Plattformen zur virtuellen Kooperation nach Maßgabe der Ergebnisse der Bestandsaufnahme der Präsenz und Tätigkeit von WHO/Europa in den Ländern; • ein vollständiges Einführungsprogramm bei Dienstantritt für alle Mitarbeiter von WHO/Europa ab Januar 2022 mit dem Ziel einer effektiven Integration neuer Mitarbeiter; • Schulungen in Führungskompetenz und Personalführung für alle Vorgesetzten bei WHO/Europa bis Ende 2022, einschließlich der Bereiche emotionale Intelligenz und Teamleistung; • Schulungen in Projektmanagement für alle Mitarbeiter bis Ende 2022 in Abstimmung mit dem Kompetenzzentrum der WHO für Projektmanagement; und • verbesserte Chancen zur persönlichen Weiterentwicklung für national angeworbene Fachreferenten und langjährige Mitarbeiter im Allgemeinen Dienst, um die Personalbindung zu stärken und der Initiative für globale Karrieremöglichkeiten gerecht zu werden. 6 Durch die am 5. Juli 2021 bekannt gegebene neue vorläufige Regelung der Telearbeit wurde mehr Flexibilität bei der Telearbeit sowohl am Dienstort als auch anderswo geschaffen. Die oberste Leitungsebene wird zusammen mit der Personalvereinigung der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation die Erfahrungen mit der Umsetzung dieser vorläufigen Regelung bewerten. EUR/RC71/12 Seite 45 Gewährleistung finanzieller Nachhaltigkeit und Rechenschaftslegung 145. WHO/Europa hat sich zu finanzieller Nachhaltigkeit und Rechenschaftslegung sowie zu einem Arbeiten im Rahmen seiner verfügbaren Möglichkeiten verpflichtet. Ungeachtet seiner aktiven Anstrengungen zur Förderung der Mittelbeschaffung angesichts einer steigenden Nachfrage nach Unterstützung aufgrund der Pandemie ist sich WHO/Europa auch der finanziellen Herausforderungen bewusst, vor denen viele Mitgliedstaaten in den kommenden Jahren stehen werden. Um künftig auf Dauer finanzielle Nachhaltigkeit zu gewährleisten, wird es sich von vorbildlichen Praktiken und von den Ergebnissen der Bestandsaufnahme der Präsenz und Tätigkeit von WHO/Europa in den Ländern leiten lassen. 146. WHO/Europa ist entschlossen, bei der Verwirklichung des EPW für ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis zu sorgen. Die Teams werden weiterhin innovative Ansätze für die Lösung „vertrackter Probleme“ prüfen und sich auf Fragen der Produktivität konzentrieren, wie vom Unabhängigen fachlichen Aufsichts- und Beratungsausschuss in seiner 2020 durchgeführten Prüfung von WHO/Europa erläutert. Mechanismen zur Unterstützung der Umsetzung, einschließlich der Aspekte Risikomanagement und Überwachung der Regelkonformität, werden durch die zunehmende Professionalisierung der befähigenden Funktionen gestärkt werden. 147. Im Laufe des Jahres 2021 wird das System zur Steuerung der Einbindung der Beitragszahler (CEM) von der WHO weltweit eingeführt. Es wird eine Verbesserung des Finanzmanagements und der Rechenschaftslegung in Bezug auf freiwillige Beiträge bewirken und jeweils die Resultate, die Wirkung und den Mehrwert für die Mitgliedstaaten und die Ressourcenpartner verdeutlichen. WIE sieht der Erfolg aus? • Das Geschäftsmodell von WHO/Europa wird auf eine Optimierung des Kosten- Nutzen-Verhältnisses bei der Verwirklichung der Ziele des EPW und bei der Steuerung der wesentlichen Risiken ausgerichtet. WIE wird dies erreicht? 148. Durch den PB 2022–2023 wird WHO/Europa u. a. folgende Aktivitäten durchführen bzw. Ergebnisse liefern: • Im Rahmen der Bestandsaufnahme der Präsenz und Tätigkeit von WHO/Europa in den Ländern wird der steigende Bedarf an professionellen befähigenden Strukturen überprüft, um sicherzustellen, dass angemessene Kapazitäten zur Verfügung stehen und die zuständigen Behörden ein Höchstmaß an Effektivität erreichen können. • Der Schwerpunkt bei der Verteilung von Ressourcen wird auf der Länderebene liegen, und die Strukturen werden entsprechend eingerichtet. • Die oberste Leitungsebene wird die Risiken in regelmäßigen Abständen prüfen und dabei zeitnah und vorausschauend schwierige Sachfragen in Angriff nehmen. • In der gesamten Europäischen Region werden die Sicherungsmechanismen gestärkt, die der Überwachung der Umsetzung dienen. EUR/RC71/12 Seite 46 Überblick über die Finanzlage der Europäischen Region Überblick über Finanzen und Haushalt 149. Die 74. Weltgesundheitsversammlung hat mit der Resolution WHA74.3 den Programmhaushalt der WHO für den Zeitraum 2022–2023 in Höhe von 6121,7 Mio. US-$ genehmigt, der in Dokument A74/5 Add.1 der Weltgesundheitsversammlung dargestellt wird. Die Weltgesundheitsversammlung hat den Basisprogrammen 4364,0 Mio. US-$, der Eradikation der Poliomyelitis 558,3 Mio. US-$, den Sonderprogrammen 199,3 Mio. US-$ und der Sektion Notfallmaßnahmen und Beschwerden 1000,0 Mio. US-$ zugewiesen. 150. Der genehmigte PB 2022–2023 steht unter dem Vorbehalt einer weiteren Überprüfung, die von der 75. Weltgesundheitsversammlung genehmigt wird und die sich rapide verändernde gesundheitliche Situation in der Welt infolge der COVID-19-Pandemie widerspiegeln wird. Dabei werden auch die Ergebnisse der der 74. Weltgesundheitsversammlung vorgelegten Überprüfung durch die IPPPR sowie die Empfehlungen der Arbeitsgruppe des Exekutivrats für nachhaltige Finanzierung berücksichtigt. Abb. 1: Genehmigter Basis-Programmhaushalt 2022–2023 nach größerem Büro (in Mio. US-$) EUR/RC71/12 Seite 47 151. Der Anteil der Europäischen Region am genehmigten Basis-Programmhaushalt (320,5 Mio. US-$) beträgt 7,3% des gesamten Basis-Programmhaushalts – der zweitniedrigste Anteil nach der Region Gesamtamerika (siehe Abb. 1) – und stellt eine Erhöhung um 15% gegenüber dem PB 2020–2021 dar (was in etwa der organisationsweiten Erhöhung von 16% entspricht). Dafür sind primär folgende Erhöhungen verantwortlich: • 21,1 Mio. US-$ für die Stärkung der Länderkapazitäten für die Arbeit in den vier strategischen Schwerpunktbereichen des PB 2022–2023, namentlich: 1) Bereitschaftsplanung und Handlungsbereitschaft für sowie Reaktion auf gesundheitliche Notlagen; 2) auf die primäre Gesundheitsversorgung ausgerichtete Gesundheitssysteme, grundlegende Funktionen des öffentlichen Gesundheitswesens und die Nahtstelle zwischen Gesundheit und Sicherheit; 3) Führungsrolle der WHO in Bezug auf Wissenschaft und Daten; und 4) Fortschritte auf dem Weg zur Verwirklichung der dreifachen Milliarden- Zielmarke sowie der Zielvorgaben der SDG; • 11,7 Mio. US-$ für die Unterstützung der Initiativen zur grundlegenden Umgestaltung von WHO/Europa im Einklang mit dem EPW: Dies umfasst Investitionen in die ELA, die Unterstützung der Flaggschiff-Initiativen für psychische Gesundheit und für verhaltensbezogene und kulturelle Erkenntnisse sowie die Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung der strategischen und operativen Planung für Strategien zur Einbeziehung von Mitgliedstaaten mit und ohne WHO-Länderbüro; • 9,4 Mio. US-$ für die Umsetzung der globalen Strategie für digitale Gesundheit (2020–2025), wie sie 2020 von der 73. Weltgesundheitsversammlung mit dem Beschluss WHA73(28) angenommen wurde, die der Unterstützung der Länder bei der Nutzung des enormen Potenzials digitaler Technologien für die Maximierung gesundheitlicher Ergebnisse dient; und • 0,5 Mio. US-$ für die Stärkung der Überwachungs- und Evaluationsfunktion der Programme. 152. Die Aufschlüsselung des genehmigten Basis-Programmhaushalts für die Europäische Region nach strategischen Prioritäten und Resultaten ergibt sich aus Abb. 2. Insgesamt entfällt auf die strategische Priorität 1 (allgemeine Gesundheitsversorgung) der größte Anteil des Basis- Programmhaushalts (40,2%). Von den einzelnen Resultaten macht Resultat 1.1 (Verbesserung des Zugangs zu einer hochwertigen grundlegenden Gesundheitsversorgung) den größten Anteil (31,8%) aus, gefolgt von Resultat 4.2 (Stärkung von Führungskompetenz, Politiksteuerung und Überzeugungsarbeit für Gesundheit) mit 18,6%. EUR/RC71/12 Seite 48 Abb. 2: Europäische Region der WHO: von der Weltgesundheitsversammlung genehmigter Basis-Programmhaushalt 2022–2023 nach Resultaten (in Mio. US-$)7 M: Millionen. SP: Strategische Priorität Aufgrund der Abrundung entsprechen die Gesamtbeträge nicht immer genau der Summe der Einzelbeträge. 153. Der genehmigte Etat für die Sektion Notfallmaßnahmen und Beschwerden beläuft sich auf 105,0 Mio. US-$ für die Europäische Region. Die 4,1 Mio. US-$, die der Sektion Sonderprogramme der Europäischen Region zugewiesen wurden, umfassen lediglich den Planungsrahmen für die pandemische Influenza. 154. Insgesamt 40% der Sektion Basisprogramme im PB 2022–2023 wurden der Länderebene zugewiesen; dabei ist darauf hinzuweisen, dass angesichts des hohen Maßes an Fähigkeiten und Fachkompetenz in den Institutionen und öffentlichen Verwaltungen der Länder der Europäischen Region die gemeinsamen Anforderungen der Länder oft in Form regionsweiter und länderübergreifender Lösungsansätze in Angriff genommen werden, die die direkte Unterstützung für die Länder ergänzen. Nähere Einzelheiten zur Sektion Basisprogramme im Programmhaushalt der Europäischen Region für die einzelnen strategischen Prioritäten, Resultate und Outputs werden in Anhang 2 präsentiert. 7 Eine vollständige Beschreibung der strategischen Prioritäten und Resultate findet sich in Anhang 1. EUR/RC71/12 Seite 49 Finanzierung: Aussichten und Herausforderungen 155. Abb. 3 vergleicht die Höhe der verfügbaren Mittel für die genehmigten Etats für die Basisprogramme über die letzten fünf Haushaltszeiträume und verdeutlicht einen positiven Trend hinsichtlich der Gesamtfinanzierung für die Europäische Region. Zur Zeit der Erstellung dieses Berichts wurden für den Haushaltszeitraum 2022–2023 94,6 Mio. US-$ an freiwilligen Beiträgen gesichert, und es wird erwartet, dass WHO/Europa 100,9 Mio. US-$ an organisationseigenen flexiblen Mitteln (nachhaltige Finanzierung8) zugeteilt werden. Das heißt, dass zur vollständigen Finanzierung dieser Sektion des PB 2022–2023 noch Mittel in Höhe von 125,0 Mio. US-$ bzw. 39% der Sektion Basisprogramme mobilisiert werden müssen. Abb. 3: Basis-Programmhaushalte und Mittel für fünf aufeinander folgende Haushaltszeiträume (2014–2015 bis (Prognose) 2022–2023, in Mio. US-$) WHA: Weltgesundheitsversammlung 8 Im Rahmen der laufenden Arbeit zur nachhaltigen Finanzierung durch die mit dem Beschluss EB148(12) des Exekutivrates eingerichtete Arbeitsgruppe für nachhaltige Finanzierung verwendet die Organisation nun eine neue Definition des Begriffs „nachhaltige Finanzierung“. Demnach gilt eine Finanzierung als nachhaltig, wenn sie: 1) vorhersehbar ist, d. h. insofern mit den ordentlichen Beiträgen vergleichbar ist, als die WHO schon vor Beginn des Haushaltszeitraums den exakten Umfang der Finanzierung kennt und fest auf diese Mittel zählen kann; 2) mittel- bis langfristig angelegt ist, d. h. mindestens die Dauer eines Allgemeinen Arbeitsprogramms abdeckt (normalerweise fünf Jahre); 3) flexibel ist, d. h. eine vollständige Ausrichtung an den Prioritäten des genehmigten Programmhaushalts, einschließlich Personal- und Aktivitätskosten, ermöglicht, ohne jegliche Begrenzung hinsichtlich der Art der Aktivität, des Ortes oder der Resultate und Outputs des Programmhaushalts; 4) nicht vollständig von einer kleinen Zahl an Gebern oder der Höhe ihrer Beiträge abhängig ist; und 5) zum Großteil für die Sektion Basisprogramme des genehmigten Programmhaushalts bereitgestellt wurde. Im Kern umfasst die nachhaltige Finanzierung ordentliche Beiträge, zentrale freiwillige Beiträge, Programmunterstützungskosten und einen kleinen Anteil anderer freiwilliger Beiträge. EUR/RC71/12 Seite 50 156. Die in Abb. 4 gezeigte Erhöhung der themenbezogenen Mittel und der Mittel für die strategische Zusammenarbeit im Haushaltszeitraum 2020–2021 stellt eine positive Entwicklung dar, die die WHO auch in Zukunft beibehalten möchte. Das wichtigste Anliegen bleibt jedoch nach wie vor der hohe Anteil der zweckgebundenen freiwilligen Beiträge, die WHO/Europa keinerlei Flexibilität mit Blick auf die Abdeckung aller Handlungsfelder ermöglichen. Dadurch entstehen erhebliche Finanzierungslücken, insbesondere im Hinblick auf die Deckung des elementaren Finanzbedarfs der Länderbüros sowie der Programmbereiche, die nicht über feste Geber verfügen. Abb. 4: Genehmigter Basis-Programmhaushalt und zugewiesene organisationseigene und themenbezogene flexible Mittel für das WHO-Regionalbüro für Europa nach Haushaltszeitraum (in Mio. US-$) 157. Angesichts der erheblichen Erhöhung des PB 2022–2023 und des Null-Wachstums bei den verfügbaren nachhaltigen Finanzmitteln wird WHO/Europa im kommenden Haushaltszeitraum erneut stark von zweckgebundenen freiwilligen Beiträgen abhängig sein. WHO/Europa arbeitet daran, seine Beziehungen zu Gebern, und insbesondere den Mitgliedstaaten, von Grund auf zu verändern und sich ihres starken Engagements zu versichern, um mehr Flexibilität zu schaffen und eine weitere Ausrichtung an den übergeordneten strategischen Prioritäten zu ermöglichen. Ohne erhebliche Zusagen zur Bereitstellung flexibler Finanzmittel zu einem frühen Zeitpunkt im Haushaltszeitraum ist die Umsetzung einiger Elemente des EPW gefährdet. EUR/RC71/12 Seite 51 158. Im Zeitraum 2022–2023 wird WHO/Europa weiter auf eine Bewältigung der finanziellen Herausforderungen der Organisation auf Ebene der Europäischen Region hinarbeiten, namentlich durch: 1) Beiträge zu den globalen Anstrengungen zur Erhöhung des Anteils der der WHO von den Beitragszahlern – insbesondere Mitgliedstaaten in der Europäischen Region – zugewiesenen nachhaltigen Finanzmittel; 2) Schwerpunktlegung auf die Mittelbeschaffung für Prioritäten des EPW sowie historisch unterfinanzierte Arbeitsbereiche; 3) Erhöhung der auf Länderebene mobilisierten Ressourcen und Ausweitung der Kapazitäten von WHO/Europa zur Mittelbeschaffung; 4) Hinarbeiten auf die Ausweitung der Geberbasis von WHO/Europa (wie in Abb. 5 dargestellt). 159. Die Europäische Region ist nach wie vor auf eine begrenzte Anzahl zentraler Geber angewiesen, wie aus Abb. 5 hervorgeht. Die Bemühungen der wichtigsten Geber, in Bezug auf die verfügbaren Mittel eine längerfristige Perspektive zu garantieren und von der vollständigen Zweckbindung der Mittel auf eine Zweckbindung auf höheren Ebenen des Haushalts (zugunsten von mehr Flexibilität) umzustellen, halten an und werden wärmstens begrüßt. Abb. 5: Die 20 größten Geber von WHO/Europa (Basisprogramme) für den Zeitraum bis Juni 2021 (in Mio. US-$) EUR/RC71/12 Seite 52 Das weitere Vorgehen 160. Die Operationalisierung des PB 2022–2023 wird in den kommenden Monaten abgeschlossen, wobei die Pläne zur Unterstützung für die Länder und die länderübergreifenden Pläne weiter aufgeschlüsselt werden. Eine weitere Feinabstimmung des Haushalts und der dazugehörigen Pläne erfolgt 2022, nach der Zustimmung durch die 75. Weltgesundheitsversammlung im Lichte der Ergebnisse der Überprüfung durch die IPPPR. Die Ergebnisse dieses Prozesses werden der 72. Tagung des Regionalkomitees als Teil des Zwischenberichts übermittelt. EUR/RC71/12 Seite 53 Anhang 1: Struktur des Programmhaushalts 2022–2023 Strategische Priorität / Säule des GPW Resultate PB 2022–2023 1. Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung – eine Milliarde Menschen mehr erhalten Zugang zur Gesundheitsversorgung 1.1. Verbesserung des Zugangs zu einer hochwertigen grundlegenden Gesundheitsversorgung unabhängig von Geschlecht, Alter oder Grad der Behinderung 1.2. Reduzierung der Zahl der Menschen, die finanzielle Härten erleben 1.3. Verbesserung der Verfügbarkeit von unentbehrlichen Arzneimitteln, Impfstoffen, Diagnostika und Geräten für die primäre Gesundheitsversorgung 2. Bewältigung gesundheitlicher Notlagen – eine Milliarde Menschen mehr sind wirksamer vor gesundheitlichen Notlagen geschützt 2.1. Vorbereitung der Länder auf gesundheitliche Notlagen 2.2. Verhinderung von Epidemien und Pandemien 2.3. Schnelle Entdeckung und Bewältigung gesundheitlicher Notlagen 3. Schaffung einer gesünderen Bevölkerung – eine Milliarde Menschen mehr erleben eine Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden 3.1. Sichere und chancengerechte Gesellschaften durch Ansetzen an den Determinanten von Gesundheit 3.2. Unterstützende und befähigende Gesellschaften durch die Inangriffnahme von gesundheitlichen Risikofaktoren 3.3. Gesunde Umfelder zur Förderung von Gesundheit und nachhaltigen Gesellschaften 4. Eine effektivere und effizientere WHO, die die Länder wirksamer unterstützt 4.1. Stärkung der Kapazitäten der Länder in Bezug auf Datenerhebung und Innovation 4.2. Stärkung von Führungskompetenz, Politiksteuerung und Überzeugungsarbeit für Gesundheit 4.3. Effizienter, wirksamer, ergebnisorientierter und transparenter Umgang mit finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen EUR/RC71/12 Seite 54 Anhang 2: Programmhaushalt 2022–2023 in der Europäischen Region der WHO nach strategischen Prioritäten, Resultaten und Outputs (in Mio. US-$) Ergebnisse Länderbüros Zentrale Europäische Region insgesamt Strategische Priorität (SP) 1 – Eine Milliarde Menschen mehr erhalten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Resultat 1.1 Verbesserung des Zugangs zu einer hochwertigen grundlegenden Gesundheitsversorgung unabhängig von Geschlecht, Alter oder Grad der Behinderung Output 1.1.1 Länder in die Lage versetzt, hochwertige, bürgernahe Gesundheitsangebote bereitzustellen, die auf Strategien für die primäre Gesundheitsversorgung und auf umfassenden Paketen unentbehrlicher Leistungen basieren 24,3 30,5 54,8 Output 1.1.2 Länder in die Lage versetzt, ihre Gesundheitssysteme für die Erzielung von Ergebnissen in Bezug auf eine beschwerde- und krankheitsspezifische Versorgung zu stärken 14,1 11,8 25,9 Output 1.1.3 Länder in die Lage versetzt, ihre Gesundheitssysteme für die Inangriffnahme von bevölkerungsspezifischen gesundheitlichen Bedürfnissen und Hindernissen für die Chancengleichheit im gesamten Lebensverlauf zu stärken 2,8 5,8 8,6 Output 1.1.4 Kapazitäten der Länder für eine verantwortungsvolle Führung im Gesundheitsbereich zugunsten der Verbesserung von Transparenz, Rechenschaftslegung, Bedarfsgerechtigkeit und Befähigung der Bürger zu selbstbestimmtem Handeln gestärkt 3,0 4,2 7,2 Output 1.1.5 Länder in die Lage versetzt, ihr Gesundheits- und Pflegepersonal zu stärken 2,1 3,4 5,5 Zwischensumme Resultat 1.1 46,4 55,7 102,1 Resultat 1.2 Reduzierung der Zahl der Menschen, die finanzielle Härten erleben Output 1.2.1 Länder in die Lage versetzt, ausgewogene Strategien und Reformen im Bereich der Gesundheitsfinanzierung zu entwickeln und durchzuführen, die weitere Fortschritte auf dem Weg zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung ermöglichen 5,4 2,2 7,6 Output 1.2.2 Länder in die Lage versetzt, Informationen über finanzielle Absicherung, Chancengleichheit und Gesundheitsausgaben zu gewinnen und zu analysieren und anhand dieser Informationen Fortschritte festzustellen und Entscheidungen zu treffen 2,7 1,6 4,4 EUR/RC71/12 Seite 55 Ergebnisse Länderbüros Zentrale Europäische Region insgesamt Output 1.2.3 Länder in die Lage versetzt, die institutionellen Kapazitäten für transparente Entscheidungsprozesse bei der Prioritätensetzung und der Mittelzuweisung sowie die Analyse der Bedeutung von Gesundheit für die nationale Volkswirtschaft zu verbessern 0,6 0,1 0,7 Zwischensumme Resultat 1.2 8,7 3,9 12,6 Resultat 1.3 Verbesserung der Verfügbarkeit von unentbehrlichen Arzneimitteln, Impfstoffen, Diagnostika und Geräten für die primäre Gesundheitsversorgung Output 1.3.1 Bereitstellung maßgeblicher Leitlinien und Standards für Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit von Gesundheitsprodukten sowie Listen unentbehrlicher Arzneimittel und Diagnostika 0,8 0,3 1,1 Output 1.3.2 Verbesserter und chancengerechterer Zugang zu Gesundheitsprodukten durch Gestaltung globaler Märkte und Unterstützung der Länder bei der Schaffung und Überwachung effizienter und transparenter Beschaffungs- und Versorgungssysteme 0,6 2,6 3,2 Output 1.3.3 Regulatorische Kapazitäten der Länder und der Europäischen Region gestärkt und Versorgung mit qualitätsgesicherten und sicheren Gesundheitsprodukten, u. a. durch Präqualifizierung, verbessert 0,7 2,1 2,7 Output 1.3.4 Ziele im Bereich der Forschung und Entwicklung festgelegt und Forschungsarbeiten gemäß gesundheitlichen Prioritäten koordiniert 0,2 0,6 0,8 Output 1.3.5 Länder in die Lage versetzt, antimikrobielle Resistenzen durch eine Stärkung von Surveillance-Systemen, Laborkapazitäten, Infektionsschutz und -bekämpfung, Bewusstseinsbildung und evidenzbasierte Handlungskonzepte und Praktiken zu bekämpfen 2,3 4,1 6,3 Zwischensumme Resultat 1.3 4,5 9,7 14,2 Zwischensumme Strategische Priorität 1 59,6 69,3 128,9 SP2 – Eine Milliarde Menschen mehr werden wirksamer vor gesundheitlichen Notlagen geschützt Resultat 2.1 Vorbereitung der Länder auf gesundheitliche Notlagen Output 2.1.1 Kapazitäten für eine gefahrenübergreifende Notfallvorsorge in den Ländern bewertet und gemeldet 1,1 1,5 2,5 Output 2.1.2 Kapazitäten für Notfallvorsorge in allen Ländern gestärkt 6,2 6,3 12,5 EUR/RC71/12 Seite 56 Ergebnisse Länderbüros Zentrale Europäische Region insgesamt Output 2.1.3 Länder operativ bereit zur Bewertung und Bewältigung von identifizierten Risiken und Anfälligkeiten 1,1 4,0 5,1 Zwischensumme Resultat 2.1 8,4 11,7 20,1 Resultat 2.2 Verhinderung von Epidemien und Pandemien Output 2.2.1 Forschungskataloge, prädiktive Modelle und innovative Instrumente, Produkte und Interventionen für hochgefährliche Erreger verfügbar 0,6 0,5 1,0 Output 2.2.2 Bewährte Präventionsstrategien für vorrangige Krankheiten bzw. Krankheiten mit Epidemiepotenzial in großem Umfang eingeführt 2,3 4,8 7,1 Output 2.2.3 Verringerung des Risikos eines Auftretens und Wiederauftretens hochgefährlicher Erreger und Verbesserung der Pandemievorsorge 1,1 1,9 3,0 Zwischensumme Resultat 2.2 4,0 7,1 11,1 Resultat 2.3 Schnelle Entdeckung und Bewältigung gesundheitlicher Notlagen Output 2.3.1 Potenzielle gesundheitliche Notlagen schnell entdeckt und Risiken abgeschätzt und kommuniziert 2,7 2,4 5,1 Output 2.3.2 Akute gesundheitliche Notlagen unter gezielter Nutzung einschlägiger nationaler und internationaler Kapazitäten schnell bewältigt 2,0 3,8 5,8 Output 2.3.3 In instabilen, konfliktbelasteten und gefährdeten Umfeldern unentbehrliche Gesundheitsleistungen und Systeme aufrechterhalten und gestärkt 4,4 1,8 6,1 Zwischensumme Resultat 2.3 9,1 7,9 17,0 Zwischensumme Strategische Priorität 2 21,5 26,8 48,2 SP3 – Eine Milliarde Menschen mehr erleben eine Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden Resultat 3.1 Sichere und chancengerechte Gesellschaften durch Ansetzen an den Determinanten von Gesundheit Output 3.1.1 Länder in die Lage versetzt, die sozialen Determinanten von Gesundheit im gesamten Lebensverlauf in Angriff zu nehmen 0,4 5,4 5,8 EUR/RC71/12 Seite 57 Ergebnisse Länderbüros Zentrale Europäische Region insgesamt Output 3.1.2 Länder in die Lage versetzt, den chancengerechten Zugang zu sicheren, gesunden und nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln durch einen einheitlichen Gesundheitsansatz zu stärken 1,2 0,9 2,1 Zwischensumme Resultat 3.1 1,6 6,3 7,9 Resultat 3.2 Unterstützende und befähigende Gesellschaften durch die Inangriffnahme von gesundheitlichen Risikofaktoren Output 3.2.1 Länder in die Lage versetzt, Risikofaktoren durch ressortübergreifende Maßnahmen in Angriff zu nehmen 5,2 9,9 15,2 Output 3.2.2 Länder in die Lage versetzt, ressortübergreifende Partnerschaften sowie Mechanismen zur Politiksteuerung, Gesetze und steuerliche Maßnahmen zu verstärken 0,6 1,0 1,6 Zwischensumme Resultat 3.2 5,9 10,9 16,8 Resultat 3.3 Gesunde Umfelder zur Förderung von Gesundheit und nachhaltigen Gesellschaften Output 3.3.1 Länder in die Lage versetzt, die umweltbedingten Determinanten, einschließlich des Klimawandels, in Angriff zu nehmen 3,8 14,1 17,9 Output 3.3.2 Länder bei der Schaffung befähigender Rahmenbedingungen für gesunde Umfelder unterstützt 0,2 3,2 3,4 Zwischensumme Resultat 3.3 4,0 17,3 21,3 Zwischensumme Strategische Priorität 3 11,5 34,5 46,0 SP4 – Eine effektivere und effizientere WHO, die die Länder wirksamer unterstützt Resultat 4.1 Stärkung der Kapazitäten der Länder in Bezug auf Datenerhebung und Innovation Output 4.1.1 Länder in die Lage versetzt, ihre Daten-, Analyse- und Gesundheitsinformationssysteme für die konzeptionelle Entwicklung und die Erzielung von Wirkung zu stärken 1,3 4,5 5,8 Output 4.1.2 Wirkung und Resultate des GPW 13, gesundheitliche Trends auf der globalen und regionsweiten Ebene, Indikatoren für die Ziele für nachhaltige Entwicklung, gesundheitliche Ungleichheiten und aufgeschlüsselte Daten laufend beobachtet 0,3 0,7 1,0 EUR/RC71/12 Seite 58 Ergebnisse Länderbüros Zentrale Europäische Region insgesamt Output 4.1.3 Verbesserte Evidenzgrundlage, Prioritätensetzung und Akzeptanz von Normen und Standards der WHO und verbesserte Forschungskapazitäten und Fähigkeit zur wirksamen und nachhaltigen Ausweitung von Innovationen, einschließlich digitaler Technologien, in den Ländern 1,8 6,1 7,9 Zwischensumme Resultat 4.1 3,3 11,4 14,7 Resultat 4.2 Stärkung von Führungskompetenz, Politiksteuerung und Überzeugungsarbeit für Gesundheit Output 4.2.1 Führungskompetenz, Politiksteuerung und externe Beziehungen gefördert, um das GPW 13 umzusetzen und in den Ländern die Wirkung auf abgestimmte Weise zu erhöhen, auf der Grundlage einer strategischen Kommunikation und in Übereinstimmung mit den SDG im Rahmen der Reform der Vereinten Nationen 19,6 21,3 40,9 Output 4.2.2 Das Sekretariat arbeitet unter Wahrung der Gebote von Rechenschaftspflicht, Transparenz, Regelkonformität und Risikomanagement, auch im Zuge organisationalen Lernens und einer Kultur der Evaluation 0,0 2,8 2,8 Output 4.2.3 Strategische Prioritäten auf vorhersehbare, angemessene und flexible Weise durch Stärkung von Partnerschaften mit Ressourcen ausgestattet 0,0 5,4 5,4 Output 4.2.4 Planung, Zuweisung von Ressourcen, Erfolgskontrolle und Berichterstattung auf der Grundlage der Prioritäten der Länder durchgeführt, um Wirkung in den Ländern zu erzielen, die Effizienz zu steigern und die strategischen Prioritäten des GPW 13 zu erreichen 0,5 4,8 5,4 Output 4.2.5 Durch Koordinierung der organisationsweiten Umgestaltungsziele Kulturwandel gefördert und organisationale Leistungsfähigkeit optimiert 0,4 2,4 2,9 Output 4.2.6 Konzept, niemanden zurückzulassen, mit Schwerpunktlegung auf Chancengleichheit, Gleichstellung und Menschenrechten schrittweise einbezogen und überwacht 0,1 2,1 2,2 Zwischensumme Resultat 4.2 20,7 38,8 59,5 EUR/RC71/12 Seite 59 Resultat 4.3 Effizienter, wirksamer, ergebnisorientierter und transparenter Umgang mit finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen Output 4.3.1 Solide finanzielle Praktiken und Aufsichtsverfahren durch einen effizienten und wirksamen internen Kontrollrahmen gesteuert 0,7 3,2 3,8 Output 4.3.2 Wirksame und effiziente Führung und Entwicklung von Humanressourcen, die es ermöglicht, kompetente Mitarbeiter anzuwerben und im Hinblick auf eine erfolgreiche Umsetzung der Programme auf Dauer zu halten 2,3 1,9 4,3 Output 4.3.3 Wirksame, innovative und sichere digitale Foren und Leistungsangebote an den Bedürfnissen der Nutzer, den organisatorischen Funktionen, der Tätigkeit der Fachprogramme und der Bewältigung gesundheitlicher Notlagen ausgerichtet 1,1 1,5 2,6 Output 4.3.4 Sicheres Umfeld mit einer effizienten Instandhaltung der Infrastruktur, kosteneffektiven Unterstützungsangeboten und einer bedarfsgerechten Versorgungskette, einschließlich Fürsorgepflicht 7,4 5,2 12,6 Zwischensumme Resultat 4.3 11,4 11,8 23,2 Zwischensumme Strategische Priorität 4 35,5 62,0 97,5 Europäische Region insgesamt 128,0 192,5 320,5 = = =

Основные сведения
Тип документа Governing Bodies documents
Дата принятия
Источник Всемирная организация здравоохранения