Eine Erhöhung der Tabaksteuern ist zwanzigmal kostengünstiger als jede andere Maßnahme mit vergleichbarem Gesundheitseffekt. Besteuerung zeigt Wirkung Ein Anheben der Tabaksteuern ist nachweislich das wirksamste Mittel gegen den Tabakkonsum. Aufgrund von Daten aus dem Jahr 2012 geht die WHO davon aus, dass eine allgemeine Erhöhung der Tabaksteuern um 50% die Zahl der Raucher weltweit um 49 Millionen verringern und so für mindestens 11 Millionen Menschen den Rauchertod abwenden könnte. Eine Erhöhung der Tabaksteuern um nur 10% würde den Tabakkonsum in Ländern mit hohem Volkseinkommen um 4% und in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Volkseinkommen um 5% reduzieren. Europäische Tabaksteuern im globalen Kontext Die Europäische Region der WHO hält auf globaler Ebene eine Führungsposition inne (vgl. Tabelle 1) und hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt: 2012 erhoben von den 53 Mitgliedstaaten der Europäischen 26 Länder1 Tabaksteuern in Höhe von mehr als 75% des Einzelhandelspreises der beliebtesten Marke (das von der WHO empfohlene Minimum), was deutlich mehr ist als 2008, wo nur 15 Länder dies taten. Faktenblatt Tabaksteuern Innerhalb der Europäischen Region sind die Preise übrigens in Irland, Norwegen und dem Vereinigten Königreich am höchsten. Schlüssel zu einer erfolgreichen Besteuerung von Tabak in Europa Das Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs fordert alle Vertragsparteien dazu auf, im Rahmen ihrer nationalen Gesundheitsziele eine geeignete Steuer- und Preispolitik zur Eindämmung des Tabakgebrauchs zu beschließen (Artikel 6). Von den 53 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO sind 50 Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens. Auch die Gesetzgebung der Europäischen Union hat signifikant zu einer erfolgreichen Besteuerung in ihren 28 Mitgliedstaaten beigetragen. Die Richtlinie 2011/64/EU des Rates der Europäischen Union vom 21. Juni 2011 über die Struktur und die Sätze der Verbrauchsteuern auf Tabakwaren bestimmt: • einen Mindestanteil der Tabaksteuer am Einzelhandelspreis der Zigaretten in Höhe von 57 % • eine Mindeststeuer von 90 Euro je 1 000 Zigaretten unabhängig vom Einzelhandelspreis. Tabelle 1. Mitgliedstaaten der WHO nach Region mit einem Steueranteil am Einzelhandels- preis der beliebtesten Zigarettenmarke über 75% (2012) WHO-Region Länder Anzahl % Europa 26 49 Östlicher Mittelmeerraum 3 13 Gesamtamerika 2 6 Westpazifik 1 4 Afrika 1 2 Südostasien 0 0 1 Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Malta, Montenegro, Polen, Portugal, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Türkei, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern. Höhere Tabaksteuern sind das wirksamste Mittel gegen den Tabakkonsum und für die Rettung von Menschenleben. Die WHO wirbt für eine Verteuerung der Tabakerzeugnisse durch die Anhebung von Steuern oberhalb der Inflationsrate. Die WHO empfiehlt einen Steueranteil von mindestens 75% am Einzelhandelspreis der beliebtesten Zigarettenmarke. Die Anhebung der Tabaksteuern und -preise sollte zwischen Nachbarländern abgestimmt werden. 0 2 4 6 8 10 12 14 16 0 50 100 150 200 250 300 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 Relativer Preis Lungenkrebstote unter Männern der Altersgruppe 33-44 Jahre P re is an st ie g ( in % s ei t 19 70 ) S te rb er at e p ro 1 00 0 00 WHO-Regionalbüro für Europa UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Copenhagen Ø, Denmark | Tel.: +45 45 33 70 00 | Fax: +45 45 33 70 01 E-Mail: contact@euro.who.int | Web: www.euro.who.int/tobacco Tabaksteuern zeigen Wirkung In der Türkei wurden die Tabaksteuern seit 2008 stetig auf zuletzt 84,2% erhöht und es wurden weitere Schritte eingeleitet wie Rauchverbote in Innenräumen und Werbeverbote für Tabak. Dadurch wurde 2012 (im Vergleich zu 2008) 13% weniger geraucht und unter Erwachsenen fiel die Prävalenz des Rauchens von 31,2% auf 27,1%. Frankreich hat zwischen 1995 und 2005 die Preise und Steuern für Tabak substanziell angehoben, was sich sehr deutlich ab dem Rückgang der Zahl tödlicher Lungenkrebserkrankungen unter Männern im Alter von 35 bis 44 Jahren (Abb. 1) zeigt. Reaktion der Raucher auf Steuererhöhung und Preisanstieg Tabaksteuererhöhungen lassen sich auf legale ebenso wie auf illegale Weise umgehen. Schmuggeln ist zwar illegal, aber es ist legal: • billigere Zigaretten zu kaufen • Zigaretten selber zu drehen • für den persönlichen Gebrauch im Ausland einzukaufen • im Dutyfree-Handel oder über das Internet einzukaufen. Maßnahmen gegen die Ausweichstrategien Preise vereinheitlichen Unterschiedliche Tabakerzeugnisse müssen einheitlich besteuert werden und der Inflation sollte immer Rechnung getragen werden. Der Konsum jeder verfügbaren billigeren Alternative wird durch Preiserhöhungen attraktiver. Die Preisspanne zwischen der am häufigsten verkauften und der billigsten Marke sollte daher möglichst gering sein – große Preisunterschiede können die Wirksamkeit von Steuererhöhung und Preisanstieg konterkarieren, weil die Verbraucher leicht auf billigere Erzeugnisse ausweichen können. Preise mit Nachbarländern abstimmen Die Einzelhandelspreise von Zigaretten variieren unter den Ländern beträchtlich. Grenzüberschreitender Handel bzw. unerlaubter Handel tritt insbesondere dort auf, wo das Preisgefälle zwischen Nachbarländern groß ist. Die für den WHO-Bericht 2013 zur globalen Tabakepidemie erhobenen Daten2 ergeben für die am häufigsten verkauften Marke ein Preisspektrum, das sich in Internationalen Dollars ausgedrückt von 6,11 (Rumänien) bis zu 1,75 (Ukraine) für eine Schachtel mit 20 Zigaretten erstreckt. Eine Anhebung der Tabaksteuern bzw. -preise sollte unter Nachbarländern abgestimmt erfolgen. Dies ist ein zentraler Punkt des Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs. Das neue Protokoll zur Unterbindung des illegalen Handels mit Tabakerzeugnissen, dessen Ratifizierungsprozess begonnen hat, soll eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur wirksamen Eindämmung des Tabakkonsums fördern. Das Protokoll beinhaltet eine Lizenzvergabe für alle Akteure der Tabakbranche und ein Rückverfolgungssystem zur Unterscheidung zwischen legal und illegal hergestellten bzw. eingeführten Tabakerzeugnissen, zum Nachvollziehen der Zahlungsmethoden und zur Einschränkung unkontrollierter Zonen sowie signifikante Bußen für den illegalen Handel. Das Protokoll soll die breite internationale Zusammenarbeit der Vertragsparteien fördern und eine engere Zusammenarbeit in den polizeilichen Nachforschungen illegaler Handelspraktiken erleichtern, etwa durch gegenseitige juristische Amtshilfe sowie die Auslieferung Verdächtiger. 2 Bericht der WHO zur globalen Tabakepidemie, 2013: Durchsetzung von Verboten für Tabakwerbung, Verkaufsförderung und Sponsoring, 2013 Genf: Genf, Weltgesundheitsorganisation, 2013 (http:// www.who.int/tobacco/global_report/2013/en/, eingesehen am 22. Mai 2014). Fig. 1. Preisanstieg (aufgrund von Steuererhöhungen) und Sterblichkeitsziffer aufgrund von Lungenkrebs in Frankreich zwischen 1950 und 2010 Quelle: Kurve nach Daten aus Hill C. Prévention et dépistage des cancers [Krebsprävention und -vorsorgeuntersuchungen]. Bulletin du Cancer. 2013;100:6. WHO/EURO:2014-10472-50244-75734 © Weltgesundheitsorganisation 2016. Alle Rechte vorbehalten.
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Tabaksteuern: Faktenblatt
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