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Neunundvierzigste Tagung des Regionalkomitees für Europa: Florenz, 13. – 17. September 1999: Europäischer Aktionsplan Alkohol 2000-2005

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WELTGESUNDHEITSORGANISATION Regionalbüro für Europa Kopenhagen REGIONALKOMITEE FUR EUROPA N eun u ndvierzigste Tagung, F lorenz, 13. - 1 7 . S ep tem ber 1999 Punkt 3 d) der vorläufigen Tagesordnung EUR/RC49/9 + EUR/RC49/Conf.Doc./5 25. Mai 1999 07469 ORIGINAL: ENGLISCH E u r o p ä i s c h e r A k t i o n s p l a n A l k o h o l 2000-2005 Der Europäische Aktionsplan Alkohol lief von 1992 bis 1999. Er führte dazu, daß in der Hälfte der 33 Länder, die bisher auf einen Fragebogen zum Stand der Umsetzung geantwortet haben, länderspezifische Aktionspläne zum Thema Al­ kohol aufgestellt wurden. Angesichts der Tatsache, daß der Alkohol für die Re­ gion weiterhin eine gesundheitliche Belastung darstellt, wird vorgeschlagen, den Aktionsplan im Zeitraum 2000-2005 weiterlaufen zu lassen. Das Regional­ komitee wird gebeten, diesen Vorschlag zu erwägen und sich hinter ihn zu stel­ len. Deshalb enthält der Anhang einen Resolutionsentwurf zur Behandlung durch das Regionalkomitee. Der Text des Aktionsplans 2000-2005 wurde in Rücksprache mit und mit Un­ terstützung von Ansprechpartnem in den Mitgliedstaaten ausgearbeitet. Er wur­ de vom sechsten Ständigen Ausschuß des Regionalkomitees auf dessen dritter Tagung im April 1999 geprüft. Eine Zusammenfassung der Ansichten des Stän­ digen Ausschusses finden sich im Kasten auf der nächsten Seite. Der Ständige Ausschuß des Regionalkomitees (SCRC) war aufgefordert, zur Evaluierung der ersten und zweiten Phase des Europäischen Aktionsplans Al­ kohol (EAAP) und zum EAAP 2000-2005 Stellung zu nehmen, und sollte auf seiner dritten Tagung außerdem seine Ansichten dazu äußern, wie das Regio­ nalbüro für Europa hinsichtlich des in der Ausarbeitungsphase befindlichen Ka­ binettprojekts mit der Alkoholindustrie kommunizieren und mit dem WHO- Hauptbüro Zusammenarbeiten könne. Die Mitglieder des SCRC befürworteten in der Erkenntnis, daß die für Gesund­ heit, Finanzen und Tourismus zuständigen Ministerien möglicherweise hin­ sichtlich des Alkoholkonsums widersprüchliche Ziele verfolgen könnten, daß in diesem Bereich die interministeriellen Maßnahmen gestärkt werden. Sie empfahlen auch, den Aktionsplan zu erweitern und das Ziel eines europa­ weiten Verbots der Alkoholwerbung bei Sportveranstaltungen und in spezifisch an junge Menschen gerichteter Werbung zu erreichen. Aufgrund des internatio­ nalen Wettbewerbs fänden die Länder es schwierig, ein Verbot durchzusetzen, das alle Teile der Alkoholindustrie (sowohl die heimische wie die ausländische) umfaßt, weshalb eine europaweite Initiative erforderlich sei. Weiterhin empfahl der SCRC, alle Länder eindringlich zu bitten, den Pro-Kopf- Verbrauch an Alkohol zu senken, in der dritten Phase stärkeres Gewicht auf al­ koholbedingte Unfälle zu legen und mit geschlechtsspezifischen Konzepten zu arbeiten sowie als drittes vorsichtig mit Gruppen zusammenzuarbeiten, die die Alkoholindustrie vertreten, doch selbst das nur in Westeuropa. Es sei wichtig, daß Aussagen über nicht gesundheitsschädliches Trinken eindeutig von Ge­ sundheitsexperten und nicht von der Industrie kämen. A n s ic h t e n d e s St ä n d ig e n A u s s c h u s s e s d e s Re g io n a l k o m it e e s INHALT Zusammenfassung Der Handlungsbedarf in E uropa............................................................................................................................1 Einleitung....................................................................................................................................................... 1 Gesundheit, Gesellschaft und Alkohol..................................................................................................... 1 Die programmatische Reaktion in Europa...........................................................................................................2 Die programmatische Reaktion bis heute - Evaluierung des Europäischen Aktionsplans Alkohol, 1992-1999....................................................................................2 Die Politik für die Zukunft.......................................................................................................................... 3 Resultate und wirksame M aßnahm en...................................................................................................................3 Information und Aufklärung....................................................................................................................... 4 Öffentliche Räume, Privatsphäre und Arbeitsplatz................................................................................ 5 Alkohol am Steuer........................................................................................................................................5 Verfügbarkeit von alkoholischen Produkten........................................................................................... 6 Werbung für Alkoholprodukte....................................................................................................................6 Behandlung.................................................................................................................................................... 7 Verantwortung der Alkoholgetränkeindustrie und des Gastgewerbes.................................................7 Die Fähigkeit der Gesellschaft, auf alkoholbedingte Schäden zu reagieren.......................................8 Nichtstaatliche Organisationen...................................................................................................................9 Aufstellung, Umsetzung und Verlaufsbeobachtung der Politik............................................................9 Die Rolle des WHO-Regionalbüros für Europa................................................................................................10 Schlußfolgerung..................................................................................................................................................... 10 Z u s a m m e n f a s s u n g Die Bedeutung des Trinkens von Alkohol ist gesellschaftsabhängig; für viele Menschen gehört ein alkohol­ haltiges Getränk zum gesellschaftlichen Leben. Die Schäden, die der Alkohol anrichten kann, betreffen aber nicht nur den einzelnen Verbraucher, sondern reichen bis in die Familien und Gemeinschaften überall in der Bevölkerung hinein. Alkoholerzeugnisse sind für 9% der gesamten Krankheitslast in der Region verant­ wortlich. Sie ziehen Unfälle und Gewalttätigkeit nach sich und haben für einen Großteil der verringerten Lebenserwartung in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu verantworten. Zu den wichtigsten gesundheitlichen Maßnahmen, die die Länder zur Verbesserung der Lebensqualität ihrer Bevölkerungen durchführen können, gehört es, die möglichen durch Alkohol bewirkten Schäden zu verringern. Seit 1992 bietet der Europäische Aktionsplan Alkohol (EAAP) eine Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung von Konzepten und Programmen zur Steuerung des Alkoholkonsums in den Mitgliedstaaten. Ziel des EAAPs für den Zeitraum 2000-2005 ist es, in der gesamten Region die Schäden, die Alkohol verursachen kann, zu verhüten und zu verringern. Die übergeordneten Ziele sind folgende: • es soll ein verstärktes Bewußtsein für gesundheitspolitische Konzepte geschaffen werden, mit denen die Aufgabe angegangen werden kann, die Schäden, die der Alkohol verursachen kann, zu verhüten; • das Risiko alkoholbedingter Probleme, die in den unterschiedlichsten Zusammenhängen, bei­ spielsweise zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Gemeinschaft oder bei Anlässen, wo getrunken wird, auftreten könnten, soll verringert werden; • die alkoholbedingten Schäden wie Todesfälle, Unfälle, Gewalttätigkeit, Mißbrauch und Ver­ nachlässigung von Kindern sowie Familienkrisen sollen sowohl vom Umfang als auch von ih­ rer tiefgreifenden Wirkung her verringert werden; • Menschen, deren Alkoholverbrauch als gefährlich und schädlich zu bezeichnen ist, und Alko­ holabhängigen soll eine für sie zugängliche und wirksame Behandlung angeboten werden; • Kinder, junge Menschen und alle, die keinen Alkohol trinken wollen, sollen besser vor dem von ihrer Umwelt ausgehenden Druck geschützt werden. Die zehn in der Europäischen Alkoholcharta niedergelegten Strategien liefern den Rahmen für den EAAP im Zeitraum 2000-2005. Im Aktionsplan wird angegeben, was erreicht werden sollte (Resultate) und wie dies geschehen kann (Maßnahmen). Alle Mitgliedstaaten sind angehalten, die Maßnahmen umzusetzen, durch welche die Schäden, die der Alkohol in dem betreffenden Land anrichten kann, am wahrscheinlich­ sten verringert werden. Das WHO-Regionalbüro für Europa wird bei der Unterstützung des Aktionsplans in fünf wichtigen Be­ reichen eine aktive Rolle übernehmen: a) es wird für den Schutz der Gesundheit eintreten und auf Politikbereiche und Praktiken hinwei- sen, die mit der Alkoholproblematik zu tun haben und der Gesundheit schaden; b) es wird durch seine alkoholbezogenen Beobachtungs- und Evaluationssysteme einen Informa­ tionsschwerpunkt für gesundheitliche Fragen schaffen und mit seinen wichtigsten Partnern, wie z. B. der Europäischen Kommission, Zusammenarbeiten; c) es wird die Mitgliedstaaten bei der Entwicklung einer wirksamen Alkoholpolitik unterstützen und dabei die ihm zur Verfügung stehende Forschungsgrundlage und wissenschaftlichen Da­ ten nutzen; d) es wird wissenschaftlich abgesicherte Instrumente und Leitlinien bereitstellen, mit denen Kon­ zepte zur Steuerung des Alkoholkonsums in die Praxis umgesetzt werden können; e) es wird bei dieser Aufgabe führend vorangehen und durch seine Kooperationsnetze in ganz Europa fachliche Unterstützung leisten sowie ein koordiniertes Handeln ermöglichen. EUR/RC49/9 Seite 1 Einleitung 1. In den meisten europäischen Ländern trinkt man alkoholische Getränke. Allerdings mißt man dem Alkoholkonsum in unterschiedlichen Zusammenhängen ganz unterschiedliche Bedeutung bei; in einigen Kulturen wird herkömmlicherweise nur zu bestimmten feierlichen Gelegenheiten getrunken, in anderen dagegen sind alkoholische Getränke Bestandteil des Essens. 2. Der Alkoholkonsum kann in der gesamten Region signifikante Schadwirkungen für die körperli­ che, psychische und soziale Gesundheit des einzelnen, ganzer Familien und Gemeinschaften haben. Die direkten und indirekten Wirkungen sind diffus und teuer; sie beschränken sich nicht auf eine Minderheit von leicht erkennbaren schweren Trinkern, sondern erstrecken sich auf die gesamte Bevölkerung. In allen Kulturen, in denen Alkohol frei zugänglich ist, gibt es offizielle und informelle politische Ansätze, um die alkoholbedingten Probleme und negativen Folgen des Alkoholkonsums für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft insgesamt zu verringern. 3. Der Alkohol kann für bestimmte Personen auch positive Wirkungen haben. Die meisten wissen­ schaftlichen Beweise für diese Wirkungen stammen aus Industrieländern und Kulturen, in denen der Al­ koholkonsum weitgehend akzeptiert ist. Alle denkbaren Vorteile des Alkoholkonsums sollten deshalb in ihrem soziokulturellen Kontext gesehen werden und lassen sich nicht für Kulturen und Gesellschaften verallgemeinern, in denen das Trinken nicht akzeptabel ist und Enthaltsamkeit die Regel darstellt. Gesundheit, Gesellschaft und Alkohol 4. Alkohol kann sich in einer Reihe von Aspekten schädlich auf das Leben der Trinkenden auswirken, er kann ihrer Gesundheit schaden, ihr Glück, ihr Familienleben, ihre Freundschaften, ihre Arbeit, ihr Stu­ dium, ihre Beschäftigungsmöglichkeiten und ihre finanzielle Situation beeinträchtigen. Alkohol ist eine psychoaktive Droge, die zu gefährlichem Konsum und zu Abhängigkeit führen kann, was wiederum ein erhöhtes Morbiditäts- und Sterblichkeitsrisiko mit sich bringt. Alkoholkonsum und die Häufigkeit des starken Trinkens sind mit einem erhöhten Risiko für Unfälle, darunter Straßenverkehrsunfälle, verbunden, verstärken aber auch die Gefahr dafür, daß sich der Betreffende vorsätzlich Gewalt antut und gegenüber anderen gewalttätig wird, daß er Selbstmord begeht, in der Familie gewalttätig wird, Gewaltverbrechen begeht, in kriminelles und viktimisierendes Verhalten verfällt, u. a. Raubüberfälle und Vergewaltigungen begeht. 5. Alkoholprodukte sind für etwa 9% der gesamten Krankheitslast innerhalb der Region verantwort­ lich. Besonders hoch sind die durch Alkohol verursachten Schäden im östlichen Teil der Region. Dort hat der Alkohol auch einen Großteil der rückläufigen Lebenserwartung, die während der 1990er Jahre hier eingetreten ist, zu verantworten. Zwischen 40% und 60% aller in der Europäischen Region vorsätzlichen und nicht vorsätzlichen Verletzungen zuzuschreibenden Sterbefälle gehen auf Alkoholkonsum zurück. Alkoholgebrauch und alkoholbedingte Schäden, wie z. B. Trunkenheit, Saufereien und alkoholbedingte soziale Probleme, sind, vor allem in Westeuropa, unter Jugendichen und Heranwachsenden üblich. 6. Die durch Alkohol verursachten Schäden bedeuten eine erhebliche wirtschaftliche Belastung für den einzelnen Menschen, für die Familie und die Gesellschaft, und zwar durch medizinische Kosten, Pro­ duktionsausfälle aufgrund erhöhter Morbidität, durch Kosten, die bei Bränden entstehen, durch Schäden an Eigentum und Einkommensverlust aufgrund von Frühsterblichkeit. Die gesellschaftlichen Kosten des Alkohols belaufen sich schätzungsweise auf zwischen 2% und 5% des Bruttosozialprodukts (BSP). W e­ sentliche wirtschaftliche Einbußen entstehen auch durch die Tatsache, daß aufgrund von geschmuggelten Alkoholprodukten Steuereinnahmen verlorengehen, was vor allem im östlichen Teil der Region besonders häufig vorkommt, einem Gebiet mit knappen staatlichen Finanzressourcen. In der Europäischen Union wird der Alkohol unterschiedlich hoch besteuert, und auch die Abgaben sind unterschiedlich. Ein Vorschlag der Europäischen Kommission zur Harmonisierung der Steuern im Rahmen des einheitlichen Binnenmarktes D e r H a n d l u n g s b e d a r f in E u r o p a EUR/RC49/9 Seite 2 führte dazu, daß für Alkoholprodukte Mindestabgaben festgelegt wurden. Damit begrenzt man die Mög­ lichkeit, Preis- und Finanzpolitik als wirksame Strategie zur Steuerung des Alkoholkonsums auszunutzen, und möglicherweise bedeutet dies auch Steuereinbrüche. 7. Man hat festgestellt, daß der Alkoholkonsum das Risiko der koronaren Herzkrankheit und des ischämischen Schlaganfalls reduziert, eine Erkenntnis, die durch das Verständnis einleuchtender biologi­ scher Mechanismen unterstützt wird. Dieser positive Effekt gilt insbesondere für Männer im mittleren Alter. Das reduzierte Risiko für die koronare Herzkrankheit liegt nach diesen Erkenntnissen bei einem Drink alle zwei Tage, wohingegen das Risiko über das Konsumniveau von ein bis zwei Drinks pro Tag hinaus nur geringfügig weiter reduziert wird. D ie p r o g r a m m a t is c h e R e a k t i o n in E u r o p a Die programmatische Reaktion bis heute - Evaluierung des Europäischen Aktionsplans Alkohol, 1992-1999 8. Ziel des Aktionsplans Alkohol im Zeitraum 1992 bis 1999 war es, den Mitgliedstaaten zu helfen, eine wesentliche Verringerung des gesundheitsschädlichen Alkoholkonsums zu erreichen. Dies sollte durch eine Senkung des Gesamtalkoholkonsums und durch Schritte zur Bekämpfung des Risikoverhaltens geschehen. Für die Umsetzung in den einzelnen Mitgliedstaaten wurde mit einem von der WHO bereitge­ stellten stützenden Netz ein Aktionsplan für Schlüsselbereiche wie Gesamtpolitik, gesundheitsförderliche Settings, primäre Gesundheitsversorgung, stützende Systeme und internationale Zusammenarbeit aufge­ stellt. 9. 1995 wurde bei der Europäischen Konferenz Gesundheit, Gesellschaft und Alkohol in Paris die Europäische Alkoholcharta angenommen. In der Charta werden ethische Prinzipien und Ziele verankert, die von den Ländern für die Aufstellung umfassender Alkoholkonzepte und -programme genutzt werden können. Diese Charta wurde von allen Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO gebilligt. 10. Das WHO-Regionalbüro für Europa tritt, gestützt auf seine gut untermauerten Forschungsresultate, für die Umsetzung einer wirksamen Alkoholpolitik ein, die Gesundheits-, Sozial- und Finanzpolitik um­ fassen sollte. Soll eine wirksame Umsetzung der Politik in der gesamten Region und vor allem in ihrem östlichen Teil sichergestellt sein, so bedarf es jedoch eines starken und anhaltenden politischen Engage­ ments der Mitgliedstaaten. 11. Ende 1998 führte die WHO eine Evaluierung der Umsetzung des Aktionsplans Alkohol im Zeit­ raum 1992-1998 durch, und zwar auf der Grundlage eines von 33 Ländern aus der gesamten Region be­ antworteten Fragebogens. Zusammengefaßt ergaben sich als wichtigste Resultate: • Über die Hälfte der Länder arbeitete an einem landesspezifischen Aktionsplan Alkohol und hatte ein für die Umsetzung zuständiges Koordinationsgremium geschaffen. • Gesetzliche Maßnahmen, die man für hilfreich hielt, waren unter anderem strenge Bestim­ mungen für die Vermarktung von Alkohol, auf Prävention ausgerichtete Steuererhöhungen sowie in einigen Ländern eine Straffung der sich gegen Alkohol am Steuer richtenden Be­ stimmungen. • Die in einigen Ländern zu beobachtende Senkung der Alkoholsteuer war teilweise durch den Versuch einer Steuerharmonisierung in der Europäischen Union bedingt, wobei man auch meinte, daß dies das Risiko der alkoholbedingten Schäden erhöhe. • Insgesamt war man der Ansicht, daß die Alkoholindustrie bei der Verhütung von alkoholbe­ dingten Schäden nur eine unzureichende Rolle spiele. Zu beobachten war, daß sich die Alko­ holindustrie verstärkt um eine intensivierte Vermarktung bemühte, was als ein wichtiges Hin­ dernis für die Umsetzung des EAAP empfunden wurde. EUR/RC49/9 Seite 3 • Junge Menschen und alle, die sich mit Alkohol im Blut ans Steuer setzen, waren die wichtig­ sten Zielgruppen der Programme. Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung und Allgemeinkrankenhäuser galten in vielen Ländern als die wichtigsten Stützen bei der Auffin­ dung und Behandlung von Personen mit alkoholbedingten Problemen. • Von den Ländern, für die zur Zeit der Evaluierung Daten Vorlagen, hatten elf einen Rückgang des Pro-Kopf-Konsums erlebt, drei (Italien, Polen, Spanien) hatten das in der Politik „Gesund­ heit für alle“ (GFA) festgesetzte Ziel einer 25%igen Reduzierung erreicht, während der Kon­ sum in 11 Ländern seit 1992 gestiegen war. 12. Angesichts des kurzen Zeithorizonts läßt sich der Einfluß des EAAP z. Z. nur schwer messen. Schaut man sich das Niveau des Alkoholkonsums und die Indikatoren für alkoholbedingte Schäden an, so spricht einiges dafür, daß sich in dem Jahrzehnt 1985-1995 einige Veränderungen vollzogen haben. Im westlichen Teil der Region waren die alkoholbedingten Verkehrsunfälle rückläufig, wobei die nordischen Länder den stärksten Fall von 31% melden. Die mittel- und osteuropäischen Länder zeigten dagegen ei­ nen deutlichen Anstieg von 32%. Die Indikatoren der Schäden, die durch Alkohol verursacht werden können, z. B. Sterbefälle aufgrund äußerer Verletzungen und Vergiftungen, Selbstmord und Selbstverlet­ zungen, nahmen in der Europäischen Union und in den nordischen Ländern merklich ab, verstärkten sich jedoch in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion um 38%. Chronische Lebererkrankungen und die Zir- rhose-Sterberaten gingen in den Ländern der Europäischen Union um 7% zurück, stiegen dagegen in allen anderen Ländern, am stärksten wiederum im östlichen Teil der Region. Die Politik für die Zukunft 13. In GESUNDHEIT21, dem Rahmenkonzept „Gesundheit für alle“ für die Europäische Region der W HO1 werden 21 Gesundheitsziele aufgestellt. In Ziel 12 heißt es „Bis zum Jahr 2015 sollten in allen Mitgliedstaaten die auf den Konsum von suchterzeugenden Substanzen wie Tabak, Alkohol und psy- chotropen Substanzen zurückzuführenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen signifikant reduziert wer­ den“. 14. Ziel des EAAP für den Zeitraum 2000-2005 ist es, in der gesamten Europäischen Region die Schä­ den, die der Alkohol verursachen kann, zu verhüten und zu verringern. In der Europäischen Alko­ holcharta werden zehn Strategien aufgestellt, die den Rahmen für den Aktionsplan abgeben. Im folgenden werden für jeden einzelnen der zehn Strategiebereiche die angestrebten Resultate und die wirksamsten Maßnahmen, mit denen sie sich erreichen lassen, angeführt. Die Begründung dieser Strategien, dokumen­ tierte Forschungserkenntnisse und erfolgreiche Beispiele für die empfohlenen Maßnahmen liefert ein stützendes Dokument. Der besonders die Problematik von Geschlecht, Alter und ethnischer Zugehörigkeit berücksichtigende Umsetzungprozeß sollte den unterschiedlichen Kulturen und dem unterschiedlichen sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Umfeld der einzelnen Mitgliedstaaten entsprechen. R e s u l t a t e u n d w ir k s a m e M a s s n a h m e n 15. In der Europäischen Alkoholcharta wurden fünf ethische Grundsätze und zehn Strategien für Anti­ Alkoholmaßnahmen aufgestellt. Für jede dieser Strategien wird in dem vorliegenden Aktionsplan ange­ geben, was im Zeitraum 2000-2005 erreicht werden sollte (Resultate) und wie das machbar wäre (Maß­ nahmen). Jeder Mitgliedstaat muß sich überlegen, welcher Art von alkoholbedingten Problemen er sich gegenübersieht, und danach entscheiden, welche der aufgelisteten möglichen Maßnahmen bei seinen ei­ genen Gegebenheiten am ehesten anwendbar und wirksam wären. Es gibt kein einheitliches, für die ge­ samte Europäische Region brauchbares Modell. Entscheidend ist, daß die Mitgliedstaaten die Maßnah­ men ergreifen, die am ehesten die Schäden verringern können, die der Alkohol in ihren Ländern verursa­ chen kann. 1 GESUNDHE1T21: Das Rahmenkonzept „Gesundheit für a lle“ für die Europäische Region der WHO. Kopen­ hagen, WHO-Regionalbüro für Europa, 1999 (Europäische Schriftenreihe „Gesundheit für alle“, Nr. 6). EUR/RC49/9 Seite 4 16. Die übergeordneten Ziele lauten: • es soll ein verstärktes Bewußtsein für gesundheitspolitische Konzepte geschaffen werden, mit denen die Aufgabe angegangen werden kann, die Schäden, die der Alkohol verursachen kann, zu verhüten; • das Risiko alkoholbedingter Probleme, die in den unterschiedlichsten Zusammenhängen, bei­ spielsweise zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Gemeinschaft oder bei Anlässen, wo getrunken wird, auftreten könnten, soll verringert werden; • die alkoholbedingten Schäden wie Todesfälle, Unfälle, Gewalttätigkeit, Mißbrauch und Ver­ nachlässigung von Kindern sowie Familienkrisen sollen sowohl vom Umfang als auch von ih­ rer tiefgreifenden Wirkung her verringert werden; • Menschen, deren Alkohol verbrauch als gefährlich und schädlich zu bezeichnen ist, und Alko­ holabhängigen soll eine für sie zugängliche und wirksame Behandlung angeboten werden; • Kinder, junge Menschen und alle, die keinen Alkohol trinken wollen, sollen besser vor dem von ihrer Umwelt ausgehenden Druck geschützt werden. Information und Aufklärung R esultate 17. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • in der Öffentlichkeit das Bewußtsein für die Schäden wecken, die der Alkohol bewirken kann, und ihr die Konsequenzen für die Gesundheit und das Wohlergehen des einzelnen, der Familie und ganzer Gemeinschaften vor Augen führen; • Unterstützung für eine Gesundheitspolitik schaffen, die mit dem Europäischen Aktionsplan Alkohol übereinstimmt; • dafür sorgen, daß Kinder und junge Menschen wirksam imstande sind, gesundheitszuträgliche Entscheidungen zu treffen, und daß sie gefestigt genug sind, um dem Druck zum Trinken vor dem gesetzlichen Mindestalter zu widerstehen. Maßnahmen 18. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Aufklärung über die Schäden, die Alkohol der Gesundheit und dem Wohlergehen des einzel­ nen Menschen, der Familie und ganzer Gemeinschaften zufügen kann, durch öffentliche Auf­ klärungskampagnen oder durch die Massenmedien; Massenmedienkampagnen, um in der Öffentlichkeit die Unterstützung für die bereits beste­ hende oder eine neue Politik zur Bekämpfung der Schäden, die Alkohol bewirken kann, zu fördern; Das Angebot für alle jungen Menschen, durch ein integriertes ganzheitliches Gesundheitser- ziehungsprogramm, das sich einer sicheren und gesundheitszuträglichen sozialen und natürli­ chen Umwelt verpflichtet fühlt, fertigkeitsbasierte Lemerfahrungen zu machen; Sicherstellung, daß die schulische Alkoholerziehung von der Vorschule an in das Konzept der gesundheitsfördernden Schule und auch in die Präventionsbemühungen der Ortsgemeinde ein­ gebaut wird. EUR/RC49/9 Seite 5 Öffentliche Räume, Privatsphäre und Arbeitsplatz R esultate 19. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • das Vorkommen alkoholbedingter Probleme in der Öffentlichkeit, vor allem die bei Freizeittä­ tigkeiten und Sportveranstaltungen auftretenden Probleme, verringern; • das Risiko alkoholbedingter Schäden in der Familie verringern und ein nicht gefährdendes häusliches Umfeld für Kinder sicherstellen; • die Schäden, die der Alkohol am Arbeitsplatz anrichten kann, vor allem Unfälle und Gewalt, verringern. M aßnahm en 20. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Kontrolle der Verfügbarkeit von Alkohol bei größeren öffentlichen Veranstaltungen, wo alko­ holbedingte Schäden Vorkommen; Verbot von Alkoholkonsum bei Freizeittätigkeiten oder Sportveranstaltungen für Minderjähri­ ge und ein vielfältiges Angebot an Lebensmitteln und nicht-alkoholischen Getränken; Sicherstellung, daß familienorientierte Präventions- und Behandlungsprogramme überall zur Verfügung stehen und umgesetzt werden; Förderung einer Alkoholpolitik am Arbeitsplatz, die sich auf Aufklärung, Prävention, Früher­ kennung und Behandlung stützt und in die betrieblichen Gesundheitsprogramme integriert ist, und zwar sowohl im öffentlichen wie im privaten Sektor. Alkohol am Steuer R esultate 21. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • sich darum bemühen, die Zahl der alkoholbedingten Unfälle, Todesfälle und Verletzungen, die auf Alkohol am Steuer zurückzuführen sind, erheblich zu verringern. M aßnahm en 22. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Sicherstellung einer umfassenden Durchsetzung der derzeit für den Komplex Alkohol am Steuer geltenden Gesetze; Förderung von nach dem Zufallsprinzip durchgeführten Atemalkoholtests, die in der Bevölke­ rung bekannt sein sollten; Überprüfung der derzeit geltenden Grenzwerte für den Blutalkoholspiegel und Durchführung von Gesetzen, die die Grenzwerte für den Blutalkoholspiegel auf 0,5 mg % oder niedriger festsetzen und für Neuanfänger und Berufsfahrer von Transportfahrzeugen einen nahe bei Null liegenden Grenzwert einführen; Bereitstellung von alternativen Transportmöglichkeiten für Fahrer, die zuviel Alkohol getrun­ ken haben, um ihren eigenen Wagen fahren zu können; obligatorische Fahrerziehung und Behandlungsprogramme für alle, die wiederholt gegen das Gesetz verstoßen, indem sie sich mit Alkohol im Blut ans Steuer setzen. EUR/RC49/9 Seite 6 Verfügbarkeit von alkoholischen Produkten Resultate 23. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • eine Steuerpolitik verfolgen, die dazu beiträgt, die Schäden, die der Alkohol bewirken kann, zu verringern; • das Ausmaß des Trinkens von Minderjährigen, vor allem von ganz jungen Jugendlichen, ver­ ringern. Maßnahmen 24. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Entwicklung einer Besteuerungspolitik, die einen hohen Realpreis von Alkohol sicherstellt, eine auf das Alkoholvolumen gegründete Besteuerung (d. h. höhere Steuern auf alkoholischen Getränken mit höherem Alkoholgehalt) und die Bereitstellung von nicht-alkoholischen Ge­ tränken zu niedrigen Preisen; Finanzierung von Tätigkeiten zur Steuerung des Alkoholkonsums durch Alkoholsteuern, d. h. für Gesundheitsförderung, Forschungsarbeiten zur Alkoholpolitik und Unterstützung der Ge­ sundheitsdienste auf örtlicher und nationaler Ebene; Steuerung der Alkoholverfügbarkeit durch Begrenzung oder zumindest Überwachung der Zahl von Ausschankstätten, in denen Alkohol gemäß Ausschankgesetz verkauft wird, durch die Be­ grenzung der Lizenzzahl und der Öffnungsstunden oder -tage; Steuerung des Alkoholkonsums von Minderjährigen durch die Festsetzung eines Mindestalters, normalerweise über 18 Jahre, für den Verkauf und den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit; Instrumente, z. B. Steuerbanderolen an Alkoholprodukten, zur Bekämpfung des Alkohol­ schmuggels und um sicherzustellen, daß eine wirksame Preispolitik eingehalten wird und alle Steuern eingetrieben werden. Werbung für Alkoholprodukte Resultate 25. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • Maßnahmen zum Schutz von Kindem und Jugendlichen vor Alkoholwerbung einführen. Maßnahmen 26. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Begrenzung der Werbung auf Produktinformationen und auf ihr Vorkommen in Printmedien für Erwachsene, soweit kein umfassenderes Verbot besteht; Aufstellung von Verhaltensregeln für die Werbebranche in Bereichen, in denen Werbung zu­ gelassen ist, durch die vermieden wird, daß die Auswirkungen von Alkohol glorifiziert und in der Alkohol Werbung junge Menschen gezeigt werden; Aufstellung von Praxisvorschriften, die das Ziel verfolgen, die Werbung für Alkoholprodukte, die insbesondere Kinder und junge Menschen ansprechen könnte, zu unterbinden; Verbot für die Getränkeindustrie, bei Freizeitaktivitäten junger Menschen als Sponsor aufzutreten; Begrenzung der Sponsormöglichkeiten der Getränkeindustrie bei Sportveranstaltungen; strenge Regeln für Veranstaltungen, die den Alkoholkonsum fördern sollen, beispielsweise für Alkoholfestivals und Biertrinkerwettbewerbe. EUR/RC49/9 Seite 7 Behandlung Resultate 27. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • eine zugängliche und wirksame Behandlung für die Personen (und ihre Familien) sicherstel­ len, deren Alkoholkonsum in den Bereich des gefährlichen oder schädlichen Konsums fällt und bis zur Alkoholabhängigkeit reicht. M aßnahmen 28. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Aufbau eines umfassenden, auf die Bedarfsabschätzung gegründeten Behandlungssystems, das zugänglich, wirksam, flexibel und rechenschaftspflichtig ist; Sicherstellung eines koordinierten Vorgehens, das alle Sozialdienste, die Justizbehörden und Selbsthilfegruppen sowie die Gesundheitsdienste einbezieht; Sicherstellung einer Behandlung, die sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt und wirk­ sam und flexibel genug ist, um auf die Entwicklung in Wissenschaft und Behandlungstechnik reagieren zu können; Sicherstellung, daß die Behandlungsdienste sich für die gesamte Bandbreite der Probleme zu­ ständig fühlen und für Entgiftung, Fallbeurteilung, Abstimmung der Behandlung, Rückfall- prävention und Nachsorge sorgen; Schulung von Fachkräften der primären Gesundheitsversorgung, die lernen müssen, gefährli­ chen und schädlichen Alkoholkonsum zu erkennen und Kurzinterventionen vorzunehmen; eine sachgerechte Finanzausstattung und Vertragsstrategien, die sicherstellen, daß auf die pri­ märe Gesundheitsversorgung gegründete Interventionen allgemein vorhanden, zugänglich und bezahlbar sind; Bereitstellung von Langzeitbehandlungsaltemativen anstelle von Haftstrafen für chronisch al­ koholabhängige Gesetzesübertreter, die mit einem therapeutischen Programm Zusammenar­ beiten. Verantwortung der Alkoholgetränkeindustrie und des Gastgewerbes Resultate 29. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region sicherstellen: • daß sich die alkoholbedingten Probleme in dem Milieu, in dem getrunken wird, verringert ha­ ben; • daß weniger Betrunkene eine Gaststätte verlassen und danach in Tätlichkeiten, Gewalt und al­ koholbedingte Verkehrsunfälle verwickelt werden; • zweckgerechte Maßnahmen umgesetzt werden, die jungen Menschen den Zugang zu Alkohol erschweren. EUR/RC49/9 Seite 8 Maßnahmen 30. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Durchführung von Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen, mit denen die Auswirkungen der Sozial- und Wirtschaftskonzepte und -programme der Alkoholindustrie auf die Gesundheit untersucht werden, um ihre Rechenschaftspflicht sicherzustellen; Ausweitung der Produkthaftung auf alle, die für alkoholische Getränke in unverantwortlicher und unangemessener Weise Werbung betreiben; Sicherstellung, daß die Bestimmungen für den Alkoholgehalt, die Verpackung und die Ver­ marktung von alkoholischen Erzeugnissen Produktsicherheitsnormen festlegen, falsche Be­ hauptungen verbieten und sachgerechte Warnungen (z. B. durch Etikettierung) vorsehen; Förderung des Bewußtseins für die persönliche, ethische und rechtliche Verantwortung durch Schulungsprogramme für alle, die mit dem Ausschank von alkoholischen Getränken zu tun haben; Gesetzentwürfe, die vorsehen, daß alle, die Alkohol in unverantwortlicher Weise ausschenken, durch Ausschankhaftung, Lizenzentzug und andere von den Behörden für sachgerecht gehal­ tene Mechanismen zur Verantwortung gezogen werden; Sicherstellung, daß die beste Technik zum Einsatz kommt, um qualitativ hochwertige Alko­ holprodukte mit niedrigem Alkoholgehalt kostengünstig herzustellen; Sicherstellung einer strengen Durchsetzung der bestehenden Gesetze zu Alkoholausschank und -konsum, obligatorische Schulung und Festsetzung von Bedingungen für die Gewährung von Ausschankgenehmigungen, die unverantwortliche Handelspraktiken im Gaststättenmilieu verbieten. Die Fähigkeit der Gesellschaft, auf alkoholbedingte Schäden zu reagieren Resultate 31. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • verstärkt bürgemahe Maßnahmen eingesetzt haben, die darauf abzielen, die alkoholbedingten Probleme im Nahbereich (z. B. Verkehrsunfälle, bei denen der Alkoholkonsum eine Rolle spielt, und Verkauf von alkoholischen Getränken an Minderjährige) durch einen verantwortli­ cheren Getränkeausschank und den verstärkten Einsatz kommunaler Bestimmungen zu verrin­ gern; • unter allen staatlichen Sektoren, die einen Einfluß auf eine wirksame Alkoholpolitik haben können, das Problembewußtsein und die entsprechende Kompetenz gestärkt haben. Maßnahmen 32. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Aufklärung und Schulung zum Thema Alkoholpolitik für Fachkräfte, die aus anderen Sektoren wie dem Bildungs-, dem Sozial- und dem Justizbereich kommen, um einen wirksamen multi­ sektoralen Ansatz sicherzustellen; Unterstützung von Programmen, die die Bevölkerung wachrütteln und sie verstärkt und aktiv für die Prävention von alkoholbedingten Problemen eintreten lassen; Einrichtung von mindestens einem koordinierten und zukunftsfähigen bürgemahen Demon­ strationsprojekt für die Prävention von alkoholbedingten Problemen; Sicherstellung, daß in allen Städten, die sich am WHO-Gesunde-Städte-Projekt beteiligen, ei­ ne kommunale Alkoholpolitik aufgestellt und umgesetzt wird. EUR/RC49/9 Seite 9 Nichtstaatliche Organisationen Resultate 33. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • nichtstaatliche Organisationen und Selbsthilfebewegungen unterstützen, die Initiativen för­ dern, welche darauf abzielen, die Schäden, die durch Alkohol bewirkt werden können, zu ver­ hindern oder zu verringern. M aßnahmen 34. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: Unterstützung von nichtstaatlichen Organisationen und Netzwerken, die die Erfahrung und Kompetenz mitbringen, um auf internationaler und Länderebene für eine Politik einzutreten, durch welche die Schäden, die der Alkohol verursachen kann, verringert wird; Unterstützung von Organisationen und Netzwerken, die im Rahmen ihres Mandats eine be­ stimmte Anwaltsfunktion wahmehmen, z. B. von Verbänden der Gesundheitsberufe, von Ver­ tretern der Zivilgesellschaft und Verbraucherorganisationen; Unterstützung von nichtstaatlichen Organisationen und Netzwerken, die eine spezifische Rolle zu spielen haben in dem Bemühen, die Zivilgesellschaft über alkoholbedingte Probleme auf- zuklären und sie entsprechend wachzurütteln, für eine Änderung der Politik und die wirksame Umsetzung der Politik auf Regierungsebene einzutreten und die gesundheitsschädlichen Maß­ nahmen der Alkoholindustrie aufzudecken. Aufstellung, Umsetzung und Verlaufsbeobachtung der Politik Resultate 35. Bis zum Jahr 2005 sollten alle Länder der Europäischen Region: • eine umfassende, auf eine breite Grundlage gestützte Alkoholpolitik führen; • ein Meldesystem für den Alkoholkonsum und für die Verlaufsbeobachtung und Evaluierung der Umsetzung der Alkoholpolitik sowie der Schäden, die durch Alkohol bewirkt werden kön­ nen, haben. Maßnahmen 36. Diese Ergebnisse lassen sich u. a. durch die folgenden empfohlenen Maßnahmen erreichen: in jedem Land die Aufstellung eines Länderprogramms mit einem Aktionsplan Alkohol, der klare Ziele enthält; Schaffung eines Organs zur Koordinierung des Länderprogramms und Bereitstellung einer ausreichenden Finanzausstattung für diese Funktion mit einem konkreten Zeitplan, um die Umsetzung und Verlaufsbeobachtung von länderbasierten Aktionsplänen sicherzustellen; Schaffung eines wirksamen Rahmens für die Verlaufsbeobachtung und Evaluierung des Alko­ holkonsums und die Verfolgung der Indikatoren für die Schäden, die durch Alkohol bewirkt werden können, sowie der programmatischen Ansätze zur Steuerung des Alkoholkonsums (für diesen Prozeß ist u. U. die Entwicklung von geeigneten standardisierten Forschungsinstru­ menten erforderlich). EUR/RC49/9 Seite 10 37. GESUNDHEIT21 bietet einen überarbeiteten programmatischen Rahmen für die Europäische Region der WHO. Die Hauptaufgabe des WHO-Regionalbüros für Europa besteht darin, für eine bessere Gesundheit zu arbeiten, und es hat das besondere Mandat, eine engere Zusammenarbeit für die ge­ sundheitliche Entwicklung sowohl auf internationaler Ebene wie in seiner Arbeit zur Unterstützung einzelner Länder zu fördern. In GESUNDHEIT21 werden die Aufgaben des Regionalbüros bei der aktiven Unterstützung des EAAP in fünf Schlüsselbereichen angegeben. a) In seiner Funktion als „Gesundheitsgewissen“ der Region wird das Regionalbüro das Prinzip von Gesundheit als grundlegendem Menschenrecht verteidigen, anhaltende oder neu auftau- chende gesundheitliche Bedrohungen aufzeigen und die Aufmerksamkeit darauf hinlenken sowie auf Konzepte und Praktiken hinweisen, die der Gesundheit nützen oder schaden. b) Als Informationszentrum für auf alkoholbezogene Themenstellungen unterhält das Regional­ büro die regionalen GFA-Monitoring- und Evaluierungssysteme und aktualisiert sie. Es fördert den Aufbau von Überwachungs- und anderen Gesundheitsinformationssystemen, die eine leichte Datenerhebung und Berichterstattung der Mitgliedstaaten mit den technischen Anfor­ derungen der Standardisierung verbinden und dem Bedarf der Nutzer entsprechen. Dabei wird sich das Regionalbüro darum bemühen, seine Zusammenarbeit mit dem WHO-Hauptbüro und seinen wichtigsten Partnern in der Region, vor allem mit der Europäischen Kommission, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und anderen Organen der Vereinten Nationen zu optimieren. c) Das Regionalbüro wird den EAAP analysieren und befürworten und dabei einzelnen Mitglied­ staaten (vor allem den Ländern von Osteuropa), Organisationen und seinen Netzen Orientie­ rungshilfe und Unterstützung für die Entwicklung und Umsetzung einer Alkoholpolitik auf allen Ebenen anbieten. Es wird weiterhin durch Tagungen, durch Veröffentlichungen und durch sein Netz von Ansprechpartnem für eine wirksame Alkoholpolitik eintreten. d) Das Regionalbüro wird wissenschaftlich abgestützte Instrumente und Leitlinien für eine prak­ tische Umsetzung der Alkoholpolitik anbieten und dabei innovative Instrumente, Vorgehens­ weisen und Methoden ermitteln, die dazu dienen können, die Schäden, die der Alkohol bewir­ ken kann, zu verringern. Erreicht wird dies durch die laufende Beobachtung der Ergebnisse der internationalen Forschung, durch die Überprüfung der praktischen Erfahrungen in den Mitgliedstaaten und, gegebenenfalls, durch die Förderung oder Durchführung spezieller abso­ lut vorrangiger Studien, sofern diese nicht anderweitig verfügbar sind. e) Als Katalysator des Handelns wird das Regionalbüro fachliche Unterstützung anbieten und bei den Bemühungen, die gesundheitlichen Bedrohungen, die sich durch alkoholische Getränke ergeben, zu beseitigen oder zu bekämpfen, die Führungsrolle übernehmen, und es wird seine Maßnahmen über Kooperationsnetze in ganz Europa mit seinen Partnern koordinieren. S c h l u s s f o l g e r u n g 38. Die Schäden, die durch Alkohol bewirkt werden können, zu verringern, gehört zu den größten Public-Health-Aufgaben, mit denen sich die Europäische Region der WHO konfrontiert sieht. Man weiß durchaus, wie man an diese Herausforderung herangehen kann. Erforderlich ist jetzt, den politischen Willen zu beweisen, die Zivilgesellschaft zum Handeln aufzurufen und in jedem Mitgliedstaat systematische Programme durchzuführen. Im Europäischen Aktionsplan Alkohol werden wirksame Maßnahmen abgesteckt, die zu eindeutig bestimmten Ergebnissen führen, zudem aber schafft der Plan damit eine europäische Bewegung zur Verringerung der Schäden, die durch Alkohol bewirkt werden können, und zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden in der ganzen Region. D ie R o l l e d e s W H O -R e g io n a l b ü r o s f ü r E u r o p a

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Adoption date
Source World Health Organization