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Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa: zweiter Sachstandbericht: Zusammenfassung

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Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung © Weltgesundheitsorganisation 2019 Bestimmte Rechte vorbehalten. Dieses Dokument wird unter einer Creative Commons Attribution-NonCommercial- ShareAlike 3.0 IGO-Lizenz (CC BY-NC-SA 3.0 IGO; https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/igo/deed.de) bereitgestellt. Unter den Bedingungen dieser Lizenz dürfen Sie dieses Dokument kopieren, verteilen und das Werk für nicht- kommerzielle Zwecke anpassen, sofern das Dokument angemessen zitiert wird, wie unten angegeben. Bei der Verwendung dieses Dokuments darf nicht der Eindruck erweckt werden, dass die Weltgesundheitsorganisation eine bestimmte Organisation, bestimmte Produkte oder bestimmte Dienstleistungen empfiehlt. Die Verwendung des WHO-Logos ist nicht erlaubt. 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Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 IGO. Cataloguing-in-Publication-Daten (CIP). CIP-Daten stehen unter http://apps.who.int/iris zur Verfügung. Vertrieb, Rechte und Lizenzierung. Für den Erwerb von WHO-Publikationen besuchen Sie bitte http://apps.who.int/ bookorders. Anfragen über die kommerzielle Nutzung und zu den Rechten und zur Lizenzierung: http://www.who.int/ about/licensing. Materialien von Drittanbietern. Wenn Sie Material aus diesem Dokument nutzen möchten, das von einem Dritten stammt, wie z. B. Tabellen, Zahlen oder Bilder, liegt es in Ihrer Verantwortung, festzustellen, ob eine Genehmigung für eine solche Nutzung erforderlich ist, die Sie im entsprechenden Fall von dem betreffenden Rechte-Inhaber einholen müssen. Das Risiko, für eine Verletzung von Urheberrechten aufgrund der widerrechtlichen Nutzung von im Dokument enthaltenen Materialien von Dritten liegt allein beim Benutzer. Generelle Haftungsausschlüsse. Die in dieser Veröffentlichung benutzten Bezeichnungen und die Darstellung des Stoffes beinhalten keine Meinungsäußerung seitens der WHO bezüglich des rechtlichen Status eines Landes, eines Territoriums, einer Stadt oder eines Gebiets bzw. ihrer Behörden oder bezüglich des Verlaufs ihrer Staats- oder Gebietsgrenzen. Gepunktete und gestrichelte Linien auf Landkarten bezeichnen ungefähre Grenzlinien, über deren Verlauf es eventuell noch keine vollständige Übereinstimmung gibt. Die Erwähnung bestimmter Firmen oder der Erzeugnisse von gewissen Herstellern besagt nicht, dass diese von der WHO im Gegensatz zu anderen, nicht erwähnten Firmen oder Erzeugnissen ähnlicher Art bevorzugt oder empfohlen werden. Abgesehen von eventuellen Irrtümern und Auslassungen sind Markennamen im Text durch Großschreibung gekennzeichnet. Die WHO hat alle angemessenen Vorkehrungen getroffen, um die in dieser Publikation enthaltenen Informationen auf Richtigkeit zu überprüfen. Dennoch wird die Publikation ohne irgendeine explizite oder implizite Gewähr herausgegeben. Die Verantwortung für die Auslegung und Verwendung des Materials liegt beim Leser. Die WHO haftet in keiner Weise für eventuelle durch die Verwendung dieser Informationen bewirkte Schäden Printed in Germany Übersetzung: Klaus Birker Design und Layout: Imre Sebestyén / Unit Graphics Danksagung Das WHO-Regionalbüro für Europa dankt dem deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit für die finanzielle Unterstützung. Dokumentnummer: WHO/EURO:2019-3507-43266-60640 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung Zusammenfassung Sichere Umgebungen sind eine Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden. In der Europäischen Region der WHO sind jedoch mindestens 15% der Mortalität auf umweltbedingte Risikofaktoren zurückzuführen. Darüber hinaus sind die Umweltbedingungen nicht überall und für alle gleich; tatsächlich treten sowohl zwischen als auch innerhalb von Ländern Unterschiede in Bezug auf die Verteilung von Umweltrisiken und die Exposition gegenüber diesen auf. Die ungleiche Verteilung von Umweltrisiken innerhalb von Gesellschaften und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Gesundheit und die gesundheitliche Chancengleichheit geben deshalb zunehmend Anlass zur Sorge. Dieser Bericht bietet eine zweite Bewertung der Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit in der Region. Er aktualisiert und erweitert die Evidenzgrundlage, die im ersten Sachstandsbericht von 2012 enthalten ist, und zielt darauf ab: • unter Verwendung internationaler Datenbanken das Ausmaß der Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit innerhalb der Länder der Region zu quantifizieren; • durch den Vergleich aktueller Daten mit der Ausgangsbewertung von 2012 die zeitlichen Trends von Ungleichheiten in Bezug auf die Exposition gegenüber umweltbedingten Risiken und Unfällen zu bewerten; und • für den Folgeprozess auf der nationalen oder lokalen Ebene die größten Ungleichheiten und die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen zu ermitteln. Der Bericht verwendet Daten aus internationalen Datenbanken, die nach sozioökonomischen, demografischen oder räumlichen Variablen aufgeschlüsselt sind, um Unterschiede in Bezug auf die Umweltbelastung oder die Verletzungsraten zwischen Bevölkerungsruppen im selben Land aufzuzeigen. Die Bewertung berücksichtigt verschiedene Umweltsituationen und präsentiert 19 Indikatoren für Ungleichheit im Bereich Umwelt und Gesundheit, die in fünf Kategorien unterteilt sind: • wohnungsbedingte Ungleichheiten • Fehlen einer Spültoilette • Fehlen von Bad oder Dusche • Überbelegung • Feuchtigkeit im Haus • Schwierigkeit, das Haus ausreichend warm zu halten • Schwierigkeit, das Haus im Sommer ausreichend kühl zu halten • Ungleichheiten in der Grundversorgung • fehlender Zugang zu grundlegender Trinkwasserversorgung • fehlender Zugang zu grundlegender Sanitärversorgung • Energiearmut • Ungleichheiten im Zusammenhang mit städtischen Gebieten und dem Verkehrswesen • Belastung durch Luftverschmutzung • wahrgenommene Lärmbelästigung • tödliche Straßenverkehrs-/ Verkehrsunfälle • fehlender Zugang zu Erholungs- oder Grünflächen • Exposition gegenüber Chemikalien • kontaminierte Standorte • arbeitsbedingte Ungleichheiten • arbeitsbedingte Verletzungen und Sterblichkeit • Risiken in der Arbeitsumgebung • verletzungsbedingte Ungleichheiten • tödliche Vergiftungen • Stürze mit tödlichem Ausgang 1 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung Die Ergebnisse der Bewertung legen folgende Schlüsse nahe: • Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit treten in allen Ländern auf, unabhängig vom Entwicklungsstand und dem ökologischen oder wirtschaftlichen Status. • Bestehende Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit haben sich im Lauf der Zeit tendenziell fortgesetzt oder sogar verschärft, obwohl sich in den meisten Ländern der Europäischen Region der WHO die beobachteten Umweltbedingungen verbessert haben. • Ungleichheiten können oft signifikant sein, und manche Bevölkerungsuntergruppen können ihnen fünfmal häufiger ausgesetzt oder davon betroffen sein als andere. • Höhere umweltbedingte Expositionen oder Verletzungsrisiken sind am häufigsten mit sozioökonomischer Benachteiligung (insbesondere Armut und geringem Einkommen) oder anderen Formen der Benachteiligung, beispielsweise aufgrund demografischer oder räumlicher Determinanten, verbunden – und werden damit teilweise erklärt. • In manchen Fällen kann die Umweltbelastung auch bei wohlhabenden oder sozial privilegierten Bevölkerungsgruppen höher sein. • Der Mangel an Daten zu Ungleichheiten in Bezug auf Umweltbedingungen schränkt eine umfassende Bewertung in vielen Ländern ein und stellt deshalb ein großes Problem dar. Eine unterschiedliche Exposition gegenüber umweltbedingten Risiken resultiert in gesundheitlichen Ungleichheiten, aber die verfügbaren Umweltdaten erlauben keine genaue Quantifizierung dieser Risiken. Neben der ungleichmäßigen Verteilung von Umweltbelastungen kann allerdings die unterschiedliche Vulnerabilität unterschiedlicher Bevölkerungsuntergruppen durch synergistische Effekte die resultierenden gesundheitlichen Auswirkungen und Ungleichheiten weiter verstärken. Einzelne Länder weisen unterschiedliche Muster von Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit auf, was darauf hindeutet, dass Länder möglicherweise verschiedene Prioritäten für nationale Überprüfungs- und Folgemaßnahmen haben. Dennoch gibt es in der gesamten Region einige gemeinsame Herausforderungen: Die Ungleichheiten in Bezug auf Energiearmut, Wärmekomfort, feuchte Wohnungen und Lärmwahrnehmung haben in den meisten Ländern zugenommen und stellen eine gemeinsame Herausforderung dar, die von vielen Regierungen und Kommunalverwaltungen angegangen werden muss. Die Ergebnisse des Berichts unterstreichen die Bedeutung von umweltbedingten Disparitäten für die Gesundheit und die gesundheitliche Chancengleichheit und liefern Warnsignale in Bezug auf Ungleichheiten in den Bereichen Umwelt und Verletzungen, die auf nationaler Ebene verfolgt werden müssen. Anhand detaillierterer nationaler Daten zur Bewertung und Kontextualisierung der beschriebenen Disparitäten können nationale und lokale Akteure die Ungleichheiten identifizieren, die systemisch und unfair sind und politische Gegenmaßnahmen erfordern. Solche Erkenntnisse über das Ausmaß und das Auftreten von Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit werden die politischen Entscheidungsträger in ihren Bemühungen unterstützen, gesundheitliche Ungleichheiten durch Umweltmaßnahmen zu verringern, und fundierte Entscheidungsprozesse ermöglichen, um diejenigen Gruppen zu ermitteln und zu schützen, die umweltbedingten Gefahren bereits unverhältnismäßig stark ausgesetzt sind. Die Beseitigung der Ungleichheiten in Bezug auf Umweltrisiken wird somit dazu beitragen, vermeidbare gesundheitliche Ungleichheiten zu vermeiden und Gesellschaften zu schaffen, die sich durch mehr Fairness und Zusammenhalt auszeichnen. 2 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung Zentrale Aussagen und Schlussfolgerungen Matthias Braubach, Gabriele Bolte, Sani Dimitroulopoulou, Jon Fairburn, Catherine Ganzleben, Firmino Machado, Marco Martuzzi ZENTRALE AUSSAGEN 1. Die Umweltbedingungen haben sich in den meisten Ländern der Europäischen Region der WHO deutlich verbessert, und die Häufigkeit tödlicher Verletzungen ist gesunken. Der positive Eindruck dieser Verbesserungen wird jedoch durch markante Ungleichheiten beeinträchtigt, denn viele Bevölkerungsgruppen können nicht von ihnen profitieren. 2. Ungleichheiten bei der Umweltbelastung treten zwischen Ländern und, was noch beunruhigender ist, innerhalb von Ländern und lokalen Gemeinschaften auf, wo sie zu vermeidbaren gesundheitlichen Ungleichheiten beitragen. 3. Trotz Umweltverbesserungen bestehen die Ungleichheiten bei der Umweltbelastung und der verletzungsbedingten Sterblichkeit oft fort oder haben sich in manchen Fällen sogar noch vergrößert. 4. Neben der ungleichmäßigen Verteilung von Umweltbelastungen kann die unterschiedliche Vulnerabilität verschiedener Bevölkerungsgruppen die resultierenden gesundheitlichen Ungleichheiten weiter verstärken. 5. Benachteiligte Bevölkerungsgruppen können fünfmal höhere Belastungen oder Verletzungsraten aufweisen wie privilegierte Gruppen. Die daraus resultierenden gesundheitlichen Ungleichheiten können deshalb weitgehend durch Umweltmaßnahmen vermieden werden. 6. Die Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit weisen in den einzelnen Ländern unterschiedliche Muster auf, weshalb länderspezifische Strategien erforderlich sind, um diese Ungleichheiten zu verringern. 7. In Bezug auf Energiearmut, Wärmekomfort, feuchte Wohnungen und Lärmwahrnehmung sind in den meisten Ländern der Region zunehmende Ungleichheiten festzustellen, die eine gemeinsame Herausforderung darstellen. 8. Der Mangel an Daten über Ungleichheiten in Bezug auf die Exposition gegenüber umweltbedingten Risiken gibt Anlass zu großer Sorge, insbesondere im östlichen Teil der Region. 9. Die Herstellung der Chancengleichheit im Bereich Umwelt und Gesundheit erfordert die Mitwirkung der Gesamtgesellschaft und gesamtstaatliches Handeln, verbunden mit einer sorgfältigen Abwägung gezielter Maßnahmen. 10. Um umweltbedingte Ungleichheiten und die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen angemessen zu dokumentieren, werden Systeme in verschiedenen Größenordnungen benötigt, mit denen sich Chancengleichheit beobachten und überwachen lässt. 3 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung Schlussfolgerungen 1. Die Umweltbedingungen haben sich in den meisten Ländern der Europäischen Region der WHO deutlich verbessert, und die Häufigkeit tödlicher Verletzun- gen ist gesunken. Der positive Eindruck dieser Verbesserungen wird jedoch durch markante Ungleichheiten beeinträchtigt, denn viele Bevölkerungsgruppen können nicht von ihnen profitieren. In den letzten zehn Jahren sind in den Ländern der Europäischen Region der WHO viele umwelt- bedingte Gesundheitsrisiken kleiner geworden, woraus geschlossen werden kann, dass Ordnungs- politik im Umweltbereich und Umweltvorschriften wirksame Mechanismen zum Schutz der Bevölke- rung sind. In der Region gibt es jedoch noch unerle- digte Aufgaben, und verschiedene Umweltproble- me sollten von den einzelnen Ländern angegangen werden, was sich auch in dem Hintergrunddoku- ment und der Erklärung der Sechsten Ministerkon- ferenz Umwelt und Gesundheit widerspiegelt, die 2017 in Ostrava (Tschechien) stattfand (WHO-Re- gionalbüro für Europa, 2017a; 2017b). Eine für viele Länder relevante Herausforderung besteht darin, dass die Fortschritte bei den Um- weltbedingungen nicht allen gleichermaßen zugu- tekommen. Trotz sinkender Umweltbelastungen werden Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Ge- sundheit sowie bei Verletzungen festgestellt, was darauf hindeutet, dass die am stärksten betroffe- nen Bevölkerungsgruppen nicht von den erzielten Verbesserungen profitieren und zurückgelassen werden. Die Beseitigung der Ungleichheiten in Be- zug auf umweltbedingte Risiken bleibt daher eine Priorität für alle Regierungen und Verwaltungen auf nationaler und kommunaler Ebene. 2. Ungleichheiten bei der Umweltbelastung treten zwischen Ländern und, was noch beunruhigender ist, innerhalb von Län- dern und lokalen Gemeinschaften auf, wo sie zu vermeidbaren gesundheitlichen Ungleichheiten beitragen. In allen Ländern der Europäischen Region der WHO können Ungleichheiten bei der Risikoexposition und der verletzungsbedingten Sterblichkeit (so- wie Ungleichheiten bei Umweltgütern oder beim Zugang zu Umweltressourcen) unabhängig davon beobachtet werden, wie hoch die Prävalenz der Ex- position oder die Sterblichkeit insgesamt ist. Wäh- rend ein gewisses Maß an Variabilität normal ist, unterscheidet sich das Ausmaß der Ungleichheit erheblich. In jedem Land sind vermeidbare Dispari- täten ersichtlich, und in allen Ländern ist es folglich eine Herausforderung, chancengleiche Lebensbe- dingungen zu gewährleisten. Weil Umweltfaktoren für mindestens 15% der Gesamtkrankheitslast in der Europäischen Region der WHO verantwortlich sind (WHO-Regionalbüro für Europa, 2018), sind Maßnahmen zugunsten von Chancengleichheit im Umweltbereich ein Schlüsselmechanismus, um ge- sundheitlichen Ungleichheiten durch Verringerung des Expositionsgefälles entgegenzuwirken. Ungleichheiten sind am relevantesten und offen- sichtlichsten, wenn sie innerhalb von Ländern und auf der lokalen Ebene auftreten, wo nahe beiein- ander lebende Menschen sehr unterschiedliche Umweltbedingungen erfahren. Dies ist auf ein- flussreiche Determinanten zurückzuführen (wie beispielsweise materielle Benachteiligung, Diskri- minierung aufgrund bestimmter demografischer Merkmale, oder ortsbedingte Einflüsse), die sich unmittelbar auf die Chancen und Wahlmöglichkei- ten im Leben von Menschen auswirken und somit das Risiko der Umweltbelastung beeinflussen. 3. Trotz Umweltverbesserungen bestehen die Ungleichheiten bei der Umweltbe- lastung und der verletzungsbedingten Sterblichkeit oft fort oder haben sich in manchen Fällen sogar noch vergrößert. Obwohl viele Länder sinkende Durchschnittswer- te der Risikoexposition oder der verletzungsbe- dingten Sterblichkeit melden, bleiben die umwelt- bedingten Ungleichheiten oft stabil oder werden sogar größer. Dies spiegelt sich in mehreren Indika- toren für Umwelt und Gesundheit in diesem Bericht sowie in einer Reihe systematischer Überprüfungen wider (siehe Anhang 3). Der Bericht liefert deshalb aussagekräftige Belege dafür, dass die Fortschritte im Umweltbereich nicht gleichmäßig verteilt sind und dass besonders benachteiligte Bevölkerungs- gruppen und Gebiete am stärksten von Umwelt- problemen betroffen sind. Für mehrere Indikatoren sind in Ländern mit ver- gleichsweise niedrigen absoluten Belastungsni- veaus hohe relative Ungleichheiten zu finden. Dies spiegelt sich in den Abbildungen 7, 12 und 41 wider, was zeigt, dass insgesamt niedrige Prävalenzni- veaus kein Hinweis auf geringe Ungleichheit sind. In Ländern mit hohen Gesamtbelastungsniveaus be- stehen erhebliche umweltbedingte Ungleichheiten mit noch höheren Belastungen bei sozial benach- teiligten Gruppen. 4. Neben der ungleichmäßigen Verteilung 4 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung von Umweltbelastungen kann die unter- schiedliche Vulnerabilität verschiedener Bevölkerungsgruppen die resultierenden gesundheitlichen Ungleichheiten weiter verstärken. Die in diesem Bericht vorgestellten Indikatoren für umweltbedingte Ungleichheit können nur die Unterschiede hinsichtlich der Belastung zwischen Bevölkerungsgruppen beschreiben, nicht jedoch die Unterschiede in Bezug auf die Vulnerabilität dokumentieren. Dies hängt mit der unterschiedli- chen Anfälligkeit für Umweltauswirkungen zusam- men, die eine Person, Bevölkerungsgruppe oder Gemeinschaft haben kann. Höhere Vulnerabilität kann die Einflüsse auf die Gesundheit verstärken, was für bestimmte Personen in größeren negativen Auswirkungen resultiert. Die ausschließliche Ver- wendung von Expositionsdaten kann dazu führen, dass diese Wechselwirkungen vernachlässigt und die Auswirkungen von umweltbedingten Ungleich- heiten auf Gesundheit und Wohlbefinden unter- schätzt werden. Zu den vulnerablen Gruppen, die stärker auf Um- weltrisiken reagieren oder anfälliger für negative gesundheitliche Auswirkungen sein können, zählen Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Men- schen mit bereits bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen. In ähnlicher Weise können sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen beispielswei- se aufgrund von psychosozialem Stress oder weni- ger Ressourcen zur Bewältigung einer Umweltbe- lastung vulnerabler sein. 5. Benachteiligte Bevölkerungsgruppen können fünfmal höhere Belastungsni- veaus oder Verletzungsraten aufweisen als privilegierte Gruppen. Die daraus re- sultierenden gesundheitlichen Ungleich- heiten können deshalb weitgehend durch Umweltmaßnahmen vermieden werden. Umweltbedingte Ungleichheiten sind meist mit un- terschiedlichen Formen sozialer oder demografi- scher Benachteiligung verbunden (und lassen sich zumindest teilweise durch sie erklären). Fast alle in diesem Bericht vorgestellten Indikatoren zeigen, dass sozioökonomische Benachteiligung (insbe- sondere Armut und niedriges Einkommen) mit ei- ner höheren Exposition gegenüber verschiedenen Umweltbelastungen verbunden ist. Die Ungleich- heiten bei Risiko und Exposition können zwischen Bevölkerungsgruppen innerhalb desselben Landes sehr hoch sein; die relativen Ungleichheiten können häufig ein Verhältnis von 5:1 zwischen benachtei- ligten und privilegierten Gruppen überschreiten. Im Extremfall können die Ungleichheitsverhältnisse in manchen Ländern sogar 20:1 erreichen. Dies lässt sich beispielsweise für Energiearmut sowie Trink- wasser- und Sanitärversorgung nach Wohlstands- quintil (siehe Tabelle 6 und Abbildung 23) und für tödliche Arbeitsunfälle nach Geschlecht beobach- ten (siehe Abbildung 48). Obwohl diese Ungleichheiten bei der Risikoexpo- sition weitgehend von soziodemografischen De- terminanten bestimmt werden, ist es offensicht- lich, dass die universelle Gewährleistung gesunder Umweltbedingungen und grundlegender Dienst- leistungen für alle Bürger unabhängig von ihrem sozialen Status oder anderen Formen der Benach- teiligung dazu beitragen kann, gesundheitliche Un- gleichheiten zu verringern, weil umweltbedingte Gesundheitsrisiken verringert werden. Dies gilt ins- besondere für diejenigen, bei denen die Exposition und/oder die Vulnerabilität am größten sind. 6. Die Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit weisen in den einzelnen Ländern unterschiedliche Muster auf, weshalb länderspezifische Strategien er- forderlich sind, um diese Ungleichheiten zu verringern. Die Länder weisen über den gesamten Indikatoren- satz hinweg unterschiedliche Ungleichheitsniveaus auf. Die nationalen Muster der Ungleichheiten sind sehr vielfältig, was darauf hindeutet, dass Länder möglicherweise verschiedene Prioritäten für natio- nale Überprüfungs- und Folgemaßnahmen haben. Ein gutes Verständnis der nationalen Ungleichhei- ten bei Umweltrisiken und verletzungsbedingter Sterblichkeit ist jedoch unerlässlich und wird zu wirksamerer Politikgestaltung beitragen, die auf einer klaren Festlegung der Handlungsprioritäten und der am stärksten betroffenen Menschen ba- siert, die geschützt werden müssen. Jedes Land hat auch ein einzigartiges Profil in Form einer „Ungleichheitsbilanz“ für die letzten Jahre.1 Diese Profile zeigen die Umweltbedingungen auf, für welche die Länder in den letzten Jahren erfolg- reich (oder nicht) Ungleichheiten verringert ha- ben. Die Erkenntnisse können den Ländern helfen, zu beurteilen, welche Maßnahmen unter dem Ge- sichtspunkt der Chancengleichheit wirksam gewe- sen sein könnten und für welche umweltbedingten 1 Weitergehende Informationen enthält die Ergänzung mit Länderprofilen zu diesem Bericht, die nach der Veröffentlichung über die Website des Berichts (http://www.euro.who.int/en/EHinequalities2019) zugänglich sein wird. 5 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung Ungleichheiten möglicherweise neue Strategien in Betracht gezogen werden müssen. 7. In Bezug auf Energiearmut, Wärmekom- fort, feuchte Wohnungen und Lärmwahr- nehmung sind in den meisten Ländern der Region zunehmende Ungleichheiten festzustellen, die eine gemeinsame Her- ausforderung darstellen. Trotz der Vielfalt der nationalen Prioritäten zeigen vier Indikatoren für umweltbedingte Ungleichheit einen Anstieg in den meisten Ländern, für die Daten vorliegen: Energiearmut, Wärmekomfort, feuchte Wohnungen und Lärmwahrnehmung (siehe Kapitel 8). Drei dieser Faktoren beziehen sich auf materiel- le Wohnbedingungen, die in direktem Zusammen- hang mit den finanziellen Ressourcen stehen, und in allen drei Fällen sind die benachteiligten Gruppen diejenigen, die unterhalb der relativen Armutsgren- ze oder im untersten Einkommensquintil liegen. Gleiches gilt für die Lärmwahrnehmung: Von zu viel Lärm sind vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen betroffen; in manchen Ländern geben aber auch wohlhabende Gruppen an, unter höheren Lärmpe- geln zu leiden. Die Zunahme dieser Ungleichheiten zeigt, dass der sozioökonomische Status im Mittelpunkt der Fak- toren steht, die in der gesamten Region am drin- gendsten angegangen werden müssen. Sie legt außerdem nahe, dass die Wohnungspolitik und der Zugang zu bezahlbarem, qualitativ hochwertigem Wohnraum Schlüsselmaßnahmen zur Verringerung umweltbedingter Ungleichheiten sind. 8. Der Mangel an Daten über Ungleichheiten in Bezug auf die Exposition gegenüber umweltbedingten Risiken gibt Anlass zu großer Sorge, insbesondere im östlichen Teil der Region. In diesem Bericht werden Daten aus internationalen Datenbanken zusammengestellt, und die Ungleich- heitsindikatoren wurden nach der Verfügbarkeit von Daten für eine Vielzahl von Ländern in der Eu- ropäischen Region der WHO ausgewählt. Nationale Daten und Statistiken wurden nicht systematisch ermittelt, sodass in manchen Ländern relevante Daten möglicherweise über nationale Berichts- und Surveillance-Systeme verfügbar sind. Dennoch ist anzuerkennen, dass bei der Umweltüberwachung und in den damit zusammenhängenden Datenban- ken Chancengleichheitsaspekte tendenziell häufig vernachlässigt werden: Umweltinformationen wer- den zwar gesammelt, aber Daten zu den am stärks- ten betroffenen Bevölkerungsgruppen werden sel- ten zusammengestellt.. Im Rahmen dieses Berichts ist der Mangel an Daten am schwerwiegendsten im östlichen Teil der Regi- on, wo keine harmonisierten internationalen Erhe- bungen durchgeführt werden (im Vergleich zu den von der EU koordinierten Datenerhebungen) und die Hauptquelle für vergleichbare Informationen im Allgemeinen aus Erhebungen stammen, die von den Vereinten Nationen koordiniert werden. Wenn diese Lücke nicht mit nationalen Daten geschlossen werden kann, können keine Ungleichheitsbewer- tungen durchgeführt und benachteiligte Gruppen nicht identifiziert werden (und keine Erkenntnisse über die Determinanten gewonnen werden, die die Ungleichheiten verursachen). Der Mangel an Da- ten über die Verteilung der Umweltrisiken ist daher eine wichtige Aufgabe, die in diesen Ländern ange- gangen werden muss. 9. Die Herstellung der Chancengleichheit im Bereich Umwelt und Gesundheit erfordert die Mitwirkung der Gesamtgesellschaft und gesamtstaatliches Handeln, verbun- den mit einer sorgfältigen Abwägung ge- zielter Maßnahmen. In den letzten zehn Jahren haben sich Umweltvor- schriften und ordnungspolitische Maßnahmen zu- gunsten einer gesunder Umwelt in vielen Ländern als wirksam erwiesen; diese müssen umfassend umgesetzt werden, um schädliche Bedingungen zu verhindern. Diese allgemeinen Ansätze können je- doch weniger wirksam dabei sein, umweltbedingte Ungleichheiten zu verringern. Gezielte Interventio- nen sind eine Schlüsselstrategie, wenn universelle Ansätze zum Umweltschutz benachteiligten Bevöl- kerungsgruppen nicht den gleichen Nutzen bringen. Wirksame Maßnahmen gegen Ungleichheit er- fordern ressortübergreifende und gesamtstaat- liche Maßnahmen, die das Sozialwesen sowie den Beschäftigungs- und den Bildungssektor mit Entscheidungsträgern in den Bereichen Umwelt- schutz, Stadtplanung und Gesundheitsförderung verbinden. In Wohngegenden mit starker sozialer Benachteiligung und Umweltverschmutzung soll- ten lokale Interventionen sowohl auf die sozioöko- nomischen und demografischen Determinanten für Ungleichheit als auch auf die Umweltbedingungen ausgerichtet sein. In vielen Fällen werden solche Maßnahmen benachteiligten Menschen in mehrfa- cher Weise nutzen und als Nebeneffekte positive Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden sowie auf den sozialen Zusammenhalt nach sich ziehen. Um den bestehenden Ungleichheiten entgegenzu- wirken, müssen sich auch die nationale Politik und die Lokalpolitik der Bedeutung der „Verfahrensge- 6 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung rechtigkeit“ stärker bewusst werden. Dies bezieht sich auf einen fairen und gleichberechtigten politi- schen Ansatz für den Umgang mit Umweltproble- men und Emissionsquellen (wie Industriegebieten, Verkehrsinfrastruktur, Altlastenstandorten oder De- ponien). Diese befinden sich zu oft in Gebieten, die unter Umweltgesichtspunkten bereits übermäßig stark benachteiligt sind, aber weniger Einfluss auf Entscheidungen haben. Zugängliche Formen von Engagement und Partizipation sowie gleiche Rech- te in Entscheidungsprozessen sind notwendig, um sicherzustellen, dass benachteiligte Bevölkerungs- gruppen nicht zurückbleiben, und die für Sozia- les, Umwelt und Gesundheit zuständigen Akteure müssen bereit sein, zum Schutz der am stärksten belasteten und vulnerabelsten Menschen über den Bereich Umwelt und Gesundheit zu verhandeln. 10. Um umweltbedingte Ungleichheiten und die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen angemessen zu dokumentieren, werden Systeme in verschiedenen Größenordnungen benötigt, mit denen sich Chancengleichheit beobachten und überwachen lässt. Um künftige Bewertungen von umweltbedingten Ungleichheiten zu verbessern, die Quantifizierung der damit verbundenen gesundheitlichen Auswir- kungen zu ermöglichen und wirksame Maßnahmen zu entwickeln, sind nationale und lokale Monito- ring-Systeme erforderlich. Diese sollten ein Spek- trum von Daten abdecken, das es ermöglicht, Fol- gendes zu erheben und zu analysieren: • die sozioökonomischen und demografischen Merkmale der exponierten Bevölkerung; • das Niveau oder Konzentrationen von Um- weltrisiken; und • das Auftreten relevanter gesundheitlicher Re- sultate nach Bevölkerungsgruppen. Während die meisten persönlichen Merkmale in der Regel durch Umfragen erhoben werden, ist es schwierig, eine zuverlässige Bewertung der Expo- sition gegenüber umweltbedingten Risiken (sowie des Zugangs zu Umweltgütern und -ressourcen) durch Umfragen vorzunehmen, die auf Eigenanga- ben basieren. Eine Anbindung an Datenbanken zu Wohnbedingungen und Kataster, Monitoring-Daten aus städtischen Umfeldern und Daten aus der Um- weltüberwachung sowie objektive Konzentrations- messungen wären daher sehr wünschenswert. Alle Länder würden von einer Überprüfung der Wirk- samkeit ihrer bestehenden Überwachungssysteme profitieren, um sicherzustellen, dass relevante Da- ten auf ganzheitliche und integrierte Weise genutzt werden können, um Umweltungleichheiten und ihre gesundheitlichen Auswirkungen zu beseitigen. Der Datenaustausch und die Anbindung beste- hender Datenbanken auf nationaler und lokaler Ebene könnten - zusammen mit einer sorgfältigen Erweiterung der Inhalte von Erhebungen um das Thema Chancengleichheit - die Wissensbasis über Ungleichheiten erheblich verbessern und bei Be- wertungen der Auswirkungen von Politiken oder Maßnahmen auf die Chancengleichheit hilfreich sein. Weitere Möglichkeiten, die untersucht werden sollten, bieten die SDG-Indikatoren, die für nationa- le und internationale Fortschrittsbewertungen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung genutzt werden und verschiedene Stratifizierungen unter anderem nach Geschlecht, Alter oder Urbanisie- rungsgrad umfassen. Diese Daten werden es den Akteuren auf der nationalen und lokalen Ebene er- möglichen, das Ausmaß und die Ursachen umwelt- bedingter Ungleichheiten zu verstehen und die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu identifizieren, die deshalb im Mittelpunkt des politi- schen Handelns stehen sollten. 7 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung Das weitere Vorgehen Bevölkerungsgruppen mit geringeren sozioökono- mischen Kapazitäten, weniger Einfluss und ande- ren sozialen, demografischen oder ortsbedingten Nachteilen leiden am meisten unter Ungleichhei- ten in Bezug auf die Exposition gegenüber um- weltbedingten Risiken und Verletzungsraten. Viele dieser Ungleichheiten sind systemisch, weil sie auf gesellschaftliche Strukturen und Prozesse zurück- zuführen sind, und ungerecht, weil sie Umwelt- güter und Umweltbelastungen ungleich verteilen und eine umweltbedingte Unterklasse mit erhöh- ter Wahrscheinlichkeit von Risikoexposition und negativen gesundheitlichen Auswirkungen entste- hen lassen. Diese Ungleichheiten können von den Behörden auf der nationalen und der lokalen Ebene durch folgende Maßnahmen angegangen, verringert und verhindert werden: • Chancengleichheit berücksichtigende Um- weltpolitik und Entscheidungsfindung; • ressortübergreifende Zusammenarbeit zwi- schen Akteuren und Interessengruppen aus den Ressorts Soziales, Umwelt und Gesund- heit; • Einbeziehung der Förderung der Chancen- gleichheit in die Stadt- und Infrastrukturpla- nung und damit zusammenhängende Folgen- abschätzungen; • umfassende Umsetzung von Umwelt- vorschriften und -normen mit speziellem Schwerpunkt auf besonders belastete Gebie- te und Verunreinigungsquellen; • gezielte Maßnahmen für unter Umweltge- sichtspunkten benachteiligte Bevölkerungs- gruppen oder Wohngegenden; • bessere Integration von Chancengleichheits- dimensionen in die Umweltbeobachtung und überwachung; und • Anerkennung der Bedürfnisse benachteiligter Gemeinschaften und ihres Mitspracherechts in Entscheidungsprozessen. Das Engagement für die Gestaltung gesunder Le- bensräume für alle ist eng mit einer Reihe anderer Politikrahmen verbunden. Dazu zählen die Agen- da für nachhaltige Entwicklung (mit dem Ziel, niemanden zurückzulassen und Ungleichheiten zu reduzieren), das gesundheitspolitische Rah- menkonzept „Gesundheit 2020“ der Europäischen Region der WHO (mit Hauptzielen der Verringe- rung von Ungleichheiten und der Schaffung ge- sundheitsförderlicher Umfelder) und der jüngsten Ministererklärung über Umwelt und Gesundheit (mit der Aufforderung zur Vermeidung und Ver- ringerung von Ungleichheiten als Querschnittsziel für alle umweltbezogenen Aktivitäten). Im Einklang mit dem Thema der Sechsten Mi- nisterkonferenz Umwelt und Gesundheit („Bes- sere Gesundheit. Bessere Umwelt. Nachhaltige Entscheidungen“) fordern und erleichtern diese Rahmenkonzepte und politischen Verpflichtun- gen Maßnahmen zur Identifizierung von Bevöl- kerungsgruppen, die zurückgelassen werden. Für diese benachteiligten Bevölkerungsgruppen muss die Verpflichtung zur Schaffung einer „besseren Umwelt“ und daraus folgend „besserer Gesund- heit“ mit der Gewährleistung gleicher Umweltbe- dingungen, die allen nachhaltige Entscheidungen ermöglichen werden, noch erfüllt werden. Es ist zu hoffen, dass die in diesem Bericht vorgelegten Daten, die nationalen Regierungen Informationen über die Ungleichheiten und Diskrepanzen der Umweltbedingungen in ihren Ländern an die Hand geben, eine Grundlage für nationale Folgeprozes- se und ein starkes Argument für die Einbeziehung umweltbedingter Ungleichheiten in nationalen Handlungskataloge zu Umwelt und Gesundheit sein können. 8 Gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa Zweiter Sachstandbericht Zusammenfassung Quellenangaben WHO-Regionalbüro für Europa (2017a). Environment and health in Europe: status and perspectives. Kopenhagen: WHO-Regionalbüro für Europa (http://www.euro.who.int/en/health-topics/environment-and-health/pages/ european-environment-and-health-process-ehp/environment-and-health-in-europe-status-and-perspectives, eingesehen am 26. Mai 2019). WHO-Regionalbüro für Europa (2017b). Erklärung der Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit. Kopenhagen: WHO-Regionalbüro für Europa (http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_ file/0019/342280/170574ale_Ostrava-Declaration-GERMAN.pdf, eingesehen am 26. Mai 2019). WHO-Regionalbüro für Europa (2018). Gesunde Umwelt für gesündere Menschen Kopenhagen: WHO-Regionalbüro für Europa http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0009/367191/eceh-ger.pdf, eingesehen am 26. Mai 2019). 9 Das WHO-Regionalbüro für Europa Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine 1948 gegründete Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die sich in erster Linie mit internationalen Gesundheitsfragen und der öffentlichen Gesundheit befasst. Das WHO-Regionalbüro für Europa ist eines von sechs Regionalbüros, die überall in der Welt eigene, auf die Gesundheitsbedürfnisse ihrer Mitgliedsländer abgestimmte Programme durchführen. Mitgliedstaaten Albanien Andorra Armenien Aserbaidschan Belarus Belgien Bosnien und Herzegowina Bulgarien Dänemark Deutschland Estland Finnland Frankreich Georgien Griechenland Irland Island Israel Italien Kasachstan Kirgisistan Kroatien Lettland Litauen Luxemburg Malta Monaco Montenegro Niederlande Nordmazedonien Norwegen Österreich Polen Portugal Republik Moldau Rumänien Russische Föderation San Marino Schweden Schweiz Serbien Slowakei Slowenien Spanien Tadschikistan Tschechien Türkei Turkmenistan Ukraine Ungarn Usbekistan Vereinigtes Königreich Zypern Umweltbedingungen sind eine wichtige Determinante für Gesundheit und Wohlbefinden, aber sie sind nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt. Für benachteiligte Bevölkerungsuntergruppen bestehen häufig höhere Umweltrisiken. Dieser Bewertungsbericht untersucht die Verteilung von Umweltrisiken und Verletzungen innerhalb von Ländern und zeigt, dass Bürger täglich in allen Situationen, in denen Menschen leben, arbeiten und ihre Zeit verbringen, von ungleichen Umweltbedingungen, Risikoexpositionen und damit verbundenen gesundheitlichen Resultaten betroffen sind. Der Bericht dokumentiert das Ausmaß der Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit innerhalb von Ländern anhand von 19 Indikatoren für Ungleichheiten in Bezug auf Bedingungen in städtischen Gebieten, Wohn- und Arbeitsbedingungen, Grundversorgung und Verletzungen. Ungleichheiten in Bezug auf Risiken und Resultate treten in allen Ländern der Europäischen Region der WHO auf, und die jüngsten Erkenntnisse bestätigen, dass sozial benachteiligte Bevölkerungsuntergruppen am stärksten von Umweltgefahren betroffen sind, die vermeidbare gesundheitliche Auswirkungen haben und zu gesundheitlichen Ungleichheiten beitragen. Die Ergebnisse zeigen, dass mehr umweltbezogene und ressortübergreifende Maßnahmen zur Identifizierung und zum Schutz derjenigen ergriffen werden müssen, die bereits unverhältnismäßig stark von Umweltbelastungen betroffen sind. Die Beseitigung der Ungleichheiten in Bezug auf Umweltrisiken wird dazu beitragen, vermeidbare gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern und Gesellschaften zu schaffen, die sich durch mehr Fairness und Zusammenhalt auszeichnen. Die Gesamtausgabe können Sie hier herunterladen: http://www.euro.who.int/en/EHinequalities2019. Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro für Europa UN City, Marmorvej 51, DK-2100 Copenhagen Ø, Denmark Tel.: +45 45 33 70 00 Fax: +45 45 33 70 01 Email: eurocontact@who.int Website: www.euro.who.int WHO/EURO:2019-3507-43266-60640

Key facts
Document type Technical Documents
Adoption date
Source World Health Organization